Weltfrauentag 2026: Ist die schwarze Szene wirklich anders?

Heute ist Weltfrauentag 2026 — und das Motto der Vereinten Nationen 2026 klingt dringlicher denn je: „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls.“ Ein guter Anlass, um nicht nur auf die Gesellschaft zu schauen, sondern auch in die eigene Szene: Wie steht es eigentlich um Frauen in der Gothic-Welt? Die schwarze Szene hat immer beansprucht, anders zu sein — offener, freier, jenseits starrer Geschlechterrollen. Aber stimmt das noch oder stimmte es jemals? Oder hat die Außenwahrnehmung längst das Innenleben verändert?

Was wir mal waren

Die schwarze Szene hat sich nie als politische Bewegung verstanden. Aber sie hat, fast beiläufig, etwas getan, das viele andere Szenen bis heute nicht hinbekommen: Sie hat Geschlechterrollen relativiert. Männer in Röcken, mit Make-up, in Absätzen — kein großes Thema. Frauen in Schutzräumen, in denen sie tanzen konnten, ohne bewertet zu werden — Realität.

„Immer wenn ich auf Gothic-Partys bin, habe ich selten so ein Freiheitsgefühl. Wenn ich tanze, wie ich mich anziehe — ich kann einfach sein.“
— Anna, Musikerin aus Bremen, in: frauenseiten.bremen.de

Das war kein Zufall. Die Szene war von Anfang an ein Rückzugsort — für queere Menschen, für Frauen, für alle, die sich abseits patriarchaler Normen bewegen wollten. Laut Studien liegt der Frauenanteil in der Gothic-Szene deutlich über dem anderer Subkulturen — es handelt sich, demografisch gesehen, um eine weiblich geprägte Szene. Das sollte man sich merken. Denn mit dieser Tatsache steht das, was ich in den letzten Jahren beobachte, in einem ziemlich bitteren Kontrast.

Was wir daraus gemacht haben

Irgendwann in den 90ern begann sich etwas zu verschieben. Einflüsse aus der BDSM- und Fetisch-Szene vermischten sich mit Gothic — zunächst als ästhetisches Spiel, dann als dominierendes Bild. Szenemagazine begannen, mit halbknapp bekleideten Frauen auf Titelseiten zu punkten. „Sex sells“ wurde zur Strategie — ausgerechnet in einer Szene, die sich immer als Gegenentwurf zum Mainstream verstanden hatte.

Was mich daran stört, ist nicht die Sexualität an sich. Es ist die Einseitigkeit. Es ist der Blick, der dahintersteckt. Ein Blick von außen, der unser Inneres mitgeprägt hat. Denn das Klischee — Gruftine als leicht verfügbar, als exotisches Objekt, als Fetisch-Bild — blieb nicht auf Magazincovern und Boulevardschlagzeilen beschränkt. Es ist in die Szene eingewandert.

„Kein Wunder, wenn dann nach außen ein solches Bild über die Szene transportiert wird und Otto-Normal-Fuzzis denken, in der Szene würden nur Domina- und S/M-Weibchen rumrennen. Man merkt auch schnell, wenn sich männliche Grüppchen mal auf eine schwarze Party verirren. Da wird dann meist sofort losgebalzt.“
— Aus einer Szene-Diskussion bei spontis.de

Männer, die auf unsere Partys kommen und sich verhalten, als wäre das Outfit einer Frau eine Einladung. Männer, die das Klischee mitbringen, das die Boulevardpresse jahrelang gepflegt hat. „Heiße Gruftis“, „leichenhafte Schönheit“ — das sind keine Artikel aus dem Archiv, das ist eine Haltung, die sich festgesetzt hat.

Es gibt noch ein anderes Problem, das ich nicht ignorieren kann, wenn ich heute an Frauen in unserer Szene denke. Die schwarze Szene ist weiblich geprägt — im Publikum vielleicht. Auf der Bühne sieht es anders aus. Festivals und Club-Line-ups werden nach wie vor von Männerbands dominiert. Die Frage, wo feministische Gothic-Bands bleiben — wo FLINTA*-Personen als Künstlerinnen und nicht als Dekoration sichtbar werden — ist berechtigt. Und sie wird in der Szene zu selten laut gestellt. Ich sage das nicht aus einer Außenperspektive. Ich sage das als jemand, der seit Jahrzehnten auf Festivals geht, sich als Gothic fühlt und Diskussionen im Internet verfolgt. Das Missverhältnis ist real. Und es ist kein Naturgesetz.

Besser als die Gesellschaft — aber das reicht nicht

Laut einer aktuellen Ipsos-Studie zum Weltfrauentag 2026 sind 55 % der deutschen Männer der Ansicht, für die Gleichstellung sei schon genug getan worden. Nur 36 % der Frauen teilen diese Einschätzung. Diese Diskrepanz ist bezeichnend — und sie existiert, in abgemilderter Form, auch in der schwarzen Szene. Wir sind besser als viele andere Subkulturen. Das stimmt möglicherweise. Das Verwischen von Geschlechterrollen, die Toleranz gegenüber Queerness, der Grundsatz, dass jede Person sich kleiden kann wie sie möchte — das ist nicht nichts. Aber „besser als der Mainstream“ ist keine Auszeichnung. Es ist eine Mindestanforderung.

Eine Bachelorarbeit der Ruhr-Universität Bochum über Geschlechterverhältnisse in der Gothic-Szene beschreibt das gut: Die Szene hat echte Potenziale für Wandel — aber auch problematische Reproduktionen von Geschlechterverhältnissen, die man nicht wegdefinieren kann.

Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir keinen neuen Verhaltenskodex für die schwarze Szene. Ich wünsche mir, dass wir uns erinnern, was wir mal waren — oder was wir sein wollten. Ein Ort, an dem Menschen sich sicher fühlen können. Ein Ort, der Geschlechterrollen hinterfragt, statt neue Klischees zu produzieren. Ein Ort, an dem Frauen nicht nur Publikum und Bild sind, sondern Stimme, Band, Veranstalterin, Kritikerin. Das setzt voraus, dass wir — die Männer in der Szene — nicht wegschauen. Wenn jemand auf einer Party belästigt wird. Wenn ein Magazin Frauen aus der Szene zum Pin-Up-Girl degradieren

Die schwarze Szene hat immer beansprucht, anders zu sein. Das Schöne daran: Sie könnte es wirklich sein. Aber dazu müsste sie aufhören, die Augen zu schließen — und anfangen, genau hinzusehen.

Weiterführende Links

Robert

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

Kommentare

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Jules
Jules(@kathi)
Vor 1 Monat

Danke für deinen wie immer kritischen Blick Robert.

