das schaurig schoene tagebuch

Mein schaurig schönes Tagebuch #23: In die Empörungsfalle getappt, die Provokateure aufgestellt haben

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Liebes Tagebuch, neulich musste ich so ziemlich das Schlimmste machen, was ich mir in meiner Tätigkeit als schreibender Grufti vorstellen kann. Ich musste einen Artikel löschen – geschriebene Gedanken und Meinungen sozusagen zensieren. Einzig die Tatsache, dass ich mich in dem Falle selbst zensiert habe, spendet einen Hauch von Rechtfertigung. Aufmerksamen Lesern werden die 4 Stunden nicht entgangen sein, in denen der Artikel online gewesen ist. Es gab sogar zahlreiche Kommentare dazu, die aber nur bedingt Einfluss darauf gehabt haben, warum es zu der Entscheidung gekommen ist. Hauptsächlich bin ich in die Empörungsfalle getappt, bin beruflichen Provokateuren auf den Leim gegangen und habe mich verleiten lassen, Aufmerksamkeit für sie zu generieren.

Liebes Tagebuch, lieber Leser. Es war aber auch zu verlockend. Wieder hat eine von den Bands, denen es nicht um Kunst oder Inhalt geht, es geschafft, zu provozieren. Sie haben mit plumpen Mitteln Aufmerksamkeit erzeugt, indem sie das nutzen, wozu jeder eine Meinung hat oder eine Position vertritt: Politik, Krieg, Gewalt. Warum? Sie wollen durch Provokation Geld verdienen. Um eine künstlerische oder kritische Auseinandersetzung geht es ihnen dabei nicht.

Ich bin mitten reingelatscht in diese Falle. Habe mich provozieren lassen. Von der Band und von dem, was diejenigen gemacht haben, die sich auch provoziert fühlten. Für mich erschien das wie eine Möglichkeit, etwas von der Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, auf diesen Blog vielleicht und auf die Sache an sich. Ich habe es für eine Art Pflicht gehalten, darüber zu berichten, um …. ja, warum eigentlich?

Ich wusste, was passieren würde, wenn man solchen Bands und ihrem Mist eine Plattform bietet. Genau das, was auch mir passiert ist. Man empört sich, fühlt sich genötigt, Stellung zu beziehen, seine Position klarzumachen. Es beginnt ein Diskussions-Strudel. Der zieht die Diskussion immer weiter weg vom eigentlichen Kern der Sache und immer tiefer in persönliche politische Haltungen und animiert die Menschen, in den Kommentarspalten ebenfalls zu provozieren, was wiederum andere provoziert. Und zack, irgendjemand wird beleidigt, weil jemand wieder lauter brüllen wollte als die andere Löwen. Im Mittelpunkt die Band. Die klickt jetzt natürlich jeder an und will wissen, was die überhaupt macht, will hören, was die da singen und sehen, was andere schildern.

Spiel, Satz und Sieg für die provokanten Manipulateure.

Liebes Tagebuch, nicht dass du mich falsch verstehst, ich finde es wichtig, eine klare politische Haltung zu haben und dafür einzustehen, Rassismus, Hass, Hetze, Gewalt und Krieg keinen Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen. An der Wahlurne, bei der Demonstration oder eben dort, wo genau solche Dinge hingehören. Manchmal sogar in diesen Blog. Für die Demonstration auf dem WGT, die auf das Artensterben aufmerksam machen wollte oder den Gothic-Autor, der aufgrund von persönlichem Protest verurteilt wird.

Aber eben nicht, wenn es jemand darauf anlegt, ins Gespräch zu kommen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, Marketing zu betreiben und Profit daraus zu generieren – ganz gezielt mit den Mitteln, die uns am meisten aufregen und empören. Oder auch sehr geschickt mit Outfits, die uns dieser Tage eben immer noch triggern.

Genau in diese Falle bin ich getappt. Ich dachte, ich müsste genau an dieser Stelle klarmachen, wie bescheuert das alles ist, wie doof ich die Band finde und dass man doch darüber sprechen müsse. Ganz nebenbei fand ich die Idee toll, mit einem brisanten Thema zur Interaktion mit dieser Seite zu animieren. Ein echt behämmerte Idee. Leider war meine oberflächliche Überzeugung, etwas Wichtiges und Richtiges zu tun, zu stark. Der Impuls der eigenen Empörung über das Thema hat das Nachdenken deaktiviert.

