#metoo: Sexuelle Belästigung – (K)Ein Thema in der „schwarzen Szene?“

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In den vergangenen Tagen beherrschte vor allem ein Status meinen Facebook Newsfeed: #metoo. Viele Frauen, darunter fast 1 Millionen Twitternutzer, verfassten unter diesem Hashtag stichpunktartig ihre Geschichten oder teilten den Status kommentarlos. Mit diesem soll auf sexuelle Belästigung und Übergriffe aufmerksam gemacht werden und vor allem auf den Umstand, dass diese keine Einzelfälle sind. Viele meiner Facebook-Freunde teilten diesen Status, viele andere hätten vielleicht einen Grund gehabt ihn zu teilen. Ganz normale (junge) Frauen und Frauen aus „der Szene“. Natürlich passiert das überall und potentiell kann jeder davon betroffen sein – auch Männer. Was hat das also mit der „schwarzen Szene“ zu tun? Warum hier, auf Spontis, ein Mainstream-Hype-Thema. Weil ich es wichtig finde darüber zu sprechen. Um unseren „sicheren Hafen“ und unsere Nische zu hinterfragen und die schöne „Wir-haben-uns-alle-lieb“ Fassade anzugreifen:

Warum wird dieses Thema „in der Szene“ so wenig bis gar nicht thematisiert? Warum gelten dortige Veranstaltungen immer noch als sicherer Rückzugsort? Weil dem wirklich so ist? Oder weil wir wollen, dass es so ist? Weil wir nicht kratzen wollen, an der schönen Vorstellung des „Wir-sind-alle-eine-große-Familie“? Weil uns das wieder zeigt, das auch wir nur Menschen sind und sich auch in „der Szene“ alle möglichen Arten von Menschen tummeln und wir nicht alle gleiche Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen teilen? Ich möchte mich damit auseinandersetzen und Fragen stellen, nicht im allgemeinen und diskurstheoretischen Sinne – das tuen zur Zeit genug (siehe Googlesuche) – sondern im Bezug auf „die schwarze Szene“.

#metoo – Hintergründe

Nachdem sich mehrere Frauen öffentlich zu sexuellen Übergriffe durch den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein geäußert hatten, schrieb die amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter: „If you’ve been sexually harassed or assaulted write ‚me too‘ as a reply to this tweet“. Etwa zeitgleich rief die französische Journalistin Sandra Müller unter dem Schlagwort #balancetonporc Frauen auf über sexuelle Belästigung zu berichten. Ins Leben gerufen wurde diese Bewegung jedoch schon zehn Jahre zuvor durch die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, Leiterin der New Yorker Organisation Girls for Gender Equity, welche sich für die Rechte junger schwarzer Frauen engagiert. Als diese vor Jahren als Campleiterin arbeitete, erzählte ihr ein junges Mädchen von den Missbräuchen durch den Freund ihrer Mutter:

„Ich sah ihr dabei zu, wie sie wie sich von mir entfernte, wie sie versuchte, ihr Geheimnis wieder einzufangen und in ihr Versteck zurückzulegen“, so Burke. „Ich sah, wie sie ihre Maske wieder aufsetzte und wieder in die Welt hinausging, als sei sie ganz allein – und ich fand nicht einmal die Kraft um ihr zuzuflüstern: Me too.“ Quelle: Spiegel

Das sexuelle Belästigungen und Übergriffe häufiger stattfinden als man annehmen mag und die Opfer meist schweigen, sollte jedem klar sein, der schon Mal einen Artikel zu diesem Thema gelesen hat. Ebenso, wie die Tatsache, dass sexuelle Belästigungen und Übergriffe in Deutschland ein juristisches Problem darstellen – im Zweifel für den Angeklagten – und die Opfer im Prozess nur selten Recht bekommen, retraumatisiert werden und die Strafen häufig gering ausfallen. Ganz zu schweigen von der Frage, wie man den Nachweis führt, wenn die Tat schon einige Zeit zurück liegt oder keine körperlich nachweisbaren Spuren mit sich gebracht hat. Doch nicht erst jetzt erreicht dieses Thema die deutsche Öffentlichkeit. 2010 wurde durch den Bund eine Kampagne gestartet, die Opfern Mut machen sollte über den Missbrauch an ihnen zu sprechen und auf Hilfsangebote aufmerksam machte. „Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter.“ Befördert wurde die Kampagne auch durch die bekannt gewordenen Missbrauchfälle in der katholischen Kirche und der Odenwaldschule – auch wenn das Aufsehen schnell wieder abebbte.

