Martyn Poliakoff: Das Periodensystem der Elemente

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Es gibt wohl keine Tabelle auf diesem Planeten mit so vielen Eigenschaften. Langweilig, meistgehasst und elementar sind nur 3 Eigenschaften mit denen sich zwangsläufig viele Schüler und Studenten herumschlagen müssen. Nur wenige Menschen beschäftigen sich freiwillig mit den Elementen aus denen unser Universum besteht. Das Team um Professor Martyn Poliakoff von der Universität Nottingham und der Videojournalist Brady Haran sind solche Menschen, Engländer natürlich denn nur die verfügen über den passenden Humor. Auf jeden Fall haben diese Menschen die Internetseite The Periodic Table of Videos kreiert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Periodensystem der Elemente in Bild und Ton umzusetzen. Es raucht und kracht, knallt und blitzt wenn zum Beispiel Wasserstoff entzündet wird oder Natrium mit Wasser reagiert.

Professor Poliakoff der wie eine Parodie auf Einstein wirkt, würzt die Experimente und Videos mit wissenschaftlichem Hintergrund und persönlichen Anekdoten und schafft es doch tatsächlich einen ernsthaften Hintergrund zu vermitteln. Es macht schon eine ganze Menge Spaß das Periodensystem auf diese unterhaltsame Art und Weise zu erforschen.

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Transmission – Awake in the Greylight

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Nachdem ich schon vor längerer Zeit über einen Verweis zum Transmission Magazin gestolpert bin , habe ich erst vor ein paar Tagen Zeit und Muße gefunden im kürzlich bestellten Heft zu stöbern. Das in schwarz gehaltene Heft erinnerte mich bei den ersten Berührungen an das Vereinsheftchen meines damaligen Schwimmvereins, kommt es doch im handlichen halben Din A4 Format daher, liegt gut in der Hand und ist seit 2 Wochen treuer Begleiter meiner morgendlichen Sitzung.

Das Innere präsentiert sich äußert ansprechend, professionell und doch liebevoll gestaltet und unterscheidet sich damit grundlegend von der damaligen Vereinszeitung.  Es ist übersichtlich und systematisch aufgebaut, das klassische Schwarz-Weiss-Graue Layout passt zur Thematik und ist sehr gut lesbar. Gleich zu Beginn konnte ich mir einen Überblick im Inhaltsverzeichnis verschaffen und freute mich auf eine Mischung aus Interviews mit Bands und Künstlern sowie Berichte über Festivals, Konzerte, Touren, Reisen und Plattenlabels. Außerdem bietet Transmission noch reichlich Tonträger Rezensionen. Das Magazin kann mit CD geordert werden, die einen echten Mehrwert bietet und unbedingt parallel zum lesen des Magazines gehört werden sollte, denn damit schließt sich dann der Kreis der im Magazin vorgestellten Bands. Bei vielen Interviews und Berichte wird deutlich, dass die meisten der Autoren auch selbst musikalisch aktiv sind, so wirken manche Dialoge wie ein Gespräch unter Musikern, was der Qualität aber nicht schadet.

Monozid nennt sich die combo der Herausgeber über die ein Bericht zu ihrer Tour abgedruckt ist, der mir sehr viel Freude und geteiltes Leid zum gestohlenen Equipment bescherte. Auf einigen Seiten finden sich auch Kritiken und Rezensionen über Tonträger der internationalen und nationalen dunklen Undergroundszene. Es macht Spaß die kurzen Artikel zu lesen, heben sie sich doch vom Einheitsbrei der üblichen Texte einschlägiger Magazine durch Einfachheit und Lesbarkeit ab, so das man die Einschätzungen der Autoren durchaus teilen kann.

Die Tonträger sind sauber präsentiert und bieten oftmals einen entsprechenden Verweis, die größtenteils noch erreichbar sind auch wenn viele Bands zwischenzeitlich Neuveröffentlichungen präsentiert haben. Auch wagt das Transmission Magazin den Blick über den Tellerrand und wirft einen Blick auf andere interessante Magazine.

CD-HülleDer Preis für das Magazin ist 2,50€ und ist damit unschlagbar günstig und kann allenfalls die Kosten für die Herstellung decken. Für 1€ mehr bekommt man den Sampler auf einer passenden CD gleich mitgeliefert. Einleger für eine CD-Hülle sind auch dabei. Da die Musik frei verfügbar ist, kann sie auch auf der Homepage des Magazins kostenlos heruntergeladen werden. Der Versand erfolgt schnell und kostengünstig per Post.

Fazit: Das Transmission Magazin hat mir sehr gut gefallen und mir einige interessante Einblicke und Hörerlebnisse beschert, einige der vorgestellten Stücke sind auch auf meiner Playlist gelandet und erfreuen sich größter Beliebtheit. Die Orientierung geht deutlich in Richtung Rock und Punk abseits des Mainstream mit wenig elektronisch-wavigen Einflüssen, erweitert aber der Horizont gerade mit manch eingestreuten Abstrusitäten Ein Blick lohnt sich in jedem Fall, das Preis/Leistungsverhältnis ist überdurchschnittlich hoch, ich persönlich weder mir sicher einen zweiten und dritten Blick gönnen.

(Bildquellen: transmission)

Nietengürtel oder eine Niete als Gürtel (2)

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Wie versprochen habe ich mich heute hingesetzt und einen offenen Brief (auf das Bild klicken) an die 12 größten und im Internet vertretenen Shopbetreiber gesendet, damit ich endlich wieder mal einen qualitativ hochwertgien Pyramidennietengürtel mein eigen nennen kann. Ich bin genauso gespannt wie Tears, ob und wann ich Antworten bekomme.  Ich hoffe natürlich, dass er sich irrt und es engagierte Mitarbeiter gibt, die sich Zeit für eine Antwort nehmen.

