Dark Blossom – Dänische Doku über 3 unkonventionelle Träumer (+Interview mit der Filmemacherin)

Dark Blossom ist ein gefühlvoller und bildgewaltiger Film über die Lebenswelt von drei dänischen Jugendlichen, die sich mit ihrer Freundschaft einen Schutzraum in der Gothic-Szene bauen, in dem sie gegen ihre Dämonen und ihre Isolation kämpfen. 2021 feierte die Dokumentation von der dänischen Filmemacherin Frigge Fri Premiere. Ich hatte die Ehre, den Film seinerzeit zu schauen und habe Frigge dann ein paar Fragen für ein Interview geschickt. Neben der tollen Dokumentation, die man sich jetzt endlich anschauen kann (eine ausführliche Erklärung findet ihr im ersten Kommentar), liefert die Filmemacherin einen spannenden Einblick in die Beweggründe für ihren Film, gibt Erklärungen zur Umsetzung und erzählt davon, wie sie ihre Protagonisten kennengelernt hat.

Worum geht es in der Doku Dark Blossom?

Auf dem Feld hinter dem Hof ihres Vaters sammelt die 20-jährige Josephine überfahrene Tiere, lässt sie verwesen um die Knochen der Tiere als Schmuck zu verwenden. Sie war nie ein Teil der Handball-Clique, und ihre unzähligen bunten Perücken, der große und schwere Nasenring sowie ein ausgestopfter Babyvogel im Glas machten sie in der kleinen Stadt in Dänemark, wo sie aufwuchs, zur Außenseiterin. Auf der Suche nach Sinn und Verbundenheit fand sie zwei Freunde in der Gothic-Szene – die ausdrucksstarke und stets kreative Maximalistin mit dem selbstgewählten Namen „Nightmare“ und den nachdenklichen Jay, der in einem Haus der Inneren Mission aufwuchs.

Bewaffnet mit Schädeln, schwarzem Make-up, wilden Outfits und toupierten Mohawks kämpft diese gotische Dreieinigkeit darum, die Kontrolle über ihre Einsamkeit und die inneren Dämonen zu erlangen und sich einen Rückzugsraum zu schaffen, in dem sie sich entwickeln können. Gemeinsam schaffen sie einen Raum, in dem sie frei durchstreifen, Normen schieben und die Welt erobern können.

Doch eines Tages trifft Josephine Jan auf Instagram und verliebt sich kopfüber in ihn. Nachdem nur drei Monaten Beziehung verfolgen sie ihren Traum, der Enge der Kleinstadt zu entfliehen. Sie ziehen zusammen in eine Wohnung im 14. Stock in einem Vorort von Kopenhagen ein. Als ihr schwarzes Herz für etwas anderes zu schlagen beginnt, als für die Dunkelheit, wird die Freundschaft der drei auf die Probe gestellt.

Dark Blossom ist ein berührender Einblick in eine Freundschaft der Unkonventionellen

Für den Außenstehenden, an die sich die Dokumentation richtet, mag es befremdlich wirken, wenn in einer Szene, die sich in düsterer Musik einhüllt und sich so gerne Tod und Okkultismus beschäftigt plötzlich Platz für Verletzlichkeit und Gefühle entsteht.

Frigge Fri lädt den Zuschauer ein, in die Welt der Jugendlichen einzutauchen und ihre Gedankenwelt in experimentellen und kreativen filmischen Ansätzen zu erforschen. Es erscheint überhaupt nicht notwendig, die Theatralik der Gothic-Szene zu erklären, sondern sie als Leinwand zu zeigen, in der sich die drei Freunde darstellen und ausleben können.

Josephine, Jay und Nightmare haben eine einzigartige Bindung. Sie fallen auf, wenn sie durch die Vorstadtstraßen Dänemarks gehen, die Menschen werfen ihnen unverblümt auch weitere Blicke hinterher. Frigge normalisiert das Bild, indem sie die drei 4 Jahre begleitet und den Zuschauer in die Welt zwischen Tierpräparation und Wave-Gotik-Treffen eintauchen lässt. Wir erleben, wie sie durch ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammenwachsen, lachen mit ihnen, wenn sie sich gegenseitig ärgern oder ihre Eltern am Telefon belügen und fühlen mit ihnen, wenn sie sich voneinander entfernen. Frigge normalisiert die Unkonventionalität, in dem sie uns auch das Leben der einzelnen Charaktere außerhalb ihrer Bindung und Selbstdarstellung zeigt, wie sich jeder einzelne versucht, in die Realität einzufügen.

