Cholo-Goth: Exklusives PRAYERS Konzert auf dem WGT 2024

Das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig lädt seine Besucher ein, sich dem „Cholo-Goth“ musikalisch zu nähern. Die aus den Vereinigten Staaten stammende Band PRAYERS, die sich dieses musikalische Genre ausgedacht haben, spiele überraschend ein Konzert am Pfingstsonntag und treten an, mit ihrer eigenständigen Mischung aus Electro-Wave, Hip-Hop und Rap das Publikum zu beeindrucken. Ob es ihnen gelingt?

Die Szene hat sich die musikalischen Genres, denen sie ihre düstere und melancholische Stimmung entlockt, noch nie vorschreiben lassen. Neben den etablierten Ablegern, die es schon seit den 80er-Jahren gibt, gesellen sich immer wieder Musikrichtungen dazu, die antreten, das Sound-Portfolio der Subkultur zu erweitern. Immer wieder wird Musik innerhalb der Szene populär, die fremd und ungewöhnlich klingen.

Als ich die Band vor ein paar Jahren hier im Blog vorgestellt habe, stieß sie auf ein sehr geteiltes Echo. Nenia schrieb damals:

Es erschließt sich mir aber nicht wirklich, wie aggressives Gang-Gehabe und melancholisch-verträumtes Gruftitum unter einen Hut zu kriegen sind

Inzwischen sind 8 Jahre vergangen, die PRAYERS haben 4 Alben herausgebracht und vor allem in den USA eine begeisterte Fan-Gemeinde um sich versammelt. Der Vorwurf, es würde sich um eine kurzfristige Randerscheinung handeln, hat sich damit zerschlagen. Auch innerhalb der europäischen Szene haben sich in dieser Zeit neue und „anders“ klingende Bands etabliert, während der Post-Punk wieder einmal eine Renaissance feiert.

Ich bin ehrlich. Jeder Grufti hat einen anderen musikalischen Zugang zu „seiner Szene“ und fühlt sich durch andere Impulse melancholisch berührt. Für mich persönlich bleibt Robert Smith oder Ian Curtis der Garant für gefühlte Traurigkeit. Doch ich akzeptiere es völlig, wenn junge Menschen einen völlig anderen Einstieg in ihre Atmosphäre bekommen, in der sie sich ihren Emotionen hingeben können. Am Ende bleibt doch der gemeinsame Nenner, der „dunklen Seite“ des Lebens den Platz im Dasein einzuräumen, die es nun mal hat – ohne sich in übertünchender Ausgelassenheit zu ertränken.

Ich bin mir sicher, die PRAYERS bewirken genau das für andere Menschen. Spannend finde ich es allemal, dass das Wave-Gotik-Treffen „Cholo-Goth“ exklusiv in Europa präsentiert und auch Bands eine Plattform bietet, die nicht in ausgetretenen Pfaden wandern. Ich glaube, das ist auch genau einer von den Punkten, die das Treffen einzigartig machen. Die musikalischen Genres der Szene sind ebenso vielfältig wie die Menschen, die sich darin aufhalten.

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Pit
Pit (@guest_64953)
Vor 1 Monat

Ich begrüße es grundsätzlich auch, dass das WGT anders als die meistens schwarzen Festivals neue Facetten der schwarzen Szene abbildet. Dieses Jahr sind zum Beispiel erfreulicherweise auch Witchhouse und Neue Neue Deutsche Welle vertreten. Und ich hoffe ganz stark, dass das ein jüngeres Publikum zum WGT lockt. Denn die Szene hat inzwischen ein Überalterungsproblem.
Mit Bands, deren künstlerischer Output sich aus Verbrechen und der Romantisierung von Straßengangs speist, habe ich allerdings ein Problem. Insofern hätte man meiner Meinung nach ganz gut auf Prayers verzichten können.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Pit
Pit
Pit (@guest_64958)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ach, in dieser Szene tummeln sich ja so einige Bands mit ambivalentem Hintergrund. Das muss man auch ein Stück weit aushalten können. Ich finde so eine Gang-Vergangenheit als bewusst gewähltes Image halt schwierig. Ist beim Gangster-Rap ähnlich: Das wirkt auf mich abstoßend bis peinlich.
Und wenn du schon so direkt fragst: Ne, ich möchte auf Gruftikonzerten nach Möglichkeit nicht neben grimmig schauenden Möchtegern-Gangstern stehen.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Pit
Vor 1 Monat

Ach, in dieser Szene tummeln sich ja so einige Bands mit ambivalentem Hintergrund.

Allerdings… und das traditionell auch GERADE auf dem WGT. Evtl. Skrupel/Bedenken möglicherweise „den falschen eine Bühne zu bieten“ (völlig unabhängig davon ob diese eine Band da jetzt konkret dazugehören würde oder nicht) sind bei den gegenwärtigen WGT-Veranstaltern jedenfalls erfahrungsgemäß generell nicht zu erwarten.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Der Vollständigkeit halber möchte ich anmerken, dass viele andere Veranstalter sich auch nicht darum scheren, wenn ich als Beispiel die Akte „And One“ beim Amphi-Festival aufrollen dürfte.

Ja, zugegeben – Aber z.B. „Death in June“ oder „Allerseelen“ wird man auf Amphi oder Mera wiederum eher nicht sehen.
Ich will die Veranstalter von Amphi/Mera hier nicht zu Heiligen erklären (und in erster Linie geht es denen wie den WGT-Fritzen natürlich sowieso auch ums Geld), aber es gibt in meinen Augen dennoch tendenziell gewisse Unterschiede…
Nicht nur bei den Bands (der affige VAWS-Stand ist halt nunmal auf dem WGT-Gelände und nicht auf dem Amphi- und/oder Mera Luna-Gelände), das zieht sich durch.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Marquis
Marquis(@marquis)
Vor 1 Monat

Alles ist vergänglich….;-).

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Vor 1 Monat

OK – dieses Phänomen scheint an mir komplett vorbeigegangen zu sein – fast zumindest, ich hab mich in letzter Zeit nur gewundert, wieso in den Herren-Abteilungen mancher alternativer Mode-Labels zunehmend Zeug aufgetaucht ist, das mehr nach HipHop, nur halt in schwarz, ausgesehen hat.
Hat mich total irritiert – weil, wer ist denn auf die blöde Idee bitte gekommen?

Aber jetzt bekommt das ein bisschen Sinn, wenn man so sagen möchte. Vielleicht erklärt das auch die Ästhetik des neuen Crow-Films – der scheint sich ja wirklich primär bei diesem „Cholo-Goth“ zu bedienen …

Hab jetzt mal kurz reingehört und die Band nachgeschlagen – weil ich finde, wenn man so bisschen die Hintergründe kennt, ist das immer aufschlußreicher als ein pauschales „find ich scheiße“!

Was soll ich sagen … die Mischung ist wirklich gewöhnungsbedürftig, speziell für uns ältere Schwarzkittel – garkeine Frage! Eigentlich kann ich dem aber mehr abgewinnen als zB dem ganzen Aggrotech/Hellectro-Zeugs, oder der gesamten NewMetal-Sparte. Auch Sachen die sich mal in die Szene eingekreuzt haben, aber – musikalisch völlig andere Grundlage.
Bei manchen Liedern scheint es gut zusammen zu funktionieren (dünne Stimmchen und Sprechgesang gabs bei manchen musikalischen Szene-Urgesteinen ja eigentlich und strengenommen auch immer mal) – bei anderen Liedern beißt es sich gar heftig im Gehörgang.

Mit dem Gangster-Goth-Image kann ich aber garnichts anfangen, aber – ich glaube ich kann etwas nachvollziehen wieso genau das seine Anhängerschaft findet – wenn man sich den Hintergrund eben etwas ansieht, der ja sehr aus dem Latino-Umfeld des USA heraus stammt. Da fehlt mir (und womöglich sehr vielen anderen hierzulande) schonmal der kulturelle Zugang.
Ist auch OK so – man muss sich nicht mit allem identifizieren können, aber – ich denke ich höre in noch ein paar Lieder rein und beobachte das von Weitem mal ein bisschen, auch wenn ich sicher kein Fan werde …
Nur – im Klamottenbereich ist das ein großes „geht garnicht“ für mich …

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Klar, Ausdrucksweisen und Moden ändern sich mit den Generationen, war schon immer so und da wird sich nie was ändern.

Da spielt ja auch sehr viel mit rein – die jungen Leute heute haben wieder andere Themen die sie beschäftigen, als wir in unseren Teenie-Zeiten, jede Generation findet, basierend auf dem Zeitgeist, ihre Ausdrucksweise, egal ob Mainstream oder Subkultur.

Und, wie Black Alice es ja so gut auf den Punkt formuliert hatte – bei diesem Phänomen speziell hier handelt es sich auch um eines, dessen sozialen und kulturellen Hintergrund wir nicht unbedingt nachvollziehen können. Theoretisch höchstens – auf der Basis kann ich verstehen daß „Cholo-Goth“ eine Reaktion auf die Lebens-Realität der Protagonisten ist – und aus dem Grund auch Leute anzieht, die das nachvollziehen können und sich da verstanden fühlen.
Vom Grundprinzip ist es ja doch irgendwo ein ähnlicher Mechanismus als bei uns damals – wir haben uns ja auch, irgendwann mal, in der Szenemusik und dem Style wiedergefunden und uns verstanden gefühlt … nur eben – anderer Kulturkreis, andere Zeit.
Blöder würde ich es finden, wenn jemand so einen „Trend“ als reine Marketingstrategie hochwürgt (JoJo Siwa *hust*) – das scheint aber eine gewisse Authentizität zu haben. Das kann ich respektieren, auch wenn es mich selbst nicht wirklich anspricht.
Muss es ja auch nicht. Genausowenig wie ich selbst schwarze HipHop-Kleidung tragen muss, wenn ich das nicht möchte – ganz einfach eigentlich.
Es irritiert eben immer nur, wenn man so aus gefühlt heiterem Himmel drüber stolpert.

Noch ein Gedanke der mir grad beim Radlfahren gekommen ist – wenn Goth offen für alle sein soll – egal welche Hautfarbe, welche Nationalität … dann sollte es sich auch darüber bewusst sein, daß natürlich – andere Kulturkreise Versatzstücke aus ihrer Lebensrealität, ihrer Kultur und ihrer Sichtweise auf die Dinge mit reinbringen – und künstlerisch verarbeiten.
„Bricolage“ war schon immer ein Merkmal unserer Szene. Wenn wir erwarten daß Menschen aus anderen Ländern nach „unseren“ Szene-Regeln spielen, dann ist das unterm Strich auch wieder irgendwie – sehr engstirnig.

