Ist die Explosion der Eintrittspreise für Konzerte und Festivals nicht zu stoppen?

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Im Fahrwasser schwindender Corona-Einschränkungen fanden 2022 unzählige Festivals und Konzerte statt. Doch während auf der einen Seite Bilder von ausverkauften Hallen und vollen Veranstaltungsgeländen die sozialen Netzwerke überfluteten, war auch immer wieder von Absagen zu lesen, weil zu wenig Karten verkauft wurden. Wie kann das trotz des Veranstaltungs-Dürre der letzte Jahre sein? Bei den astronomischen Eintrittspreisen mancher Festivals und Konzerte drängt sich der Eindruck auf, als würden große Künstler und riesige Festivalagenturen den Fans das Geld aus der Tasche ziehen. Dreistellige Preise sind die Regel für ein Konzertticket oder Festivalwochenende, einzelne Tickets kosten manchmal einige tausend Euro, vor allem wenn man so nah wie möglich an der Bühne sein will.

Schöne neue Welt

Nach solchen Eintrittspreisen bleibt vom Freizeitbudget nicht viel übrig, vor allem für kleinere Veranstaltungen und unbekanntere Bands, die dann auch noch im Vorverkaufsrausch nach hinten geschoben werden, weil populäre Veranstaltungen schnell ausverkauft sind und es bei kleineren Festivals und Konzerten vermeintlich „immer noch ein paar Karten an der Abendkasse gibt„. Diese Einstellung ist allerdings fatal, denn nur Vorverkäufe geben den Veranstaltern die Sicherheit, ihre Events zu mindestens ohne Verluste durchziehen zu können. In der Folge wurde 2022 zahlreiche Festivals und Konzerte abgesagt.

Für Bands kommt neben der daraus resultierende Absage erschwerend hinzu, dass diese Auftritte häufig die einzigen Einnahmequellen sind. Denn obwohl Streaming-Abos, die mit der Verbreitung der Smartphones Plattenverkäufe obsolet gemacht haben, den Musikkonsum in ungeahnte Höhen trieb, bleibt von den rund 1,8 Milliarden Euro, die die Musikindustrie beispielsweise 2020 daraus erwirtschaftet hat, für die meisten Künstler am Ende nicht viel übrig.

Astronomische Preisstrukturen fördern Zweiklassengesellschaft

Machen wir uns nichts vor, alles wird teurer, auch Konzerttickets. Wie ein Artikel bei backstagepro.de berichtet, könnten die Kartenpreise dauerhaft um bis zu 30% teurer werden, weil die Kosten in allen Bereichen gestiegen sind. Doch bei vielen Veranstaltungen bleibt es nicht bei simplen Preiserhöhungen, die an den Fans weitergegeben werden. Oftmals kommt es mir so vor, als würden Fans regelrecht gemolken, um die meiner Meinung nach aufgeblähten Preisgebilde mit Profit zu versorgen.

Bei Konzerten werden spezielle Bereiche vor der Bühne (Front of Stage) in verschiedenen Kategorien deutlich teurer verkauft, als Plätze im Innenbereich oder auf den Tribünen. Für rund 300€ Ticketpreis kann ich beispielsweise Depeche Mode bei einem Konzert ihrer bevorstehenden „Memento Mori“ Tournee, die im Mai 2023 nach Deutschland kommt, ganz nah erleben. Für günstige 65€ kann man die Band von der Tribüne auf der Bühne erahnen und möglicherweise auf riesigen Bildschirmen erkennen. Es schläft also keiner mehr vor den Konzerthallen, um bei Einlass zum besten Platz zu rennen, sondern erkauft sich ganz simpel einen besseren Platz.

Auch Festivals locken besser zahlende Besucher mit speziellen Bereichen, exklusiven Bühnen oder einem ganz besonderen Zeltplatz. Für 350€-750€ bekam man zum Beispiel bei Mera Luna 2022 statt eines müffelnden Zeltes eine improvisierte Unterkunft in direkter Nähe zum Innenbereich der Hauptbühne.

Doch schon im Vorfeld, nämlich beim Ticketverkauf, halten Verkäufer die Hand auf und ziehen mit Begriffen wie „Platin Tickets, Verified Fan, Slow Ticketing“ den Fans das Geld aus der Taschen. Der Internetblog Tonspion hat dazu 2021 den Artikel „Wie Tickethändler Musikfans abzocken: Platin Tickets, Verified Fan, Slow Ticketing & Co.“ veröffentlicht, der ausgezeichnet zusammenfasst, wie erschreckend gut das funktioniert. Bei Depeche Mode, um beim oben genannten 300€ teuren Beispiel zu bleiben, die Band ganz nah zu erleben, heißt das „Early Entry Ticket“, mit dem man „vor den regulären Ticketkäufern“ Zugang erhält und obendrein auch noch einen „VIP Erinnerungspass“. Erscheint mir wie eine Zweiklassengesellschaft statt einer Demokratie der Warteschlange.

Rechtfertigung gegen Meinung

Woher kommen die hohen Preise? Ein Punkt ist sicherlich die Maßlosigkeit einiger Konzertshows, wenn man sich beispielsweise Rammstein als Beispiel nimmt. 90 Trucks transportieren rund 1400 Tonnen Material von Stadio zu Stadion, die Logistik ist atemberaubend. Und mit den Stadien wächst auch die Größe der Videoleinwände und Bühnen, und die Anzahl der Lautsprecher. Von Personalkosten wollen wir gar nicht erst anfangen, denn immer mehr Auflagen erfordern immer mehr Menschen zu Abwicklung und weil sie während der Pandemie viele Mitarbeiter in diesem Bereich umorientiert haben, sind Leute ein knappes Gut. So scheint ein Rammstein-Ticket zwischen 100 und 150 Euro schon fast gerechtfertigt. In den vollen Genuss der Band, kann man allerdings ab etwa 400 Euro kommen, denn auch hier gibt es natürlich „besondere Bereich“. Ansonsten bleiben oft nur winzig kleine Künstler, die man höchstens auf Video-Leinwänden sehen kann und matschiger Sound, weil Stadien nunmal so gut wie nicht sinnvoll zu beschallen sind.

Künstler und Veranstalter rechtfertigen sich notdürftig, wie jüngst bei Bruce Springsteen, wo die Karten zu seinen Konzerten im Schnitt etwa 230 Euro kosten. Der Manager schrieb: „Unabhängig von den Kommentaren über eine bescheidene Anzahl von Tickets, die $ 1.000 (£ 828) oder mehr kosten, lag unser wahrer durchschnittlicher Ticketpreis im mittleren Bereich von $ 200 (£ 165). Ich glaube, dass das im heutigen Umfeld ein fairer Preis ist, jemanden zu sehen, der allgemein als einer der größten Künstler seiner Generation angesehen wird.“

Ich bin allerdings der Meinung, dass unter diesem Gigantismus gepaart mit Inflation, hohen Energiekosten und Unsicherheit viel Musik und vor allem viele Künstler auf der Strecke bleiben.

Fazit: Lösungen wachsen nicht auf Bäumen

Es wird wieder Zeit, kleine Bands, unbekanntere Künstler und familiäre Festivals zu unterstützen. Vor allem mit Vorverkäufen. Nur so können Festivals wie geplant stattfinden und Künstler dann letztendlich profitieren, wenn sie vor Ort Popularität sammeln, ihre Musik verkaufen, mit Merch ein paar Euros verdienen und im besten Fall auch ein wenig Gage bekommen.

