Musikalischer Briefkasten #17 – In Vino Veritas? Aber nur im Dunkeln!

Die Dunkelheit bricht herein. Es wird Nacht. Langsam entrücken die eigenen Gedanken dem Alltag und schaffen Platz für Sinnliches, für den Rest des vollen Rotweins, der sich langsam auf den Geschmacksknospen breit macht. The Moon Lay Hidden Beneath A Cloud, schießt es mir in den Kopf, während ich – vorbei an den wehenden Platanen durch das schräge, geöffnete Dachfenster – auf das helle, aufsteigende Rund im Himmel starre. Wie passend, dass sich mein Blick nach Osten richtet. Nun denn. Es wird Zeit, das Sammelsurium an Nachrichten, das sich in den vergangenen Monaten im musikalischen Briefkasten ansammelte, zu ordnen.

¡-PAHL-! – I

Mit ihrem Erstlingswerk legen PAHL aus Leipzig dem geneigten Ohr gesellschaftskritische Alternativmusik mit englisch/deutschsprachigen Texten nahe. Manchmal etwas poppig klingend, gerät das ruhige, differenziert-elektronisch untermalte Klangbild immer wieder in die dunklen Ströme der Musik.

Und genau dann kommt meiner Meinung nach am besten rüber, was das Projekt inhaltlich möchte: Ein wenig die Gehirnwindungen kitzeln. Daher seien euch Big Data, Mankind, On Conspiracies empfohlen.

Das Bild im Titel des Artikel stammt übrigens von der Band und zeigt sie vor der Leipziger Skyline aus dem MDR-Wolkenkratzer. Für alle, die es dann noch visueller mögen, habe ich folgendes Video ausgesucht.

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IV horsemen – Parade Nocturne (Aufnahme + Wiedergabe)

Beginnen wir mit den IV Horsemen. Dies ist das Soloprojekt von Timothée Gainet, welcher uns vor einiger Zeit schonmal mit seinem Hauptprojekt Poison Point vor die Linse trat. Hier nun widmet er sich in seinem frischen Machwerk Parade Nocturne mit Unterstützung von A+W ebenfalls treibenden Beats & verfremdetem Gesang. Diesmal allerdings eingängiger und mit Fokus auf nahöstlichem Klang melodischer im Vergleich zum damalig kurz-rezensierten Machwerk.

Die vier reinhörbaren Stücke lassen nur einen kleinen Einblick zu, jedoch meine ich insgesamt eine deutlich stärkere Konsistenz im Vergleich zur damaligen Mini-Rezension von Poison Point feststellen zu können. Klar, der Fokus der Veröffentlichung liegt auf Tanzbarkeit, hier jetzt allerdings ausgeschmückter und abgestimmter. Die Mid-Tempo-Passagen passen perfekt ins Klangbild und sorgen auch dahingehend für Abwechslung in den Gehörgängen.

Als Tipp kann ich euch direkt den Titeltrack nahelegen als zweite Wahl dann:

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Tangerinecat – Glass

Da man sich naturgemäß beim Beitragsscheiben auf der Plattform Bandcamp bewegt, wandern die Augen manchmal auch in die Vorschläge, welche zu der gerade laufenden Veröffentlichung passen (sollen). Und auch wenn man sich beim Durchhören nicht ablenken lassen möchte, wird man doch immer mal wieder schwach. In solch einem Moment landete der Mauszeiger auf wundersame Weist bei Tangerinecat und ihrem diesjährig veröffentlichten Album Glass.

Als Einflüsse – so der Begleittext – werden unter anderem Gesaffelstein, Nick Cave, My Dyding Bride, karpatho-ukrainisches Liedgut und Filmmusik des sowjetischen Filmemachers Sergei Parajanov genannt. Eine vielschichtige Mischung, welche das in Wales ansässige Duo, Eugene Purpurovsky und Paul Chilton, in ihrem Werk aufgegriffen hat.

Denn abwechslungsreich ist das, was dem Hörer entgegenströmt, auf jeden Fall. Mal ambientig, mal taktgebend, eine elektronische Drehleier, der tiefe Sprechgesang Eugenes, massig Effekte und immer wieder Glas…

Zum Anfüttern sei euch hier nur Mass of the black cat nahegelegt…

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Velvet Velour – Pleiades/Blood Moon (Swiss Dark Nights)

Demnächst könnte vielleicht das Projekt Velvet Velour der russischen Künstlerin Valeria Valuyskaya bei euch in den Playlists oder gar auf der Tanzfläche erscheinen. Tanzbare, elektronische/minimale Syntie-Klänge ala Linea Aspera oder Kaelan Mikla werden hier dargeboten und konnten zumindest bei mir Wohlwollen erzeugen. Einen guten Fang haben SDN hiermit gemacht, hoffentlich gibt es aus der Ecke mehr.

