Video: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

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Wenn der erste Eindruck tatsächlich der wichtigste sein sollte, dann hat die folgende Darstellung der Gothic-Szene keine Chance ernst genommen zu werden, denn die eröffnet mit O-Tönen überraschter Menschen, die gefragt werden, was Gothic ist. „Ohhh. Dunkle Nacht, Finsterheit, Grusel, Grusel, Grusel!“ – „Gothic? Ist das die wuchtige Sängerin, die da so einen bekannten Titel herausgebracht hat?“ – „Ich kenn ein kleines Küken, dass heißt Gothic…“  Wir betrachten die Dinge aber nicht so oberflächlich und fragen uns:  Ist dieser Anfang nicht vielleicht genau der richtige? Ist diese naive Herangehensweise an eine 30 Jahre lang gewachsene Subkultur nicht unvoreingenommener, als Berichte die nur darauf abzielen ein möglichst breites Publikum durch billige Effekthascherei und einen dramaturgisch ausgefeilten Aufbau anzusprechen? Und wenn ja, warum ist das so?

Das Video beginnt damit festzustellen, wie sich der Bürger von Nebenan diese Subkultur vorstellt, was er davon gehört hat und welche Eindrücke und Worte er damit verbindet. Ein solcher Beginn zeigt, wie das was wir als Lebenseinstellung, Musikrichtung oder Modeerscheinung erleben, von anderen und völlig Unbeteiligten wahrgenommen wird. Was das Video so angenehm macht, ist die Tatsache, dass hier nicht stundenlang im Schnittraum gearbeitet wird, um den Inhalt auf „Boulevard-Niveau“ herabzusenken und ihn für ein Publikum aufzubereiten, dass nichts wissen will, sondern einfach nur unterhalten werden möchte.

www.youtube.com/watch?v=PlLZ-TlJncE

Okay, den jungen Mann, der seiner Ansicht nach zur Szene dazugehört „Gehörst du dazu? Ja, ich lauf nur jetzt grad‘ nicht so rum, in meiner Freizeit schon.“ lassen wir einfach ein Stückchen mitlaufen, vielleicht möchte er einfach irgendwo dazugehören und wer weiß, vielleicht erkennt er ja den tieferen Pfad dieser Freizeitbeschäftigung. Auch die im folgenden gezeigte Discothek in Gera lassen wir gepflegt außer Acht und spulen schnell vor, damit uns Düster-Techno nicht die Grablichter ausbläst. Die beiden Damen, die als Cybergoth bezeichnet werden erklären das Phänomen ihrer leuchtend bunten Erscheinung so: „Cybergoth sind einfach diese Neongoth, die leuchten auch im Dunkeln (lacht) Das ist einfach, wir verkörpern die Zukunft. Weil es wird irgendwann ein Apokalypse geben und einen dritten Weltkrieg und so werden wir dann alle rumrennen mit Gasmaske, also einfach nur verstrahlt. Wir sind einfach die Zukunft. Wie sind Neon. Wir leuchten!“ Klingt also Slogan doch gar nicht so verkehrt: „Wir sind Neon. Wir leuchten.“ und erinnert mich stark an: „Wir sind die Borg. Widerstand ist zwecklos!„.

Ich denke, dass dieser Bericht auf eine ganz unbekümmerte Art darstellt was Tatsache ist und wie wichtig es geworden ist, einen Anlaufpunkt zu kreieren, an dem potentielle Jung-Goten Antworten auf die Fragen bekommen, die sie beschäftigen. „Das ist nicht mehr meine Szene!“ schießt dem ein oder anderen durch den Kopf, vor allem dann, wenn man selbst an einem vielleicht etwas verklärten Blick in die eigenen Vergangenheit festhält. Hätte man mich 1988 gefragt, warum ich Depeche Mode toll finde, ein T-Shirt von The Cure trage und auf schwarzen Halbschuhen mit Stahlkappe durch die Gegend laufe, wären meine Antworten ähnlich plump ausgefallen. Viel schlimmer noch: Als Goth oder eine Szene zugehörig fühlte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, das kam erst viel später, als mir willige Szeneangehörige die Augen öffneten.

