Gothic Friday 2011

Gothic Friday – Top Of The Goth / Bücher

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Die „Top 5 der dunkelsten Bücher/Sachbücher„. Das ist die Aufgabe beim Gothic Friday im August. Das Thema stellt mich gleich vor zwei Probleme: Welche Bücher stelle ich vor? Warum habe ich eigentlich gar keine „dunklen“ Bücher?

Nun gut, ich besitze das Buch „Der dunkle Kristall“. Das könnte man vom Titel her durchgehen lassen. Ich besitze Bücher von Edgar Allan Poe und auch die Vampir-Reihe von Anne Rice hat es in mein Bücherregal geschafft, aber der Rest ist „not very gothic“.

Ich könnte noch mit einer Reihe von Esoterik- und Mystikbüchern angeben und damit meine schwarze Seele beweisen. Magische Beeinflussung – Levitation – Der Weg zum wahren Adepten – Die Praxis der magischen Evokation – Klingt super, oder? Ich finde die Bücher aber alle blöd – vermutlich weil ich nicht wirklich einen Hang zu Esoterik und Co. habe. Ich hab sie mir irgendwann mal aus Neugier gekauft, sogar gelesen und dann ganz hinten ins Regal gestellt.

Ich muss also die Aufgabenstellung eigenmächtig umschmeißen und greife einfach zu Büchern und Sachbüchern, die ich sehr mag und die ich vorstellen möchte. Ich war einen Moment in der Versuchung, Terry Pratchett und Douglas Adams ganz nach oben zu setzen. Aber das wäre wohl etwas zu vorhersehbar, was? Haltet also den Erschaffer der Scheibenwelt und den Vater des Reiseführers „Per Anhalter durch die Galaxis“ als heimliche Favoriten im Hinterkopf, verzeiht mir dann schnell noch die lange Einleitung und folgt mir auf dem Weg durchs kunterbunte Bücherregal:

1. Gespräche mit Goethe

Es ist nun wahrlich nicht so, dass ich in Sachen Literatur die schwere Kost bevorzuge. Ganz im Gegenteil. Dennoch muss ich die „Gespräche mit Goethe“ unbedingt vorstellen. Ein Buch, auf das ich durch den Tipp eines Freundes kam.

Johann Peter Eckermann beschreibt in diesem Buch seine Begegnungen mit Goethe. Zunächst erfährt man etwas über Eckermann selber und darüber wie er den Kontakt zu Goethe knüpfte. Eine schöne Geschichte. Eckermann schickte ein Manuskript an Goethe und bekam vom großen Meister eine positive Rückmeldung. Schon der Gedanke, dass es damals noch möglich war, mit einem eigenen Manuskript und einem Brief persönlich an einen so bekannten Dichter heranzutreten und eine Einladung zu erhalten, macht mich etwas melancholisch. Keine Spur von Emails, die nicht beantwortet werden und Managern und Agenten, die Fanpost mit Standardsätzen beantworten. Möglicherweise sehe ich das zu verklärt, aber lasst mir meine Illusionen!

Eckermann hatte jedenfalls auch einen schwer verklärten Blick und verehrte Goethe so sehr, dass man mitunter schmunzeln muss.

Die Gespräche erstrecken sich über einen Zeitraum von knapp neun Jahren, angefangen vom 10. Juni 1823 bis zum 11. März 1832. Sie gehen intensiv auf Goethes Alltag ein, schildern seinen Umgang mit Tischgästen und Beratern, handeln von seinen Theaterbesuchen ebenso wie von seinen Ausfahrten. Dabei spiegeln die Aufzeichnungen das gesamte Spektrum von Goethes literarischen und naturwissenschaftlichen Vorlieben und Aufgaben. Sie enthalten Goethes Meinungen über soziale Fragen der Zeit sowie über moralische und religiöse Themen. Eckermann konnte sich dabei auf Tagebuchnotizen und Briefe berufen – und vor allem auf sein hervorragendes Gedächtnis. Er verfiel nicht in den Fehler, Weisheiten und Sentenzen zusammenzustellen, sondern er verstand das Beliebige vom Bedeutenden zu trennen. Der Bericht über seinen letzten Besuch, bei dem er vom toten Goethe Abschied nimmt, zählt zu den ergreifenden Dokumenten deutscher Erzählkunst.

2. Die wunderbare Welt des Michael Ende

Ich könnte Momo vorstellen oder Die Unendliche Geschichte oder Jim Knopf  – alle Bücher von Michael Ende haben einen eigenen Zauber. Michael Ende war nicht nur ein Kinderbuchautor sondern ein Philosoph. Und er war jemand, dessen Gedankenwelt meiner ähnelte – das schließe ich zumindest aus den Büchern, die sich keineswegs nur an Kinder richten. Die genannten Bücher kennt jeder. Die beiden, die ich vorstellen möchte, sind nicht ganz so populär.

  • Der Spiegel im Spiegel
  • Das Gefängnis der Freiheit

Beide Bücher enthalten Kurzgeschichten.

