Spontis - Schwarzer Fächer der Passionen

Gothic Friday 03/2011: Schwarzer Fächer der Passionen

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Schwarze Passionen. Seit Tagen blinkt der Cursor unbarmherzig rechts neben diesem Satz, ob es denn wirklich keine Leidenschaft gibt, die einen Eintrag rechtfertigen würde? Während ich die bisherigen Beiträge mit Bewunderung studieren hege ich Zweifel ob auch nur eines dieser Passionen auf mich zutreffen könnte. Ist man sich seiner Leidenschaft überhaupt bewusst? Sabrina schrieb bereits dazu: “Fließt “das Schwarze” nicht automatisch in jeden Lebensbereich, zieht durch die Gedanken und Gefühle, so dass man es unmöglich abspalten und als eine bestimmte Passion beschreiben kann?” So geht es mir dabei. Scheinbar alltäglich scheinen die Dinge, die anderen als “Gothic” auffallen, wenn man über Jahre Dingen nachgeht, die man üblicherweise als nicht normal abstempelt, stellt sich ein vertraute Gewohnheit ein. Für sich selbst genommen ist man normal.  Und dennoch: Ich habe versucht meine Passionen einen Namen zu geben.

Spontis: Passion Mensch

Ein Blog als schwarze Passion? Um das zu erklären möchte ich ein wenig ausholen. Nachdem ich 2006 wieder in die Szene zurück fand, der ich in den frühen 90er den Rücken gekehrt hatte, schien es mir sinnvoll, mich darüber zu informieren, was ich in der Zwischenzeit verpasst hatte. So besorgte ich mir brav einschlägige Fachmagazine und Bücher über die Szene und surfte stundenlang durch schwarze Foren und Portale. Das, was zu meiner Zeit keinen Namen hatte, wurde nun Gothic genannt und war ein Teil des Mainstream geworden.  Die Bekleidung war aus den düsteren Ecken der Underground-Mode empor gekrochen und schlängelte sich unaufhaltsam in die Modelinien jugendlicher Bekleidungstempel.

Die Gothic-Szene ist tot.“, so liest sich der Tenor aus den Mündern alternden Szenegrößen, in Foren und Portalen ist es nicht ein ähnliches Bild: “Früher war alles besser.” Erklärungen sind nicht zu finden. Nirgendwo schien das, was die Szene einmal definierte, noch existent zu sein. Auch Szene-Tempel und Festivals brachten keine Linderung. Wo waren die tiefschürfende Geister, die guten Gespräche und die Gemeinschaft. Sollte die Szene tatsächlich nur noch aus Individualisten bestehen? Die Fachzeitschriften boten auch keine Alternative, das was hier musikalisch vorgestellt wurde, war mehr Schlager und Pop als Gothic oder Independent. Kein Wunder also, das die schwarz interessierte Jugend von heute so oberflächlich erscheint. Auf der Bühne wird es genauso vorgelebt, Idole, Ideologien und Inhalte muss man suchen.

Man tanzte lieber zu elektronischen und Textlosen Gehämmer, als zu melancholischen, mit Weltschmerz getränkten Hymnen in Einheit über die Tanzfläche zu schleichen. Das konnte nicht so bleiben. Ich war mich sicher, das es viele schwarze Seelen geben musste die unter der glänzenden Oberfläche den Untergrund bevölkerten. 2008 begann ich damit, darüber zu schreiben – und entdeckte, das ich nicht nur Gefallen daran fand aufzuschreiben was mir durch den Kopf ging, sondern das es mir auch selbst half, die eigenen Ziele zu erkennen.

Und heute? Ich darf behaupten: Die Gothic-Szene ist nicht tot und früher war nicht alles besser. All die lieben Menschen mit schwarzen Herzen die in den letzten Jahren hier ihre Spuren hinterlassen haben, bilden eine neue Szene, die nie verschwunden, sondern lediglich übersehen wurde. Die Hoffnung, die ich nie aufgegeben hatte, wurde belohnt. Aus Spontis ist eine Passion geworden. Die Passion, die Szene so zu zeigen, wie sie wirklich ist und denen, die sie ausmachen, etwas zurückzugeben. Nicht die Künstler auf der Bühne machen Gothic, sondern die Menschen davor, die Szene selbst, ihr. Die Musiker sorgen lediglich für die angemessene Beschallung einer schwarz gekleideten Menschenmenge von der viele noch nicht einmal wissen, was in ihr steckt.

