Spontis Wochenschau

Wochenschau #1/2018 – Wie Zuckerberg und seine Töchter die Wochenschau wieder wichtig machen

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Nachdem Spontis nun endlich einen neuen Anstrich bekommen hat, wird auch kräftig im Hintergrund umstrukturiert und aktualisiert. Keiner der 1329 Artikel, die hier zu finden sind, bleibt unangetastet. Warum? Es wurde in den letzten 10 Jahren – ja, ihr habt richtig gehört, Spontis wird im September 2018 eine Dekade alt – unfassbar gehaltvoll diskutiert und kommentiert. Für mich ein spektakuläres Nachschlagewerk des gruftigen Lebensgefühls. Zwischen den Zeilen versteht sich. Und trotz der viel beschworenen Unterschiedlichkeit innerhalb der Szene, lassen sich so einige und vor allem eigene Schlüsse auf den Mythos „Gothic-Szene“ ziehen. Das wollen wir erhalten und zu einer lebendigen Bibliothek wandeln, deren Wissen nicht in Monologen auf die Leser herunterprasselt, sondern in seitenlangen Diskussionen erfahren werden kann. Mehr dazu gibt es bald in einem anderen Beitrag. Die Wochenschau hat sich indes zu einer unverzichtbaren Linkschleuder gewandelt, die gerade die anspricht, die keinen täglichen Facebook-Stream an relevanten Nachrichten verfolgen oder aufrufen können. Sowieso wird sich ja beim blauen Riesen einiges ändern, das hat Zuckerberg seinen Töchtern versprochen „Es ist mir wichtig, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, für die Welt gut war.“ Und so will er Medien, Firmen und Werbekunden weniger Platz einräumen um Facebook wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen und nicht zu einer Dauerwerbesendung. Wir bleiben gespannt, was davon übrig bleibt. Spontis versorgt euch auch weiterhin mit interessanten Nachrichten und Geschichten, völlig frei von Fremdsteuerung, Algorithmen oder Meinungshygiene, vielleicht in Zukunft auch mit einem guten alten Newsletter. 

Für seine Töchter ändert er Facebook | Stuttgarter Nachrichten
Wir bleiben gespannt, ob das klappt. Künstliche Verknappung kann ja auch ein Instrument zur Absatzsteigerung sein, aber manchmal glauben wir einfach an das Gute im Menschen. Jedenfalls immer dann, wenn es uns nützt. Und so könnte die Wochenschau wieder wichtiger werden, weil uns Facebook noch weniger von den Dingen zeigt, die wir sowieso schon kennen. Die Wochenschau bleibt unangepasst, fremdartig, skurril und manchmal auch ungruftig. Ganz so, wie wir es uns noch nicht wünschen, aber brauchen könnten. 

Schwarze Szene, Bunte Praktiken | Universität Freiburg
Kulturanthropologe Markus Tauschek will auf deutschen Musikfestivals die Prinzipien der Gothic-Kultur beobachten und die Regeln und Ordnung offenlegen, die zwar nirgendwo niedergeschrieben stehen, aber seiner Meinung nach existieren. Bei einem Konzertbesuch auf dem WGT beobachtet er: „Die Menge drängt näher heran, darunter Martin und Philipp, die es bis in die erste Reihe geschafft haben. Martin schließt die Augen. Er lässt sich von Lewis’ hypnotischer Stimme treiben, stampft, wie die Sängerin es vormacht, mit seinen Stiefeln auf den Boden und wirbelt seinen Oberkörper im Halbkreis herum. Bis ein Mann an Martin herantritt und ihn mit dem Ellenbogen anstößt […] Das
Anrempeln, das dem Forscher zunächst als rüpelhaftes Verhalten eines Betrunkenen erschien, entpuppte sich im Gespräch mit Martin nach dem Konzert als nonverbales Zeichen: „Am Anfang durfte in der Gothic-Szene nicht getanzt werden. Man stand bei Konzerten einfach still da, als Protest gegen die Mainstream-Kultur, in der Tanzen zum Musikerlebnis gehört“, erklärt Tauschek.“ Das Forschungsprojekt läuft noch bis 2020, wir dürfen gespannt sein. Mehr zum Forschungsprojekt findet ihr im Forschungsmagazin „uni’wissen“, das auf der Seite der Universität zum Download angeboten wird.

Goths answer all your ignorant questions about being goth | The Overtake
Ich frage mich, warum man den „anderen“ immer so merkwürdige Fragen stellt und warum wir auch noch Rede und Antwort stehen. „FIRST THINGS FIRST: WHY DO YOU LOVE BLACK SO MUCH? Kat: I don’t really understand why people don’t love black! Black is slimming, sexy, edgy and… well a little bit dangerous. You see it all the time on Netflix: all the best dressed characters on all your favourite shows have “gone to the darkside”. Why save all the fun for one night of the year (Halloween) life’s too fucking short.“ Wie wäre es mal anders herum? Warum tragen sie eine atmungsaktive, Polarkreis-Erprobte und wasserdichte Regenjacke an einem sonnigen Tag in der Innenstadt? Warum tragen sie in Sandalen Strümpfe, obwohl die Sandalen ja eigentlich Luft an ihre Füße lassen sollten?