Durchschnittlich liegt die Beantwortungszeit in Deutschland laut einer Studie bei 3-4 Werktage, viele Internationale Unternehmen schneiden da besser ab und erreichen im Mittel 24 Stunden (!) Einzelfälle schlagen bei uns in Deutschland eher in negative, so brauchte meine Anfrage an die T-Com satte 2 Monate um kompetent beantwortet zu werden. Automatische Antworten, die Schnelligkeit suggerieren  sollen wirken bei mir kontraproduktiv und vergraulen mich eher, ebenso die aus Textbausteinen zusammengeschusterten Standardantworten auf meine liebevoll ausgearbeiteten Nachrichten. Einzelfälle?

Ich bin neugierig wie sich die Betreiber der kleiner Shops verhalten und nebst regem Umsatz auch noch an zufriedenen Kunden interesse haben. Ich bin jedenfalls ein Wiederholungtäter und gebe lieber 5€ mehr aus und fühle mich ernst genommen anstatt auch noch den letzten Cent herausholen zu wollen.  Ende der Woche werde ich euch dann mein Ergebnis präsentieren und eine entsprechende Bestellung auslösen um die Geschichte des Nietengürtels auch irgendwann abschliessen zu können.

Die schlechte Qualiät von manchen Nietengürtel oder auch: Eine Niete als Gürtel

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Die Grundausstattung für jeden Anhänger der schwarzen Szene sind Nietengürtel in allen möglichen Variationen. Sei es Killernieten, Pyramidennieten, Spikenieten, Spitznieten und Säbelnieten [Bilder]. Wohlmöglich könnte man diese Liste noch weiter fortsetzen das Angebot scheint unerschöpflich. Woher diese Gürtel nun kommen bleibt wohl ungeklärt. Angefangen hat es wohl mitte der 70er als klassischer Lochnietengürtel und wurden dann erst in der Punkszene und dann in den daraus resultierenden Subkulturen adaptiert.

Auf jeden Fall ist er neben dem ausgeprägten Ringfetisch mein liebstes Accessoire. Das Problematische an der Sache ist, das ich keine gescheiten Nietengürtel mehr finde, die nicht nach 10 mal tragen auseinanderfallen. Grundsätzlich unterscheide ich dabei 2 Sorten von Gürteln: Die echten Ledergürtel und die unechten Ledergürtel. Leider ist meine Quelle für die echten Ledergürtel versiegt und jetzt tue ich mich schwer, irgendwo einen Gürtel zu bestellen, der dann wohlmöglich die selbe schlechte Qualität hat wie meine anderen Modelle. Bahnhof? Kein Problem.

Der echte Ledergürtel

Dieser Gürtel ist ein Qualitätsprodukt (siehe Bild oben). Hier hat der Hersteller für jede Niete entsprechende Löcher in den echten Lederriemen eingearbeitet. Die Nieten sind fest verschraubt oder zusammengepresst, was ihnen ein lange Haltbarkeit beschert. Rechts ein Bild von meinem echten Ledergürtel. War nicht der billigste (20 €) hat sicher aber meines Erachtens gelohnt. Der Laden hatte auch mal Pyramidennietengürtel in der entsprechenden Qualität, leider jetzt nicht mehr. „Dem Kunden war das alte Modell zu teuer…“ – Mir nicht, bin hald ein wenig dekadent. Made in England steht drauf, sagt mir jetzt aber nicht viel, die Quelle ist mir nicht bekannt.

Anfangsstadium

anfangsstadium

Der unechte Ledergürtel besteht aus 3 Lagen. Die erste Lage ist Kunstleder, glänzend und gummiartig. Die letzte Lage ist ebenfalls aus Kunstleder, sieht aber beim flüchtigen Hinsehen aus wie Leder. Dazwischen befindet sich ein undefinierbare Masse irgendetwas, könnten eingefärbte Haare eines nordschwedischen, schwangeren Elchweibchens sein, was weiß ich. Jedenfalls beginnt es damit, das sich die oberste Schicht löst und das Schliessen der Gürtels somit erschwert wird. Der Gürtel rechts ist im Anfangsstadium, bei H&M für 5,90€ gekauft. Wenn ich den noch 2 Monate weiter nutze tritt unweigerlich das Endstadium ein.

Endstadium

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Ja, ein wahrlich trauriger Zustand. Sieht etwas aus wie ein verliebter Teddy, dem ein Auge fehlt. Leider hat er bei weitem nicht solange treue Dienste geleistet, sondern befindet nach einem Jahr in diesem bedauerlichen Zustand. Die oberste Lage hat sich gelöst und die darunter liegende Schicht schutzlos der Benutzung ausgesetzt. Die verabschiedete sich dann in krümelnden Brocken auf diversen Fußböden. Gekauft habe ihn beim großen bunten Versandhaus für 6,85€ (inkl. Versand). Ich hätte dieses Häufchen Elend schon lang entsorgt, leider habe ich noch keinen adäquaten Ersatz gefunden.

Wer also weiß, woher ich den echten Ledergürtel mit Pyramidennieten in 2 oder 3 Reihen herbekomme, möge es mir doch höflicherweise in den Kommentaren mitteilen. Mein ewiger Dank sei euch gewiß…

Jürgen Teipel: Verschwende deine Jugend – Als der Punk Deutsch wurde

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Wer schon immer wissen wollte, wer oder was für die deutschen Szenen des Punk, New Wave oder NDW verantwortlich ist, sollte sich Jürgen Teipels Buch „Verschwende deine Jugend“ einmal genauer ansehen. Teipel hat innerhalb von 3 Jahren alle für ihn wichtigen Protagonisten der 1977 erstmals aufflammenden Punk Bewegung interviewt und diese in chronologisch sortierter Form in ein Buch gebracht. Das Buch liest sich daher wie eine Dokumentation, ohne den Versuch Fakten zu schaffen.

