WGT 2012 - Kein Liebeslied - Tobikult

Anders unter anderen – Kein WGT-Liebeslied

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Post-WGT-Dienstag, 19.45: Meine Füße schmerzen, die Haare sind trotz mehreren Waschgängen immer noch spröde vom Haarspray, meine Lider sind schwer und das unangerührte Gepäck drängt sich in der kleinen Wohnung. Post-WGT-Depressionszeit. Eigentlich würde ich jetzt anfangen meinen persönlichen WGT-Rückblick zu schreiben, Bands und Stimmung loben, die Freude über neue und alte Bekannte kundtun und mich in Trauer wiegen, dass alles sooo lange hin ist, bis zum nächsten Mal. Tu ich aber nicht. Kann ich nicht. Obwohl das alles auch so war: coole Bands, geile Stimmung, nette Menschen, die ich sonst ewig nicht sehe und lange hin, bis zum nächsten Mal. Stimmt schon so. War ja auch toll. Trotzdem, auf meinem WGT liegt ein dunkler Schatten. Okay, vielleicht fällt dieser durch Kränkelei und Müdigkeit schwärzer aus, als er eigentlich ist. Anyway. Ich sitze mit einem komischen Gefühl im Bett, was mich – wie in „Von der Entzauberung der Dunkelheit“ beschrieben – nicht erst seit gestern begleitet.

Vom Familientreffen, das keines ist

Familientreffen. Nach Hause kommen. Man selbst sein können. Die Begriffe habe ich früher auch genutzt, wenn ich vom und über das WGT gesprochen habe. Mitterweile finde ich sie verkehrt. Das WGT hat für mich immer weniger von einem plauschigen Familientreffen mit netten Verwandten, die man gerne mag, aber selten sieht, sondern zunehmend mehr von einem riesen Event mit allen Großgroßgroßcousinen, vor drei Generationen anverschwägerten Zweigen des Clans, Leuten bei denen man nie erfahren hat, warum die eigentlich bei solchen Treffen dabei sind und der Gastwirt mit seiner Familie hat sich auch gleich noch dazu gesetzt. Warum auch immer. Ein kleiner Teil davon ist ganz nett, weil man sich kennt und Gemeinsamkeiten teilt, beim großen Rest fragt man sich, was man eigentlich miteiander zu tun hat. Ehrlich gesagt, dieser Teil interessiert mich nicht, ist aber das, was mir Unwohlsein beschert. Dieser Teil zerstört das „nach Hause kommen“.

Nach Hause kommt man zu etwas vertrautem, zu Menschen, von denen man sich verstanden fühlt. Ich fühle mich bei WGT zunehmend als komme ich nach Wochen der Abwesenheit zurück in meine Wohnung und jemand hat Möbel ausgetauscht, umgestellt, Wände neu gestrichen und Bilder ersetzt. Es fühlt sich falsch an. Es fühlt sich auch falsch an, weil die Annahme, dass alle sich verstehen, nur weil sie es teilweise schaffen sich auf eine Farbe zu einigen und ganz manchmal auch noch die gleiche Band mögen einfach nur blöd ist. Es braucht da schon etwas mehr für eine „Szene“. Ich mag doch auch nicht alle anderen Menschen, die die gleiche IKEA Kommode haben wie ich. Ich mag auch nicht mit denen allen in einen Topf geworfen werden. Ich gebe zu, ich bin beeindruckt, dass einige medialen Repräsentanten es mittlerweile schaffen zu verstehen und zu verdeutlichen, dass es „die Szene“ nicht gibt, sondern sich dort viele verschiedenen Schrömungen (Subkulturen) treffen. Aber genau diese sind der Punkt. Es gibt gemeinsame Nenner (oder auch nicht, teilweise sehe ich sie einfach nicht), aber das war es dann auch. Diese sagen nichts über weitere Gemeinsamkeiten, darüber, ob man sich als Mensch sympathisch ist. Klar, ich habe ganz sicher nicht mit allen (angeblich) 21.000 anderen Besuchern gesprochen und die nach ihren Einstellungen und Beweggründen gefragt und wenn ich hier Kritik äußere, dann nicht an den Personen, sondern an dem, was sie nach außen transferieren. Das was ich sehe und erfahre, ist oftmals nicht das, was ich such(t)e und immer weniger auch das, was unter Beschreibungen zur „schwarzen Szene“ vorkommt. Klar, Weiterentwicklung und blablablubber. Gibt es immer, braucht es auch, aber irgendwann nehmen wildtreibende Gewächse komische Triebe an, oder wachsen noch mit irgendwas zusammen, was halt grad daneben stand. Das trägt nicht zu einem qualitativen Wert bei – eher zu einem unschönen kränkelnden Dickicht. Tschüss Rosengarten, hallo Urwald.