Wir erleben eine 80-minütige „Coming-Of-Age“ Geschichte, die uns intime Einblicke in drei Menschen und ihre Freundschaft geben, ohne aufdringlich zu wirken. Man fühlt sich wie ein Teil ihrer Gemeinschaft und fühlt den Herzschmerz, als die Freundschaft der drei auf die Probe gestellt wird. Frigge zeigt, dass Freundschaften wachsen und auseinander wachsen, zeigt die Konflikte, die durch Entwicklungen einzelner Charaktere entstehen, ohne das Gefühl von Voyeurismus zu erzeugen.

Dark Blossom ist ein großartiger Film. Wenn sich das Ende musikalisch entfaltet, fühlt es sich an, als hätten wir Monate mit Josephine, Mareridt und Jay verbracht. Die emotionale Art und Weise der Bilder, die Frigge Fri uns präsentiert, lässt kaum Distanz zu den Dreien spüren. Im Gegenteil, das Ende lässt uns mit persönlichen Erinnerungen zurück, überall finden sich Anknüpfungspunkte an die eigene Gefühlswelt.

Dark Blossom – Interview mit Filmemacherin Frigge Fri

Wer ist Frigge Fri und wieso hast du Dich für die Lebenswelt der Jugendlichen interessiert, die du in deiner Dokumentation „Dark Blossom“ porträtierst?

Frigge Fri ist die Filmemacherin von Dark BlossomIch bin in einem Vorort von Kopenhagen mit meiner Mutter, die Künstlerin ist, meinem Vater, der Musiker ist, und einem kleinen Bruder aufgewachsen. In meiner Grundschule gehörte ich nie zu den Beliebten, weil ich lieber zeichnete als Fußball zu spielen. In dem Moment, in dem ich alt genug wurde, um die Stadt zu verlassen, nahm ich den ersten Bus in die Innenstadt von Kopenhagen und fand zum ersten Mal in meinem Leben eine verständnisvolle und selbstbewusste Gemeinschaft. Ich fand eine Subkultur im „Ungdomshuset“ (das Haus der Jugend) ein Treffpunkt für Autonome, Künstler und Linke.

Nach langwierigen Konflikten mit der Regierung wurde das Haus 2007 abgerissen – damals war ich 17 Jahre alt. Es war eine sehr schreckliche und traurige Zeit für mich und meine alternativen Freunde. In diesem Moment wurde mir klar, wie wichtig es ist, das Ungewöhnliche, Andersartige und Wilde in der Gesellschaft zu schätzen, denn ich hatte das Gefühl, dass die Regierenden uns jungen Menschen etwas weggenommen hatte.

Wie hast du die Protagonisten deiner Dokumentation Josephine, Nightmare und Jay kennengelernt?

Im Sommer 2017 begann ich mit den Recherchen für den Dokumentarfilm. Ich war fasziniert davon, wie junge Menschen Instagram als Plattform nutzen, um sich selbst auszudrücken. Wie diese Plattform ein sicherer Raum sein kann und ein Ort, um kleine Nischen, Faszinationen und Träume zu kultivieren und Menschen über Städte und Grenzen hinweg zusammenzubringen.

Eines Tages fand ich ein Profil mit dem Namen ‚Girly_Goth‘. Ich war von dem, was ich sah, total angezogen und angetan. Ein ungeschliffenes, junges Mädchen namens Josephine, das täglich ausdrucksstarke Selfies aus ihrem Jugendzimmer postete. Sie war düster, verspielt, sehnsüchtig und sehr selbstdarstellerisch – das hat mich beeindruckt.
Mir wurde klar, dass sie in der dänischen Stadt, in der sie lebte, nicht Teil der großen Gemeinschaft war. Sie hatte ihren Platz in den virtuellen Gemeinschaften im Internet für alternative junge Menschen gefunden.

