2009: Super Goths, Satanisten und Vampire in London

Vor rund 30 Jahren war London eine Hochburg der zu dieser Zeit aufstrebenden Jugendkultur der „Goths“. Begeistert lauschten die Jugendlichen der Musik und nahmen das auf, was die Szene an Inhalten mitbrachte und entwickelte. Vampire, Okkultismus, Satanismus und Mythologie versprachen einen möglichen „Kick“  und luden dazu ein, sich auszuprobieren. Man spazierte auf Friedhöfen, rückte Gläser über eine Tischplatte, entzündete schwarze Kerzen und murmelte geheimnisvolle Texte. Für viele ein Phase, ein Stück ihrer Jugend, eine Erinnerung. Was jedoch passieren kann, wenn man aus einem Interesse und einer Leidenschaft eine Lebensweise oder gar Weltanschauung macht, zeigt eine kurze Dokumentation aus dem Jahre 2010. Offensichtlich haben „Super Goths“, „Real Life Vampires“ und Satanisten vor 15 Jahren damit begonnen, sich in London zu organisieren und Gruppen zu bilden, in denen man sich austauscht und möglichen Aktivitäten okkulter Mächte beobachtet.

Haben hier ein paar Erwachsene nie aufgehört wild und rebellisch zu sein? Wie in der schwarzen Szene selbst, ist auch hier ein breiter Altersquerschnitt zu finden. Offensichtlich ist das Interesse für die Randbereiche zwischen Wissen und Glaube immer noch enorm groß. Das Devonshire Arms war und ist so ein Treffpunkt. Hier trifft sich unter anderem die London Vampire Meetup Group zum monatlichen Stell-Dich-Ein.

Interessant. Hier treffen sich Cyber, Steampunker, Goths und Neo-Romantics, weil sie ein Interesse haben. Vampire, Geschichten und Menschen mit den gleichen Leidenschaften. Völlig unabhängig von der subkulturellen Zugehörigkeit. Vorbildcharakter? Ohne vom Eigentlichen, der kurzen Video-Reportage, abzulenken möchte ich behaupten: Durchaus! Beobachtet man beispielsweise die Ausstellungen, Lesungen und Museumsführungen zum WGT in Leipzig wird deutlich, dass Interessen keine Differenzierung kennen.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37575)
Vor 8 Jahre

Finde ich sehr interessant… dazu fällt mir noch diese Produktion ein, ich kann allerdings nicht sagen, ob es sich dabei um eine Dokumentation oder um einen Spielfilm im Doku-Stil handelt:

Unknown
Unknown (@guest_37610)
Vor 8 Jahre

Ian, ich glaube der von Dir verlinkte Film ist eine Dokumentation. Finde das Thema auch sehr spannend und freue mich über weitere Film- oder Website Tipps zum Thema „realer Vampirismus“.

Ich kann mich leider bislang nicht entscheiden, ob ich diese Bewegungen spannend oder vielleicht sogar gefährlich finden soll. Denn solange alles in gegenseitigem Einverständnis erwachsener Menschen stattfindet ist’s ja gut und schön. Aber wie in der von Ian verlinkten Doku schon angesprochen: Was, wenn wirklich verrückte / gewalttätige / ausbeuterische Menschen in dieser Szene zu Macht und Einfluss gelangen…?

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37614)
Vor 8 Jahre

Unknown, das ist tatsächlich eine gute Frage, die ich mir tagtäglich stelle, egal zu welcher Situation auch immer. Ist es ethisch moralisch, anderer Leute Blut abzuzapfen? Gibt es ein Gesetz, das dieses verbietet? Ich habe bislang von keinem gehört, dennoch hätte ich persönlich ein mulmiges Gefühl, wenn da so einer daherkäme. Warum? Nun, ich denke, weil es nicht das Gewöhnliche ist, das uns zeigt, dass alles so ist, wie wir es uns vorstellen. Dinge, die von der Norm abweichen, ängstigen die Menschen. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht, und wenn der Stadtmensch wüsste, was er isst, wollte er Bauer werden. Mich für meinen Teil dürstet es jedenfalls nicht nach Blut, bin da wohl ein vegetarischer „Vampir“ und ziehe lieber einen guten Montepulciano oder einen Chianti vor :) Aber wer von uns hier ist schon wirklich „normal“? :)

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 8 Jahre

Was, wenn wirklich verrückte / gewalttätige / ausbeuterische Menschen in dieser Szene zu Macht und Einfluss gelangen…?

Dann werden (sind und bleiben) diese auch nichts anderes als der ganz ordinäre Gewalttäter, der in der Welt herumspukt. Dass diese Gestalten mit Keramikhauern und Über-Ego durch die Straßen schlürfen macht sie auch nicht gefährlicher als andere Schläger oder Typen mit Klappmesser im Stiefel.