WGT und Vielfalt. Aus dem Rosengarten ist ein Dschungel geworden

Ob klar ist was diese Entwicklung bedeutet? Eines weiß ich mit Sicherheit, viele „Szenegänger“ haben genau das nicht gewollt (Quelle: MDR)

Ohne die ganze Vielfalt, schrieb letztens jemand in derWGT-FB-Gruppe, gäbe es das WGT nicht (mehr). Falsch. Es gäbe das WGT in dieser Form nicht. Es wäre evtl. kleiner, mit weniger Angebot und weniger Loctions, weniger Händlern und weniger Rahmenveranstaltungen. Mit weniger irrelevantem Humbug, der nichts, aber auch nichts, mit der Sache an sich zu tun hat und mit weniger Leuten, die nur mal für ein Wochenende auflippen und anders  sein wollen, es aber nicht geschafft haben das Internet für etwas anderes zu nutzen, als ihr Kostüm zu shoppen (zum Beispiel für das Lesen eines blöden-schnöden Wikipedia-Eintrages), dann aber am lautesten Rumkrakelen, wenn man ihnen nahelegt, dass sie in der falschen „Szene“ unterwegs sind. So optisch. Und mit ihren musikalischen Vorlieben und Interessen und so. Ja genau: Musik und Ästhetik, scheiß wichtig für die „schwarze Szene“. Die Szene ist nunmal vor allem auch eine ästhetische. Kleidung ist für viele (Musik-)Szene ein signifikantes Merkmal. Das heißt nicht, dass man immer so und so aussehen muss. Das heißt aber, dass wenn es auch optisch keinen gemeinsamen Nenner mehr gibt ein wichtiges Szenemerkmal verloren geht. Szenen leben unter anderem auch von Symbolen und Abhebung von der Normalgesellschaft. Und das wird schwierig wenn man dieser Tür und Tore öffnet. Come on, so schwer ist das jetzt echt nicht zu verstehen.

Teilweise finde ich das Wort Kostüm gar nicht mehr so verkehrt. Ja, einige drücken sich damit aus, haben sich damit auseinander gesetzt etc. pp. Die meine ich nicht. Ich meine die, denen man ansieht, dass sie sich in ein Kostüm gezwängt haben. Die Unauthentischen. Die Aufgesetzen. Die Aufmerksamkeitsheischer und Prollos. Außen hart, innen hohl. Und sie waren in Scharen unterwegs. Nach den Gründen müssen wir nicht suchen, die sind breit diskutiert: Kommerzialisierung, leichtere Zugangsbarrieren (EMP-Shirt und Demonias und man ist dabei), Ausdifferenzierung der Teilbereiche und Toleranz. Die fucking Toleranz. Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht genau wer wann dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass die „schwarze Szene“ so tol(l)erant ist und hier alles erlaubt sei. Bullshit. Tolerant vielleicht was Einstellungen und Normen angeht, welche nicht der, der Restgesellschaft entsprechen. Das hat man „der Szene“ auch in den 80ern nachgesagt. Nicht tolerant hingegen gegen alle und alles, die keine eigene Gruppierung haben oder finden. Einzelne Subkulturen (welche Szenen bilden können) leben von Abgrenzung und Einstiegshürden. Sonst sind sie keine Subkulturen mehr, sondern Restmüllbehälter in denen sich alles sammelt, was keine eigenen Eimer hat. Ich weiß auch nicht wer behauptet, das Gothic ein „Lifestyle“ ist. WTF! Man muss hier unterscheiden zwischen Elementen aus Szenen und Subkulturen, welche sich über das Szeneleben hinaus im Alltag und in der Lebens- und Denkweise manifestieren und Lifesytlebewegungen, wie beispielsweise Nachhaltigkeitsbewegungen oder Veganismus. Wie sieht denn der „Gothic“ Lifestyle aus? Wie genau ist denn das ominöse Lebensgefühl? Bei diesen beiden Fragen wird es dann nämlich ganz schnell schwammig. Und komm mir jetzt bitte niemand mit Tod und Nachdenken über das Leben. Das ist kein Lifestyle, das sind Themen, mit denen man sich befasst.