Friedhöfe & Fotografie

Friedhof 2Ein wirklich schwarze Leidenschaft ist meine Liebe für alte und außergewöhnliche Friedhöfe. In Hamburg hat mich einst ein Friedhof in seinen Bann gezogen – hat mir gezeigt, das ein solcher Platz mehr sein kann als die letzte Ruhestätten der Toten. Was wäre wenn all die Menschen die dort begraben liegen ihre Geschichte erzählen könnten? Manchmal bleibe ich vor einem Grab stehen und stelle mir vor, in welcher Zeit der Mensch gelebt hat und was der Grabstein über ihn verrät. In London habe ich die Magnificent Seven kennengelernt, einen Ring aus 7 Friedhöfe rund um die alte Londoner Innenstadt, die jeder für sich ein besonderes Ereignis sind. Einen ganzen Tag fesselte mich Abney Park, zog mich in seinen Bann und vermittelte mir einen Einblick in die Vergangenheit der Stadt und seiner Menschen. Die morbide Ästhetik der Gräber zeigt uns was war und wie es sein wird.

Dadurch habe ich auch entdeckt, wie man mit Fotografien sprechen kann und begann, meine Friedhofsbesuche zu dokumentieren. Nicht besonders professionell, aber dennoch in der Lage Brücken zu schlagen zwischen der Erinnerung und der Phantasie. Einige davon habe ich bereits hier im Blog gezeigt, wer möchte findet im Artikel Faszination Friedhof: Die glorreichen Sieben einen Einstieg.

Erst jüngst merkte Rosa Chalybeia in einem Kommentar an, das die Fotografie wohl ein gemeinsamer Nenner wäre. “Ich stelle fest: Photographie ist irgendwie ein Vollgruftiges Interessensgebiet, fast alle Teilnehmer dieser Runde zeigten sich in irgend einer Form interesssiert daran. Witzig.” Ich möchte das fortführen und denke, das die Art der Fotografie unser gemeinsamer Nenner ist.  Nicht nur die Erinnerung an das was auf den Bildern zu sehen ist fasziniert uns, sondern auch die Stimmung die es in uns auslöst. Manche bearbeiten die Bilder nachträglich oder setzen sich gekonnt in Szene um den Eindruck der Stimmung und der persönlichen Bedeutung zu unterstreichen. Das gilt natürlich auch für mich. Einen gruftigen Rechner erkennt man an installierter Bildbearbeitungssoftware und einem deutlichen Überschuss an schwarz-weißen Bildern die Unmengen an Kreuzen und Gräbern zeigen. Vollgruftig eben.

Gesammelte Werke

Szene - SammelleidenschaftIch sammle gerne und zwar schwarz. Seit man damit begann die Szene zu analysieren, strukturieren zu erklären und zu beschreiben, sei es in Artikeln, Büchern, Zeitschriften, Magazinen oder auch in Reportagen oder Dokumentationen, sammle ich. Mittlerweile kann ich auf ein ganz ansehnliches Bücherregal mit rund 100 Büchern und 350 Magazinen blicken, die sich mit Jugendkulturen im Allgemeinen, Gothic oder artverwandtem beschäftigen. Auf meiner Festplatte tummeln sich rund 200 Artikelscans rund um die schwarze Szene, sowie zahlreiche Dokumente und wissenschaftliche Abhandlungen junger Studierender, die sich mit der schwarzen Szene beschäftigen. Die meisten Machenschaften der Schreiber habe ich auch gelesen, es sein denn, das Werk war so schlecht, das ich das Lesen abbrechen musste.