Bleiben wir bei Depeche Mode als Beispiel. Die Band macht mit Lizenzen ihres Musikkatalogs, Streaming, Auftritten und sonstigen Verkäufen einen Haufen Kohle. Einige Superstars schöpfen Millionen. Depeche Mode habe ich jetzt auch schon 2 mal Live gesehen, einmal 1990 und dann 2010. Und da habe ich schon gemerkt, das sich etwas verändert hat. Vielleicht kann ich das subjektive Gefühl bei Euch, Dave Gahan doch unbedingt nochmal sehen zu müssen, so mildern:

Als eingefleischter Depeche Mode Fan sehne ich mich nach den Momenten mit tausend Anderen die Arme zur Hymne zu schwenken, allerdings bleibt das für mich ein verblasste Erinnerung der Jugend. 1990 war ich jung, Depeche Mode waren Götter und ihre Musik trafen mein Gefühle von damals. Doch 2010 waren alles anders. Ich war anders. Egal wieviel Geld du ausgibst, das Gefühl von damals ist nicht reproduzierbar, auch nicht für 400 Euro in der „Front of Stage“. Ich weiß nicht, wie es Euch dabei geht – ich ertrinke stets in meinen eigenen Befindlichkeiten, störe mich an hochgehaltenen Smartphones, hasse Bierverkäufer, die sich durch die Menge quetschen und bin mit vielen Menschen um mich herum sowieso chronisch unzufrieden. Vielleicht werde ich alt.

Und dennoch fühle ich die Momente der verlorenen Jugend, auf kleinen Bühnen und winzigen Festivals, bei unbekannteren Musikern oder bereits vergessenen Bands. DAF in einer Diskothek in Duisburg live zu sehen, war großartig. Oder Lebanon Hanover beim Young & Cold Festival vor vielleicht 150 Leuten. Unersetzbar. Die Traitrs als Entdeckung 2018, wirklich toll, vor allem auf einer Waldbühne! Da hast du einfach das Gefühl, der Teil von etwas Besonderem zu sein. Echt, das kann mir Depeche Mode einfach nicht mehr geben, weder musikalisch noch live und trotzdem will mein inneres Ich diesem Traum vom Damals hinterherjagen.

Ich bin gespannt, wie ihr das seht. Gerade vor dem Doppel-Wumms in Leipzig, wenn Depeche Mode an dem Tag dort spielen wenn das WGT eröffnet wird, könnte es spannenden „Kommerzialisierungs-Diskussionen“ geben, denn bereits im letzten Jahr hat man sich über die moderate Preis von 170€ für ein ganzes Wochenende mit hunderte Bands echauffiert.

Video: 35 Jahre alte Hyde-Park Dokumentation – „Ein Ort zum Schreien“

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1976 eröffnete der „Hyde Park“ in einem ehemaligen Ausflugslokal in Osnabrück und entwickelte sich schnell als Treffpunkt für die alternative Jugend im Nordwesten Deutschlands. 1983 musste der Club schließen, weil Anwohner sich über den Lärm beschwerten. Ein neuer Standort sollte in Zusammenarbeit mit der Stadt gefunden werden, was allerdings bis zum Tag der Schließung nicht passiert war. Unzufriedene Besucher, die Ordnungsgemäß am 31. Juli 1983 um 24:00 vor die Tür gesetzt wurden, verschafften ihrem Unmut Luft und lieferten sich in Osnabrück tagelange Straßenschlachten mit der anrückenden Polizei. Die sogenannten „Hyde-Park-Krawalle“, wurden im Boulevard zerrissen: „Osnabrück: 1000 Punker – blutige Schlacht„, auch die Tagesschau berichtete. Eine kürzlich veröffentlichte Dokumentation aus dem Jahr 1988 bringt Besucher von damals vor die Kamera und dokumentiert die Geschehnisse rund um die Schließung.

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Die Quintessenz des Alterns

Was ich persönlich sehr erstaunlich finde, ist die Aktualität dieses Beitrags. Die Sichtweisen, Entwicklungen und Gedanken finden sich in jeder Zeit wieder. Das „Gemeinsame“ in der Rolle des Außenseiters bringt erstaunliche Erinnerung an meine Jugend zurück. Nicht, dass ich Gast im Hyde-Park gewesen wäre, aber ebenso ein Laden spielt auch in meiner Sozialisierung eine wichtige Rolle. Dabei endet die Jugend nie mit dem 18. Lebensjahr, sondern eben dann, wenn die Suche, die Unruhe und Unsicherheit mit einer gewissen Selbstsicherheit zu enden scheinen.

Ich kann mir jedenfalls nicht helfen, obwohl ich nicht aus Osnabrück oder Umgebung stamme, fühlt das alles nach meiner Vergangenheit an. Bis auf die Krawalle anlässlich der Schließung natürlich, denn bei uns starben die „alten Läden“ häufig mit einem Besitzerwechsel oder einer Anpassung der musikalischen Ausrichtung.

Für Osnabrücker aus dieser Zeit ist dieses Fundstück ein außerordentlicher Zeitzeuge der eigenen Vergangenheit, ich bin mir sicher, dass sich auch einige Gruftis im Hyde Park, der stets seinen Namen behalten hat, wiederfinden. Schön, das der Film von Günter Mey und Günter Wallbrecht seinen Weg auf Youtube gefunden hat.

Den Hyde Park gibt es immer noch. Nach weiteren Umzügen hat die Discothek in einem Industriegebiet in Osnabrück eine offensichtlich dauerhaftere Bleibe gefunden. Conny Overbeck, die ihr BWL-Studium damals abbrach, um den Hyde Park 1976 zu eröffnen, ist immer noch dabei, auch wenn sie zugeben muss, dass sie die lange Nächte manchmal stören. Wer möchte, kann am 9. Dezember 2022 zur „Rabennacht“ fahren, bei der DJ AlexX BotoX hinter den Plattentellern für düstere Stimmung sorgt.

Mad Heidi: Die antifaschistische Schlächterin aus der Schweiz

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Wer bei Mad Heidi an die großen Kulleraugen einer japanischen 70er-Jahre Adaption der Kinderbuchfigur „Heidi“ denkt, ist schief gewickelt. Immerhin konnte man bei „Mad“ schon ahnen, dass es um eine andere, weniger beschauliche Form der Alpenromantik geht. In einer wilden Mischung aus Blut, Eingeweiden, Sex und Käse-Fondue möchten die Filmemacher die existierenden Klischees um die legendären Figur in einer heilen Schweizer Bergwelt auf den Arm nehmen. Ihr Versprechen, Fanservice zu liefern, also genau das umzusetzen, was die Fans sich wünschen, haben die Macher allem Anschein nach ernst genommen. In Deutschland läuft der Film ab heute in den Kinos und soll am 8. Dezember auf der Homepage des Films zu streamen sein.