Die Brücke der Ausweglosen | Intro
Des Lebens überdrüssig? Mitnichten. Den Druck einer Industriegesellschaft, in der das Funktionieren eines der wichtigsten Dinge ist, kompensieren die Schwachen eben in der einzigen Befreiung, die ihnen sinnvoll erscheint. Dem Tod. „Südkorea ist das Land mit der zweithöchsten Suizidrate der Welt. Allein von der Mapo-Brücke in der Hauptstadt Seoul stürzen sich fast jedes Jahr bis zu hundert Menschen in den Tod. Für Christopher Lofland, der eine Organisation gegründet hat, um den selbstmordgefährdeten Menschen zu helfen, und Yu Tae-gang wurde diese Brücke zu einer besonderen Begegnung irgendwo zwischen dem Wunsch zu leben und zu sterben. Christian Schlodder war vor Ort.

Die LINKE fordert Veranstaltungssicherheit für das Wave-Gotik-Treffen | LVZ
Bis 2030? Dann gehe ich schon stramm auf die 60 zu. Mein Goth. Und dann immer noch nach Leipzig zu fahren, wäre ein Traum. „Die Faktion DIE LINKE im Stadtrat fordert Planungssicherheit für das Wave-Gotic-Treffen und Messeveranstaltungen auf dem Agra-Gelände in Leipzig bis 2030. Wie Siegfried Schlegel, Fraktionssprecher für Stadtentwicklung und Bau, mitteilte, wurde 2015 ein Antrag beschlossen, der die Erarbeitung eines Strategie- und Nutzungskonzeptes vorsah. Das Konzept sollte ursprünglich im zweiten Quartal 2016 vorliegen, bis jetzt gäbe es aber nur eine Informationsvorlage, so die Fraktion in einer Meldung am Montag.

100 Fiberglass and Resin Skulls Fill a Room at the National Gallery of Victoria in Melbourne | Colossal
Ein riesiger Raum voller riesiger Totenschädel. Künstler Ron Mueck hat mit 100 Totenköpfen sein bisher größte Arbeit abgeliefert: „The individual forms are created from fiberglass and resin, and when stood upright, rise to approximately three feet tall. In some areas of the installation piles reach five skulls in height, while in others visitors can approach individual works resting on the gallery’s floor. Placed amongst gilded paintings the works offer a somber reality, a morose peek into what physically relates each of us.

Viv Albertine: Unerbittlich unfickbar | Rollings Stone / Stern
Als in den späten 70ern der Punk ausbricht, sprechen alle von der musikalischen Revolution. Alles sei möglich. Talentfrei und völlig hemmungslos zur Spitze der Charts. Das galt allerdings nicht für die weiblichen Bands, wie beispielsweise „The Slits“. Viv Albertine, Gittaristin der Band erzählt im aktuellen Rolling Stone von ihren Erfahrungen. Der Stern hilft uns beim nachlesen: „Gab es in den 70er- und 80er-Jahren Übergriffe durch mächtige Männer gegenüber den Slits? Nein, schreibt Viv Albertine gleich zu Beginn ihrer Erinnerungen. Die jungen Punk-Frauen waren kompromisslos, „ein vierköpfiges, dreadlockiges, fauchendes Frauenmonster“ und: „Unerbittlich unfickbar“. Doch das verhalf den Slits keineswegs zu Triumphen und Unabhängigkeit. Im Gegenteil: „Sie wussten, dass eine ‚Slit‘ nach körperlichen Zudringlichkeiten nicht den Mund halten würde“, erinnert sich Viv Albertine. „Statt uns zu ficken, wollten sie etwas anderes: uns ein für allemal fertigmachen.“

SubKultur Hannover: Freundliches Kleinod im früheren Kino | Gruftbote
Erinnert ihr Euch noch an den Artikel „Grufti-Fete 1993: Die unheimliche Kerstin feiert ihren 30. Geburtstag“ von Malte? Darin stellt er fest, das Kai Hawaii seine Tätigkeit als DJ und Konzertveranstalter eingestellt hätte. Hat er aber nicht, wie Kai nicht nur bei Facbook kommentierte, sondern auch wie der Gruftbote erwähnte: „Das liegt an den DJs, die unterschiedlich auflegen und in der zerfaserten Hannoveraner Schwarzvolkszene teils regelrechte Kulturfolger haben: So zieht Kai Hawaii am jeweils ersten Mittwoch im Monat zu seiner „Limelight“ teils andere Leute an als DJ Lo-Renz mit seinen Depeche-Partys. “ Gleich mal gucken, ob das auch schon im Dunkeltanz erwähnt wurde.

The Year of Punk | YouTube
Mit einem besonderen Dank an GM für die beiden nachfolgenden Videos, möchte ich auch gleich damit beginnen zu schwelgen, denn diese Ausgabe des London Weekend Television hat so ziemlich genau 40 Jahre auf dem punkigen Buckel. Kurz zuvor stürmten die Sex Pistols die britischen Charts und wurden Leitfigur eines kulturellen Wandels, der niemand mehr ignorieren konnte.

Hansa Studios: By the Wall 1976-90 | YouTube
Für einige bislang kein Begriff, die Berliner Hansa-Studios. Zu Mauerzeiten mutierte das Studio in den späten 70ern durch David Bowie und Iggy Pop zu einem Magneten der wichtigsten Künstler der 80er. Möglicherweise durch die unmittelbare Lage zur Grenzmauer verhalf das Studio vielen Künstlern zu einem Inspirationsschub. Hier schrieb Bowie „Heroes“ oder Martin Gore spielte nackt am Klavier „Somebody“ während die Einstürzenden Neubauten die Studios zur Werkstatt umfunktionierten. Solange die Doku bei YT existiert, unbedingt anschauen!

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Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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