Mode: Balenciaga und der typische Pikes-Walk

Nobelmarke Balenciaga hat vor ein paar Tagen seine neue Herbstkollektion 2024 vorgestellt, über deren Präsentation ich gestolpert bin, ja stolpern musste. Dies ist übrigens eine modetypischer Beitrag. Oberflächlich. Subjektiv. Trivial. Wer sich lieber tiefgründigen und gruftigen Gedanken hingeben möchte, ist mit vielen anderen Beiträge besser beraten.

Ich stolperte also, allerdings nur subjektiv, denn in den ersten Augenblicken des Videos fesselten mich natürlich die modischen Karikaturen auf zwei Beinen, die da durch die Gegend schlurften. Und da war dann auch der Knackpunkt. Ich habe den Gang der Models erkannt, den typischen „Pikes-Walk“. Ihr kennt das. Mit superflachen und übertrieben spitzen Schuhen geht man so ein bisschen wie auf Eiern, vor allem, wenn die Spitze nicht ein bisschen nach oben angewinkelt sind. Sonst bleibt man mit der wertvollen Spitze irgendwo hängen und ruiniert sich die Pikes auf ewig. Auf genau solchen spitzen Schuhen laufen die Models, jedenfalls die männlichen. Dabei weiß ich gar nicht, ob das Pikes sind, denn übertrieben lange Hosen – die irgendwann mal in den 90ern modern waren – verdecken die uneingeschränkte Sicht. Den weiblichen Models hat man noch ultrahohe Absätzen drunter geschraubt, mit denen man sowieso wie auf Eiern geht.

Balenciaga, die extrem teure Klamotten und Schuhe in beachtlich großen Stückzahlen unter die Leute bringen, ist ja bekannt dafür, „gegen den Strom zu schwimmen“ und gerade unter einigen angesagten Influencern mit reichlich Kohle ist die französische Marke sehr beliebt. Dass Gothic – oder überhaupt Subkulturen – auf den Laufstegen der Welt immer wieder aufgegriffen wird, ist kein Geheimnis und mit Sicherheit auch keine Neuigkeit.

Aber es macht einen Heidenspaß dabei zuzusehen, in welche grotesken Formen wir bekannte Stilelemente aus 40 Jahren Gothic-Geschichte wiederfinden. „Alles nur geklaut“ würden die Prinzen singen, während das Publikum auf dieser Modenschau suggeriert bekommt, es sei der letzte Schrei, der da an ihnen vorbeistolziert. Vielleicht ist es auch der letzte Schrei, ich schreie jedenfalls nur, wenn ich die Preise der Klamotten sehe. Ich habe nämlich nach den Pikes gesucht, nicht weil ich sie mir kaufen wollte, sondern weil ich wissen wollte, wie die im Ganzen aussehen. Hab sie leider nicht gefunden. Dafür Turnschuhe in Clownsgröße für über 1000€. Wenn man mal nicht mehr weiß, wohin mit seiner Kohle.

„Klauen“ scheint bei der Nobelmarke jedenfalls zur Normalität zu gehören, wenn man diesem Artikel über einer Berliner Fashion-Studentin glaubt. Kulturelle Aneignung, die dem Konzern auch vorgeworfen wurde, halte ich persönlich für Unsinn. Macht doch „Mode“ genau das aus. Das Aufgreifen kultureller oder auch subkultureller Bekleidungsstile, um sie auf Laufstegen als Fashion zu verkaufen. Wie auch immer.

Jetzt genießen wir diese absurde Fashion-Show, machen uns über die „Designs“ lustig und lästern über sehr dünne Models, die Kleidung auf ihren fast schon surrealen Körpern präsentieren und dabei möglichst böse, gleichgültig und unbeteiligt gucken. Übrigens, die Hüte waren garantiert mal Lampenschirme bei IKEA!

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Black Alice
Black Alice (@guest_65334)
Vor 5 Tagen

Ich wäre vorsichtig mit dem Wort „klauen“. Die Gothic Szene hat nämlich selber von anderswo geklaut und die Pikes sind keine Erfindung der Goth Szene, die gab es schon vorher. Die Punker hatten eine Modedesignerin die ihnen die eigene Mode gebracht hat. Das hatte die schwarze Szene nicht. Diese hat sich Versatzstücke aus allen Richtungen zusammen getragen. Jetzt anderen vorwerfen, sie würden von der Goth Szene abkupfern ist sehr verwegen.