Wie die meisten bereits wissen, sammle ich auch alte Artikel aus der Bravo, die sich indirekt oder unmittelbar mit der Szene beschäftigen, vielleicht, weil diese Jugendzeitschrift auf so manchen Anhänger eine anziehende Wirkung gehabt haben oder auch, weil ich selbst diesem Bann einmal verfallen bin. Rein äußerlich versteht sich. Auch Videos oder DVD’s landen in meinem Regal, nicht nur als Anschauungsobjekt, sondern oftmals auch als Grundlage für Artikel oder Rezensionen. Natürlich führe ich auch Listen, in denen die Inhalte in Stichpunkten notiert sind, um im Recherche-Fall schnell darauf zurückgreifen zu können. Auch Mitschnitte aus Fernsehsendungen landen hier in meinem Archiv, die ich aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht immer Online stellen kann.

Darüber hinaus sammle ich natürlich auch Musik und blicke auf eine sehr anschauliche Sammlung von Alben und Samplern. Dabei habe ich alles ausnahmslos in Digitaler Form auf dem Rechner, während die Originale in Pappkartons schlummern, manche von unschätzbarem persönlichen Wert. Mittlerweile zähle ich in meiner Sammlung rund 2000 Alben von denen ich – das muss man mir jetzt mal einfach glauben – jeder einzelne gehört und nach meiner Einschätzung bewertet und Kategorisiert habe. Man nenne mich einen Banausen, das ich die Musik als MP3 höre, sei es drum. Denn entgegen der landläufigen Meinung vertrete ich den Standpunkt das Konvertierte Musik von der Originalquelle besser klingt als das Original selbst. In den Kommentaren darf ich gerne dafür zerrissen werden.

Ich pflege und hege meine Sammlung wie meine Augäpfel und scheue auch nicht davor wöchentliche Sicherungen anzulegen. Alle Musikstücke sind sortiert, katalogisiert und mit Zusatzinformationen versehen – ich navigiere sicher und zielstrebig durch das Meer dunkler Musik, denn wie bereits im letzten Gothic Friday ist die Musik selbst eine Leidenschaft. Ich singe auch sehr leidenschaftlich mit, was aber nicht unbedingt immer auf Anklang meiner Umwelt stößt.

Filme

Filme sind die letzte der schwarzen Passionen denen ich mich hier widmen möchte. Begonnen hat alles in früher Jugend, als ich die Sommerferien in denen wir zu Hause geblieben sind, damit verbracht habe, das “Sommerkino” zu besuchen. Eine Veranstaltung, bei der täglich wechselnde Filme gezeigt wurden, bei denen es sich um die typischen Klassiker der 80er handelte. Mit 5 Mark pro Tag, konnte man solange Filme gucken wie man wollte, auch einfach sitzen bleiben war kein Problem. Davon habe ich reichlich Gebrauch gemacht, Star Trek und Star Wars habe ich nach Zählungen meiner Schwester, die gelegentlich dabei war, rund 20x mal gesehen, allein in einem Sommer.

Ich hatte immer schon eine Vorliebe für düstere Filme, bei denen es sich nicht zwangsläufig um Vampir oder Horror-Filme handeln musste, vor allem Science-Fiction steht bei mir hoch im Kurs. Alien 1,2 und 4 (Teil 3 fand ich scheiße) zählen zu meinen absoluten Favoriten, keinen Film habe ich öfter gesehen und jetzt wo ich darüber schreibe, könnte ich ihn glatt nochmal sehen. Alle. Hintereinander. “Kenner” werden mir zustimmen, das es allein von der Stimmung her, kaum einen gruftigeren Film gibt. Ripley ist und bleibt der Schwarm meiner Jugend und war oft genug Gegenstand jugendlicher Träume, in denen wir gemeinsam Aliens besiegten und in der Reisekapsel kuschelten smile

 

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Guldhan
Autor

Passion Mensch, Passion Wissen. Etwas anderes hätte ich dahingehend auch nicht erwartet. Oder zumindest wäre ich stutzig geworden, wenn dieses nicht aufgetaucht wäre. Bildet dieser Blog doch momentan den Dreh- und Angelpunkt meiner Internetpräsenz, und das nicht ohne Grund.

