Finanzprobleme: Dark Flower Leipzig schließt Ende Juli 2023

Die legendäre Leipziger Club „Dark Flower“ schließt Ende Juli 2023 für immer seine Pforten. Betreiber Marko Meyer muss die „Notbremse“ ziehen, wie es in der LVZ heißt, damit er nicht in eine Insolvenz gerät. Die Pandemie hatte bereits Spuren hinterlassen – Inflation, Wegbrechen von Sponsoren und die Erhöhung der GEMA-Gebühren sorgen offenbar jetzt für den Todesstoß.

Kirchengestühl um Tische aus Särgen, Spinnweben, Schädel und Gebein an den Wänden, an der Bar Grabsteine.“ schreibt die LVZ bei der Eröffnung im September 2000. Als die Szene-Kneipe „Dark Flower“ auf der Ritterstraße in Leipzig seine Pforten öffnet, wird es als dunkler Stern am Szene-Himmel gefeiert. Und tatsächlich entwickelt sich Location schnell zu einem Stern, dessen Schweif über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar war. 2005 zieht der Club dann auf die Hainstraße in bester Innenstadt-Lage. Release Parties zu neuen Alben locken zahlreiche große Namen hinter das Mischpult des Clubs, doch jetzt scheint der Stern aber verglüht zu sein, denn Ende Juli 2023 finden dort die letzten Veranstaltungen statt.

Gegenüber der LVZ führt Marko Meyer die Gründe für die Schließung näher aus:

Ins Kontor schlagen eine Erhöhung der Gema-Gebühren, das Wegbrechen von Sponsoren sowie die Preisentwicklung. „Ware und Anlieferung haben sich massiv verteuert, ich habe Personal eingebüßt und muss höheren Mindestlohn zahlen“, so Meyer. […] Hinzu kam eine Mieterhöhung, „die aber trotzdem günstig für die Innenstadtlage ist“, betont Meyer.

Um Ausgaben zu reduzieren, strich er den Donnerstag als Öffnungstag und schloss den Club in der Hainstraße nur noch freitags und samstags auf. Doch auch an diesen Tagen läuft es nicht wie früher. „Wegen der zwangsläufig höheren Getränkepreise müssen viele Gäste sehr aufs Geld achten und konsumieren weniger“, berichtet Sabrina Theile, die seit fünf Jahren an der Bar arbeitet. Inzwischen sei der Club mit seinen zwei Floors wegen der gesunkenen Besucherzahl auch zu groß.

Nach der Schließung der Absintherie Sixtina 2019, die sich mit einem Thekenwagen jetzt auf Festivals eingestellt haben, bleibt nun nicht mehr viel übrig von Leipzigs schwarzer Nachtszene. Die gesamtgesellschaftlichen Veränderung hinsichtlich sozialen Kontakten und Feierkultur sind spürbar. Alle Ereignisse der letzten 4 Jahre unterstrichen das Clubsterben mehrfach und das Dark Flower wird sicherlich nicht der letzte Club sein, der sein Pforten schließen muss.

Es wird meiner Ansicht nach nicht an Events mangeln, allerdings bleiben die unverbindlich und örtlich austauschbar. Die Szene scheint zu schrumpfen und gleichzeitig immer globaler zu werden, was dazu führt, dass es „lokale Cliquen“ kaum noch gibt und sich entsprechend örtlich fest verankerte Szene-Treffpunkte nicht mehr etablieren können.

Einen Wermutstropfen Lichtblick scheint es jedoch zu geben, denn Betreiber Marko Meyer sucht bereits nach einem neuen, kleinen Standort im Innenstadt-Bereich, denn er und seine Angestellten möchten weitermachen: „Etwas Anderes als hier zu arbeiten, möchte ich mir nicht vorstellen.“

Dark Flower Leipzig
Das Dark Flower in Leipzig. Ende Juli 2023 schließt er für immer seine Pforten.

(Danke@Reinhard)

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Alex.
Alex.(@velofreak)
Vor 2 Monate

Gut, dass ich es dieses Jahr noch erleben durfte. Viel Erfolg und eine gute Portion Glück beim Reboot unter anderen Bedingungen!

Yttrium
Yttrium(@yttrium)
Vor 2 Monate

ich habe Personal eingebüßt und muss höheren Mindestlohn zahlen

Mir kommen hier gleich die Tränen. Sich an den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn halten zu müssen? Was für ein Schicksalsschlag.

Persönlich find ich in Leipzig die Sachen aus dem Unterschall-Umfeld sowieso deutlich spannender als das recht generische Zeug aus dem Darkflower, drum ist mir die Tatsache dass der Laden umziehen bzw sich verkleinern muss recht egal. Und dass sie mit EMP zusammenarbeiten, was ja zu 100% zu Warner Entertainment gehört, ist ebenfalls Geschmackssache. Mein Ding ist es nicht, ich stehe weder auf Fast Fashion noch die globale Unterhaltungs-Industrie. Aber jeder wie er/sie mag.

Für die Leute die dort immer Party gemacht habe tut es mir natürlich leid. Würde mir aber genauso leid tun für einen Club mit komplett andererer Musik und komplett anderen Publikum, um ehrlich zu sein.

Durante
Durante(@durante)
Vor 2 Monate

Als der einzige rein schwarze Club in München geschlossen hat, hat mich das noch nicht so gewundert (wenn auch traurig gemacht), aber dass jetzt selbst in der defacto „schwarzen Hauptstadt“ Leipzig (bin selbst kein ausgesprochener Fan von Leipzig als Stadt aber der Titel is halt objektiv ganz zutreffend in Deutschland) schon Clubs schließen… krass. Betrifft mich persönlich natürlich Null, aber ich find es krass. Hätte man sich vor einigen Jahren so nicht vorstellen können.

Barbara
Barbara (@guest_63190)
Vor 2 Monate

„ Ein Wermutstropfen scheint es jedoch zu geben, denn Betreiber Marko Meyer sucht bereits nach einem neuen, kleinen Standort im Innenstadt-Bereich…“

-> du meinst „einen Lichtblick scheint es zu geben“ – Wermutstropfen ist eigentlich immer etwas, was etwas Schönes trübt, ist also unpassend formuliert.

Yttrium
Yttrium(@yttrium)
Antwort an  Robert
Vor 2 Monate

Ich dachte der Wermutstropfen wär in diesem Fall ein Wortspiel gewesen, und dass man deswegen die umgekehrte Bedeutung annehmen müsse. Wegen der Absintheria, weil das ja schließlich ebenfalls ein auf Wermut basierendes Getränk ist. :)

Fledermama
Fledermama (@guest_63748)
Vor 7 Tagen

Habt ihr schon mitbekommen: Ein Stammgast hat sich nun statt eines Häuschens das Darkflower gekauft und es wird am 6.10. wieder eröffnet.

Durante
Durante(@durante)
Antwort an  Fledermama
Vor 5 Tagen

Na DAS ist doch mal ein sympathischer Zug! :)

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