21 Juli

Musikperlen – Im rosa Schlafanzug vor’m Videogerät (Tauchgang #36)

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 3 Kommentare

MusikperlentaucherNeulich in einer schummrigen, durch Nebelschwaden erblindeten, feucht-gruftigen Discothek in Leipzig: „Ich bin nicht nur erschrocken, dass es so eine Version dieses Liedes gibt, sondern auch weil Du den Text mitsingen kannst!“ Was mir mein schwarz gekleidetes, im besten Alter des Lebens verweilendes und kurzhaarig-blondes Gegenüber an den Kopf schmeißt, zaubert mir ein Schmunzeln auf die Lippen. Nicht etwa, weil ich ihn für seine Unwissenheit oder Ignoranz belächelnd Abstrafen will, sondern weil er auf sonderbare Weise Recht hat. Woher kenne ich solche Lieder eigentlich? Und was hat diese Form der Musik überhaupt in einer vermeintlich gruftigen Discothek zu suchen?

Musikalisch ganz klar in den 80er Jahren angesiedelt, genießt das Stück schon mal pauschal einen Bonus. Die neue deutsche Welle der unbekannteren Sorte reizt mich darüber hinaus sowieso und die minimalen und wavigen Klänge passen perfekt in mein Lebensgefühl, das zugegebener Maßen etwas nostalgisch anmutet. Klar ist aber auch, dass nicht alles Gold (oder silber bis neon-bunt) ist, was aus dieser Zeit glänzt, denn aufgrund einer idealistischen Ablehnung von übertriebenem Kommerz lehne ich natürlich die totgedudelten Klassiker der NDW, mit denen sich die Musikproduzenten großer Labels eine goldene Nase verdient haben, kategorisch ab. Obwohl. So ganz stimmt das natürlich auch nicht. Das merke ich immer dann, wenn ich mal wieder einen Klassiker auf der Autobahn mitjaule, dabei gefilmt werde und dieses Video dann instant und vollautomatisch bei Facebook gesperrt wird, weil es die Urheberrechte von WEA, Ariola oder Universal angeblich in Gefahr sind.  Verrückte Welt. Den ganzen Artikel lesen… »


2 Mai

Mit Witchhouse auf toten Pfaden ins Gothic-Sein

von Kategorie: MusikDiskussion: 6 Kommentare

Witchhouse - To be a Goth 2017Machen wir uns nichts vor. Die Zeiten, in denen wir uns auf nostalgischen Definitionen unserer geliebten Szenemusik ausruhen konnten und neue musikalische Genre und Einflüsse vehement ignorierten, sind vorbei. Sollten sie zu mindestens, wenn wir nicht unsere eigene Daseinsberechtigung der Andersartigkeit zu Grabe tragen wollen. Stilikonen von einst wirken mittlerweile wie die bemüht engagierte Genre-Opas aus Zeiten, in denen man noch nicht seine Szenekluft aus dem Internet zusammenklicken konnte. Wer nimmt Andrew Eldritch, den Sänger der nicht nicht tot zu kriegenden Sisters of Mercy, denn heute noch ernst, wenn er mit beinahe 60 Jahren im neongrünen Shirt „Lucretia my Reflection“ ins Mikrophon haucht? Ist der Typ da auf der Bühne ästhetisches Vorbild für den Nachwuchsgrufti? Blicken wir den Tatsachen ins Auge: das was einst verrucht, böse, okkult und undergroundig war, ist heute längst akzeptiert, toleriert und konsumiert. Vampire glänzen im Sonnenlicht, Babys tragen Strampler mit Totenköpfen und die Augen von Siouxsie Sioux zieren heute die Shirts der H&M Girlie-Kollektion. Songs von Bauhaus, The Cure, Depeche Mode, The Mission oder Joy Division untermalen mittlerweile besonders düstere Szenen im Tatort, der an den Sonntag Abenden den Veitstanz der Spießigkeit untermalt.

Vielleicht brauchen wir neue Leitbilder, um uns selbst zu rechtfertigen, der aufkeimenden Lächerlichkeit zu entrinnen und dem Nachwuchs nicht ständig von den „alten Zeiten“ in den Ohren zu liegen. Witchhouse ist musikalisch nichts neues, aber möglicherweise etabliert und stimmig genug, um Gothic – oder die schwarze Szene im weitesten Sinne – zu helfen, in ein neues Zeitalter zu zu schreiten. Reikon DeVore, der einen Artikel über das Thema anregte, ist der Überzeugung, dass Neugier auf das verwirrend Unbekannte der Musikrichtung die Szenegänger wieder vor die Bühnen und auf die Tanzflächen locken könnte. Den ganzen Artikel lesen… »