Ein Beitrag aus der WGT-Facebook-Gruppe. Szene ohne Stil und Richtung? Wie kann das funktionieren?

Mit der Ausdifferenzierung verflüchtigt sich die Trennschärfe und die Grundlage dessen, was „die schwarze Szene“ eigentlich ist. Lausche ich den Gesprächen und lese ich in der FB-WGT-Gruppe wundert mich dann aber gar nichts mehr. Bei einigen reicht es wohl nicht mal zum lesen von drei Wikipedia-Artikeln, dafür aber scheinbar für den imaginären Besitz des „Rechts auf richtig“ und zwar ohne Gegenwehr, der gerne verwechselt wird, mit den Recht auf eigene Meinung. Die darf jeder haben und äußern, ich kann sie trotzdem scheiße und uninformiert, wie unreflektiert finden. Geht dann aber gerne einher, mit der achso zarten, verletztlichen Seele der Schwarztragenden (Höhöhö, Klischee). Diskussion: unerwünscht, andere Meinung: inakzeptable, Austausch: nein, danke, Umgangsformen: Fehlanzeige. Da geht die vermeintliche Tiefsinnigkeit und Reflektion über Umstände, die man gleich nach der Toleranz, so gerne an die Friedhofstüre nagelt, ganz schnell verloren. Hauptsache: ‚Seht mich an, hört mir zu, gebt mir eine Plattform. Auch wenn ich nichts wesentliches zu sagen habe‘
Ich meine, hey, das ist auch eine Plattform, auf der unter anderem ich, alles mögliche ablasse, was mich beschäftigt. Hier weiß man recht schnell, was man findet und um was es geht. Hier spreche ich mit einem Publikum, bei dem ich davon ausgehe, dass es hier vorbeischaut, weil es in irgendeiner Form Interesse hat und sich mit den hier behandelten Themen auseinandersetzt. Im Fratzenbuch, wendet man sich an eine breite Öffentlichkeit (fast 25.500 Gruppenmitglieder), die sich eigentlich nur für’s WGT interessieren, denen man aber alle persönichen Befindlichkeiten mit auf die Nase binden muss.

WGT-Facebook-Gruppe und das Bedürfnis zur Welt zu sprechen

„Meine Schuhe stehen immer noch dreckig im Flur. Hihihihihi“ Ja und?! Ist nicht mein Problem. Es interessiert mich nen Scheiß! Nur weil ich jetzt meine Schuhe auch nicht gleich geputzt habe als ich heim kam, wird man mir nicht sympathischer durch so ne Aussage.

„Jemand hat was über mein Outfit/meine Figur/meine Haare etc. gesagt, das ist sooo gemein.“ Ist oft weder fair noch richtig, mitunter aber einfach die Wahrheit und bei über 20.000 Gästen gibt es immer auch verletzende Vollidioten. Legt euch eine Persönlichkeit mit einem Stil und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein zu. Aber das findet sich ganz sicher nicht im Fratzenbuch.

„Kann ich xy anziehen“ Wenn man es damit auf ein Foto geschafft hat, ist man scheinbar in der Lage, das anzuziehen, Hürde gemeistert. Herzlichen Glückwunsch. Wenn man sich öffentlich äußert und zur Schau stellt muss man mit Kritik rechnen und damit, das man gefragt wird was zum Fuck die scheiß Hörnchen mit der „schwarzen Szene“ zu tun haben. Setzt euch nur selbst die Hörner auf…

„Es ist total unmöglich, dass ich in xy nicht reinkam/ mir jemand auf der Strasse doof kam/ es keine freie Toilette gab etc.“ Ja, echt doof. Aber was sollen wir denn jetzt machen?! Der Veranstalter liest nicht mit und kann auch nichts dafür, wenn 500 Leute in einen Raum wollten, der für 300 ausgelegt ist. Auch nicht dafür, dass es überall, in jeder Stadt Vollidioten gibt. Völlig Szene- und Veranstaltungsunabhängig übrigens. Leipzig ist halt nicht Hintertupfingen, wo man nachts die Haustüre offen lassen kann. Willkommen in der Wirklichkeit. Nochmal, bei 20.00 Gästen und nochmal ein paar Zehntausend Stadtfestbesuchern und Stadtbewohnern können nicht alle cool und wohlerzogen sein. Wenn es so wäre würden wir alle den ganzen Tag nur Glitzer kotzen und auf Einhörnern reiten.