Über eine Art Crowdfunding finanziert lieferten Regisseur Johannes Hartmann und Produzent Valentin Greutert einen grotesken Exploitation-Film, der dem Zielpublikum sicher gefallen dürfte. Wer „Iron Sky“ liebte, bei Dead Snowi fröstelte und bei „Sky Sharks“ in Lachanfällen badete, wird auch hier glücklich werden. Ein kurzer Abriss:

Ziegenpeter (Kel Matesena) ist Schwarz, ein Schweizer Bergdorf-Gangster und mit der unersättlichen Heidi (Alice Lucy) eigentlich immer im Stroh zugange. Aber Ziegenpeter engagiert sich auch im Widerstand gegen das faschistische Regime. Um sich gegen den Präsidenten Meili (Casper Van Dien) aufzulehnen, der die Welt mit genmanipultiertem Käse in willenlose Zombies verwandeln will, macht der ambitionierte Ziegenhirte einfach selber Käse. Das lässt sich der Präsident natürlich nicht gefallen und entsendet seine Schergen, die den Ziegenpeter aus dem Verkehr ziehen sollen. Das machen die, wie konnte man es anders erwarten, maximal blutrünstig. Nach einem Massaker an der Dorfbevölkerung wir Ziegenpeter mit einem Projektil hingerichtet, dass seinen ganze Schädel explodieren lässt. Heidi wird verhaftet und soll im unmenschlichen Faschisten-Knast auf links, Entschuldigung, rechts gedreht werden. Klappt natürlich nicht und Heidi entwickelt sich zur „Mad Heidi“, die sich auf Rache einschwört und die Schweiz vom bösen Diktator befreien will. Im Rest des Trailers fliegen dann die erwarteten Fleischfetzen. Offiziell klingt die Filmbeschreibung auf der Homepage madheidi.com dann so:

In einer dystopischen Schweiz, die unter die faschistische Herrschaft eines bösen Käsetyrannen gefallen ist, lebt Heidi ein einfaches Leben in den Schweizer Alpen. Großvater Alpöhi tut sein Bestes, um Heidi zu beschützen, aber ihre Sehnsucht nach Freiheit bringt sie bald in Schwierigkeiten mit den Schergen des Diktators. Das unschuldige Mädchen verwandelt sich in eine schlagkräftige Kämpferin, die sich aufmacht, das Land von den wahnsinnigen Käsefaschisten zu befreien.

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Fanservice, ein für mich neuer Begriff, hat offensichtlich seine Tücken, denn bis auf eine Aneinanderreihung von bizarren und blutigen Tötungen bleibt nicht viel übrig. Zum Lachen war mir beim Trailer jedenfalls nicht zumute, zu flach waren die Witze rund um Schweizer Klischees. Es hätte nicht geschadet, Dinge bissiger und provokativer darzustellen. Ich bezweifle, dass ich mich zum Fan solcher Exploitation-Filme entwickle, die intellektuelle Presse analysiert den Film allerdings genau. Kunst oder Trash? Ihr dürft gerne selbst entscheiden und einen Kommentar hinterlassen.

Allerdings scheint die Fanbase, für die Mad Heidi gedacht ist, begeistert zu sein. 2020 sammelte man nach der Ankündigung und ersten Teasern mit einem Investitionsaufruf über 2 Millionen Euro, die den Film letztendlich ermöglichten. Ob der Film allerdings zum Hit mutiert, wage ich zu bezweifeln, eingefleischte Horror-Trash-Fans wird der Streifen aber sicher begeistern.

Heavy Metal Saved My Life – Menschliche Schicksale zu harten Klängen

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Die kürzlich in der ARD Mediathek erschienene Dokumentation „Heavy Metal Saved My Life“ erzählt die teilweise tragischen Lebensgeschichten von Fans der Musikrichtung und vergleicht sie mit den Biografien einiger Metal-Bands. „In intimen Interviews erzählen Iron Maiden, Faith No More, Mastodon, Gaahl von Schicksalsschlägen, Lebenskrisen und ihren Triumphen. Und Geschichten großer Metal-Fans! Menschen, die in ihrem Leben fast gebrochen wurden, die sich aber wieder aufgerichtet haben, mit der Hilfe von Musik.“ Leider wirkt es neben den bewegenden Geschichten und gelungenen Interviews der Künstler relativ zusammenhanglos, hier wäre ein inhaltliche Einordnung gut gewesen. Gleichwohl scheinen einige Fans diese Lücke durch ihr Anschauung und Meinung wieder zu schließen.

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Letztendlich könnte der Titel „Music Saved My Life“ lauten, denn die Lebensgeschichten der Fans und Künstler lassen sich auch problemlos in anderen Musikrichtungen finden. Die Facette, wieso ausgerechnet die aggressiv und energiegeladenen klingende Metal-Musik den Menschen Halt gibt, bleibt offen, obwohl ja das genau eine spannende Betrachtungsweise wäre.

Vielleicht kanalisiert eben diese Musik die in manchen Menschen wohnenden Emotionen in kontrollierbare Bahnen? Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein 2-stündiges Iron Maiden Konzert, dem man als Fan beiwohnt, eine zufriedenstellende Erschöpfung im Emotionshaushalt hinterlässt und beim Fan für einen Ausgleich sorgen. Für den Gothic-Fan ist es wohl die schwelende Melancholie in der Musik, die eine gewisse Traurigkeit herauskitzelt, von der wir uns befreien können. So findet sich möglicherweise in jeder Musikrichtung ein Trigger, der dabei hilft sich zu befreien, je nach Geschmack.

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Der zweite Teil „Queer“ braucht eine ganze Weile, bis er auf mich wirkt. Auf den ersten Blick scheint Queer mit Metal zu kollidieren, denn die Musikrichtung steht in vielen Dinge sinnbildlich für eine strikte Rollentrennung. Mit Riccardo aus Italien bringt man aber einige spannende Sichtweise mit ein. Der Transmann fand in der maskulinen Musikrichtung das, was ihm fehlte und sah die Musik als Wegbereiter für seine Selbstfindung.

Sowieso scheint das projizierte Bild der Szene schon allein damit zu bröckeln, dass Judas Priest Frontmann Rob Halford homosexuell ist, sich aber auf Anraten seines Managements entschloss, die 80er-Jahre mit diesem Geheimnis zu leben, bevor er 1998 sein Coming-Out hatte. Auch hier könnte eine Sichtweise sein, dass „Queer“ stets ein Teil unserer Gesellschaft war und sich durch jede Musikrichtung und Szene zieht. Ob ein Genre also eher maskuliner oder femininer klingt, entscheidet sich möglicherweise im Ohr der Zuhörers.

Eine interessante Dokumentation, wenn man gerne (tragische) Lebensgeschichten hört, von einigen Protagonisten erfährt man dann auch spannende Ansichten, warum Heavy Metal der „Gamechanger“ gewesen ist. Vielleicht hätte eine inhaltliche Einordnung der Doku ganz gutgetan. Letztendlich – und das ist meine Ansicht – scheint es keinen konkreten Zusammenhang zwischen Heavy Metal und den Schicksalen zu geben. Was auch völlig einleuchtend ist, denn welche Musik einem bei der Verarbeitung äußerer Umstände hilft, ist individuell. Spannend sind allerdings die Interviews mit den „Legenden“ der Szene, die viel vom hypermaskulinen Mythos der Musikrichtung zerstören und einen differenzierteren und vor allem gesünderen Einblick in eine der größten musikalischen Szene der Welt gibt.