#metoo – „Naja, sind halt Idioten“

Als ich den Hashtag #metoo das erste Mal sah, habe ich mich lange gefragt, ob mir so etwas auch schon passiert ist. Die Antwort ist ja. Und dann dachte ich erst an blöde Macho-Stino-Idioten. Und dann musste ich mir eingestehen, dass das auch schon im Umfeld der „schwarzen Szene“ passiert ist. Ich gebe zu, ich musste lange in meinem Gedächtnis kramen, auch ich verdränge das nur allzugerne, oder lege die Vorkommnisse unter „Naja, sind halt Idioten“ ab. Aufdringliches Antanzen, lüsternes Starren, anzügliche Blicke und ja, auch mal eine Hand am Hintern. Ich glaube das haben fast alle Frauen (und sicher auch Männer) schon erlebt. Nur, fast niemand spricht darüber. Vor allem nicht im Kontext mit der „schwarzen Szene“. Meist wir über Stinos berichtet, die aufdringlich werden. Selten über Vorfälle die zwischen  zwei Menschen stattfinden, die sich in der „schwarzen Szene“ bewegen. Sind sexuelle Belästigungen und Übergriffe in „der schwarzen Szene“ ein Problem?

#metoo - Der Tweet von Alyssa MilanoWährend ich das schreibe muss ich an eine Geschichte denken, die mir nun schon öfter zugetragen wurde. Als die „Szene“ hier noch größer war und es regelmäßiger Veranstaltungen gab, gab es jemanden, der regelmäßig Frauen ohne deren Einwilligung angrapschte – auch unter Rock und Unterwäsche. Viele haben mir diese Geschichte erzählt. Von einer Anzeige oder einem Rauschschmiss hat niemand berichtet. Es gab wohl lediglich mal einen kleinen Aufruhr als eine Frau sich wehrte, einige Umstehende wurden aufmerksam und dann war es das. Ein Mal wurde wohl eingegriffen. Ich habe das nicht erlebt, es wurde mir nur erzählt und vielleicht ist das eine dieser Geschichten, die halt so erzählt werden und mit der Zeit zu immer aufgebauschteren Gebilden werden. Mein subjektiver Eindruck dazu ist: man wusste das und hat es hingenommen, totgeschwiegen oder versucht privat zu regeln. Warum? Um einen Skandal zu vermeiden? Einen Gesichtsverlust? Weil man Angst vor Ausgrenzung hatte? Ich kenne die Frauen nicht, denen das passierte, es ist ihr gutes Recht zu schweigen, aber warum haben auch die geschwiegen die davon erfahren haben? Oder warum wird nie darüber gesprochen, dass sie eben das nicht haben?

Vielleicht, weil viele Menschen, die sich „in der Szene“ bewegen, diese immer noch als Schutzraum und als familiäres Gebilde betrachten. Vielleicht weil diese Sicht notwendig ist um die Abgrenzung zum Rest der Gesellschaft zu unterstreichen. Sicher auch, weil es schwierig ist über solche Erfahrungen zu sprechen. Weil einem der damit verbundene Schrecken oft abgesprochen wird: „Es ist ja nichts passiert“, „Es war ja nicht so schlimm“, „Nimm es als Kompliment“, „Anderen ist schlimmeres passiert“. Fakt ist aber, in der „schwarzen Szene“ bewegen sich genauso viele Idioten wie im Rest der Gesellschaft auch. Meine persönliche Erfahrung im Vergleich zu „normalen“ Tanzveranstaltungen ist, dass auf schwarzen Events deutlich mehr auf den Freiraum der Einzelnen geachtet wird und man häufig auch eine Entschuldigung erhält, wenn man sich doch mal zu nahe kommt beim Tanzen, dagegen ist auf anderen Veranstaltungen eher kollektives Gruppenkuscheln angesagt. Das heißt nicht, dass Belästigungen und Übergriffe nicht vorkommen, sondern doch eigentlich, dass sie noch mehr auffallen sollten, oder? Das heißt nicht, dass Menschen, die sich in diesem Umfeld bewegen nicht auch übergriffig sein können.