Ich habe herausgefunden, dass Josephine Teil eines düsteren Trios war – eine Art von Dreifaltigkeit mit ihren Freund Jay und Mareridt. Gemeinsam hatten sie genau jene einzigartige Gemeinschaft geschaffen, die in ihrem normalen Leben fehlte und bauten sich so einen sicheren Raum, in dem sie Ausschluss vor der Außenwelt fanden. Ich liebe es, wie sie sich gegenseitig ergänzen. Ich nahm Kontakt auf und von da an wurde ich irgendwie ein Teil der Clique und begleitete sie 4 Jahre lang.

Wenn man Josephine, Jay und Mareridt einer Szene zuordenen wollen würde, wäre „Gothics“ sicher eine treffende Einordnung. War es Dein Ziel einen Film über die Szene oder einfach nur über junge Menschen zu machen?

Mir war es nicht wichtig einen Film zu machen, der eine Szene beschreibt oder die Leute über die Gothic-Kultur aufklärt – es ist natürlich toll, wenn der Film das auch kann – aber für mich war das Wichtigste bei Dark Blossom zu zeigen und nicht zu erzählen.

Mein größtes Ziel war es, zu zeigen, wie wichtig es ist, sich mutig zu sein und die Möglichkeit zu haben, sich auszudrücken. Und vor allem, dass man dies in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen tun kann. Josephine, „Nightmare“ und Jay haben alle eine starke kreative Ader und nutzen diese, um die Dunkelheit auszudrücken, die jeder von ihnen mit sich herumträgt. Und genau dieses Kanalisieren von zum Beispiel Einsamkeit, Angst und Unverständnis aus ihrem Umfeld finde ich eine große Inspiration.

Du hast während der Dreharbeiten zu deiner Dokumentation sicher eine Menge Leute aus der Szene kennengelernt und hast zusammen mit der Clique das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig besucht. Wie würdest du die Gothic-Szene beschreiben?

„Nightmare“ hat mir einmal gesagt: „Was ich an Goth einzigartig und besonders finde, ist, dass er dir eine Leinwand bietet, um deine extremen Gefühle zu zeigen„. Und ich denke, das fasst genau zusammen, warum ich als Mensch und Filmemacherin das so schön finde – und auch, wie ich die Goth-Szene ungefähr erlebe.

Sie ist so voll von Ausdruck, Kreativität und Neugierde. Die Teile der Gothic-Szene, die ich erlebt habe, und die Menschen, die ich in der Community kennengelernt habe, zum Beispiel beim Wave-Gotik-Treffen, waren so einladend, aufmerksam und lustig. Und dann mag ich einfach die Ästhetik, die Musikszene und die Mischung aus Eitelkeit und Humor, in der man sich wohlfühlt.

Was meinst du, warum kann die Gothic-Szene ein „Zuhause“ für so viele Menschen sein?

Ich denke, es gibt viele verschiedene Gründe, warum man sich in der Gothic-Szene „zu Hause“ und wohl fühlen kann. Da ist natürlich die Anziehungskraft der Musik, der Ästhetik, der Literatur usw., die einem das Gefühl gibt, perfekt zu sein oder mit etwas verbunden zu sein, auf das man sich beziehen kann. Ich glaube, viele in der Gothic-Szene haben sich irgendwie entfremdet gefühlt und hatten das Gefühl, keine Gemeinschaft zu haben. In einer Szene zu sein und Teil einer Gemeinschaft zu sein, die dir keine dummen und feindseligen Fragen über dein Aussehen, deine Sexualität, dein Geschlecht, deine Interessen und so weiter stellt, muss die Definition eines sicheren und geräumigen Zuhauses sein.

Dark Blossom - Die drei Protagonisten unterwegs in Leipzig
Josephine, „Nightmare“ und Jay unterwegs in einer Leipziger Pizzeria im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens

Kommen wir zurück zu Deinem Film. Was willst du mit deiner Dokumentation rüberbringen, erzählen, worauf möchtest du aufmerksam machen?