Wochenschau: Die WM der Schande zwingt zur Meinungsbildung

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Menschenrechte für alle!„, die dänische Nationalmannschaft darf beim Training in Katar keine Trikots mit dieser Aufschrift tragen, weil die FIFA es für ein politisches Statement hält. Das ist die Kirsche auf dem Haufen Mist, den man uns dieses Mal als Weltmeisterschaft verkauft. Dabei ist es noch nicht mal das Schlimmste, dass die WM in Katar stattfindet, sondern dass die FIFA uns durch diese bescheuerte Entscheidung dazu zwingt, ein moralisches Urteil zu fällen. Die WM anschauen, oder lieber boykottieren? Machen wir uns nichts vor, die Sportschau titelt ihre mehrteiligen Doku zu Recht: „WM der Schande“ und fasst zusammen, was alles schiefgelaufen ist. Sie beantwortet aber auch nicht die Frage, ob man die WM gucken sollte oder eben nicht.

Man stelle sich vor: Ich kann Fußball nicht leiden und konnte mich bisher durch ein gepflegtes „Interessiert mich nicht“ angewidert wegdrehen, die jubelnden Kollegen ausblenden und die Fähnchen an den Autofenstern ignorieren. Aber das reicht diesmal nicht. Ich werde gezwungen, mich zu positionieren, weil ich überzeugt bin, dass Menschenrechte für alle gelten müssen. Da kann ich mich nicht hinstellen und die WM wie gewohnt ausblenden. Diese Veranstaltung beschädigt das Ansehen des Sportes nachhaltig, macht die FIFA zu Tätern und alle Beteiligten „unfreiwillig“ zu Komplizen. Mit einem Schlag werden sämtliche Bemühungen des Sportes für ein friedliches und ausgeglichenes Miteinander zunichtegemacht. Regenbogenarmbinden, „Fußball gegen Rassismus“, Achtung der Menschenrechte – all die Initiativen verbrennen im heißen Wüstensand von Katar zu hohlen Phrasen.

Nach der Entscheidungsfindung, der Empörung oder auch der Gleichgültigkeit kommen wir nun zur Wochenschau. Man möge mir diese unlustige Einleitung verzeihen.

Gothic Frisuren: Die düsteren Looks der Szene | BUNTE

Endlich! Da sitze ich stundenlang vor dem Bildschirm, um in sozialen Netzwerken nach angesagten Frisuren der Gothic-Szene zu suchen. Dabei legt es mir die BUNTE direkt vor die Füße: „Gothic Frisuren sehen oft sehr phantasievoll aus und sind teilweise sehr aufwendig gestaltet. Einige Styles sind in der schwarzen Szene ganz besonders beliebt. Wir zeigen Ihnen in unserer Bildergalerie, welche Looks im Trend liegen.“ Was die Zeitschrift allerdings nicht verrät, ist die Antwort auf die Frage, wie man(n) sich mit erblich bedingtem Haarausfall fehlende Pracht heranzüchten kann. Wenn die sich doch endlich mal mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen würden! (Danke ans Wiener Blut)

Paul Weller über Robert Smith: „Die fette Fotze mit dem Lippenstift“ | Musikexpress

Musiker kratzen sich auch ganz gerne mal die Augen aus. Paul Weller, Ex-Frontmann der Band „The Jam“ äußerte sich in einem Interview jüngst über Robert Smith: „Als das Magazin behauptete, dass einer der Songs auf Noel Gallaghers kommendem Album verdächtig nach dem The-Cure-Klassiker „A Forest“ aus dem Jahr 1980 klinge, reagierte der The-Jam-Frontmann mit einer Mischung aus „Ungläubigkeit und Abscheu“, wie der Autor im Artikel schrieb. „Wirklich?!“, antwortete Weller. „Ich kann sie nicht ausstehen. Die fette Fotze mit dem Lippenstift und dem ganzen Schwachsinn. Der ist doch auch so alt wie ich, oder? Er ist ein verdammtes Arschloch.“ Wer zur Hölle ist eigentlich dieser Paul Weller? Ist der nicht der „Papa“ dieses unsäglichen „Britpops“? Wie dem auch sei, so sollte man sich nicht benehmen. Furchtbar peinlich.

Michael Jacksons „Thriller“ in KI generierten Bildern | KFMW

Hier muss ich vielleicht etwas ausholen. Nach einem Artikel in einer einschlägigen Fachzeitschrift bin ich sehr angetan von KI generierten Bildern und habe schon einige überraschende Versuche auf DALL-E gestartet, um herauszufinden, was die künstliche Intelligenz zu leisten vermag. Im Prinzip generiert die Software aus einer Beschreibung, die ihr eingebt, ein entsprechendes Bild. Die Wahl der Worte und die genaue Beschreibung des Bildes, das ihr sehen möchtet, spielt dabei eine entscheidende Rolle und führt stets zu einem anderen Ergebnis. Um zu demonstrieren, was die KI zu leisten vermag, hat man den Text aus Michael Jacksons „Thriller“ durch die Software geschickt und ein Video aus dem Endergebnis gemacht.

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Ludonarrative Dissonanz | Click Nothing

Wieder was gelernt. „Ludonarrative Dissonanz“ nennt man die Widersprüchlichkeit zwischen dem Spielgeschehen und der erzählten Geschichte. Ich spiele gerade Uncharted 4 und der Held wird ja als sympathischer, liebenswürdiger und humorvoller Charakter umrissen, dem das Wohl seiner Frau, seines Bruders und seines Freundes im Spielgeschehen sehr am Herzen liegt. Allerdings habe ich jetzt bereits 870 Gegner niedergeschossen, niedergerungen oder von Felskanten geschubst. Das passt irgendwie nicht zusammen, auch wenn es Spaß macht. Schön, dass es dafür nun einen Fachbegriff gibt. Und nein, damit muss man nicht zum Arzt.

Gothic-Highlight bei der Shopping Queen | VOX

Im linearen Fernsehen, das es immer noch gibt, ist das Format „Shopping Queen“ offensichtlich recht populär. In der Sendung, in der es um Klamotten und Styling geht, wird auch gelegentlich das „Gothic-Thema“ aufgegriffen, das dann in entsprechenden Wettbewerben verwurstet wird. Was Svartur Nott, der mir einen Hinweis mit dem Link zur Sendung geritten hat, bleibt mir ein Rätsel: „Wenn du leidensfähig bist, Zuviel Zeit hast und dein Hirn freiblasen willst, wäre das vielleicht genau das Richtige!“ Ich frische damit immer mein Fremdscham-Akku auf und ärgere mich höchstens über die fehlende Zeit, das Hirn freizublasen :-)

Fangs for the Night: The Damned kündige Live-Album und Konzert-Film an | Vive Le Rock!

Die in die Jahre gekommenen Punk-Legenden von „The Damned“ entpuppen sich mit ihrem angekündigten Live-Album und einem dazugehörigen Konzert-Film als edle Fürsten der Finsternis und nennen es passend „A Night Of A Thousand Vampires“: „The 17-song set spans the band’s 40+ year career with debut album highlight ‘Neat Neat Neat’ cheekily morphing into Bauhaus’s ‘Bela Lugosi’s Dead’ with tracks from their recent album Evil Spirits bringing things right up to date.“ (Danke Manu!)