Durante
Durante(@durante)
Vor 1 Monat

Guter Kommentar zu dem Thema. Ich persönlich glaube auch dass die Szene schon mal „weiter“ war in der Hinsicht…
„Fetisch-Mode“ wird vermutlich tatsächlich auch mit schuld daran sein (und auch wenn ich persönlich kein Problem mit Fetisch & BDSM habe (ganz im Gegenteil), hatte das für mich(!) auch nie unmittelbar was mit der Szene zu tun, sind imho einfach zwei Paar Schuhe)…
…aber ich glaube aber es liegt nicht nur daran, das „androgyne“ der wavigen 80er und teils noch 90er ist der Szene ja GENERELL (leider) etwas verloren gegangen, das sieht man eben nicht nur an Fetisch-Outfits sondern auch an Frauen in viktorianischen Kleidern, Männern in teils eher martialisch-militärisch anmutenden Klamotten etc. etc. … Alles doch sehr klar „kodiert“ was Geschlechtsidentitäten angeht. Die Zeit in der man bei einem jüngeren Grufti das (zumindest biologische) Geschlecht teils erst auf den zweiten Blick erkannt hat sind halt überwiegend einfach vorbei… was ich persönlich durchaus bedauere.
(Individuell soll natürlich bitte jeder tragen was und sich stylen wie er will, ich bedauere einfach gewisse modische Szene-Trends, KEINE Einzelentscheidungen. ;) )
Auch findet man teils recht konventionelle Rollenbilder innerhalb der Szene NICHT nur in den Köpfen von Männern und auch NICHT nur bezogen auf Frauen muss ich leider sagen, da hab ich von BEIDEN Seiten schon so einiges gehört was ich früher in dieser Szene so nicht erwartet hätte… :-/
„Besser als der Mainstream“ stimmt in diesem Bereich definitiv, und das ist erfreulich… aber es könnte besser sein (und war es in meiner(!) Wahrnehmung auch schon mal).

Ich wünsche mir keinen neuen Verhaltenskodex für die schwarze Szene. Ich wünsche mir, dass wir uns erinnern, was wir mal waren — oder was wir sein wollten. Ein Ort, an dem Menschen sich sicher fühlen können. Ein Ort, der Geschlechterrollen hinterfragt, statt neue Klischees zu produzieren.

Diesem Wunsch schließe ich mich hiermit an! :)

PS: …und so ganz nebenbei hat mich Robert noch daran erinnert dass ich mir eigentlich mal wieder einen bodenlangen Rock besorgen wollte XD, danke für die Erinnerung. ;)

Maren
Maren(@maren)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

„Auch findet man teils recht konventionelle Rollenbilder innerhalb der Szene NICHT nur in den Köpfen von Männern“
Leider! Und das finde ich wiederum besonders ärgerlich, weil wir eigentlich genau diese Männer brauchen, die nicht den konventionellen Rollenbildern entsprechen, um wirklich voran zu kommen. Es sind diese Männer, die uns nämlich ermöglichen, so zu sein, wie wir möchten, die selbst keinem Klischee entsprechen und uns auch in keines rein drängen. Und wenn wir mehr von diesen sanften männlichen Wesen hätten – so meine Mutmaßung- wäre es nicht nur um die Szene sondern um die Welt insgesamt besser bestellt.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Maren
Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Vor 1 Monat

Richtig guter Artikel, merci Robert.
Meine mittlerweile knapp 30-jährigen Erfahrungen in der Szene haben leider meine jugendlichen Gedanken, meinen jugendlich-naiven Wunsch, das in der schwarzen Szene die Menschen „besser“ sind als im Rest der Gesellschaft an der Realität zerschellen lassen. Jede Szene, jede Subkultur ist im Grunde ein Miniaturformat der Gesamtgesellschaft.
Sogar in der Queeren Szene, in der ich mich vor allem als ich jünger war, auch öfter bewegt habe, gibt es super konservative, teilweise sogar reaktionär denkende Menschen, auch wenn es erst mal wie ein kompletter Widerspruch erscheint.
Manchmal sind gerade die, die sich ganz besonders verständnisvoll und progressiv geben, diejenigen, die das nur performativ betreiben, um z.B. gut anzukommen bei Frauen. Sich als Mann zu schminken, Röcke zu tragen, Nägel zu lackieren, etc. bedeutet noch lange nicht, dass man feministischen Ideen gegenüber positiv eingestellt ist. Ich nenne sie gerne die El Hypocritos (wer weiß, der weiß) beziehungsweise die Pickme Boys, der schwarzen Szene. Ich hab da leider ganz persönlich auch nicht so gute Erfahrungen gemacht. Außerdem bin ich grad in meiner heterofatalistischen Ära…naja.
Aber genauso wie die sexuelle Orientierung kann man sich seine Szenezugehörigkeit nicht so einfach aussuchen😉
Um meinen Senf trotzdem „on a good note“ enden zu lassen: es gibt sie, die Bereiche innerhalb der Szene wo es etwas besser läuft als im Gros der Gesellschaft.

Graphiel
Graphiel(@graphiel)
Vor 1 Monat

Erst einmal vielen lieben Dank an Robert für den tollen Kommentar zu diesem Thema.

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist der Gedanke, dass die schwarze Szene etwas anderes sein könnte als ein Durchschnitt der Gesellschaft zwar nachvollziehbar, an der Realität gemessen jedoch auch genauso naiv. Kleidung, Musikgeschmack oder Makeup formen halt noch keinen Menschen, sondern können maximal ein Indiz dafür sein in welche Richtung sich jemand bewegt. Szenen sind eben kulturelle Filter – keine moralischen.

Die unvermeidbare Wechselwirkung zwischen Mainstream und Szene ist dabei natürlich auch ein nicht zu übersehender Faktor, der aber nicht nur die schwarze Szene betrifft.  Norma Normal sprach als Beispiel bereits die queere Szene an, in der entgegen aller Logik offenbar auch kein rein friedlich fröhliches Beisammensein stattfindet, sondern ebenso große Arschlöcher Krawall und Zwietracht sähen können wie anderswo auch. Unterm Strich bleiben wir eben allesamt Menschen, die nun mal in einer Welt leben, in der wir nebst eher harmlosen Interessenkonflikten in ständiger Konkurrenz zueinander gesetzt werden. Sowas geht einfach nicht spurlos an den Menschen die darin leben vorbei, auch nicht innerhalb einer wie auch immer gearteten Szene. Szenen entstehen zwar als kulturelle Gegenräume zum Mainstream, sie existieren aber nicht außerhalb derselben gesellschaftlichen Bedingungen. Die Konflikte und Dynamiken verschwinden dort also nicht – sie nehmen lediglich andere Formen an.

Besonders deutlich wird das dort, wo Szene irgendwann auch Markt wird. Sobald Veranstaltungen, Magazine oder Festivals nicht mehr nur aus Leidenschaft, sondern auch aus ökonomischen Zwängen heraus funktionieren müssen, greifen zwangsläufig dieselben Mechanismen wie im Mainstream: Aufmerksamkeit wird zur Ware, Inszenierung wichtiger als Inhalt und Menschen werden schnell zu Publikum oder Konsumenten.

Ich wünsche mir keinen neuen Verhaltenskodex für die schwarze Szene. Ich wünsche mir, dass wir uns erinnern, was wir mal waren — oder was wir sein wollten. Ein Ort, an dem Menschen sich sicher fühlen können. Ein Ort, der Geschlechterrollen hinterfragt, statt neue Klischees zu produzieren. Ein Ort, an dem Frauen nicht nur Publikum und Bild sind, sondern Stimme, Band, Veranstalterin, Kritikerin. Das setzt voraus, dass wir — die Männer in der Szene — nicht wegschauen. Wenn jemand auf einer Party belästigt wird. Wenn ein Magazin Frauen aus der Szene zum Pin-Up-Girl degradieren

Dieser Wunsch ist sowohl nachvollziehbar und seine Ziele auch erstrebenswert und ich sehe ihn bei kleinen und besonders undergroundigen Veranstaltungen bereits oft in die Realität umgesetzt. Das sind meinen Erfahrungen nach dann aber eben oft auch jene Angebote, die nicht nur auf die großen Gewinne schielen und sich mit der musikalischen oder journalistischen Sahnetorte schmücken, sondern oft nur (möglichst) kostendeckend arbeiten und stattdessen mit sehr viel Handarbeit und Herzblut dabei sind. Diese locken dann auch eher ein entsprechendes Publikum an, was dies dann auch zu schätzen weiß und sich nicht einfach nur auf den nächsten Schnappschuss, oder die nächste W…svorlage freut.