Ich denke, der Film „Dark Blossom“ ist wichtig, weil er den starken und gleichzeitig verletzlichen Außenseitern Tribut zollt. Der Film soll jungen Menschen, die aus der Norm fallen, einen Spiegel der Solidarität vorhalten, eine Inspiration für die Kreativen und Schwachen sein, aber auch Intoleranz, soziale Kontrolle und Mittelmäßigkeit in unserer Mitte ansprechen und darauf aufmerksam machen. Es ist auch ein Aufruf, neugierig auf uns als Menschen zu bleiben. Ich hoffe, dass das Publikum durch seine eigenen Vorurteile und vorgefassten Meinungen über diejenigen, die anders sind als die Norm, bis ins Mark erschüttert wird. Genauso hoffe ich, dass der Film denjenigen, die anders sind, den Mut und das Selbstvertrauen gibt, die Norm herauszufordern und sich selbst auszudrücken. Ich hoffe auch, dass Dark Blossom fasziniert und inspiriert, dass er ein Gefühl des Wiedererkennens auslöst und so den Weg in all unsere schwarz schlagenden Herzen findet.

Dein Erzählstil berschränkt sich darauf, Bilder und Menschen sprechen zu lassen. Das faszinierende für mich als Zuschauer ist, dass alle 3 in einem völlig unterschiedlichen Licht erscheinen. Wie würdest du Josephine, Marerdit und Jay beschreiben?

Josephine ist neugierig, liebevoll und kann sich auf so viele Arten ausdrücken. Ihr Aufwachsen war von Einsamkeit geprägt und schon früh fand sie einen ganz besonderen Zugang, um in ihr eigenes Ausdrucksuniversum zu verschwinden. Ihr sicherer Raum war ihr Zimmer, und um die Leere der Einsamkeit zu füllen, begann sie, sich kreativ auszudrücken und ihrer Faszination für Roadkills und bunte Perücken freien Lauf zu lassen.

„Nightmare“ ist ein ausdrucksstarker, extravaganter und sensibler Multikünstler, der Musik und erstaunliche Designs macht. Schon in jungen Jahren fühlte er sich mit dem Okkulten, der Hexerei und der Goth-Kultur verbunden. Er entdeckte, dass er durch die Möglichkeit, verschiedene Seiten von sich auszudrücken, einen Teil des Chaos in und um ihn herum kontrollieren und konstruktiv nutzen konnte.

Jay ist nachdenklich, klug und sensibel. Er ist halb Amerikaner und wuchs in einem Heim der „Inneren Mission“ auf, was den Großteil seiner Erziehung bestimmt hat. Fragen der Identität begannen sich in Jay zu regen und sein Bedürfnis, die dunkle Natur, die auch ein Teil von ihm war, zu bewältigen und auszudrücken, wuchs. Er verlor sich in Gothic-Märchen, verschiedenen Gothic-Musikgenres und wildem Make-up.

Alle 3 scheinen aus verständnisvollen Familien zu kommen, wuchsen in einer scheinbar behüteten Umgebung auf dem Land aufgewachsen und scheinen in der Lage zu sein, alle Möglichkeiten, die ihnen die ihnen zur Verfügung stehen. Trotzdem spricht die Beschreibung des Films von den „inneren Dämonen“, mit denen sie kämpfen. Welche Fratzen zeigen die Dämonen in deiner Wahrnehmung?

Ich stimme nur teilweise zu, dass sie in verständnisvollen Familien aufgewachsen sind. Ich habe mich dafür entschieden, dass der Film sehr wenig mit ihren Familien zu tun haben sollte. Es gibt nur wenige Szenen im Film, in denen die Eltern mitspielen, und für mich war es wichtig, im Filmmaterial nach unterstützenden und freundlichen Momenten zu suchen, statt nach Unverständnis und Unwissenheit, die tatsächlich sehr präsent waren.

Die Dämonen sind Teil des Lebens. Und im Film werden sie auf viele Arten, Lichter und Figuren gezeigt. Sie erscheinen zum Beispiel in „Nightmare’s“ Modenschau, in Jays gruseligen Monstergeschichten, in der ausdrucksstarken Geräuschkulisse, in einer verwackelten Kamera oder wenn Josephine ‚Nightmare‘ erzählt, wie sehr sie Jütland hasst, wo sie aufgewachsen ist.

Dein filmischer Stil hebt sich wohltuend von der Gleichförmigkeit der Dokumentationen ab. Mit Josephine im Besonderen scheinst du ihre Persönlichkeit mit spannenden Einstellungen einfangen zu wollen. Die Ideen für die Einstellungen kamen von Josephine oder bist du deinen eigenen Vorstellungen gefolgt?

