Absintherie Sixtina - Galerie

Kult-Kneipe vor dem Aus: Absintherie Sixtina in Leipzig fristlos gekündigt

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Die Absintherie Sixtina im Leipziger Zentrum erhielt am 10. Dezember die fristlose Kündigung der Räumlichkeiten an der Sternwartenstraße. Damit steht die kultige Kneipe, die seit 2001 fest zur Leipziger Gothic-Szene gehört und auch beim Wave-Gotik-Treffen ein wichtiger Anlaufpunkt ist, erneut vor dem Ende. Bis zum 18. Dezember, so das auf Facebook veröffentlichte Kündigungsschreiben, sollen die Räumlichkeiten geräumt sein.

Bereits im Mai dieses Jahres sammelten der Besitzer Frank Herrmann Spenden für den Erhalt der Kneipe. Damals gab es Probleme mit der Heizung, fällige Anwaltskosten für die Übernahme der Kosten und auch das Finanzamt rückte dem Leipziger auf die Pelle. 2375€ kamen damals über eine Spendenplattform zusammen. Offenbar reichte das damals, um den Betrieb der Sixtina zu sichern.

Jetzt scheint es aber ernster zu werden, denn Frank Herrmann erhielt die fristlose Kündigung durch den Besitzer der Immobilie. Der seien einige Abmahnungen wegen Lärmbelästigung vorausgegangen, die nun zur Kündigung geführt haben sollen. “Es sind inzwischen mehrere Anwälte an der Sache. Und wir haben die Erlaubnis öffentlich zu werden.” heißt es in einem Facebook-Post.

In einem Artikel der LVZ spielt Herrmann den Ball zurück. Man hätte sich stets an die Vorschriften gehalten. Seit etwa 2 Jahre habe der Vermieter trotz mehrfacher Hinweise die Heizung nicht Instandgesetzt. “Man will uns einfach raushaben, um etwas anderes in den Räumen unterzubringen”, sagte er gegenüber der Zeitung.

Die Empörung der Netzgemeinde ist groß, über die genauen Hintergründe ist allerdings wenig bekannt. Fakt ist, das die Gentrifizierung Leipzig schon lange erreicht hat. Bereits zahlreiche Clubs mussten ihre Pforten in Leipzig schließen, darunter auch das 4Rooms oder die alte Damenhandschuhfabrik, das wie die Sixitina ein wichtiger Veranstaltungsort der Gothic-Szene gewesen sind.

Es scheint auch deutlich zu werden, dass der Vermieter nicht gut auf Frank Herrmann zu sprechen ist, da man bereits im Kündigungsschreiben eine weitere Zusammenarbeit kategorisch ausschließt. Welche Fehler allerdings von welcher Seite gemacht worden sind und wie es letztendlich so eskalieren konnte, bleibt jedoch unklar.

Schweigeprotest am Mittwoch, den 18. Dezember

Viele Besucher und Leipziger scheinen sich mit der Kneipe zu solidarisieren und rufen für morgen, den 18. Dezember um 15:00 einen Schweigeprotest ins Leben. Die Absintherie bittet jedoch um Zurückhaltung:

Wir bitten euch um Stille aber Präsenz. Wir sind die schwarze Szene…wir sind nicht laut. […] Aber wir müssen uns bemerkbar machen. Auch wenn wir eigentlich die sind, die sich unbemerkt durch die Menge schleichen und hoffen, dass uns niemand anspricht, die nur zum WGT oder in der Six wirklich frei sind, die die immer noch mit Vorurteilen behaftet sind, wie: wir sind so tolerant wir mögen auch rechts oder beten den Teufel an.
Wir sind die schwarze Masse, die sich wunderschön zu Pfingsten, durch die Straßen windet.
Wir sind da, auch wenn man uns selten wirklich sieht. Da es ja um Lautstärkebeschwerden geht, bitten wir euch um Stille. Vor allem außerhalb der Sixtina. Infos, Kundgebungen finden innen statt und werden online Übertragen. Macht Transparente, Schilder, nehmt Notizblöcke mit zum unterhalten und schenkt uns eine Kerze.

Es scheint deutlich zu werden, dass dem Wave-Gotik-Treffen die Veranstaltungsorte ausgehen und sich immer mehr vom schwarzen Trubel während des Wave-Gotik-Treffens in den Speckgürtel der Stadt verlagern wird. Auch der AGRA-Messepark war 2015 bereits von einer drohenden Schließung betroffen. Und obwohl sich die Stadt das WGT auf die Marketing-Fahnen schreibt, scheint es kein Bestreben zu geben, die Vielfältigkeit der Veranstaltungsorte zu erhalten und zwischen Mieter und Besitzern entsprechender Immobilien zu vermitteln. Ob die Absintherie Sixtina sich bis ins neue Jahr retten kann, bleibt abzuwarten.