 Durante Übrigens ein kleiner Funfact zum Nebenschauplatz Fetisch/BDSM: Selbst unter Anhängern dieser Szene (die ich auch nicht als Teil der Gothic Szene betrachte) gibt es inzwischen Leute, welche diese „Hochzeit“ zwischen Fetisch/BDSM- und Gothicszene inzwischen zutiefst bedauern und sich wünschen das sie nie stattgefunden hätte. Gerade weil dieser Bereich besonders stark auf Einvernehmlichkeit und klaren Absprachen fußt, sehen manche Kritiker (so auch in meinem direkten Bekanntenkreis) in dieser künstlichen Vereinigung der Szenen eine Untergrabung dieser Regeln. Das hat zur Folge, dass diese sich auf Events, in denen beide Szenen scheinbar miteinander verschmolzen inzwischen ähnlich unwohl fühlen wie die erste Generation viktorianisch orientierter Schwarzromantiker beim viktorianischen Picknick zum WGT. Szenen funktionieren eben nur, wenn ihre eigenen Regeln ernst genommen werden. 😉

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Graphiel
Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Graphiel
Vor 1 Monat

Übrigens ein kleiner Funfact zum Nebenschauplatz Fetisch/BDSM: Selbst unter Anhängern dieser Szene (die ich auch nicht als Teil der Gothic Szene betrachte) gibt es inzwischen Leute, welche diese „Hochzeit“ zwischen Fetisch/BDSM- und Gothicszene inzwischen zutiefst bedauern und sich wünschen das sie nie stattgefunden hätte.

Ich weiß ;) , aber danke dass du es hier nochmal ansprichst. „Consent“ auf den du auch anspielst ist hier der eine (und wichtigere!) Punkt, der andere ist dass gewisse „Codes“ und Erkennungszeichen natürlich dabei auch einfach übernommen wurden OHNE deren Bedeutung mit zu übernehmen bzw. wirklich darüber nachzudenken (wobei wir Goths das natürlich auch generell gerne tun muss man sagen, mit Symbolen „spielen“ usw.)… Wenn man z.B. auf einem schwarzen Event jemanden mit Halsband inkl. „Ring der O“ oder ähnlichem sieht dann ist derjenige WAHRSCHEINLICH interessiert an BDSM… aber möglicherweise ist es auch „nur Schmuck“ ohne jede Bedeutung (Chance spontan geschätzt 60:40, so nach Gefühl ;) ). Das finden BDSM-interessierte Nicht-Gruftis auch nicht so toll wurde mir schon mal erklärt ;) (nachvollziehbar, und andere Szenen mit gewissen Codes und Erkennungszeichen untereinander hatten ja durchaus auch schon ähnliche Probleme wenn irgendwas plötzlich „Mode“ wurde, die waren da auch nicht so begeistert von (verständlicherweise)…).

Unterm Strich bleiben wir eben allesamt Menschen, die nun mal in einer Welt leben, in der wir nebst eher harmlosen Interessenkonflikten in ständiger Konkurrenz zueinander gesetzt werden. Sowas geht einfach nicht spurlos an den Menschen die darin leben vorbei, auch nicht innerhalb einer wie auch immer gearteten Szene. Szenen entstehen zwar als kulturelle Gegenräume zum Mainstream, sie existieren aber nicht außerhalb derselben gesellschaftlichen Bedingungen. Die Konflikte und Dynamiken verschwinden dort also nicht – sie nehmen lediglich andere Formen an.

Wir beide sind ja jetzt sicherlich nicht immer einer Meinung ;) , aber hier definitiv schon – Gut gesagt.

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist der Gedanke, dass die schwarze Szene etwas anderes sein könnte als ein Durchschnitt der Gesellschaft zwar nachvollziehbar, an der Realität gemessen jedoch auch genauso naiv. Kleidung, Musikgeschmack oder Makeup formen halt noch keinen Menschen, sondern können maximal ein Indiz dafür sein in welche Richtung sich jemand bewegt. Szenen sind eben kulturelle Filter – keine moralischen.

Der Zahn dass Goths tendenziell die „besseren Menschen“ seinen wurde mir inzwischen auch schon (mehrfach) gründlich gezogen (auch wenn ich die Zeit vermisse in der ich das noch ein bisschen geglaubt habe XD ). Und Unterschiede zur „Gesamtgesellschaft“ existieren – sofern es sie in einem gewissen Maße geben mag – dann sowieso immer nur tendenziell aber niemals absolut. Man trifft in der Szene viele echt unglaublich liebe Menschen (einige davon hier auf diesem Blog) auch aber auch immer wieder toxische Persönlichkeiten von denen man sich im Interesse der eigenen psychischen Gesundheit lieber fernhalten sollte.
Generell lebe ich deshalb inzwischen diesbezüglich nach zwei Regeln die ich den wenigen Menschen die das hier zufällig lesen nur ans Herz legen kann:

  • Schließe niemals vom Äußeren auf den Charakter – Nicht im Negativen aber eben auch NICHT im Positiven!
  • Vertraue nur den Menschen 100% die du WIRKLICH kennst – Unabhängig von Szene-Zugehörigkeit, Aussehen, Alter, Geschlecht, Selbstinszenierung, whatever. „Words are cheap“… und Make-Up ebenso. ;)
Graphiel
Graphiel(@graphiel)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

danke dass du es hier nochmal ansprichst. „Consent“ auf den du auch anspielst ist hier der eine (und wichtigere!) Punkt, der andere ist dass gewisse „Codes“ und Erkennungszeichen natürlich dabei auch einfach übernommen wurden OHNE deren Bedeutung mit zu übernehmen bzw. wirklich darüber nachzudenken (wobei wir Goths das natürlich auch generell gerne tun muss man sagen, mit Symbolen „spielen“ usw.)…

Wenn es nur das inhaltsleere übernehmen von optischen Erkennungszeichen wäre….

Was ich jetzt schon ein paar mal von kritischen Stimmen vernommen habe, waren Beschwerden über im Halbwissen übernommene Bedeutungen, die auf ein so billiges Minimum herunter gebrochen und in sich verdreht wurden, dass man den Eindruck hätte gewinnen können, die kritisierte Person habe ihr „Wissen“ von irgend einer Pornoseite gesammelt, anstatt sich wirklich mit dem Thema Fetisch/BDSM auseinander zu setzen.

Consent ist dabei definitiv einer der zentralen Punkte, denn einen Fetisch oder sexuelle Vorlieben wie eben BDSM zu haben bedeutet nicht automatisch diese auf einer Party der schwarzen Szene anderen unbeteiligten Gästen ungefragt ins Gesicht drücken zu dürfen. Sowas wirft nicht nur ein denkbar schlechtes Licht auf die Fetisch/BDSM Szene, sondern befeuert zusätzlich noch Klischeebilder unsere Szene, die hier nun schon mehrfach und völlig zurecht kritisiert wurden.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Graphiel
Vor 1 Monat

denn einen Fetisch oder sexuelle Vorlieben wie eben BDSM zu haben bedeutet nicht automatisch diese auf einer Party der schwarzen Szene anderen unbeteiligten Gästen ungefragt ins Gesicht drücken zu dürfen

Das stimmt… aber passiert sowas denn in der Realität? oO
Wäre mir so noch nie aufgefallen (bin aber natürlich auch nicht auf so vielen Parties wie du).
PS: Einfach ein bestimmtes Schmuckstück mit gewisser Bedeutung zu tragen z.B. wäre jetzt für mich beispielsweise wohlgemerkt absolut kein „ins Gesicht drücken“. ;)