#metoo – (K)ein Thema in der schwarzen Szene?

#metoo: Ein Tweet von Alexis BenvenisteGerade die „schwarze Szene“ ist teilweise sehr freizügig und mitunter von Einzelnen sexuell konnotiert – gerade wenn Überschneidungen zur Fetisch-Szene ausgelebt werden. Manche mögen sich davon aufgefordert fühlen oder glauben dadurch einen Freibrief zu erhalten – auch wenn freizügige Kleidung oder Kleidung mit Anspielungen auf sexuelle Vorlieben eben das nicht sind. Auch gibt die Szene vor im Bezug auf Sex toleranter und offener zu sein und hat Berührungspunkte mit der Fetischszene – ob wir das gut und logisch finden, oder nicht. Schwarzkittel tuen gerne so offen, tolerant, aufgeklärt und diskussionsbereit. Da frage ich mich, wie können sexuelle Übergriffe und Belästigungen nie (zumindest bin ich nicht drauf gestoßen) thematisiert worden sein? Auch oder gerade weil sich scheinbar ja auch immer wieder Menschen in der „Szene“ finden die derartiges erlebt haben und das mitunter kommunizieren, dass sie bereits Opfer solcher Angriffe wurden. Warum sprechen wir nicht ernsthaft darüber, dass Otto-Normalverbraucher häufig lüstern starren oder Sprüche loslassen und man Dinge zu hören bekommt, wie „Ich habe mal mit einer freaky Goth-Braut geschlafen, voll abgespacet„? Wieso wird immer nur augenrollend am Rande erwähnt, dass viele Party- und Festivalfotografien gezielt auf „Arsch und Titten“ draufhalten? Die „Szene“ gibt sich oft so offen und frei und unkonventionell, aber hier hört das alles meiner Meinung nach ganz schnell auf. Wer sich auftakelt ist ein Poser und Frauen in knappen Outfit sind Schlampen, oft genug gehört. Auch hier werden Stereotype reproduziert und Frauen die Selbstbestimmung abgesprochen (Männern auch). Auch hier wird geschwiegen. Und auch hier wird sich daneben benommen?!

#metoo wandert durch meinen Kopf und irgendwie finde ich keine Antwort auf die Fragen und verliere mich in Zweifel an meiner eigenen Wahrnehmung, an meiner eigenen Erinnerung. Ich frage mich wer sowas schon mitbekommen oder selbst erlebt hat? Ob das genauso häufig vorkommt, wie in anderen Kontexten? Wie damit umgegangen wird? Ob wir mehr darüber sprechen müssen?

 

 

 

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Fledermama

Also meiner persönlichen Erfahrung nach habe ich tatsächlich innerhalb der Szene deutlich weniger Übergriffe erlebt, als außerhalb. Und ich sage das nicht aus dem Wunschdenken, sondern tatsächlich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus. Sicherlich ist diese Subjektiv und sicherlich gibt es auch in der Szene Arschlöcher. Aber mir persönlich sind weniger begegnet.