„Meine Meinung zum Thema xy, seht ihr hier. Ist zwar uninformiert und unreflektiert, aber die Szene ist so tolerant, findet das gut, nehmt mich auf. Ich habe zwar keinen Schimmer, von was ich da blubbere, aber ich bin beleidigt, wenn ihr mich nicht lieb habt“ Wenn man eine Gruppe braucht, zu der man sich zugehörig fühlen will, dann kann man sich auch eine Vereinssport suchen. Ach nee, da muss man ja auch was für tun, irgendwas trainieren, oder was wissen, oder am Ende noch die passenden Schuhe mitbringen…

Kritische Auseinandersetzungen? Sie kommen oft zu kurz

Im Werk zwei beim GPF traf sich ein kleiner Teilbereich der „Szene“ und schuf dort das, was ich auf dem WGT mitterweile schmerzlich vermisse: Eine familiäre Atmosphäre unter Gleichgesinnten. (Bild: Matthias Ludwig)

Die „Szene“ ist beliebig geworden. Das ist kein Kreis von Gleichgesinnten mehr, mit gleichen grundlegenden Ausgangspunkten. Die „Szene“ ist ein Event, ein Freizeitvergnügen und entweder Identität oder Wechselkostüm.  Ich bin nicht nur am WGT ich selbst, ich drücke mich lediglich durch meine Kleidung expliziter aus. Ich bin nicht nichtmehr ich, nur weil ich anderes schwarz trage. Ich schlafe eher morgens lieber ne Stunde länger anstatt so viel Ausgehtüddelei zu veranstalten und alltagsunpraktisches Zeug zu tragen. Ich bin dann immer noch ich, das sieht man auch und dann sieht man auch, dass mein Ausgehtüddeleigezeugs kein Wechselkostüm ist, dass ich trage, weil ich in der bösen Gesellschaft so eingezwängt bin, wie viele arme andere, die im Alltag Blue Jeans tragen müssen, weil sie ja sonst gekreuzigt werden. Es geht am Ende, nicht um die Frage der Kleidungswahl, sondern um die Authetizität. Die ist oft weg und hat Sinn und Verstand scheinbar gleich mitgenommen. Klar, kann jeder machen, was er will, dann hat es aber unter Umständen nichts mehr mit „der Szene“ zu tun und gehört da nicht hin. Szene braucht Gemeinsamkeit, sagte ich ja schon, wenn die weg ist, ist nicht mehr viel anderes da. Als Pferdereiter will ich mich auch nicht mit Elefantenreitern umgeben und austauschen. Die beiden Tiere ticken dann doch etwas anderes und arbeiten unter ganz anderen anatomischen Voraussetzungen, dass wir da alle darauf rumjuckeln reicht halt nicht. Und man muss dann auch nicht so tun, als wäre man eigentlich ein Pferdereiter. Oder sich unter die mischen, weil man keine Gruppe an Elefantenreitern gefunden hat.

Das WGT ist nur in Nischen und mit den richtigen Menschen noch ein Familientreffen und ein Nach-Hause-kommen. Im Großen und Ganzen ist es mehr eine Farce, eine Kapitalmaschine. Wo sind die Nachdenklichkeit und die Abgrenzung hin? Wo die kritischen Blicke? Wo das Interesse daran zu hinterfragen und zu reflektieren? Zunehmend wird hingenommen und Akzeptanz für alle und alles gefordert, so ganz ohne Hintergrund und Kontext. Ehrlich, ich weiß nicht, wo die Idee herkommt, dass man immer zu jeder Zeit, in jeder Situation das Recht auf alles hat und der Gedanke, dass „die scheiß Umwelt sich einem doch mal anpassen muss“. Unter Umständen ist man halt auch einfach in der falschen Umwelt…Nur so ein Gedanke…