Mondlichtkobold
Mondlichtkobold(@mondlichtkobold)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Damals hat es gereicht, wenn du zu jeder Zeit in Schwarz herumgelaufen bist […]

Kleiner Exkurs zum eigentlichen Thema, weil der Satz etwas sehr anspricht, das mich lange beschäftigt hat: Ich finde diese Aussage sehr interessant, weil ich wirklich lange damit gehadert habe, so richtig in die Gothic-Szene einzutauchen, weil ich dachte bzw. mir von außen sehr suggeriert wurde, ich sei nicht „Goth genug“, in meiner äußeren Erscheinung. Inzwischen bin ich da gefestigter, aber ich finde immer wieder spannend, dass ich heute immernoch oft höre „Das ist zu viel oder zu wenig, um Goth zu sein“. Ich habe das Gefühl, an manchen Stellen muss man da schon sehr in sich selbst gefestigt sein, um sich davon nicht abschrecken zu lassen, wo ich die Szene eigentlich doch gerade auch als sehr offen & mit viel Spielraum zum sich selbst finden & ausprobieren kennengelernt habe, nachdem ich meine ersten (Selbst-)Zweifel überwunden hatte.

Axel
Axel (@guest_65011)
Antwort an  Mondlichtkobold
Vor 1 Monat

Was Robert meint, ist, glaube ich, folgendes:

Früher in den 80ern, 90ern war es tatsächlich ein Statement allein schwarze Kleidung zu tragen. Das galt in der damaligen Gesellschaft als Trauerkleidung, also etwas, was man nur zu Beerdigungen trug. Das hieß, man konnte tatsächlich schon sehr provozieren und / oder anecken, schlicht in dem man mit nem handelsüblichen schwarzen Mantel, Hosen und Shirt / Pullover rumlief.

Hinzu kam, dass über viele Jahre den Eltern auch medial eingebläut wurde, dass die Jugendlichen auf die schiefe Bahn kommen würden oder Teil von Sekten wären, wenn sie schwarze Kleidung tragen. Am heftigsten war das dann so 2001 mit dem Mordfall von Witten, da wurden ganze Jugend-Subkulturen unter generellen Mordverdacht gestellt. Und zwar nicht nur seitens der Bild-Zeitung und anderen Boulevard-Medien, auch die ÖRR waren da vorne mit dabei.

Und in dieser Zeit war es wirklich so, dass man „Gleichgesinnte“ schlicht an schwarzer Kleidung im ÖPNV oder so erkannt, man grüßte sich unbekannterweiße, kam ins Gespräch. Die Zeit hatte zwei Seiten: So sehr man seitens der Stino-Gesellschaft nicht nur verbal angefeindet wurde, sondern auch mit Gewalt rechnen musste, so sehr gab es dann auch einen Zusammenhalt unter Szenemitgliedern.

Das mit den immer extremeren Kleidungen und dergleichen kam dann später.

Black Alice
Black Alice (@guest_65017)
Antwort an  Axel
Vor 1 Monat

Einspruch. Schwarz war schon immer die Farbe der Intellektuellen, der Künstler, der Avantgarde. Es gehörte schon immer zum guten Ton, z.B. für Architekten in schwarz aufzutreten.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Black Alice
Vor 1 Monat

… das stimmt zwar schon (in dem Kontext gab es ja früher sogar so wunderschöne Begriffe wie das sogenannte „Existentialisten-Schwarz“ welches ich laut meinem intellektuellen Onkel angeblich ja trage – Aber mit der Assoziation kann ich leben ;) )…
…aber Axel hat hier deshalb ja nicht Unrecht – Die Künstler und die Avantgarde auf die du dich beziehst, oder eben die Pariser Existentialisten-Szene, WOLLTEN sich doch ebenfalls abgrenzen mit ihrem Look. So wie Gruftis eben auch.
Und dass man früher durch permanent komplett schwarze Kleidung schon aufgefallen ist und als Freak galt ist für mich Fakt, oft genug selbst erlebt (auf dem Land ist das in manchen Gegenden übrigens immer noch so, zumindest bei älteren Leuten ;) ).

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Allgemeine Antwort – der Übersichtlichkeit halber :)

Schwarz hat insgesamt eine hoch interessante Geschichte, bevor die chemischen Textilfarben entwickelt wurden, war richtiges schwarz sehr schwer hinzubekommen, daher – sehr teuer und entsprechend ein Status-Symbol. Deswegen ist auch das Ding mit den „Puritanern“, die sich im 17. Jahrhundert in Amerika angesiedelt haben, ein sehr modernes Bild wenn man sie mit schwarzen Klamotten darstellt, die wir heute in dem Zusammenhang als „schlicht“ und „zurückhaltend“ empfinden – diejenigen die schwarz tragen konnten hatten scheißviel Kohle. Die ersten, ärmeren Pilger und Einwanderer trugen eher Kleidung die mit günstigen Färbemitteln gefärbt waren.

Mit der Erfindung der chemischen Farbe hat Schwarz dann eine Bedeutungs-Änderung bekommen. Da haben vor mir ja noch ein paar was dazu fallen lassen, das muss ich jetzt nicht wiederholen.

Was das Auffallen angeht – da muss ich mich anschließen, in den 80ern war ich zwar noch etwas zu jung, aber als ich dann in den frühen 90ern langsam angefangen hab, bewusst schwarz zu tragen – da ist man noch aufgefallen. Und eben auch speziell bei uns hier, am fränkischen Waldrand.
Schlicht schwarz hat da schon genügt (OK, „schlicht“ war noch nie so mein Ding … ) – oder generell Kleinigkeiten. Ich hab zB von meinen Lehrern „Nagellackverbot“ bekommen, weil ichs halt nicht grad mit den für jugendliche AFAB-Menschen akzeptierten Rosa-Tönen hatte, sondern – mit blau, grün und schwarz.
Das kam dann durch die Blume – meine Eltern sollens mir bitte verbieten, direkt hab ich das selbst nie ins Gesicht gesagt bekommen.

Wenigstens hatte ich sehr tolerante Eltern – von denen aus konnte ich rumlaufen wie ich wollte. Nur meine Omas fanden ganz schwarz nicht so toll – da gabs schonmal Bemerkungen oder unangenehme Klamotten-Geschenke … :D – Streit-Thema war es (familien-intern eben) nie, aber man musste sich mal nen Spruch gefallen lassen (Franken gelten ja als speziell „groodaa“ – also übersetzt: brockelhart direkt, ohne Rücksicht auf Verluste).
Oh und – meine Mutter hat vehement meine bodenlangen Röcke alle auf Höhe Wade gekürzt – weil „das ist für Teenies flotter“ sei – naja, wenn etwas bieder ist, dann wadenlange Röcke, das versaut das schönste Samtkleid leider nachhaltig *seufz*

Ein weiterer Faktor ist natürlich – unsere Medienlandschaft sieht heute ganz anders aus. Den Grad an Selbstdarstellung der heute möglich ist – das gabs ja garnicht. Ich hab aus den 80ern und 90ern auch von mir nur ganz wenige Fotos. Heute zeigt sich (beinahe) jeder in den sozialen Medien, will man da rausstechen, muss man auf die Kacke hauen.

Und dazu sind die Beschaffungsmöglichkeiten für alternative Kleidung heute ganz anders – mehr Angebot, leichteres „Rankommen“ – das schafft alles eine gewisse Übersättigung – „schlicht schwarz“ trägt heute auch die Normie-Hausfrau von Nebenan – und bunten Nagellack. Sogar Undercuts und bunte Haare …
Da muss man ne Schippe drauflegen um noch als Alternativling erkannt zu werden – wenn man das möchte, versteht sich.
Ich hab auch festgestellt – ich krieg heute eher nette Worte zu hören auf der Straße denn Beleidigungen – das kenn ich von früher so garnicht. Und das hier, am Arsch des fränkischen Waldes … mag sein daß man als Mittvierziger auch was anderes ausstrahlt als als Teenager – trotzdem – das war damals nicht so …

Insofern –  Mondlichtkobold – wenn jemand meint, er könne einem anderen vorschreiben, wie viel oder wie wenig an Styling „True Goth“ zu sein hat – dann – Stinkefinger ausfahren und ignorieren. Nötigenfalls im Kopf – also das mit dem Finger :D – und schon gleichmal garnicht braucht man Klamotten von gewissen angesagten Szene-Marken … es ist OK wenn man die Sachen mag, aber – sie definieren das Grufti-Sein auf garkeinen Fall.
Am Ende ist nur wichtig daß Du in den Spiegel schauen kannst und sagen – so gefall ich mir, das bin ich selber, deswegen geh ich so auf die Straße und fühl mich wohl.

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Danke, wieder etwas dazu gelernt! 😊
Dass die Farbe Schwarz damals ein Symbol für Exklusivität und einen gewissen Wohlstand war, das war mir neu…

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Ich hatte auf meinem eigenen Blog mal einen ganzen Artikel darüber … ich glaub ich muss dann echt mal schauen ob der noch da ist oder mit ins Daten-Nirvana entschwunden ist.
Falls ja – könnte ich das Thema glatt nochmal aufnehmen … aber ja, es gab sogar „Kleiderordnungen“ in denen gewisse Farben niederen Ständen regelrecht verboten waren zu tragen, das kam dann in der Phase raus als bürgerliche Kaufmänner reich geworden sind, und sich damit die teuren Farben auch leisten konnten.
Liest sich nach heutigem Standpunkt teilweise skurril, da dann auch die Größe von Krägen oder das Volumen von Hosen und Röcken entsprechend reglementiert wurde.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Derartiges gabs in der Geschichte interessanterweise sogar durchaus öfters – Purpur z.B. galt auch nur deshalb mal als „Farbe der Könige“ weil es zu dem Zeitpunkt mit Abstand(!) am teuersten herzustellen/färben war und deshalb automatisch einer sehr kleinen Elite vorbehalten (auch ganz ohne Verbote/Kleiderordnung).