Ich glaube das ist Kompension. Mehr nicht. Für die einen ein bloßer Stil und für die anderen der Versuch ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben.
Wenn ich die Sprecher in der »Vampires in the twilight« – Dokumentation, bis jetzt, richtig verstehe, so sind es einst gescheiterte Gestalten, die nun wieder Größe erlangen wollen. Größe vor sich selbst und vor dem Leben. Die Vergangenheit ging in die Brüche, machte sie klein. Diese Jahre fehlen ihnen, um sich vor der Gesellschaft zu erheben. Demnach musste es nun schneller gehen. Durch einen Katalysator. Den Gedanken, dass man nicht einfach nur Mensch unter Menschen ist, sondern stärker. Eben das Raubtier, ergo der sogenannte Vampire. Vielleicht revidiert der weitere Dokuverlauf diese Sicht, aber das glaube ich eher nicht.
Am Ende doch noch Vampirismus als faktischer Tatbestand? In seiner klassischen Definition des übernatürlichen Jägers ist dieses mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich. Denn ist doch mittelalterlicher Aberglaube ebenso glaubwürdig wie die Fantasie eines Kindes. Im Kern einst wahr, aber drum herum reinste Spekulation.
Somit wird dieses Vampirgehabe nur rein mental ablaufen. Womöglich auch nur rein spirituell.

Dieser Film ist für mich definitiv ein Spielfilm im Doku-Stil. Begründet durch die reißerische Kommentierung. Deshalb verdient diese „Dokumentation“ nicht den Titel einer Dokumentation.
Eine Doku sollte das Thema von den Dargestellten, von der Darstellung, leiten lassen und keine unnötigen Emotionen durch einen theatralischen Off-Sprecher provozieren. Im Grunde ist eine Dokumentation nur die, bei der hinter der Kamera geschwiegen wird.

mela
mela (@guest_37679)
Vor 8 Jahre

Ist es ethisch moralisch, anderer Leute Blut abzuzapfen? Gibt es ein Gesetz, das dieses verbietet? Ich habe bislang von keinem gehört, dennoch hätte ich persönlich ein mulmiges Gefühl, wenn da so einer daherkäme.

Körperverletzung?

Ich selber habe mich mal jahrelang in der deutschen Vampirszene bewegt (bevor sie von den oft sehr jungen Mädels überflutet wurde, die ihren glitzernden Edward kennen lernen wollten) und habe diese Szene als sehr respektvoll empfunden. Wer Blut trank, der tat das nie ohne Einverständnis des „Spenders“.

Als ich dann jedoch in Kontakt mit Menschen kam, die ebenfalls zu dieser Szene zählten und sich gegenüber „dem normalen Menschen“ wirklich als Besseres oder Machtvolleres darstellen wollten, habe ich mich mehr und mehr von der Bewegung gelöst.

Durch eureo Kommentare bin ich neugierig auf die Videos, die ich mir auf Arbeit aber leider nicht ansehen kann.

Axel
Axel (@guest_37694)
Vor 8 Jahre

Vor vielen vielen Jahren habe ich mal folgendes Buch gelesen:
https://www.amazon.de/Vampire-unter-uns-Katherine-Ramsland/dp/3802526414

Fande ich amals recht nett zu lesen.

Ich kannte, wie Mela, auch mal welche aus der „Vampir-Szene“. Mein Eindruck war, dass es da wohl eher um den sexuellen Kick ging das Blut von jemanden zu trinken. Vielleicht kannte ich aber auch nur die falschen, wer weiß…

Unknown
Unknown (@guest_37696)
Vor 8 Jahre

Dann werden (sind und bleiben) diese auch nichts anderes als der ganz ordinäre Gewalttäter, der in der Welt herumspukt. Dass diese Gestalten mit Keramikhauern und Über-Ego durch die Straßen schlürfen macht sie auch nicht gefährlicher als andere Schläger oder Typen mit Klappmesser im Stiefel.

Ja und nein.
Was ich grusliger finde als „ganz ordinäre“ Gewalttäter (kann Gewalt ordinär sein?), ist zum einen der Grad an Organisiertheit. Ich mein, für einen einflussreichen Ober-Vampir bietet sich da eben ein riesiges, schon bestehendes Netzwerk aus potentiellen Opfern und Tätern.
Und zum anderen, dass das Verletzen anderer Menschen ja schon zum Vampyr-Dasein dazuzugehören scheint. Eigentlich ja eben mit Einverständnis der Verletzten (und damit in meinen Augen weder rechtlich noch moralisch verwerflich). Meine Bedenken gehen da eher in die Richtung, dass die Hemmschwelle, das Einverständnis des Donors irgendwann zu übergehen vielleicht niedriger ist, als bei Menschen, die nie in einer solchen Szene waren… Verständlich?