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Vor 4 Tagen

Man muss sich bewusst machen, das grosse Modehäuser sich bei ihren Kollektionen NICHT am Massengeschmack orientieren. Deshalb gibt es auch immer mal wieder komplett absurdes zu sehen oder es werden Elemente aus Subkulturen aufgenommen.
Das finde ich ehrlich gesagt nicht schlimm, ganz im Gegenteil. Mode hat viele Einflüsse. Außerdem gibt es vermutlich nix was es noch nicht gab. Sich an alten Epochen, an vergangen Jahrzehnten und Trends etc. anzulehnen ist gängige Praxis. Man kann das Rad eben nicht komplett neu erfinden. Allerdings, es gibt durchaus kulturelle Aneignung in der Modewelt, das finde ich viel kritikwürdiger!
Im Gegensatz zum kulturellen Austausch, der sehr fruchtbar und wertvoll ist! Dieser ist aber wechselseitig, beide Parteien profitieren. Wenn Modehäuser, Stoffe, Muster, Symbole oder Schnitte von z.B. indigenen Kulturen kopieren, dann haben diese Menschen meist nix davon, wenn es ohne deren wissen und ohne offizielle Würdigung deren Kunst geschieht. Genauso wenn man aufwendige Stoffe produzieren/ besticken/ weben lässt, aber den Menschen für ihre Handwerkskunst kaum etwas zahlt. Das ist Ausbeutung. Oder wie im Artikel auch erwähnt, von Jungdesignern zu stehlen. Das gibts leider alles. Ebenso wie manch anderer Skandal. War nicht gerade Balenciaga wegen einer Werbekampagne in Verruf geraten? Trotzdem und trotz aller berechtigter Kritik an der Branche, finde ich Mode grundsätzlich wirklich spannend!

Black Alice
Black Alice (@guest_65338)
Antwort an  Norma Normal
Vor 4 Tagen

Naja, Mode ist auch eine Kunstform. Auf dem Laufsteg gibt man alles. Das ist etwas um aufzufallen und um aus sich heraus zu gehen. Das Alltagsgeschäft bilden solche Modeschauen nicht ab. Die Alltagsgeschäftsmodeschauen laufen außerhalb der Wahrnehmung der Presse, außer man hat einen großen Namen und alle sagen dann, schau, der macht sogar was für Normalbürger. Dass Alltagskleidung von den großen Modehäusern wie C&A und Konsorten teils von bekannten Designern stammt, bekommen die meisten gar nicht mit. Lagerfeld hat sich diesbezüglich mal in Szene gestellt.

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Robert
Vor 1 Tag

Ich rede nicht von mittlerweile weltweit verbreiteten Kleidungsstücken wie einem Kaftan, Mokassins, oder Baskenmützen.
Es gibt heute noch Produzenten von traditionellen Artefakten mit Alleinstellungsmekmalen, z.B. speziellen Mustern, die nur in einer kleinen Region verbreitet sind und dort von einer Handvoll Menschen in Manufakturen hergestellt werden. Das einfach zu kopieren, da gibt es keinen Unterschied zum Beispiel mit dem Jungdesigner. Man eignet sich geistiges oder kulturelles Eigentum an. Wenn man allerdings diese Manufakturen um eine Zusammenarbeit bittet, wäre das eine faire Alternative.

Letzte Bearbeitung Vor 1 Tag von Norma Normal
Black Alice
Black Alice (@guest_65343)
Antwort an  Norma Normal
Vor 1 Tag

Die Baskenmütze kann man raus nehmen. Die gab es schon seit Ur-Zeiten in ganz Südeuropa. Die hat auch verschiedene Namen, je nach Region. Die entstand wahrscheinlich vor über 400 Jahren in den Pyrenäen, ob von Franzosen oder Spaniern ist nicht mehr nachzuvollziehen. Sie wurde zum Wahrzeichen der Basken, aber gleichzeitig wurde sie auch in Süd-Frankreich und anderen Regionen getragen und hat sich auch in Italien und Griechenland sehr schnell verbreitet. Nicht alles ist kulturelle Aneignung. Vieles verbreitet sich einfach so, weil es praktisch ist. Das nennt man auch kulturellen Austausch. Und am Beispiel Baskenmütze ist dieser Austausch auch gut sichtbar.

Norma Normal
Norma Normal(@normanormal)
Antwort an  Black Alice
Vor 1 Tag

Nichts anderes habe auch ich gesagt! Das waren Beispiele für weit verbreitete Kleidungsstücke ; )

Elena
Elena(@metropolis)
Vor 4 Tagen

Ok, jetzt hat’s mich angefixt und ich musste die Schuhe finden. Ich bin zum Schluss gekommen, dass es die hier sein müssten. Marrokanische Hausschlappen, in denen man by Design auf das Fersenteil beim Tragen tritt? Würde jedenfalls den Schlurf-Schritt der Models erklären. Und so gerne ich mir durch das Eintauchen in die Designwelt von Balenciaga jetzt die Hornhaut mit Seife polieren möchte, beruhigt mich die Erkenntnis etwas, dass dieses Label nicht weiter weg von authentischen Gruft-Looks sein könnte. Inspiration klar, die findet man überall.

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