[…]Ich möchte das fortführen und denke, das die Art der Fotografie unser gemeinsamer Nenner ist. Nicht nur die Erinnerung an das was auf den Bildern zu sehen ist fasziniert uns, sondern auch die Stimmung die es in uns auslöst.[…]

Um die Jahrhundertwende zum 20ten Jahrhundert war die Photografie ein beliebter Zeitvertreib des kulturell interessierten Bildungsbürgertums. Wenn auch nicht ohne Einbildung und Augenzwinkern, so könnte man doch hierbei eine Parallele ziehen.

Schatten
Gast

“Aus Spon­tis ist eine Pas­sion gewor­den. Die Pas­sion, die Szene so zu zei­gen, wie sie wirk­lich ist und denen, die sie aus­ma­chen, etwas zurück­zu­ge­ben.”
Ein sehr schöner Satz finde ich. Und für dieses zurückgeben sage ich jetzt mal spontan Danke! smile

Allgemein ein toller Beitrag ließt sich gut^^

Marcus
Gast

Obwohl ich das Internet seit über einem Jahrzehnt nutze, gingen Blogs bis vor kurzem immer an mir vorbei. Spontis hat mir gezeigt, dass es in Blogs auch überaus Interessantes zu entdecken gibt. Beim Lesen dieses Blogs spürt man die Leidenschaft dahinter.

„Nicht die Künstler auf der Bühne machen Gothic, sondern die Menschen davor, die Szene selbst, ihr.“

Genau. Dieser Satz bekommt meine volle Zustimmung. Zumindest sollte es so sein. Wobei es wohl leider einen nicht ganz kleinen Teil gibt, der sich durchaus nicht unwesentlich an den Künstlern auf der Bühne orientiert.

„Man nenne mich einen Banausen, das ich die Musik als MP3 höre…“

Auch ich liebe es, schnell und bequem einen Titel auszuwählen, der mir gerade durch den Kopf schießt und meine augenblickliche Stimmung perfekt trifft. So findet nur noch sehr selten eine Vinylscheibe seinen Weg auf den Plattenteller. Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich die vielbeschworene bessere Klangqualität eines Vinyls nicht bestätigen kann. Vielleicht stand ich früher bei Konzerten ungeschützt zu oft in der Nähe der Boxen?

Melle Noire
Gast
Melle Noire

Hi!

Ein wundervoller Beitrag,
der Deine tiefe Verbundenheit zu
unserer Szene schön zeigt! smile
“Die Passion, die Szene so zu zeigen,
wie sie wirklich ist…”
Großartig! Die Medien haben die
schwarze Subkultur in der Vergangenheit
schon viel zu oft völlig verzerrt dargestellt
und sie für ihre Schlagzeilen mißbraucht
und ausgeschlachtet. Was bei vielen
Außenstehenden gewisse Vorurteile im Kopf
uns Schwarzen gegenüber nur noch weiter
gefestigt hat. Von daher ist ein so authentischer
Szenespiegel wie dieser Blog hier äußerst
wohltuend. smile

Dunkle Grüße
Melle

Marcus
Gast

„Daher appelliere ich für mehr Liebe zum Bild, weniger ist manchmal mehr. Sortiert eure Sammlung und gebt den Bilder Namen…“ – Damit sprichst Du mir aus der Seele. Für mich als leidenschaftlichen Fotografen als auch Bildbetrachter sind die Auswirkungen und Möglichkeiten der Digitalfotografie sowohl Segen als auch Fluch. Meine Gedanken hierzu in Worte zu fassen, steht seit einigen Tagen (durch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Fotografie“ in meinem Beitrag zu Deinem „Gothic Friday“) auf meiner Agenda.

„Ob du zu nah an den Boxen gestanden hast, kann nur ein Hörtest zeigen.“ – Mein letzter Hörtest, deren Richtigkeit ich aber mit Freude torpediert habe, war vor fast zwei Jahrzehnten im Rahmen der Musterung. Im Großen und Ganzen bin ich aber relativ bald recht pfleglich mit meinem Gehör umgegangen. Für Konzerte wollte ich mir sogar einmal Musikohrstöpsel zulegen. Die Preise hierfür haben mich damals dann aber doch abgeschreckt.

nrsss
Gast

Ich muss mich Schatten anschließen, Dein Beitrag löst so ein spontanes Gefühl von Dankbarkeit aus!