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Axel
Axel (@guest_65031)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

 Adrian Stahl Ach, ist ja interessant, dass Eure Omas so reagierten. Bei uns war das schon wieder komplett anders, da fanden viele Omis (so, die damalige 60+ Generation) das ganz toll, wenn Frauen mit Samtröcken oder Männer auch mal mit nem schönen schwarzen Zwirn rumliefen, da sie das an die Kleidung ihrer Eltern erinnerte. So Anfang des 20. Jahrhunderts. Wenn man sich da so heute Bilder anschaut, wie hübsch die Menschen damals gekleidet waren, da kann ich mir schon vorstellen, dass es damals bei den Omis entsprechende Assoziationen gab und die sich freuten, als junge Leute so ähnlich rumliefen. :D

(Im Rückblick waren die damaligen Omis hier in der Gegend tatsächlich die, die noch am tolerantasten und zuvorkommendsten mit uns Gruftis umgegangen sind. Die haben sich, dank 40 Jahre DDR-Erfahrung, auch nicht von den Medien verrückt machen lassen wie die Eltern-Generation.)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Axel
Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Axel
Vor 1 Monat

Das war zu der Zeit, bei uns, noch lang nicht „Victorian Goth“ wie sich das Anfang der 2000er dann ja entwickelt hat (da war ich ja gewissermaßen mit bei den Ersten dabei damals) – sondern – in meinem Fall „schwarzer Hippie mit Farb-Einschlüssen“ – das was die TikTok-Generation kürzlich erst als „Whimsigoth“ „neu“ entdeckt hat.
Da gabs bei uns noch diese Hippie-Läden die nach Nag Champa gerochen haben – die hatten großartigen Silberschmuck und diese bestickten „indischen“ Tuniken, die hab ich zu Röhrenhose und langen Piratenstiefeln getragen – die Stiefel haben die Hosen immer an den Knien aufgeribbelt, ich hab natürlich auch gern mal nachgeholfen – und das war so das Outfit das nicht so gut angekommen ist :D – die „kaputten“ Hosen waren ja auch schlampig, nach Omas Auffassung. Und dann alles schwarz … „des koost aaf maaner Beerdichung ooziehn!“ – kams dann immer aus Omas Fernsehsessel.

Röcke und Kleider sind ja Mutters Abschneidewahn zum Opfer gefallen … Mini war OK, aber alles was über die Wade gegangen ist, musste gekürzt werden … hat mich damals richtig geärgert …

Aber zum Oma-Thema zurück – als ich dann richtig mit historischer Kleidung angefangen hab, da hab ich meiner Oma auch angefangen Fotos zu zeigen – eine hat die Phase leider nicht mehr erlebt aber mütterlicherseits ist Nähen bei uns in der Familie, da gibts einige die auch beruflich aus der Sparte kommen.
Was ich da dann alles gemacht habe, das hat ihr dann schon gefallen – besonders aber weils natürlich selbst genäht war.

Stimmt aber daß auf Stile, die deutlicher historisch inspiriert sind, die Oma-Generationen meistens positiv reagiert haben.
Mit meinem Hippe-Punk-Hexen-Style aus den 90ern sah das schon anders aus … zugegeben, ich hab als Teenie auch noch wirklich wild experimentiert mit Klamotten, also alles war auch tatsächlich nicht grad umwerfend gut, aber ja – das gehört halt auch mit dazu in dem Alter.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Diese indischen Klamotten mit Spiegel-Stickereien hatte ich damals auch einige. Eine schwarz-dunkelgrüne Samt-Tunika, eine rot-schwarze Tunika und eine schwarze Jacke. Hab gerade das letzte Teil davon vor zwei Monaten auf einem Szene-Flohmarkt verkauft… Dann hatte ich noch einen Beutel-Rucksack, der als er kaputt ging, in eine Kissenhülle umgewidmet wurde. Die hab ich sogar noch…

Axel
Axel (@guest_65037)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

„Victorian“ war bei uns das auch noch lange nicht. Es war nur so, dass es in der direkten Umgebung keine Szeneläden gab, auch sowas wie Hippie-Läden nicht. Also im „fernen“ Leipzig vielleicht. Aber man wollte ja auch nicht ständig dorthin fahren (auch wenn es damals wesentlich günstiger war mit der Bahn als heute).

Da haben wir dann einfach sehr handelsübliche Kleidung genommen, etwas umgeschneidert (oder schneidern lassen in meinen Fall, he he) und fertig. Gerade wenn man wenig Geld hatte, hat man auch genommen was da war. Klar, bin teilweise auch mal mit Metal-Kluft (=schwarze Jeansjacke mit allerlei Patches bestickt) oder punkig unterwegs gewesen, aber nicht ständig – je nach Lust halt. Aber selbst damit konnte man die Omis hier nicht erschrecken. Die hatten da von allen noch am ehesten die Ruhe weg und die Menschen hinter der Kleidung gesehen.

Und wenn ich vom Samtröcken und sowas schreibe, darf man sich das auch nicht im heutigen extravaganten Stil vorstellen. Das waren schlichte Röcke aus Samt, aber bereits damit hatten die Mädels und jungen Frauen ihre Freude. Dazu noch eine hübsches Oberteil und fertig war die Ausgeh-Kleidung.

Ich finde das tatsächlich sehr schade, dass in der Szene heute Schlichtheit nicht mehr zelebriert wird, da alles im Überfluss vorhanden ist. Aber gerade deswegen – aber auch aus ökologischen Gründen – finde ich, dass weniger oftmals mehr ist.

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Axel
Vor 1 Monat

War hier ja doch nicht so viel anders … ich sags ja immer mal wieder – bei mir sitzt man mit einer Arschbacke im Wald und erwischt schonmal die lokale Fauna beim Kopulieren im Vorgarten :D – viel mehr ist nicht los hier.

Bei uns war glücklicherweise auf der „Kirwer“ im Sommer immer ein Stand von so einem Hippie-Laden – wenn ich wusste daß die kommen, dann hab ich da schonmal drauf gespart.

In Nürnberg bin ich im „Underground“ – ein damals gut bekannter alternativer Klamottenladen dort – nur zum Gucken rein. Die hatten den hübschen Gruftkitsch mit Schnürungen und Gedöns, aber – ja, der war auch damals einfach ausserhalb des Budgets.

Natürlich war der Haupt-Teil meiner Klamotten genauso aus Normie-Läden – und natürlich auch samt Umbau, Färben, Zeugs drauftackern … logisch, ich bin neben Mutters Nähmaschinen und Stoffballen aufgewachsen, das verursacht bleibende Schäden :D … sie hat mir auch ein paar Sachen komplett genäht, war aber meistens eine Zeitfrage, insofern – logische Konsequenz: wenn der Mensch seinen Kram schnell und vor allem: ohne dämliche Rocklängen haben will, dann muss er selbst zur Nadel greifen.

Was Normie-Läden angeht war in den 90ern aber ein großer Vorteil daß Samt eine zeitlang wirklich auch in war. Mein erstes Samtkleid war vom C&A, und entsprechend auch eher schlicht.
Und man konnte immer mal wirklich ausgefallene Schnitte oder Stoffe finden. Glaub meine erste Lackhose hab ich im Orsay aufgegabelt. Heute graut mir da vor dem Angebot der Normie-Läden wirklich heftig – so langweilig war die 08/15 Mode vor der Jahrtausendwende aber wirklich nicht …

Ich denke nicht daß „aufwendiges Styling“ das große Problem ist, sondern – die Masse die blind gekauft und dann weggeworfen wird. Und das sind meistens die Billigscheiß-Sachen – nicht die aufwendigen, teuren. Wer sich sowas holt, überlegt sich das gut, und wer – wie ich – schonmal monatelang an einem Megafummel rumgestickt und gebastelt hat – da passt man drauf auf wie ein Schießhund. Ich hab meine absoluten Lieblingsstücke immernoch, auch das Tournürenkleid das ich für mein erstes WGT mal gemacht hab – 20 Jahre alt, wird gerade bisschen überarbeitet, da ich damals noch etwas schnodderiger genäht hab als heute – aber: ich häng an dem Ding!
Und viel Budget hatte ich trotzdem auch nie – man wird erfinderisch bei der Kombinierbarkeit der Einzelteile, lernt mit Material extrem gut zu haushalten – und dank einer Portion unfassbarem Glück hatte der Karstadt in meiner Zeit in Bayreuth einen Tisch mit Stoffen, zwischen 1-5 Öcken der Meter. Und das war oft auch sowas geiles wie echter Baumwollsamt oder mal eine Seide … also – auf die Art hab ich meine riesigen historischen Klamotten und die Reifrockfummel problemlos ins schmale Studi-Budget reingebracht.

Problematisch sind diese ganzen Billigklamotten-Hauls und die bewusste Kurzlebigkeit von dem Zeug – was jetzt nicht gegen Leute gehen soll, deren Budget wirklich knapp ist, sondern primär gegen die, die den Schotter haben, und damit völlig aus dem Ruder laufen – oft leider vor laufender Kamera, für die Reichweite … die kurbeln das miese Geschäft halt an … und die extrem schnellebigen Mikro-Trends die heute durch TikTok und Co getrieben werden – das fördert auch ziemlich viel Scheiße, leider.
„Kommerzkacke“ sind immer die großen Konzerne die durch Masse superbillig produzieren können, nicht „wir“, die kleinen Designer aus der Szene, die vielleicht auch mal speziellere Sachen machen.

 Tanzfledermaus : oh, sowas … ich such mir seit Monaten schon auf Kleiderkreisel einen Ast ab, ich hab meine leider auch weggegeben. Und ich ärgere mich heute wirklich total drüber.
OK ich hab noch eine etwas schlichtere schwarze Tunika und ein Kleid … die wollte ich mittendrin auch schon weitergeben aber – nein, behalte ich lieber mal doch …

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Oh, hätte ich das gewusst, hätte ich sie Dir vermachen können… aber die Tunikas hab ich schon vor ca. 20 Jahren auf’m Flohmarkt verkauft (als ich Samt irgendwie satt hatte), nur die Jacke war noch übrig…. Die passte dann wiederum nicht zu meinen übrigen Sachen.

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 1 Monat

Ich jage einfach weiter … ein paar Sachen sind wohl noch im Umlauf … ansonsten hab ich schon angemessen schlabbrige Viskose und eine Tüte Spiegelpailletten bei Hand um es mir nötigenfalls selbst zu machen :D

Marquis
Marquis(@marquis)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Der Kleidungsstil heißt wohl Darkwear und ist im Grunde sportliche schwarze Streetwear mit Endzeitanklängen und Anleihen von Polizeiinsatzkleidung.