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Julius
Julius

Also soooooooooooo schlimm find ich diesen Beitrag nun nicht und weiß auch nicht genau ob man ihn unbedingt hätte hinten anstellen müssen. Mag schon sein, dass Spontis sich als Gegenentwurf zur „Meckerkultur“ versteht aber offenkundig ist ja Grund vorhanden. Wenn es nun ums Meckern aus Prinzip ginge, okay, aber wenn ich die Schlümpfe da oben sehe, dann denke ich schon, dass in dieser „Beziehung“ etwas verkehrt läuft und man irgendwann mal darüber sprechen sollte. Und sei es nur um dem angestauten Ärger mal Luft zu machen, sonst wird das doch auch ungesund.

Victor von Void
Meiner Meinung nach ist es nicht die berühmte Toleranz, die es erlaubt, dass das Ganze immer mehr zu einem Zirkus verkommt, sondern die Duldsamkeit bzw. Konfliktscheu der Beteiligten. Toleranz wäre, wenn ich es akzeptieren würde, aber jeder halbwegs ernsthafte Gote regt sich darüber auf und tut dies auch bei jeder passenden Gelegenheit kund. Mittlerweile ist es doch schon normal geworden, dass in der Gruftidisko Leute in bunten T-Shirts und Shorts auftauchen und sich durch ihr Verhalten über die Veranstaltung und die anderen Besucher lustig machen. In einer jeder anderen Szene würden sie nach kürzester Zeit vermutlich eins auf’s Maul bekommen und rausfliegen. Oder gar nicht erst reingekommen. Wir lassen es uns aber gefallen, und das hat nichts mit ‚Toleranz‘ zu tun! Beim WGT passiert das… Mehr lesen »
Curlz
Curlz

Danke! Passt in fast allen Punkten zu meinen Gedanken und Empfinden. Singe auch kein WGT Liebeslied.

Naja, der Rat den Störenfrieden eins auf das Maul zu hauen, lässt sich schwer umsetzen. Fernhalten bedeutet sich zu beugen – sich den Spass ganz durch diese Störenfriede nehmen zu lassen. Beides keine wirklichen Optionen für mich.