23 März

Musikperlen – Masken tanzen Einsamkeit (Tauchgang #35)

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 4 Kommentare

MusikperlentaucherLicht tanzt auf meinem Gesicht, Schatten an der Wand, mein Stammplatz ist der Notausgang, halt mich fest, ich bin allein. Zukunft gibt’s keine hier, keine Liebe, kein versteh’n. Worte, wo ist der Sinn? Total anonym, total allein.“ Ich habe keine Ahnung wer die Band Tabu ist, von der dieses Liedzeile stammt und doch ist sie der Beweis, dass noch Dinge zwischen Musik, Text, Subjektivität und Objektivität existieren, die einen Song zu dem machen können, was er für einen geworden ist. Tief aus dem Keller der Neuen Deutschen Welle scheint dieses Werk zu stammen, es riecht ein wenig modrig, ist staubig und wirkt in gewisser Weise antik. Es hatte nie einen besonderen Glanz und vermochte nicht, mit dem Funkeln der NDW-Sterne aus jener Zeit mitzuhalten. „Sternenhimmel“, „Fred vom Jupiter“, „Hurra, hurra die Schule brennt“ prägen das Jahr 1982, bestimmen die Ohrwürmer auf den Schulhöfen, sind die Lieblingsplatten der Tanzpaläste und irgendwie auch ständig im Radio oder im Fernsehen seiner Zeit.  Der Song „Allein“ von der Band Tabu verhallt offenbar ungehört im Nirwana der Belanglosigkeit. Möglicherweise lag es daran, dass er melancholisch klingt. Wütend schreit der Sänger seine Einsamkeit ins Mikrofon, während er fast zärtlich von der Zukunftslosigkeit erzählt.

Das Stück polarisiert. Entweder man findet es schlecht oder man liebt es. So kommt es mir vor, als einige der Hörer auf einem Tanzflächenabend in Werk II in Leipzig beim jaulen der letzten Strophen das Gesicht schmerzverzerrt verziehen und fluchtartig den Raum verlassen. Die anderen stehen hingebungsvoll da, bewegen Türme, Iros und Teller wiegend zum Takt der Musik, haben meist die Augen geschlossen und scheinen mit sich selbst und ihrer Welt beschäftigt zu sein. Hätte ich auch so gemacht, doch ein innerer Drang zwang mich dazu, durch die leicht geöffneten Augenschlitze zu spähen. Ich liebe diesen Song. Er bringt alles das in ein 4 Minuten langes Requiem, was die 80er in meiner schöngefärbten Erinnerung gewesen sind. „Alleine“ ist der damit freilich nicht, wie dieser Tauchgang des Musikperlentauchers zu zeigen versucht: Den ganzen Artikel lesen… »


16 Januar

Propheten der Dunkelheit – 2017 im Zeichen des Post-Punk

von Kategorie: Dunkle LichtblickeDiskussion: 12 Kommentare
Masquerade - Finnland - Press Promo

Die finnische Band Masquerade ist am 3. Juni 2017 im Täubchenthal im Rahmen des WGT zu sehen.
(c) Masquerade

Etwa alle 10 Jahre wird der Goth-Szene ihr Untergang prophezeit. Die Gründe liegen scheinbar jedes mal auf der Hand. Nicht nur die neu hinzugekommenen Szene-Mitglieder treiben immer unverständlichere Blüten, sondern auch musikalisch scheint sich alles das, was zu Beginn der Dekade noch frisch und unverbraucht erschien, totgelaufen zu haben. Und neue Sachen? Goth bewahre! Alles schon mal dagewesen, alles nur eine Kopie. 

Spontis behauptet: Alles Unsinn! Mit jedem Jahrzehnt wird man eines Besseren belehrt, denn auf dem fruchtbaren Boden, den die „Alten“ in den 80ern sähten, wachsen immer wieder neue Bäume. Natürlich, der schwarze Apfel, der auf diesen Bäumen wächst, wird dadurch nicht neu erfunden, doch immer wieder benetzen neue Geschmacksrichtungen den gruftigen Gaumen und können dem Geneigten wohl möglich ein freudestrahlendes Glucksen – wahlweise aber auch ein melancholisches schlurfen – entlocken. Selbstverständlich nicht bei allen. die Szene-Maurer mauern meterhoch um ihre Erstpressung von „Disintergration“ und Gothic-Katzen fauchen den Angreifer an, um sich dann auf der ewig drehenden „Vision Thing“ schnurrend einzurollen. Frei nach dem Motto: „Was der Grufti nicht kennt, wird nicht betanzt.“ Doch woran scheitert die musikalische Weitsicht? An fehlendem Nachwuchs kann es jedenfalls nicht liegen. Spontis zeigt eine Reihe von recht jungen Post-Punk Bands, die man auch 2017 im Ohr behalten sollte: Den ganzen Artikel lesen… »


