Filmklassiker „Fight Club“ in China wieder mit apokalyptischem Finale

Der 1999 erschienene Film „Fight Club“, ist eine der spannendsten Abrechnungen mit unserer Konsumgesellschaft, bei der die Hauptfigur am Ende eine Reihe von Wolkenkratzern in die Luft sprengt, um damit den Zusammenbruch der modernen Zivilisation zur erzwingen. In China wurde der Film beim dortigen Streaming-Monopolisten Tencent plötzlich mit einem alternativen Ende ausgestrahlt. Jetzt hat man seine Entscheidung allerdings überdacht.

Als der Psychothriller, der auf dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk basiert, 1999 in die Kinos kommt, endet er legendär apokalyptisch. Während der Song der Pixies „Where Is My Mind?“ im Hintergrund läuft, explodiert eine ganze Skyline als Abschluss eines anarchischen Plans. Die Zentralen aller Kreditkartenunternehmen werden gesprengt, um das Finanzwesen kollabieren zu lassen und so jedem Menschen die Chance zu geben, bei Null anzufangen. Die namentlich nicht erwähnte Hauptfigur und Erzähler des Films (Edward Norton) hat sich zuvor von seinem Alter Ego Tyler Durden (Brad Pitt) unsanft getrennt, als der in letzter Minute versucht, die Umsetzung von „Projekt Chaos“ zu vereiteln. Ein denkwürdiges Finale.

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In der neuen chinesischen Fassung endet der Film, bevor die Skyline explodiert. Anstatt dessen wird ein Text eingeblendet, der erklärt, dass es den Behörden gelungen sei, die Pläne der Hauptfigur zu durchkreuzen: „Die Polizei kam dem Plan schnell auf die Spur und verhaftete alle Kriminellen, womit sie es schaffte, die Explosion zu verhindern. Nachdem ihm der Prozess gemacht wurde, schickte man Tyler in die Psychiatrie, um behandelt zu werden. Er wurde 2012 aus dem Krankenhaus entlassen.

Bei den chinesischen Zuschauern sorgte dieses Fassung allerdings für große Empörung, weil man dort das mittlerweile 23 Jahre alte Original ganz anders in Erinnerung hat, auch wenn es sich vorher um Raubkopien gehandelt haben dürfte, denn die einschlägigen Streaming-Dienste wie Netflix oder auch Youtube sind in China gesperrt.

Allerdings ist es üblich, Filme für den chinesischen Markt zu zensieren oder in eine alternativen Fassung zu präsentieren. Hollywood kann es sich nicht leisten, auf den bevölkerungsreichen chinesischen Markt zu verzichten und zensiert Inhalte im Vorfeld, damit diese dort gezeigt werden zu können.

Autor Chuck Palahniuk findet chinesische Version nicht so schlimm

Die Romanvorlage von Chuck Palahniuk sieht allerdings auch ein anderes Ende für die Geschichte vor. Wegen eines Fehlers explodieren die Bomben nicht. Der Erzähler erschießt sich daraufhin selbst, erwacht aber wieder im Krankenhaus, wo man ihm vorgaukelt, dass sein Plan fortgesetzt wurde.

Daher zeigte sich der Autor ein wenig überrascht von der eigenmächtigen Änderungen der chinesischen Regierung, konnte dem aber dennoch etwas abgewinnen: „Palahniuk hat gemischte Gefühle gegenüber der Neuerung. Eines gefällt ihm daran: Die neue Version ähnele seinem Roman mehr, als das Ende der Filmversion von Regisseur David Fincher. „Das Ironische dabei ist, dass die Chinesen das Ende fast genau an den Schluss des Buches angepasst haben, im Gegensatz zu Finchers Finale, das dafür visuell spektakulärer war“, so der Autor. „In gewisser Weise haben die Chinesen den Film ein wenig zurück zum Roman gebracht“.

China rudert zurück – Fight wieder mit Original-Ende

Nur eine verschwindend geringe Anzahl von Filmen schaffen es in China an den Zensurbehörden vorbei auf die Leinwand. Selten in ihrer Original-Fassung, ein abgeändertes Ende war dann trotzdem einzigartig und doppelt kurios, dass man jetzt wieder das Original-Ende zeigt. Nachdem sich Chinesische Nutzer über die merkwürdige Zensur am Ende des Films massenhaft echauffiert haben, zeigt Tencent jetzt wieder das Original-Ende. Dabei kommentieren sie weder die Zensur noch die Rücknahme derselbigen. Ob man in Zeiten von Olympia nicht als „Land der Zensur“ gelten möchte?

Übrigens: Wer daran zweifelt, dass „Fight Club“ ein zutiefst gruftiges Meisterwerk ist (oder war), sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Film bei Netflix oder Amazon Prime kostenlos (und ungeschnitten) zu streamen.

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Red
Red (@guest_60871)
Vor 4 Monate

Ich liebe diesen Film so sehr. Meine uralte DVD läuft auch heute noch regelmäßig, ich kriege NIE genug von Fight Club.

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