Spontis Wochenschau #4/2011

Eine turbulente Woche. Jedenfalls in Webkultureller Hinsicht. Da werden Schlammschlachten geschlagen, Datenschutzdebatten losgetreten und in Ägypten schaltet man das Internet ab. Einfach so.  Es fällt mit schwer die Balance zwischen den Art der Meldungen zu bewahren, einige Meldungen und Geschichte habe mich sehr bewegt, während mich andere erheiterten. Ist es legitim sich nach der Geschichte von Julie über ein anderes Video zu amüsieren? Verlieren wir in der Flut der Informationen das Gefühl für richtig und falsch? Ich glaube ich bin heute etwas in düsterer Grundstimmung, ertrage auch gerade keine fröhliche Musik. Stundendepression nenne ich das mal. Kein Grund zur Panik, aber ich sehe mich außer Stande eine wertende Einleitung zu Erhaltung der Balance zu schreiben. Daher überlasse ich euch die Wertung, ich weiß ich kann mich auf euch verlassen.

  • The Julie Project | via Nerdcore
    The Julie ProjectI first met Julie on February 28, 1993. Julie, 18, stood in the lobby of the Ambassador Hotel, barefoot, pants unzipped, and an 8 day-old infant in her arms. She livedin San Francisco’s SRO district, a neighborhood of soup kitchens and cheap rooms. Her room was piled with clothes, overfull ashtrays and trash. She lived with Jack, father of her first baby Rachael, and who had given her AIDS. She left him months later to stop using drugs.“ Fotografin Darcy Padilla traf die Drogensüchtige Julie 1993 und begleitete 18 Jahre ihr Leben. Ungeschönte Wahrheit einer Junkie-Karriere, harte unbarmherzige Bilder. Man möchte wegschauen, sich umdrehen, Abstand nehmen, viel zu absurd und grotesk scheinen die Aufnahmen. Doch sie zeigen die tagtägliche Wahrheit. Christiane F. lebt immer noch, Julie starb im September 2010. Hoffnung oder Mitleid?  Die letzten Zeile die Darcy Padilla der verstorbenen widmete:
    Could not make a decision to save my life. Can not decide what time or day to come back to see you. I am numb. Julie, not sure how you and I got here. I remember the first day I saw you, took your picture, and talked. You were so young, a new mom, who I want to get to know, document. Eighteen years later, I am watching you leave this world… suffering… trembling… and scared. I thank you… for your story, for your friendship and for letting me into your life. Not at all what I thought of 18 years ago. I will not let you down. I will tell your story. And find your children. Please, leave this world knowing that…
  • Neonazis im Web 2.0: Erscheinungsformen und Gegenstrategien | Netzpolitik
    Es muss ja nicht immer Polemik sein. „Neonazis im Web 2.0: Gegenstrategien – Argumente für die Auseinandersetzung mit Neonazis im Web 2.0 – Ideen gegen Neonazis von der Meldung bis zur Aktion – Was Betreiber gegen Neonazis im Web 2.0 tun können.“ Die vollständige Broschüre kann im Netz als PDF gelesen werden. Ein erster Ansatz ernsthafter Arbeit gegen die Braune Brut.
  • Razorlight to Headline German Goth Fest | The Quietus
    „German Goth Fest“ – schöner Name für das WGT 2011.  „George Formby-inspired Television covers band, Razorlight have just announced that they are playing Wave-Gotik-Treffen in 2011. The ‚Wave Gothic Meeting‘ is a 25,000 capacity, four-day festival in Leipzig, Germany, provides a much needed social support network for men who like to dress as cowboys and discuss elves in public.“ Den letzten Satz bitte auf der Zunge zergehen lassen: …Männer die sich wie Cowboys kleiden und über Elfen in der Öffentlichkeit diskutieren.
  • Wie die Print-Lobby Kinder indoktriniert | Stefan Niggemeier
    Die bösen Blogger überschwemmen das Netz mit ungeprüften Informationen die den Sachverhalt nicht wiedergeben. Und Bernd möchte ich auch nicht heißen. „Die Bayerische Staatskanzlei hat im Herbst mit einem Pilotprojekt begonnen, das Grundschülern Medienkompetenz beibringen soll: Sie machen einen “Medienführerschein”, den sie in Form einer Urkunde ausgehändigt bekommen. In der Unterrichtseinheit “Schau genau hin!” für die dritte und vierte Klasse sollen die Kinder lernen, Nachrichtenwege zu erkennen und zu bewerten.
  • Die Milch macht’s | Opus Mentis
    Ich liebe die Natur, deshalb esse ich nur noch Tofu« Ja klar. Schon mal ein Sojafeld in Asien gesehen. Tausende Hektar Monokultur. Kollabierter Mutterboden, der nur noch durch chemische Schmerzmittel vor dem völligen Kollaps bewahrt wird. Jegliches Leben, das sich dahin verirrt krepiert im Kontaminationsdunst.“ Ein Mann und sein verbaler Kampf gegen die Windmühlen einer fadenscheinigen Industrie.
  • Verbannte Filme: Die Rückkehr der zensierten Elf | einestages
    Sie lieben nichts als Glücksspiel, Jazz und Wassermelonen: In vielen Cartoons der dreißiger und vierziger Jahre gingen die Witze auf Kosten von Schwarzen. Als Bürgerrechtler protestierten, wollte Trickfilm-Gigant Warner die rassistischen Filme verschwinden lassen – und erreichte genau das Gegenteil.“ Rassismus im goldenen Zeitalter des Trickfilms. „Der Woody-Woodpecker-Erfinder Walter Lantz etwa erhielt 1942 noch eine Oscar-Nominierung für seinen Musikcartoon „Boogie Woogie Bugle Boy Of Company B“. Der Film handelt von einem schwarzen Jazz-Trompeter, der mit seinem Instrument und dem Boogie die Begeisterung in eine schwarze Truppe brachte. Doch drei Jahre später verkündete der Trickfilmmacher auf der Titelseite des „Motion Picture Herald“, er werde in seinen Cartoons nur noch Tiere auftreten lassen, weil ihn bei Cartoons mit Menschen „verschiedene Patrioten, Propagandisten, Interessenverbände und Experten für nationale und internationale Beziehungen“ mit ihren Ratschlägen und Forderungen zu sehr unter Druck setzen würden.
  • Niemals Gewalt | KFMW