Danke!

Danke für “spontis”, das nicht wirklich “nur ein Blog” ist, danke für diesen wundervollen Text!

Orphi
Editor

Ich möchte mich ebenfalls anschließen. Mir ging es genau wie Marcus. Blogs haben mich nie großartig interessiert und kommentiert habe ich vor Spontis – soweit ich mich erinnern kann – auch nirgendwo. Die gut recherchierten Artikel und die Themenauswahl haben mich – nicht zuletzt über die Suchmaschine – immer wieder in diesen Blog gezogen und auch die Diskussionen im Kommentarbereich gehen weit über “Toller Beitrag” hinaus.

Die Spontis Besucher reden miteinander, scherzen miteinander, diskutieren und treffen sich regelmäßig hier zum Austausch. Mit dem Gothic Friday lernen sich alle noch besser kennen. Darüber hinaus hat Spontis (also Robert) es auch geschafft, ein Netzwerk aus Blogs zu schaffen, das hochwertig und interessant ist und in dem ich immer wieder gerne auf Lesetour gehe.

Die Passion Mensch ist also auf ganzer Linie geglückt und vielleicht trifft sich die Spontis Familie ja demnächst auch mal außerhalb des Internets. Wenn ich es richtig sehe, haben sich ja schon einige verabredet, getroffen oder planen Treffen. Ich hinterlasse ebenfalls ein herzliches Dankeschön smile

@Marcus
Ich weiß nicht… es ist zwar sinnvoll, mit Ohrstöpseln auf ein Konzert zu fahren, aber irgendwie finde ich das… uncool? smile

Marcus
Gast

Orphi: Nun ja, ich bin lieber uncool, als irgendwann den Rest meines Lebens mit einem Tinnitus oder einem Hörgerät (letzteres wäre sicher das kleinere Übel) leben zu müssen. Einen Freund hätte es nach einem Konzert fast einmal erwischt. Einen dauerhaften Tinnitus konnte der Arzt gerade noch so abwenden, doch es war wohl sehr knapp. Richtiger Hörgenuss dürfte mit Tinnitus nicht mehr möglich sein. Dieses Risiko ist mir einfach zu hoch. Dazu liebe ich die Musik zu sehr. Mal abgesehen davon, dass der Einfluss auf das ganze Leben extrem ist. Tagein, tagaus, Stunde für Stunde, Minute für Minute ein Pfeifen zu hören – schrecklich.

Orphi
Editor

@ Marcus
Oha, das stimmt natürlich. Vielleicht sollte ich mir da wirklich mal Gedanken machen und zumindest für den Notfall Ohrstöpsel mitnehmen. Beim Musik hören fällt das mit dem Pfeifen weniger auf – sagt mein Tinnitus-Musiker-Ehemann – aber ich hätte schon gerne ab und zu absolute Ruhe. Alles andere grenzt ja an Folter.

Guldhan
Autor

zu Robert:

[…]Daher appelliere ich für mehr Liebe zum Bild, weniger ist manchmal mehr.[…]

Aus diesem Grunde liegt hier noch irgendwo die Camera Obscura, die ich vor Jahren mal baute. Zurück zum Ursprung. Zurück zum »Überraschungseffekt der Photografie« Denn auch wenn ich Spiegelreflexkameras mit Chip und Display nicht mehr missen möchte, so liegt doch der Reiz der Fotografie darin, das Bild im »Badewasser« allmählich entstehen zu lassen.
All der technische Firlefanz für ein paar tausend Euro und im Grunde kann man selbst mit einem Holzkasten und einem linsenlosen Loch das Nummernschild in zehn Metern Entfernung gestochen scharf ablichten. Leider fehlt mir momentan die Möglichkeit, diese Kamera weiterhin zu nutzen. Doch der Tag wird kommen…

zu orphis Worten:

[…]Die Spon­tis Besu­cher reden mit­ein­an­der, scher­zen mit­ein­an­der, dis­ku­tie­ren und tref­fen sich regel­mä­ßig hier zum Aus­tausch.[…]ein Netz­werk aus Blogs zu schaf­fen, das hoch­wer­tig und inter­es­sant ist und in dem ich immer wie­der gerne auf Lese­tour gehe. […]

Dito.

