Spontis Wochenschau

Spontis Wochenschau #16/2012

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Glaubt man den Medien und der aktuellen Euphorie, dann ist das hier die letzte Wochenschau. Wegen Weltuntergang und so. Glücklicherweise haben die Maya das so nie behauptet, außerdem gibt es nach dem Ende ihrer Zeitrechnung immer einen Neuanfang, bei dem – laut der Maya – eigentlich alles beim Alten bleibt. Ich für meinen Teil mag diese Welt, ich finde „Weltuntergang? Gefällt mir!“ Bekundungen bei Facebook ziemlich armselig und Hamsterkäufe lemminghafter Konsumenten äußerst lächerlich. Gestern im Supermarkt: „Bei dem Einkauf kann der Weltuntergang ja kommen, nicht wahr?“ – „Sie haben ja nur noch einen Tag das alles zu verputzen!“ Allgemeines Gelächter. Die Verkäuferin wünscht der Kundin zum Abschluss noch ein frohes Weihnachtsfest. Paradox. Wenn die Welt wirklich untergeht, wie soll es dann Weihnachten geben? Und vor allem: Worin geht die Welt denn unter? Offensichtlich funktioniert das Ganze nach dem „Mich-trifft-es-nicht“ Prinzip, was dem anderen Prinzip, das unsere Welt wirklich zu Grunde richtet, erstaunlich nahe kommt. Die Menschheit zerstört ihre Umwelt „Aber-ich-kann-nichts-dafür“. Fast so, wie es schon einer der Spontis-Sprüche unter dem Logo auf den Punkt bringt: „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.“ Ich liebe diese Welt. Ganz ehrlich. Doch ein Neuanfang, wie die Maya ihn prophezeit haben, würde der Menschheit ganz gut zu Gesicht stehen. Umdenken statt wegschieben, handeln statt meckern, aktiv werden statt nur zu partizipieren. Jeder bei sich selbst. Und weil ich so hoffnungslos optimistisch bin, behaupte ich: Das ist nicht die letzte Wochenschau.