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Schatten
Schatten (@guest_12642)
Vor 10 Jahre

Also zu dem Teil „Killt das Internet die Subkulturen“ hab ich direkt mal meinen Senf abgegeben.
Bei dem Titel Gothic-Fest muss ich wieder an Unheilig, die Schwarz-Schlagerband denken. *Jetzt gerade ruft in meinen Gedanken ein in schwarzgehüllter Florian Silbereisen: „Ja, liebe Leut‘, seit’s willkommen zum Gothic-Fest der Volksmusik!“* <- böses Kopfkino
Diese Volkswagen-Werbung ist ja momentan auch überall zu finden. :D

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

Ja, lieber Robert, man darf nach dem Video über Julie, das Betroffenheit hervorruft, noch laut über den kleinen Darth Vader lachen. Man darf auch nach dem Video über Gewalt gegen Kinder, das Wut hervorruft, noch lachen. Die Welt ist nicht nur schwarz und nicht nur weiß – sie ist schwarz und weiß – oder wahlweise grau. Der Wochenrückblick ist also ein guter Querschnitt. Um nicht zu pathetisch zu werden:
I’m very disgruntled now
Now, I want a way out, now
I have to find a way
I have to find some way out
Free your mind and your ass will follow
The kingdom of heaven is within

Nicht sehr Gothic, aber wie gewünscht auch nicht fröhlich:

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Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

Es ist ein interessanter Stimmungsumbruch, wenn man nach dem »Julie Project« und »Niemals Gewalt« den VW-Werbespot sieht. Deshalb möchte ich auch mit diesem beginnen. Zumal ich großer Fan von Star Wars bin. Zumindest was die ersten drei Filme, Teil IV-VI, betrifft.

Wann immer mir solche Werbefilmchen unterkommen, und dieser ist wirklich niedlich und amüsant zugleich, stellt sich mir eine Frage. Warum denn nicht immer so? Warum langweilen noch so viele Firme im Eifer der Seriosität mit ihren platten Attitüden. Humor und Pointierung ist ein wirkungsvolleres Mittel um Produkt- bzw. Markensympathie zu wecken, als das schnöde Prahlen mit den tollen Tollheiten des Produktes. Imgrunde glaubt das sowieso kaum noch jemand.
Doch womöglich ist es hierbei wie bei allen Dingen. Das Spiel von Licht und Schatten. Es muss demnach altbackene wie biedere Werbung geben, um sich an der humorvollen oder gar selbstironischen erfreuen zu können.