Verrückte Wölfin
Verrückte Wölfin
Also inerhalb der Szene ist mir so was noch nicht passiert aber das es das auch hier gibt ist logisch. Aber vielleicht hat es auch zugenommen da es ja inzwischen viele Menschen in Clubs gibt die nicht zur Szene gehören und nur zum gaffen oder dergleichen dort sind. Auf der Straße kommen schon mal dumme Sprüche und nur einmal wurde es eng. Doch das hatte nix mit Szene zu tun,der hätte mich oder andere Frauen auch angemacht. Ich denke schon das es in der Szene etwas Respektvoller abgeht.Und ich weiß das über solche Themen relativ offen gesprochen wird. es gibt viele Leute in der Szene die Traumatische Dinge erlebt haben. Aber vielleicht weiß das auch nur jener Mensch der es selbst kennt und sich mit… Mehr lesen »
Rhyolith
Rhyolith
Wichtiger Beitrag! Ich schreibe jetzt hier mal als Mann. Also erstmal: Ich habe von vielen Frauen gehört, dass sie aus eigener Erfahrung sich auf Szeneveranstaltungen sicherer fühlen, auch wenn sie quasi halb nackt rumrennen. Auch mein Eindruck aus der Beobachtung heraus ist: Ein Nein wird bei uns auch eher als Nein akzeptiert. Nur heißt das natürlich nicht, dass bei uns paradiesische Umstände herrschen. Ein paar Deppen gibt es doch immer und dann natürlich auch noch die Missverständnisse. An dieser Stelle muss ich mich schuldig bekennen. Ich habe im Laufe der Jahre bei ich denke drei oder vier Gelegenheiten einer Frau an den Arsch gegrapscht wie man so sagt. Vielleicht hilft es mal, das aus der Sicht eines Mannes zu hören – und zwar ohne Schönrednerei.… Mehr lesen »
Ninni
Ninni
Das ist ein schwieriges Thema. Als das die letzten Tage aufgekommen ist, habe ich mich gefragt, wo die Grenze liegt? Ab wann kann man behaupten, dass es „me too“ getroffen hat? Die Entscheidung liegt im eigenen Ermessen. Als Frau bin ich in Szeneclubs wie auch außerhalb der Szene schon „angemacht“ worden, allerdings nie körperlich und ich konnte meinen Standpunkt klarmachen – dann haben die Jungs abgelassen. Sie haben also angeklopft und ich bin nicht darauf eingegangen. Daraufhin war die Sache geklärt und meist haben die Jungs sich auch entschuldigt. In meinen Augen war das keine „Belästigung“, sondern eher ein „Nachfragen, akzeptieren und ablassen“. Alles okay. Doch es gibt auch Frauen, die das eventuell schon als Grund zur Belästigung sehen oder die zu schüchtern sind, Nein… Mehr lesen »
NaSowas
NaSowas
„Ob wir mehr darüber sprechen müssen?“ Nein, müssen wir nicht. Weil die Kerle bei uns meistens Weichwürste sind und nicht so krasse Machtmenschen wie ein Trump oder Weinstein, die sich im Sperrfeuer des Mainstreams nach oben gekämpft haben. Wenn bei uns eine sehr hübsche Frau halbnackt durch den Club rennt, haben die meisten Kerle eher n Kloß im Hals. Klar gibts bei uns Kerle, die irgendwas starten, um an die Girls ran zu kommen. Der erwähnte Tittenknipser, Irgendwelche Bands, die nach dem Konzi junge Weiber mit aufs Hotel nehmen, und ihnen werweißwas versprechen, eklige alte Ü40 DJs in den Clubs, die sich an Mädels ran wanzen, die halb so alt sind wie sie selbst… Kennt man alles. Aber das is eigentlich immer nur ausnutzen von… Mehr lesen »
mela
mela

Ich muss NaSowas vehement widersprechen. In allen Punkten.

#metoo

Beim ersten Übergriff war ich 13, mit 15 wurde ich vergewaltigt. Nicht in der schwarzen Szene. Immerhin.
Mit 28 wurde ich (in der schwarzen Szene) von meinem Ex aus der Hölle so stark retraumatisiert, dass es mich beinahe das Leben gekostet hätte.
Ich kann mittlerweile mit meinen Erinnerungen dank jahrelanger Therapie weitestgehend leben.
Nein, ich laufe mit Sicherheit nicht halbnackt in Clubs herum – tat es auch nie. Und nein, keine Karrieretypen oder Millionäre waren mir gegenüber übergriffig.
Jeder kann Opfer werden. Und nicht nur gutaussehende, erfolgreiche oder karrieregeile Menschen werden zum Täter. Dies ist leider ein sehr naives und weltfremdes Weltbild.
(Ebenso wie die Meinung, dass die schwarze Szene eine „Loserszene“ sei.)