T.S.
T.S.
Es wäre mittlerweile doch mal ungeheuer interessant (wohl nicht nur für mich…) zu wissen, wie und wo sich die „Szene“ (die „ernstzunehmende“, „authentische“ – wie auch immer…) anno 2017 sieht und verortet. Was von den Beweggründen ihrer Anfangszeit, der Ästhetik und – von mir aus – „Philosophie“ noch übrig ist, ohne überkommene Klischees krampfhaft zu bemühen. Ich bin mir fast sicher, daß es dann durchaus zu überforderten, ratlosen Gesichtern und resignierenden Gesten führen wird. Und zwar auch bei schon seit langer Zeit „Aktiven“ und „Involvierten“ – von diesen WGT-Fastnachtsprinzen und -prinzessinnen möchte ich gar nicht sprechen (und will deren Motivationen auch gar nicht kennen, bzw. wissen, da für mich eh redundant…). Offenbar ist in den „Selbstläufer“ „Szene“ in all den Jahren eine Art Alltagsroutine eingekehrt… Mehr lesen »
Zinsman
Loide, Loide … ich finde ja, daß man diese Anti-Windmühlen-Anrennerei durchaus jedes Jahr auf’s neue zelebrieren kann, ohne dabei des Jammerns müde zu werden. Man kann es aber auch lassen! Man kann es vor allem lassen, ein Großevent/Massentreffen aus der eigenen kleinen beschränkten Sicht beurteilen zu wollen. Was bitte kann denn der einzelne wirklich beurteilen/einschätzen? … Es sind doch nur Momentaufnahmen, die man dann eventuell am Ende des WGT’s zu seinem höchst persönlichen Erinnerungsvideo im Kopf zusammenfügt. Zu dumm nur, daß dieses Video bei jedem WGT-Besucher ein anderes sein wird und man wohl vergeblich nach einem Videopartner suchen wird, dessen Nachlesefilmchen völlig mit dem eigenen übereinstimmt. … die Frage, die sich mir stellt, ist folgende: ‚Wozu zum Henker sollte ich mir diesen Hirnstress antun?‘ …… Mehr lesen »
Mandy
Mandy
An der Kleidung? Ein Kriterium, aber nicht jeder steht auf Pikes und Wallawalla-Kleidung. Einige Menschen, die kein schwarz tragen genießen die Musik genauso, wie die „Oldschool-Aufgetackelten“… Wie gesagt, meiner Meinung nach ist auch die Toleranzdiskussion hinfällig, gerade was Musik und Kleidung angeht. Ich glaube, das ist genau der Punkt, auf den Zinsman hinaus will. Wer möchte mir verbieten, an einer Veranstaltung, für die man bezahlt hat, teilzunehmen – und zwar in der Kleidung, die man tragen möchte? Ich verstehe jeden Unmut voll und ganz. Ich weiß auch nicht, warum einige im Prinzessinnen-Look mit Elfenflügeln über’s WGT laufen – aber irgendeine Intention muss ja dahinter stecken. Wahrscheinlich ist es auch ein Phänomen großer Veranstaltungen. Auf Konzerten und kleineren Events habe ich solche Kostüme jedenfalls noch nicht… Mehr lesen »
Zinsman
@Mandy … ja genau darauf will ich hinaus und auch darauf, daß es nahezu unmöglich ist, von einzelnen oder Gruppierungen unerwünschte Tendenzen aufzuhalten. Das einzige was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung … mögen sich all die unsäglichen Randerscheinungen doch von selbst aus der WGT-Welt subtrahieren aber da habe ich meine Zweifel, daß dies jemals eintreten wird. Machen wir uns nichts vor … das Dunkeltum ist, mindestens in Leipzig in der Nähe der Gesellschaftsmitte angekommen. Es gruselt sich dort niemand mehr vor uns(außer vielleicht ein russischer Taxifahrer, der uns immernoch alle für Satanisten hält .. selbst erlebt, in diesem Jahr). Ich gestehe, mein vorheriger Beitrag sollte provozieren aber eben auch klar aufzeigen, daß eine Regulierung des WGT-Besucherstroms oder gar eine Auslese nach vorgegebenen Kriterien schlichtweg unmöglich… Mehr lesen »
Victor von Void
Naja, der Rat den Störenfrieden eins auf das Maul zu hauen, lässt sich schwer umsetzen. Das war kein Vorschlag sondern sollte nur verdeutlichen, dass andere Szenen wesentlich aggressiver auf Leute reagieren, die sich als Störenfriede betätigen, als es die Schwarze Szene tut. Wie sähe, hier auch an Zinsi, der ausgetragene Konflikt denn aus? Ist gar nicht erst reinkommen (in eine Veranstaltung), die Lösung? Woran wird das denn unterschieden wer rein kommt und wer nicht? An der Kleidung? Ein Kriterium, aber nicht jeder steht auf Pikes und Wallawalla-Kleidung. Einige Menschen, die kein schwarz tragen genießen die Musik genauso, wie die „Oldschool-Aufgetackelten“… Ehrlich gesagt, glaube ich, dass ein Dresscode bei „schwarzen“ Veranstaltungen durchaus positiv wirken kann. Ich habe dabei hauptsächlich Leute im Blick, die definitiv szenefremd sind… Mehr lesen »
Zinsman
Ja, ein Dresscode kann positiv wirken … grenzt aber auch automatisch aus … wie schon vorher angemerkt, muss das äußere nichts über die vorhandene oder nicht vorhandene Affinität zur Szene aussagen. Mir sind Leute in Bluejeans mit Affinität genauso lieb, wie schwarz/gruftig etc. gekleidete. Der Mensch zählt!!! Für Störenfriede gibt’s eigentlich, wenn ich mal die heimischen Events betrachte, den Veranstalter mit dazugehöriger Security … sofern der Veranstalter den berühmten A**** in der Hose hat, deren Rausschmiß durchzusetzen. Für’s WGT und für alle anderen Events mit im Vorfeld erwerbbaren Eintrittskarten ist die Dresscodelösung hinfällig. Es wird keiner dem „unpassend“ gekleideten Gast das Eintrittsgeld erstatten und selbigem einen Feldverweis erteilen. Störenfriede auch hier gnadenlos des Events zu verweisen, incl. Bändchenentzug wäre sicher eine Möglichkeit aber an der… Mehr lesen »
strangeplant
strangeplant

Victor von Void… ich habe noch keine von dir beschriebenen Vorfälle auf von mir besuchten Veranstaltungen erlebt. Maximal auf dem Weg von und zu solchen. Auch habe ich schon durchaus schwarz gekleidete Menschen erlebt, die sich unangemessen benehmen.