www.youtube.com/watch?v=CKxBmS2Uk3w

Im zweiten Teil besuchen wir das WGT und begeben uns auf eine illustre Reise der Spontanantworten. „Sie gehören nicht zur Gothic-Szene, wie ich sehe.“ – „Neee.“ – „Was sagen Sie denn zum Gothic-Festival in Leipzig?“ – „Joaaa, gefällt mir sehr gut, ich komm jedes Jahr.“ – „Ach, sie sind so ein stiller Teilhaber, ein Zuschauer?“ – „Nein. Ich komm einfach gern hier die Leute anschauen.“ Wo sollen wir das einordnen? Erinnert mich an die älteren Herren, die mit braunem Hut, hellblauer Jacke und Bundfaltenhose am Rand der Baustelle stehen und den Bauarbeitern beim Baggern zuschauen. Sollte mich irgendwer in 30 Jahren mit schwarzen Klamotten am örtlichen Weiher sehen, wie ich anderen beim Füttern der Tiere zuschaue, steinigt mich, ich habe es verdient.

Bleiben wir bei den Fakten. Der Videobericht bringt ein steifen und recht oberflächlichen Blick auf das, was wir Szene nennen würden, zeichnet sich aber dadurch aus, darzustellen und nicht durch Schnitt, lächerliche Sprecher und stundenlange Nachbearbeitung einen Hauch von Unterhaltung zu erzeugen. Und ohne eine Zielgruppenbewertung vorzunehmen, ich finde, er zeigt uns, woran wir sind. Ob wir wollen oder nicht, so ist das mit „unserer“ Szene. Nehmen wir das ein oder andere mit Humor, aber hören wir damit auf, jeden Schwachsinn zu tolerieren der uns zugetragen wird. Und hören wir damit auf, uns in beinahe schon arroganter Art und Weise über den Nachwuchs und seine Auswüchse zu echauffieren ohne etwas dagegen zu unternehmen oder dafür zu tun, dass es besser wird.

(Vielen Dank an Katrin für den Linktipp)

Robert
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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shan_dark
Gast

Ich musst ja echt schmunzeln und lachen an manchen Stellen („Du trägst ja so ein Kleid aus dem Mittelalter.“ – „Nee, das ist 19. Jahrhundert.“ – was ein goldiger Interviewer – „Würdest Du da gern leben wollen?“ – „Nee, eher nicht.“). Gerade diese naturbelassenen Spontanantworten von einem wirklich breiten Querschnitt der Szene tragen dazu bei, dass der Bericht irgendwie ‚liebenswert‘ ist. Auch weil er nicht nach Quoten zu schielen scheint. Seit langem mal wieder eine ziemlich gute Reportage, über die ich mich nicht aufrege. Erstaunt haben mich vor allem die zwei Mundschützlinge, die mich durch ihren geschickten Blut-Einsatz sofort an die Küchenszene in „Hannibal“ erinnerten, denn da kam doch mehr spontan Gehaltvolles raus als ich auf den ersten Blick vermutet hätte. Mehr davon! Ich recherchiere jetzt mal nach dem Huhn namens „Gothic“…

ASRianerin
Gast
ASRianerin

Kindermund tut Wahrheit kund :D

Möhrchen Mike
Gast
Möhrchen Mike

Wir sind ein­fach die Zukunft. Wir sind Neon. Wir leuch­ten!

Soviel schwachsinn auf einmal hab ich ja noch nie gehört.

Wenn das die Zukunft sein bzw darstellen soll ….TRAURIG ABER WAHR.

Cyber leuchten auch im Dun­keln … wird Zeit das man ihnen das Licht ausschaltet.

Dunkle Grüsse , Möhrchen Mike

Karnstein
Autor

Ich muss Robert und Shan zwar recht geben was das Unverfälschte angeht – es ist mehr oder weniger ein Ist-Zustand der Szene, dargelegt von der Szene selbst und niemandem sonst.
Besonders aber der erste Teil zeigt mir EXTREM deutlich – Es ist nicht nicht MEINE Szene.
Schlicht und ergreifend – ich kann mich mit quasi nichts identifizieren was irgendeiner dieser (in meinen Augen) Hohlroller von sich gibt.
Das ganze Gelaber vom WGT geht mir außerdem derartig auf den Geist – als wäre das die zentrale Instanz der schwarzen Welt… Merkt man doch auch in der Einleitung schon, als die Frage offensichtlich war „Was ist Gothic“ und eine Dame darüber faselt, dass das ein Treffen von Leuten ist die da ganz schwarz gekleidet durch die Straßen laufen.
Gothic = WGT? Vielen Dank, Boulevard-Berichterstattung…