[…]Es fällt mit schwer die Balance zwischen den Art der Meldungen zu bewahren, einige Meldungen und Geschichte habe mich sehr bewegt, während mich andere erheiterten. Ist es legitim sich nach der Geschichte von Julie über ein anderes Video zu amüsieren?[…]

Die heutige Medienlandschaft ist eine Landschaft der extreme. Es ist auch kein Acker mehr, auf dem unsere Information erblüht, sondern eine achtspurige Autobahn, auf der die Informationen in Hochgeschwindigkeit an uns vorbeirasen. Teils wird zu intimes offenbart, teils wird wesentliches manipuliert.

Je höher die Geschwindigkeit und Masse an Informationen, desto kürzer ist die Halbwertszeit unserer darauf folgenden Emotionen. Von der Erinnerung einmal abgesehen.
Ich zog daraus meine Konsequenzen und verwehre mich seit Jahren den Medien. Fernsehen, Radio, Zeitung, Internetnachrichten werden von mir gleichberechtigt ignoriert.
Das wichtige wird schon an einen herangetragen wurden und wird dann bewusst recherchiert. Nur gelegentlich überfliege ich die Startseite meines Email-Anbieters, aber das dort dargebotene bestätigt nur meine Abstinenz.

Es ist legitim sich als sympathisch zu erweisen und mit dem Leid anderer mitzufühlen. Demnach muss es aber auch legitim sein, für sich selbst wieder aufbauende Momente im Leben zu finden. Alles andere wäre Selbstbetrug.
Und vor allem scheinheilig. Denn trotz der Informationsflut stellt das, was wir im Moment erfassen, nur einen winzigen Ausschnitt dar. Wir werden auf ein Ereignis gelenkt und sind betroffen.
Aber womit verdiente eben dieses Ereignis pauschale, wenn nicht sogar globale Betroffenheit und ein anderes nicht.
Während ich durch die Fotografien des Projektes blätterte, starben mindestens ebensoviele an drogenkonsumbedienten AIDS, wie dort Fotos enthalten waren. Ist man darüber betroffen. Nein. Wenn, dann nur kurz und fragmental. Bis man es wieder vergisst. Da diese Betroffenheit anonym blieb. Keine Namen, keine Gesichter, keine Fotos. Nicht einmal Schattenbilder.

Davon einmal abgesehen…aus der künstlerischen Sicht betrachtet sind diese Fotos wirklich verdammt gut gemacht. Die Kunst als Mittel zur Dokumentation. Im Dienste des Elendvoyeurismus? Oder war das Motiv doch nur Mittel für die Fotokunst. Beides wäre legitim und nicht minder unmoralisch. Je nach Standpunkt.

Elend und Leid sind allgegenwärtig. Vieles davon entstand durch Freiwilligkeit, vieles aus Zwang oder aus dem unvorhersehenden Resultat der plötzlich aus dem Ruder laufenden Ereignisse.
Verderb und Freude existiert parallel, immer. Egal ob wahrgenommen oder nicht.
Somit sollte es bei Informationen kein Gefühl für richtig oder falsch geben. Zumindest was die Art des Umganges damit anbelangt. Jedes Gefühl ist entweder bewusst provoziert worden oder von einem ehrlich gemeint.
Somit ist jedes Gefühl für den Moment kategorisch richtig. Theoretisch zumindest. Ist von mir ja auch nur eine spontane Theorie.

Post scriptum: Als Teilzeitveganer und Vollzeitvegetarier interessierte mich natürlich der Milchartikel. Aber irgendwie mag ich den Typ nicht. Zu polemisch und stellenweise zu unflätige Ausdrucksformen…

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

 Guldhan
Ich mag den Typ mit dem Milchartikel. Aber ich glaube, er hört ziemlich seltsame Musik ;-)

Gefühle sind weder gut noch schlecht, richtig oder falsch. Sie sind einfach nur vorhanden. Zeitung und Radio finde ich wichtig, denn „Kopf in den Sand stecken“ ist keine Lösung. You’re responsible! Nein, kein englischer Ausspruch, um dich zu ärgern. Nur der Titel des dir sicher bekannten Pitchfork-Songs. Ich möchte wissen, was los ist und ich möchte verändern, wenn ich verändern kann – nur im Kleinen, das ist logisch. Dafür muss ich informiert sein. Die Kunst und das Nervige ist es natürlich, die unwichtigen von den wichtigen Informationen zu trennen. Aber die Mühe mache ich mir gerne.