Marcus
Gast

Orphi: „Beim Musik hören fällt das mit dem Pfeifen weniger auf.“ – Ja? Wahrscheinlich muss die Musik dann eine entsprechende Lautstärke haben, um das Pfeifen zu übertönen. Ob das mal nicht ein Teufelskreis ist wink
Mit einem Stückchen Papiertaschentuch lässt sich die Lautstärke übrigens auch ganz gut auf ein erträgliches Maß regeln.

nrsss
Gast

Da das Thema “digitale Fotos – Fluch und Segen” hier gerade aufflammt:

Fotos gehören nicht nur betitelt, sie gehören als Erinnerungen vor allen Dingen auch in ein richtiges Album. Ein paar Festivalhighlights, die schönsten Fotos einer Party, ein paar nette Schnappschüsse, Bilder vom Wochenendtrip in die nahe Ferne, …

So ein Album ist ja schon fast Nostalgie und doch eine wundervolle Art der Würdigung für das “Wunder Fotografie” wink
Leider sieht man richtige Alben in letzter Zeit fast nur noch mit Hochzeitsfotos :/

nrsss
Gast

Achja.. und für guten Gehörschutz empfehle ich
https://www.sonicshop.de/

Da gibt es auch traumhafte Lösungen bei schnarchendem Partner wink

Karnstein
Autor

Dann möchte ich doch an dieser Stelle auch mal festhalten, dass ich nicht mal so RICHTIG wusste, was Blogs überhaupt sind, bis ich über Spontis.de gestolpert bin. Heute bin ich selbst begeisterter Blogger, aber noch immer hat Robert einen gewissen Vorbild-Charakter für mich, und das wird wohl auch so bleiben.

Und Kontakte geknüpft habe ich hier ebenso, zu mir ganz neuen Leuten ebenso wie zu welchen, die ich online zumindest schonmal getroffen hatte.
Spontis verbindet! Und ist der beste Beweis dafür, dass die Szene nicht tot ist und neue Wege beschreiben kann ohne ihren Wurzeln untreu zu werden.
Bravo! smile

Simone
Gast

SChöön, danke! smile

Katrin
Gast
Katrin

Hier findet man, wonach man nicht suchte, weil es längst abgehakt war. Wunderbare Seite, auf die mich ein bekennend unschwarzer Mensch aufmerksam machte… einen Link mag ich dalassen (diesen-> und einen großen Dank für die Leidenschaft und die Zeit, die Du in all das investierst.

Madame Mel
Gast
Madame Mel

Auch von meiner Seite ein Dankeschön für diesen tollen Blog! Dass ich auf “Spontis” gestoßen bin (nachdem ich alte Bravo-Artikel gesucht habe), hat sich als wahrer Glücksgriff herausgestellt.

Davor habe ich zwar schon in einigen Blogs gestöbert, aber das hohe Niveau, was Spontis und auch die anderen Blogseiten aus der “Spontis Family” an den Tag legen, konnte bis dato keiner halten. Deshalb bin ich auch aus dem Schatten der Lesenden gereten, um ab und zu – wenn´s zeitlich machbar ist – meine Kommentare, und damit einiges Persönliches, zu hinterlassen.