Bibi Blue
Bibi Blue
Ich schließe mich Fledermama und Verrückte Wölfin an, würde nur zu einem Thema etwas hinzufügen, dem Weg zum Club und zurück. Ich habe mit meinem Äußeren verschiedene Erfahrungen außerhalb der Clubs gemacht, also auf der Straße generell oder in letzter Zeit besonders auf dem Weg zu den Clubs und vor allem auf dem Heimweg. Viele Elemente eines Outfits und der Körpersprache haben für verschiedene Menschen oder Gruppen unterschiedliche Kodierungen und Konnotationen. Beispielsweise wurde ich durch meinen langen schwarzen Mantel und dem nach unten gerichteten Blick in den frühen 90ern von manchen für eine fromme Muslimin gehalten (als solche angeblich „erkannt“) und angesprochen. Wenn ich wenig geschminkt war und kaum Schmuck an hatte, passte mein Äußeres für einige zu diesem Bild. Zu der Zeit war ein… Mehr lesen »
Victor von Void
Ich habe so meine Schwierigkeiten mit dem Thema bzw. dem Hashtag. Nicht, weil ich glaube, dass das Thema sexuelle Belästigung oder Übergriffe nicht problematisch wäre, sondern weil ich glaube, dass man es sich damit zu leicht macht und es zudem oft für ganz andere Agenden instrumentalisiert wird. Für die Schwarze Szene kann ich aus Gesprächen mit meiner Lebensgefährtin und anderen sagen (was hier ja auch von anderen Kommentatorinnen bestätigt wird), dass innerhalb der Szene das Problem offenbar deutlich kleiner ist, und dass es meist Außenstehende sind, die unangenehm auffallen. Schwarze Veranstaltungen werden in der Regel als „sicher“ angesehen, zum Einen, weil anscheinend die Individuen generell weniger aggressiv sind, und andererseits stärker und umfassender auf Störungen reagiert wird, die als Angriff auf Szenemitglieder wahrgenommen werden, egal… Mehr lesen »
Alsuna
Alsuna
Allgemein gesehen, unabhängig von der schwarzen Szene, muss man leider feststellen, dass es für Frauen heute relativ leicht ist, sexuelle Belästigungen zu erfinden, auch wenn nichts war…aus welchen Gründen auch immer. Ich persönlich habe so einen Fall erlebt: Es war damals auf dem Mittelalterweihnachtsmarkt in München, mein Mann hat ein Foto von mir vor einem Weihnachtsbaum gemacht, hinter mir war nur Baum und keine Personen. Plötzlich kam eine Frau zu ihm und meinte er habe sie fotografiert, das sei sexuelle Belästigung und blahblah. Wie es aussah hat sie mich komplett übersehen, ich rollte also von der Seite..mit Rollstuhl an sie heran..fragte was ihr Problem sei. Mein EHEMANN habe mich fotografiert und sie sei gar nicht in der direkten Nähe gewesen…auf dem Foto waren dann nur… Mehr lesen »
Liz
Liz

Ich habe bisher in hiesigen schwarzen Clubs kaum Probleme mit dummen Anmachen gehabt, höchstens mal ein dummer Spruch von Fetish-Opis.

Was mich an der aktuelleren Gothic Szene durchaus nervt, ist eine gewisse Sexualisierung der Frau, auf jedem Magazin/Flyer/etc. gefühlt nur BDSM-Bräute im halbnackten Fummel, vorallem bei Stinos gilt die Wald und Wiesen Gruftine auch nur als heißes F*ckschnitzel, die im Bett für alles zu haben ist…schon zur Genüge erlebt. Da fand ich die guten, alten Zeiten, in der Goth noch irgendwie geschlechtsneutraler war, durchaus angenehmer.