Graphiel
Graphiel(@graphiel)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

„Das stimmt… aber passiert sowas denn in der Realität? oO
Wäre mir so noch nie aufgefallen (bin aber natürlich auch nicht auf so vielen Parties wie du)“

Sicherlich nicht flächendeckend, aber vereinzelnd ist mir das tatsächlich schon unter die Lupe gekommen. Und damit meine ich jezut leider keine getragene Schmuckstücke, sondern aktive Handlungen mitten auf der Tanzfläche, sowie Handlungsaufforderungen, gegenüber Leuten aus meinem Umfeld, die definitiv nur wegen der Musik vor Ort waren. Natürlich kann ich jetzt nicht beurteilen, ob das Leute waren die wirklich Teil der Fetisch/BDSM Szene waren, oder ob es sich lediglich um „Trittbrettfahrer“ handelte.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Graphiel
Vor 1 Monat

Ah ok – Verstehe bzw. kann mir jetzt was darunter vorstellen. :-/

Maren
Maren(@maren)
Vor 1 Monat

„Denn das Klischee — Gruftine als leicht verfügbar, als exotisches Objekt, als Fetisch-Bild — blieb nicht auf Magazincovern und Boulevardschlagzeilen beschränkt. Es ist in die Szene eingewandert.“

Obwohl ich jetzt nicht jedes Wochenende auf Szeneveranstaltungen unterwegs bin, kann ich diesen Eindruck irgendwie bestätigen. Gerade auf Flyern für schwarze Parties konnte ich beobachten, dass ganz oft mit dem „Fetisch-Gruftine“-Bild geworben wird. – Zu oft, so dass Einseitigkeit entsteht, wie du sagst,@Robert. Wenn dann noch dabei steht: „Dress to impress“ läuft der Eindruck meiner Meinung nach etwas in die falsche Richtung. Für mich war diese Art auch auf FB veröffentlichte Art von Flyer eher ein Grund einer Party fernzubleiben, als hinzugehen. Nicht weil es mich stört, was da andere Leute anhaben oder nicht anhaben, sondern weil das für mich wie ein Wettbewerb für Gothic PIN-up Girls angemutet hat. Ich habe mich auch schon gefragt, welche Art von Publikum damit angesprochen werden soll. Nun, ich habe mir dann mal einen Ruck gegeben und bin trotzdem als ich am Wochenende auf „Heimaturlaub“ war zur Abby-Party. Es war dann besser als ich dachte: Die Art der schwarzen Gewandungen war abwechslungsreich und das ganze hat sich irgendwie zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt. Trotzdem könnte ich nicht für alle Besucher meine Hand ins Feuer legen. Es saßen da auch einige Typen am Rand rum, die zwar dem Dresscode gemäß schwarzes Tshirt und schwarze Hose trugen, aber bei mir die Vermutung ausgelöst haben, dass sie weder mit der Musik viel am Hut hatten, noch tanzen wollten, sondern nur zum Gaffen da waren.
Tatsächlich finde ich, dass diese Art der Einladung zu Parties eher ein Rückschritt ist, da schlussendlich eben durch „Gruftine als Objekt“ Publikum angelockt werden soll.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Maren
Vor 1 Monat

Gerade auf Flyern für schwarze Parties konnte ich beobachten, dass ganz oft mit dem „Fetisch-Gruftine“-Bild geworben wird. – Zu oft, so dass Einseitigkeit entsteht, wie du sagst,@Robert. Wenn dann noch dabei steht: „Dress to impress“ läuft der Eindruck meiner Meinung nach etwas in die falsche Richtung.

Oh ein guter Punkt, daran hatte ich heut noch gar nicht gedacht aber du hast völlig recht (gerade auch beim Abby-Flyer neulich dachte ich mir das ja auch, das ist ja – irgendwie – noch meine Gegend (mehr oder weniger)) – Ein seit Jahren befremdlicher Trend der aktuell (meines Erachtens zumindest) nochmal schlimmer wird durch offensichtlich „KI“-generierte Bilder… *seufz*

Wobei ich nicht mal glaube dass da immer ein „Plan“ dahinter steht, manchmal vlt. ja („Sex sells“ etc.), aber ich könnt mir auch vorstellen dass manche das machen weil… man das schon seit Jahren so macht und das alle so machen und die „Szene-Magazine“ das ja irgendwie auch lange gemacht haben etc. … also dass man einfach gar nicht mal groß darüber nachdenkt (im Sinne von die Verantwortlichen überlegen quasi welches „Goth-Girl“ (Wort hier bewusst gewählt) man diesesmal auf den Flyer draufklatscht und eben nicht OB man überhaupt eines draufklatscht (oder dies tun sollte)).

Es bleibt mir tatsächlich im Gedächtnis wenn ein Goth-Flyer mal NICHT so aussieht (sondern beispielsweise ganz bewusst einen Retro-Look verwendet, schlicht, schwarz-weiß, underground, wie „fotokopiert“ bzw. wie in den 80ern, ihr wisst was ich meine).

Graphiel
Graphiel(@graphiel)
Antwort an  Maren
Vor 1 Monat

Gerade auf Flyern für schwarze Parties konnte ich beobachten, dass ganz oft mit dem „Fetisch-Gruftine“-Bild geworben wird. – Zu oft, so dass Einseitigkeit entsteht

Was bin ich froh in meiner Gegend überwiegend Flyer vorzufinden, die eher schlicht und ohne irgendwelche Fetisch-Gruftinen-Bilder auskommen. Die von dir beschriebenen Flyer kenne ich hier zum Glück nur von einer Partyreihe und die besuche ich inzwischen höchstens noch in Ausnahmefällen, wenn im kleineren Bereich einer der DJs meines Vertrauens auflegt. – Was derzeit etwa 1x pro Quartal vorkommt.

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Vor 1 Monat

Das habe ich sinngemäß in einer anderen Diskussion auch schon geschrieben.
Wir sind alle nur Menschen. Nur weil wir schwarz lieben, seltsame Musik hören und viele Aspekte des Lebens aus einem anderen Blickwinkel betrachten, erhebt uns das nicht über Andere. 😉
Ganz am Anfang der Szene war das vielleicht noch etwas anders. Wahrscheinlich haben sich da eher die Leute zusammengefunden, die etwas anders getickt haben. Inzwischen ist die Szene so groß, dass sich das wieder egalisiert hat.

Was die männliche Sicht auf Frauen betrifft, da hat sich meiner Einschätzung nach zum Glück schon sehr viel zum Positiven verändert. Daß da noch deutlich Luft nach oben ist, das ist unbestritten.
Aber dies lässt sich nicht mit noch so vielen Vorgaben, Gesetzen oder Verhaltenskodizes erzwingen. Letzten Endes muss man(n) sich immer mal wieder selbst hinterfragen und entsprechend reagieren bzw. handeln.
Es bleibt zu hoffen, dass die Zeit kommen wird, wo wir uns nur noch als Menschen sehen werden, die zufälligerweise andere Chromosomensätze haben. 😁

Last but not least, diese Vermengung von BDSM mit der Szene habe ich auch immer mit einer gewissen Verwunderung betrachtet. Eine wirkliche Schnittmenge existiert meiner Meinung nach nicht.
Wahrscheinlich war das tatsächlich eher ein „Unfall“, wie da sinngemäß jemand schon geschrieben hat. Durch das Spiel mit Symbolen und einer gewissen Neigung zur Provokation hat sich das in die Szene „eingeschlichen“. Natürlich kann ich das nicht mit belastbaren Zahlen untermauern, aber wahrscheinlich sind BDSMler in der schwarzen Szene prozentual nicht stärker vertreten als es auch außerhalb der Fall ist…

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Es bleibt zu hoffen, dass die Zeit kommen wird, wo wir uns nur noch als Menschen sehen werden, die zufälligerweise andere Chromosomensätze haben.

