Goethes Erben auf dem Amphi Festival 2015
Goethes Erben auf dem Amphi Festival 2015

Gothic Friday Juni: Festivals? Nicht zwingend notwendig (Svartur Nott)

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Goethes Erben auf dem Amphi Festival 2015
Goethes Erben auf dem Amphi Festival 2015
CC by-sa Atamari @ commons.wikimedia.org

Das Festivals und Großveranstaltung nicht zwingend zum Szene-Leben dazugehören müssen, erzählt uns Svartur Nott für den Gothic-Friday im Juni. Nicht allein wegen eines schmalen Geldbeutels sondern vielleicht auch wegen dem Charakter einer solchen Massenveranstaltung.

Festivals. Für manche Menschen DER Ort um gehörig abzufeiern und natürlich seine Lieblingsbands anzuschauen. Mit tausenden anderer Gleichgesinnter (?). Zuweilen im Matsch mit wenig Komfort. Manche mögen sie aus diesen Gründen. Manche meiden sie aufgrund selbiger. Ich zähle mich eher zu Letzteren.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen fühle ich mich in Menschenaufläufen sehr unwohl, erst recht, wenn diese zu einem nicht unwesentlichen Anteil aus Personen besteht, mit denen ich einfach nichts zu tun haben möchte. Zum anderen sind zumeist die Bands ein wesentlicher Ablehnungsfaktor. Bei den großen Festivals (Mera Luna, Amphi, WGT mit Einschränkung) ist für jeden was dabei, meistens zumindest. Ist man dem akustischen schwarzen Mainstream wie in meinem Fall jedoch nicht zugeneigt, wird es problematisch. Dann sind die großen Festivals uninteressant und das Geld die wenigen interessanten Bands nicht wert. Natürlich springen kleinere Events in Bresche, die häufig spezialisierter sind und auch viele neue, alte und unbekannte Bands mit drin haben, und nicht nur die gefühlt ewig gleichen Headliner bei den großen Festivals. Doch da hatte ich in den letzten drei Jahren leider nicht die Möglichkeit, hinzukommen.

Festivals vs. Gigs

Obwohl ich auf Festivals faktisch nicht anzutreffen bin, war ich bereits auf zwei großen Massenveranstaltungen der Schwarzen Szene: 2013 auf dem Mera Luna und 2015 auf dem Amphi. Das Mera wollte ich seinerzeit einfach mal gesehen und erlebt haben, damals befand ich mich am Beginn meines Einstiegs in die schwarze Musiklandschaft. So habe ich mir auf meinem ersten Festival in meinem Leben so viele Bands angesehen, wie ich nur konnte, quasi aufgesaugt und innerlich gesiebt, was mir gefällt und was mich nicht bewegt und natürlich damals das erste Mal gesehen, wie die heutige Schwarze Szene tickt. Mit dieser Erfahrung im Gedächtnis und um die Erfahrung zweier Lebensjahre reicher bin ich dann letztes Jahr aufs Amphi gefahren, dort in dem Einzelfall tatsächlich aufgrund gewisser Bands (Das Ich, Goehtes Erben, The Mission, et cetera), die mich dann allesamt entzückten. Dinge, die mich störten, habe ich versucht auszublenden oder herunterzuschlucken, was mir allerdings im Falle des Umgangs mit den Plastikbechern von Teilen des Publikums sehr schwer fiel: Eine zugemüllte Lanxess-Arena schränkte zumindest mein Wohlgefühl erheblich ein. So viel zum Thema Komfort.

Nun gut, so nutze ich anstelle von Großveranstaltungen lieber kleine, intimere Veranstaltungen und Gigs mit überschaubarem Publikum, welches die Bands da vorne auf der Bühne genauso wie ich auch wirklich sehen will. Wo man in der ersten und zweiten Reihe steht und den Künstlern direkt ins Gesicht sehen kann. Wo das Gefühl der Verlorenheit sich nicht auf die Menschenmengen bezieht, sondern auf die Musik. Wo man sich einfach geborgen fühlt und, wenn es sich ergibt, mit den Künstlern sogar noch ne Runde schnacken kann. Das gibt mir mehr als jedes große Massenspektakel.

Interludium – WGT

Nun habe ich das WGT mit aufgezählt. Dieses hat für mich derzeit keinen hohen Stellenwert. Ich sehe mir die Berichte und YT-Videos an und denke mir: Dieser Rummel ist nicht meins. Allerdings würde ich mir selbst ein Bild machen, wollen, daher ist es angestrebt, irgendwann doch mal dahin zu kommen. Und wenn es mich dahin verschlägt, würde ich äußerst gerne ein paar Menschen real kennen lernen (Spontis-Treffen) und natürlich auch ausgewählte Bands sehen.

Das WGT ist für mich jedoch keine Pflicht. Die Gothic Pogo Party dagegen schon eher, alleine aus ideellen Gründen. Irgendwann schaffe ich es nach Leibzsch. Irgendwann….