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Trailer: „In den Straßen von Berlin“ | Respekt!

Am Vorabend des Mauerfall-Jubiläums nehmen wir Sie mit auf eine Reise ins Berlin der späten 1980er und 90er Jahre, als die Straßensozialarbeit in West-Berlin in Reaktion auf gewaltbereite Jugendgangs entstand und nach der Wende auch die jungen Menschen im Osten der Stadt erreichen sollte. Der Film beschreibt die gesellschaftliche Situation in jenen Jahren, die Berlin entscheidend verändert haben. Über Nacht ist die Stadt so heterogen, wie es sie in dieser Form in der Geschichte Deutschlands noch nicht gegeben hat. Jugendliche machen sich auf die Suche nach neuen Normen und Umgangsformen im kulturübergreifenden Milieu. Sie werden dabei von den Erwachsenen, die in den Jahren mit sich selbst beschäftigt sind, allzu oft allein gelassen. Die Folgen der innerjugendlichen Auseinandersetzungen sind bekannt: Rassismus, Antisemitismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit verbreiten sich rasant und polarisieren. Man möge mich informieren, wenn der Film irgendwo online zu sehen ist.

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Gruft-Orakel November 2022: Der Knoblauchzopf bleibt ein Ringkämpfer!

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Triathlon? Ich soll schwimmen, laufen und Fahrradfahren? Sind wir hier nicht auf den dunklen Seite der Welt? Sollten wir nicht saufen, tanzen und fressen?“ Der Knoblauchzopf ist erbost. Nach seinem anständigen Ringkampf mit dem Werwolf, den er zwar mit ein paar Blessuren, aber erhobenen Hauptes beendet hat, legt ihm Alana Abendroth nahe, sich sportlich zu betätigen. „Und dann? Ein Smoothie, Rohkost und einen glutenfreies Toast?“ Das passt nicht zu archaischen Weltbild des Knoblauchzopfes, der schon aufgrund seiner Geschichte besser ins Mittelalter gepasst hätte. „Und da,“ fügt er seinem Gedanken – den er deutlich unsachlicher formulierte – lautstark hinzu, „gab es noch keinen verschis*** Triathlon!

Gruft Orakel November 2022

 

 

 

Die dunklen 90er – Die Geschichte der Berliner Band Charitona

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Die 90er-Jahre läuteten ein völlig neues Gothic-Zeitalter ein. Mit dem Fall der Mauer und den Szene-Kindern, die langsam erwachsen wurden, sprudelte ein nie dagewesene Form der Kreativität aus den Poren der schwarzen Szene. Neue Musikrichtungen, unzählige neue Bands, die aus der Szene entstanden und ein unbändiger Hunger nach einer düsteren Alternative zum quietschbunten Wummern der Techno-Szene formen die Szene in diesem Jahrzehnt. Die Band Charitona ist so ein Spross dieser Zeit. Zum 25-jährigen Jubiläum ihres Albums „Fürst der Finsternis“ hat man eine Remastered-Version herausgebracht, wie man uns mitteilte. Ich bat die Band, uns von ihren 90er-Jahren zu erzählen, denn das Jahrzehnt ist eine dunkle Ära, in der vielen Bands im Dunkeln geblieben sind und der Underground blühte. Hagen Flemming nimmt uns auf eine Zeitreise in die frühen 90er-Jahre mit und erzählt von einer faszinierenden Zeit, in der Romantik, Mystik und Vergänglichkeit zum Szene-Puls gehörten und nicht nur Begriffe auf einer schwarzen Verpackung waren.

Die Entstehung von Charitona: Eine besondere Zeit

In den frühen 90ern erlebte die Gothic-Szene in Deutschland ein Revival durch den Mauerfall und die Wiedervereinigung. Man sagte nicht Goth, sondern Grufti, und die Szene hatte einen besonderen Hang zum Mystischen und Finsteren. Friedhöfe, alte Kirchen, Vampirgeschichten und rüschenbesetze Romantik waren nicht nur Klischeevorstellungen, sondern durchaus angesagt. Bands wie „Das Ich“ und „Goethes Erben“ trafen mit ihrer morbiden Todessehnsucht den Nerv der Zeit. Gerade in Berlin schien vieles möglich. Neue Kulturräume entstanden und man konnte sich ganz unbedarft ausprobieren. So auch wir, Dörthe, Jacky und Hagen. Noch jung an Jahren und musikbegeistert, gründeten wir eine Musikgruppe, zunächst noch unter wechselnden Namen wie „Die Besinnlichkeit“ oder „Diener der Musik“, später dann dauerhaft „Charitona“. Unser erstes Equipment bestand nur aus einem Keyboard, einem Mikrofon und einem Kassettenrecorder als Aufnahmegerät. Das reichte aus, um unserer Liebe zu romantisch düsteren Klängen Ausdruck zu verleihen.

Die drei Bandmitglieder auf einem Dach in Berlin
Die Band Charitona auf einem Berliner Dach 1993 | (c) Ronny Shindhelm

Die Musik war entsprechend minimalistisch, rein elektronisch, mit klassischen Stilelementen. Darüber thronte der Mezzosopran von Dörthe, die damals an einer Musikschule klassischen Gesang erlernte. Obwohl wir inhaltlich ähnliche Themen hatten, wollten wir uns von den NDT-Bands insofern abgrenzen, als dass wir unsere Texte nicht in Rezitativen vortrugen. Wir favorisierten den Gesang, da er für uns weitaus harmonischer Text und Musik verband. Der allererste Song, der so entstand, hieß „Der Vampir“ und handelte von einer einsamen und verlassenen Seele als Spiegelbild dieser Zeit, in der sich vor allem viele Ostdeutsche verloren fühlten.

Von Anfang an schwebte uns eine Art Musiktheater vor, denn wir wollten anhand von kleinen Geschichten unsere Musik auch auf die Bühne bringen. Der Weg dorthin war allerdings mit vielen Schwierigkeiten verbunden, denn auch wenn ein Demo-Tape bei dem damals bekanntesten Szene-Magazin Zillo Aufmerksamkeit bei einem gewissen Sven Freuen erregte, waren wir weit davon entfernt, eine professionelle Band zu sein. Unser Selbstvertrauen wuchs aber mit jeder neuen Aufnahme und immer, wenn ein Song fertig war, gingen wir in die „Endstation“, eine kleine Bar gegenüber unseres „Homestudios“, und stießen mit Dracula an. So hieß ein Ingwer-Likör, den man stilgerecht aus Reagenzgläsern trank. In den Nächten waren wir auch in der Berliner Szene unterwegs, besuchten Konzerte auf der Insel in Treptow, gingen in den „Lifeclub“ im Friedrichshain oder statteten dem Belvedere in Potsdam einen Besuch ab, das damals noch eine verwunschene Ruine war.