Spontis ist in erster Linie ein Refugium für Gruftis die auf der Suche nach neuer Musik sind, die Klatsch & Tratsch aus der Szene lesen wollen, die sich über Outfits, Klamotten oder über eine ihrer zahlreichen und morbiden Leidenschaften austauschen wollen. Spontis berichtet mit einem zwinkernden kajal-umrandeten Auge über alte Bravos, aktuelle Berichte, über Filme und Serien. Wir wollen zum Nachdenken anregen, zum Mitmachen  und zum Wohlfühlen. Eine kleines Gothic-Paralleluniversum. Brisante Themen gehören genauso dazu, wenn sie im Zusammenhang mit der Szene, ihrem Erhalt und ihrer Entwicklung stehen. Uniform-Fetischisten, die provozieren wollen, um wahrgenommen zu werden und Platten zu verkaufen, gehören nicht dazu.

Ich entschuldige mich dafür, einen Artikel und eure Kommentare dazu, gelöscht zu haben. Ich hoffe ein bisschen, ihr könnt nachvollziehen, warum ich das gemacht habe.

Ich danke vor allem meiner Orphi, die sich von meinem Dickkopf nicht beeindrucken ließ und mich intensiv darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich zum Werkzeug dieser Band mache und Spontis und seine eigentliche Aufgabe zugunsten von Aufmerksamkeit aus den Augen verloren habe. Ich auch danke Daniel, Schatten und dem Geläuterten für ihre sehr guten Kommentare, die ebenfalls einen Beitrag zu meiner Entscheidung geleistet haben.

 

 

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Victor von Void
Gast

@Robert Ich stimme dir grundsätzlich zu, dass man Idioten keine Bühne bieten muss.

Andererseits lässt man so aber auch eine Gelegenheit aus, sich mal wirklich kritisch mit Bands wie der von dir “zensierten” (und den Leuten dahinter) auseinander zu setzen und sie vielleicht sich selbst zerlegen zu lassen (die Gelegenheit hattest du in dem Artikel auch nur unzureichend genutzt ;) ). Ich fürchte, dass die “Zensur” den Nimbus der Band eher befördert (siehe auch meine Kommentare zum Nym-Artikel).

Und nur als Anmerkung: die Artikel-Überschrift und die Kommentar-Anreißer sind in der Seitenleiste immer noch sichtbar Die Säuberung war also nur halb erfolgreich ;)

Daniel
Gast

Ich finde es gut, dass Du Deinen Standpunkt noch mal überdacht und den Artikel zurückgezogen hast. Ich verstehe, dass man sich gerne empört, besonders in unserer heutigen Zeit, ind er auch durch die viel schnellere Nachrichtenüberlieferung durch das Internet viel mehr Aufregungspotenzial herrscht. Das ist nur allzu menschlich, aber es ist sicherlich gut, der Empörung erst einmal unkommentiert Raum zu geben, bis dieser erste emotionale Aufruhr sich legt. Danach kann man sich überlegen, ob es Sinn macht, sich mit solchen Geschichten zu befassen. Ich habe zu meiner Zeit beim Orkus und Zillo immer klar gemacht, dass ich nicht dazu bereitstehe, über solche Bands zu schreiben – und habe auch die Empfehlung abgegeben, diese, wie schon gesagt, begrenzt phantasievolle Musik nicht mehr Öffentlichkeit zu schenken. Natürlich stehen bei solchen Gazetten Werbeeinnahmen im Hintergrund, weswegen man sich da auch gerne zur Medienhure macht, um es auch mal ganz krass auszudrücken. Das hast Du mit Deinem unabhängigen nicht nötig, ein Privilleg, das man schätzen kann.

Nossi
Gast
Nossi

ich finds schade das du es gelöscht hast, hätte es trotzdem gern gelesen -auch die bissigen Kommentare dazu ^^

Daniel
Gast

@Robert natürlich ist die Versuchung groß, und auch ich schreibe beispielsweise regelmäßig über Rome oder ASP, die sicherlich mehr “Grufite-Mainstream” darstellen als andere Interpreten. Es ist auch gar nicht verwerflich, über die “Sau” zu schreiben. Es geht aber um das “wie”.