Interessanterweise gibt es in vielen Interviewausschnitten Überschneidungen mit den Darstellungen anderer, so das sich innerhalb dieser dokumentarischen Ansicht viele kleine Geschichten und Anekdoten herauskristallisieren. Teipel verknüpft die Geschichten geschickt und stellt so unterschiedliche Ansichten der gleichen Begebenheit dar. Die Natürlichkeit der Sprache hilft dabei, authentisch zu sein ohne ein einziges Mal als allgemeingültig oder gesamtdeutsch zu erscheinen. Fakten spielen eine untergeordnete Rolle, die Geschichte und Anekdoten stehen im Vordergrund.

Vereinzelt gestreute Fotos aus jener Zeit versuchen der Geschichte zu einem Bild zu verhelfen, werden diesem Anspruch aber nicht gerecht und verkommen so zu einem netten Mitbringsel. Das Buch versucht nicht Punk oder Jugendkulturen zu erklären, sondern bietet einen sehr authentischen Rückblick in die Blütezeit des deutschen Punk. Über 100 Gesprächspartner und ein penibel geführter zeitlicher Verlauf machen das Buch zu einer Wissensgrundlage, die in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Trotzdem habe ich da eine volle Bierdose an den Kopf gekriegt. Und zwar von der Schlagzeugerin von X-mal Deutschland […] Das war nicht nur die Quittung dafür, dass ich New Wave gemacht habe und weniger grölig war als Punk. (Thomas Fehlmann von Palais Schaumburg)

Erschienen ist es bei Suhrkamp, Neupreis des Buches ist übrigens 12,50€. Bei Amazon habe ich es als Mängelexemplar für 5 Euro bekommen. Auf Jürgen Teipel Internetseite Gesellschaftsinseln gibt neben Leseproben auch viele andere interessante Informationen und wer möchte kann sich den (sehr guten) passenden Soundtrack auf CD gleich mitbesorgen.

Buchcover
Punk und New Wave in Deutschland 1977-83 – Verschwende Deine Jugend

Ein Winklepicker ist keine Angelrute

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Was in den frühern 80ern zur Grundausstattung gehörte, ist heute leider etwas in Vergessenheit geraten. Ein Winklepicker (oder auch Pikes oder Pickers genannt) ist ein langer klassischer Halbschuh, der vorne spitz zuläuft. In den frühen 60ern entstanden erlebte er komischerweise schon Ende der 70er sein Comeback und wurde beliebter modischer hingucker bei vielen der zu dieser Zeit aufkommenden Jugendbewegungen wie den Rockabillies, Punks, Mods und Teds. Die Gothicszene entdeckte den Schuh für sich Anfang der 80er, wurden aber Pikes getauft und stilisierten sich dann über Schnallen im Fledermaus, Totenkopf oder Sargdesign. Der eingebrachte Reißverschluss entstand dann im Zusammenhang mit den im Punk verbreiteten Zippern die zur Verzierung auf Hosen aufgenäht wurden.  Angeboten wurde sie zunächst auf Londons großen Märkten wie dem Kensington Market und dem Chelsea Great Gear Market wo sich im Laufe der Zeit verschiedene Modelle für die jeweilige Szene durchsetzen konnte.

Genug der Rückblende. Vor einer ganzen Weile interessierte ich mich dann wieder mal für was schönes neues für meine Füsse, so kam mir dann die Lust auf ein paar anständige Winklepicker. Leider stellte sich heraus, daß es sich bei dem von mir favorisierten Modell oben rechts um einen Frauenschuh handelte und in meiner Größe nicht verfügbar ist. Joy Winyard von Pennangalan Shoes war so freundlich mir das mal zu erklären. In Schuhen hatte ich immer schon eine sehr weibliche Ausrichtung, komisch. Der deutsche Markt präsentiert sich in Sachen Winklepickers sehr dünn, lediglich im Kölner Studio 59 kann man ein paar Modelle über Ebay bekommen. Mehr Auswahl hat man da schon auf dem englischen Markt, auf dem der Schuh im Moment sein drittes Comeback erlebt. Beim deutschen Wikipedia findet man lediglich eine Erklärung als Angelrute, man sollte sich da doch mehr auf die englische Erklärung verlassen. Entscheiden werde ich mich dann wohl für das Modell rechts, es sei denn ihr könnt mir noch andere Modelle empfehlen.

Aktion Kinder in Gefahr – Stoppt die BRAVO!

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Skandal oder Wahrheit? In seinem Blog schreibt Robert Basic über die Aktion Kinder in Gefahr und der Petition die Bravo zu stoppen. Was zunächst unglaublich erschien, entpuppte sich dann aber als bittere Wahrheit. Die Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur findet die Pornographischen und erotischen Inhalte der BRAVO als Kindergefährdend. Ist das wirklich so? In der Tat finden sich in der BRAVO immer wieder Bilder von nackten Jugendlichen und die letzte Foto-Love Story endete im Bett. Tokio Hotel hat mal über den Sex mit Fans gesprochen. Interessant finde ich das auch nicht, Pornographie definiere ich jetzt anders, aber jeder hat da wohl eine andere Meinung.