Doerthe und Jacky prosten sich zu
Doerthe und Jacky 1993 in der kleinen Bar „Endstation“ gegenüber unseres Studios | (c) Hagen Flemming

Für unser erstes Liveprogramm hatten wir drei Schauspieler und eine Regisseurin engagiert, die uns dabei unterstützen sollten, die Geschichte einer jungen Frau auf die Bühne zu bringen, die allein in ihrer Kammer sitzt und in ihrem Tagebuch blättert. Dabei sollten ihre Erinnerungen Gestalt annehmen und als unheilvoller Dämon, als liebende Mutter und als kindlicher Pierrot die Sehnsüchte und Zweifel der jungen Frau widerspiegeln. Zu jeder Probe stimmten wir uns mit Musik und verschiedenen Schauspielübungen ein. Eine dieser Übungen bestand darin, sich paarweise gegenüberzusetzen und sich tief in die Augen zu blicken, ohne zu lachen. Wie sich herausstellte, war das gar nicht so einfach. Das eigentliche Programm zeichneten wir stets mit einer Videokamera auf, um im Nachhinein eine objektivere Kontrolle über die einzelnen Szenen zu haben. Dabei erkannten wir schnell die Grenzen unserer Fertigkeiten. Später wurde dann die Regisseurin über einen längeren Zeitraum krank und wir brachen frustriert die Proben ab.

Das erste Album von Charitona: „Der Fürst der Finsternis“

1994 lernten wir Andreas Starosta kennen, der damals der Herausgeber des Black Books war, eines Musikmagazins in Postkartengröße, das sich inhaltlich mit Rezensionen und Veranstaltungstipps befasste und das in den Berliner Clubs zu haben war. Mit Andreas nahmen wir die neuen Songs erstmals digital auf und lernten den Umgang mit der Software „Cubase“ kennen. Mitte des Jahres veranstaltete Andreas wieder eine seiner „Vampirella Overdrive Partys“ und Charitona sollte als kleine Einlage mit einem Minikonzert aufwarten. Jacky hatte die Idee, eine musikalische Performance daraus zu machen, was wieder ein Schritt in Richtung Musiktheater sein sollte, wie es uns ursprünglich bei unserem ersten Programm vorschwebte. Wir spielten zum ersten Mal vor einem einschlägigen Szenepublikum und wussten aus eigener Erfahrung, wie intolerant es gerade in Berlin zugehen konnte.

Aber die Resonanz war, wider Erwarten, gut. Das bestärkte uns, wieder an einem längeren Bühnenprogramm zu arbeiten. Wir alle liebten die Vampirchronik von Anne Rice und so war die Idee geboren, um die ersten drei Bände ein Konzept zu entwickeln. Jacky hatte uns im FEZ in der Wuhlheide einen Proberaum organisiert, in dem wir die neue Musik auf uns wirken ließen und uns nach und nach kleine schauspielerische Handlungen ausdachten, um den Zuhörern unsere Empfindungen und Gedanken, die wir beim Lesen der Vampirchronik hatten, zu vermitteln. In den eisigen Wintermonaten fuhren wir jeden Dienstag raus ins FEZ, wo wir unser Programm „Fürst der Finsternis“ probten.

Zunächst hatten wir nur einen engen Raum in einer Baracke, in der auch andere Bands ihr Können lautstark auf Schlagzeug und E-Gitarre zu Gehör brachten. Für uns, deren Musik dagegen kläglich leise aus einem Kassettenrecorder kam, war es kaum möglich, in die mystische Stimmung unseres Programms einzutauchen, konnten wir doch das Gewummer der anderen Bands kaum übertönen. Schließlich bekamen wir im Hauptgebäude einen größeren Raum und kamen von da an gut voran. Für den geplanten Auftritt ließen wir uns von einer Maskenbildnerin Federmasken anfertigen, ähnlich denen, die wir im Film „Farinelli“ gesehen hatten. Unser Live Programm führten wir in Berliner Off-Theatern auf. Das waren genau die richtigen Orte, um eine intime Atmosphäre zu schaffen. Die Besucher konnten sich zurücklehnen und in unsere Welt auf der Bühne eintauchen.

Charitona 1996 in ihren Bühnenkostümen

Wir hatten für „Fürst der Finsternis“ 13 Lieder geschrieben, genug Material, um ein Album aufzunehmen. Am 8. März 1997 war es dann so weit. Die Musik war komplett und wir zogen für drei Tage ins „Studio Schönhauser“.

Julius Krebs, der Inhaber des Tonstudios, eilte zwischen Mischpult und Mikrofon hin und her, entwirrte in Windeseile elektronische Kabel und tippte auf dem digitalen Aufnahmegerät herum wie auf einer Schreibmaschine. Wir blickten besorgt zu Dörthe hinüber, die auf der anderen Seite des Glasfensters stand und uns nicht hören konnte. Die ersten Töne von „Wolfskiller“ schallten durch das kleine Studio. Man konnte sich schlecht der Stimme von Dörthe entziehen. Wenn ihr warmer Klang durch den Raum schwebte, war es, als führte ihre Stimme ein Eigenleben. Dieser Live-Moment war immer etwas Besonderes.

Für die Aufnahme des Gesangs brauchten wir fast zwei Tage, danach nahmen wir noch zwei akustische Instrumente auf. Jacky spielte die Schellen bei „Verführung“, während Dörthe bei „Jene, die bewahrt werden müssen“ noch einen Part mit der Violine einfügte. Die restliche Zeit brauchten wir für die Abmischung. Wir hörten bestimmt ein Dutzend Mal alle 13 Lieder rauf und runter. Kopfschmerzen stellten sich ein und der Zeitpunkt, an dem wir unsere eigene Musik nicht mehr hören konnten, war längst erreicht. Die CD wurde im Zillo vorgestellt und durch den Verkauf kamen bald mehr Besucher in unsere musikalischen Theatervorführungen. Manchmal war der Andrang größer als die Besucherkapazität der Zuschauerräume. In solchen Fällen mussten wir die Leute leider auf das nächste Mal vertrösten.

Night of no Light – Unschöne Einblicke ins Musikbusiness

Ein Anruf von Andreas Starosta sollte uns die Möglichkeit geben, in einem größeren Rahmen aufzutreten. Er hatte die Idee eines „Night of no Light“-Festivals mit anschließender „Black Book“-Party und wir ließen uns darauf ein, als eine der Vorbands von „Goethes Erben“ aufzutreten. Das Ganze sollte am 7. Mai 1997 in den BKA-Zelten in Berlin über die Bühne gehen. Nach unserer Zusage lernten wir auch den Veranstalter kennen, der die Aufgaben eines Managers übernahm und uns in den nächsten Monaten ein paar unschöne Einblicke ins Musikbusiness gewährte.

Flyer der Veranstaltung Night of no Light

Er wollte uns in nur drei Monaten berühmt machen. Lächelnd und erstaunt über die Kühnheit seiner Aussage fuhren wir am 22. März ins BKA-Haus zu einem Interview mit der BILD-Zeitung.

Es war das erste Interview der Band, und unvorbereitet, wie wir waren, trafen wir auf eine ebenso unvorbereitete Journalistin, die im Verlauf des Gesprächs zwanghaft nach einem Aufhänger suchte, um uns als Story vermarkten zu können. Wahrscheinlich hatte sie gehofft, wir würden über die Grufti-Szene berichten, über Friedhöfe und schwarze Messen. Da wir aber damit nicht dienen konnten, blickte sie ziemlich ratlos unter ihren blonden Locken hervor, zog einen Schmollmund und überlegte, was sie uns sonst noch fragen könnte. Die Frau hatte keinerlei Ahnung von Musik.