Meine eindrucksvollsten und schönsten Live-Erlebnisse

Ich bin vom Auftritt der Erben Goethes auf dem Amphi 2015 sehr angetan gewesen, da kam Gefühl und Atmosphäre rüber, wie sie auf den beiden bisher besuchten Festivals einzigartig waren. Es wurde ein wundervolles Musik-Theater und krasser Kontrast zum eher elektrolastigen Programm geboten, und das auf der Arena-Bühne. Ich war noch die folgenden Tage schwer beeindruckt. Und bin es vielleicht auch heute noch…Ähnlich gelungen war ein Gig im Dezember letzten Jahres in Stuttgart, bei dem Nim Vind, Argyle Goolsby, The Other und Christian Death aufgespielt haben. Die ersten drei Bands sorgten für ordentlich Stimmung im ‚Universum‘. Ich hatte mich insbesondere auf CD gefreut und wurde dann auch nicht enttäuscht. Der Auftritt von Mr. Kand und Gefährten war ein Stilbruch mit vergleichsweise ruhigerer Gitarre, was mir jedoch sehr gut gefiel. Der Abend ist jedenfalls unter meinen schönsten Erlebnissen abgespeichert.

Ich besuche, wenn, häufig irgendwelche kleinen Gigs in erreichbarer Nähe, denn das Gute muss nicht immer weit weg sein. So bin ich eines Abends im vorletzten Jahr auf einen Gig zweier mir vollkommen unbekannter Bands im hiesigen Jugendzentrum gegangen. Vollkommen ohne Erwartungen, einfach, um mich mal überraschen zu lassen und weil ich endlich mal wieder Livemusik haben wollte. Die erste Band war ganz nett (Garagenpunk aus Konstanz), die zweite jedoch hat mich überrascht. Vier Amerikaner aus San Franzisco spielten da mit nem Synthie und einer Echo-verhallten-Gitarre herum und sorgten für eine Atmosphäre im vollkommen heterogenen, eher indi-angehauchten Auditorium, welche ich so interessanterweise nie wieder erlebt habe. So friedlich, so weltfremd, so entrückt und in sich versunken – und ich mittendrin. Die Szenerie hätte stimmungsmäßig perfekt in eine Gruftveranstaltung gepasst. Ich habe mir den Namen der Band damals leider nicht gemerkt, aber diese zwei Stunden dieses Abends waren einfach wundervoll. Ich bin gespannt, ob es eines Tages nochmal einen Gig geben wird, der diesen Abend toppen kann…

 

 

Ruhige und verplanter Zeitgenosse mit einer Leidenschaft für tendenziell düstere Musik., Helferlein für den Gothic Friday 2016 und Gastautor bei mancher Gelegenheit.,

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Flederflausch
Editor

Menschenaufläufe nicht mögen – dass kenne ich. Ich war früher total verschüchtert und habe lange gebraucht mich bei solchen Veranstaltungen wirklich mehr oder weniger wohlfühlen zu können. Mir ist es teilweise trotzdem schlicht zu voll.
Veranstaltungen wie das Mera Luna und das Amphi habe ich bisher, auf Grund von dir beschriebenen Gründen auch nicht besucht und ich vermisse es auch gar nicht…

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

Dazu kann ich noch was zu Amphi 2015 erwähnen, das war für mich eine eigenartige Erfahrung. Ich kannte diese Menschenmassen ja bereits u.a. vom Mera 2013 und doch habe ich mich Zu Beginn des ersten Amphi-Tages, als ich aufs Gelände ging so verdammt unwohl gefühlt, dass ich erstmal gute 2 h brauchte, um mich zu akklimatisieren. Der Karneval um mich herum und die in deinem Beitrag erwähnte Proll-Fraktion trugen sicherlich massiv zu diesem Unwohlsein bei, wobei mir ja eigentlich schon im Vorfeld klar war, dass ich sowas da erleben würde – da hat die Phantasie womöglich nicht ausgereicht. Hinzu kam der Umstand, dass aufgrund einer Sturmwarnung alle Auftritte und auch das Gros der Besucher in den Innenbereich der Arena gequetscht wurde. Das war ein Gewusel wie in einem Kaufhaus vor nem Feiertag. Ich habe mich dann mit meiner Begleitung auf die Treppen, bzw. auf die oberen Bereiche voerzogen, um ein bisschen „luft zu bekommen“. Am Folgetag entspannte sich die Situation etwas, aber dieses Unwohlsein blieb trotz toller Auftritte irgendwie permament an mir haften, sodass ich, wie beschrieben, ebenfalls keinen Drang habe, soetwas nochmal zu erleben. Dann doch lieber statt 20.000 „Schwarzer“ 100 Gruften und was dazugehört…

Tanzfledermaus
Autor

Ja, Massenveranstaltungen sind auch nicht mein Ding. Da fühle ich mich schnell verloren, bin genervt und kann das alles nicht richtig genießen. Dann lieber klein, aber fein mit der Gelegenheit, sich richtig auf das zu konzentrieren, was geboten wird. Das geht mir aber auch mit privaten Feiern so. Je mehr Leute anwesend sind, desto unwohler und unruhiger fühle ich mich.

Kathi
Gast
Kathi

jep, dass WGT ist auch das einzige große Festival“, das ich besuche. Auch nur wegen den Leuten großteils.
Ich mag es mit Freunden durch Leipzig zu ziehen und doch die ein oder andere musikalische Offenbarung zu erleben.
Ansonsten liebe ich das Darkspring eben wegen erwähnter möglichkeit sich auf eins zu konzentrieren (und nicht übermüdet doch eine Band zu verpassen, dei man unbedingt angucken wollt^^)