Victor von Void
Flederflausch Was ist ein „kleiner Scheiß“? Wer entscheidet das? Ich verstehe was du meinst, sehe aber auch die Gefahr, dass sich daraus eine Tendenz zu „stell dich nicht so an“ entwickelt. Auch hier geht es meiner Meinung nach wieder um eine ausgewogene Diskussion und einen ausgeglichenen Umgang Da muss ich etwas ausholen. Es geht mir definitiv nicht darum, (echte, zielgerichtete) Belästigungen klein zu reden, und ich gebe Dir recht: „stell dich nicht so an“ ist oft problematisch. Allerdings muss man auch Grenzen ziehen. Man ist kein Opfer, wenn man einmal schräg angeschaut wird. Man ist kein Opfer, wenn man ein normales Kompliment bekommt. Man ist auch kein Opfer, wenn sich der Mensch neben einem in in der U-Bahn Pornos auf dem Handy reinzieht, einen aber… Mehr lesen »
Tanzfledermaus
Was mich an der aktuelleren Gothic Szene durchaus nervt, ist eine gewisse Sexualisierung der Frau, auf jedem Magazin/Flyer/etc. gefühlt nur BDSM-Bräute im halbnackten Fummel, vorallem bei Stinos gilt die Wald und Wiesen Gruftine auch nur als heißes F*ckschnitzel, die im Bett für alles zu haben ist…schon zur Genüge erlebt. Da fand ich die guten, alten Zeiten, in der Goth noch irgendwie geschlechtsneutraler war, durchaus angenehmer. Das kann ich ganz fett unterstreichen. Bin auch mehr als genervt von diesem Klischee, das in Magazinen und auf Flyern bis zum Erbrechen ausgereizt wird. Kein Wunder, wenn dann nach außen ein solches Bild über die Szene transportiert wird und Otto-Normal-Fuzzis denken, in der Szene würden nur Domina- und S/M- und leicht zu habende Weibchen rumrennen. Man merkt auch schnell,… Mehr lesen »
Caro
Caro
Sexuelle Belästigung habe ich so mit 12-15 leider mehrfach selbst erlebt. Innerhalb der schwarzen Szene ist dies jedoch nie vorgekommen – ganz im Gegenteil. Auf dem Weg in die Disko hatte ich in knappen Klamotten und trotz männlicher Begleitung immer etwas Angst. Aber in der Disko oder auf Konzerten/Festivals war diese sofort vorüber, weil ich genau wusste, ganz egal was ich trage, es würde mich niemand deshalb belästigen oder dumm anmachen geschweige denn anfassen. Für diese Sicherheit und Gewissheit war und bin ich sehr dankbar! In Zeiten, in denen ich alleine in die Disko gefahren bin, habe ich vor dem Heimweg sogar jedes Mal irgendeinen männlichen Grufti angesprochen, ob er mich kurz durchs Parkhaus zu meinem Auto begleiten könnte. Und selbst diese Bitte wurde niemals… Mehr lesen »
Rubin Hunter
Rubin Hunter
Ich als Mann muss ehrlich sagen, dass ich es grundsätzlich gut finde, dass über das Thema jetzt so gesprochen wird. Wie nachhaltig das ist, wird sich zeigen. Meine Freundin hat auch den Hashtag MeToo geteilt, angesprochen auf diese Geschichte erzählte sie mir, dass sie einmal in der U Bahn von einem Mann sexuell belästigt wurde. Er hat sie begrapscht (v.a. im Intimbereich) und abwertend beschimpft. Als sie das zuhause ihren Eltern erzählt hat, erhielt sie keine Unterstützung, ihr Vater fragte nur:“Warum hast du nicht die Polizei gerufen?“ und damit war das Thema für ihn abgehakt. das war vor meiner Zeit mir ihr, es liegt über zehn Jahre zurück, trotzdem weinte sie, als sie es mir erzählt hat. In der Szene habe ich es weder beobachtet… Mehr lesen »
Robert
Ich wollte auch kurz meine Gedanken zur diese #metoo Sache kommentieren: Zunächst fand ich es tatsächlich schwierig, einen solchen Beitrag zu veröffentlichen, weil es im Grunde genommen wenig Szenetypisch ist, Diskussionen und Reibungspunkte aus der Gesellschaft aufzugreifen und darauf zu reagieren. Man könnte die nun mutmaßen: Die schwarze Szene unterliegt genauso wie der Rest der Gesellschaft ihren kranken Phänomenen, wie beispielsweise sexuelle Übergriffe. Will sagen: Übeltäter machen vor der schwarzen Szene nicht halt, auch Idioten, Perverse und kranke Individuen tragen schwarze Kleidung. Dennoch besitzt das Thema für mich eine spezielle Relevanz, gerade im Bezug auf die schwarze Szene. Denn tatsächlich hat sich das Frauenbild der Szene seit den 90ern immer stärker sexualisiert. Von woher diese Einflüsse kamen, wer daran schuld ist, oder ob es dem… Mehr lesen »
Rubin Hunter
Rubin Hunter
Moin Robert, danke für deine Reaktion, werte ich selbstverständlich nicht als persönlichen Angriff . Vielleicht liegt es auch einfach am Zeitgeist meiner Generation, dass das bei uns etwas schneller vonstatten geht als in früheren Zeiten, ich denke, auch wir bleiben davon nicht unbeeinflusst. Ich kann deine Sichtweise nachvollziehen, die Unterscheidung zwischen Höflichkeitsfragen und wirklicher Belästigung leuchtet mir ebenfalls ein. Ein weitaus wichtigerer Aspekt ist meiner Meinung nach allerdings das Thema, das du im letzten Absatz angesprochen hast: Die Leute, die nur möglichst oft fotographiert werden wollen. In meinen Augen ist die Szene in diesem Punkt nicht besser als der Mainstream, von dem man sich ja eigentlich abgrenzen will. Es ist bei Vielen keine individuelle Selbstverwirklichung mehr, sondern einfach eine Sucht, möglichst vielen anderen zu gefallen… Mehr lesen »
Fraoch
Fraoch