Schön ausgedrückt finde ich. (Und so lange gerade kein romantisches Interesse im Raum steht sollte dgl. ja auch einfach echt egal sein.)

Ich finde es hilft schon wenn man versucht Menschen erstmal primär als Individuen und NICHT primär nur als Teil irgendeiner einer Gruppe (Männer, Frauen, „Deutsche“, Migranten, Jugendliche, „Boomer“, whatever…) zu sehen.

Natürlich kann ich das nicht mit belastbaren Zahlen untermauern, aber wahrscheinlich sind BDSMler in der schwarzen Szene prozentual nicht stärker vertreten als es auch außerhalb der Fall ist…

Hm, also ich glaube dass sie das tatsächlich doch sind ;) (also stärker vertreten), aber halt nur „tendenziell“ (im Sinne von „ist etwas häufiger“).
Belegen kann ich das natürlich genauso wenig wie du das Gegenteil, ist einfach nur mein über viele Jahre entstandener Eindruck.
Da man i.d.R. nicht völlig zufällig in einer Szene landet (genauso wenig wie die meisten völlig zufällig ihren Beruf auswählen) sondern es für alles irgendeinen Grund gibt, glaube ich durchaus dass man gewisse „statistisch messbare“ Unterschiede zwischen „Szene“ und „Gesamtgesellschaft“ in manchen Bereichen feststellen KÖNNTE, wenn man das enstprechend untersuchen würde…
Beispiel: Auch das Klischee „alle Goths sind depressiv“ ist ja z.B. so pauschal einfach totaler Quatsch, aber dennoch hatten die meisten (nicht alle) mit denen ich mich mal etwas persönlichere Gespräche geführt habe leider irgendwann mal mit Depressionen zu kämpfen (was auch in der Szene imho auch zu einer höheren Akzeptanz führte, lange bevor soche Themen allgemein aufhörten ein Tabu zu sein)…
…was bei meinen Stino-Bekannten jetzt deutlich(!) weniger häufig war & ist. Anekdotisch? Ja, aber anderes als „anekdotische Evidenz“ steht mir hier halt mangels mir bekannter Szene-Studien auch nicht zur Verfügung. ;)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Da müssen wir uns nicht streiten. 😉
Ich lag mit meinen Gefühlen und Ahnungen schon mehr als nur einmal ziemlich weit außerhalb des Spielfeldes. 😁

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Ich fürchte das passiert uns doch allen bisweilen ;) (und vor Menschen die von sich selbst behaupten dergleichen passiere ihnen nie… würde ich mich wohl eher hüten XD ).
Vielleicht lieg ich ja auch falsch, erfahren werden wir es am Ende nie. :)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Durante
ShaitanJr
ShaitanJr (@guest_67955)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Es gibt sehr wohl eine Studie dazu.
Diese hat aber nur Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren befragt, um zu betrachten, ob es zwischen Szene und Psyche einen Zusammenhang geben könnte.
Fazit: Korrelation ist nicht Kausalität. Szene könnte viel mehr ein Resonanzraum sein bla bla.
Quelle: https://medical-tribune.ch/news/medizin/10045384/jeder-dritte-goth-verletzt-sich-selbst/

Ich habe in der Seelsorge fast nur mit Menschen zu tun, die sehr schwierige psychische Themen auf dem Teller haben – Trauerfälle sind dabei die absolute Minderheit und diese stilisieren auch nicht den Tod, sie gehen vielleicht sogar viel emotionaler damit um. Was einerseits eine erhöhte Belastung zeigt, ist andererseits die Stärke, sich dem Thema zu widmen, Gefühle aktiv zuzulassen und auf eine Weise zu trauern, die eine leichtere Verarbeitung ermöglicht. Als ich 2012 in Behandlung war wegen Trauer, sagte mir die Therapeutin bloß, ich solle der verstorbenen Person doch einen Abschiedsbrief schreiben. Und das ist – anekdotisch, ja – keine Einzelerfahrung.

Der größte Anteil in der Beratung besteht aus Autisten. Dies spiegelt sich auch in meinem Umfeld wieder, wo die Überschneidung sehr groß ist.
Autismus ist keine „psychische Krankheit“, allerdings aufgrund des gewaltigen Mismatches zwischen dieser Menschengruppe und der Stino-Gruppe und auch genetisch-physiologisch (hauptsächlich stress-basiert) sind Autisten wesentlich stärker mit dem Thema befasst und leiden vielfältig intensiver. Autisten haben ein 7,5fach erhöhtes Risiko sich zu suizidieren im Vergleich zur „Normalbevölkerung“ und das ist nur ein kleines Fragment.

Es existiert derselbe Sprech wie in der Szene:

  • Neurodivergente = trve goth
  • Neurotypiker = Stinos, Poser

Diese Abgrenzung bezieht natürlich auch eine globale neurodivergente Bevölkerung außerhalb der Szene mit ein, wurde von dem „Stino-Anteil“ sogar geprägt in wissenschaftlichen Arbeiten. Aber die Muster-Wiedererkennung ist groß. Man beginnt, sich von NTs abzugrenzen, deren Welt man nicht versteht (Double-Empathy-Problem in der Forschung). Es geht nicht mehr um Mode, es geht um Bedürfnisse und Lebensgestaltung, die tatsächlich (empirisch) anders sind. Es geht um Emanzipation.

Autisten und queere Menschen haben ebenso eine hohe Schnittmenge, oft verkürzt als „neuroqueer“ (Selbstbeschreibung): Das autistische Erleben hat wenig Bezug zu sehr unfairen Kategorien wie „Mann/Frau“, die nur darüber entschieden werden, ob mir zufällig ein Bommel rumhängt und von mir verlangen, mich in gewisser Weise anzupassen. Autist zu sein, bedeutet Identität. Nicht, weil man unbedingt dazu gehören will, sondern weil Erfahrungen einen prägen und man von Anfang an lernt, „l’autre“ zu sein und das typischerweise sehr schmerzhaft, ohne zu wissen, warum und wie man es besser machen kann. Die eigene sinnliche Erfahrung, alles ist intensiver, schneller, greller, lauter, rücksichtsloser, unübersichtlicher, weist den Weg zu einer reifenden sensiblen Persönlichkeit oder zum Gegenteil.
Queerness und Androgynität? Ein Match in der Szene.

Als Autist wird man geboren – als Goth aber auch. Meine Lichtscheue ist kein modischer Tick, sondern eine neurologische Tatsache, die sich in einer anatomischen Besonderheit der Augen findet (es gibt super viele lichtempfindliche Menschen, die nicht autistisch sind, keine Frage). Logischerweise wende ich mich dem zu, was mich beruhigt, als dem was mich schmerzhaft überreizt. Und Ruhe im Kopf, ein Status der Zufriedenheit, bedingt meine Selbstwirksamkeit. Ohne Ablenkung (auch visuell durch Raumlicht!) sein zu können, den Service Mode zu verlassen (aka nicht die Lauscher auf Hab-Acht zu stellen, um möglichen überraschenden Demands zuvor zu kommen und innere Panik-Schreck-Zustände zu verhindern), bedeutet, in eine Selbstwirksamkeit einzutreten, die mir erlaubt, meinen Teil zur Gesellschaft beizutragen, ohne erstickt und übertönt unterzugehen, mich überflüssig zu fühlen.