Mein Arbeitskollege zum Beispiel, mit dem ich gleich darüber diskutieren musste. Der sieht das genauso und führt zu Recht an, das ich selbst noch keine Kinder habe um das überhaupt zu beurteilen. Ich denke es liegt an den Eltern dafür zu sorgen, das solche Inhalte nicht auf offene Ohren stoßen, sondern auf Informierte. Wenn Kinder die Eltern auf solche Sachen ansprechen sollte darüber offen gesprochen werden, Verbote haben noch nie funktioniert und erhöhen nur den Reiz. Aber das bleibt eben Ansichtssache.

Viel übler ist der restliche Inhalt der Internetseite des DVCK, was da nicht alles als schlecht und verboten angesehen wird, sprengt die Fesseln des guten Geschmacks. Es gibt Linksradikale und Rechtsradikale, gibt es auch Christradikale?

Deswegen fordere ich für meinen Teil: Stoppt den DVCK! Nein zur Meinungsmache gegen Homosexuelle, verbietet die Publikationen über Gotteslästerung und den Wunsch nach Zensur im Internet. Schützt unsere Kinder vor den christlichen Ansichten aus dem Mittelalter.

Xmal Deutschland – Dunkle New-Wave Damen aus Hamburg

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1980 ist nicht nur die Blütezeit des deutschen Punks gewesen, sondern auch die Zeit, in der die Blüte ihre Blätter verliert und daraus immer neue Triebe entstehen. In Hamburg, der härtesten Stadt des Punks seiner Zeit hatten 5 Mädchen mit dem gleichen Musikgeschmack den Plan eine Band zu machen. Bands zu gründen war modern und so kam es das die Band Xmal Deutschland zum ersten mal namentlich erwähnt wurde, benannt nach diesem Buch von Rudolf Walter Leonhardt über das Deutschland der 50er. Anja Huwe (Gesang), Manuela Rickers (Gitarre), Fiona Sangster (Keyboard), Rita Simon (Bass) und Caro May (Schlagzeug) sind damit wohl die erste deutsche Girl Band der New Wave Bewegung.

Ihre große Beliebtheit bei den Goths gründet in der energiegelandenen, ungestümen und doch melancholischen Musik. Laute Gitarren, ein typischer New Wave Beat und der schrille Gesang von Anja Huwe bohren sich in den Schädel. Der Einsatz von Synthesizern macht aus dem Gesang ein fünftes, neues Instrument und sorgt für die bedrückende Atmosphäre voller Leidenschaft, Verzweiflung und Hingabe.

In stumpfer alter Rocktradition „ihr Ding bringen“ wollen Xmal Deutschland; und dann halten sie nicht mal was von Sexy-Images [..] Das einzige, was ich ihnen abnehme, ist, dass sie als kleine Amateur-Garagen-Depressorocker zu viel schlechte Bücher gelesen haben und ansonsten auf Pfefferminzschokolade, Hamburger, Ami-Cabrios vor 1960 und deutsche Horrorstummfilme stehen. (Kid P. in „Die Wahrheit über Hamburg“ Sounds 5/82).

Von der deutschen Musiklandschaft zunächst ignoriert, spielten die Band einige Konzerte mit Palais Schaumburg und Wirtschaftswunder. Witzigerweise war es Thomas Fehlmann von Palais Schaumburg, der von Cora May eine volle Bierdose an die Rübe gepfeffert bekommen hat. Rita Simon (Bass) verließ die Band und wurde von Wolfgang Ellerbrock ersetzt. Die Single „Schwarze Welt – Großstadtindianer“ erregte in England großes Aufsehen und erntete durchweg positive Kritiken. Das Stück „Incubus Succubus“ (Männlicher und weiblicher Dämon) sollte zum Undergroundhit avancieren und ist heute noch Hymne der Gothic Bewegung. Beide Singles sind auf Alfreds Hilsbergers „Los, wir machen ne´ Platte“ ZickZack Records erschienen.

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John Peel hat deutsche Luft geschnuppert und lud die Band am 25.11.1982 zu der ersten von vier berühmten Peel-Sessions nach England ein, was Xmal Deutschland einen weiteren Bekanntheitsschub verlieh. Caro May (Schlagzeug) verließ die Band und wurde durch Manuela Zwingman ersetzt. So langsam witterten dann auch die Major Labels der aufkommenden Neuen deutschen Welle das Potential der Band. Zu spät, denn die Band hatte ihren eigenen Pläne und lehnte die Angebote ab.  Durch ein Demo-Tape wurde das legendäre 4AD Label aufmerksam und so kam es, dass Xmal Deutschland die erste und letzte Band des englischen Labels wurde.

Xmal, you came just about the right time…we were getting all silly, rolling about in the grass. We might replace the old with the new…this is only the tip of the iceberg. […] I have to thank Mick Mercer for bringing this German blend of atmosphere and noise to my lugholes. (ZIGZAG Magazin, Oktober 1983)

Anfang 1983 erschien dann auch ihre erste LP „Fetisch„. Technisch mitgewirkt haben daran Ivo Watts (This Mortal Coil) und John Fryer (NIN, Depeche Mode), die dem Album einen eigenen frischen Sound bescherten, das in England für überschwängliche Kritiken sorgte. Das die Texte größtenteils auf deutsch sind, hat die Engländer nicht gestört, passte die stimmliche Umsetztung von Anja Huwe doch ausgezeichnet in das musikalische Konzept. Das Album klingt sehr rau und zeigt deutlich die Experimentierfreude durch einige klangliche und musikalische, dunkle Perlen. Es ist wie eine Reise durch die Dunkle Szene Anfang der 80er Jahre. Persönliche Highlights sind „Boomerang“ und „Danthem“. Das Album erreichte Platz 3 in den britischen Independent Charts, direkt hinter New Order und Aztec Camera. Nach einer Tour durch England erschien 1983 die 12 inch „Qual„, auf der sehr tanzbare, schlagzeuglastige Remixe vertreten sind.

