Duran Duran - Wild Boys

Gothic Friday März: Ein Kreis schließt sich (Fogger)

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Duran Duran - Wild BoysFogger hat uns im Februar ein wenig über seinen Einstieg und seinen heiligen Gral in Form eines Mixtapes erzählt, welches ihn das erste Mal mit Musik in Berührung brachte und ihn in den folgenden Jahren nicht mehr loslassen sollte. Hier nun sein Beitrag zum Märzthema.

Ich habe in meinem Leben viel darüber nachgedacht, warum gerade die Musik für mich eine große Bedeutung hat. Zum einen ist Musik, wenn man es als Kunstform betrachtet, insgesamt in der Gesellschaft weiter verbreitet als alle Formen. Die leichte Konsumierbarkeit spielt dabei eine wesentliche Rolle. Durch das Radio war Musik schon sehr früh und sehr leicht transportierbar und man kann sie konsumieren, während man andere Dinge tut. Dies geht weder bei Bildern noch bei Skulpturen oder Büchern. Bei mir löst die Musik Emotionen aus, was andere Kunstrichtungen in dieser Form nicht machen. Ich mag Dali oder andere Künstler und ich gehe in Museen, aber bei mir geht dies nicht sehr tief. Ein weiterer wichtiger Punkt dürfte das Live Erlebnis sein, welches die Bindung zu einer Band intensivieren, bzw. sogar erst schaffen kann. Aber bevor ich anfange philosophisch zu werden, sollte ich zu dem Thema kommen.

Bands und Stile vom Anfang bis heute

In meinem ersten Beitrag habe ich meinen Szeneeinstieg auf Basis der ersten Klänge von The Cure schon beschrieben. Daher überspringe ich den Einstieg in die Schwarze Szene an dieser Stelle. Meine erste Erinnerung an Musik ist aus dem Jahr 1979 „Dschinghis Khan“. Die NDW war sehr prägend für mich. Viele gute Lieder, deren Texte man auch verstehen konnte. Daneben muss ich unbedingt noch die „Spider Murphy Gang“, „Herbert Grönemeyer“ und „Michael Jackson“ erwähnen. Diese sind die ersten Bands, von denen ich Alben entweder auf Kassette oder Schallplatte mein Eigen nennen durfte. Das erste Lied welches ich richtig laut aufdrehte, wenn ich alleine war, war von „Duran Duran“ „The Wild Boys“ (1985). Für den pubertierenden Jungen war die „Münchener Freiheit“ mit „Ohne dich“ (1986) sehr wichtig. Als Quelle für neue Musik diente die Hitparade, Formel eins und das Radio. Mein erstes Konzert mit 13 oder 14 Jahren in der Aula der Schule waren die „Abstürzenden Brieftauben”.

Nach meinen Einstieg in die Szene änderte sich das relativ schnell. Wie ich die einzelnen Bands dann kennenlernte, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Es gab aber nur die Wege über Freunde, Zillo, Disko (Keine Szene Dissen) und Stöbern im Plattenladen (ein längst verlorenes Erlebnis). Neben meinen Favoriten „Cure“, „Sisters“ und „Lakaien“ gesellten sich die verschiedenstes Bands aus dem Bereichen Wave, Punk, Post Punk, SKA, Gothic, Industrial, Avantgarde und „was mir einfach Spaß macht“ hinzu. In der folgenden Liste sind die hervorgehoben, bei denen ich eine Chance sehe, dass sie nicht allgemein bekannt sind. Mein Lieblingslied habe ich jeweils verlinkt.

Blessing In Disguise, The Bollock Brothers, Dance Or Die, Das Ich, Dead Can Dance, Dead Kennedys, Die Erde, Die Form, Die Krupps, Einstürzende Neubauten, Fields Of The Nephilim, Front 242, Girls Under Glass, Goethes Erben, Joy Division, Kastrierte Philosophen, Kim Salmon and the Surrealists, Kraftwerk, London After Midnight, Love Like Blood, Madness, Marionettes, New Model Army, Nitzer Ebb, No More, Pink Turns Blue, Phillip Boa And The Voodooclub, Siouxsie & the Banshees, The B-52’s, The Busters, The Clash, The Invincible Spirit, The Jesus And Mary Chain, The Mission, The Ramones, The Rose Of Avalanche, The Rubbermaids, Toy Dolls, Tuxedomoon, Violent Femmes, Wolfsheim.

