Schwarze Symbolik – Das christliche Kreuz

Das christliche Kreuz ist ein Symbol mit sehr bewegter Vergangenheit. 431 machte das Konzil von Ephesos das seit seiner Einführung verbreitete Symbol des Christentums zu seinem Erkennungszeichen. Im christlichen Glauben ist ein Zeichen der Identifizierung und steht seit der Kreuzigung Christi als Symbol für „das gläubige Hinnehmen von Tod, Leiden und Opfern1, aber auch für die Erlösung und die Hoffnung auf Heilung. Das Kreuz ist ein Symbol für den Tod und von ein Folterinstrument aus der Antike abgeleitet, an dem Jesu von Nazaret aufgehängt wurde, um seinen Tod hinauszuzögern. Das wird vor allem auf Kruzifixen deutlich, die den gekreuzigten Christus in „künstlerischer“ Weise darstellen.

Die Beweggründe sich mit Kreuzen zu schmücken sind ebenso vielfältig wie die Verwendung. Die Gothics tragen das christliche Kreuz vor allem als Halskettenanhänger, es wird aber auch in Form von Ohrringen, Piercings oder Tätowierungen verwendet. Die klassische Trageform des Kreuzes ist vor allem seit den frühen 80ern populär geworden und hat schon zu dieser Zeit eine vielschichtige Bedeutung. Für einige war es immer schon der Ausdruck ihres Glaubens, jedoch lassen Kreuze im Umkehrschluss keinerlei Rückschlüsse auf die religiöse Ausrichtung des Trägers zu.

Zum modischen Accessoire wurde das Kreuz zu Beginn der 80er, als es beispielsweise von Madonna (Like a Virgin) oder Billy Idol (Sweet 16) zum Bestandteil ihres Outfits gemacht wurde und so eine zunächst religiös losgelöste Renaissance erlebte. Gerade in der Gothic-Szene war das eine willkommene Überschneidung mit morbider Ästhetik die man von Friedhöfen, alten Kirchen und Gemäuern kannte und wurde so zum Verstärkung eines möglichst „toten“ Kleidungsstils genutzt.

Es lässt sich definitiv kein Zusammenhang zwischen dem Kreuz als Schmuck und der Weltanschauung des Trägers ableiten. Es gibt durchaus Gothic die sich der christlichen Kirche zugehörig fühlen 2 und das Kreuz als Symbol ihres Glaubens tragen, es gibt aber auch Gothics für die das Kreuz Ausdruck für ihren Umgang mit dem Tod ist – für viele aber auch nur Schmuck oder Provokatives Mittel ihrer Einstellung.

Als man sich in den Folgejahren intensiver mit der religiösen Bedeutung des Kreuzes auseinandersetzte und man auch okkulte und mystische Grenzbereiche erforschte, wurde das Kreuz häufig in abgewandelter Form getragen. Das umgedrehte Kreuz als Symbol für Gegnerschaft, Fall und Sturz des Christentums das so auch erstmals im 18. Jahrhundert als Zeichen für Satanismus verwendet wurde.  3 Mehr zum umgedrehten Kreuz, das man auch Pertruskreuz nennt, findet ihr im Artikel Schwarze Symbolik – Umgedrehtes Kreuz. Die breite Masse der Gothics sind nie Satanisten gewesen, ihre jugendliche Neugier in den Grenzbereichen religiösen Glaubens wurde jedoch häufig als solcher ausgelegt. Einzelfälle bestimmten immer wieder die Medienlandschaft und vermitteln ein falsches Bild, der tatsächliche Anteil bekennender Satanisten in der Gothic-Szene dürfte sehr gering sein, ein Auseinandersetzung mit dem Satanismus in literarischer Form ist weiter verbreitet.

Zu Beginn der 90er tauchte man dann auch in die ägyptische Mythologie ein und entdeckte das Henkelkreuz, den Ankh (Schwarze Symbolik – Ankh) für sich. Ursprünglich aus der ägyptischen Hieroglyphe für ankh (Leben) abgeleitet und daher auch Lebensschleife genannt, wird es von den Gothics häufig als Ausdruck von Lebenskraft oder Unsterblichkeit genutzt. Mit dem ägyptischen Symbol greifen die Gothics auch auf eine Verwendung des Kreuzes als Symbol zurück, das nicht mit der christlichen Geschichte zusammenhängt, sondern einen sehr viel älteren Ursprung aufweist.