Das ist eher ein weiteres Beispiel, wie von außen etwas in die Szene getragen wird, ohne jedoch kulturelle und inhaltliche Anknüpfungspunkte zu haben. Wenn also Leute meinen, dass DAS stellvertretend für die Gothic-Szene sein soll, dann nur aus Unwissenheit.

Gothic? Nein
Schwarze Szene? Ja

Axel
@Rubin Zur Sexualisierung der Szene und zum unbewussten Entstehen von entsprechenden Frauenbildern tragen die heutigen Bands aber auch ganz massiv selbst bei: Wenn Stahlmann z.b. in „Stahlwittchen“ singen:“ Bück dich, Stahlwittchen! Auf die Knie!“, dann ist das streng genommen doch nichts anderes als das, was den (Szene)Medien auch hier in einigen Kommentaren schon vorgeworfen wurde. Oder Ost+Front, mit ihrer Stripperin in der Bühnenshow, Feuerschwanz mit ihren tanzenden „Miezen“, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Wann prangern Bands endlich mal (wieder) solche Themen in ihren Texten an? Provokant wäre es allemal. Das sind aber doch keine Szenebands. Sie werden als solche vermarktet, aber weder kommen die Mitglieder von „Stahlmann“ oder „Ost+Front“ aus der Szene, noch bearbeiten sie musikalisch und inhaltlich entsprechende Elemente. Das ist eher ein… Mehr lesen »
Aley
Liebe Rubin Hunter, ich bin sehr froh, deine Worte gelesen zu haben, weil ich sie sehr treffend empfinde. Ehrlich gesagt, trifft es so gut, dass ich vielleicht mal darüber reden kann. Mir geht seit geraumer Zeit bereits die Vermischung der Fetisch- und Gothic Szene leicht auf die Nerven, in meinen Augen hat das eine mit dem anderen nichts zutun. Ich bin aufgrund der Musik und aufgrund der Werte in der Szene, deren Zugehörigkeit ich durch meine Kleidung ausdrücke. Ich bin nicht in der Szene um meine sexuellen Vorlieben auszuleben, das gehört meiner Meinung nach ins Schlafzimmer oder auf Fetischpartys, aber nicht in die Musik- und Tanzclubs der Szene. Ich bin und war weder mit der Mainstreampartykultur, noch der jeglicher Szenen, bekannt, und ging auf die… Mehr lesen »
Alanys
Alanys
Ich habe tatsächlich alle Kommentare hier gelesen und möchte mich auch mal dazu äußern: Ich bewege mich schon 15 Jahre in der Szene und habe alle möglichen Arten von Machtmißbrauch miterlebt. Es stimmt zwar, dass in der Szene mehr Distanz gewährt wird, weniger offensive Anmachen auf der Tanzfläche stattfinden und freizügige Outfits „normaler“ sind als in der Mainstreamgesellschaft und nicht automatisch als Freibrief für sexuelle Übergriffe aller Art gelesen werden. Aber: es ist durchaus normal, dass Typen Mitte 30 oder 40 sich irgendwelche Teenies rauspicken und deren Naivität ausnutzen, und ja, das missbräuchlich, oder dass bei BDSM-Beziehungen (und ja, ob man das gut findet oder nicht, die Gothic- und BDSM-Szene sind schon längst verschmolzen) das Standardszenario meistens ist: Dominanter älterer Mann hat junge, unsichere und… Mehr lesen »