Black Alice
Black Alice (@guest_64990)
Antwort an  Marquis
Vor 1 Monat

Durch die Kleiderordnung des Berghain hat sich auch in der Techno-Szene das schwarz so langsam durchgesetzt. Es ist kein Alleinstellungsmerkmal des Goth mehr. Aber man erkennt an diesen martialischen Versatzstücken, dass das keine Goth sind.

Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Black Alice
Vor 1 Monat

Schwarz war noch nie wirklich den Grufties allein vorbehalten, da gabs auch vorher schon Jugendszenen und Subkulturen bei denen schwarz die vorherrschende Farbe war. Manchmal ist „schwarz“ auch einfach nur – ein Modetrend der mal kommt und wieder geht (auf die Mainstream-Modeindustrie bezogen).

Guck spaßeshalber mal in die Herren-Kollektionen gewisser grad sehr namhafter Gruftklamotten-Labels rein.
Da hast Du genau diese eher HipHop-igen Schnitte, Prints und – sogar Models mit Gang-Tattoos im Gesicht. Also – man kann nicht bestreiten daß das nicht schon gewisse bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Gäbe es keinen Bedarf dafür beim Kunden, würde man sowas nicht designen und anbieten.

Mal unabhängig davon ob es jetzt in die Szene passt oder nicht (wie ich ja selbst sagte – stilmässig find ichs auch garnicht toll und würde sowas niemals anziehen) – einfach als Feststellung.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Guck spaßeshalber mal in die Herren-Kollektionen gewisser grad sehr namhafter Gruftklamotten-Labels rein. Da hast Du genau diese eher HipHop-igen Schnitte, Prints

Ja… leider. Klar, Geschmäcker sind verschieden – Aber ich finds schon etwas armselig wenn Killstar o.ä. teilweise(!) einfach HipHop-artige 0815-Streetwear-Klamotten verkaufen… „nur halt komplett in schwarz und mit nem pöhsen Pentagramm-Anhänger dran!!!“… Das wirkt einfach nur billig und maximal unkreativ/einfallslos. Ist mir ein Rätsel warum man denen Geld für diese „Leistung“ gibt (WENN mir der Stil gefallen WÜRDE (was ja völlig legitim wäre – Über Geschmack lässt sich schlecht streiten), würde ich derartige Klamotten eher wo anders kaufen und die kleinen Details dann selbst anbringen). Und wär ich Richter und müsste einen „Killstar vs. Plagiat/Produktfälschung“-Prozess verhandeln… ich würde die Killstar-Klage wohl i.d.R. wegen „mangelnder kreativer Schöpfungshöhe“ der Designs abweisen. ;)
(An alle Killstar-Fans ;) : Ich habe hiermit NICHT gesagt dass die nicht vlt. auch mal einzelne schöne Stücke in ihren Kollektionen haben, das mag schon sein (wenn dann wohl tendenziell eher für Damen als für Herren, um mal die altmodischen Kategorien zu bemühen), aber SEHR VIELES von ihnen finde ich einfach krass einfallslos und maximal langweilig.)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Killstar ist, soweit ich weiß, vor einigen Jahren an einen US-Konzern verkauft worden, was mal tatsächlich als Label von Szene-Leuten angefangen hat, ist inzwischen der selbe, in Asien produzierte Fast Fashion-Krampf wie woanders auch – nur halt mit anderen Preis-Hausnummern.
Und für die neuen Inhaber ist das nun auch eher Geldvermehrungsbude, denn irgend eine Verbundenheit mit der Zielgruppe.

Plagiatsvorwürfe finden sich bei anderen, aktuellen alternativen Marken tatsächlich öfter mal – man klaut immer gern bei uns kleinen Designern oder Künstlern – kann man (als große Nummer im Geschäft) auch immer gut ignorieren da die wissen daß ihnen wenig passieren kann.
Ob das konkret Killstar auch schon gemacht hat, müsste ich glatt nochmal nachforschen – aber bei eben anderen Läden weiß ichs definitiv.

Allgemein find ich aktuelle Mode unfassbar scheußlich, und auch alternative Mode ist nie völlig von dem abgekoppelt, was in der Normie-Modewelt vor sich geht. In Herren-Abteilungen kann man aktuell wirklich nirgends reingehen – die 08/15-Läden haben da HipHop in bisschen bunter – und die Szene-Label fast das Gleiche, aber in schwarz … da war X-TRA-X-Standard seinerzeit fast noch interessanter (und da haben wir ja damals schon über die Einfallslosigkeit gemöppert :D )

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Killstar ist, soweit ich weiß, vor einigen Jahren an einen US-Konzern verkauft worden, was mal tatsächlich als Label von Szene-Leuten angefangen hat, ist inzwischen der selbe, in Asien produzierte Fast Fashion-Krampf wie woanders auch – nur halt mit anderen Preis-Hausnummern.

Ah, sieh an das war mir gar nicht bekannt – Danke für die Info. :)

Plagiatsvorwürfe finden sich bei anderen, aktuellen alternativen Marken tatsächlich öfter mal – man klaut immer gern bei uns kleinen Designern oder Künstlern – kann man (als große Nummer im Geschäft) auch immer gut ignorieren da die wissen daß ihnen wenig passieren kann.

Ja, das ist leider überall so, in der Games-Branche z.B. ja auch … :(
Die Großen klauen innovative Ideen bei den Kleinen, und die Großen verdienen damit dann das Geld (dank ihrer größeren Bekanntheit, Marktmacht, Werbebudgets, etc.)…

Wobei ich Killstar das jetzt wohlgemerkt nicht unterstellt habe, mein (zugegebenermaßen etwas gehässiger) Scherz ging eher in die andere Richtung: Dass die meisten(!) Killstar-Designs heutzutage so banal sind dass sie in meinen Augen rechtlich gar nicht schützenswert wären. ;)

Und ja, du hast recht – Ich hab damals auch ein wenig über die „Einheitskleidung“ von Aderlass & Co. aus dem X-Tra-X-Katalog gelästert, ich geb es zu… aber rückblickend: Immerhin war es „Einheitskleidung“ nur innerhalb der Szene, und von außen durch eine Stino-Brille betrachtet zu großen Teilen objektiv durchaus noch einigermaßen ungewöhnlich für die Zeit bzw. nicht einfach nur „0815-Streetwear in schwarz“. Jedenfalls definitiv kreativer und mutiger als das heutige Killstar.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Adrian Stahl
Adrian Stahl(@rosa_aristides_c)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Ich hatte das auch nur zufällig rausgefunden, Killstar ist mir sehr lange am Allerwertesten vorbeigegangen – ich bin da von Natur aus bockig: wenn was gehypt wird, bin ich aus natürlichem Reflex heraus schonmal dagegen :D
„Dummerweise“ hab ich mal einen schönen Pulli (woanders) gekauft, der sich im Nachhinein als „höchstwahrscheinlich Killstar, nur ohne Markenschild und grob 1/3 so teuer“ rausgestellt hat.
Also das Garn ist genau gleich wie das „Original“ und die Löcher und Laufmaschen – 100% originalgetreu.
Da musste ich dann doch mal näher hinschauen und nachbuddeln …

Dabei kam das Detail mit raus, daß die Marke eben an einen größeren US-Konzern verkauft wurde … seitdem häufen sich wohl auch die Kunden-Beschwerden über nachlassende Qualität … trotz steigender Preise …

Dass die meisten(!) Killstar-Designs heutzutage so banal sind dass sie in meinen Augen rechtlich gar nicht schützenswert wären. ;)

:D – ok da hast Du natürlich auch Recht – grad bei den Prints ist das Meiste entweder banal-austauschbar oder Prä-Pubertär mit Fremdschämfaktor ..

Das Zeug mit den ägyptischen Designs war noch ganz hübsch, das müsste aber eine sehr frühe Kollektion gewesen sein die noch von den ursprünglichen Inhabern stammte …

Ich denke auch daß modemässig die Szene-Grenzen immer weiter verschwimmen, was vielleicht auch an den unzähligen TikTok Mikrotrends liegt die im Wochentakt kommen und gehen … ich finde auch, man fällt nicht mehr so auf auf offener Straße – einerseits ist das angenehm da damit die wirklich ätzenden Reaktionen ausbleiben aber andererseits – weiß nicht, ist es auch wieder irgendwie doof …

Mondlichtkobold
Mondlichtkobold(@mondlichtkobold)
Antwort an  Adrian Stahl
Vor 1 Monat

Ich kann mich da allem was du sagst nur anschließen!

Black Alice
Black Alice (@guest_64961)
Vor 1 Monat

Die Goth Szene muss nicht global identisch sein. Jede Gegend hat ihre Eigenheiten und im Südwesten der USA hat es noch mehr Besonderheiten, allein durch die starken Latino Einflüsse, die hohe Gewalt und der Drogenkonsum in den USA und parallel dazu die hohe Kriminalität. Natürlich ist das ein Thema dort. Man scheint dort weg zu kommen vom Goth Hauptthema, den Tod in allen Facetten zu zelebrieren. Das mag für uns hier in Europa etwas befremdlich wirken, weil wir doch in einer sehr sicheren Blase leben. Aber für die USA und andere Gegenden wo es eine Goth-Szene gibt, mag das ganz gut funktionieren. Ich bin mir sicher, dass die Band auch bei uns ihre Fans hat, aber ich bezweifle, dass diese mehrheitlich der Goth-Szene angehören. Aber ich habe ja schon an anderer Stelle geschrieben, dass für die Jugend heute Genres und emotionale Zugehörigkeit zu bestimmten Genres, kaum noch eine Rolle spielen und früher oder Später wird sich das auch in der Deutschen Goth-Szene niederschlagen.

Black Alice
Black Alice (@guest_64980)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Dass sich die Grenzen von Szenen mehr und mehr auflösen und das auch die Goth-Szene betreffen wird. Solche Abgrenzungen spielen für die Jugend immer weniger eine Rolle und das kann nicht spurlos an der Goth-Szene vorbei gehen. Somit werden sich auch die Themen ändern. Ja, ich weiß. Wer drin steckt, dem gefällt das nicht und er wird alle Argumente von sich schieben, die seine heile Welt beschädigen könnten. Normal. Aber Fortschritt und Veränderung sind nicht aufzuhalten. Sicherlich kommt gleich der Einwand, ja aber bisher hat sich die Szene doch über die Jahrzehnte ganz gut gehalten. Ja, aber irgend wann ist auch das zu Ende, so wie alles einmal zu Ende sein und sich verändern wird. Der Stil von den Prayers wird nicht der entscheidende sein, aber er ist einer von vielen, die am Rand nagen und sich immer weiter hinein fressen. Ich sehe es doch an Partys, wo das Jungvolk immer mehr Goth hören, aber nicht zur Szene dazu gehören will und durchaus auch andere Genres konsumiert. Das Ganze löst sich mehr und mehr auf.