  • Why gothic is more popular than ever | The Independent
    Hier geht es nicht um eine ehemalige Jugendkultur oder eine Szene, sondern um eine literarische und künstlerische Begrifflichkeit, denn im Englischen ist „Gothic“ mit eben diesen Dingen verknüpft. Im verlinkten Artikel geht es auch demnach um das Buch- und Filmgenre Gothic, das mit Maria Shelly’s Frankenstein, Bram Stoker’s Dracula, Nosferatu oder den Werken von Edgar Allan Poe seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Doch die thematischen Ähnlichkeiten sind verblüffend. „But it also reflects deeper contemporary fears of the apocalyptic and the macabre: of bad science and corrupt power. It reflects dark times, too, and offers escapism from austerity or insecurity – a safe, containable way to be scared. Most of all, perhaps, it addresses dark themes of psychosexuality.“ In diesem Zusammenhang ist auch die Frage „Has Gothic fiction beeen overrun by the modern Horror Genre?“ interessant, die im Blog „Exeposé“ aufgegriffen wird.
  • Der Charme der Knochen | Deutschlandradio Kultur
    Die Faszination für das Morbide ist uns ja in die schwarze Seele gelegt worden. Daher fühlt sich der Satz „Der Charme der Knochen“ auch so vertraut an. Das D-Radio hat das Buch „Die Geschichte der Skelette“ von Jean-Baptiste de Panafieu unter die Lupe genommen und einen Beitrag dazu gesendet. „Eine Doppelseite tiefschwarzes Papier. Links unten schiebt sich das helle, fein konturierte Skelett eines kleinen Säugetier-Kletterers einen Baumstamm hinauf. Zur Buchmitte hin folgt das zweite Skelett: Springend verlässt das Tier den Ast und greift mit seinen Zehen in die Luft. Das nächste Skelett streckt sich im Flug und hält seine – schon stark gedehnten – Zehen weit aufgespannt. Am rechten Bildrand schließlich segelt der Flughund, wie er heute lebt. Deutlich sieht man die langgezogenen, filigranen Knochen der vorderen Extremitäten, die dem Tier eine Flügelspannweite von fast zwei Metern verschaffen.
  • Rosa’s klamottiger Giftschrank | Rosa Chalybeia
    Auch in der schwärzesten Seele gibt es helle Flecken. Vergehen gegen die Gruftigkeit, Verbrechen an der Trueness und heimliches missachten aller Szene-Ideale. Sie zu offenbaren ist der erste Schritt zu einer Verarbeitung. Rosa ist mutig und outet sich öffentlich. In unserer Selbsthilfegruppe macht sie den Anfang: „…ich probierte mich fröhlich aus und wechselte von tiefschwarz zu knallbunt und dann wieder zu schwarz zurück. Und wenn ich knallbunt sage, meine ich keinesfalls schnödes feuerwehrrot oder leuchtgrün – nein, wenn ich knallbunt sage dann meine ich das ziemlich ernst – man kann sagen ich pendelte von einem Extrem ins andere, ohne Zwischenstops. Da ich zu meiner partiell knallbunten Jugend voll und ganz stehe – womöglich habe ich es teilweise so übertrieben daß mein Bedarf für Farbe bis zum Lebensende dann verbraten wurde – präsentiere ich die haarsträubendsten Teile aus meinem jugendlichen Klamottenschrank.
  • Endgültiges Aus für wirklich spitze Pikes | Otranto-Archive
    Es dauerte eine Weile bis ich diese Nachricht hier verlinken konnte. Die Tränen nahmen mir die Sicht und die zittrigen Hände machten Schreiben unmöglich. Pennangalan, der bislang einzig bekannte Händler für Pikes, nimmt die hübschen Schuhe aus dem Programm: “ Doch jetzt endlich schenken Pennangalan einem reinen Wein ein, und die Nachricht ist keine gute: „Dies sind die LETZTEN Paare unserer traditionell handgefertigten flachen Winklepicker/Pixie Boots. Wir haben ALLE Winklepicker-Modelle auf unbestimmte Zeit aus dem Programm genommen.“ (…) Ihr Hersteller sei nicht mehr dazu in der Lage gewesen auch nur die grundlegendsten Qualitätsstandards zu erfüllen oder annähernd rechtzeitig zu liefern, und auch das Investieren von Zeit und Geld habe nichts mehr gebracht.
  • Farblos im Gothic Magazine | Farblos
    Kurze Werbepause! An dieser Stelle eine feste Umarmung an Herrn Karnstein. Meister der Otranto-Archive und Kopf hinter Farblos hat es mit eben dieser Band in die nächste Ausgabe des „Gothic-Magazin“ geschafft. Als Interview und mit einem musikalischen Beitrag. Damit ist das Magazin in meinem Ansehen gestiegen und Herr von Karnstein erhält endlich die überfällige Print-Anerkennung für seine Leidenschaft.
    Farblos im Gothic Magazin
  • Dampfcomputer und Klagemaschinen | SpiegelOnline
    Die Steampunks. Eine eigenständige Subkultur. Und trotzdem werden ihr allein wegen ihrer Anwesenheit auf dem WGT Parallelen zur Gothic-Szene nachgesagt.  Der Spiegel sieht sogar Berührungspunkte. „Steampunker setzen dieses Konstrukt in unserer heutigen Realität um. Es ist eine breit aufgefächerte Szene, sie ist bunt und schrill und vielfältig. Rollenspieler fühlen sich davon angesprochen, Party-People, die sich in grellen Kostümen viktorianischen Schnitts und ausgerüstet mit oft absurden technischen Accessoires in Messing, Kupfer und Leder auf inzwischen auch öffentlich stark beachteten Events selbst feiern. Es gibt Berührungspunkte zur Gothic-Szene, weil auch dort der Stil gefällt: Steampunk bietet die Gelegenheit, sich mal richtig aufzubrezeln und dennoch als Teil einer Subkultur fühlen zu können.“ Wenn ihr mich fragt, ist das völliger Blödsinn. Richtig ist, dass sich auch einige Mitglieder der Gothic-Szene für anderen Szenen interessieren. Wie zum Beispiel Cosplay oder eben Steampunk. Womöglich sind es solche Autoren, die die Szenen vermischen und uninformierte Leser, die das als Fakt ansehen.
  • Talk to your Children about Death | Order of the good Death
    In den USA ist mal wieder ein Amokläufer durch die Gegend gerannt und hat Menschen erschossen. Doch hier geht es nicht um die Diskussion über Waffengesetze, menschliche Abgründe oder Gewalt und Mord, sondern den Umgang mit dem Thema Tod. Der Umgang mit dem „24h Death Porn on Cable News“, dem wir uns tagtäglich ausgesetzt sehen, fällt vielen Erwachsenen nicht leicht, doch wie sehen das die Kinder und Jugendlichen, die man kaum noch davor schützen kann? Caitlin Doughty, die aus „Ask a Mortician“ bekannt ist, gibt rudimentäre Nachhilfe.

  • Alles Sache der Perspektive | Kraftfuttermischwerk
    Die menschliche Wahrnehmung ist wohl das unvollkommenste auf diesem Planeten, denn unser Gehirn verfälscht die objektiven Eindrücke unserer Sinnesorgane auf das unglaublichste. Sehen und sehen wollen, Hören und hören wollen, Fühlen und fühlen wollen. Alles ganz verschiedene Prozesse. Wie einfach das geht, zeigt ein britischer Psychologe am Beispiel des „Sehens“.

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Aristides Steele
Redakteur

OK, das ausgerechnet ein Blödsinnsbeitrag meinerseits den Weg in die Wochenschau findet, überrascht mich, dennoch freue ich mich darüber und hoffe, daß jeder der dummerweise mal vorbei geschaut hat noch im Besitz seines Augenlichtes ist :D

Karnstein
Autor

Oh, herzlichen Dank für erneute Werbung, mein Gutster!
Und auch von mir ein „Frohes Neues!“ an euch beide, Rosa und alle Mitlesenden :)

Aristides Steele
Redakteur

*lach* Intention erkannt – eine Prise Sentimentalität war aber auch dabei. Auf weiteren Blödsinn im neuen Jahr!

@Karstein: auch Dir ein G’sunds Neu’s :)

Schemenkabinett
Gast

Der Radiobeitrag zu „Die Geschichte der Skelette“ ist wirklich spannend. In unserem Bücherregal steht der, zu Beginn des Beitrages erwähnte, Bildband „Evolution“ der gleichen Autoren. In dem Buch sind die weißen Skelette auf schwarzem Hintergrund bildgewaltig in Szene gesetzt. Wenn „Die Geschichte der Skelette“ ähnlich schön aufgemacht ist wie unser Bildband, dann ist das Buch sicher sehr empfehlenswert!