Veranstaltungsflyer mit Charitona-BildIm Zuge des geplanten Festivals versuchte uns unser Manager in der Presse und in Veranstaltungsflyern zu platzieren. Wir hatten keinerlei Kontrolle darüber und waren mit seiner Auswahl auch nicht immer einverstanden. Den Tiefpunkt hatte er nach unserer Auffassung erreicht, als unser Band-Foto in verschiedenen Kulturinfos und Stadtzeitschriften unter dem Namen „Goethes Erben“ erschien. Wir vermuteten sogar, dass er die Fotos absichtlich vertauscht hatte, um eine größere Werbewirksamkeit zu erzielen.

Schließlich war der Tag da, an dem wir bei dem Festival auftreten sollten. Nach einigem Herumirren fanden wir schließlich einen Zugang zum Veranstaltungsraum, in dem sich schon die Techniker und Bühnenarbeiter zwecks Soundcheck aufhielten. Dann tauchte auch der Veranstalter auf und teilte uns mit, dass wir doch lieber einen Titel weniger spielen sollten, was wir ihm zusicherten, aber dann doch nicht taten. Dörthe stand inzwischen auf der Bühne, die mit einem großen Schlagzeug fast zugebaut war. Überall lagen dicke zusammengerollte Kabel herum, ein Lichttechniker war damit beschäftigt, mit einer Leiter die Scheinwerfer zu richten.

Als Dörthe dann inmitten dieses geschäftigen Treibens anfing zu singen, wandten alle der Anwesenden überrascht den Kopf. Damals war es im Gothic-Bereich noch ein Novum, eine klassisch ausgebildete Stimme zu vernehmen. Erst später sollte sich das immer mehr etablieren. Oswald Henke stand schon eine ganze Weile vor der Bühne und lauschte versunken der Musik. Was in ihm vorging, konnte man nur erahnen. Seitdem unser Manager verschwunden war, schien sich niemand mehr um uns zu kümmern. Also nahmen wir alles selbst in die Hand, erklärten die kleine Nische hinter der Bühne zu unserem Umkleideraum und bereiteten uns so gut es ging auf unseren Auftritt vor. Pünktlich um 21 Uhr gingen wir raus auf die Bühne. Wir hörten vereinzelte Lacher im Publikum, wahrscheinlich wegen unserer aufwendigen bunten Federmasken, die sich kontrastreich von den überwiegend schwarzgekleideten Zuschauern abhoben.

Der Techniker teilte uns mittels Handzeichen mit, dass es erst in fünf Minuten losgehen sollte. Der Grund dafür war klar: Der Einlass war noch im vollen Gange und draußen warteten noch Besucher darauf, ins Zelt zu gelangen. Also verließen wir wieder die Bühne. Nach ein paar weiteren Einsatzschwierigkeiten absolvierten wir dennoch unser kurzes Programm. Bis auf einen Unverbesserlichen im Publikum, der versuchte, Dörthes Gesang nachzuahmen, hatten wir den Eindruck, dass wir die Mehrzahl der Zuschauer erreicht hatten. Aber wir waren uns auch einig, dass wir den „Fürst der Finsternis“ vor so einem großen Publikum nicht mehr aufführen wollten. Der intime Zauber, der sonst immer bei unseren Theateraufführungen zu spüren war, ging hier im BKA-Zelt natürlich vollkommen verloren. Wir absolvierten noch ein Radio-Interview, dann war die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter vorbei.

Eiskalter Charitona Videodreh in einer bäuerlichen Ruine

Ein paar Wochen später fuhren wir mit ein paar Freunden nach Brandenburg aufs flache Land, um in einer abgelegenen Ruine ein Musikvideo zu dem Song „Gebet an Pierrot“ zu drehen. Als wir schließlich inmitten weiter Felder die Ruine gefunden hatten, waren wir zunächst enttäuscht. Das Gemäuer erwies sich als ehemaliges Bauerngehöft und war zudem noch von Brennnesseln und anderen Pflanzen überwuchert.

Auf dem einzigen Trampelpfad, der sich von den Mauerresten des Hauses zu einem verwitterten Brunnen schlängelte, lag ein toter Vogel und in der Mitte des Hofes befand sich eine Morast-artige Vertiefung. Aber nachdem wir ein paar Möglichkeiten gedanklich durchgespielt hatten, begannen wir, den Transporter zu entladen und die Lichttechnik aufzubauen. Leider wurden wir immer wieder von gewittrigen Regenfällen überrascht und kamen nur langsam voran. Wir hofften, dass es wenigstens in der Nacht trocken blieb, denn mit dem Einbruch der Dunkelheit wollten wir mit dem Dreh beginnen.

Es wurde eine sternenklare, aber eiskalte Nacht, und durchnässt, wie wir alle waren, hüllten wir uns in warme Wolldecken, die wir glücklicherweise dabeihatten. Wir hatten eine Art Drehbuch verfasst, an das wir uns ungefähr hielten, aber während des Drehs kamen wir auch auf spontane Einfälle. Eine gute Hilfe war der Monitor, auf dem wir die Kameraeinstellungen sofort für jeden sichtbar machen konnten. Als es am Morgen langsam heller wurde, hatten wir über zwei Stunden Filmmaterial zusammen, das nun nur noch zu einem Musikvideo zusammengeschnitten werden musste. Bis heute blieb es das einzige Musikvideo, das von Charitona selbst initiiert wurde.

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Das Ende von Charitona: Gemeinsamer Drift zu neuen Ufern

Kurz danach flatterte ein Brief von unserem ehemaligen Manager ins Haus. Er schrieb über ein erneutes Projekt mit Goethes Erben namens „Kondition Macht“, das er zu Ostern 1998 im BKA-Zelt aufführen wollte, und dass er sich wieder eine Zusammenarbeit mit Charitona vorstellen könnte. Keiner von uns schien begeistert zu sein, aber wir arbeiteten gerade an unserem neuen Konzept „Dornröschens Erwachen“ und sahen eine Möglichkeit, es dort vorzustellen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings nur vage, wie dieses Konzept aussehen sollte. Wir hatten uns musikalisch voneinander entfernt, Jacky wollte etwas in Richtung Nikolas Lenz, Dörthe wollte modernere Einflüsse wie Drum ‘n‘ Bass oder Jungle, Hagen wollte die Musik vor allem tanzbarer. Wir verzettelten uns immer mehr und kamen letztlich zu keinem wirklichen Ergebnis. Auch eine Zusammenarbeit mit einer befreundeten Band konnte da nichts mehr ausrichten, zu verschieden waren die jeweiligen Arbeitsweisen. Ein letztes Konzert mit „Fürst der Finsternis“ gab es noch im Theater im Kino, aber obwohl ausverkauft, verlief das Konzert nicht besonders gut.

Die Band Charitona mit ihren Federmasken
Die Band Charitona mit den Federmasken bei ihrem letzten Konzert, das sie 1998 gaben.

Wir spürten, dass die Luft raus war, und waren gedanklich nicht bei der Sache. So drifteten wir, ohne es gleich zu merken, auseinander und wenngleich es niemand aussprach, wusste wahrscheinlich jeder von uns, dass die Zeit mit Charitona vorbei war. Heute blicken wir auf diese Zeit mit Dankbarkeit zurück und freuen uns, wenn wieder mal aus irgendeiner Ecke der Welt eine Nachfrage nach unserem Album „Fürst der Finsternis“ kommt.