Der Spiegel im Spiegel»Auch ich bin nur ein Traum. « – Dreißig Visionen Michael Endes mit achtzehn Zeichnungen seines Vaters strahlen ihre magischen Kräfte aus. Wer sich den Traumvisionen Michael Endes öffnet, wird sich ihrem Zauber und ihrer Anziehungskraft nicht entziehen können. Ganz im Sinne einer meditativen Kunst sucht Ende das Bild jenseits des Bildes und stellt damit sinnstiftende Bezüge her.

Das Gefängnis der FreiheitGeschichten von Wundern und Zeichen, von Geheimnissen und Rätseln – Ein schimmernder Palast aus Mondstein, ein Korridor, dessen Ende nie erreicht werden kann, ein Katakombensystem, in dem das Schattenvolk lebt … Michael Ende entführt den Leser in seinen Geschichten in eine farbenprächtige Welt der Wunder und Zeichen, der Geheimnisse und Rätsel. Doch auch wenn es die magischen Orte, in denen die phantastischen Geschichten spielen, in der Realität nicht gibt, so erkennen wir sie wieder, weil sie in die Innenwelt der Menschen führen. Begeben Sie sich ins Land der Phantasie – mit den hier versammelten magischen Abenteuern von Michael Ende.

Wer sich für Michael Ende als Person interessiert, der sollte unbedingt einen Blick auf diese beiden Bücher werfen. Ich kann sie nur wärmstens empfehlen:

Die Archäologie der Dunkelheit – Kaum jemand weiß, daß Michael Ende der Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende ist, eines Künstlers, der von den Nazis als „entartet“ verdammt wurde. Michael Ende und Jörg Krichbaum sprechen über Kunst und Werk Edgar Endes, der zu den bedeutenden deutschen Malern des 20. Jahrhunderts zählt. In welcher Beziehung stehen die visionären Bilder des Vaters zur phantastischen Zauberwelt des Sohnes wie der „unendlichen Geschichte“? 

Phantasie, Kultur, Politik – Wie kann Zukunft gestaltet werden? Das technokratische Denken in Wirtschaft und Politik fordert seinen Tribut. Mehr und mehr fällt die Phantasie des Einzelnen einem globalisierten Konformismus zum Opfer. Technisch perfekt organisierter Massenmord und bürokratisch aufgebaute Terrororganisationen zeigen: die Fragen, über die Michael Ende in diesem Band mit dem Politiker Erhard Eppler und der Schauspielerin Hanne Tächl spricht, sind aktueller denn je.

Wusstet Ihr eigentlich, dass Michael Ende ganz und gar nicht mit der Verfilmung der Unendlichen Geschichte einverstanden war? Das weicht jetzt ein wenig vom Thema ab, aber es kann ja nicht schaden, das Interview hier einzufügen. Vielleicht mag es sich ja jemand anschauen:

3. Star Trek – Next Generation und Voyager

Die ersten beiden Punkte sind ein wenig lang geraten. Den hier halte ich kurz: Der eingefleischte Trekkie muss sich angesichts der schleppenden Produktion neuer Serien und Folgen anderweitig Stoff besorgen. Zum Beispiel in Form von Romanen. Einige sind grottenschlecht, aber es macht trotzdem Spaß. Ich hab sie alle gelesen (Voyager und Next Generation) und ich warte sehnsüchtig auf neue…

4. Donald und Onkel Dagobert

Mit Punkt 4 sind wir dann bei der wahrlich leichten Kost angelangt. Ich liebe Lustige Taschenbücher. Sie erinnern mich an meine Kindheit. Man muss nicht groß dabei denken und es gibt viele bunte Bilder. Ich muss nicht erwähnen, dass ich Gundel Gaukeley mag, oder?!  :-) BUFF!

 

5. Schreibratgeber

Einen Ehrenplatz im Regal haben meine Schreibratgeber. Ich glaube, einige davon (Sol Stein…) sind inzwischen nur noch schwer erhältlich.

Mir haben sie ganz sicher dabei geholfen, Charaktere für meine Geschichten zu entwerfen, Dialoge aufzubauen, Landschaften zu beschreiben usw.  – Schreiben ist eben zum großen Teil Handwerk:

Sol Stein – Über das Schreiben

Stein kennt die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, Tipps und Techniken des Schreibens, und er weiß, wie man einen Text auch kommerziell erfolgreich macht. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt er, wie Sie ein Buch wirkungsvoll beginnen, wie Sie faszinierende Charaktere entwickeln und einen tragfähigen Plot entwerfen. Er erklärt endlich einmal das für jede Handlung zentrale System des Konfliktaufbaus und zeigt die Techniken und Geheimnisse des spannenden Dialogs, mit denen sich ein verbaler Schlagabtausch oder einfühlsamer Dialog effektvoller gestalten lassen. Im Kapitel „Spannung“ erklärt er, wie Sie die Leser/innen an den Text fesseln. Stein lehrt, wie man Vorgänge zeigt, statt von ihnen zu erzählen, wie Rückblenden wirkungsvoll eingesetzt werden u.v.m. 