Deine Qual ist meine Lust, meine Liebe ist dein Tod, nachts wenn du schläfst bin ich lebendig, mein Tag ist deine Dämmerung, meine Wiege ist dein Grab, deine Qual ist meine Lust, meine Liebe ist dein Tod, I’ll murder you… (Qual – Xmal Deutschland)

Nachdem Manuela Zwingman die Band verließ wurde sie von Peter Bellendir ersetzt, im Juni 1984 holten sie gemeinsam mit 4AD zu einem weiteren Geniestreich aus. „Tocsin“ gehört für mich zu den besten Alben der Band, es verbindet schöne Synthieklänge mit treibenden Drums und sehr dunklen Bassverläufen. Das Gitarrenspiel rückt hier abermals in der Vordergrund und glänzt durch scharfe und klare Riffs. Auch Anja Huwe hat sich weiterentwickelt, ihr Gesang ist nun nicht mehr so hysterisch Schrill, sondern eher melodischer auch wenn sie dabei nichts von Ihrem Reiz einbüßt. Höhepunkte des Album sind „Mondlicht“ und „Eiland“ die längst meine persönliche Definition von Gothic sind.

Dem Album folgte eine ausgedehnte Tour durch Europa und Amerika. Während sich Xmal Deutschland in England schon etabliert hatten, reagierte die Deutsche Musiklandschaft hochnäsig und Eitel. Warf man der Band doch vor, nur eine Kopie der englischen Szene zu sein und nicht in die aktuelle Phase der Neuen Deutschen Welle zu passen. Vergleiche mit Siouxie an the Banshees, Killing Joke und Depeche Mode (!) wurden gezogen, vielleicht eine späte beleidigte Reaktion auf die Ablehnung der Band sich einige Jahre zuvor einem Major Label anzuschliessen? In einem Interview des Melody Makers 1982 heißt es:

So do they treat you with disdain (mißachtung)? […] When we started the said – Oh my God, five Girls – they look alright but the can´t play. The say – „Oh it´s an English copy“, but over here they say, „Oh you´re different“! (Melody Maker Interview 1982)

Die Band verließ 4AD und gründete ihr eigenes Label eXile und brachte die EP „Sequenz“ heraus. Das darauf vertretene „Autumn“ war der erste rein englischsprachige Text der Hamburger. Die Musik klang jetzt deutlich mehr nach Pop, die Sounds waren waviger und deutlich einprägender, was sich in dem Stück „Polarlicht“ deutlich herauskristallisiert. 1986 schlossen X-Mal Deutschland einen Vertrag mit Phonogram ab und brachten die 12inch „Matador“ heraus, die von Hugh Cornwell, dem Sänger der Stranglers produziert wurde und sogar in die Charts klettern konnte. Daraufhin spielte die Band im Vorprogramme der Stranglers im Wembley Stadion, bei dem Anja Huwe einem Gedränge von sichtlich unbeeindruckten Fans der Stranglers entgegenschrie „Ein bisschen mehr Respekt!!“, wobei die Ausrufezeichen später im Melody Maker als vergiftete Dolche gedeutet wurden.

Die dritte LP „Viva“ wird 1987 in Hamburg aufgenommen, Single Auskopplung ist „Sickle Moon“. Der hohe Anteil englischsprachiger Songs, unter anderem einer Vertonung eines Gedichtes von Emiliy Dickinson. Die Songs wirken deutlich erwachsener und heller. Statt die morbide und depressive Stimmung fortzuführen, entschieden sich Xmal Deutschland für die Melancholie. Die Stücke klingen poppiger und sind nun vollends im New Wave angekommen. Schöne und einprägsame Melodien werden vom deutlich gefühlvolleren Gesang getragen und manifestieren sich in den Stücken „Eisengrau“ und „Illusion“. Ein schönes und gelungenes Album, ohne nennenswerte neue Akzente.  Nach der anschließenden Europa Tour zebrach die Band. Manuela Rickers, Fiona Sangster und Peter Bellendir verließen die Band.

Wir haben die Trennung kommen gesehen. Wie es scheint wachsen einige Bands durch ihre Erfahrungen zusammen oder leben sich auseinander. Ursprünglich war es unser gemeinsames Interesse in Literatur und Musik das unsere Freundschaft zusammenhielt. Mit der Zeit begannen wir uns zu verändern und wuchsen immer weiter auseinander. (Anja Huwe und Peter Ellerbrock)

Aus der ursprünglich 5-köpfigen Mädchenband blieben nun nur noch Anja Huwe und Peter Ellerbrock, die sich aber entschieden, weiterzumachen. 1988 begannen die zwei wieder mit Arbeiten an neuem Material. Joe Clis (vormals Human League) und Frank Z (vormals Abwärts) unterstützten die Band. Das Album „Devils“ erschien 1989 bei Polygram. Die Entwicklung erste deutsche Texte mit dem englischen zu mischen endet hier nun auf rein englischen Texten mit gelegentlichen deutschen Einflüssen. Das Album klingt nun gar nicht mehr nach Xmal Deutschland, sondern wie weichgespülter Endachtziger Pop. Zu viele neue Einflüsse veränderten den Sound komplett. Keine Ecken und Kanten, nichts neues und außergewöhnliches machen deutlich, dass eine Band nicht nur aus der Frontfrau bestehen kann. Setzt man die beiden Stücke „Dreamhouse“ von dieser Scheibe und „Mondlicht“ von Tocsin gegenüber wird der unterschied mehr als deutlich.