Man sollte sich bloß nicht das Leid der Welt auf die Schultern legen. Das kann niemand (er)tragen.

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

zu orphi:

[…]Aber ich glaube, er hört ziemlich seltsame Musik ;-)[…]

Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Irgendwo muss es ja herkommen.

…you’re responsible
understand that…understand that

Ich gebe zu, dass das ebenso Trotz ist und auch ein »Kopf in den Sand stecken« Aber gerade beim Fernsehen war es notwendig, sonst wäre mir irgendwann der Sand aus den Ohren gerieselt.

Sicherlich hat man eine Verantwortung für die Informationsgewinnung. Aber wie du einmal selber sagtest: Ägypten schreibt soeben Geschichte und der staatliche Medienverantwortliche schlechthin erachtet Übertragungen vom Musikantenstadl als wertvoller. Oder ich muss im Netz zeitgleich meinen Blick über einen popelnden Justin Bieber gleiten lassen bzw. hochdramatische Verluste von Facebook-Freunden bei der Scheinprominenz wahrnehmen.

Was ist Information und vor allem wie ist Information. Wer kann mir garantieren, dass alles wichtige auch zu finden ist. Sei es gesagt oder gedruckt. Wer kann deren Unvoreingenommenheit und deren Grauton garantieren. Im Grunde niemand.
Ich habe das Gefühl, dass sich Medien auf alles stürzen, was medienwirksam ist. Der Rest dient nur dem Moment und verschwindet oder taucht erst gar nicht auf, wenn man nicht explizit danach sucht. Information wird reglementiert; von denen, die es können und am wenigsten sollten.
Beste Beispiel wäre WikiLeaks. Im Grunde ein Nachrichtenforum, dass alles gleich behandelte. Es sich zum Wohle der Information mit allen verscherzte. Das war eine nette Art des Journalismus. Aber da es die Pflicht zur Nachrichtenfilterung nicht beachtete, wurde es gleich mit dem Argument der nationalen Sicherheit mundtot geschlagen.
Ich persönlich traue keinen Medien, die einen Politikapparat ohne weiteres passieren können. Einen Apparat, der mit allen Mittel das Volk davon abhält, die Leichen im Keller zählen zu können. Denn diese Medien sind immer nur aus dem Kalkül heraus entstanden.
Das treibe ich zwar jetzt nicht in den paranoiden oder verschwörungstheoretischen Sektor. Aber vieles in der Welt wird aufgeblasen, um anderes zu verharmlosen. Und ich bin dahingehend Skeptiker und denke mir: »Macht doch euer Zeug alleine. Macht doch was ihr wollt. Euch hält sowieso nichts ab.« Davon mal abgesehen, was man erfahren will, das erfährt man auch. Und wenn man eben durch rückwirkende Interesse die Zeitung von Vorgestern aufschlägt.

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

Deswegen ist es wichtig, sich die Nachrichtenkanäle sorgsam auszuwählen. Einen Fernseher habe ich ja auch nicht. Aber der Mix aus Info-Radio (WDR5, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur – ohne Werbung!), Infos aus Zeitungen (Querbeet), Dokumentationen (gibt auch gute im Internet) und Webseiten von engagierten Menschen und Organisationen führt dazu, dass man sich ein eigenes Bild machen kann. Dass man dadurch automatisch das Neueste aus dem Dschungel erfährt und weiß, mit wem welcher Star gerade Kinder zeugt, ist nervig. Aber wie gesagt. Es ist wichtig, informiert zu sein und aktiv zu werden. „Scheiß egal, ihr macht ja doch, was ihr wollt“ ist Resignation. Resignation führt dazu, dass „die“ in Ruhe agieren können. Resignation ist nicht gut. Understand that! ;-)