Die Romantiker waren fast(!) die Einzigen die für mich nicht völlig plemplem rüberkamen…
Dieses dümmliche Gefasel von Lebenseinstellung, Lebenseinstellung, blablabla… Ich bin mir soooo sicher, dass mir nicht einer diese so genannte Lebenseinstellung definieren könnte (kam ja auch ansatzweise konkret rüber).
Würde mal jemand auf die Idee kommen zu sagen „es ist ein LebensSTIL“, DAS würde ich abkaufen (und das ist auch meine persönliche Meinung).

Aber sagt mal… war das Matt Howden, der da bei Faun mit auf der Bühne stand? Was für eine grandiose Kombination!

Death Disco
Gast
Death Disco

Grrr, dito. Ich hatte genau zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet, als dem Küken das Wort „Lebenseinstellung“ über die Lippen rutschte. Ich kann mir solche Videos einfach nicht mehr anschauen, ohne davon einen Reizdarm zu bekommen. :D

Krähe von Nebenan
Gast
Krähe von Nebenan

Danke Robert für dieses Fundstück.

Unter diesen Titel hätte man auch eine wissenschaftliche Betrachtung über Umgang und Außenwirkung der Szene machen können. O.k. Da waren meine Erwartungen zu hoch.

Traurig, wie sehr es den Kleinen nur noch um das gesehen und photografiert werden geht und wie ein Teil der Bunten Gothic darauf(in Leipzig „kostümiert“ rumlaufen )definieren. So ist es aber für viele.

„Zukunft= Neon“ nicht meine! Und Atemschutzmasken sind für mich nur (Arbeit)schutzkleidung, wie Oropax, Schutzbrille oder eine Schürze ( Die gibt es ja auch in der schön bunten Hausfrauenvariante, mein Styling-Tip für die Trendsetter.)

@ Karnstein: Es sieht tatsächlich nach Matt Howden aus, er hatte ja bei diesem WGT ein Soloauftritt.

@Shan: Ich hoffe du hast Erfolg bei deiner Suche nach diesen Hühnchen. (Vielleicht heißt es eher „goChick“ ? )Nachdem jetzt auch die Enten zu den Szenetieren gehören … ach, ich mag Hühner einfach, aber das hat nichts mit Goth zu tun.

Es muss für Außenstehende sehr schwer sein, sich bei den existierenden „Reportagen“ ein Bild der Szene und dieses „Gothic“ zu machen, leider trifft das auch bei diesem Video zu.

Heimfinderin
Gast
Heimfinderin

@ Karnstein
Das ist genauso wie der „ich bin innerlich schwarz“-Spruch. Wenn man ernsthaft nachfragt, bekommt man nie eine zulängliche Antwort, was denn die „Lebenseinstellung“ oder das „Innere-schwarz-sein“ nun ausmacht.

Irgendwer
Gast
Irgendwer

hmm, hier wird sich ja schon wieder schön aufgeregt^^
die frage die durch, scheinbar, unzulängliche aussagen aufgeworfen wird ist dann doch wieder was „gothic“ ist.. möchte jemand? ich wüsste das auch gerne, gibt niemanden in meiner umgebung..
ich denke immer wieder das das irgendwie tot ist, egal wohin man geht hört man geballer, da gibts dann auch mal nen „clubmix“ von „where you are“ von deine lakaien, bei dem wird einfach nur ein stumpfer bass-beat drunter gepackt und das ganze lied ist hin, trotzdem tanzen leute.. die veranstaltungen gehen ja auch da hin, bzw werden immer ebm/electro/techno lastiger, zieht halt leute und bringt kohle, so wirklich gothic nach meinem verständnis ist da nichts. das wiederrum würde ich auf die „generation facebook“ schieben die sagen nicht ohne musik leben zu können aber nicht eine cd besitzen und sich auch null mit ihrer „geliebten“ musik beschäftigen..
was dieses mädel mit apokalypse etc. sagen will ist irgendwie so der standard spruch den die knicklichter irgendwem nachplappern, irgendwelche eigenen gedanken fehlen meist, und wo da der zusammenhang zu z.b. „agonoize“ ist weiss ich auch nicht so genau (ich mag agonoize trotzdem).