Black Alice
Black Alice (@guest_64988)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Einen kleinen Kern wird es sicher immer geben. Der harte Kern sozusagen. Aber die große Szene verschwindet mehr und mehr und da gebe ich Dir Recht, das gilt für alle. Melancholie und Traurigkeit gabs ja schon bei den Emos, ohne jetzt Goth zu sein. Man kann das auch anders zelebrieren. Die Prayers machen es ja vor, dass es auch mit Hip Hop funktioniert. Aber unter Goth verstehe ich mehr als nur Melancholie und Traurigkeit. Das kann nicht der ganze Inhalt sein. Und tatsächlich verstehe ich an erster Stelle erst mal die Musik und dann den Rest, als Inhalt von Goth. Unter Goth verstehe ich als erstes die Zelebrierung des Themas des Todes in all seinen Formen, die sich in der Musik und der dunklen Kleidung ausdrückt. Der Rest, wie Melancholie usw ist eher Beiwerk. Aber OK, ich spreche da eher aus der Perspektive der ersten Generation.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Vor 1 Monat

Ein weiteres Mal bin ich etwas irretiert…
Als ich gestern auf der Facebook-Seite des WGT’s die Ankündigung für „Prayers“ las, und die Begeisterung einiger, dachte ich noch „Oh da ist wohl etwas an mir vorbei gegangen… muss man Mal reinhören“…was ich erst jetzt, im Zusammenhang mit diesem Artikel getan habe. Als ich hier was von „Cholo Goth“ und Rap las, war’s schon wieder für mich vorbei. Mein erster Gedanke war „Schon wieder so eine weitere Goth Schublade, die kein Mensch braucht. Dennoch, um mir ein endgültiges Urteil erlauben zu können, habe ich in den Clip hier rein gehört. Mein Bedürfnis es wieder weg zu machen, ließ nicht lange auf sich warten.
Ich bin immer beeindruckt mit was für einer Toleranz Robert an die Dinge heran geht,…auch wie er versucht zwischen alt und neu…zwischen jung und alt…Brücken zu bauen. Ich will mir immer ein Beispiel daran nehmen, aber es funktioniert nicht. Immer wieder merke ich, wie in meinem Kopf nicht nur Unverständnis, sondern auch Ablehnung auftaucht, wenn ich z.b. sowas wie Prayers höre und mit dieser Musik eine Verbindung zum Goth hergestellt wird. Für mich klingt Goth dunkel…gern auf rockige Weise. Aber im Fall von Prayers höre ich nur Rap heraus und Rap ist kein Goth für mich…Rap ist Rap…eine Musiksparte für sich. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob man wirklich alles was thematisch einen dunklen Inhalt hat, mit Goth gleichsetzen muss.
Ein weiteres Mal habe ich das Gefühl, wir haben es mit zwei verschiedenen Schwarzen Szenen zu tun…

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Letzteres wird man wiederum aber nur finden, wenn Jung-Grufties die eigene Musik auch hören und ich denke an dem Punkt könnte dann sowas wie „Rapp-Goth“ ala Prayers rausfallen. Meist sucht man ja sehr spezifische Parties auf. Wenn ich von mir ausgehe, dann schrecken mich Veranstaltungen, wo auf dem Flyer Industrial und EBM steht, z.b. ab und ich habe schon von Leuten gehört, dass sie Underground Parties dem gängigen „Einheitsbrei“ bewusst vorziehen.

Ansonsten fällt es mir halt auch immer schwer den gemeinsamen Nenner zum Schwarzen Jungvolk zu finden. Einfach weil meine Beweggründe letztendlich andere waren als bei ihnen es heute vll. der Fall ist und vielmals unterscheidet sich einfach auch die musikalische Vorliebe – was keinesfalls ein Vorwurf sein soll.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Gut…mit letzterem hast du natürlich Recht! Wenn ich bedenke, dass auch ich damals als Blutengel hörender Teenie anfing 🙈… wobei ich aber auch schon damals dem Goth Rock nicht abgeneigt war. Ich glaube, dass mein Glück war, dass ich in jedem Jahrzehnt, meines Schwarzen Seins, einen älteren an meiner Seite hatte, der meinen musikalischen Horizont erweiterte.

das H.Gen
das H.Gen(@hagen)
Vor 1 Monat

Juhu, endlich wieder was beim WGT das die Szene aufregt oder spaltet. Rechte Symbole auf Eintrittskarten, Bands mit Schwurbelgesinnung und polarisierende Kabarettistin hatten wir ja schon. Jetzt wird halt mal gewalttätig gerappt. Nachdem man immer mehr der „Ollen Gruftis“ verliert versucht man nun an jüngere und andere Szeneleute zu kommen. Langsam bekommt man den Verdacht auch beim WGT heißt es: Bad News are good news.

das H.Gen
das H.Gen(@hagen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

 Es kann dem WGT nicht schaden, ein paar der „Ollen Gruftis“ zu verlieren.“
Danke, habe ich auch verstanden. ;-)

Aber du hast ja recht.

Irgendwann regt man sich nicht mehr auf,
lässt den Dingen seinen Lauf,
und legt allein im Keller alte Platten auf. :-)

PS.: Hoffentlich verliert das WGT nicht noch mehr Gothic-Fans & Co durch hohe Hotel- und Gastropreise sowie immer mehr werdende Nebenveranstaltungen. Das macht mir viel mehr Sorge.

Mondlichtkobold
Mondlichtkobold(@mondlichtkobold)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ich finde die Nebenveranstaltungen tatsächlich gar nicht so schlecht. Ich wohne in Leipzig, hatte bisher aber allerdings noch nicht den großen Anreiz, mir das WGT-Bändchen zu holen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen das Geld; manchmal reicht es dafür nicht, aber durch die zahlreichen Veranstaltungen, sowohl vom WGT als auch parallel, konnte ich trotzdem viel für kein oder wenig Geld mitnehmen. Oft passiert es auch, dass ich mir nicht das gesamte WGT über frei nehmen kann & deshalb ein Bändchen nicht so attraktiv wirkt, wenn ich es nicht voll nutzen kann. Solche Dinge wie das Heidnische Dorf oder das Viktorianische Picknick sind insofern für mich persönlich wertvoll, weil es Veranstaltungen zum WGT sind, die ich auch mit meinen Nicht-Grufti-Freunden gemeinsam besuchen kann, weil sich hier Interessen überschneiden. So kann ich auch Zeit mit lieben Menschen verbringen, die nicht Teil der Subkultur sind. Und wenn sie dann noch Interesse für andere Dinge zeigen, bei denen ich mich zuhause fühle macht mich das sehr glücklich. So komme ich auch mal dazu, ihnen „meine“ Szene zeigen zu können, ohne dass sie direkt das Komplettpaket in Bändchenform buchen müssen.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  das H.Gen
Vor 1 Monat

„Hoffentlich verliert das WGT nicht noch mehr Gothic-Fans & Co durch hohe Hotel- und Gastropreise sowie immer mehr werdende Nebenveranstaltungen.“

Diese Sorge finde ich fast berechtigt…
Ich habe so eben mich mit dem parallel laufenden Dark Affair befasst, wo der ein oder andere Act Neugier weckt… unteranderem „Die Tödin“, worüber es im Blog ja schon einen Konzertbericht gab. Dieses Jahr möchte man sich tatsächlich am liebsten halbieren. Allein Hellraiser war ja schon wegen Waning Moon und The House of Usher interessant. Solange aber das Programm vom WGT noch nicht steht, kann man leider nicht planen. Aber auf seine Kosten wird man Pfingsten auf jeden Fall kommen, zumindest ich….egal ob auf dem WGT oder einer der Parallelveranstaltungen.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Robert, man weiß nicht in welche Richtung sich das Dark Affair entwickeln wird, immerhin ist es erst die zweite Ausgabe. Das WGT begann auch Mal als kleines Treffen mit einer Handvoll Bands 🤷🏼‍♀️😉.
Zudem geht mein Gedanke eher dahin, dass man sich zu Pfingsten durchaus ein schönes Wochenende machen kann, auf Grund der vielen Angebote, ohne wirklich ein Band zu brauchen. Man hat quasi die Möglichkeit sich aus allen Dingen das für sich beste raus zu picken. Der…das (?) Hellraiser bietet ja auch 3 Tage Konzerte und das Heidnische Dorf ist ebenso zugänglich. Für jeden wird’s nichts sein, schon allein weil der Gruft dazu neigt sich musikalisch auf seinen eingetrampelten Pfad zu bewegen, aber wer keine großen Ansprüche hat 🤷🏼‍♀️.
Ich für meinen Teil will dieses Jahr versuchen viel von den Randangeboten mitzunehmen.
Und ich muss ehrlich sagen, wer weiß…wenn das Dark Affair nicht parallel zum WGT laufen würde, würde ich es bestimmt auch im Rahmen eines Wochenendausfluges besuchen, denn sooo doof scheint deren Bandauswahl auch nicht zu sein.

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Die Sicht ist ja aus der Perspektive, wenn man eben kein WGT-Bändchen haben möchte…quasi mögliche Alternativen. 😉. Möglich, dass man unterm Strich fast auf das gleiche Preisniveau vom WGT kommt, alle Möglichkeiten habe ich jetzt nicht durchgerechnet – bin ich ehrlich. Aber allein die Konzerte beim Dark Affair sollen kostenlos sein, das Verkaufszelt wohl nur 7 Euro.
Das mit der Tram, was du anspricht, ist so eine Sache, denn wer im Besitz eines Deutschlandticket ist und damit anreist, kann damit auch die Straßenbahn in Leipzig nutzen. Es betrifft also wieder nicht jeden, der sich ein Fahrticket kaufen müsste.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

„Es kann dem WGT nicht schaden, ein paar der „Ollen Gruftis“ zu verlieren.“
Sehe ich anders, dann wäre es für mich kein WGT mehr!
Die Szene ist nun mal vor längerer Zeit entstanden und gerade die Älteren bzw. Urgesteine bilden doch den Faden zu den Wurzeln. Gerade dass so viele Ältere sich noch aufraffen, zu diesem Event zu gehen (wohingegen sie sonst oft kaum noch Veranstaltungen besuchen), macht den Charme des WGT aus.