Anspieltips im – noch überschaubaren – Gesamtwerk wären meinerseits Frozen Love, blood moon oder

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This Can Hurt – World Apart (Lacienda Records)

This Can Hurt wurden 2015 in Ghent als Studioprojekt gegründet und von diversen Alternativ-Rockbands der 80er & 90er beeinflusst (Nine Inch Nails, Sisters of Mercy, Deftones, u.a.). Mit einem Mix aus mal softerem, mal etwas härterem Rock unter teils poppigen Indie-Anleihen wäre die Gruppe bei MTV sicherlich perfekt aufgehoben gewesen. Und so klingt das 2019er-Album World Apart gar nicht mal schlecht. Anspieltips: The Fall Of Mark E. Smith oder auch Some Days.

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Sexblood – Teach Me To Cry (Swiss Dark Nights)

Manchmal könnte man meinen, Goth im klassischen Sinne verirrte sich nicht allzu häufig in den Briefkasten. Dieses Mal haben wir allerdings dank Abel, dem Haupt von Sexblood, doch glatt einen frischen Vertreter aus dem Elsass dabei, welcher der zweiten Welle des veehrten Genres ‚Gothic Rock‘ huldigt. Und zwar medial so herrlich, ja prätentiös rübergebracht, dass man die Dame und Herren einfach mit einem seligen Lächeln lieb haben muss.

Liebhaber von The Mission, Rosetta Stone, Angels Of Liberty & Co kommen hier musikalisch sicherlich auf ihre Kosten. Sei es bei black rain, sleeping angel, girls in uniform, oder…

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Nino Sable – Sedate & Seduce (Équinoxe Records)

Im selben Genre beheimatet, und doch etwas anders klingend, hätten wir dann noch Nino Sable aus Bochum. Herr Sable (Sänger von Aeon Sable) hat mit Sedate & Reduce 15 Jahre seines privaten Schaffens mithilfe vom Sweet Ermengarde-Kollegen, Lars Kappeler, aufgearbeitet.

Habe ich Aeon Sable als härtere Gothen-Formation im Gedächtnis, über welche ich in meiner Anfangszeit recht schnell stolperte (siehe Visions), geht es bei Nino Sable merklich ruhiger zu. Ja fast balladesk,- so bei Beautiful Death oder Allordieside siehe unten – oder mit folkigem Einschlag wie bei Script Of Devotion. bei Obey 2020 ertönen dann zwar harte Gitarre und verzerrter Gesang, dies erweist sich zum Glück mit Blick auf die letzten beiden Tracks nur als Episode eines ansonsten stimmigen Werkes.

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Zum Abschluss sei dem nimmermüden Hörer vielleicht noch ein Kleinod mitgegeben, welches ich euch nicht vorenthalten möchte:

Nyx Linnae mit ihrem an Siouxsie oder Switchblade Symphony erinnernden Projekt Cemetary Siren und den beiden Demostücken Nothing Left & Scorn me now.

Einfach, weil es irgendwie geschafft hat, mein Herz zu berühren, während der Mond hinter den Wolken verschwand…

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Kommentare

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Durante
Durante(@durante)
Vor 1 Monat

Immer wieder schön wie Spontis den eigenen musikalischen Horizont erweitert… :)
Einige Stücke sind musikalisch nicht so mein Fall, trotzdem aber zumindest einmalig hörenswert da definitiv ungewöhnlich.

Der Song von Nino Sable gefällt mir ziemlich gut (auch das Video hat was).“Dark Woman“ von „Sexblood“ würde mir rein vom Sound her auch zusagen, aber mir persönlich sind Bandname, Songtitel, Text und die übertriebenen Grimassen des Sängers so in Kombination dann doch etwas too much… ;)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Vor 1 Monat

Sexblood und Nino Sable sind ein schöner Ohrenschmaus. Aber besonders Cemetary Siren finde ich sehr herrlich. Vielen Dank für die musikalische Erweiterungen für Seele und Gehör. :)

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 1 Monat

Stimmt, Cemetary Siren is echt wunderbar! Die beiden unscheinbaren Text-Links ganz am Ende hatte ich gestern Nacht doch glatt übersehen… ;)

Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Gut das wir uns bei dem Konzert von The Cure nicht übersehen haben. :D

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 1 Monat

In der Tat! :D

Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Antwort an  Svartur Nott
Vor 1 Monat

Ah, perfekt! Das hatte ich mich schon mal gefragt, ob man Neuentdeckungen Euch auch schicken darf.

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