Reingehört: The Prodigy – Invaders must Die

Ja, selbstverständlich weiß ich, dass das Album schon länger auf dem Markt ist. Ich bin nur eben etwas langsamer und außerdem gibt es gerade aktuell nochmals eine neue 2 CD + 1 DVD Special Box die mich nochmal daran erinnert hat meinen Senf zum Album niederzuschreiben. Das passt natürlich auch in die verlängerte Tour der Briten und zeigt wieder einmal, das die mit allen Marketingwassern gewaschen sind und den Hals nicht voll bekommen können.

Ich weiß jetzt gar nicht genau wann ich die ersten Berührungspunkte mit der Musik der ungewöhnlichen Briten hatte, ich glaube es war das Stück Out of Space, das im Winter 1992 meine Gehörgänge erreichte. Obwohl es musikalisch in eine deutlich andere Richtung strebte, als die sonst von mir bevorzugten Musikstile, bin ich den Engländern über all die Jahre immer treu geblieben und war fasziniert von dem Einfallsreichtum und den immer wieder neuen Richtungen in die sie sich entwickelten. Nachdem die ersten Alben noch recht ravige Klänge beheimateten, ist man einer kontinuierlichen härteren Gangart gefolgt. Spätestens mit dem Stück Firestarter vom Album The Fat of the Land läutete man eine andere Gangart ein.

Dem folgte nun auch der jüngste Streich, Invaders must Die. Kritiker bescherten dem Album durchwachsene Beurteilungen, denn die meisten hatten wohl etwas anderes erwartet. Aber das ist genau die Eigenschaft von The Prodigy, die ich schätzen gelernt habe. Tue das unerwartete und scheiße auf das was andere von Dir möchten. Nach einige Stücken, die schon vorab im Netz und den Medien verteilt wurden zündete man die komplette Bombe im Februar dieses Jahres. Nach anfänglichen Unkenrufen sind die Kritiken jetzt auch deutlich besser geworden, denn The Prodigy muss man einfach lieben lernen. Kurioserweise kenne ich viele Menschen aus der schwarzen- und Gothicszene, die eine Leidenschaft für die Band teilen, auch bei denen die dem Genre EBM eher abgeneigt sind. Hier kann man die Musik von The Prodigy aber auch nicht wirklich einordnen. Lange Rede, kurzer Sinn, jetzt wird auf Play gedrückt:

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Wie bei den anderen Prodigy Alben auch, gefallen mir persönlich auch dieses mal nicht alle Stücke. Der gleichnamige Titel Invaders must Die, mit dem das Album eröffnet wird, gefällt mir leider nicht so richtig. Omen macht seine Sache da schon deutlich besser, was sofort ins Ohr schlägt, sind die Retro-Synthie’s, die man von vielen älteren Stücken gewohnt ist. Das Stück ist unterbrochen von Gesangsteilen die jedesmal wieder im typischen Big-Beat Regen enden. Mit Thunder folgt dann eines meiner Favoriten. Großartige Bassline, verzerrte Gitarren gepaart mit einem recht einfachen Text und einer schönen gesampelten Melodie, die in den typischen Prodigyklängen harmonisch aufgeht. Herrlich. Colours geht das wieder etwas in eine neue Richtung und ist schneller und rauer eingespielt und erschließt sich nicht gleich dem Zuhörer. Die 8-bit-Sound Anleihen machen ihre Sache gut, können dem Stück aber nicht aus dem Durchschnitt empor helfen. Take me to the Hospital ist ein Kracher, als das Live auf dem Mera Luna 2009 zu hören war, trennte sich die Fan-Gemeinde in Spreu und Weizen. Ein sehr körperliches Gefühl, das für manche sicher im Krankenhaus geendet haben dürfte. Gleich dahinter schon wieder einer meiner Favoriten, Warrior’s Dance, das deutlich ruhiger beginnt und seinen Spannungsbogen so angenehm langsam spannt, bis es in einer Break-Beat Orgie seine Höhepunkte feiert. Erstklassig, spätestens hier hat sich das Album schon gelohnt. Run with the Wolves klingt zunächst etwas untypisch, leuchtet dann aber ein und erinnert mich etwas an das Vorgängeralbum. Gefällt mir nicht so, ebenso wie der überflüssige Reprise von Omen, den man prima als Teaser des eigentlich Songs laufen lassen kann. World’s on Fire ist irgendwie blöd, kann ich mich gar nicht anfreunden, auch das folgende Piranha ist nicht mein Geschmack. Der Schluss des Album heißt Stand up und ist eine Chill-Out-Hommage an das mehr als kraftvolle Album.

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beetFreeQ
beetFreeQ (@guest_4542)
Vor 13 Jahre

Also ich kann grad „Warrior’s Dance“ ja überhaupt nicht leiden, weil sie da mit dem typisch nöligen weiblichen 90s-Euro-Dance-Gesang den Retrobogen für mich eindeutig überspannt haben. Der Rest des Albums war ja aber dagegen total mein Fall. Aber die Geschmäcker gehen eben auseinander. Interessant ist nur immer wieder, wie viele Leute doch wirklich Prodigy hören, obwohl sie mit ähnlich gearteter Musik sonst nix anfangen können.

tobi
tobi (@guest_4563)
Vor 13 Jahre

hmm, bis auf oben genanntes „out of space“ und „firestarter“ kenn ich nicht wirklich groß was von prodigy, aber die zwei haben sie gut gemacht – auch wenn madness oder peter tosh „out of space“ für mich cooler spielen! jaja, alle klauen beim ska/reggae ;)

beetFreeQ
beetFreeQ (@guest_4564)
Vor 13 Jahre

@Robert: Stimmt!

@tobi: Peter Tosh und Madness haben’s aber wiederum auch nur gecovert! Das Original war „Chase the Devil“ von Max Romeo (Produziert von Lee Scratch Perry), aus dem auch das Sample bei „Out Of Space“ stammt.

tobi
tobi (@guest_4566)
Vor 13 Jahre

was meine aussage ja nicht ändert, ist max romeo ja nun auch eindeutig als rastakünstler in die ska/reggae-ecke einzuordnen.

aber danke für den hinweis beetfreeq, kannte bisher als älteste version die von peter tosh. wie sagte lenin: lernen, lernen, lernen.

beetFreeQ
beetFreeQ (@guest_4567)
Vor 13 Jahre

Ich wollte dich auch nicht widerlegen – nur ein paar Infos dazu packen ;)

Biste dir aber sicher, dass Peter Tosh es auch gesungen hat? Wenn ich danach bei Google suche, bekomme ich nur diverse nicht ganz legale Downloads und ein Youtube-Video, das aber falsch mit „Peter Tosh – Out Of Space“ betitelt ist, denn das ist die Version von Max Romeo.

tobi
tobi (@guest_4569)
Vor 13 Jahre

zu peter tosh kann ich dann nur sagen: böses internet, böses :)

und zu der madness version, das ist von der „dangermen s.1“, wo madness nur geiles aus alten skatagen covert – sehr geiles album!

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