Der wesentliche Unterschied besteht bloß darin, dass Goths in welcher Form auch immer aktiv Gefallen an Metakognition und den „Grenzen des Wissens“ haben, in die man Phantasie, Okkultismus, Sinnsuche, Thanatologie und dergleichen eingebettet betrachten kann. Themen halt, die „im Dunkeln“ liegen.
Gepaart mit dem Gefühl, sich nur in der Finsternis „richtig“ zu fühlen.

Dr. Martin Winkler – ADHS- und Autismus-Experte, Psychiater – nennt das Resonanz. Wenn man mit sich und der Welt im Reinen ist und alles einfach für einen angenehm ist, sodass man die Dinge nicht hinterfragt, sondern das gute Gefühl genießt. Er basiert den Begriff auf Synchronie – einer physiologischen unbewussten Angleichung von Herzschlag, Atmung usw bei sozialer Begegnung mit Menschen, die einem sympathisch sind. Es gibt eine Studie, deren Link ich grade nicht mehr habe, die darauf verweist, dass Stinos unter einander sehr leicht diese Synchronie spüren. Autisten nehmen sie aber als asynchron wahr und das bewirkt, dass Autisten uncanny sind – Leute, die man irgendwie lieber meidet. Und uncanny – was ist das, wenn nicht gothic im Wortsinn?

Und das ist das, was viele kleine Fledermausküken erlebt haben, dass sie ausgestoßen waren, noch bevor sie wussten, warum und dass es ihnen auch keiner erklären konnte. Die meisten Goths beschreiben ihre Biografie so, dass es schon sehr früh Hinweise auf ihre spätere kulturelle Heimat gegeben hat.

Resonanz bedeutet auch, dass man seine eigenen Handlungen an seinen Moralvorstellungen und seinem Faktenwissen messen kann – bin ich zu Handlungen gezwungen, die ich ablehne, sinkt meine praktische Fähigkeit zur Umsetzung gen 0. Wer sich eben in papagei-bunten Klamotten schon als Kind zwangsweise ekelhaft vorgeführt und lächerlich gemacht vorkam, der wird auch später eher zu gedeckten Tönen neigen. Ja, bunte Klamotten können eine Form von Überreizung darstellen, die sich durch farbenreine (schwarze) Klamotten beruhigen lässt.

Die Überschneidung ist noch höher, wenn man folgendes bedenkt:
Die Forschung zeigt, dass Autisten nicht nur sehr viel selbstloser und altruistischer denken als der gemeine Stino, sogar dann, wenn Altruismus für den Anwender gefährlich ist. (Friedliche Szene, oder?) Sie erkennen Muster und Fehler in sozialen Dynamiken oft schon unbewusst so scharf, dass sie die Unvereinbarkeit von sozialen Strukturen („hamwer schon immer so gemacht“) mit einer inherenten Logik wahrnehmen. Dein Chef verlangt von dir, jeden Tag 10min vor Arbeitsbeginn da zu sein, kommt aber selbst fröhlich privat schnatternd und alles andere als arbeitsbereit eine Viertelstunde zu spät? Regelbruch in der Logik! Was für mich gilt (eine soziale Regel), muss dann auch für ihn gelten. Ansonsten ist ja die Regel witzlos. Ganz oft berichten Betroffene, dass ihre moralischen Gefühle hart verletzt werden, wenn es um diese Regel-Untreue geht, die sie nicht verstehen. Weltschmerz-Keimzelle.

Autisten werden sehr oft zum „messenger“, der „gekillt“ wird – und war es nicht mal das Bestreben der Szene, Tabus zu brechen und zu zeigen, wie es besser geht, ohne sich als Opfer zu zeigen? Das neurologisch bedingte Erleben (ja, das Gehirn ist übrigens Biologie, aka Teil der Geschlechtsidentität) rüstet einen quasi geradezu für komische Blicke oder böse Zungen.

Eine letzte Gemeinsamkeit: Online-Leben.
Autisten sprechen grundsätzlich einen reinen wortbasierten Stil.
„Gib mal bitte die Wasserflasche!“ statt „Ich habe Durst! (schielt zur Flasche und hofft, jemand möge sie reichen)“.
Das prädestiniert Autisten zu einer absolut leichten Online-Interaktion wie hier: Wir interpretieren nicht und wir brauchen schon gar keine Smilies. Wir lesen, was da steht. Und wir interessieren uns für die Details des Textes.
Stinos/NTs brauchen ein Gesicht, Mimik, Tonfall, weil sie immer vermuten, dass hinter einem Wort eine andere Aussage steht. Ihr Gehirn rendert so, es braucht das. Unseres ist mit dieser Unlogik komplett überfordert.

Die Gothic Kultur hat wie (nach meinem Dafürhalten) wie keine andere frühzeitig das Internet erobert. Gothic Chat, Nachtwelten, kleinere Foren, Schwarzes Glück… Es gab sogar mal den Verein „Gothic is Culture“ (von dem ich übrigens die Seelsorge übernommen habe). Bewusst angenehm dunkel gehaltene Webseiten.

Der Dark Mode – wann kam der denn global? Wem wurde er zugeschrieben? Den IT-Nerds (auch überdurchschnittlich häufig Autisten, ich kenne allein 3 davon). IT-Nerds, die sich in kryptische Phantasiewelten der Informatik zurück zogen und durchweg introvertiert waren/sind, weil sie mit der Unlogik von Menschen vielleicht nur bedingt klar kommen. Die neurologische Struktur ermöglicht uns viel stärker in „wolkigen“ Konzepten zu denken, statt in handfesten Materialien oder sozialen Dynamiken. Stinos? Die haben den Dark Mode gehasst. Sei ja jetzt alles nicht mehr lesbar. Tja, Welt. So ist das, wenn man ständig gegen die grelle Sonne blinzeln muss. :) Eigene Medizin und so. Und schwups, es ist ja wirklich besser. Nein, wer hätte das gedacht! (Martin Winkler verweist hier übrigens auf den „Canary Code“, bei Interesse selber nachlesen.)

Ich will NICHT sagen, dass Autismus und Gothic dasselbe ist. Das sind Korrelationen, die zusammenbetrachtet in meiner subjektiven Mustererkennung Sinn ergeben und vielleicht eine Antwort darauf geben können, „was Gothic ist“ oder was die „Lebenseinstellung“ definiert – dieses vage Gefühl, anders zu sein, bestimmte Dinge zu bevorzugen und bestimmte Interessen für sich zu entdecken, die dann lebenslang irgendwie an einem kleben bleiben, während andere sie irgendwann „albern“ finden.

Nach meiner Beobachtung war zuerst der Autismus da. Und mit ihm die vielen charakterlichen Eigenheiten; das Infragestellen, das Innovative, das Introvertierte (nein, Autisten sind „otrovertiert“, habe ich gelernt), das Melancholische (der Weltschmerz bedingt durch das Leben hinter der Glasfront als verängstigter Beobachter eines Katastrophenfilms), die Liebe zur Literatur und ihrer verwandten Künste – dem Storytelling im weitesten Sinn, weil es Muster sind und wir Musteranalysen nun mal besonders spannend finden, insbesondere wenn sie der Selbsterkenntnis dienlich sind.
Man sagt ja, Autisten hätten eine stark verzögerte kognitive Reife, die Selbstfindungsphase sei sehr viel länger als üblich, teils lebenslang. Kein Alleinstellungsmerkmal, aber ein nettes Detail.