das problem besteht meiner meinung nach in der zunehmenden amerikanisierung, wir sind das fetteste land europas, egal wohin man kommt, mc donalds ist schon da.. es geht, egal wo, nur ums showgazing, schall und rauch.. geld regiert die welt, idealismus wird belächelt.. und vor allem interessiert kaum noch jemanden irgendwas.. ernste gespräche sind unheimlich out..
ich schweife ab, aber das sind so die dinge die ich dazu denke. sehr krass finde ich momentan „wacken“, 2006 48.000 besucher 2007 72.000 besucher, davon hatten 24.000 nichts mit der musik zu tun und findens einfach nur „goil“.. da brennen dann zelte etc. wie auf diesen spacko festivals wie rock am ring/hurricane etc… was soll man machen? ausser sich aufhängen..

Modermichl
Gast
Modermichl

Ich war jetzt am WE das erstemal in London im Underworld in Camden auf einem kleinen Gothic-Rock und Wave Festival. Welch ein Unterschied….

Es ist schon richtig, was hier geschrieben ist, dort ist es einfach immer noch ein Lebensstil und nicht irgendein Modegag, einfach feiner, eleganter, rücksichtsvoller, zurückhaltender.
Die Leute geben sich so, wie sie sind, niemand will dem anderen in seinem Stil nacheifern und schielt irgendwie auf seinen Nachbarn. Die Gesichter sind Menschengesichter und keine Puppen- oder Robotergesichter. Hat mit dem, wie es bei uns läuft, nichts, aber auch nicht das Geringste mehr zu tun.
Hat wohl aber auch mit einem gewissen Stolz und Gefühl für Tradition zu tun, Eigenschaften, die ja bei unserer „Szene“ leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Auf jeden Fall hat mir dieses Erlebnis mich in meiner Einstellung bestärkt, auf keinen Fall mehr die grossen Festivals in Deutschland zu besuchen. Never more..

Es grüsst :

Modermichl

Tobikult
Autor

Herrliches Video! Ich bin geblendet von so viel Ehrlichkeit, die in den Statements vermittelt wurde! Ja, das ist ein schöner Vorspann für den Gothic Friday und fordert uns geradezu heraus.

Guldhan
Autor

Oh Elend. Und das direkt vor meiner Haustür.

Vor ein paar Jahren suchte ich jene Lokalität auf. War allerdings zu beengt, zu vollgestopft und zu sehr Kinderparty.
Allerdings werde ich nun mal meine Augen offen halten müssen, vielleicht begegnen mir einige der »Zukunft des begasmaskten postapokalyptischen sowie drittweltkriegerisch-neonhaften Leuchtens« auf der Straße. Wobei…hoffentlich nicht.

Um einmal eine andere Richtung einzuschlagen, doch ohne wieder die altbekannte Diskussion losbrechen wollen: Eine solche Romantisierung oder gar schon Glorifizierung von Endzeit kann definitiv nur eine ahnungslose Wohlstands-Generation brabbeln, für die derartiges jenseits der Vorstellungskraft liegt; gepaart mit Zweck-Naivität und Borniertheit.

Wenn ich bedenke, wie oft der politische Weltapparat in den letzten 60 Jahren an der möglicherweise finalen Bombe vorbeigeschrammt ist (Stichwort: Kalter Krieg), kommen mir ganz andere Emotionen hoch, als der Drang, dieses Szenario nach Disney-Manier verkörpern zu wollen.

Und wer wissen will, wie man wirklich »einfach nur verstrahlt rumrennt« braucht lediglich die Erben von Hiroschima und Nagasaki oder die letzten noch lebenden Techniker von Tschernobyl oder Fukushima befragen… neonhaft, leuchtend und grinsend jedenfalls nicht.

darkangel
Gast
darkangel

Hi,

möchte mich mal schnell vorstellen. Ich bin 43 und seit vielen Jahren in der Szene.
Und ich habe den Film verbrochen.
Erstmal supi, dass der Film so eine Diskussion ausgelöst hat.
Mit soviel Resonanz hatte ich gar nicht gerechnet (nicht nur auf dieser Seite).