17 September

Musikperlen – Allein im tiefsten Nebelmeer (Tauchgang #34)

von Kategorie: Back to the RootsDiskussion: 2 Kommentare

Musikperlentaucher…den Blick zum Discjockey, so stehst du an dem Tresen, wieder nicht einmal getanzt, so ist’s immer schon gewesen, doch plötzlich hörst du deinen Sound, die Tanzfläche ist leer du gehst bis ganz nach vorn, versinkst im Nebelmeer“ so, wie Ben Bloodygrave in seinem Song „Minimal“ die Situation beschreibt, ging es mir neulich auch. 80er, Wave, Synthie und Minimal stand auf dem Flyer, eine Mischung, die mich rund 100km ins Ruhrgebiet lockte. Gut, ich wurde gewarnt, der Discjockes, der dort auflegte, zweifelte, ob die Musik, die an einem solchen Abend dort gespielt werden würde, nach meinem Geschmack wäre. Ich schlug seine Zweifel in den Wind und fand mich, zwar nicht am Thresen, sondern am Rand der Tanzfläche wieder und beobachtete die Leute, die sich zur Musik bewegten. Schlecht war die Musik jetzt nicht, aber auch nicht wirklich gut – jedenfalls war nichts dabei, was mich aus der Reserve lockte und die Pikes auf Betriebstemperatur brachte.

Es ist dem Schicksal geschuldet, dass ich 3 Stunden vorher auf der Facebook-Seite der Veranstaltungen einen Musik-Wunsch aussprach, der Discojockey hinter dem Plattenteller mich wohl am Rand der Tanzfläche entdeckte und das gewünschte Stück auch noch dabei hatte. Es dauerte keine 2 Worte, bis ich das Stück erkannte und mich auf der Tanzfläche, die sich kurioserweise wie auf Befehl leerte, wiederfand. Okay, Nebelmeer war da nicht, hab ich hald die Brille ausgezogen und die Augen fast geschlossen, ist dann so ähnlich. Den ganzen Artikel lesen… »


10 August

Hante. – Haunted Wave from Paris

von Kategorie: Dunkle LichtblickeDiskussion: 10 Kommentare

frisch und schwarzNicht nur die große Bandbreite an kleinen Festivals zeigt: die Szene lebt. Auch die Fülle an aktueller dunkler Musik bleibt stetig Facettenreich. Meine ganz persönlichen Klangperlen gebe ich hiermit einen Raum. Wer jetzt eine musikwissenschaftlich fundierte Kritik erwartet oder eine objektive Diskussion der modernen Klangkünstler oder zumindest eine basale Grundlage an musikalischen Ausdrücken darf jetzt oben rechts auf das kleine x klicken, zehn Jahre musikalische Erziehung haben sich leider nicht wirklich in meine Erinnerung eingeprägt – subjektiv und emotional ist die Devise. Und bitte, wer steht schon auf der Tanzfläche und denkt, dass das jetzt sehr sotto voce gesungen und allgemein sehr grave war? Den ganzen Artikel lesen… »


20 Juni

Videoflohmarkt – 5 halbwegs frische Songs für den verregneten Juni

von Kategorie: Dunkle LichtblickeDiskussion: 2 Kommentare

Spätestens seit YouTube ist das Musikvideo wieder auf dem Vormarsch. Oder ich habe einfach wieder gepennt. Es braucht nicht viel und schon gar kein überteures Equipment, um halbwegs anschauliche oder auch innovativ fantastische Videos zu produzieren. Was man wieder einmal braucht, ist eine Idee und Leidenschaft, diese Idee umzusetzen. Ob ihr es glaubt oder nicht, einige dieser Videos schlummern schon ein paar Monate in einem Entwurf nur weil ich nicht genügend Ideen für einen schneidigen Titel und einen Zusammenhang erübrigen konnte. Wofür eigentlich? Das wusste ich dann auch irgendwann nicht mehr, der Ordner „Für später Speichern“ platzte aus den virtuellen Nähten. Fange ich also mal von oben an, präsentiere ein paar Videos und überlasse Euch den Geschmackstest.

Codename:LolaNew Dark Age (Cover des gleichnamigen Stückes der Post-Punker von „The Sound“ aus dem Jahr 1981) – Gibt es übrigens hier als kostenlosen Download zum World Goth Day 2016. Schneidiger Dark Wave aus England, in dem immer noch das Herz des Goth-Rock schlägt. Seine Wurzeln kann man eben nicht ausblenden.