Durch eine Beziehung und den Wechsel des Umfeldes (ab 1992) verlor ich größtenteils den Kontakt zu Gleichgesinnten. Meine Frau teilte meine Neigung zu den „Lakaien“ und gemeinsam kamen neue Bands hinzu wie „Estampie“, „Sarband“, „QNTAL“ oder „Helium Vola“ (1995 – 2005). Durch fantastische Konzerte von „Subway To Sally“ in dem kleinen Club vor Ort, kam auch die Mittelalterwelle bei uns an. So sehr, dass die Hochzeit (1999) von einer kleinen Gruppe im Stil des Mittelalters begleitet wurde.

Mit einem neuen Kollegen im Büro kam die Möglichkeit auf ein schwarzes Internet Radio laufen zu lassen (2005 – 2008). Das war die Quelle von Bands wie „Letzte Instanz“, „Janus“ und „Sanguis et Cinis“. Dann verlor ich nochmals den Kontakt zu neuen Gruppen. Erst nach dem Scheitern meiner Beziehung (2014) wende ich mich wieder verstärkt der Szene zu und durch Szenediskos, neue Freunde und Festivals hab ich neue und alte Bands kennengelernt bzw. erst richtig entdeckt wie „Welle:Erdball“, „Ash Code“, „Diary of Dreams“, „She Past Away“, „Depeche Mode“ und „And One“.

Viele Bands habe ich gar nicht aufgeführt. Insbesondere Bands aus dem Umfeld des Batcaves, Death Rock, Minimal und Wave faszinieren mich heute. Sie rufen Erinnerungen an die Jugend hervor und schließen den Kreis meines Musikgeschmacks vorerst ab.

Faszination der Stimme

Für mich ist die Komposition von Stimme und Musik von großer Bedeutung. Dabei liegt der Schwerpunkt noch eher auf der Stimme. Hervorragende Musik kann durch eine bis zur Unkenntlichkeit gesampelten Stimme zerstört werden. Die Band „L’ame Immortelle“ mit „Gefallen“ symbolisiert dies in Perfektion. Wenn Sonja Kraushofer singt, ist soweit alles ok, aber wenn der Sänger einsteigt, wird es für mich persönlich zur Qual. Achtung Emotionaler Ausbruch! „Herr Gott nochmal, wenn man net Singen kann, soll man es lassen. Die Stimme so zu verfremden, dass der Zuhörer Ohrenkrebs bekommt ist nervig!“ (Sorry Rainer). Ein weiteres negatives Beispiel ist „Project Pitchfork“. Sie haben definitiv gute Lieder inklusive guter Texte, aber mit einer guten Stimme würden sie für mich deutlich  gewinnen. Es gibt aber auch Bands, bei denen der Sänger des Singens nicht mächtig ist und trotzdem stimmt die Gesamtkomposition. Ein perfektes Beispiel dafür ist „Phillip Boa And The Voodooclub“ mit „Fine Art In Silver”.

Texte haben bei weitem nicht die überragende Bedeutung dafür, ob mir ein Lied gefällt oder nicht. Texte sind von Bedeutung, wenn man sich dort wieder findet. Für mich alles rund um den Tod („Letzte Instanz“ – „Mein Todestag“, „Luna Luna“ – „Wenn ich tot bin“), der eigenen Verlorenheit inkl. Wunsch nach Rettung („The Cure“ – „Sinking“, „Sisters“ – „Marian“) und der Liebe ( „The Cure“ – „Why Can’t I be you“, „Pictures Of You“, „Lovesong“). Und wenn ein Lied mit jeder Zeile einen Teil des eigenen Lebens beschreibt, muss man gar nichts mehr dazu sagen.

Sometimes I feel I’ve got to
Run away, I’ve got to
Get away from the pain you drive into the heart of me
The love we share
Seems to go nowhere
And I’ve lost my light
For I toss and turn, I can’t sleep at night

Once I ran to you (I ran)
Now I’ll run from you
This tainted love you’ve given
I give you all a boy could give you
Take my tears, and that’s not nearly all
Tainted love

Now I know I’ve got to
Run away, I’ve got to
Get away, you don’t really want any more from me
To make things right
You need someone to hold you tight
And you think love is to pray
But I’m sorry, I don’t pray that way

Don’t touch me, please
I cannot stand the way you tease
I love you though you hurt me so
Now I’m gonna pack my things and go
Tainted love
(„Soft Cell“ – “Tainted Love“)

Die meisten Texte aber sind für mich einfach nur Spaß und Freude („Letzte Instanz“ – „Das schönste Lied der Welt“, „All the Ashes“ – „Schwarz macht schlank“), auch dann wenn die Inhalte ernster Natur sind. Spaß bereiten mir auch Texte von nicht Szene Bands. Dazu zählen „Die Ärzte“, „Kraftklub“ und „Deichkind“ (Ja, „Deichkind“ liebe Szenepolizei! Die Texte und die Live Show sind einfach bombastisch gut).