Aristides Steele
Redakteur

Also meine Meinung von Blogs war bevor ich hier drüber gestolpert bin auch nicht so berauschend, auch wenn meine Homepage damals auch shcon einen hatte – ich hab ihn kaum genutzt und wenn dann nur gelegentlich Nähprojekte beschrieben.
Daß bloggen mehr ist als nur öffentliche persönliche Tagebücher die meistens eh keinen interessieren, habe ich beim mitkommentieren und mitlesen hier dann auch für mich herausgefunden und entdeckt.
Und wieder ein neues Ausdruckmittel gefunden *lach*

Ich weiß nicht mehr genau wie ich dereinst auf Deinen Blog gestoßen bin, Robert, irgendwas hatte ich gesucht aber frag mich nicht mehr was wink und ein hat mich maßgeblich hier bleiben lassen: eben das Interesse für die Szene und alles drumrum, daß Du szenespezifische Themen aufgreifst und Dir Gedanken dazu machst.
Das Interesse teile ich durchaus auch, und vorher hatte ich die Erfahrung gemacht daß viele – gerade aus der jungen Generation – diese Beschäftigung mit der Szene meiden oder blöde finden. Ich bin deswegen in schwarzen Foren auch nicht anzutreffen weil ich mich da nie ganz “heimisch” gefühlt habe. Das lässt sich jetzt etwas schwer in Worte verpacken …
Jedenfalls, hier fühl ich mich da schon um Längen wohler und es ist toll mitzureden und selbst über sowas zu bloggen. Ohne daß man für eine plöten alten Deprigrufti gehalten wird, weil man sich erdreistet ein bisschen weiter zu gehen.

Zum Phänomen Photographie an sich habe ich neulich auch gegrübelt, und ja ich schätze es ist wirklich die Möäglichkeit, mit diesem Mittel etwas flüchtiges festzuhalten was für schwarze Herzen wohl das Interessante dran sein mag. Oder die inneren Traumwelten so für andere sichtbar zu machen. Wobei man über das Thema freilich auch seitenweise philososchwafeln könnte wink

Als ebenfalls glühender Science Fiction Fan kann ich abschließend nur sagen: Alien finde ich auch ganz großartig! Nicht nur von de gesamtstimmung, auch wegen H.R. Gigers Alien-Design – im Übrigen hatte Giger für eine erste geplante Verfilmung vom Wüstenplaneten auch Entwürfe gemacht, die wurden dann aber nicht hergenommen, ich weiß aus dem Stegreif aber nicht weswegen, fiel mir nur grade noch so mit ein grin

shan_dark
Gast

Ich bin ja diesen Monat in jeglicher Hinsicht aus Zeitgründen spät dran und allen, die hier schon kommentiert haben kann ich mich nur anschließen – es ist zu diesem tollen Beitrag eigentlich schon alles gesagt. Ich möchte trotzdem hier noch meinen kleinen Senf dazugeben:

Deinem Blog merkt man durch und durch an, mit welcher Leidenschaft für die schwarze Szene du ihn betreibst. Natürlich kannte ich Blogs schon vorher, allerdings ist Spontis.de mir persönlich der Liebste in der schwarzen Szene, weil Du so viele Themen abdeckst, diese durch gute Recherchen vertiefst und man hier immer wieder was Neues oder ‘düstere’ Querverbindungen zu bereits bekannten Sachen entdecken kann. Und die Leser + Kommentatoren (Spontis Family), die sich hier herausgebildet hat, ist für mich auch ein Grund, immer wieder hierher zu kommen. Man ist “unter sich” und fühlt sich wohl. Möchte mich Rosa auch anschließen, man fühlt sich hier “heimisch” ;o).

Auch deine anderen zwei Leidenschaften teile ich: Filme und Friedhöfe. “Alien” (1) ist einer der besten Filme ever, für mich persönlich ist DER “Goth Film” schlechthin aber eher “Nosferatu” von 1921 oder auch “Interview mit einem Vampir”.