Fazit

Die Gothic-Szene lädt seit über 30 Jahren das Kreuz mit den unterschiedlichsten Bedeutungen auf, die Darstellung aller möglichen Interpretationen würde den Rahmen sprengen. Es wird jedoch deutlich, das man nicht von getragener Symbolik auf die Weltanschauung des Einzelnen schließen kann. Im Einzelfall sollte man daher fragen ohne dabei eine eigene Assoziation zwischen dem Kreuz und seinem Träger herzustellen. Man sollte jedoch nicht enttäuscht sein, wenn es viele „schwarze“ nur tragen weil es gut zum Outfit passt, oder weil sie damit Reaktionen ihres Umfeldes auslösen wollen ohne sich mit Hintergründen auszustatten.

Man sollte jedoch auch als Beobachter von seinen etablierten Ansichten Abstand gewinnen, denn das Kreuz ist mitnichten ein rein christliches Symbol und allein in seinem Ursprung als Folterinstrument Jesu Christi sehr fragwürdig in seiner Verwendung. Während es die Ägypter als Lebenszeichen nutzen, steht es im Christentum zunächst für den Tod. Diese Verwendung ist auch heute noch geläufigsten, ein Kreuz neben einem Datum beispielsweise verweist auf den Todestag der entsprechenden Person, ein Kreuz in der Erde markiert die Stelle, an der ein Verstorbener beigesetzt wurde. Das Kreuz dient den Gothics als äußerliches Zeichen der Allgegenwärtigkeit des Todes und nicht als Symbol eines Glaubens und ist neben einem beliebtem Schmuckstück auch eine gewünschte, provokative Überschneidung der Ansichten des Trägers und des Beobachters.

Einzelnachweise

  1. Das große Lexikon traditioneller Symbole – J.C. Cooper, Goldmann Verlag 2004[]
  2. vgl. dazu einen Artikel über die regelmäßigen Gottesdienste auf dem WGT, hier in einem Artikel der LVZ: Szenegottesdienst beim WGT vom 25.05.2010[]
  3. Grufties – Jugendkultur in Schwarz, H. Janalik/D. Schmidt, Schneider Verlag Hohengehren 2000, S. 97[]
Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Schatten
Schatten (@guest_10069)
Vor 10 Jahre

Sehr gut geschriebener und infrmativer Artikel :)

dehkah
dehkah (@guest_10114)
Vor 10 Jahre

Du irrst an mindestens einer Stelle.

Das Kreuz symbolisiert im Christentum nicht generell den Tod. Das Kreuz (insbesondere das leere, ohne Korpus) steht für die Auferstehung, also für die Überwindung des Todes und für den sog. ’neuen Bund‘ Gottes mit der Menschheit.

Deine Behauptung „Ägyptisches Kreuz = Leben, Christliches Kreuz = Tod“ ist daher eher irreführend.

Auf ‚christlichen‘ Gräbern und Grabsteinen steht es ursprünglich für die Hoffnung, das man selber Anteil an der Auferstehung Christi hat. Dieses Verständnis findet sich u.a. auch in der Tradition wieder, Tote so zu bestatten, dass sie gen Osten blicken könnten – die im Osten aufgehende Sonne ist hier ein Symbol für die Wiederkunft Christi und die damit einhergehende Auferstehung der Toten.
Beides Symbole dafür, dass der Tod eben nicht die letzte Macht hat, sondern durch Christus am Kreuz schon besiegt worden ist.

Ein Blick auf z.B. jüdische oder muslimische Gräber wäre ein weiteres Indiz: da wird man kaum ein Kreuz als Symbol für den Tod finden, denn es steht ziemlich exklusiv für das Chistentum. Auf jüdischen Gräbern findet sich vor dem Todesdatum AFAIK manchmal der Davidstern, aber meistens gar kein Symbol.

Bei der Gestaltung von Traueranzeigen verwenden Angehörige, die mit dem christlichen Glauben nichts mehr anfangen können, häufig kein Kreuz mehr, sondern andere Symbole.

Da man das Kreuz-Symbol hierzulande auf Friedhöfen relativ häufig sieht, könnte man auf die Idee kommen, es wäre ein generelles Todessymbol.

Ist es aber so pauschal nicht.

Anmerkungen zum Petruskreuz verkneif ich mir jetzt mal :)

dehkah
dehkah (@guest_10122)
Vor 10 Jahre

Die von Dir aus der Wikipedia übernommene Deutung mit der „senkrechten und waagerechten Dimension“ des Kreuzes ist ne schöne Erklärung, die sich in Predigten gut macht, aber AFAIK nicht ‚belastbare‘ Kreuzestheologie.

>Wie kann das Kreuz Sym­bol für die
>Besie­gung des Todes sein?

Das Kreuz sagt „Jesus Christus, für Dich gestorben“.