Das Erlebnis Musik

Am liebsten erlebe ich Musik live. Wie schon erwähnt, war mein erstes Konzert die „Abstürzenden Brieftauben“. Seitdem habe ich eine große Anzahl von Konzerten vieler verschiedener Richtungen besucht. Im vergangenen Jahr war ich auf dem Burg-Herzberg-Festival. Das angeblich größte Hippiefestival Europas. Ich war nur einen Abend und eigentlich nur wegen „New Model Army“ da. Vorher hatte eine Blues Rock Band gespielt, welche schon seit 50 Jahren auf der Bühne steht. Das hat mir wieder bewusst gemacht: Wenn jemand seine Musik liebt und beherrscht ist das Genre (fast) egal und als Zuhörer wird man mitgerissen. Zum Abschluss hat noch eine tolle Mexikanische SKA/Mariachi Band gespielt. Fazit: Dieses Jahr werde ich das Festival komplett besuchen.

Das Erleben von Musik in Diskos als Passion, ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Ich bewege mich gerne und brauche viel Platz zum Tanzen (Ein gepflegter Pogo mit Kontakt, wie bei den frühen Punkkonzerten, ist leider nur sehr selten möglich). Am liebsten in Diskos irgendwo, wo mich niemand kennt. Bekannte Menschen stören mich eher dabei, da ich die Musik voll und ganz genießen will.

Natürlich höre ich auch Musik Zuhause, bei der Arbeit, im Auto und beim Einkaufen. Das Ganze am liebsten LAUT. Nicht andauernd und mal mehr und mal weniger. Wie ein Abhängiger hänge ich daran und komme nicht los. Musik ist einfach ein Teil von mir.

TOP 5

Everblacks (Spontane zufällige Zusammenstellung und beliebig änderbar.)

  1. „The Cure“ – „Kiling An Arab“
  2. “The Sister Of Mercy” – “Gimme Shelter”
  3. “Deine Lakaien” – “Love Me To The End”
  4. “Einstürzende Neubauten” – “Yü-Gung (Fütter mein Ego)”
  5. “The Bollock Brothers” – “Faith Healer”

Die aktuellen Top 5

  1. “Ash Code” – “Empty Room”
  2. “She Past Away” – “Rituel”
  3. “Deine Lakaien” – “Farewell”
  4. “Red Zebra” – “I Can’t Live In a Living Room”
  5. “Röyskopp” – “What else Is There”

Eine Liste mit Liedern, die ich mal mochte und jetzt nicht mehr hören kann? Unmöglich für mich. Was ich mag, mag ich. Hier eine Liste von Liedern die gar nicht gehen. Besser gesagt, die Bands gehen gar nicht.

  1. „Eisenfunk“ – „Pong“
  2. „Umbra Et Imago“ – „Requiem Der Nephilim“
  3. „Within Temptation“ – „Mother Earth“
  4. „Combichrist” – “Get out of my head”
  5. “Suicide Commando” – “Hellraiser”

 

Ruhige und verplanter Zeitgenosse mit einer Leidenschaft für tendenziell düstere Musik., Helferlein für den Gothic Friday 2016 und Gastautor bei mancher Gelegenheit.,

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Flederflausch
Editor

Immer wieder faszinierend, welche Reise durch muskalische Welten man doch hinlegen kann und wie man, wenn man manches auch aus den Augen verliert, immer wieder zu bestimmten zurückkommt.

Ich bewege mich gerne und brauche viel Platz zum Tanzen

Dito. Um so mehr stört es mich, wenn de „ungeschriebenen Gesetze“ des Gruftischubsens nicht eingehalten werden und andere Tänzer konsequent immer den Raum anderer fordern, oder langsam aber sicher immer näher kommen, obwohl es genung Platz gibt.
Darüber hinaus aber sehr spannend, ich finde man sieht am Verhalten auf der Tanzfläche schnell, wer sich schon lange unter Schwarzkittel bewegt und wer nur mal „reinschaut“ / keine andere Ausgehmöglichkeit gefunden hat / auch mal pöhse sein wollte/ was auch immer

Ronny Rabe
Gast

dito …. man merkt wer nur mal schnuppert um zu tanzen oder wer im tanzen aufgeht und sich der Musik hingibt und zu schwelgen …zu flattern … zu TANZEN.

