Moonchild Tanznacht – Interview mit Sandro Standhaft

Die Moonchild Tanznacht, die unter dem Motto „Remember the 1st Wave-Gotik-Treffen“ auch in diesem Jahr zum WGT 2024 im „Tanzcafé Ilses Erika“ stattfindet, vereint mit Sandro Standhaft und Arne Gräfrath zwei Protagonisten der Geburtsstunde des Treffens hinter den Plattentellern. Wir haben ein Interview mit Sandro Standhaft geführt, um zu erfahren, wie es zu der Party gekommen ist und wie er zur Szene und seinem „Baby“ heute steht.

Moonchild Tanznacht – Der Anfang von Allem

Die Geschichte in Kurzform. Sandro Standhaft und Michael Brunner gründen 1990 die Agentur „Moonchild“, mit der sie erste Partys veranstalten. 1991 findet im Eiskeller in Connewitz das „Moonchild-Festival“ statt, sozusagen ein Vorläufer des Wave-Gotik-Treffens, dass sie dann an selber Stelle im Mai 1992 veranstalten. Nach zwei Treffen ist für Sandro allerdings Schluss, doch die Wehmut an das, was er losgetreten hat, bleibt noch eine ganze Weile. In einem Interview mit dem MDR erzählt er mehr vom ersten WGT.

Sandro StandhaftMittlerweile ist Sandro wieder als Veranstalter in Leipzig tätig und sorgt im Stadtteilzentrum „Westkreuz“ für den kulturellen Rahmen. Für Samstag, den 18. Mai 2024 ist er allerdings zusammen mit Arne Gräfrath und Sascha Lange (Autor des Buchs „Our Darkness – Gruftis und Waver in der DDR„) im Keller des „Tanzcafé Ilses Erika“ hinter den Plattentellern und versucht zusammen mit seinen Kollegen, auf der Welle der musikalischen Nostalgie in Erinnerungen zu schwelgen.

Spontis: Du veranstaltest zusammen mit Arne Gräfrath die „Moonchild Tanznacht“ in Erinnerung an die ersten WGTs, bei denen du noch als Veranstalter dabei gewesen bist. Wie kam es überhaupt dazu, im Rahmen des Treffens etwas Eigenes zu machen?

Sandro Standhaft: Die Ilse veranstaltete bereits in den letzten Jahren in der Zeit des WGTs Parties in der Richtung und da legte Arne schon mit auf. Unter anderem mit Stefan Kopielski (The Galan Pixs) und Donis (Love Is Colder Than Death) und einigen mehr.

Ich traf Arne zum 25. WGT-Jubiläum im Belantis Freizeitpark, er war Gast und ich legte im großen Zirkuszelt auf. Wir hielten Kontakt und 2019 fragte er mich, ob ich Lust hätte mit ihm zu Pfingsten alte Platten aufzulegen und die hatte ich. Wir gaben dem ganzen einen Namen und seither findet jedes Jahr zeitgleich mit dem WGT die „Moonchild Tanznacht“ statt. Damals traten nach langer Zeit das erste Mal „Love Is Colder Than Death“ wieder live auf. Das war ein guter Start und seitdem läuft die Party immer fantastisch.

Nachdem du lange aus Leipzig „geflohen“ bist, um dem WGT-Trubel zu entgehen, hast du schon seit einer Weile deinen „Frieden damit gemacht“ , wie du dem MDR in einem Interview erzählt hast. Wie hast du im Laufe der Jahre die Entwicklung des Treffens empfunden und beobachtet?

Hauptsächlich positiv, es ist weiterhin sehr individuell, wie zum Beispiel das Line-up, es ist kein „Headliner“-Festival, man definiert sich nicht über große Bands, kleine Bands bekommen weiterhin eine Chance. Außerdem ist es eine große Spielwiese für alle möglichen Facetten der Szene. Sehr schade finde ich, dass man sich bis heute nicht klar von rechts abgrenzt und das kommuniziert.

Fühlst du dich immer noch als Teil der Szene?

Sandro 1991

Nein und wäre gelogen, da bin ich zu lange raus. Ich höre natürlich immer noch viel Musik aus der Zeit und freue mich daher auch jedes Jahr riesig darauf, diese zur „Moonchild Tanznacht“ aufzulegen. Ansonsten bin ich seit Anfang der 2000er als Indie DJ mit der „Rialto Lounge“ in den Clubs unterwegs.

Nicht nur du und das Treffen haben sich weiterentwickelt, sondern auch die Stadt Leipzig. Aus alten, fast schon baufälligen Veranstaltungsorten sind oftmals Hochglanz-Veranstaltungsorte geworden. Allein die AGRA kämpft seit Jahren um den Erhalt des „alten Charmes“. Mangelt es bald an Veranstaltungsorten?

Ich weiß um die Probleme. Das Agra-Gelände ist das Herz des Festivals und ich hoffe, dass das auch noch lange so sein wird. Was die anderen Veranstaltungsorte angeht, glaube ich nicht an einen zukünftigen Mangel. Es gibt in Leipzig genügend tolle Locations von „bling bling“ bis schön rumpelig, für jede Szene und Ausrichtung, Geschmack und Anspruch. Ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben. Leipzig ist zum Glück noch nicht fertig…

Die Mieten explodieren, die Hotelpreise auch. Wird Leipzig möglicherweise zum Standortproblem für das WGT?

Nein, weil die Miet- und Hotelpreise an einem anderen attraktiven Standort ein ähnliches Niveau hätten.

Hand aufs Herz: Wie würde das Treffen auch in einer anderen Stadt oder in einem anderen Rahmen funktionieren oder ist – wie viele unserer Lesen denken – das WGT fest mit der Stadt verbunden?

Am Standort Leipzig über Jahrzehnte gewachsen und mit allem, was dieses Festival ausmacht, wird es das nur so in dieser Stadt geben.

Zurück zur Nostalgie und vor allem zur Musik. Wie kann ich mir das musikalische Programm einer „Moonchild Tanznacht“ vorstellen?

Auf dem Flyer steht „80s Underground, New Wave, Gothic Rock, Dark Pop, Neo 80s, Electronics“, ja das und noch eine Menge mehr an Genres. Wir werden hauptsächlich alles das auflegen, was es von 1990 bis 1992 bei den „Moonchild“ Parties und Konzerten in „Die Villa“, im „Eiskeller“ (jetzt „Conne Island“) und dem „Werk 2“ zu hören gab und angesagt war. Dazu wird es zeitgemäße Deko, VHS Szene Clips, natürlich eine Menge Nebel und eine kleine Überraschung für die ersten 70 Gäste geben!

Wo wir gerade bei Musik sind, erscheint die folgende Frage fast schon obligatorisch: Deine Top 5 von „damals“ und deinen aktuellen Top 5 von „heute“?

Das ist sehr, sehr schwer, hinter jeder Platzierung stehen wenigstens 20 weitere Songs :-D

Damals:

Heute:

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Pit
Pit (@guest_65027)
Vor 1 Monat

Funfact: Das Mädel auf dem Veranstaltungsflyer soll Schauspielerin Elizabeth Liz Hurley zu ihrer Batcave-Zeit sein.

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