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Die Platte floppte und ist in England nie erschienen, obwohl der Fokus ja auf dem englischsprachigen Publikum lag.  Xmal Deutschland war damit endgültig Geschichte. Ein schönes Finale aus der Schlussphase der Band ist die B-Seite der letzten Single „The girl in the Iron Mask“ von Billy Bragg. Mit dem Fall der Mauer fiel auch Xmal Deutschland. Schade und doch unvermeidlich, sie waren die richtige Band in der richtigen Zeit und haben ein ganze Genre geprägt. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist…“ hätte nach Viva das Fazit sein müssen, in England hat Xmal Deutschland heute noch Kultstatus und gehört fest in die Playlisten der englischen Underground-DJ´s.

Was wurde aus…

Anja Huwe (Gesang von 1980-1989) war danach neben Lou Richter in der NDR Sendung „Musiq“ zu sehen und betätigte sich 1990 als Produzentin der Sendung „Housefrau TV“ auf VIVA. 2000 legte sie Ihren Fokus auf die Malerei und eröffnete am 10.3.2005 ihre erste Ausstellung in New York unter dem Titel „X-mal“. Sie lebt immer noch in New York und Hamburg. Mic von Unruhr hatte die Gelegenheit 2005 eines schönes Interview mit Frau Huwe zu führen.

Manuela Rickers (Gitarre von 1980-1987), schloss sich 1992 dem Rossburger Report an und blieb ihrer Gitarre treu und probierte sich mit dieser experimentellen Musik neu aus, 1994 endete das Projekt.  2003 startete sie zusammen mit Olaf Bloquist das Projekt Mispelheim, das aber nie einen Tonträger veröffentlicht hat, dennoch trennten sich die Wege der Beiden nicht, so das Manuela auf der 2007 erschienen CD Hundert Kronen an der Gitarre zu hören ist. Ein ausführliches Interview mit Olaf Bloquist hat Mic von Unruhr geführt, dem auch diese Ergänzung zu verdanken habe.

Peter Bellendir (Schlagzeug 1982-1987), war ebenfalls 1992 am Rossburger Report beteiligt, dem er genau wie Manuela Rickers bis 1994 treu blieb. Auf YouTube gibt es übrigens ein sehr… anderes Musikvideo von einem Auftritt der Band, in der nachfolgenden Jahren beschäftigte sich Bellendir als Musiklehrer, bevor er 2013 überraschend verstarb.

Manuela Zwingmann (Schlagzeug 1982-1983) spielte noch für den Song „D for Desire“ ein kurzes Gastspiel bei All about Eve.

Was aus den folgenden Mitgliedern der Band geworden ist ließ sich leider nicht herausfinden, schade. Caro May (Schlagzeug 1980-1982), Fiona Sangster (Keyboards 1980-1987),  Rita Simon (Bass 1980) und Wolfgang Ellerbrock (1980-1989)

Emos – Sind die bunt-schwarzen Sonderlinge eine Subkultur?

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Emos sind keine Kuscheltiere, die bei Berührung nach Nahrung verlangen, sondern eine Jugendkultur, die besonders zur Jahrtausendwende von sich reden gemacht hat. Emo ist die Abkürzung für Emotional Hardcore, einer Musikrichtung die ihre Entstehung in den USA der frühen 90er-Jahre feierte. Die als mehr emotionalere und gefühlvollerer Version des Hardcore Punks mit anspruchsvolleren Texten rund um Liebe und Verzweiflung gedachte Musikrichtung fand schnell viele Anhänger, gerade in der Generation der Jugendlichen. Mit den Emos selbst hat diese Musikrichtung aber nur am Rand zu tun.

Mit Titeln wie „Cemetery Drive“ oder „Roses for the Dead“ gibt sich die Musik morbide, hat aber mit Gothic nicht viel zu tun. So ziemlich jeder Emo verwechselt die eigenen hormonbegründeten Problemchen mit tiefem Weltschmerz und lebt diesen hemmungslos aus. Im abgedunkelten Zimmer sitzend werden traurige Gedichte verfasst, die größtenteils in Metrik und Semantik ebenso gruselig sind wie in der dunklen Wortwahl.

Es wird wohl 2000 gewesen sein, als sich Emo auch als Stilausprägung der jugendlichen Mode etablierte, letztendlich wird sie auch darauf von den meisten reduziert. Dabei werden viele Stilarten zu einem ganz neuen individuellen Stil gemischt. Die Szene greift Elemente aus Bewegungen wie Punk, Gothic, Metal, Rockabilly und Visual-Kei auf und kombiniert das ganze auf neue Art. Röhrenjeans, Hoodys, Vans und Chucks gehen als eindeutige Merkmale dieses Genre durch. Die Haarfarbe ist meist schwarz, kombiniert mit grünen, blauen oder lila farbenen Strähnen, der in dem Markenzeichen der Emos endet, dem langen Pony der üblicherweise ein Auge bedeckt.

Offensichtlich ist die Emo-Szene auch äußerst unbeliebt, sei es von Punks oder Gothics, die sich ihrer Stilelemente und Ideale beraubt fühlen. Diese Abgrenzung innerhalb einer existierenden Szene macht sie wiederum beliebt bei denen, die anders sein möchten als die anderen und sich von den Abgegrenzten nochmals abgrenzen möchten, eigentlich wie immer in den Jugendkulturen. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Mittlerweile gibt es unzählige Seiten und Videos gegen Emos, man könnte von einer Anti-Emo-Welle sprechen.