Kurzer Exkurs in Eschatoloie: bereits im Alten Testament ist für das Ende der Zeiten angekündigt, dass Gott mit dieser Welt, die wir vor die Wand gefahren haben, tabula rasa und dann einen neuen, besseren Anlauf machen wird. Matrix-Fans wird das vertraut vorkommen.^^ Biblischer Terminus ist „neue Welt Gottes“ oder „Ewiges Leben“. Das Böse und der Tod sind nicht mehr Teil dieser neuen Welt.
Landläufige Bezeichnung für diese Zeitenwende: Weltgericht oder Apokalypse.

Die neutestamentliche (christliche) Erweiterung dieses Konzeptes ist (vereinfacht): Gott schickt mit Jesus seinen Sohn, um der Menschheit einen Wink mit dem Zahnpfahl zu geben. Motto: folgt dem Sohn und ihr seid in Sachen Gott und Ewiges Leben auf der sicheren Seite. Aber – um es mit den Smiths zu sagen – the world won’t listen, mit dem bekannten Resultat von Kreuzigung und Tod Jesu. Viele Chrsiten meinen, Gott hätte diese Entwicklung schon kommen sehen, aber ob das mit dem Kreuz nun Plan A oder Plan B war, ist letztlich irrelevant.

Die Frage: was passiert da am Kreuz, thelogisch betrachtet?

Antwort: die Abrechnung, die Gott mit der gesamten Menschheit vorgesehen hat, entlädt sich auf Jesus.
Jesus leidet stellvertretend und nimmt die Schuld auf sich, die eigentlich die Menschheit treffen müsste.

In den Abendmahlsworten findet sich das wieder: „Jesu Leib, für Dich gegeben … Jesu Blut, für Dich vergossen … zur Vergebung der Sünden“. Wohlgemerkt: nicht pauschal für alle, sondern für ’seine‘ Leute.

Um es mit einem Kirchenlied von Jochen Klepper zu sagen: „Wer hier dem Sohn vertraute, kommt da aus dem Gericht“.

Das Kreuz ist das Zeichen dafür, das Christen das Gericht am Ende der Zeiten nicht fürchten müssen, sondern ihrer Auferweckung von den Toten freudig entgegensehen können. Weil dann gehts für sie in die Verlängerung, während der Rest nicht mehr mitspielen darf. Jesus hat den Tod besiegt (durch seine Auferstehung von den Toten) und durch das, was er am Kreuz auf sich genommen hat, haben jetzt alle was davon.

Aus dem antiken Hinrichtungsinstrument ‚Kreuz‘ wird ein Hoffnungssymbol, als solches wird es auch in der christlichen Theologie verstanden. Alles andere würde auch keinen Sinn machen.
Die Erinnerung an den Tod Jesu, die damit natürlich weiterhin verbunden ist, ist kein Selbstzweck und keine Zelebrierung des Todes an sich.

###

Zum Petruskreuz: ich hab mich früher mal darüber geärgert, dass manche Hohlbirnen Symbole hijacken und ihnen eine fragwürdige Deutung geben. Wie Du aber schon im Beitrag geschrieben hast: es geht vor allem um Provokation.

Tatsächlich ist das umgedrehte Kreuz ein christliches Symbol, dass lange Zeit von der Kirche nicht sehr aktiv genutzt worden ist. Ich wüsste auch nicht, wo die nächste Petrus-Kirche steht, die so ein Kreuz auf dem Turm hat. Ähnlich wie der Fisch als frühchristliches Erkennungszeichen, der auch erst seit den 1980ern wieder mehr genutzt wird. Oder das Andreaskreuz, das mittlerweile mehr mit Bahnübergängen als mit dem namensgebenden Apostel in Verbindung gebracht wird.

Statt mich zu ärgern freu ich mich, dass es so viele Petrusfans gibt, die sein Kreuz um den Hals tragen und damit ja auch Jesus respekt zollen. Fast schade, dass Paulus nicht auch so gekreuzigt wurde, sonst würden die St.Pauli-Fans vll. auch alle mit nem umgedrehten Kreuz rumlaufen ;)

dehkah
dehkah (@guest_10136)
Vor 10 Jahre

Du hast den Artikel „Das christliche Kreuz“ überschrieben, daher mein Versuch, die christliche Bedeutung auch herauszustellen. ;) Sorry, wenn das etwas apologetisch wirkt.

>Das Kreuz ist ein Symbol für den Tod und von ein
>Folterinstrument aus der Antike abgeleitet,
>an dem Jesu von Nazaret aufge­hängt wurde, um seinen Tod hinauszuzögern.