Ich sehe dresscode auch skeptisch, wie Zinsman ausführt, ist es ausgrenzend und diskriminierend. Auch halte ich es, wie sich aus der Diskussion weiter oben ergibt, nicht für umsetzbar, weil es nicht definierbar ist und letztenendes die Individualität einschränkt und Kostümierung oder Uniformierung schürt.

Ist es nicht einfacher, Leute die in Clubs unangenehm auffallen, einfach rauszuschmeißen und ihnen ggf. Hausverbot zu erteilen? Leute die stören wollen, können sich genauso schwarz kostümieren, um sich Zugang zu verschaffen.

Victor von Void
@strangeplant Hier tritt es auch eher bei kleinen Events auf, bei denen der Eintritspreis im unteren einstelligen Bereich liegt. Meist sind es drei, vier … nennen wir es mal ‚junge Männer‘, die komplett aus dem Rahmen fallen, sowohl optisch, als auch vom Benehmen her (‚Breakdance‘ auf der Tanzfläche inclusive Anrempeln anderer Gäste, besonders laute Unterhaltungen, in denen sie nicht direkt über Anwesende, aber über szenetypische Dinge auslassen etc.). Natürlich können auch Leute stören, die tatsächlich der Szene zuzuordnen sind, aber das ist mir ehrlich gesagt zumindest bei den von mir besuchten, meist kleineren Veranstaltungen bisher noch nie aufgefallen. Warum die Leute nicht rausgeworfen werden? Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass eben aufgrund der geringen Größe der Veranstaltung die ‚Security‘ meist aus ein, zwei Leuten am… Mehr lesen »
strangeplant
strangeplant
Aber darum geht es in der Diskussion doch gerade: Diese ‚Toleranz‘ gegenüber den diversen Auswüchsen sorgt dafür, dass die Szene eben nicht mehr als Szene oder Familie, sondern nur noch als Haufen verkleideter Clowns wahrgenommen wird. Um mal den Artikel oben zu zitieren: Klar, kann jeder machen, was er will, dann hat es aber unter Umständen nichts mehr mit „der Szene“ zu tun und gehört da nicht hin. Szene braucht Gemeinsamkeit, sagte ich ja schon, wenn die weg ist, ist nicht mehr viel anderes da Gemeinsamkeit, Gemeinschaftlichkeit… Ihr seid Gäste des Clubs, warum nicht den Veranstalter/Besitzer ansprechen und unterstützen. Wenn mehrere Leute die Störenfriede im Club darauf aufmerksam machen, dass sie mit diesem Verhalten nicht geduldet werden und sie ggf. rausbefördern, würde das vermutlich das Problem eher… Mehr lesen »
Robert
Ich möchte jetzt nicht auf die einzelnen, sehr guten Kommentare eingehen und vielleicht meine Sicht der Dinge schildern. Dazu möchte ich ein Beispiel anführen, dass am langen Ende dieser Entwicklung stehen könnte. Am lange Ende einer Beliebigkeit, die Musik, Outfits, Verhalten und alle die Dinge einschließt, die dafür sorgen, dass man überhaupt von eine Szene sprechen kann. Für mich ist die Gothic-Pogo-Party ein Refugium auf dem WGT, ein Rückzugsort, der frei von verkleideten Gestalten erscheint, die mit Szene oder Subkultur nichts am Hut haben. Es ist ein wunderbares Gefühl inmitten von Menschen zu sein, die hier ausleben, was sie sind. Anders. Gegen den Strom. Alternativ. Nachdenklich. Tolerant. Und das auf eine selbstverständliche und natürlich Art, die seinesgleichen sucht. Hier spürt man, dass es einfach egal… Mehr lesen »
strangeplant
strangeplant