Die Arbeit an Dark Blossom war eine Zusammenarbeit mit Josephine, „Nightmare“ und Jay. Ich habe eine enorme Zusammengehörigkeit und Fusion mit ihnen gespürt. Ich war daran interessiert, ihre Faszinationen, Träume, Ausdrücke und ihre Ästhetik durch meine Art, die Kamera zu halten, zum Ausdruck kommen zu lassen. Ich bin ein sehr visueller Geschichtenerzähler und es ist mir wichtig, Geschichten mit anderen Mitteln als mit Worten zu erzählen: die Art des Schnitts, die Geräuschkulisse mit Tierschreien, die Mischung von Formaten, der Einsatz von Nachtsicht, enge Tableaus mit Porträts und bunten Blumen auf den Feldern. Josephine, „Nightmare“ und Jay sind wie Chamäleons, die ihre Gestalt und Form verändern – genau wie der Film.

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Wo kann man den Film anschauen?

Dark Blossom Filmplakat
Dark Blossom Filmplakat
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Kommentare

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Marquis
Marquis(@marquis)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Der Adler von Nightmare ist ein Fasan ;-). Lieben Dank Robert für den Bericht.

Black Alice
Black Alice (@guest_64236)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Da muss Hexerei im Spiel gewesen sein. ;-)

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 1 Monat

Puh, ich hab jetzt mal 20 Minuten reingeschaut (bis zur Kuh-Herde) und werde einfach nicht warm damit. Mir fehlt einfach ein roter Faden. Es ist nur eine wirre Aneinanderreihung kurzer Szenen, ohne dass ein Zusammenhang zwischen diesen zu finden ist. Eher wie ein einziger langer Trailer.

Manches erschließt sich einem einfach nicht, weil es entweder nur kurz angerissen wird oder sonstwie aus dem Zusammenhang gerissen erscheint.
Eine richtige Doku wäre für mich eine Einleitung, eine Vorstellung der Personen, idealerweise auch mal Hinweise, worum es da gerade geht (z.B. bei der Fahrt mit anderen Mädels im Bus) bzw. wo die Szenen gerade spielen. Beispiel: wer das WGT nicht kennt, wird die WGT-Szenen überhaupt nicht als solche erkennen.

Schade, denn der Bericht hatte richtig Lust drauf gemacht.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Vor 1 Monat

Ich habe es mir heute Nachmittag komplett angeschaut gehabt. Es war zwar etwas schwierig, was das verstehen betrifft und man hat das Gefühl, einen low-budget Film zu schauen, aber so doof fand ich es gar nicht Mal. Sicher hat man keinen wirklich roten Faden, wie es Tanzfledermaus schon schrieb und man wird auch darüber streiten können, was der Sinn dieses Films ist, aber ich habe es dennoch geschafft da völlig eintauchen zu können.
Im Prinzip hätte man dort x-beliebige Teens nehmen können, muss also nicht Mal zwingend Goth sein, weil es einfach das Leben zeigt wie es ist, wenn man erwachsen wird. Ich denke ähnliches, wie die 3, wird der ein oder andere auch erlebt haben. Mich hat es zumindest an meine Teenie-Zeit zurück erinnert, als die Schule plötzlich vorbei war und alle bedingt durch die Lehre in andere Ecken Deutschlands verschwanden. Der bestehende feste Kreis von Freunden war plötzlich weg. Gut ich muss gestehen, zu damaliger Zeit kam mir das gelegen, da ich dem allen, auch in Bezug auf die Leute, müde war.
Man schaut den Kids im Film einfach dabei zu wie sie sich im Wandel befinden, erwachsen werden, sich entwickeln und auch verändern. Und was ich ganz kurios am Schluss des Filmes fand, für mich blieb das Wort „Vergänglichkeit“ als abschließende Bezeichnung im Kopf hängen. Man blickt in dem Film quasi auf Vergänglichkeit. Wo mir so für mich bewusst wurde, dass so viel „Vergänglichkeit“ bedeuten kann und nicht Mal zwingend immer der Tod damit gleichgesetzt werden muss. Und seltsamerweise bekommt es dadurch für mich den Bezug zum Goth und nicht wegen den drei Goth-Kids.