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5 Mai

Adam Usi – Interpretationen seiner Wahrnehmung

von Kategorie: Dunkle LichtblickeDiskussion: 4 Kommentare

frisch und schwarzNicht nur die große Bandbreite an kleinen Festivals zeigt: die Szene lebt, sondern auch die Fülle an aktueller dunkler Musik. Meine ganz persönlichen Klangperlen gebe ich hiermit einen Raum. Wer jetzt eine musikwissenschaftlich fundierte Kritik erwartet oder eine objektive Diskussion der modernen Klangkünstler oder zumindest eine basale Grundlage an musikalischen Ausdrücken darf jetzt oben rechts auf das kleine x klicken, zehn Jahre musikalische Erziehung haben sich leider nicht wirklich in meine Erinnerung eingeprägt – subjektiv und emotional ist die Devise. Und bitte, wer steht schon auf der Tanzfläche und denkt, dass das jetzt sehr sotto voce gesungen und allgemein sehr grave war? Den ganzen Artikel lesen… »


16 Januar

Nachruf: David Bowie – Ein rebellisches Chamäleon

von Kategorie: MusikDiskussion: 9 Kommentare

David Bowie Lazarus ScreenshotLook up here, I’m in heaven. I’ve got scars that can’t be seen. I’ve got drama, can’t be stolen. Everybody knows me now.“ Ich bin ehrlich. Es gibt wenige Tode, die mich bewegen. Zu allgegenwärtig ist das Sterben, das tagtäglich auf unserem Planeten stattfindet.  Zu groß die Resignation vor den Menschen, die sich mit krankem Verstand  nach dem Leben trachten. Zu groß ist die Unausweichlichkeit des natürlichen Todes. Unser Körper ist einfach nicht für die Ewigkeit geschaffen. David Bowie starb im Alter von 69. Er verlor seinen Kampf gegen den Leberkrebs. In Gewissheit, bald zu sterben, begann er die Arbeiten an seinem letzten Album „Blackstar“, das er an seinem Geburtstag, dem 8. Januar 2016 veröffentlichte. Zwei Tage später ist er von uns gegangen.

Mit seinem Song „Lazarus“ und dem dazu entstandenen Video beweist Bowie ein letztes Mal eindrucksvoll, wie man mit sich und der Gewissheit des eigenen Todes umgeht. Als die Meldung von seinem Tod mich am 10. Januar aus den Socken haut, schaue ich mir das Video zum ersten Mal an. Kalte Schauer laufen mir über den Rücken, in meinem Mund breitet sich Trockenheit aus. Es ist gruselig, atemberaubend und einfach fantastisch, wie er seinen eigenen Tod inszeniert.  Den ganzen Artikel lesen… »


31 Oktober

10 Goth Songs die zeigen, warum für uns jeden Tag Halloween ist

von Kategorie: MusikDiskussion: 4 Kommentare

Jeden Tag ist HalloweenIch habe es versucht. Immer wieder habe ich Halloween, den mehr oder weniger amerikanisierten Feiertags-Reimport des keltischen Feiertags Samhain, die Stirn geboten. Habe in informativen, plakativen und aufklärenden Artikeln die keltischen Wurzeln erklärt und wollte etwas von der faszinierenden Mythologie vergangener Tage zurückbringen. Ungelesen. Vergebens. Im Konsumkalender der breiten Masse ist Halloween längst fester Bestandteil der hiesigen Kultur geworden. Überall gibt es neben den Gebäckspezialitäten für das unmittelbar bevorstehende Weihnachtsfest auch Halloween-Spezialitäten. Kostüme wie zum Karneval, Fledermäuse, Spinnweben, Skelette und Totenköpfe die in der Dunkelheit leuchten. Die letzte Bastion der ewig gestrigen, die Grufties, die sinnbildlich für eine ganze Generation von Verweigerern stehen, sind nun auch dem bunten Treiben von gruseligen Verkleidungen, ausgehölten Kürbissen und rituell zelebrierten Horrorfilmen zum Opfer gefallen. Die schwarzen Tanztempel der Republik bringen fast ausnahmslos ein Halloween-Programm und laden mit Schlagwörtern wie „Creepy“, „Horror“ oder auch „Bloody“ die schwarze Gemeinde dazu ein, mitzumachen. Soziale Netzwerke – die Sammelbecken menschlicher Belanglosigkeiten – werden heute mit besonders gruseligen Abwandlungen der sonst so edlen und schwarzen Fassade überflutet.

So kann es nicht weitergehen. Also bekämpfen wir das System von innen heraus und partizipieren am schrecklich düsteren Treiben in orange und schwarz. Für uns, lieber außenstehender Leser, ist jeden Tag Halloween. Die Musik, die eure Party heute besonders creepy macht, hören wir das ganze Jahr. Mit den folgenden 10 Songs zeige ich Euch, warum das so ist. Den ganzen Artikel lesen… »