Gothic Friday Dezember: Subkultur in meiner Stadt

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Gothic Friday 2011Subkultur in meiner Stadt? Ein historisches Münster, eine alte Abtei, große Parks und viel Grün, ein Berg, wo man keinen erwartet und eine Stadt mit zwei Hauptbahnhöfen. Man kann viel über die Stadt am Niederrhein sagen, aber nicht, dass sie eine Metropole schwarzer Subkultur ist. Ich bin in Mönchengladbach geboren und aufgewachsen und bis zum heutigen Tag ist mir kein schwarzer Club über den Weg gelaufen. Regelmäßige Veranstaltungen scheitern meist an fehlendem Publikum, das durch die Nähe zu größeren Städten wie Düsseldorf oder Köln jedes Wochenende in Reisefieber gerät. Ich kann mich davon nicht ausschließen, denn ein fehlender, lokaler und vor allem schwarzer Bekanntenkreis machten die Versuche etwas vor Ort auf die Beine zu stellen, sinnlos. Trotz dieser zugegebenermaßen Maßen sehr düsteren Einleitung habe ich mich auf die Suche gemacht, ein paar Rückzugsorte dunkler Subkultur vorzustellen. Stichwort Schwarzsehen: Natürlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, selbst etwas zu organisieren, mich zu beteiligen oder zu helfen. Das liegt in meiner Natur. 

Die ersten Grufties lernte ich damals in einem Freibad kennen, einem typischen Treffpunkt schwarzer Subkultur. Im Jugendclub der ortsansässigen Kirche tanzte ich zum ersten mal in schwarzen Klamotten zu Stücken von The Cure und Depeche Mode. Das alles ist Vergangenheit. Den Jugendclub gibt es nicht mehr und im Freibad findet man niemanden, der man auch nur annähernd einer schwarzen Subkultur zuordnen könnte. Vielleicht war das damals auch ein Grund, mich neu zu orientieren, auf die Suche nach dem zu gehen, was ich eigentlich schon längst gefunden hatte. Und es gibt sie, die kleinen Orte in denen man sich wohlfühlt, die einzelnen Partys, denen man etwas abgewinnen kann. Auch heute noch. Ein paar von diesen Orten möchte ich euch vorstellen.

Schmiedekunst an alten KirchenSeit etwa einem Jahr hat sich der “Dark Circus” im Zirkus Messajero einen Namen gemacht, der monatlich eine schwarze Party veranstaltet. Nach anfänglicher Skepsis, ob sich das Programm hier halten würde, scheint es sich jedoch einen festen Platz in den verbliebenen dunklen Herzen erkämpft zu haben. Die Musikauswahl ist sehr breit und für einen reifen Waver sicher nicht durchtanzfähig, aber gelegentliche Ausflüge auf die Tanzfläche waren eigentlich immer möglich.

Wer sich einmal durch die nächtliche Innenstadt gekämpft hat, wird schnell feststellen, dass schwarze Gestalten die Ausnahmen bleiben.  Gelegentlich treffe ich mich mit einigen Bekannten im Abacab, einer sympathisch siffigen Kneipe mit Metal-Publikum, in der sich auch dank musikalischer Ausflüge in die 80er auch einige schwarze Seelen verlaufen. Auch das Krümel, einer uralten Rockkneipe schräg gegenüber, darf man nicht außer Acht lassen. Auch hier gibt es zwar keinen einzigen gruftigen Ton aus den Lautsprechern, aber in der Not ist man für einen kleinen Haufen alternativer Leute dankbar.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein schwarzer Klamottenladen im Herzen der Stadt schon als Highlight zu werten ist. Scorpio Underground Fashion bietet in seinem kleinen Ladenlokal einige ausgefallene Kleidungsstücke und Accessoires und bietet darüber hinaus die unschlagbare Gelegenheit, auch mal etwas anzuprobieren, bevor man es den großen Internetketten in den Rachen wirft. Dafür bin ich gerne bereit, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen, nicht zuletzt um dieses kleine Refugium zu erhalten.

Und sonst?

Ich wünschte, ich könnte von historischen Friedhöfen schwärmen, von tollen Grabstätten und einem einzigartigen gruftigen Flair, doch nichts dergleichen. Vielleicht sind mir die selbstverständlichen Dinge auch gar nicht bewusst, weil sie selbstverständlich sind. Doch eins ist klar: Mönchengladbach ist kein Gruftie-Paradies, aber es ist flexibel. Wenn man die Gelegenheiten am Schopfe ergreift, kann man auch hier immer wieder eine schwarze Perle entdecken. Sie gehen jedoch meist, wie sie gekommen sind. Schnell und glänzend um dann im Meer der Lichter unterzugehen. Vielleicht ist es sogar ein Leser, der empört von etwas in Mönchengladbach berichtet, das ich noch nicht kenne. Ich bleibe neugierig.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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shan_dark
Gast

Nicht Mögla scheint flexibel sondern die Menschen dort ;o) – vielleicht zu sehr, denn es klingt fast so, als würde sich deshalb nix entwickeln, weil “das Gute so nah liegt” in DüDo oder Köln. Wobei ich das nicht so recht verstehe: Von Mainz, Heidelberg oder Wiesbaden aus bis FFM ist es auch in etwa so weit wie von MöGla bis Köln. Trotzdem gibt es in Mainz eigene Veranstaltungen, in Wiesbaden auch (wenn auch weniger) und in Heidelberg etc. ist ebenfalls genug los. Jetzt kann man zwei Erklärungsstränge dafür verfolgen:
1. Die düsteren Angebote in Köln sind zu gut, sie sind kaum oder nur schwer zu toppen. Auf Rhein-Main übertragen hieße das: in FFM sind sie nicht gut und/oder ausreichend genug, sonst würden nicht eigene Veranstaltungen in den umliegenden Städten entstehen.
2. Vielleicht gibt es in MöGla wirklich nicht genügend schwarze Leute (oder nur megaflexible)? Du sagst ja selbst, dass dir da kaum jemand auffällt. Und für die paar reicht der Zirkus Messajero aus.

Sehr schön geschriebener Artikel auf jeden Fall. Lachen musste ich über den Freibad-Satz… Und ich frage mich, warum deine Stadt zwei Hauptbahnhöfe hat. Muss man da aufpassen, wenn man euch besuchen kommt, welchen Hbf man auswählt für die Ankunft? Oder ist der eine Güter, der andere Personen?

nrsss
Gast

Ich bin wirklich, wirklich dankbar für deinen Artikel!

Seitdem ich da arbeite frage ich mich, ob es nicht irgendwo einen kleien schwarzen Laden gibt. In Aachen war ich immer gerne bei Franchipani, auch da zahlt man mehr, unterstützt aber jahrelange Tradition und kann eben anprobieren!

Wobei Aachen ja noch als dritte Stadt mit etablierter “Szene” nennbar wäre. Und guter Zuganbindung zu beiden Hauptbahnhöfen wink
Dann noch die Nähe zum Ruhrgebiet… hab Erbarmen mit deiner Heimat – sie hat es wirklich schwer. Und ist zu gut an das Schienennetz angebunden.
AC hat wohl nur wegen mangelhafter Qualität in Sachen Bahn noch die ein oder anderen regelmäßigen Events…