Robert
Ich möchte ergänzen: Körpersprache ist Interpretationssprache. Wir sind beim Kern des Übels angelangt, wie ich finde. Dem zusammenreimen von Absichten und Interessen, die mein Gegenüber verfolgt. In der Disco sehe ich die Gothic-Braut, die in High-Heels, Netzstrümpfen und Corset lasziv zu einem Song tanzt, der möglicherweise auch noch irgendwas mit Sex zu tun hat. Manche Männer nehmen an: „Die wollen es doch!“, je nach Alkohol-Pegel mal früher oder später. Oder auch der Deutung, dass Frauen die alleine in der Discothek tanzen, Single sind. In der Gothic-Szene, mit all ihren Reizen, Tabubrüchen und der mitschwebenden Erotik sollte doch eine Grundregel gelten. Nichts annehmen, nicht unterstellen und von nichts ausgehen. Andersrum natürlich genauso. Nicht jeder Mann, der eine Frau anlächelt, anstarrt, auf eine Cola einlädt oder ihr… Mehr lesen »
ColdAsLife
ColdAsLife
Wie zu erkennen ist, zerlaufen die Inhalte in dieser Debatte recht augenscheinlich in alle möglichen Äderchen, um deren Entwicklungen und Dargebotenheiten sich nicht erst seit MeToo alle möglichen Empfindungen, aber auch persönliche Fragen ranken. Eigene Erlebnisse werden dargestellt, Beobachtetes wiedergegeben, eigene schamhafte Eskapaden eingestanden. Angesichts der erheblichen medialen Breite und Wirkung des MeToo-Tweets ist die ausführliche und emotionale Kommentierung hier auf Spontis eigentlich nichts Bemerkenswertes, aber mir weicht nicht das Gefühl, dass, gerade wegen der verspürten Hingabe und Emotionalität, hier auch erörtert werden will, wie der Mensch überhaupt mit dem Menschen umgehen sollte. Schließlich wird sich die Haltung zu einer unaufgeforderten Umarmung oder der Frage, ob ein Kuss erlaubt sei, nicht von Szene-Veranstaltung zu Hochzeitsfeier hin wandeln. Ob es in unserer Subkultur vermehrt, vermindert oder… Mehr lesen »
gagates
gagates

ich habe meinerseits die Szene bisher (hoffe, das bleibt auch so) als sehr sicher erlebt, eben auch weil Alkohol nicht bis zum Umfallen gesoffen wird, weil auf eine gewisse Distanz geachtet wird, selbst beim Tanzen, wenn man sich mal unabsichtlich berührt, kommt sofort eine Entschuldigung. Die ungewollten Berührungen, Küsse kamen immer von Männern außerhalb der Szene. Sei’s im Linienbus oder auf dem Bürgersteig.