Vorwürfe mache ich der Szene eigentlich nur wegen ihrer selbstzerstörerischen Tendenzen, wie das Abmagern vor allem bei Jungen, dem exzessiven Konsum von Alkohol, um der Realität zu entfliehen und mit sich selbst klarzukommen und der Degradierung des Borderline-Syndroms als Modeerscheinung (Ritzen). Das kann man allerdings nicht pauschalisieren. Sie haben von allem etwas und nichts richtig, sind unpolitisch, haben selten eine Meinung zu Gesellschaft widmen sich dem Weltschmerz und leben Ihre Ängste und Selbstzweifel aus. Witzigerweise distanzieren sich inzwischen viele der „Emo-Bands“ von diesem Trend, der von einer Musikrichtung zu einem Style-Guide in der Bravo mutiert ist.

Mir sind sie eben unsympathisch. Sie sind für mich die Trittbrettfahrer bestehender Subkulturen die sich von allem ein wenig abschneiden, ohne selbst Stellung zu beziehen. Ihr introvertiertes Verhalten, das mit einem gleichzeitig extrovertiertes Auftreten einhergeht, sowie ihr egoistisches Verhalten ist beim Abbau von Vorurteilen nicht sonderlich hilfreich. Emo ist noch lange keine Subkultur, höchstens eine Modeerscheinung die hoffentlich bald als Aufhänger in den Medien verschwunden ist.

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London – Meine Rückkehr nach 15 Jahren

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Seit ich Anfang der 90er-Jahre einmal in London gewesen bin, geht mir die Stadt nicht mehr aus dem Kopf. Soviel Kultur und Leben auf einem Haufen hatte ich noch nicht gesehen und immer wieder kreisten meine Gedanken darum, noch einmal nach London zu reisen. Anfang 2008 habe ich die Gelegenheit dann am Schopfe ergriffen und bin mit meiner Freundin nach London geflogen.

Glücklicherweise hatten wir beide die üblichen  Sehenswürdigkeiten wie Wachsfigurenkabinett oder den Tower of London schon gesehen und konnte uns so auf die dunklere und aufregendere Seite Londons stürzen. Das Netz ist voll mit interessantem Inhalten über London und seine Sehenswürdigkeiten, deshalb möchte ich hier für die unbekannteren Ecken Londons Partei ergreifen oder von Orten erzählen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, denn London besteht nicht nur aus Big Ben und Madame Tussauds. Ich möchte mich in meinem Artikel auf persönliche Höhepunkte beschränken, den Friedhof Highgate Cemetery, den Camden Market und dem Nachtleben für dunkle Gestalten. Letztendlich gibt es noch ein paar nützliche Informationen, damit aus dem Trip kein Horror-Trip wird.

Highgate Cemetery

Als im 19. Jahrhundert die Bestattungsmöglichkeiten in London knapp wurden, stimmte das Parlament zu, sieben private Friedhöfe nahe dem damaligen Londoner Gürtel zu eröffnen. Der im Norden Londons gelegene Friedhof Highgate besteht aus einem westlichen (1839) und dem östlichen Teil (als Erweiterung 1854), die durch eine öffentliche Straße, der Swain´s Lane, voneinander getrennt sind. Highgate West  wurde 1975 aus finanziellen Gründen geschlossen, es war den Betreibern nicht mehr möglich für die Pflege der Grabstätten zu sorgen.  Der Verein Friends of Highgate Cemetery (FOHC) kaufte in den späten siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts das kunsthistorisch interessantere westliche Gräberfeld und rettete es so vor der Einebnung durch Planierraupen, 1981 befanden sich schließlich beide Teile in vollem Besitz der FOHC. Um die Erhaltung des Friedhofs zu ermöglichen, ist der Besuch kostenpflichtig.

Die Tour mit dem Führer über den westlichen Teil ist aber mehr als lohnenswert. Für 5 Pfund (etwa 6,5 €) pro Person, erhält man eine einstündige Führung über den alten Teil des Friedhofes, in der viel über die Entstehungsgeschichte und die auf dem Friedhof befindlichen Gräber erzählt wird. Die zum Teil prunkvoll verzierten Gräber und Grabstätten beherbergen neben den Gräber von Geschäftsleuten und Aristokraten auch die Gräber einiger berühmter Persönlichkeiten. So finden sich auf dem westlichen Teil die Gräber von Charles Dickens, Michael Faraday, George Wombwell und Thomas Sayers. Den östlichen Teil des Friedhofes kann man auch ohne Führer besuchen, er ist aber lange nicht so eindrucksvoll wie der westliche Teil, kann aber mit der Karte von der Führung ebenfalls besucht werden. Wie komme ich dahin? – Mit der Tube (Nothern Line) bis Archway. Dann die Highgate Hill Street und weiter auf die Highgate High Street am östlichen Teil des Friedhofes vorbei und dann Links abbiegen und durch den Park laufen.

Weiterführende Links: Highgate Cemetery im Stadtplan, Fotostrecke bei Flickr, Highgate Cemetery

Camden Market

camden-market-fassade-2Obwohl der sicherlich kein Geheimtipp ist, so lohnt sich ein intensiverer Blick und ein ausschweifender Besuch. Dort gibt es auf jeden Fall die günstigsten Dr. Martens in ganz London, obwohl die ja mittlerweile in China produziert werden. Ein Vergleich, auch bei Shops in unmittelbarer Nähe lohnt sich, so konnten wir nach suchen innerhalb des Marktes nochmals rund 10€ sparen. Camden Market besteht aus 6 Bereichen, der Camden Lock Market, mit seiner grossen Markthalle, dem Stables Market im Norden, dem Buck Street Market im Süden, dem Electric Ballroom, der Inverness Street und dem Camden Canal Market der 2008 von einem Feuer verwüstet wurde.