shan_dark
shan_dark (@guest_12664)
Vor 10 Jahre

Wie bitte??? „Män­ner die sich wie Cow­boys klei­den und über Elfen in der Öffent­lich­keit diskutieren.“ …die haben wahrscheinlich nur dusselige Berichte bislang über das WGT gesehen. Genau die TV-Berichte, die so Typen featuren, bei denen man gleich sieht „Aha, für die ist das WGT ein Fasching.“ Ich erinnere mich da an ein Pärchen, was „jedes Jahr als was anderes“ zum WGT geht. Damals im TV-Bericht gingen sie als Römer. Ja, ätz, sowas gibt es auch. Aber es ist nicht die Masse. Schlimm ist nur, dass die Medien solche Menschen immer am liebsten fotografieren oder interviewen. Keine Ahnung warum.

Das Volkswagen-Commercial ist ganz allerliebst und sogar für Nicht-Star-Wars-Kenner wie mich gut verständlich ;o). Wirklich klasse!

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

Zu orphi:

Ich informiere mich. Ich bin auch politisch interessiert. Nur eben anders. Ich ziehe meine Informationen nicht, oder besser gesagt, kaum aus aktuellen Medien. Ich vertraue dahingehend Quellen, welche die Informationen schon verarbeiteten und den Kontext daraus zogen. Kabarett beispielsweise oder die Plauderei mit dahingehend weit blickenden Menschen, die mein enges Feld der Ansichten übertreffen.
In meinem Weltbild dient Information nur einem, nämlich mir. Der Nutzen ist hermetisch abgeriegelt. Wirkung im Aktivismus zeigte sich mir in Deutschland zuletzt im November 1989. Und auch dabei war mehr »das Laufen der Ereignisse« als Wille vorhanden. Ich kann meine Meinung haben, aber aktiv werden. Wozu? Für den Sturm im Wasserglas, für das wohlige Gefühl der guten Tat. Für die Veränderung sicherlich nicht. Zumindest nicht in meiner Welt. Nicht mehr.
Ich kann noch 30 Jahre gegen rechte Dummheit demonstrieren. Davon werden diese nicht weniger. Ich kann ebenso lange gegen linksradikale Anarchie antreten, gegen Umweltschändung, Kapitalismus, Fußpilz und Rotweinflecke. Wen interessiert das. Wer kümmert sich darum. Doch nur die, die Mitdemonstrieren. Und dann stürmt man allerhöchstens in Hütten. Weil sich keine in die Paläste traut. Man könnte sich dort ja verlaufen oder am harten Marmor anecken.
Ich wähle die vernünftigeren Gestalten und was bekommt man. Die Witzfiguren von CDU und FDP. Diese Amerikazäpfchen und Lobbyisten, die nicht einmal wissen, wie man Mittelstand und soziale Gerechtigkeit überhaupt buchstabiert.

Wie sehr sich der Staat von der Aktivität der Bürger beeindrucken lässt, demonstrierte er ja eindrucksvoll bei Stuttgart 21. Ohne jetzt für irgendeine Seite Partei ergreifen zu wollen. Wie sehr er an meiner Meinung interessiert erkenne ich an den dutzenden Aufrufen zum Volksentscheid, der wöchentlich im Briefkasten landet. Man wird bei der Wahl umgarnt, dann ist man nur noch Ballast, der am Regieren hindert. Um das zu erahnen, brauche ich keine Nachrichten. Diese Meinung besitze ich auch so.

Wie sehr die allgemeinen Medien für das Volk agieren sehe ich. Ich kenne mich nun mehr mit dem Schicksal von Kachelmann oder dem des schielenden Opossums aus, als das ich weiß, wer nun bei der Loveparade wirklich Mist baute und vor allem warum und wie genau.
Und egal, ob man selbst ausgesuchte sachliche Medien konsumiert. Man bleibt Pilger im gottlosen Land.
Nehmen wir Hartz-4. Man muss nur die Foren durchgrasen.
Ich weiß, dass das Problem nicht daran liegt, dass der arbeitsfaule Schmarotzer in seiner spätrömischen Dekadenz um die 360 Euro verschleudert. Jeden Monat. Ohne Sinn und Verstand damit in seinem Leben schwelg.
Das Problem ist, dass viele für gerade einmal 600 Euro mehr 8 Stunden am Tag buckeln müssen, in Nachtschicht oder Weckergeläut um 4:30Uhr.
Dass, polemisch gesprochen, jeder eingebildete Snob irgendeiner hochstudierten Branche in seine eigene Kasse einzahlt und nicht einfach jeder soviel Prozent für alle abgibt.
Das kann man sich natürlich anlesen oder bei Unterhaltungssendungen mit Verstand anhören. Aber ändert das etwas an der Meinung. Nein. Man darf sich weiterhin als Arbeitssuchender zu seiner eigenen Überflüssigkeit noch den Hass der Masse aufhalsen. Für den Job bekommen Politiker immerhin ein paar Euro mehr im Monat.