Wenn ich beispielsweise bekanntere Künstler bespreche, will ich einen kritischeren Blick auf das Werk eröffnen und nicht die in schlechtem Deutsch verfassten 08/15-Lobhudeleien vieler Blogs und Online-Magazine kopieren, wie es scheinbar die meisten handhaben. Allerdings muss ich sagen, dass Kultur-Kritik heutzutage leider nicht mehr en vogue ist – wenigstens im Netz. Mir wurde bisweilen vorgeworfen, ich würde schwafeln oder mich als Autor zu wichtig nehmen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum mein Magazin eine eher bescheidene Reichweite hat.

Deswegen bin ich da auch relativ entspannt, was die “Säue” angeht, die durchs Dorf getrieben werden. Da sitze ich doch lieber am Wegesrand mit meinen “Hühnern”, die dann nur wenige interessieren, um im Bild zu bleiben.

Nossi
Gast
Nossi

was haben Rome und ASP mit Gruftiemainstream zu tun? werden diese beiden Bands heutzutage als wirklich als Gruftiemusik empfunden? wobei ich zugeben muss, ich kenne nur ein asp lied, welches ich so unangenehm fand, das ich mir das nie wieder bewusst anhören wollte. Ich kenne nur eine einzige Person, die asp hört…. hmmm— ABER ich muss nun einfach mal frech fragen, es gab in den letzten Jahren viele neue Bandgründungen, in doch recht viel interessanten Bereichen. Über diese Bands berichtet so gut wie niemand. Dann lieber der 10000 asp/rome (etc) Bericht/inti. Warum? Ich kann den Sinn dahinter nicht verstehen. Vor allem, ich kenne doch sehr viele Personen, die überhaupt kein Interesse mehr an diesem 2010 Mainstream haben und gerne über unbekannte Bands lesen würden. Warum werden unbekanntere/neuere Bands ignoriert? In einer sehr bekannten faKebook Gruppe, von Grufties für Grufties, ignoriert man neue gute Musik und teilt und liked lieber dorfdeppen meddäl. Kritiker werden sofort beleidigt und mundtot gemacht. Warum ist das so?

Daniel
Gast

@nossi Die Eingrenzung der “Gruftiemusik” ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil Depeche Mode ebenso dazugehört wie The Cure, Rammstein, ASP, Deine Lakaien, Sisters Of Mercy, VNV Nation, Corvus Corax, She Past Away…ich meine: schau Dir die großen und kleinen Festivals in diesem Bereich an. Da wirst Du selten eine “einheitliche” Musik hören. ASP und Rome sind da einfach nur zwei Fallbeispiele aus meiner Schreibtätigkeit, an denen ich erkennen kann, wie schnell das Interesse wächst. Ich habe einmal eine kleine Rezension zu VNV Nations “Noire” geschrieben, und meine Beuscherzahlen sind explodiert. Aber, und das richtet sich nun an Robert: Man kann zwar auch über die großen Sachen schreiben, aber das wird die meisten kaum dazu bringen, die anderen Artikel zu lesen. Das immense Interesse gilt nur dem einen Artikel, danach bleiben von 1000 Lesern höchstens zwei längerfristig hängen – und das ist schon sehr positiv geschätzt.

Und nossi: Was die Frage nach dem “warum?” angeht? Wie schon gesagt, stehen hinter den Artikeln zu solchen und ähnlichen Bands, die regelmäßig in den einschlägig bekannten Szenemagazinen erscheinen (Mono Inc, Joachim Witt etc.) einfach nur eine Menge Geld. Man braucht sich nichts vormachen: Beim Sonic Seducer, dem Orkus, früher dem Zillo oder dem Gothic sind keine Menschen aus der Szene, die für die Szene schreiben. Alle Artikel sind ein Deal zwischen Label/Artist und Magazin. Label zahlt eine Summe X und bekommt dafür Rezension plus je zwei Seiten Artikel seiner Bands, die gerade etwas neues auf den Markt bringen. Die beigefügten CDs/DVDs, die es da immer gibt, sind ebenfalls “Werbeeinnahmen”. Band zahlt soundsoviel Öcken und darf dann auf dem Sampler erscheinen.