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Vor 1 Monat

Vielen Dank für diesen Bericht! Ich bin sehr interessiert an Dokus mit „coming of age“ Thematik. Nach dem Trailer war ich allerdings etwas skeptisch, weil er so kurz und irgendwie nichtssagend war. Ich hab mich davon aber nicht beirren lassen und den Film gestern Abend angesehen. Zugegebenermaßen, es hat eine Weile gedauert bis ich mich auf diesen experimentellen, poetischen und fragmentarischen Doku Stil einlassen konnte. Aber ich muss auch sagen, das mir dieser Stil manchmal lieber ist als Dokus in „Erklärbär“ Manier. Denn wenn man dran bleibt und sich darauf einlässt, kann man sogar noch tiefer in die Lebens- und Gefühlswelt der Protagonist*innen einsteigen. Im Laufe des Films ist mir das dann auch tatsächlich passiert. Und ich habe viele Stationen dieser jungen Menschen auch nachempfinden können. Allerdings spielt Gothic eine eher untergeordnete Rolle, wie hier auch schon erwähnt. Die Anknüpfungspunkte kann sich jeder einfach selbst aussuchen, das macht die Doku sehr frei. 
Der Begriff Vergänglichkeit wurde von graveyardqueen genannt. Was ich sehr passend finde, seien es die toten Tiere, die symbolisch einen kleinen roten Faden ergeben, oder das Wegziehen von Zuhause, oder das Beenden der Schule. Alles markiert ein Ende der Jugend. Ebenso passend wie der Begriff Wandel! Denn es beginnen neue Lebensabschnitte, und aus den toten Tieren wird auch etwas neues erschaffen. 
Daher finde ich solche Dokus in jedem Alter sehenswert, da man ja auch im „Erwachsenenleben“ (was auch immer das sein soll und wann auch immer man da ankommt) mit regelmäßigem Wandel konfrontiert wird. 

Spontan fällt mir noch die Dokumentation „Prinzessinnenbad“ ein, die ein ähnliches Grundthema hat, aber doch ganz anders ist. Die hat mich seinerseits auch sehr beeindruckt. Hier sind die filmischen Mittel, soweit ich mich erinnern kann, etwas konventioneller, strukturierter. Also vielleicht eher etwas für Tanzfledermaus, wenn du es nicht sowieso schon kennst, denn es geht um eine Mädchenclique in Berlin. Hier gibt es allerdings überhaupt keinen Gothic Bezug. 

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Eine sehr gelungene Coming of age“-Serie ist übrigens „Druck“, die deutsche Adaption der norwegischen Serie Skam. Die Darsteller, Dialoge und Themen von jungen Leuten sind sehr authentisch. Kann man auf Youtube sehen, es gibt mehrere staffeln, wo jeweils jemand anderes aus der Gruppe Protagonist ist. Es geht um die Zeit rund ums Abitur, selbstfindung, sexuelle Identität und Coming out, Mobbing, Feind und Freundschaften, Beziehungen, Religion, psychische Probleme usw. Bei den späteren staffeln geht es dann um die jüngeren Geschwister der vorigen Abiturienten, aber die Geschichten bleiben zum Teil weiter verfluchten.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Druck_(Webserie)

Letzte Bearbeitung Vor 1 Monat von Tanzfledermaus
Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 1 Monat

„Druck“ hört sich auch interessant an. Erinnert mich sehr an „Skins“, die allerdings eine britische Serie ist, und ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Auch dort steht jede Staffel (oder war’s jede Folge?) ein neuer Protagonist der Clique im Mittelpunkt. Und in späteren Staffeln tauchen dann auch die jüngeren Geschwister auf. Ziemlich eindrücklich fand ich eine Folge die durchweg wie ein psychedelischer Trip aufgebaut war, an dessen Ende der Protagonist eine Art Selbstfindung erfahren hat. Sehr progressiv für eine „Jugendserie“.
Vielleicht ist die norwegische Serie ja bereits eine Adaption der britischen, oder umgekehrt, wer weiss!?

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Antwort an  Tanzfledermaus
Vor 1 Monat

Hier sind alle staffeln und folgen von „Druck“
https://www.zdf.de/funk/druck-11790

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Ganz genau, Erwachsenensein ist in Mythos ; )
Ich pflege gerne zu sagen: man wird mit dem Alter nicht zwingend reifer oder weiser oder besser, leider nur faltiger. Wir sind ja kein Käse!