Ich fahre u.a. zum WGT, um meiner Nostalgie zu frönen. Wo sieht man denn heutzutage sonst noch kunstvoll toupierte/aufgetürmte Frisuren und Pikes-Träger? In normalen Clubs und auf sonstigen Veranstaltungen doch kaum. Und das WGT gräbt immer wieder „alte Helden“ aus, die entweder lange von der Bildfläche verschwunden waren oder nur sehr selten noch zu sehen sind. Das unterscheidet es von x-beliebigen anderen Veranstaltungen. Und trotzdem bietet es auch etliche Bands von Stilen, die zumeist Jüngere hören (den ganzen NDH-/Hellectro/Blutengelabklatsch-Kram zum Beispiel)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ach so… hatte mich schon sehr gewundert, den oben zitierten Satz überhaupt von Dir zu lesen (und ja, das „paar“ hab ich nicht übersehen) ;-)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
das H.Gen
das H.Gen(@hagen)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ich komme nur nicht weil du mich nicht als Mecker-Oppa da haben willst :-D

Mondlichtkobold
Mondlichtkobold(@mondlichtkobold)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Wir sind eine Mehrgenerationen-Subkultur und das soll auch so bleiben.

Ja, ganz genau das! Ich gehöre der jüngeren Generation an & fühle mich manchmal fast schon ein wenig ertappt, wenn ihr hier „Über die schrecklichen Trends der Jüngeren innerhalb der Goth-Szene“ schimpft, weil ich einiges davon wirklich mag. Gleichzeitig liebe ich es, durch euch neues Altes zu entdecken, das einfach vor meiner Zeit war, aber das ich genauso mag. Ich schaue immer mit sehr viel Bewunderung & Ehrfurcht auf Altgruftis. Ihr habt die Szene geprägt & euch zuzuhören, lässt mich auch oft einen Hauch dieser Nostalgie spüren, die nicht meine eigene ist. Gleichzeitig finde mag ich es, andere Junggruftis zu finden, denen es genauso geht & die mich da verstehen & diese „peinlichen neuen Trends“ auch mögen. Ich glaube, nur eins von beidem zu haben, wäre nicht das Gleiche & hätte nicht diesen Reiz, den die Goth-Szene für mich bietet.

Maren
Maren(@milk)
Vor 1 Monat

Es ist richtig: Jeder hat seine eigenen Impulse für Traurigkeit. Für mich sind das in erster Linie The Doors, The Cure und Deine Lakaien, aber ich kann damit eben nur für mich sprechen. Deshalb muss ich zugeben, dass ich, obwohl „“Tears in the Rain“
von Prayers diese Impulse bei mir nicht so sehr triggert, direkt einige Jugendliche vor Augen habe, für deren dunkleren Gefühle das vermutlich der richtige Soundtrack wäre. Deren Lebensgefühl würde vermutlich auch vom Text sehr gut getroffen: „I hide my tears in the rain…“Ich habe dann schon miterlebt, wie genau diese Tränen sich plötzlich eine Bahn gebrochen haben. – Zerissene Teenieseelen, oft zwischen zwei Welten- und massiven Problemen, so zu funktionieren, wie es erwartet wird. Die sind von Robert Smith und Jimmy ziemlich weit weg und dennoch voller Schmerz. Ambivalenter Hintergrund von Bands? Gut, da habe ich mich bei Prayers noch nicht hinreichend informiert und muss das zu gegebener Zeit nachholen. Aber ganz ehrlich, einige von den Kindern und Jugendlichen haben durch ihren eigenen Hintergrund einen Bezug dazu. Ich sehe es als Bestandteil meines Jobs an, sie abzuholen, damit es für sie eine lohnendere Zukunft gibt. Das gelingt nicht immer, aber manchmal hat man doch Erfolg. Und meiner persönlichen Erfahrung nach ist es oft hilfreich, wenn man offen für die dunklen Seiten in deren Leben und im Leben allgemein ist. Ich halte da die Musik von Prayers durchaus für geeignet, um eine gemeinsame Basis zu schaffen. Ich werde mich jedenfalls genau unter diesem Aspekt noch näher mit der Band befassen. Und was das Line-up beim WGT angeht, so habe ich schon einiges gefunden, was mir sehr entgegenkommt, aber auch anderes was mich musikalisch, textlich und stimmungsmäßig deutlich weniger anspricht als Prayers. Für meine persönliche Fassung von „Schwarz“ gehört es irgendwie zusammen, selbst mit schwarzem Herzen in der Welt zu wandeln und genau dadurch offen für die Dunkelheit anderer zu sein.

Maren
Maren(@milk)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Da muss jeder selbst entscheiden, wie sehr seine eigne moralische Schablone über das Portfolio eines Künstlers passt,…

Ja, ich finde auch, dass man sich diese Entscheidung auch nicht so einfach abnehmen lassen sollte, beispielsweise von weit verbreiteten Meinungen in sozialen Netzwerken. Bei Prayers sollte man dabei aber meiner Meinung nach berücksichtigen, was Orphi sagt: Wenn man gut behütet aufgewachsen ist, sollte man zurückhaltender sein, anderer Menschen Fehltritte zu beurteilen, die sich in einem weniger warmen Umfeld groß geworden sind. Ich bin bei eigenem Rumgooglen darauf gestoßen, dass Reyes eine Gruppe „Diamond Dogs“ gegründet hatte, die jungen Menschen in Musik und Kunst eine Alternative zum Gangleben zeigen sollte. Wenn er sich in seiner Musik und Kunst mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, kann das vielleicht für andere sogar ein positives Signal setzen und sie auf einen anderen Weg bringen. Mag sein, ich bin naiv. Aber ich habe beides schon miterlebt: Wegen Körperverletzung belangte Jugendliche, bei denen es keine positive Umkehr und keine Reue gab und welche die sich komplett gewandelt haben: Vom Schläger zum Entwicklungshelfer.
Ich habe von Prayers bis jetzt drei Songs gehört. In keinem konnte ich einen Aufruf zur Gewalt, Rassismus oder Sexismus entdecken sondern eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und Gangleben. Ich bin da schon über andere Songs gestolpert , bei denen ich mich zu einer kritischen Äußerung gedrängt fühlte.
Was ich mich in diesem Zusammenhang aber auch schon gefragt habe ist: „Wie ehrlich bin ich selber? Wäre ich nicht bereit Künstlern, deren Musik mir gefällt, mehr durchgehen zu lasse, als Künstlern, deren Musik meine Ohren beleidigt?“

Orphi
Orphi(@orphi)
Editor
Vor 1 Monat

Ich bin nicht in Mexiko geboren und bin nicht in San Diego mit rivalisierenden Banden aufgewachsen. Ich bin gutbehütet, warm und sicher im Neubaugebiet einer kleinen Stadt in Deutschland aufgewachsen und möchte deshalb nicht beurteilen, wie es dazu kam, dass Reyes zweimal wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wurde – und was auch immer er sonst noch Verurteilenswertes getan hat.

Glaubt man den Berichten im Netz, wandte er sich mit 18 Jahren von der Bandenkriminalität ab und eröffnete in San Diego ein veganes/vegetarisches Restaurant. Ich weiß heute noch nicht einmal mehr, was ich mit 18 so gemacht habe.

Angeblich nutzte Reyes die Zeit hinter Gittern, um sich künstlerisch und schriftstellerisch weiterzuentwickeln. Er begann, zu malen und Skulpturen zu schaffen. Die Huffpost schrieb in einem Artikel: Reyes‘ Kunstwerke, in denen sich katholische, chicanische, olmekische und okkulte Bilder vermischen, verwischen die Grenze zwischen Erlösung und Verdammnis.

Chicano-Kultur = US-Amerikaner mexikanischer Abstammung, die eine eigene kulturelle Identität entwickelt haben, die sowohl Elemente aus Mexiko als auch aus den Vereinigten Staaten umfasst.

Olmekisch: „Olmekisch“ bezieht sich auf alles, was mit den Olmeken zu tun hat, einer der frühesten Zivilisationen Mesoamerikas. Diese Kultur blühte etwa von 1500 bis 400 v. Chr., hauptsächlich in den heutigen mexikanischen Bundesstaaten Veracruz und Tabasco.

Dann nutze Reyes die Musik, um sich auszudrücken. Dabei sind übrigens viele klassische Gothic-Motive, Tod, Friedhöfe, Baphomet, Aleyster Crowley, Okkultismus, Dunkelheit, soziale Isolation, emotionale Verwundbarkeit usw. – The Cult fanden das wohl auch ganz passend, denn die haben die Prayers als Vorband gebucht.

Ich will es mal so sagen: Wenn ich die Musik der Prayers höre, dann spüre ich mehr Underground, Dunkelheit, Melancholie, Weltschmerz, anders sein, Subkultur, Kampfgeist und Einsamkeit als bei dem Großteil der Bands, die in der Szene gefeiert werden. Die Songs wirken auf mich authentisch und traurig, depressiv, melancholisch, voller Weltschmerz.

https://www.youtube.com/watch?v=D3iovOkAFA8

Andererseits ist mir die Musik auch ein bisschen fremd, weil gefühlsmäßig eine mir unbekannte Kultur reinspielt. Ist kann mich wahrscheinlich deshalb teilweise schwer identifizieren. Aber Gothic ist das in jedem Fall!

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Orphi
Pit
Pit (@guest_64983)
Antwort an  Orphi
Vor 1 Monat

Dafür dass er der Bandenkriminalität abgeschworen hat, nutzt er seine zweifelhafte Straßen-Credibility jetzt aber sehr geschickt, um damit Geld zu verdienen. Und so lange er bei Konzerten fiese Fleischklöpse mit Machete in der Hand auf die Bühne stellt, tröstet es mich auch wenig, dass er mal ein veganes Restaurant eröffnet haben soll.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Pit
Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  Orphi
Vor 1 Monat

Ich hab mir das mal ein bisschen reingezogen. Man soll ja nicht über etwas reden, was man nicht gehört oder gesehen hat. ;)

Meins ist es nicht. Kann da auch nur schwer etwas von Goth(ic) entdecken. Würde das als eigenes Genre bezeichnen, aber wie wir nun ja immer wieder und öfter feststellen, wird überall Gothic dran geklebt, wo es etwas dunkler zugeht oder man ein wenig Weltschmerz verbreitet. Mir ist das Gepose auf der Bühne und das Verwenden von Symboliken etwas zu plakativ… aber hey, die Amis (insbesondere scheinbar im Süden) scheinen drauf zu stehen.