Dr. Mark Benecke fragt nach

Kriminalbiologe Benecke, der mit den Betreibern der Sixtina offenbar befreundet ist, fragt auf Facebook nach und will ein wenig mehr Licht in die Sache bringen. Laut der Betreiber wechselte vor rund 2 Jahren der Besitzer der Gebäude, der die beiden nicht nur “raushaben, sondern zerstören” möchte.

Die Sixtina ist im zweiten Winter ohne funktionierende Heizung, der Keller ist Sanierungsbedürftig und der Vermieter schickt sich nicht an, diese Mängel zu beheben. Im Gegenteil. Nach Aussagen der Beiden ist ihm viel daran gelegen, die Absintherie durch ein eigenes Etablissement zu ersetzen.

Doch kampflos wollen sie nicht gehen. Für den morgigen Tag hat man zahlreiche Menschen mobilisiert, durch ihre Anwesenheit ein Zeichen zu setzen. Auch Presse, Polizei und weitere Persönlichkeiten wurden informiert. Spontis bleibt für Euch am Ball.

UPDATE: Solidarität für die Absintherie

Etwa 100 Freunde der Absintherie Sixtina haben heute Nachmittag vor der Leipziger Institution demonstriert. Mit Plakaten und Schildern forderten die Menschen den Erhalt der Kneipe, die mit dem heutigen Tage eigentlich die Räume übergeben sollte.

Absintherie Sixtina - Protest

Von der Hausverwaltung war aber – laut der LVZ – niemand zu sehen. Herrmann hatte sich anwaltliche Unterstüzung eingeladen. Jurist Jürgen Kasek sieht bei einer eventuellen Räumungsklage des Besitzers gute Chancen, das die Klage abgewiesen wird. Die LVZ schreibt dazu:

Nächster Schritt des Eigentümers wäre eine Räumungsklage, „doch die hätte keine Aussicht auf Erfolg“, so Kasek. Mit „nicht sauberen Mitteln“ würde vom angrenzenden Hotel Gwuni Mopera gearbeitet, um die nach dem Auszug frei werdenden Räume für sich nutzen zu können

Lars Aßhauer war vor Ort und schildert seine Eindrücke so: “Ich finde, das war schon ein starkes Zeichen. Wenn man bedenkt, dass viele Leute zu dieser Uhrzeit arbeiten müssen, waren trotzdem so etwa 150 Leute da. Hermanns Frau Tanja war den Tränen nahe und hielt zusammen mit ihrem Mann eine berührende Rede am Ende der kleinen Demo. Und man zeigte sich solidarisch zu anderen von der Gentrifizierung bedrohten Locations. Tanja sagte eben, wir alle als Szene würden uns nicht verdrängen lassen von den Normalos. Es müsse Platz geben für die “Unangepassten”. Sie wollen trotzdem kämpfen, obwohl sie sich über kurz oder lang eine neue Location suchen müssen.

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Reimer
Gast
Reimer

Ohne Grund kündigt kein Vermieter einen Vertrag. Besonders nicht fristlos. Da wird es schon eklatante Verstöße gegeben haben. Wenn man sich nicht an seine vertraglichen Pflichten hält dann muss man damit rechnen! Natürlich haben jetzt immer andere Schuld, das ist normal.

Sorry das mein Mitgefühl sich da in Grenzen hält. Sind die Anschuldigungen haltlos dann geht man mit nem Eilantrag vor Gericht und klärt das. Aber anscheinend ist wohl ein Fünkchen Wahrheit dran ;-)

Wiener Blut
Gast
Wiener Blut

Sch…lecht. Die letzten Jahre haben wir die Aufenthalte so genossen, dass wir zukünftig anstatt WGT Karten zu kaufen, fast nur in der Sixtina sitzen wollten. Tja. schade.

Rebecca
Gast
Rebecca

Schade ich war nie in der Sixtina, vermutlich weil immer etwas dazwischen kam. Was mir auch durch den Kopf geht: Der Kohlrabizirkus wird nicht mehr genutzt, das Agra Messegelände stand kurz vor dem Aus. Wird Leipzig vielleicht das Wgt zu viel? Seien wir ehrlich. Wohin mit den Besuchern, wenn es keinen Zeltplatz gibt wo ein Großteil unterkommt? Zwar bringt die Schwarze Gemeinde Millionen Euro zu Pfingsten in die Stadt, jedoch habe ich das Gefühl dass genau das nicht mehr reicht.

Stefan Kubon
Autor

Das sind ja schlechte Neuigkeiten. Beim letzten WGT fand in der Sixtina eine Versteigerung zugunsten der Betreiber statt. Damals habe ich erstmals davon erfahren, dass die Sixtina Probleme mit ihrem Vermieter hat. Schon früher, als die Sixtina noch in der Katharinenstraße weilte, habe ich während des WGTs immer gerne vorbeigeschaut. Und seit die Kneipe in der Sternwartenstraße angesiedelt ist, ist der Besuch für mich ein regelrechtes Ritual geworden. Nachmittags in die Sixtina, um dort die ersten Bands des Tages anzuhören, das war quasi Pflicht für mich. Die lockere Atmosphäre habe ich immer sehr geschätzt.