Sol Stein – Aufzucht und Pflege eines Romans

Sol Steins neuer Ratgeber richtet sich vor allem an Romanautor/inn/en. Er beschreibt die häufigsten Fehler, die beim Schreiben gemacht werden, und nennt erfolgreiche Strategien, mit denen sie sich vermeiden lassen. Aus dem Inhalt: Der Leser will was erleben, So ziehen Sie Ihre Leser in den Bann, Geht es auch ohne Konflikte? Der Erfolg liegt im Blick fürs Detail, So finden Sie Ihre Plots, Warum unsere Umgangssprache nicht die Dialogsprache sein kann, Warum Sie sich Zeit lassen können, Die häufigsten Fehler von Autoren und wie man sie vermeidet, Der Umgang mit Worten ist Präzisionsarbeit, Ein paar grundsätzliche Hinweise für Autoren, die vom Sachbuch kommen, Überarbeitung als Chance – und Risiko, Ein paar Wege zur Unsterblichkeit u.a.

James N. Frey – Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

James N. Frey, erfolgreicher Romanautor und Dozent für kreatives Schreiben in den USA, legt eine praktische, systematische und witzige Anleitung für das Schreiben eines Romans vor. Ihm geht es nicht um die Frage, was ist Literatur, sondern um das Handwerk des Schreibens. Geschrieben in einem klaren, knappen Stil, ist das Buch perfekt für Anfänger und professionelle Autoren, die einen handfesten Crash-Kurs in den grundlegenden Techniken des Geschichtenerzählens brauchen, aber auch für Leser, die die Elemente des Romans besser kennenlernen wollen.

Rebecca McClanahan – Schreiben wie gemalt

Beschreibende Passagen sind die geheimen Kraftzentren jeden Romans – und auch der meisten Gedichte und Sachtexte. Sie malen Bilder in den Köpfen der Lesenden… Wer die Kunst der Beschreibung beherrscht, kann sie wie eine Art Gangschaltung einsetzen, über sie das Tempo einer Geschichte beschleunigen oder verlangsamen und so Dynamik und Spannungsaufbau steuern. 

Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Sabrina wurde 1971 in Duisburg geboren und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.

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stoffel
Gast

Erstmal … schick sieht Dein neues Design aus, gefällt mir sehr gut :) *kompliment*

Deine Empfehlungen haben mir sehr gut gefallen und auch hier werde ich mir die ein oder andere Empfehlung gerne mitnehmen und meinen Horizont erweitern.

Danke Dir besonders über den Abschnitt von Michael Ende inkl. Interview … ausgesprochen interessant. Jim Knopf kenne ich gar nicht als Buch, sondern nur als Geschichten der Augsburger Puppenkiste :)

Bei Goethe traue ich mich nicht so richtig ran, habe ich das Gefühl das es dennoch „schwere“ Kost sein könnte … trotzdem hat mich Deine Buchvorstellung neugierig gemacht, ich denke ich muss mal in die örtliche Bibliothek :)

Guldhan
Gast

Michael Ende war und bleibt ein literarisches Genie. Ich glaube, mehr muss man dazu nicht sagen. Und der Grund, weshalb ich mich noch nicht intensiver mit seinen Büchern befasste, ist die Angst, dass ich danach selber nichts mehr zustande bringen würde.

Zu den Schreibratgebern…

Kann man aus Büchern wirklich das literarische Schreiben lernen?
Beim reinen Handwerk der Planung sowie der Figurenkonstruktion kann ich dieses nachvollziehen, doch beim ganzen drum herum der Geschichte…?

Ich besitze ein Buch einer unterschätzten Autorin, dessen Widmung folgendes besagt: »Ich bin nämlich dafür, dass Du bei Deinem unverwechselbaren Schreibstil bleibst«

Und ich glaube, mit jedem neuen durchgearbeiteten Buch, das einem die romangebundene Schriftstellerei analysieren möchte, geht ein Stück Schreibpersönlichkeit verloren.

Man hangelt entlang der Empfehlungen. Versucht jedem Hinweis nachzueifern.
So muss ich die Gegend also perfekt beschreiben. Dies ist demnach die optimale Dialogstruktur. So und nur so ist ein Kapitel einzuleiten…

Und ehe man sich versieht, schreibt man so, wie man auch nach Zahlen malen würde. Anstatt einfach den Pinseln zu nehmen und ganz ungeniert mit überheblichem Grinsen über die Ziffern und Linien zu schmieren. Möglich, dass das Bild dann zwar scheußlich aussieht. Aber eben mit persönlicher Seele und ganz eigenem Ausdruck.
Zudem scheinen maßgeschneiderte Romane heutzutage ebenso ignoriert zu werden, wie das getippte Unding jenseits aller Konventionen.

Aber mal schauen. Ich werde mein Vorurteil ablegen und Deinen Buchempfehlungen folgen. Schließlich lernt man nie aus.