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  Robert
Vor 30 Tagen

In meinen Augen ist “ erwachsen werden“ etwas was man nicht wirklich aufhalten kann. Letztendlich ist es ja das Leben selber was einen mit all seinen Geschehnissen „reifen“ lässt, einem auch die Unbeschwertheit ect. nimmt. Von daher würde ich persönlich so etwas auch nie von Alter abhängig machen wollen.
Ich glaube das einzige was man in der Hand hat ist, dass man sich nicht zusätzlich komplett vom Alltag auffressen lässt. Das Innere Kind in einem geht so schnell verloren, wenn man nicht aufpasst.

John Doe
John Doe(@arno-siess)
Antwort an  graveyardqueen
Vor 26 Tagen

Dann kann ich ja echt froh sein, als Mann auf die Welt gekommen zu sein. Denen wird ja immer nachgesagt, daß sie nie erwachsen werden würden. 😄

Spass beiseite, das was du geschrieben hast, kann ich so unterschreiben! Man muss gut aufpassen, nicht das zu verpassen, auf was es im Leben wirklich ankommt. Möglichst oft Dinge tun, die einen glücklich machen… 😊

graveyardqueen
graveyardqueen(@graveyardqueen)
Antwort an  John Doe
Vor 20 Tagen

Ach…ob Mann, ob Frau ist letztendlich doch eh völlig egal! Sagt man nicht auch, man ist so alt wie man sich fühlt?! 😁
Solange man in den Momenten reif ist, wo es darauf ankommt, ist doch alles gut…

Letzte Bearbeitung Vor 20 Tagen von graveyardqueen
Maren
Maren(@maren)
Vor 1 Monat

„Ich kann Südnorwegen nur von mir fernhalten, indem ich vollkommen schwarz und ernst werde „ Dieser Satz aus Jenny Hvals Roman „Gott hassen“ kam mir sofort in den Sinn, als ich den Artikel über „Dark Blossom“ las. In diesem Film ist es ein Provinznest in Dänemark, gegen dessen Normen Josephine, Jay und Nightmare sich behaupten, indem sie ihre innere Dunkelheit nach außen kehren, bei Jenny Hval ist es ein ähnliches Umfeld in Südnorwegen. Meine Neugierde war geweckt. Nach dem Kommentar von Tanzfledermaus dachte ich: „Ich werde wenigstens bis zur Kuhherde schauen.“ Diese Kuhherde steht für mich als Symbol für ein ländliches Idyll, dass denjenigen Wohlbehagen bietet, die sich anpassen und in diesem Mittelmaß einrichten. Dabei spielt es keine Rolle, wo sich dieses Idyll nun geografisch verorten lässt. Ich bin dann auch nach der Kuhherde dabei geblieben, weil mich fasziniert hat, wie verschiedene Jugendliche ihre Facette von Schwarz in einem Umfeld kultivieren, dass Jenny Hval angewidert als „weißen Haferschleim“ bezeichnet. Es wurde gesagt, dass „Dark Blossom“ für viele Zuschauer Anknüpfungspunkte bietet, aber meiner Meinung nach besonders für diejenigen, die sich weder im Handballverein noch in der christlichen Landjugend aufgehoben fühlen und mit Spinnen und Mehlmotten per du sind. Für sie ist das Auseinanderwachsen von Freundschaften noch schmerzhafter, da ihresgleichen schwerer zu finden sind.

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Maren
Vor 1 Monat

„Für sie ist das Auseinanderwachsen von Freundschaften noch schmerzhafter, da ihresgleichen schwerer zu finden sind.“

Wie recht du hast.
Leider wird es mit Ende dreißig/ Anfang vierzig, wenn langjährige Freundschaften enden und man sich einen neuen Zirkel aufbauen muss, auch nicht einfacher. Ganz im Gegenteil.

Caseyads
Caseyads(@luciacasey)
Antwort an  Robert
Vor 1 Monat

Leider wird es auch schwieriger mit Ende dreißig oder Anfang vierzig, wenn langjährige Freundschaften enden und man sich einen neuen Kreis aufbauen muss. Ganz im Gegensatz dazu.

Letzte Bearbeitung Vor 30 Tagen von Robert

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