Man nenne mich einen Banau­sen, das ich die Musik als MP3 höre, sei es drum. Denn ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Mei­nung ver­trete ich den Stand­punkt das Kon­ver­tierte Musik von der Ori­gi­nal­quelle bes­ser klingt als das Ori­gi­nal selbst.
Das ist technisch gar nicht möglich. MP3 “ist ein Verfahren zur verlustbehafteten Kompression digital gespeicherter Audiodaten. MP3 bedient sich dabei der Psychoakustik mit dem Ziel, nur für den Menschen bewusst hörbare Audiosignale zu speichern. Dadurch wird eine Reduzierung der Datenmenge möglich, die die wahrgenommene Audioqualität nicht oder nur kaum verringert.” (Quelle: Wikipedia) Bei manchen Liedern hört man die Kompression kaum, bei anderen wiederum sehr stark, weil Töne/Sequenzen verschluckt werden, die im Original vorhanden sind. Ich hätte da einige Liedbeispiele, bei denen man im Original Sachen hört, die nach einer Konvertierung zu mp3 nicht mehr vorhanden sind.
Ich höre auch mp3 z.B. im Autoradio oder am Computer – aber nur weil es praktisch ist. Hörgenuss ist definitiv was anderes und für mich nur im Original zu haben.

shan_dark
Gast

Das Lob ist gern und verdient geschehen ;o)

“Spontis Family” – ich finde es gerade nicht, aber wenn ich mich recht entsinne, war es Schatten, der damit um die Ecke kam…oder?

Nuja, meine MP3-Meinung kennste ja (spätestens jetzt ;o)) – es ist subjektiv und sicher hat MP3 definitiv praktische Vorteile. Oftmals ist es allerdings eine Beleidung meiner Gehörgänge. Es klingt meist blechern oder es werden eben Sequenzen verschluckt. Bessere Qualität bei beschädigten CDs oder aufgrund besserer CD-Laufwerke im Rechner, ja, da geb ich dir recht. Aber das ist auch nicht der Normalfall…

nrsss
Gast

Madame Mel kam mit dieser Bezeichnung zum ersten Mal hier: https://www.spontis.de/schwarze-szene/gothic-friday/gothic-friday-das-februar-resuemee/

Kommentar Nr.10 wink

mp3 besticht einfach durch den Vorteil, es überall hören zu können. Die Flexibilität, die ich durch dieses Format bekomme, kann im ganz normalen Privatgebrauch kein besserer Klang wettmachen. Ich muss zugeben, dass hier kein einziger richtiger CD-Player mehr existert sondern lediglich ein externes Laufwerk udn das in meinem Laptop.
Die Ausnahme ist hier der Club. Aber da braucht man auch gar nicht mehr die Flexibilität, weil es extra “Personal zum Tonträgerwechsel” gibt um im Idealfall oft nicht einfach nur nacheinander irgendwelche Lieder spielt wink

Die c’t 05/2011 liegt hier übrigens auch rum…

Redakteur

Was ich an Dir besonders schätze ist Dein Herzblut welches Du in diesen Blog steckst und uns Leser auf Deine ganz spezielle, wundervolle, spannende, liebevolle, auffordernde, humorvolle Art und Weise mit auf die Reise durch Dein Leben nimmst. Danke Dir dafür smile

Aristides Steele
Redakteur

Eine weitere Feststellung die ich schon vor Längerem gemacht habe: Grufties sind nicht selten auch ausgemachte Nerds *g* – witzig ist auch daß sich beim ersten Betrachten Science Fiction und Gothic widersprechen mögen, bei näherer Betrachtung aber doch großartig zusammenpassen.
Science Fiction ist ein Spiegel der Zeit in dem die jeweiligen Werke entstanden sind und nicht selten wird das als Mittel verwandt vorherrschende Problematiken zu verarbeiten oder kritisch anzusprechen, auch das macht für mich einen gewissen Teil der faszination dafür aus. Gene Roddenberry hat sich das zunutze gemacht als in den 60ern SciFi noch als Kinderkram galt, und hat auch in der heute recht infantil anmutenden Serie Star Trek viel kritisches verarbeitet. Weit mehr als bei moderneren Spin Offs, deswegen bin ich unter anderem auch erklärter ST Classic Fan grin

Zu diesem Blog und auch den Kommentatoren hier kann ich nur sagen: es ist angenehm wie ruhig hier diskutiert werden kann, auch wenn gelegentlich mal Moserbacken auftauchen, im Großen und Ganzen ist es auch wegen der Mitkommentatoren hier großartig sich mit einzumischen wink