Fogger
Gast
Fogger

Deswegen ist ein gutfüllter Gruftischuppen, einer mit ausreichender Bewegungsfreiheit. Alles was voller wird, ist unintressant :-)

Tanzfledermaus
Autor

Ich brauche auch viel Platz zum Tanzen, suche mir dafür doch immer Stellen, wo ich möglichst keinem in die Quere komme. Und wenn es schon sehr voll ist, beschränke ich mich so gut es geht in meinen Bewegungen. Trampel oder rempel ich dann doch versehentlich mal jemanden an, entschuldige ich mich – es sei denn, es ist jemand, der sich selbst in meine Tanzbahn manövriert, ohne darauf zu achten, dass da bereits jemand tanzt. Sowas kann ich ja überhaupt nicht leiden!
Es nervt einfach tierisch, wenn sich immer wieder Leute ohne auf andere ringsherum zu achten auf der Tanzfläche positionieren und dann anderen in die Quere kommen. Wenn man schon später auf die Tanzfläche geht, dann sollte man auch erstmal gucken, wo noch Platz ist und sich nicht einfach wie die Axt im Walde benehmen. Am nervigsten sind dann die, die sich einfach nur mitten auf die Tanzfläche stellen, am besten noch den Arm mit der Bierflasche weit von sich strecken und dann gerade mal ein wenig auf der Stelle wippen. Das kann man, bitteschön, auch am Rande machen, dafür muss man sich nicht in die Tanzbahnen der anderen stellen. Apropos auf die Tanzfläche stellen: das machen auch immer wieder einzelne Grüppchen gerne, die es anscheinend nicht raffen oder denen es egal ist, wenn sie die Tanzfläche dadurch blockieren. Mir ist es auch schon passiert, dass ich, wenn ich die freundlich(!) darum bat, etwas beiseite zu gehen, übelst angepöbelt wurde. Sowas muss echt nicht sein. Aber die allgemein zunehmende Rücksichtslosigkeit unserer Gesellschaft macht leider auch vor der Szene nicht halt…

Gruftfrosch
Gast
Gruftfrosch

„Eine Liste mit Liedern, die ich mal mochte und jetzt nicht mehr hören kann? Unmöglich für mich.“

Glückspilz…Mit geht’s mit Mother Earth jetzt ähnlich und doch weiß ich, dass ein früheres Ich von mir es mal mochte *lacht*

Boah, dieses bescheuerte Eisenfunk – Pong begegnet mir immer wieder, ähnlich wie dieses Meisterwerk. Es vereint alles: beklopptes Video, nerviges gekrächztes Gesinge (hallo Nachtmahr), scheiß Text und ein Rave, der von der Loveparade stammen könnte.

Weil’s mir beim Durchhören gerade auffiel…und ich DL bissl vom Schirm verloren habe…Bei Farewell hat Herr Horn aber in der Mottenkiste von Helium Vola

gekramt, oder?

Satoria
Gast
Satoria

@ Fogger: Bei Pitchfork hat mich die verkruschtelte Stimme von Peter nie gestört, irgendwie gehört das zum Stil. (Wie bei Boa, genau;) Wobei ich lieber bei den alten Sachen bleibe und sie bei mir nicht mehr die Rolle spielen wie vor 15 Jahren.
Schön, dass wir kommenden Samstag wieder tanzen, hoffentlich mit einigermaßen Platz. Notfalls ziehen wir noch woanders hin…

@ Tanzfledermaus: Danke für Deine tolle Beschreibung. Dem kann ich nichts hinzufügen.

@ Gruftfrosch: Oh Mann, was hast Du denn da für schlimmste Grütze verlinkt? Dem Kommentar von „Stupid sound, stupid video, stupid moves. This is not a style, this is degradation of imbeciles. Shame.“ ist nichts hinzuzufügen. „Degradation of imbeciles“ finde ich allerdings so einen herrlichen Ausdruck, ich komm gar nicht mehr runter. Trotzdem war und bin ich entsetzt, wenn ich Leute sich so bewegen sehe.
PS: Kaffee steht noch, klar! Doch, wie organisieren wir das?

Fogger
Gast
Fogger

@Satoria Dark Spring steht vor der Tür. Wird bestimmt wieder ein laaaanger sehr toller Abend.

@Gruftfrosch: Genau dieses „nervige gekrächzte Gesinge“ find ich echt schlimm!! Ernst hat sich selbst beklaut …. Tatsächlich …. War mir gar nicht aufgefallen obwohl ich das Helium Vola Lied doch oft gehört hatte …. ja ja, da Alter :D

Gruftfrosch
Gast
Gruftfrosch

@Satoria: Vielleicht (büddö büddö) kann Robert ja Vermittler der Mailadressen spielen.