Natürlich muss das gemacht werden, weil ja Druck und auch Redaktion bezahlt werden müssen, mit objektiver Themenauswahl hat das aber nichts zu tun. Und weil einige Labels oder Künstler mehr Geld in die Hand nehmen, gibt es von manchen Gruppen mehr zu lesen.

Was das Phänomen in der Facebook-Gruppe angeht, so gibt es doch schon seit jeher immer die Gralshüter, die dann irgendwann 1985 stehen geblieben sind und meinen, alles andere als Bauhaus und den frühen Sisters sei nur Kommerz-Schrott. Das ist ein ganz normales Phänomen. Ich habe mal bei einem kleinen Münchner Radiosender gearbeitet, der voll mit Alt 68ern waren. Für die war Kommune 1, Bob Dylan, Hannes Wader oder Wolf Biermann das Höchste der Gefühle. Alles andere wurde konsequent zu nichte gemacht. Wie du siehst, gibt es überall diese “Früher war alles besser”-Fraktion und diejenigen, die meinen, den Königsweg zu beschreiten, dem alle folgen müssten. Am besten nicht mal ignorieren ;)

Nossi
Gast
Nossi

daniel Anbei ein paar kritische Gedanken. Man darf, deine Ausführungen in allen Ehren, bitte nicht vergessen, nicht jeder hat den gleichen Geschmack.
Beispiel:
Nur weil medaalica – “meddäl” machen, findet die nicht gleich jeder underground bläck meddler angenehm oder interessant. Die Bands die du erwähntest, finde ich teilweise nicht nur -nicht- interessant sondern teilweise unangenehm/peinlich/lächerlich, so wie der typische underground meddler eben manowar, bon jovi oder ein schelmischer underground-Punk die “döden hösen” langweilig findet. Allerdings liest man doch in einigen Foren/Heften des meddälzirkus sehr viel über deren Underground und dies, gibt es im Gothicbereich kaum. Der Wave N Gothic-Underground wird einfach ignoriert, zum großen Teil. Und noch schlimmer, es gibt ja seit der Umbesinnung auf soft meddäl, proll-meddäl, fetisch-fashion und markplatzbiergeheule nicht einmal mehr ein Magazin, welches sich mit Gothicmusikkunst auseinandersetzt. Das finde ich natürlich sehr bedauerlich und langweilig bzw ist mir dies vollkommen unverständlich und obendrauf- mit Ausreden brauch man mir da auch nicht kommen. meddälmagazine schaffen es auch, über ihren underground zu berichten ohne pleite zu gehen. Ich glaube (ahne) sogar, das trägt zu ihrem Erfolg bei.
Ich finde nach wie vor, man kann ALLE Gothics nicht über einen Kamm scheren. Es gibt doch recht viele Personen, die sich einen feuchten um die von dir beschriebenen Bands scheren bzw diese sogar ablehnen. Corvus Corax? Ähhh also- jetzt mach bitte mal nen Punkt. Unter dem Aspekt kann man dann auch die berüchtigte Helene Fischer als “gehört auch irgendwie dazu” preisen. Dieses “alles in einen Topf werfen” ist aus meiner Sicht eine riesen Scheiße denn da bleibt die Individualität auf der Strecke und leider auch die pulsierende und ignorierte Undergroundszene.

Daniel
Gast

@nossi Ich glaube, wir meinen das gleiche :) Natürlich sind die vielzitierten Festival-Headliner nicht unbedingt repräsentativ für die Vielfältigkeit innerhalb der Szene. Und natürlich hat auch jeder einen anderen Geschmack. Aber beim Blick in die großen Gazetten wie dem Sonic Seducer oder dem Orkus, wird schon eine klare Linie deutlich.

Im übrigen finde ich, dass gerade im Internet noch die meiste Vielfalt herrscht, wobei es auch da genügend Seiten gibt, die ebenfalls mit viel geschalteter Werbung dann auch dementsprechend eine klare Tendenz durchscheinen lassen. “Weß’ Brot ich eß, deß’ Lied ich sing.” Aber Spontis oder auch andere Menschen wie Axel Meßinger, der mit seinen At-Sea-Compilations die wirklich unbekannten Juwelen herausfischt, repräsentieren eine authentischere Seite, die aber eben nicht so breitenwirksam ist.