Das gibt es doch gar nicht: Da hat ein Viertel mal eine Kneipe, die etwas Besonderes ist – und dann soll es das gewesen sein?! Oder wie es die Band OBERER TOTPUNKT (die beim letzten WGT übrigens ein tolles Konzert in der Sixtina gespielt hat) in einem Lied so passend formuliert: “Das ist nicht meine Welt / Die sieht ganz anders aus …“.

Ich wünsche den Betreibern der Sixtina alles Gute und viel Kraft zum Widerstand!

newike
Gast
newike

Das ist eine Analogie zur Rockfabrik in Ludwigsburg und einfach nur Traurig.

Gabrielle
Gast
Gabrielle

Nur ganz kurz, die Sixtina bleibt.

Chris
Gast
Chris
Fantôme noir
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Fantôme noir

@Reimer: schön wäre die Welt, in der Du recht hättest!

Leider habe ich das Gegenteil schon unmittelbar mitbekommen. Für einen Vermieter, der z.B durch einen langfristigen Vertrag gebunden ist, diesen aber aufgrund neuer Entwicklungen als erhebliches Ärgernis sieht, kann sowohl das Aufbauschen von Nichtigkeiten als auch Schlimmeres eine gute Möglichkeit sein, dieses Ärgernis zu beseitigen.

Mit dem, was man im Netz zum Thema findet und etwas Kaffeesatzleserei tippe ich mal, daß folgendes hier passiert ist:
– der Vertrag der Sixtina hat eine lange Laufzeit, vielleicht sogar eine Klausel, die die Stabilität des Mietpreises regelt. Der alte Besitzer war damals froh, daß er die Kneipe zu den damals üblichen Preisen langfristig vermietet bekommen hat, und das Team der Sixtina hat auf diese Weise die Investitionen in den Umbau gesichert. Alle waren glücklich; die beim Kneipenbetrieb zwangsläufig auftretenden kleineren Reibereien hat man aus der Welt geschafft, wie vernünftige Menschen das tun.
– mittlerweile hat der alte Besitzer das Gebäude verkauft. Der neue Besitzer war – wie man an der Verschleppung von Reparaturen (Stichwort Heizung) erkennen kann, offensichtlich von Anfang an vorsichtig ausgedrückt nicht besonders interessiert daran, die Mietverhältnisse zu erhalten. Das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter dürfte daher nicht das allerbeste sein.
– die Immobilienpreise in Leipzig haben ordentlich angezogen, die Mieten ebenso. Der neue Besitzer will vermutlich davon profitieren; schließlich handelt es sich hier um eine der schönen Vorkriegsbauten, sehr zentral gelegen, aber trotzdem ruhig, da der große Bau mit dem Ringcafé drin den Straßenlärm prima abschirmt. Sogar ein kleiner Park ist vornedran. Also will er zu den aktuellen – wesentlich teureren – Konditionen neu vermieten; vielleicht auch mittelfristig das Gebäude kernsanieren und teuer weiterverkaufen. Da ist aber dieser Sch***vertrag, den er vom Vorbesitzer geerbt hat und den er offensichtlich nicht einfach so auslaufen lassen kann – und der blöde Mieter läßt sich selbst von der kaputten Heizung nicht rausekeln… da liegt irgendeine Mauschelei leider näher, als Du annehmen möchtest…

TRIALON
Gast
TRIALON

Fantôme noir Genau mein Gedanke. Schauen wir doch mal in Städte wie Berlin, München und mittlerweile auch Stuttgart u.a. Wieso sollte das in einer durchaus beachtlichen Stadt wie Leipzig so großartig anders verlaufen?
Darüber wird in diversen Medien schon seit Jahren berichtet und ist mittlerweile wirklich ein alter Hut. Mieter rausekeln, erst einmal alles renovieren und dann den Preis für Neuvermietungen deutlich aufschlagen, weil Renovierung.
Potenzieller Neumieter haben sowieso keine Wahl, weil der Markt leergefegt ist und sich daher garantiert ein Dummer findet, der die Wohnung auch für die doppelte Miete wie zuvor nimmt bzw. nehmen muss.
In West und Ost das gleiche Problem, egal ob für Ladenbesitzer oder reinen Wohnungsmieter.

Solange unsere Politik dem Ganzen nichts weiter als diese lachhafte Mietpreisbremse entgegenzusetzen hat, sehe ich in der Hinsicht eindeutig schwarz (no pun intended und die CDU ist auch nicht gemeint ;) ).

Just saying
Gast
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