Musikalischer Briefkasten #19 – Ab jetzt entleert von Gruftwurm und Durante

Der musikalische Briefkasten wird seit einigen Wochen von Gruftwurm und Durante geleert, die sich voller Eifer in ihre neue Aufgabe gestürzt haben. Svartur Nott, der bisher immer die Post bearbeitet hat, schafft es zeitlich nicht mehr, sich um den Briefkasten zu kümmern. Die beiden treten in große Fußstapfen, die sie aber sicherlich ausfüllen können. Musik ist eines der wichtigsten verbindenden Elemente innerhalb der Szene, auch wenn sich selbige aus den unterschiedlichsten Genres zusammensetzt.

Wir stellen Musik vor, die uns über das Kontaktformular zugesendet wird, Durante und Gruftwurm treffen eine Auswahl aus den zahlreichen Zusendungen und entscheiden selbst, welche Band oder welches Album vorgestellt wird. Wir hoffen, dass die vorgestellten Bands auf offene Ohren treffen. Diese Auswahl hat Gruftwurm getroffen.

Milicent – Myrsky (Danse Macabre)

Die Darkwave Band Milicent kommt aus Stuttgart und wurde im Jahr 2022 von Valerio Kuhl und Simone Mayer gegründet. Beide Musiker sind in der schwarzen Szene unterwegs und Valerio legt regelmäßig als DJ Val bei Stuttgart-Schwarz und anderen Veranstaltungen auf. Als Gitarristin kam später Janey Schumacher hinzu, die u.a. auch in der Punk-Band Ineffective spielt.

Schon bei dem ersten Song Soul war ich recht schwer beeindruckt. Geboten wird eine Mischung aus DarkWave, Post Punk und SynthPop mit 80er-Elementen und shoegazigen Gitarren. Der Gesang von Simone erinnert mich etwas an Sigrid „Syrah“ Hausen von Qntal und bringt mit dem Wave Sound eine interessante musikalische Mischung. Experimentell wird es mit dem Stück „La Fontaine“, bei dem Valerio und Simone den Song in Französisch vortragen.

Der Name Milicent ist die Hauptakteurin dieses Konzeptalbum, die sich im Alter von 17-Jahren versucht das Leben zu nehmen und in ein Koma fällt. Die Songs handeln von Isolation, Ängsten, Trauer, Träume, Hoffnung, Liebe, Freundschaft und Dunkelheit.

Virgo Supercluster – 1

Das Projekt Virgo Supercluster aus dem Saalfeld, wird geführt von Sven Hollosi, der auch als Keyborder bei Suddon Cold spielt. Gesangliche Unterstützung bei dem Werk gab es von Ivi, welche früher bei Spiritual Cramp gesungen hat und TT. Der Song Reflection (in a distand land) hat mir persönlich angetan. Das Album, welches den Titel 1 trägt, beinhaltet insgesamt sechs Songs. Sven hofft sich durch das musikalische Projekt etwas mehr Abwechselung und Bereicherung in die Darkwave Szene zu bringen. Macht euch selber ein Bild.

Mirny Mine – Palmy Days (Novoton)

Mirny Mine mit richtigen Namen Anna Sundström stammt von der schwedischen Insel Gotland und beherrscht nicht nur das fotografische Objektiv, sondern weiß auch mit Musikinstrumente umzugehen. Das bewies sie schon mit ihrem ersten Ableger „The other Part“, welches sie selbst produzierte, aufnahm und fast alle Instrumente selbst einspielte.

Mit einer Doppel-EP erschien ihr zweites musikalisches Werk, welches aufgeteilt in einen schwedischen und einen englischen Teil, und die Titel „Från död till liv“ und „Palmy Days trägt“.
Das Projekt taucht tief in die emotionalen Abgründe ein und erinnert an dunklen Wave und Dream-Pop, aber in der Essenz völlig anders. Das Album handelt von der Erfahrung, von der Dunkelheit verschlugen zu werden, von der Suche nach inneren Frieden und die Sehnsucht nach den einfachen Freuden des Lebens. Für Liebhaber wie die Klänge von Chelsea Wolfe, ist dieser Sound ebenfalls eine klangliche Oase.