Axel
Axel (@guest_37697)
Vor 8 Jahre

@Unknown:
Naja, mit der Denkweise müssten in der SM Szene beispielsweise exorbitant viele Sexual-Gewaltverbrecher rumlaufen. Was aber nicht ganz so der Fall ist, im Gegenteil. Ich denke, durch das aktive Ausleben verschwindet dann auch der Reiz sich das gewaltsam zu holen.

„Einflussreicher Ober-Vampir“ das klingt mehr nach True Blood als nach der Realität. ^^

Unknown
Unknown (@guest_37763)
Vor 8 Jahre

Stimmt, das klingt wirklich doof. ;-) Ich hab mich damit auf Leute wie „Pater Sebastian“ aus der Doku bezogen.
Aber ist auch alles nicht so wichtig, ich mag hier niemandes Lebensweise unter Generalverdacht stellen oder ähnliches. War nur mein rein subjektives Bedenken beim Ansehen der zwei Filme.

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 8 Jahre

Was ich grusliger finde als “ganz ordinäre” Gewalttäter (kann Gewalt ordinär sein?), ist zum einen der Grad an Organisiertheit. Ich mein, für einen einflussreichen Ober-Vampir bietet sich da eben ein riesiges, schon bestehendes Netzwerk aus potentiellen Opfern und Tätern.

Gewalt kann ordinär sein. Jeder von uns wird täglich bis zu einem gewissen Grad mit Gewalt konfrontiert. Sei es physisch oder psychisch. Und vermutlich jeder war auch schon einmal Sender von Gewalt. Dieses wohnt dem Menschen inne, ist Bestandteil unserer Natur. Und je nach Persönlichkeit und Prägung wird ein Grad definiert, bis zu welchem wir die Gewalt als gegeben abwinken. Als gewöhnlich einschätzen und damit ordinär werden lassen.
Erst wenn dieser Grad überschritten wird sind wir schockiert. Definieren das als brutal oder sadistisch.
Als Beispiel: Bandenkrieg in den USA. Zwei Mitglieder, Schutzgelderpresser und Dealer, werden in einer Nebenstraße erschossen. Zwei Tote. Brutalität. Aber hebt uns das emotional an, wenn wir das lesen… Wohl kaum. Ordinäre Gewalt und klarer Fall von selber Schuld, denkt der Betrachter.
Ein Mädchen, elf Jahre, eine Nebenstraße in der eigenen Stadt, vergewaltigt und erwürgt. Eine Tote. Gewalt, die den Leser allerdings schon bedeutend emotionaler stimmt, da hierbei die eigene Grenze des »guten Geschmackes« überschritten wurde. Ergo: Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Der Mensch differenziert nach etwas das man zwar leicht zynisch als Qualität der Gewalt definieren könnte, dessen er sich aber nicht schämen muss. Fakt ist jedoch, Gewalt kann durchaus gewöhnlich sein, denn jeder unterscheidet darin für sich selbst.

Netzwerke von Tätern und Opfern findet man überall. Schau in die Strukturen des (organisierten) Verbrechens. Paten, Warlords, sog. Präsident oder einfach nur Bandenführer. Ohne das vorgefertigte Muster von Opfer und Täter wäre das nur schwer möglich.
Mit dem Unterschied, dass sich beispielsweise ein Warlord weniger der allgemeinen Lächerlichkeit preisgeben wird, als einer, der auf Ober-Vampir machen würde.

Man sieht, ich kann diese Gestalten nicht ernst nehmen. Für mich ist das Kinderfasching, Karneval, und ebenso faszinierend, als wenn jemand von sich behaupten würde dass er Blutegel wäre, Nebelkrähe oder Schmetterling. Es kommt ja auch keiner auf den Gedanken als Chimäre herumzurennen oder als Zentauer (zugegeben, als Zombie schon). Warum eigentlich nicht… Vielleicht einzig aus dem Grund dass es uncool wäre. Weniger schick.
Man spielt sich nicht als Vampir auf, weil man sich als real existierender Vampir fühlt, sondern weil der Vampir der Rockstar unter den Fabelwesen ist, der »Taff Guy«, der »Badass«. Der Trump, Gates, Manson, Schwarzenegger, Willis, Depp -in einer Person- unter den Viechern des Aberglaubens. Das erst seit der erfolgreichen Hollywoodvermarktung aus jüngerer Zeit wieder in das Bewusstsein der Massen geholt worden ist.

Ian von Nierenstein
Ian von Nierenstein (@guest_37844)
Vor 8 Jahre

Guldhan, ich liiiiiebe es, wie du das beschreibst! Immer wieder ein Hochgenuss, deine Kommentare zu verfolgen :)

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