Mythen & Legenden: Ist eine Bakterie Schuld an Fronleichnam?

Heute ist Fronleichnam, ein Feiertag in vielen Bundesländern. In besonders katholisch geprägten Gemeinden finden sogar besondere Gottesdienste und Prozessionen statt, die dem Grund für den Feiertag huldigen. Die meisten Menschen dürften jedoch vom freien Tag profitieren, ohne wirklich zu wissen, was dahintersteckt. Am langen Ende scheint sogar ein simples Bakterium der Grund dafür zu sein, dass wir heute exzessiv grillen, feiern oder uns die Sonne auf den Pelz brennen lassen können. Wie kann das sein?

Es ist das Fest der leiblichen Gegenwart Christi, das Papst Urban IV. 1264 zum allgemeingültigen Feiertag der katholischen Kirche erklärte, nicht etwa, weil Christi wirklich irgendwo aufgetaucht war, sondern weil ein „eindeutiger“ Beweis seiner Anwesenheit vorlag. Der Beweis war aber auch wirklich eindeutig: Priester Peter von Prag hat in einer Kirche im italienischen Bolsena 1263 das Brot für die Kommunion gebrochen und dabei war Blut auf das Tuch getropft, das den Altar bedeckte. Für die Menschen damals ein eindeutiges Zeichen der Anwesenheit Christi! Vor allem Priester Peter, der eigentlich ein Zweifler war und nicht daran glaubte das sich Brot und Wein in den Leib Christi verwandelte, zeigte sich überwältigt. Papst Urban ließ sich das Altartuch, auf dem die Flecken zu sehen sein sollten, bringen und entschied, es als offizielles Wunder anzuerkennen. Seht her: „Ein Wunder!“

Aus den Flecken wurde ein Mythos, eine Legende und dann ein Wunder, weil der Papst so beeindruckt davon war. Ein Jahr später, im Jahre 1264, war er immer noch total aus dem Häuschen und entschied, einen Feiertag dafür einzuführen. Den heutigen Fronleichnams-Tag.

Eine Petrischale mit einer Kolonie des Bakteriums
Das Bakterium, das vermutlich für das Blutwunder verantwortlich ist | de:Benutzer:Brudersohn, Serratia marcescens, CC BY-SA 3.0

Allerdings handelte es sich bei den Flecken höchstwahrscheinlich nicht um Blut, sondern um gewucherte Kolonien des Bakteriums „Serratia marcescens“ das auf Brot einen tollen Nährboden findet, wenn es nicht ausreichend trocken gelagert wird. Das damalige Brot der lateinischen Kirche wurde zudem aus ungesäuertem Teig hergestellt, was dem Bakterium zu Gute kommt, denn auf Sauerteigen klassischer Brote kann es nicht wachsen.

Das Wunder von Bolsena war damals Glaube genug, einen Feiertag einzuführen, der bis heute gilt. Natürlich gab es Reformationsversuche, aber scheiterten, wie man dem Grillgeruch in der Nachbarschaft entnehmen kann. Den letzten angestrengten Versuch, das Fest abzuschaffen unternahm Martin Luther, der 1530 sagte, „er sei keinem Fest mehr Feind als diesem“ und die Abschaffung forderte. Luther war sowieso in vielen Belangen anderer Ansicht, brachte später eine eigene Bibel heraus und begründete den evangelischen Glauben.

Das ist auch der Grund, warum der Feiertag in vorwiegend evangelische geprägten Bundesländern, wie beispielsweise Niedersachen, nicht gilt.

Immerhin. Im „Konzil von Trient“ (1545-1563) sah sich die katholische Kirche dazu genötigt, über den Feiertag zu reden. Aber anstatt ihn abzuschaffen wertete man ihn zu einer Art Gegendemonstration auf, um der aufkeimenden evangelischen Kirche die Stirn zu bieten. Mal am Rande: Haben die dafür echt knapp 20 Jahre gebraucht?

Wer mehr wissen möchte, findet zu Fronleichnam Informationen bei Wikipedia. Über das Bakterium, dass vermutlich zu diesem Feiertag geführt hat, findet ihr beim Mikrobenzirkus einen informativen Artikel.

Und ganz zum Schluss gibt es noch einen religionslosen, tagespassenden, dem Wetter gerechten und wohl durchdachten vegetarischen Grilltip von mir: Halloumi in dicke Scheiben schneiden und direkt auf den Grillrost legen, ein bisschen knusprig grillen und Kräuter drüberstreuen. Euch einen schönen Feiertag!

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Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Vor 19 Tagen

Danke für die Aufklärung über „FroheLeiche“….nein… natürlich Fronleichnam. Ich wohne seit ein paar Jahren im tiefsten Oberbayern und durfte diesen freien Tag ohne Arbeit genießen. Da natürlich in Bayern teilweise noch auf christliche Traditionen viel wert gelegt wird, durfte ich das ganze rambazamba in der früh am eigenen Leib spüren. Irgendwas zwischen 9-10 Uhr wurde ich durch die Klänge einer Musikkapelle fleißig wach gerüttelt. In meiner Region werden sogenannte Fronleichnamsprozession veranstaltet. Da zieht die halbe Gemeinde mit Pfarrer, Vereine, Musikkapelle beten und singend in Tracht durch die Straßen und segnen Gebäude und Felder. Mir natürlich als Nichtbayer war das recht unbekannt und dazu kam mir und meiner Lebensgefährtin die Frage auf, welche Bedeutung dieser Tag eigentlich hat. In diesem sinne super Timing Robert und allen noch einen angenehmen Rest-Feiertag. ;)

Gruftwurm
Gruftwurm(@christian)
Antwort an  Robert
Vor 18 Tagen

Wirklich vorbildliches Timing oder Du kannst die Gedanken Deiner Mitglieder lesen. Ich hätte auch lieber den Feiertagszuschlag, denn heute durfte ich wieder voll motiviert auf der Arbeit erscheinen. :) Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende, Robert.

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