Außerdem wäre mal die Frage angebracht – aber muss nicht unbedingt hier beantwortet werden; nur mal so ein Gedanke in Zeiten des Coronavirus, das die kulturellen Veranstaltungen außer Kraft gesetzt hat – ob die großen Festivals überhaupt zur Goth-Lebensphilosophie passen? Denn sollte man nicht nach Vorbild der klassischen Romantiker auf sich selbst zurückgeworfen sein? Ich will niemandem sein WGT oder M’Era Luna madig machen. Es ist nur so eine Idee, die sich in mir breit gemacht hat, weil ich gerade sehr viel Zeit habe ;)

Nossi
Gast
Nossi

daniel und alle anderen, wie kommt man denn darauf das orkus oder sonic seducer, Magazine für Gothicmusikkunst wären? das ist also dermaßen abwegig das ich weder darüber lächeln noch sonstwas kann.

Daniel
Gast

@nossi ganz einfach: Sie bezeichnen sich selbst als solches, womit eine gewisse Außenwahrnehmung festgesetzt ist. Als ich angefangen habe, mich für die Szene zu interessieren, war Orkus für mich auch die erste Anlaufstelle, um einen “musikalischen Überblick” zu erhalten. Natürlich bietet die Szene mehr, als diese Gazetten uns präsentieren.

Wenn Du diese Magazine als nicht “gothicmusikkunsttypisch” ansiehst, ist das Dein gutes Recht, und vieles ist auch eher entfernt mit der Szene in Verbindung zu setzen (ich habe beispielsweise mal für Zillo über Alphaville geschrieben, ist nicht wirklich “gruftig”).

Aber gehst Du da nicht auch etwas zu kritisch mit den Magazinen ins Gericht? Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber was welche Zeitschriften hast Du angefangen zu lesen, als Du begonnen hast,Dich mit der “schwarzen Szene” auseinanderzusetzen?

Wie gesagt wird ein Neuling, der, so er sich noch für Printmedien interessiert, schnell auf diese Zeitschriften zurückgreifen, wenn er etwas über die Szene lesen will (zum Beispiel Nachbesprechungen vom WGT etc. oder Präsentation der schönsten Friedhöfe der Welt (Orkus hat das eine Zeit lang gemacht, weiß nicht, ob sie’s noch machen)).

Du darfst nicht vergessen, dass junge Menschen, die sich für eine “Subkultur” interessieren, natürlich erst einmal das aufgreifen, was am präsentesten ist. Keiner wird als “Profigrufti” mit dem Kennerblick geboren. Es liegt dann am einzelnen, sich in diese Materie zu vertiefen, oder es, und das machen sicherlich die meisten, dabei zu belassen.

Nossi
Gast
Nossi

daniel -übrigens wenn ich bei deinem Namen ein @ einfüge, kommt irgendein seltsamer Link… sehr witzig. Daher ohne @.
Ich finde es nicht vermessen von mir, von einem Magazin für Gothickultur zu erwarten, das dort hauptsächlich Gothic und Darkwave Bands/Künstler vorgestellt werden. Ist das zu viel verlangt? .
Angenommen ich kaufe mir ein Heft für meddäl und dann ist da nur rnb drin. Komm ich mir dann zurecht verarscht vor?

Das hat kaum etwas damit zu tun, ob dies mein gutes Recht ist. Wenn ein Magazin sich als Gothic Magazin bezeichnen würde, verlange ich, das dort zu einem erheblichen Teil auch Gothicbands vorgestellt werden, alles andere wäre befremdlich.

Nun, ein paar der Orkus Leute kenne ich persönlich und daher weiß ich, das Sie das orkus NICHT als Gothic Magazin bezeichnen.
Wär ja auch seltsam ein Gothicheft zu machen, wenn gefühlt ein bis zwei Gothic oder Wave Bands im Heft sind.

Prinzipiell:
Die Ausrede einiger Schreiberlinge, es gäbe keine Goth und Wave (etc) Bands mehr, zieht bei mir nicht. Es gab immer einen Underground und eine Menge gute Bands/Künstler, die kaum jemand kennt.