Du schreibst „Folterinstrument“. Die Folter hat meistens ja ein Ziel (Information erpresssen z.B.), nicht unbedingt den Tod. Das Kreuz dient zur (qualvollen) Hinrichtung, nicht zur Folter. Auch bei Jesus sollte es den Tod nicht hinauszögern, sondern ihn herbeiführen.

>Symbole leben von ihrer Ladung die
>man ihnen verleiht.

Symbole (insbesondere einfache) haben in unterschiedlichen Kulturkreisen abweichende Bedeutungen, das ist halt so.

Symbole verändern mitunter (i.d.R. über längere Zeiträume) auch ihre Bedeutung.

Das für einzelne Personen aufgrund ihrer Erfahrungen ein Symbol mit einer anderen Bedeutung gefüllt ist, als es gemeinhin verstanden wird: nachvollziehbar.

Das gezielte Umwidtmen von Symbolen hat aber was von Propaganda und gewollter Desinformation.

Das Beispiel mit der Swastika ist gut. Wenn man sich den dazugehörigen Wikipedia-Artikel durchliest, kann man sich nur an den Kopf packen, welche hahnebüchenen Ideen und Vorstellungen zur Renaissance des Hakenkreuzes Ende des 19. Jahrhunderts in Zentraleuropa geführt haben – bis dahin, dass Hitler wohl die ursprüngliche Bedeutung ziemlich egal war, wenn die Bewegung nur ein irgendwie germanisch angehauchtes Symbol bekäme. Die Neuprägung hat allerdings schon vor den Nazis über ein halbes Jahrhundert gedauert. Und: es war in Europa nicht durch andere Bedeutungen belegt, daher leicht neu ‚aufzuladen‘.

Dem Kreuz würde ich eine solche Umdeutung gerne ersparen.

Wäre mal spannend zu wissen, ob das Kreuz im römischen Reich eine originäre symbolische Aufladung hatte. Also eine, die eine kulturelle Relevanz gehabt hat, vor dem Christentum. Wüsste ich so nicht.

Hab gelesen, dass das Kreuz der koptischen (ägyptischen) Christen älter ist als das heute geläufige Hochkreuz. Die Alexandriner waren keine unwichtige Fraktion in der Alten Kirche; wäre eine witzige Fußnote, wenn das koptische Kreuz auch noch eine Adaptierung des Ankh wäre und so evtl. das koptische Vermächtnis an die Christenheit.

>Das Kreuz sagt: „Jesus ist für Dich
>gestorben”. Völlig richtig. Demnach
>symbolisiert es Leid und Tod.

Wenn das so wäre, wären die Christen die eigentlichen Gruftis, auf Weltschmerz und Todessehnsucht fixiert – und die Schwarze Szene müsste dann vll. in Pink oder Weiß rumlaufen. ;)

Am Kreuz sind sicher ne Menge Leute umgekommen, aber das Kreuz ist nicht deswegen zum dem Symbol geworden, dass es seit 1500-2000 Jahre ist.

Das Kreuz steht für das Leiden und den Tod JESU.
Damit verbunden die Frage: was ist an Jesus so besonders?

>Das Kreuz sagt den Christen zunächst einmal
>(so denke ich): Ihr müsst für euren Glauben
>einstehen, für ihn kämpfen, für ihn leiden.

So, wie Du es schreibst (mit der Betonung auf Kämpfen und Leiden) bekommt das einen ungesunden Spin. Egal, für welche Überzeugung man einstehen will oder muß: die Reibung mit Andersdenkenden ist fast unvermeidbar. Man kämpft für das, was einem wichtig ist. Manchmal zieht das auch Leiden mit sich. Alles keine christlichen Alleinstellungsmerkmale.

Die Frage der Jünger nach der Auferstehung war: Was sollte das jetzt? Warum mußte das mit dem Tod und der Auferstehung sein. Hätte das nicht auch anders laufen können? (vgl. die trad. Messias-Erwartung im Judentum).

Die Auferstehung für sich genommen kackt dabei fast ein wenig ab. In der Urfassung des ältesten Evangeliums ist sie z.B. gar nicht schriftlich überliefert. Letztlich ist damit vor allem herausgestellt, dass Jesus tatsächlich der Messias, der Retter ist. Das göttliche „Ätsch!“, die lange Nase, die Gott denen macht, die ihn aus dem Weg räumen wollten. Beim Nachdenken über das Kreuz Jesu ist die Auferstehung schon eingepreist. Allein schon, weil es ohne sie keinen Anlass gegeben hätte, sich noch lange nen Kopf über Jesus zu machen.