Direkt an der U-Bahn Station ist der Electric Ballroom, der getarnt hinter einem unscheinbaren Durchgang, viel Platz für ungefähr 60 einzelne Stände bietet. An den Wochenenden finden hier auch regelmäßig Konzerte oder Events statt, selbst U2, Oasis, The Clash und die Red Hot Chilli Peppers waren hier schon zu Gast.  Der Camden Lock Market, der direkt hinter der Brücke über den Regents Canal beginnt, ist mehr auf kleine Schmuckläden spezialisiert, davon gibt es hier aber jede Menge. Im hinteren Bereich findet man dann so was wie eine Fressbudenmeile, bei denen es allerdings viele außergewöhnliche Spezialitäten gibt.

Geht man weiter Richtung Bahndamm wird es richtig interessant. Denn hier finden sie die Second Hand und Gothic Shops wie Fairygothmother, Burleska (Korsetts), After Dark (ehemals Black Rose), Darkside, oder auch das Elizium. Kollektionsware ist hier aber meist recht teuer, deshalb macht es viel mehr Spaß in den großartigen Second Hand Läden zu stöbern.  Die einzelnen Läden sind teilweise in den Bögen unterhalb der Bahn untergebracht und sehr verwinkelt, was dem ganzen einen ganz ungewöhnlichen Charme verleiht. Man findet auch reichlich kleine Modelabels aus London, die hier ihre Sachen anbieten.

So lernten wir zum Beispiel Nicola Quilter kennen, die nicht nur wunderschöne Röcke näht, sondern auch noch Musik macht und sich an einer Schauspielkarriere versucht, außerdem ist sie immer für einen Tip innerhalb des Camden Markets zu haben, erfuhren wir doch von Ihr wo es die günstigen Dr. Martens gibt.

Wie komme ich dahin? – Mit der Tube (Nothern Line) bis Camden Town und schon bist du mittendrin! Ein unbedingtes Muss ist aber die Sicherheit, denn hier sind überdurchschnittlichen Taschendiebe, deshalb möglichst alles wichtige im Hotel lassen und keine größeren Geldbeträge mitnehmen.

Weiterführende Links: Camden Lock, Camden Guide

Ausgehen

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Leider ist neben dem umfangreichen Einkaufsbummel nicht viel Platz geblieben, um auszugehen. Eine Perle für die Anhänger der schwarzen Szene konnte ich jedoch ausmachen. Das Intrepid Fox, das in unmittelbarer Nähe zum altehrwürdigen Astoria liegt, ist eigentlich eine Neueröffnung, den das alte Fox, das am Gargoile über der Tür zu erkennen war, gibt es nicht mehr.  Das neue Lokal ist den Machern aber dennoch gut gelungen und bietet im Inneren alles was einen guten Pub ausmacht.

Das Ambiente erinnert an eine 80er Wave & Gothicparty, Totenköpfe, Skelette und flackernden Kronleuchtern. Auf 2 Etagen ein gemütliches und uriges Pub mit prima Punkmusik (und allen Unterarten wie Gothic, Wave, Post-Punk). Von den Dropkick Murphys bis hin zu Alien Sex Fiend wurde uns an diesem Abend alles geboten. Das Intrepid Fox steht in wenig Reiseführer und das ist auch gut so. Denn die Preise für die Getränke sind so wie sie sein sollen, günstig. Das Publikum ist bunt gemischt, neben Metallern finden sich Punks, Waver und Gruftis. Alle sind irgendwie einfach und unkompliziert.

Gerne hätten wir Orte wie das Slimelight oder The World´s End besucht, leider hat die Zeit nicht gereicht. Was nicht ist, kann aber noch werden, denn ein weiterer Trip nach London steht schon fest auf dem Programm.

  1. Mit dem Flugzeug kommt man am besten nach London (Stansted Airport), ein Expresszug bringt Euch nach London selbst. Das kostet jeden 30€ für Hin und Zurück und sollte zur besseren Kalkulation in den Flugpreis mit eingerechnet werden, manchmal macht es Sinn, einen teureren Flug zu buchen, um in Heathrow zu landen und so den Mehraufwand zu vermeiden.
  2. Die einzig sinnvolle Fortbewegungsmöglichkeit in London ist die U-Bahn (Tube), mit einem 3-Tages-Ticket fährt man sehr günstig. Dabei wählt man die Ticketart Off-Peak, was bedeutet, dass man die Tube erst ab 9:30 morgens benutzen kann, wer früher aufsteht, ist selber schuld. Taxis sind reine Abzocke!
  3. Bezieht den letzten Tag mit in eure Planungen ein, meist kann man das Gepäck im Hotel für 2-3€ nach dem auschecken noch aufbewahren und dann erst kurz vor der Rückreise abholen.
  4. Bei London.de kann man einige Tickets schon im Vorraus buchen, der Reiseführer dort ist aber nicht so toll. Für einen guten Überblick über mögliche Reiseführer schaut mal beim WDR vorbei. Der offizielle Shop des britischen Fremdenverkehrsamtes Visitbritainshop.com verströmt die nötige Seriösität und bietet auch einen direkten Einstieg in die restliche Englische Kultur.
  5. Wenn es dann doch auch ein wenig touristischer sein darf, bietet der London Pass eine guten Einstieg in das kulturelle Leben der britischen Hauptstadt. In Verbindung mit der Oyster-Card, die man als Option hinzubuchen kann, kann man hier kräftig Geld sparen.
  6. Fernhalten von touristischen Ballungszentren schont den Geldbeutel! Beispiel: Toilette in Kensington: kostenlos, Toilette am Picadilly Circus: 1 Pfund (!).