Autisten werden geboren, ausgestoßen, überfordert und bleiben unverstanden – sie ziehen sich in Wirkbereiche zurück, in denen noch nicht alles vor- und festgeschrieben ist, in denen noch Gestaltungsraum lockt und es nicht um Konsum, Wettbewerb, Selbstdarstellung geht, wohl aber um das Finden neuer Role Models und Inspiration für eine authentische (trve lol) Persönlichkeit. Ein Raum, der tatsächlich räumlich abtrennt und aus der Finsternis heraus das oberflächlich-verblendete Treiben der Massen mit Abscheu beobachtet und sich wünscht, die ganze Welt wäre einfach nur schwarz, friedlich, hungrig nach Erkenntnis und tiefer Resonanz.

Das zeigt auch die Neurodiversitätsbewegung. Lustigerweise befeuert KI unsere gothische Zurückgewandtheit, weil sich jetzt immer mehr Menschen nach „echt menschlichen“ Inhalten und Verbindungen sehnen – auch hier waren vorab wieder die Innovatoren in der Szene richtige Orakel.
Esoterik ist in der Szene übrigens auch in meiner Wahrnehmung aus diesem Grund weit verbreitet – Autisten haben durch ihre feineren Sinne und ihre „Skepsis“ gegenüber Dogmen eher einen Hang zum Paranormalen, manche Forscher wollen hier Korrelationen zu „übersinnlichen“ Fähigkeiten gefunden haben. Zumindest in meinen Szenekreisen ist „Esoterik“ ein ganz selbstverständlicher Teil des Alltags, auch wenn er sehr individuell und bewusst privat gelebt wird. Eine logisch notwendige Konsequenz, möchte ich meinen.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  ShaitanJr
Vor 1 Monat

Vielen Dank für den Link, die Studie kannte ich nicht (war auch kurz überrascht dass sich die Forschung überhaupt noch mit der inzwischen kleinen und für „die Jugend“ größtenteils irrelevanten Szene beschäftigt, dann hab ich gesehen dass diese schon etwas älter ist).
„Korrelation ist nicht Kausalität“ – Das versteht sich (mir ging es aber auch immer nur um Korrelation), und der Absatz hier:
Die Erstautorin Dr. Lucy Bowes von der University of Oxford betont jedoch, die Studie zeige keinerlei Hinweise darauf, dass die Identifikation als Gothic die Depression beziehungsweise Selbstverletzung verursache. Vielmehr vermuten die Wissenschaftler, dass gerade Teenager mit der Tendenz zu depressiven Stimmungen oder zu selbstzerstörerischen Verhaltensweisen von der Gothic-Szene angezogen werden. Denn in der Subkultur finden sich viele junge Menschen, die im „normalen“ sozialen Umfeld schlechte Erfahrungen gesammelt haben bzw. immer wieder anecken.“
…fasst eigentlich perfekt zusammen was ich bislang einfach immer vermutet habe. :)

Als Autist wird man geboren – als Goth aber auch.

Der erste Teil ist logisch, den zweiten bestreite ich – Ich denke Goths werden „gemacht“, und entstehen im Zusammenspiel von vielen inneren (manche davon sicherlich angeboren) und äußeren(!) Faktoren. Aber da müsste man „den Goth“ wsl. jetzt erstmal definieren (und das ist eine Diskussion die so alt ist wie die Szene selbst und man wird immer mehrere Antworten bekommen)…

Was „Autismus & Gothic“ angeht sehe ich hier auch allerhöchstens eine „indirekte Kausalität“ – Siehe den letzten zititerten Satz der Autorin oben: Menschen ecken aufgrund ihres Autismus in der neurotypisch geprägten Welt an, und manche wenden sich dann aufgrund ihrer negativen Erfahrungen der Szene zu (so wie andere Menschen die aus ganz anderen Gründen vielleicht negative Erfahrungen „in der Welt da draußen“ gemacht haben).
Darum kann ich mir absolut vorstellen dass autistische Menschen in der Szene statistisch etwas überrepräsentiert sind (im Vergleich zur Gesamtgesellschaft), und das würde sich sogar mit meinen persönlichen anekdotischen Erfahrungen der letzten Jahre decken… mit „trve oder untrve“ hat das aber für mich logischerweise nichts zu tun.

Lustigerweise befeuert KI unsere gothische Zurückgewandtheit, weil sich jetzt immer mehr Menschen nach „echt menschlichen“ Inhalten und Verbindungen sehnen

Hier stimme ich absolut zu, genau das ist auch mein persönliches Empfinden (je mehr das Netz mit seelenlosem AI-Slop geflutet wird, desto häufiger denk ich mir schlicht: Ich wär jetzt grad einfach lieber auf nem Live-Konzert statt vorm Bildschirm…).

Weil du sowohl IT-Nerds (ich bin einer) und auch KI erwähnt hast: Ich halte – unter anderem – nicht übermäßig viel von aktueller „KI“ bzw. LLMs u.a. gerade weil sie nicht deterministisch sondern probabilistisch arbeiten… und gerade das deterministische war es das ich an der IT immer geschätzt habe. Und nein ich bin kein Autistist, auch wenn es gerade so klingen mag. ;)

…in denen noch Gestaltungsraum lockt und es nicht um Konsum, Wettbewerb, Selbstdarstellung geht, wohl aber um das Finden neuer Role Models und Inspiration für eine authentische (trve lol) Persönlichkeit.

Eine etwas idealistische Sicht der Szene fürchte ich. Eine nichtsdestotroz schöne, aber ob sie wirklich stimmt… (Selbstdarsteller gibt es unter uns Goths seit jeher und wird es immer geben denke ich)

Ein Raum, der tatsächlich räumlich abtrennt und aus der Finsternis heraus das oberflächlich-verblendete Treiben der Massen mit Abscheu beobachtet und sich wünscht, die ganze Welt wäre einfach nur schwarz, friedlich, hungrig nach Erkenntnis und tiefer Resonanz.

Oh das gefällt mir. Danke für diese famose Formulierung. :)

Autisten haben durch ihre feineren Sinne und ihre „Skepsis“ gegenüber Dogmen eher einen Hang zum Paranormalen, manche Forscher wollen hier Korrelationen zu „übersinnlichen“ Fähigkeiten gefunden haben.

Hm, schwieriger Satz. Mir sind keine seriösen (d.h. mit wissenschaftlicher Methodik arbeitenden) Forscher bekannt die – Stand jetzt – von einer Existenz von „übersinnlichen Fähigkeiten“ ausgehen.
Aber das führt jetzt wohl auch alles allmählich etwas seeehr weit weg von der Diskussion um Frauenbilder/Rollenbilder/Sexualität/Sexualisierung/… in der Szene.

Mehr will zumindest ich zum Thema Autismus aber sowieso generell auch nicht mehr sagen (aus persönlichen Gründen für mich ein schwieriges Thema inzwischen).

Bastian
Bastian (@guest_67939)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Also ein bisschen ist die Vermischung mit BDSM durch Bands wie Die Form, Umbra et Imago oder den frühen Blutengel ja schon angelegt.

Eine ästhetische Überschneidung sehe ich da durch alte gothic-Romantik/Schwarze Romantik oder diese Gleichzeitigkeit von Erotik und Tod und Grenzerfahrung.

Dass das in der Realität manchmal eher in so etwas Geiferndes mündet finde ich aber auch blöd. Aber das und auch so Fälle mit älterem Mann und traumatisierter junger Frau würde ich aber nicht als Standart setzen.