Das sonic seducer habe ich selbst nie als Gothic Heft empfunden und kann mir kaum vorstellen, das die Macher dies als Gothicheft bezeichnen, wenn dem so wäre, würde ich sie scharf dafür kritisieren. Sehr scharf.

Nun zu meinem Lieblingsmagazin, dem angeblichen “Gothic Magazin von Herr Sprissler. Soll ich dazu jetzt was schreiben oder erübrigt sich es? Als ich das Heft vor wenigen Jahren in irgendeinem Kiosk in der Hand hatte, hätte ich es fasst gekauft, nur um es demonstrativ in den Müll zu werfen, da gehört es tatsächlich hin. Ich hab mal paar alte Ausgaben gesehen, bevor herr S. seinen Kurs wechselte, holla- war mal gut. Auch einige uralte Ausgaben des Zillo hatte ich begutachten dürfen, war mal ganz nett, durchwachsen, aber nett. Tendenziell gefallen mir also die uralten Gothic.Mag Ausgaben, als noch Bands aus den besagten Bereichen dort vorgestellt wurden, sehr gut.

Zusammengefasst, es gibt momentan nur ein einziges Magazin für Gothic Bands, das pestilent windfolk aus den Usa, aber da gehts hauptsächlich um ämericän DeathRock.

Einige jüngere Menschen die ich kenne, kritisieren diese Sache noch schärfer als ich, völlig zurecht. Einige andere gehen gleichgültig damit um, liegt aber daran das sie nur aussehen wie Grufties, mehr nicht.

Irgendwie find es das witzig. So 1999-2000 herum, sahen viele nicht so richtig overdressed aus und hörten ne Menge geile Musik. Wenn ich da an die Morbid Poetry oder Nosferatu Leute denke usw etc. Und heute ist jeder so dermaßen overdressed, vor allem die wenigen 20-25 jährigen und hören nicht eine einzige Gothicband… irgendwie find ich das witzig. Früher disktutierten wir, ob ebm nun dazu gehört oder nicht, heute frägt man sich, was das für komische Leute sind die aussehen wie Grufties aber keine sind.

Fazit:
Meine Hauptkritik ist folgende.
Es gab und gibt eine unglaubliche Vielzahl an guten Darkwave und Gothicbands in allen möglichen Bereichen, die kaum jemand kennt, weil die angeblichen Gothicmedien, lieber über ndh, marktplatzgejodel und bierzeltteenietekkno und bauerntrampel meddäl (nicht mal über guten meddäl sondern dann tatsächlich über diese ganzen peinlichen poserbands) berichten. Finde den Fehler :D

Davon müssen wir weg, sonst geht der klägliche Rest der Gothickultur in Staub, Schall und Rauch auf.

Nossi
Gast
Nossi

und noch was: . Bei meinen Einwänden und Kritik geht es um Sachlichkeit. Wer denkt hier geht es um Recht oder Unrecht haben, hat das Grundproblem nicht verstanden. Noch was zu deinem Satz Daniel : Bezug “Kenner/Profiblick”. Die wenigen sehr jungen (Tennies/Anfang Twentys) die ich kenne, können im Gegensatz zu meiner eigenen Generation (30+) -obschon erst seit wenigen Jahren interessiert an der düsteren Gegenwelt, sehr gut unterscheiden zwischen Gothic und dem bunten Pausenclownquatsch den uns diverse Medien und Veranstalter vorgaukeln. Eine gewisse mir bekannte Dame (bald 50, Gruftie aus Leidenschaft seit den 80s) bezeichnet diesen ganzen bunten ekligen Quatsch als Pseudos. Völlig zurecht.
Seit Jahren (!!!!) gaukeln uns gewisse Medien ein Bild von dümmlich grinzenden geschniegelten Poppern vor, schön bunt und plastikhaft, präsentieren uns erbärmliche (!!!!) beschissene Musik ohne Sinn und Verstand und nennen das Gothic und dann wundern wir uns, warum die ganze Gothicszene in der breiten Öffentlichkeit nur noch als Witz ohne Tiefgang empfunden wird. Die meddler fanden uns früher cool, heutzutage wird die gesamte Gothicszene mit den bösartigsten Kommentaren bedacht und das, traurigerweise, völlig zurecht. Frägt man sich nicht, woran das liegt?