Nunja, für mich ist Rap/HipHop und Gothic eh nicht vereinbar. Das eine nervt mich und das andere kommt zeitweise ganz gefällig rüber. Demnächst bitte wieder Schlager und Gothic. Oder Volxmusik und Hellectro. Da gibts noch einiges auszuprobieren. Pffff… ;)

Black Alice
Black Alice (@guest_64989)
Antwort an  Phoenix
Vor 1 Monat

Du denkst an einen schwarzen Gabalier, einen Volks-Gothic? :o)

Maren
Maren(@milk)
Antwort an  Orphi
Vor 1 Monat

Danke für die weiteren Erhellungen zu Reyes Leben. Ich möchte auch nicht die Handlungen von jemandem verurteilen, der unter ganz anderen Umständen lebt als ich. was die Musik angeht, Orphi, komme ich zu einem ähnlichen Schluss wie du: Man spürt den Schmerz in den Songs, aber es fällt aufgrund des fremden Kulturkreises schwer, diesen selbst zu teilen. Reyes Bezug zur Indigenen Kultur in Mexico konnte ich gut in dem Lied „Mexica“ erkennen, wo es um Unterdrückung der indigenen Völker durch die europäischen Eroberer geht. Ich kann Empathie mit deren Schicksal empfinden, aber dennoch werde ich nie eins zu eins fühlen können, was der Sänger damit ausdrückt.

Sascha
Sascha(@saschad)
Vor 1 Monat

Also rein subjektiv gefällt mir das nicht, was meine Lauscher da hören. Aber das hab ich mir selbst vor 5 Jahren auch bei Aggrotech, Noise und ähnlichem gesagt. Auch da fehlt mir irgendwie gefühlt der romantische, manchmal melanchonische Bezug… Bezug zu was eigentlich und warum?

Und heute erwisch ich mich dabei, wie ich bei dem ein oder anderen Lied motiviert im Fitti schwitze ^^ Denn genau DORT holt es mich dann ab, aber nicht, wenn ich zu Hause sitze und bewusst genießen möchte.

Watt soll ich also sagen? Der Mensch ist paradoxerweise ein Gewohnheitstier und zugleich anpassbar. Wenn es wem gefällt, OK, vielleicht gefällt sogar mir in 3 Jahren irgendein Song aus der Ecke, wer weiß :)

Axel
Axel (@guest_65003)
Vor 1 Monat

Es gibt ja ne sehr große Szene mittlerweile. Künstlerisch finde ich bspw. Grove ganz spannend, wo fröhluch Rap, Dancehall, Goth und sogar Shoegaze miteinander verbunden werden: https://memorialsofdistinction.bandcamp.com/album/queer-black-ep

Ich finde das großartig, wenn da Genre-Schubladen eingeschlagen werden. Ich war nich nie Fan, Menschen in Schubladen zu unterteilen – wieso sollte man also Kunst darin unterteilen wollen?

Bezogen auf Prayers finde ich da mehr Goth als bei gefeierten „Szene-Stars“ a la VNV Nation oder Project Pitchfork. Schon allein mit dem Hintergrund, dass Goth in den letzten Jahrzehnten eine sehr weiße Veranstaltung war, auch eine durchaus privilegierte Szene. Wenn nun also Prayers Rassismus, Armut, Gewalt thematisieren und aufarbeiten, dann hat das mit dem mitteleuropäischen Mittelstand erstmal herzlich wenig zu tun. Aber für ihre Community ist das ziemlich authentisch.
Und nicht nur für die… Als jemand, der im ostdeutschen Plattenbaugebiet der 90er die Jugend verbrachte, in direkter unfreiwilliger Nachbarschaft den NSU-Unterstützerkreis hatte, holt mich das emotional tatsächlich mehr ab als so manch berüschte Goth-Rock-Band der 90er, bzw. entdecke ich in den Texten und Videos der Prayers mehr Anknüpfungspunkte zu meiner eigenen Biografie.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Axel
Vor 1 Monat

Bezogen auf Prayers finde ich da mehr Goth als bei gefeierten „Szene-Stars“ a la VNV Nation oder Project Pitchfork. Schon allein mit dem Hintergrund, dass Goth in den letzten Jahrzehnten eine sehr weiße Veranstaltung war, auch eine durchaus privilegierte Szene.

Diese Schlussfolgerung/Verknüpfung kann ich so irgendwie nicht nachvollziehen (ohne jetzt ein Riesen-Fan oder ausgewiesener Experte für DIE 2 genannten Bands und deren Historie zu sein, um die gehts mir hier nicht). Ganz allgemein gesehen – Weil ein Mensch (ob Musik-Konsument ODER Künstler) KEINE rassistische Diskrimierung erlebt hat bzw. tatsächlich oder vermeintlich „priviligiert“ war weil z.B. „weiße Mittelschicht“ gibt er einen „schlechteren bzw. weniger glaubwürdigen Goth“ ab findest du? Oder verstehe ich dich da jetzt falsch?
Leid ist erstmal doch immer individuell… Und wenn es z.B. Schmerz ist der jemanden dazu bringt sich mit „Goth“ zu beschäftigen ist es – für das Thema „Goth“ meine ich wohlgemerkt!!!! – doch erstmal sekundär ob dieser Schmerz durch rassistische Diskrimierung, queerfeindliche Diskriminierung (kann man auch als weißes Mittelstandskind erleben z.B.), Armut, Mobbing in der Schule, einen schmerzlichen Verlust/Todesfall, ein Kindheitstrauma, … entstand. Das eine ist doch nicht irgendwie legitimer oder „more goth“ oder „true-er“ oder „authentischer“ als das andere, also meiner Meinung nach.

Axel
Axel (@guest_65004)
Vor 1 Monat

Was mir bei den, ich nenne sie mal „Goth-Rap“-Projekten übrigens sehr gut gefällt: Es wird zur eigenen Traurigkeit aufgerufen. Es wird vermittelt, dass es sehr okay ist, dass das eigene Leben eben anders verläuft als gesellschaftlich gewünscht. Zwar geht es teils auch um Gewalterfahrungen aber selten darum das zu romantisieren oder ein problematisches Geschlechterbild zu transportieren. Damit stehen diese Projekte in starker inhaltlicher Abkehr zum kommerziellen Rap der letzten Jahrzehnte mit all den Vergewaltigungsfantasien, etc. Es nimmt der Rap-Musik die vermeintlich harte Schale und gibt den Hörern tatsächlich ein authentisches Angebot sich wiederzufinden, sich selbst zu reflektieren.

Und damit tragen Prayers und ähnliche Projekte sehr viel mehr zu einer echten Selbstermächtigung bei.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Axel
Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Axel
Vor 1 Monat

Hier wiederum stimme ich dir allerdings dann völlig zu! Alles was z.B. jungen Männern die musikalisch halt auf diesen „Sound“ stehen beibringt dass sie NICHT zwingend immer cool und „stark“ und aggressive sexistische Machos (wie im Klischee-Gangster-Rap oft der Fall) sein MÜSSEN, ist gut!

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Thebunneh
Thebunneh (@guest_65043)
Vor 1 Monat

Ich habe bisher eure Diskussion sehr gespannt verfolgt. Ihr zeigt viele schöne gedankliche Ansätze, denen auch ich sehr gut folgen kann. Auch wenn ich mittlerweile lieber lese, als mich zu beteiligen, da ich das elektronische Wort… schwierig finde… diesmal möchte ich meinen Senf dazugeben.

Als Kind der 80er, aufgewachsen mit vereinzelten Songs von The Cure und Depeche Mode im Radio, verbinde ich heute damit meinen tatsächlichen musikalischen Ursprung.
Das ist mir natürlich erst viiiieeeel später bewußt geworden, daß ich schon in der Kindheit quasi geprägt und hingezogen wurde, zu dieser „dunklen und untypischen“ Musik.
Aber da war ich ja noch ein unschuldiges, wenn auch ungewöhnlich ruhiges Kind.

Mit 12 Habe ich angefangen Metallica zu hören (nachdem die E-Gitarren bei Michael Jackson mich angefixt hatten), mit 13 dann Cradle of Filth und Schlimmerem gewechselt (meine armen Eltern, die das aushalten mußten).
Durch eine Brieffreundschaft tauschte ich mit Liebe zusammengestellte Kassetten… und wurde quasi rückgeführt zu alles was Goth und heilig war.
Ich kenne noch heute die Reihenfolge der ersten Kassette meiner damaligen besten Brieffreundin (und habe diese selbstverständlich noch, ebenso wie alle unsere Briefe…).
Bis heute hat mich die Faszination dieser unserer Musik nicht losgelassen, mit all ihren Spielarten.

Warum ich dem Ganzen so dermaßen positiv gegenüberstehe?
Neue (Sub-)Genres entstehen, vergehen wie Asche im Wind, kommen Jahre später wieder und werden zu etwas ganz Großem. Oder auch nicht.
Ich finde, gerade wir als Außenseiter (so sehe ich mich bis heute und das im absolut positiven Sinne), sollten positiv auf diese neuen Spielarten zugehen.

Laßt es mich so sagen: in meiner ehemaligen Stammdiskothek (R.I.P.) waren „Cybers“ oder „Neon-Glühwürmchen“, wie sie verächtlich genannt wurden, nicht sonderlich beliebt. Die restlichen Beleidigungen und unschönen Vorfälle erspare ich euch mal.
Komisch aber, daß die Tanzfläche immer rappelvoll war, wenn da wieder mal so ein Industrial/Noize/Harsh Electro-Song einem die Gehirnwindungen zerfetzte. Und da sah man halt nicht nur junge Neon-Dreads fliegen, sondern auch altgediente Pikes im verschwitzten Gemenge des Strobo-Lichts.