Nun gut. Es war jetzt nicht beabsichtigt, dass Thema so ausufern zu lassen. Ich wollte nur sagen: Ich lebe nicht in völliger Abschottung von Wissen und Reflexion dessen, was um mich herum geschied. Aber ich ziehe daraus keinen aktiven Tatendrang. Ist es Trotz, Resignation oder Wut. Keine Ahnung. Darüber dachte ich noch nicht nach.
Vielleicht will ich einfach nur sehen, wie der Karren endgültig gegen die Wand gefahren wird. Und mir dann unter anderem das blöde Gesicht des letzten FDP-Wählers oder Amerikaners anschauen, dessen hohles Weltbild damit zerbrach. Vielleicht habe ich mich auch zu sehr dem Allgemeinen und der Kunst verschrieben, um noch Interesse an solch kurzlebigen Dingen, wie die der Politik, zu haben. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir uns bzgl. dieser Ansichten wohl mörderisch unterscheiden werden. Liegt wohl doch an der seltsamen Musik. ;)

orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

 Guldhan
Ja, man rennt mit Protesten – welcher Art auch immer – überwiegend offene Türen ein. Dennoch hat die Vergangenheit gezeigt, dass durch das Engagement von einzelnen Menschen und Organisationen langsam – ganz langsam – ein Umdenken stattfindet. Das Volk hat mehr Macht als es meint, nutzt diese Macht aber nicht. Umweltschutz, Atomkraft, Ernährung sind drei Punkte, die mir einfallen.

Noch vor 20 Jahren haben mich die Leute angeschaut, als wäre ich nicht mehr Herr meiner Sinne, nur weil ich sagte, dass ich kein Fleisch esse. Heute steht sogar auf einigen Käsepackungen bei Aldi, ob tierisches oder mikrobielles Lab verwendet wurde. Ich will das auch nicht vertiefen und jeder denkende Mensch weiß, dass sich im Großen und Ganzen nichts an den Mustern und Strukturen ändern wird. Es ist nun einmal so, dass wir – jenseits der Machtstrukturen – nur eine kleine Stimme haben. Die will ich aber nutzen. Und zwar nicht, weil ich mich dann als Gutmensch fühlen kann sondern weil ich Teil einer Gesellschaft bin, aus dieser Gesellschaft nicht ausbrechen kann und deshalb versuchen muss, die Umstände (im Kleinen) zu ändern und andere Leute auf diese Umstände hinzuweisen.

Kurz zu Stuttgart: Für jedes Projekt liegen VOR der Genehmigung ÖFFENTLICH alle Pläne und Vorhaben aus. Bürger, Umweltorganisationen, Kritiker, Blablabla können sich VORHER gegen so ein Projekt aussprechen, Bürgerinitiativen starten, schützenswerte Käfer suchen und präsentieren, die Medien einschalten usw. Ein Projekt NACH der Genehmigung zu verhindern, führt einzig und allein dazu, dass es noch teurer wird. Aber ist ja immer so. Man wird erst aktiv, wenn es zu spät ist und startet dann schwachsinnige Aktionen.

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

Zu orphi:

[…]Kurz zu Stuttgart[…]

In der Tat. Deshalb ergreife ich zu dem Thema auch keine Partei. Beide Gruppen haben in einigen Punkten Recht und in anderen sollten sie lieber schweigen.
Aber es zeigt doch, dass der Interessenskonflikt zwischen Machtorgan und Volk sowie deren Ausübung der Interessen noch immer so besteht, wie es vor allzu vielen Generationen schon der Fall gewesen war. Trotz Weiterentwicklung der gesellschaftlichen und demokratischen Strukturen wurde nichts dazugelernt. Aber das nur am Rande.

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