Vermutlich meinen wir das Gleiche, aber ich habe Schwierigkeiten mit der Titulierung grin

Toleranz ist die Fähigkeit, bestimmte Abweichungen hinzunehmen. Ich finde das unheimlich Wichtig im Blick auf Weiterentwicklung der Szene und die Individualität von deren Anhängern. Intoleranz bedeutet Stillstand. Das möchte ich nicht. Tolerant zu sein, setzt aber auch voraus, dass es Dinge gibt, die nicht mehr in diesen Bereich fallen, die Grenzen überschreiten. Es geht also darum Grenzen zu definieren und für diese Respekt einzufordern, nach außen zu kommunizieren zu vertreten und deren Einhaltung durchzusetzen. Selbstbewusst, gemeinschaftlich und entschlossen.

Lassen sich solche einheitlichen Grenzen finden? ME wird das immer irgendwie regional und für einzelne Veranstaltungen unterschiedlich sein. Je nach Größe, dem Publikum und den Möglichkeiten/dem Willen Grenzen zu setzen und für deren Einhaltung zu sorgen.

Nadja
Nadja
Irgendwie hab ich nach dem Lesen des Textes den Eindruck, dass ich ein ganz anderes WGT erlebt als die anderen. Ich finde nämlich kaum Gründe, mich über das diesjährige WGT zu beschweren, es war schon alles perfekt: großartige Bands gesehen, Zeit mit Freunden verbracht, ein eigenes Picknick auf die Beine gestellt usw. Das einzige was mich wirklich genervt hat, war das Gemecker im Vorfeld, dass das Stadtfest zeitgleich mit dem WGT stattfindet. Guess what, liebe Besucher; euch gehört eben nicht die ganze Stadt, auch wenn ihr das gerne so empfindet. Es leben auch noch andere Menschen in Leipzig. Im Vorfeld waren meine Freunde und ich uns nicht mal sicher, ob wir dieses Jahr zum WGT fahren- das lag aber eher mehr daran, dass das Line-Up… Mehr lesen »
T.S.
T.S.
An mich wurde in Beitrag #6 von Flederflausch eine Frage gestellt, auch wenn jetzt schon wieder ein paar Tage ins Land gezogen sind, möchte ich die Antwort nicht schuldig bleiben. Was zu tun sei, wurde ich gefragt, im Bezug darauf, wie man mit der – welcher Art auch immer motivierten – Vereinnahmung, Verwässerung, bzw. Okkupierung der „Szene“ durch „Part-Time-Freaks“, Event-Selbstdarsteller und/oder den (mittlerweile wohl geflügelter Begriff) „Karnevalisten“ umgeht, bzw. „fertig“ wird. Im Prinzip dürfte meine Antwort ähnlich ausfallen, so wie bereits von Robert in Beitrag #14 in seinem vorletzten Absatz beschrieben und geschildert. Jedoch mit der intensiveren Vorgehensweise, „vor der eigenen Tür zu kehren“ anzufangen, quasi jeder (der noch irgendwie am halbwegs „authentischen“ „Szene“-Geschehen interessiert ist) sollte sich selbst fragen, inwieweit er/sie schon einem sensationsheischenden… Mehr lesen »
Zinsman
@Federflausch: Dresscode wurde zwischendurch vorgeschlagen, bzw. als Option genannt. Deine Worte hatte ich nicht so verstanden. Desweiteren glaube ich kaum dass die Entgleisten und noch Entgleisenden jemals wirklich Zugang zur „Szene“ gefunden haben oder finden werden. Sie zeigen sich wohl anscheindend mit großer Vorliebe zum WGT, weil kein abgesperrtes Festivalgelände eine Barriere darstellt. Dies trifft wohl für die Erscheinungen in der Innenstadt zu. Diejenigen, die es dann doch über das gekaufte Ticket auf die Agra-Flaniermeile schaffen wollen, sind meiner Meinung nach mit Sicherheit einfach nur scharf drauf fotografiert oder gefilmt zu werden und mit der Entgleisungserscheinung irgendwo medial aufzutauchen. Meine Schlussfolgerung daraus ist einfach nur die, dass das gesteigerte mediale Interesse und die Vereinfachung der Verbreitung von Fotos und Videos auf den diversen Plattformen im… Mehr lesen »