Klar, man mag über Cholo-Goth denken was man mag. Es kann und wird nicht für jeden etwas sein.
Ich persönlich liebe Rap und HipHop, auch aus dem mexikanischen Bereich, wie Control Machete, DeCalifornia, etc.. Selbst wenn ich die Texte nicht verstehe und mir Übersetzungshilfe suchen muß.
Es macht mir trotzdem einfach Spaß. Ich nehme diese Musik auch nicht völlig „bierernst“. Und mal ehrlich… schaut euch von Prayers mal das Video zu „La vida es un sueño“ an, von mir aus auch ohne Ton. Allein visuell groß-, wenn auch „fremdartig“, für Europäer. Denn das ist letztlich die „Daseinsberechtigung“ auf dem WGT oder in der Szene allgemein. Ihr stark an „unsere“ Ästhetik angelehntes Auftreten und die Texte (Isolation, Einsamkeit).Ich verstehe trotzdem, wenn jemand sagt: „Die klingen weder nach Das Ich noch nach Siouxsie…
Ich beschäftige mich schon lange mit Südamerika, da Geschichte es mir stets angetan hat. Irgendwann kam mir dann Popmusik aus Peru in der alten Sprache Quechua in den Weg. Fragt bitte nicht, wie mein Umfeld mich angesehen hat, als ich im Sommer mit voll aufgedrehtem „Damaris – Tusuy Kusun“ vorgefahren bin… :D (MIST, Ohrwurm ist da!)
Ich für meinen Teil, habe gelernt, daß es mich nicht mal stört, ob ich „dazugehöre“ in irgendeiner Form. Nicht mal zur Gothic- oder Metal-Community.
Und wenn ich eure Kommentare so lese, bin ich äußerst glücklich, trotzdem irgendwo ein Teil davon zu sein auf meine Art und Weise. Eure Toleranz Anderen gegenüber, ist für mich wirklich wertvoll.

Da viele von euch gerade Kleidung erwähnt haben, ein kurzer Exkurs meinerseits:
Ich trage seit mittlerweile 25 Jahren nichts „unschwarzes“ mehr. Auch wenn ich mir nicht mehr auferlege im Sommer Springer- / Kampfstiefel zu tragen, oder auf’m Festival mich 12 Stunden in eine Lackhose zu zwingen, nur um Mittags die Stiefel auskippen zu können. „Comfort over style“ ist meine Devise mittlerweile.
Beruflich habe ich jahrelang im Anzug und Krawatte verbringen „dürfen“. Ich habe jeden einzelnen Tag im Sommer gehasst.
Mir als Landei war es leider nicht mal eben möglich einen dieser „ach so schlimmen“ Mainstream-Gothic-Läden zu besuchen. Zugfahrt 2-3 Stunden? Kein Ding… Soziale Phobie? Angststörung? Massentransportmedium? Nee echt nicht.
Da ich auch (immer noch) im Metal beheimatet war/bin, war dann die letztliche Wahl: nackt oder Bandshirt (und kurze Hose). Selbst wenn ich damit damals schon angeeckt bin. So manche T-Shirtwahl kann ja selbst heute noch jemanden in gewisse Ecken stellen, die weder Band noch Träger verstehen.

Und hier steige ich mal auf eure Thematik „Nachtmahr“ (und ähnlich „ambivalente“ Bands) ein.
Warum ist das alles so dermaßen „ambivalent“? Weil wir gewisse Assoziationen haben und direkt jemandem etwas unterstellen? Weil die Band genau damit spielt und in unseren Köpfen Szenarien entstehen läßt, die unsere Vorurteile und Unsicherheiten (gerade als Europäer“) entlarven?
Das finde ich unheimlich spannend als Thema. Ich persönlich trenne stets Künstler von Werk. Den Künstler werde ich wahrscheinlich eh nie kennenlernen und seine wahren Intentionen. Daher bewerte ich auch nur den musikalischen Output.
Und seien wir mal ganz ehrlich: wer Texte von Cannibal Corpse oder Eisregen ernst nimmt, sollte seine geistige Verfassung untersuchen lassen, imho.
Es handelt sich um Musik, Unterhaltung, vertonte Horrorfilme (in diesem Beispiel).

Sorry, aber wer sind wir denn, daß wir immer alles verurteilen? Sind gerade WIR so dermaßen spießig geworden? Solange man sich an geltende Gesetze hält, bin ich erstmal fein damit. Und das eklige Gesindel entlarvt sich selbst schnell genug…

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Thebunneh
Vor 1 Monat

Und hier steige ich mal auf eure Thematik „Nachtmahr“ (und ähnlich „ambivalente“ Bands) ein. Warum ist das alles so dermaßen „ambivalent“? Weil wir gewisse Assoziationen haben und direkt jemandem etwas unterstellen? Weil die Band genau damit spielt und in unseren Köpfen Szenarien entstehen läßt, die unsere Vorurteile und Unsicherheiten (gerade als Europäer“) entlarven?Das finde ich unheimlich spannend als Thema. Ich persönlich trenne stets Künstler von Werk. Den Künstler werde ich wahrscheinlich eh nie kennenlernen und seine wahren Intentionen.

Es stimmt, „ambivalent“ ist im Fall von Rainers Uniformkapelle tatsächlich nicht das richtige Wort… denn da ist die Sache eigentlich schon ziemlich eindeutig. ;)
Er bezeichnet sich selbst in Interviews gern mal als „Patriot“ und „Nationalist“ (ersteres macht ihn noch nicht automatisch zu einem „schlechten Menschen“, zweiteres hingegen…), und behauptet dann allen Ernstes dass er „gar kein Nazi sein könne“, denn er „ist ja Österreicher“… ähmja, is klar. *facepalm* (Immerhin schafft er es beim dem Bullshit aber ernst zu bleiben!!! XD )
Und diese politische Grundhaltung in Kombination(!) damit dass er sich und seine „Band“ live und auf auf Promo-Fotos nur zu gern in eindeutig 100% faschistischer Ästhetik präsentiert (was er aber dann nicht mal zu gibt, obwohl seine eigenen Promo-Fotos es zigfach belegen – Wenn er wenigstens dazu stehen würde)… das hat schon ein eindeutiges „Geschmäckle“. Und merke: Schwarze Uniform im eindeutigen SS-Look mit rot-weißer-Armbinde (nur das Symbol getauscht) ist für den Kerl angeblich Zitat „keine faschistische Ästhetik“! ;)
Und „von der Kunst entlarvt“ wird hier auch nichts (bzw. Mann entlarvt sich höchstens selbst).
Nix für ungut, aber du gehst ihm halt einfach gerade voll auf den Leim wenn du das wirklich für „100% unpolitische Kunst“ hältst.
„Nachtmahr“ hat zwei Arten von Fans – Einerseits die die darauf reinfallen (Toleranzparadoxon, anyone?) und so denken wie du (unabhängig davon ob du selbst jetzt Fan bist, das mein ich gar nicht) und das Ganze verharmlosen, und andereseits Nazis die Nachtmahr gerade deshalb geil finden weil diese nunmal so auftreten wie sie es tun (wovon es mehr gibt? Keine Ahnung, aber ich denke – und hoffe! – mal schon von der ersten Gruppe). Und Hr. Rainer streitet immer alles ab weil er 1. juristisch natürlich keinen Stress will (schlecht fürs Geschäft) und 2. auch die Fans der ersten Gruppe (die sicherlich NICHT rechts(radikal) sind) ihm Geld bringen… ;)
Und das ist natürlich wohlgemerkt deine Entscheidung, aber du machst es dir imho auch irgendwie ziemlich einfach wenn du sagst „ich trenne stets“ und „wahre Intention werd ich eh nie kennenlernen“… so spricht man einfach pauschal sowohl jeden Künstler als auch jeden Konsumenten einfach generell immer und überall von absolut jeder Verantwortung für absolut alles frei – Really? Ist das dann nicht vielleicht doch ein bisschen sehr einfach und bequem?
Die Debatte „Kann man Kunst vom Künstler trennen?“ kann man finde ich DANN ernsthaft führen wenn die Kunst mit den Fehlern oder von mir aus „fragwürdigen Handlungen/Aussagen des Künstlers“ INHALTLICH einfach gar nichts zu tun hat (da bliebe dann halt noch die Frage ob man so einen Künstler – sofern dieser noch am Leben ist – finanziell unterstützen will, muss jeder selbst für sich entscheiden)… das ist hier aber nunmal nicht so. Rainers sog. „Kunst“(?) ist durch die faschistische Inszenierung und das permanente Normalisieren faschistischer Ästhetik IN Kombination(!) mit seiner eindeutigen politischen Position weit rechtsaußen nunmal mitnichten „völlig unpolitisch“ und auch keine reine „harmlose Provokation“ (die wohlfeilste aller Ausreden für solchen Unsinn, also neben „Uniformfetisch“) wie gern immer mal wieder behauptet wird…
Bands auf die deine obige Interpretation hier tatsächlich zutreffen würde wären in meinen Augen z.B. Laibach (mit Nachtmahr inhaltlich überhaupt nicht zu vergleichen) oder Arbeitsgruppe Lobotomie (musikalisch wohlgemerkt ALLES nicht meins ;) , aber um Musikgeschmack gehts hier auch nicht).
@Robert: Sorry fürs Abschweifen, hatte mit dem Thema des Artikels jetzt zugegebenermaßen nicht mehr viel zu tun – Aber manches sollte man einfach imho kommentieren.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
Black Alice
Black Alice (@guest_65053)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Da bin ich voll bei Dir. Rechtes Gedankengut, das sich da und dort in der Musikszene versteckt, muss man ansprechen und ganz deutlich mit dem Finger hin zeigen. Provokation ist die übliche Ausrede, die man nicht hinnehmen darf. Rechtes Gedöns darf nicht salonfähig werden, auch nicht über die Hintertür der Kunst.

Phoenix
Phoenix(@phoenix75)
Antwort an  Thebunneh
Vor 1 Monat

Generell kann ich dir sagen, dass die Deutschen gern mit dem moralischen Zeigefinger herumfuchteln. Allerdings würde ich solche Combos, wie Nachtmahr eher unterstellen ganz billig plakativ ihre optischen, wie musikalische Ergüsse zu präsentieren. Provokation können andere Projekte/Bands besser und das künstlerisch ordentlich subtil.

Ich bin sehr vorsichtig dabei etwas in rechte Ecken zu stellen, denn da sind die Deutschen auch sehr schnell dabei. Ist so ein Reflex… wenn ich es nicht tue, dann gelte ich selbst als rechts. Blödsinn hoch 3. Ich kann diesen Mist nicht mehr hören.

Wer bisschen Ahnung von der Industrial-Szene hat (nein, nicht das Buntgrufti-Gehopse), weiß sehr gut zu entscheiden, wo es plump, offensichtlich peinlich und politisch grenzwertig wird. Naja, Nachtmahr zählt zwar nicht zur Industrial-Szene, aber peinlich ist es allemal. ;)
Will sagen, meine Antennen funktionieren dahingehend sehr gut und ich reihe mich eher ungern in diesen Tenor ein, hier alles was nicht in mein Weltbild passt, den Nazi-Stempel aufzudrücken.

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