BlackieBlueBird – Grace & Gravity (Aenaos Records)

Bleiben wir doch im hohen Norden und machen einen Stop in Copenhagen.

BlackieBlueBird sind die Sängerin Heidi Lindahl und der Komponist Nils Lassen. Im musikalischen Briefkasten stellte die Gruppe ihr drittes Album Grace & Gravity vor, welches die Zuhörer mit hallender Gitarre, klagenden Mundharmonika, Klanglandschaften Schlagzeug und die goldene Stimme von Heidi umarmt. Angeführt von der zarten Stimme von Hedi Lindahl, mit einem Hauch von Melancholie, erzählen 10 Lieder über Sehnsucht, Liebe, Leben und Verlust. Wobei der Titel „Oh-Susanna“ sehr an Cowboys und Südstaaten erinnert, was aber nicht wundert, da es sich bei dem Song um einen Folk- und Bluegrass-Klassiker handelt. BlackieBlueBird schafft es aber daraus ihr eigenes Ding zu kreieren. Mein Geschmack trifft das Album eher nicht, aber trotzdem kann man in die Musik wie der Titel Mesmerized versinken, wenn man sich darauf einlassen kann.
Die Sound von BlackieBlueBird wird übrigens mit der Musik von Nick Caves „Murder Ballads“ und Enya verglichen.

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Kommentare

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Marquis
Marquis(@marquis)
Vor 7 Monate

Dank für diesen Artikel. ich hatte mir brav alles angehört und geschaut.
Lieben Dank dafür!

Marquis
Marquis(@marquis)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 6 Monate

Schöne Auswahl, bitte weiter so.

graveyardqueen
graveyardqueen (@guest_63883)
Vor 7 Monate

Wave ist, bis auf einzelne Ausnahmen eher weniger mein Genre, dennoch habe ich in die verlinkten Clips rein gehört.

Milicent konnte mich auf Grund des weiblichen Gesangs nicht überzeugen, aber die Aufnahmen von den Spatzen gefielen mir 😁.

Und bei Mirny Mine musste ich irgendwie an Faith And The Muse denken. Die Stimme bzw. Art des Gesangs hat etwas von Monica Richards. Ansonsten angenehmer entspannter Sound.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 6 Monate

Das Stück von BlackieBlueBird erinnert mich an die Still Corners.

Danke, dass Ihr den musikalischen Briefkasten fortführt! Auch wenn von den Kommentatoren nicht immer viel dazu geschrieben wird – es ist für Laien oft nicht so einfach, die Wirkung von Musik auf einen selbst in Worte zu fassen – so ist es doch immer wieder interessant, neue Musik vorgestellt zu bekommen. Auch wenn nicht immer der eigene Geschmack dabei bedient wird.

Wie ich mal von einer Kollegin gesagt bekam, als ich meinte, wenn ich ein Gericht für 40 bis 50 Esser koche, kann ich damit leider unmöglich den Geschmack von jedem einzelnen haargenau treffen: „Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die niemand kann“.

Letzte Bearbeitung Vor 6 Monate von Tanzfledermaus
Svartur
Svartur(@svartur-nott)
Antwort an  Gruftwurm
Vor 6 Monate

Danke für die Blumen @gruftwurm ^^. Tatsächlich habe auch ich mich oftmals sehr schwer getan, Musik und Gefühl irgendwie in Wort und Schrift zu konvertieren. Und dann noch eine Balance zwischen subjektivem Empfinden und objektiven Mustern zu finden… so gut wie unmöglich.

Auf jeden Fall schön, dass der Briefkasten nicht verwaist, ein Daumen hoch meinerseits für’s Kümmern!

Letzte Bearbeitung Vor 6 Monate von Svartur Nott

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