Mit ging es darum aus unbedarfter Sicht (der Interviewer ist nicht aus der Szene) und mit einer Zeitvorgabe von 20 Min die Szene etwas vorzustellen. Trotz einer größeren Gothicszene in Gera wissen viele Leute nichts damit anzufangen oder haben große Vorurteile. Das wollte ich versuchen damit etwas abzubauen.

Sicherlich wurde die Szene dadurch nur oberflächlich angekratzt, aber die Entstehung, ihre Vielfalt und alle Facetten kann man nicht in der Kürze darstellen.

Vielleicht gibt es mal eine Fortsetzung. Über Vorschläge wäre ich dankbar.

dG

Karnstein
Autor

Da gebe ich dir völlig recht, Hintergrund und Herkunft zu erklären wäre ein sehr langwieriger Prozess und auch damit kann man es sicherlich nicht jedem recht machen.
Meine Kritik jedenfalls galt nicht der Berichterstattung – im Gegenteil ist diese Vorgehensweise vielleicht die beste um einen unverfälschten Status Quo festhzuhalten. Meine Kritik galt einzig und allein den interviewten Menschen, der Szene wie sie zu sein scheint.

Guldhan
Autor

Zu darkangel:

[…]Meine Kritik jedenfalls galt nicht der Berichterstattung — im Gegenteil ist diese Vorgehensweise vielleicht die beste um einen unverfälschten Status Quo festhzuhalten.[…]

Den Worten von Karnstein möchte ich mich anschließen. Die Machart dieser Reportage finde ich sogar dahingehend angenehm, da sie eines macht was viele Quoten-Dokus entweder verlernten oder missachten: Sie schweigt. Abgesehen natürlich vom Interviewer, dessen lockere Art recht sympathisch wirkt. Sie schweigt dahingehend, dass sie die Filmaufnahmen nicht mit eigenem Kommentare unterbricht, womit die Sichtweise des Betrachters sofort in gewollte Bahnen gelenkt und Assoziationen provoziert werden würden.
Was die Gestalten am anderen Ende des Mikrophons anbelangt, so ist es wie überall. Manchen nickt man unterschwellig zu und bei manchen wird das Lächeln bitter.

[…] Trotz einer größeren Gothicszene in Gera wissen viele Leute nichts damit anzufangen oder haben große Vorurteile. […]

Das ist Gera, was soll man anderes dazu sagen. Diese Stadt ist in meinen Augen zu verknöchert, zu bieder, zu humorlos und zu sehr Prolet, um eine glaubhafte Weltoffenheit zu verkörpern. Gerade der Jugend gegenüber bzw. öfters sogar von der Jugend ausgehend. Manchmal glaube ich, dass diese Stadt der Jugend nur drei Perspektiven bietet: Wegziehen, Hartz IV beantragen oder der »Kameradschaft« beitreten. Daher wundert es mich, dass es eine größere Szene geben soll.

Vor allem da die Liste der untergegangenen Lokalitäten bzw. »Themenabende« so lang ist. Ob das Dark Angel noch in dem Maße existiert, weiß ich spontan nicht. Aber der im Video gezeigte Con-Club hat sich schon verabschiedet. Ebenso das Schalom, in dem ich einige Nächte verbrachte. Sowie das DownTown, das mir unter der musikalischen Bespaßung von Wurzel verdammt viele nachfolgende übermüdete Arbeitstage bescherte. Auch wenn beides schon über 10 Jahre her ist.
Ebenso konnte man einen merklichen Clubabbau in der Region beobachten. So ziemliche alle Stammclubs meinerseits sind früher oder später weggebrochen. Zuletzt das BPM, auch wenn da wohl eher der Schnee die Schuld trug.
Jedenfalls ist man da schon verblüfft wenn in alt bekannten Clubs doch noch dunkles Leben herrscht, wie beispielsweise im Kassablanca…auch wenn da nur aller Wochen mal was stattfindet. Somit ist es bedauerlich, dass trotz einer vorhandenen Szene die nächste Unterhaltung beinahe erst wieder im nächsten Bundesland zu finden ist.