Das würde man bei den Menschen, denen Konsens wichtig ist, wohl auch kritisch sehen und sexuelle Belästigung/Übergriffe kommen auf BDSM-Parties vermutlich nicht gut an. Obwohl sich solche Leute wie Till Lindemann oder Neil Gaiman zur Bemäntelung ihrer Taten (vor allem letzterer) BDSM zu eigen machen. Das haben aber Täter so an sich, sich hinter etwas zu verstecken z.B. Subkulturen oder Religion und und und.

Ich finde, da muss man aufpassen, denn bspw. rechtskonservative oder -extreme lenken gerne den Blick auf BDSM oder auch Transgender-Themen, gerne auch medial spektakuläre Fälle, um es so hinzustellen, als gäbe es vor allem dort und nicht in der gesamten Gesellschaft gleichermassen Missbrauch und anderes.

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  Bastian
Vor 1 Monat

Vielen Dank für deine Gedanken dazu.
Ich muss dazu gestehen, dass „Umbra et Imago“ nie meins war und sich Stücke dieser Band auch nur sehr rudimentär in meiner Sammlung wiederfinden, von einem Konzertbesuch ganz zu schweigen. 😉
Aber was „Die Form“ betrifft, da gebe ich dir recht, das hatte ich tatsächlich nicht mehr auf dem Schirm!

Ich kann deinen Gedankengang schon nachvollziehen, teile ihn aber nicht unbedingt.
Schwarze Romantik, Gleichzeitigkeit von Erotik und Tod. Ich finde, daß diese Sicht der Dinge in der Tat in der schwarzen Szene beheimatet ist.
Während BDSM, zumindest was ich davon weiss, ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung im gegenseitigen Vertrauen und Einvernehmen ist. Natürlich auch mit einer gehörigen erotischen Komponente, aber nicht zwangsläufig verbunden mit dem Thema „Tod“ oder „schwarzer“ Ästhetik.
Wobei das andere Menschen natürlich wieder ganz anders wahrnehmen mögen…

Bastian
Bastian (@guest_67942)
Antwort an  John Doe
Vor 1 Monat

Ich meinte mit der Tod-BDSM Sache auch mehr dieses „Eros-Thanatos“Ding, das ist in den Die Form Cover-Artworks präsent.
Aber es ist auch mehr eine Überschneidung zu Gothic und nicht derselbe Ursprung. Umbra et imago war auch nie meines, aber sie haben wohl glühende Fans mit Autoaufklebern 🙂

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Bastian
Vor 1 Monat

Das ist eine durchaus interessante Sichtweise, daran hatte ich so auch nicht gedacht…
(Umbra hatten 1-2 Songs die ich ganz nett fand und finde, aber das meiste war auch so gar nicht meins… Ich hab gar nichts gegen Pathos, aber hier war er – in meinen Augen – einfach zumeist musikalisch nicht sonderlich gut verpackt…)

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Bastian
Vor 1 Monat

An diese Bands hatte ich jetzt auch gar nicht gedacht, aber manche hatten (Umbra soweit ich weiß) oder haben (Grausame Töchter glaub ich?) ja auch entsprechende Live-Shows…

Eine Verbindung zwischen BDSM und „Tod“ hätte ich wie John Doe jetzt eher nicht gesehen, aber „Grenzerfahrung“ passt womöglich schon irgendwie…
Man hört gelegentlich von Menschen die „Gothic“ für sich selbst etwas weiter fassen als nur „Musik-bezogene Subkultur“ ja durchaus bei Definitionsversuchen sowas wie „Interesse an abseitigem“, an „Abgründen“, an Elementen des Mensch-seins die gern mal unterdrückt oder totgeschwiegen werden… da könnte man gedanklich schon eine entsprechende Verbindung herstellen…
Und die Szene hatte imho auch schon immer ein hedonistisches Element (auch wenn das Außenstehende jetzt eher wundern dürfte „bei den Gruftis“ ;) ).

Ich finde, da muss man aufpassen, denn bspw. rechtskonservative oder -extreme lenken gerne den Blick auf BDSM oder auch Transgender-Themen, gerne auch medial spektakuläre Fälle, um es so hinzustellen, als gäbe es vor allem dort und nicht in der gesamten Gesellschaft gleichermassen Missbrauch und anderes.

Ja, das ist tatsächlich noch ein guter Punkt (leider) – Danke dafür dass du den noch mit einbringst.
Die Rechten gehen da aber ja leider sogar noch weiter (auch wenn ihr primäres Feindbild gerade erkennbar die Trans*-Community ist :( ), da wird von denen im Gespräch schon auch mal z.B. normale Homosexualität einfach mal pauschal in die Nähe von Pädophilie(!) gerückt (selbst unser „werter“ Herr Bundeskanzler klang schon mal bedenklich ähnlich)… und dieser eigentlich offensichtliche Bullshit verfängt leider auch bei so einigen Leuten :( (z.B. hab ich den Satz „Ich hab ja nix gegen Schwule, so lange sie sich nicht an Kindern vergreifen…“ tatsächlich schon mal wortwörtlich so von einer älteren Frau gehört – War erstmal ziemlich baff, da fällt einem dann irgendwie einfach nix mehr ein zu oO ).

Bastian
Bastian (@guest_67943)
Antwort an  Durante
Vor 1 Monat

Oh ja, dieser Spruch von Merz tat echt weh 🙄 Das ist entweder totale Verschrobenheit oder Fanservice für die total verkehrte Seite, meiner Meinung nach.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Bastian
Vor 1 Monat

„Verschrobenheit“ find ich persönlich hier noch zu schmeichelhaft für ihn – Die Formulierung „Fanservice für die verkehrte Seite“ gefällt mir aber hervorragend, sehr gelungen. ^^
Ich frage mich bei Typen wie Merz inzwischen nur noch wieviel von ihrem Unsinn jeweils aus Überzeugung/rechtskonservativer Ideologie oder aus bewusstem Populismus wider besseren Wissens resultiert…

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Allerdings betrachte ich es kritisch, wenn die Szene selbst sich darauf reduziert. Sei es in Kalendern, Magazinen oder auch in Inszenierungen Einzelner. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass wir uns damit selbst zum Teil des Problems machen.

…völlig zu Recht denke ich, der kritische Blick ist hier mehr als angebracht.
Es ist definitiv die „Überbetonung“ EINER(!) spezifischen Facette, und dies oft dann auch noch aus falschen Motiven („Sex sells“ usw.).

Axel
Axel(@axel)
Vor 1 Monat

Die Szene ist und war schon immer hart sexistisch – zumindest auf Seiten der Veranstalter, Redakteure, Labels und alle anderen, die diese Strukturen bereitgestellt hatten. Sei es das sexistische Frauenbild in der PR, was seit Jahrzehnten transportiert wurde und wird sowie die Unsichtbarmachung von Künstlerinnen und Musikerinnen.

Allein in meiner Arbeit entdecke ich jedes Mal aufs neue so viele tolle, inspirierende, unterschiedliche Frauen in ALLEN Altersklassen, die ihre Musik selbst aufnehmen und produzieren. Ich hatte nie ein Problem damit, Geschlechterparität auf meinen Veröffentlichungen zu wahren. Eher dahingehend, dass ich manchmal bewusst Male Fronted Acts extra hinzunehmen muss, damit die Parität für beide Geschlechter einigermaßen passt.

Will heißen: Es gibt einfach so, so, so verdammt viele Musikerinnen, dass mir kein Veranstalter, Redakteur oder sonstwer erzählen kann, dass es ja „nichts gäbe“. Das ist in vielen Fällen einfach nur bewusster Sexismus. Und da wo es tatsächlich nicht bewusst so entschieden wird, ist es eben systematischer und struktureller Sexismus. Was es nicht besser macht.

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