Das Kreuz steht für Jesus. Für sein Leben, für sein Leiden, für seine Botschaft.

Der zentrale biblische Satz dazu:
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn hergab, damit alle, die an ihn glauben, nicht zugrunde gehen, sondern das Ewige Leben haben“. (Joh 3,16)

Das Kreuz steht im Christentum als Symbol für diese Hingabe (Passion!) am Kreuz, für diese Sympathie Gottes mit den Menschen. Das Kreuz steht für den neuen Bund Gottes mit den Menschen.

Infolge dieser Botschaft ist das Kreuz das Erkennungszeichen der Christenheit geworden. Deshalb haben sie es in die Wohnungen gehängt, auf Kirchtürme gesetzt und sich auf die Grabsteine geklöppelt.

Andere Jesus-Zeichen wie das Chi-Ro oder auch der ICHTYS-Fisch sind darin aufgegangen oder sind Insider-Symbole geblieben. Das mag auch damit zusammenhängen, das die Passion Christi in der frühen Kirche mehr im Mittelpunkt stand als z.B. die Geburt. Vll. sieht man deshalb Krippen oder Höhlen eher seltener als Halsschmuck. Lassen sich auch nicht so gut als Symbol abstrahieren.

Dass in der Schwarzen Szene das Kreuz für Tod steht ist mit Blick auf die Geschichte dieser Szene nachvollziehbar. Diese Geschichte ist allerdings nicht vorstellbar ohne einen christlichen Background, sei es nun als Persiflage oder Abgrenzung.

Ich denke, nur im Kontext der kultur-christlichen Prägung Europas bzw. der „westlichen Welt“ macht es Sinn, das Kreuz überhaupt als Todessymbol sehen zu wollen. Nur in diesem kulturellen Kontext steht es auf Friedhöfen bzw. Grabsteinen (und konnte über diesen Weg sich als eine Tauglichkeit als Todessymbol erarbeiten). Nicht im Judentum, nicht im Islam, nicht im Buddhismus oder in Naturreligionen, vermutlich auch nicht bei Atheisten.

Nur die Christen stellen sich Kreuze aufs das Grab.

Aber nicht (ich schrieb das schon, glaub ich ^^) als Symbol für ihr Dahinscheiden oder Trauerzeichen. Sondern als Symbol für ihren Glauben an Christus. Entscheidender Teil des christlichen Glaubens ist die Auferstehungshoffnung und damit grad die Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende einer Person ist, sondern eher ein Zwischenstopp.
https://de.wikipedia.org/wiki/Grabkreuz

Wenn jemand nun sagt „hey, tolles morbides Todessymbol, das schnapp ich mir“ hat er/sie nicht verstanden, wofür das Kreuz, auf das man sich bezieht, eigentlich steht.

Oder will es nicht.

Du schriebst ja schon über den Aspekt der Provokation. ;)

Ich weiß nicht, ob Du meiner Herleitung folgen kannst oder magst. Wenn das Kreuz in der schwarzen Szene tatsächlich eine eigene Bedeutung hat, dann ist es ein Missverständnis des christlichen Kreuzes und nichts Eigenständiges.

Als Gegenbeispiel: das Rote Kreuz zeigt, dass man vor grad mal 150 Jahre sogar die ziemlich überstrapazierte Kreuzform nehmen konnte und aus dem Stand ein Symbol mit hohem ikonographischen Wert geschaffen hat, das z.B. mit dem christlichen Kreuz überhaupt nicht um die Symbolbedeutung ringen muß.

Aber vermutlich geht es gar nicht um Eigenständigkeit.

Nach Lektüre einiger anderer Deiner Symbol-Artikel drängt sich der Eindruck auf, dass die Benutzung von Symbolen innerhalb der Szene eigentlich völlig beliebig ist.

Hätte mich eigentlich nicht verblüffen sollen, aber hat es dann doch, vielleicht weil mich der leichtfertige Umgang mit bedeutungsschwangeren Symboliken mittlerweile eher befremdet. Von den Gefahren, die damit einhergehen, hast Du ja selbst schon in Deinem Artikel zur sog. Schwarzen Sonne geschrieben. Es ist eben nicht egal, was man sich um den Hals hängt oder in die Haut sticht. Symbole mögen keine Macht haben, aber sie drücken Zugehörigkeit und Einstellung aus. Man klebt sich als HSV-Fan ja auch keine Werder-Raute aufs Auto, nur weil grün die schönere Farbe ist.

BTW: Im Übrigen eine informative und gut geschriebene Reihe. Sehr anregend, auch die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich schreib hier längere Kommentare als bei mir Beiträge ;)

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