Charitona – 25 Jahre „Fürst der Finsternis“ Album

Besonders der Song „ Wolfskiller“ mauserte sich zum heimlichen Klassiker, da er über all die Jahre immer wieder mal in den einschlägigen Radiosendern für dunkle Musik gespielt wurde und auf verschiedenen Samplern zu finden ist. Das brachte uns auch auf die Idee, das Album noch einmal in einer erweiterten Jubiläumsauflage nach 25 Jahren neu aufzulegen. Die Songs nach all dieser Zeit wieder zu hören, war seltsam, aber auch wie die Begegnung mit einem alten Freund, den man lange nicht mehr gesehen hat. Es war uns ein besonderes Bedürfnis, dieses besondere Album aus einer besonderen Zeit noch einmal auferstehen zu lassen. Zufällig fiel es auch mit der Neuverfilmung der Vampirchronik zusammen, die vor Kurzem in Amerika als TV-Serie gestartet ist. Im Orkus-Magazin gab es einen kleinen Bericht über das Jubiläum, und auch auf unserer Charitona-Facebook-Seite wurde ein bisschen gefeiert.

Eine Bildcollage des Jubiläums-Promoi-Sets

Im Zusammenhang mit dem Jubiläum wurden wir oft gefragt, ob wir uns nach all den Jahren wieder eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Das ist zwar schmeichelhaft zu hören, aber die Zeit von damals kann man nicht mehr zurückholen. Es gibt in der Jugend nur ein kurzes Zeitfenster, in dem man besonders kreativ ist und die Dinge aus einem besonderen Blickwinkel angeht. Die Empfindsamkeit, mit der wir solch schwierige Themen wie Selbstfindung, Liebe, Trauer und Tod verarbeiteten, ist in dieser Weise nicht wiederholbar.

Charitona würde wohl heute ganz anders klingen. Seit der Trennung von damals haben wir alle auch unterschiedliche künstlerische Wege eingeschlagen. Jacky Holan ist erfolgreich mit ihrem Berliner Fotokunst-Projekt Opalicon unterwegs und Hagen Flemming schreibt und zeichnet Comics. (Hier kann sein Comic-Album „Krocht“ anschauen). Nur Dörthe Flemming ist der Musik treu geblieben und führt Charitona mit ihrem musikalischen Projekt „Bacio di Tosca“ fort. Wir alle sind aber nach wie vor freundschaftlich verbunden und sehen uns auch manchmal, wenn es sich ergibt.

Tränen zu neuem Cure-Song: Robert Smith lebt den Weltschmerz

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Ja, er hat es immer noch drauf. Während des Liedes „Endsong“, das auf dem neuen Album erscheinen soll, sind bei Robert Smith bei einem Auftritt in Kroatien die Tränen geflossen. Bei der Liedzeile „Es ist alles fort. Keine Hoffnung, keine Träume, keine Liebe. Ich gehöre hier nicht mehr hin.“ spürt man förmlich die Bedeutung dieser Zeilen durch die eine kleine Träne, die dem Fürsten der Dunkelheit beim Gesang über die Wange rollt.

Nachdem wir Jahre damit verbracht haben, Robert Smith zur x-ten Wiederholung seiner Songs auf der Bühne anzuhimmeln, spürten wir eine wachsende Distanz zwischen dem, was Robert Smith sang und wie er sich auf der Bühne gab. Die letzten Jahre waren eine Durststrecke für Cure-Fans, die sich zwar regelmäßig an der Erscheinung des Meisters erfreuen konnten, aber keine neuen melancholisch-traurigen Liedzeilen für die Fragen des aktuelle Daseins mitnahmen. Nach Streits unter den Bandmitgliedern und unzähligen Ankündigungen, dass das Album bald erscheinen würde, hatte man fast den Glauben verloren, dass Robert Smith die Sache ernst nimmt und vor allem – noch so fühlt, wie er fühlte.

Mit einem einzigen Auftritt hat er das alles beiseite gewischt. Als nach einem sechs Minuten langen Instrumentalpart der Gesang einsetzt, fängt es unmittelbar an zu kribbeln, als die Träne kullert und sich Smith von seinen eigenen Zeilen ergriffen zeigt, wabern Gänsehaut-Attacken über den Körper.

Verdammt! Er hat es noch drauf.

Vergesst meine Unkenrufe und entschuldigt meine Ungläubigkeit. Der Meister ist zurück. Wenn das neue Album auch nur annähernd so gut wird, wie diese Performance, dann bin wieder mit im Boot. Worauf auch immer sich diese Zeilen beziehen. Ich nehme mir meinen Teil daraus mit. #Weltschmerz #RobertSmithForEver

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Zum mitsingen:

I’m outside in the dark staring at the blood red moon
Remembering the hopes and dreams I had, all I had to do
Wondering what became of that boy in a world he called his own
Yeah, I’m outside in the dark wondering how I got so old
And it’s all gone, it’s all gone
Looking at everyone I’ve loved and it all feels wrong
It’s all gone, it’s all gone, it’s all gone
No hopes, no dreams, no love
And I don’t belong
I don’t belong here anymore
It’s all gone it’s all gone
I will lose myself in time, and it won’t be long
It’s all gone, it’s all gone, it’s all gone
Left alone with nothing, at the end of every song
Left alone with nothing, at the end of every song
Left alone with nothing
Nothing
Nothing
Nothing

 

Halloween ist schrecklich und gefährlich!

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Ich hoffe, ihr habt alle die Uhren umgestellt, damit ihr morgen auch pünktlich zu Euren Events und Partys kommt, um möglicherweise im „Kostüm“ die vermeintlich gruseligste Nacht des Jahres zu feiern. In unserem kleinen Veranstaltungshinweis sind ja schon einige Möglichkeiten zum kurzfristigen Clubbesuch aufgeführt, ich bin mir aber sicher, es gibt noch einige andere Events, die um Euren Besuch buhlen.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr in ein paar alten Beiträge bei Spontis wühlen, die sich mit Halloween beschäftigten. Es sind ein paar spannende Sachen zu entdecken.

Heute allerdings ein bisschen leichte Unterhaltung, während ihr möglicherweise einen Brückentag/Feiertag genießt. Ich habe leider verpennt und muss morgen die innerbetriebliche Schulbank drücken. Im ersten Video aus dem Jahr 1985 geht es um Eure Sicherheit bei der Halloween-Verkleidung, Masken sind saugefährlich!

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Wenn ihr Euch zu Halloween mit einem passendem Film einstimmen möchtet, dann warne ich eindringlich vor dem aktuellen „Halloween Ends“. Nicht etwa, weil der besonders blutrünstig ist, sondern einfach nur unheimlich schlecht. Ich kann mir nicht helfen, da gibt es deutlich bessere Vertreter dieser Reihe und wenn es gruselig sein soll, dann lege ich Euch die Conjuring-Reihe ans Herz.

Ihr dürft Euch aber dazu aufgerufen fühlen, mir Eure Lieblings-Horrorstreifen in den Kommentare zu posten, da ich wirklich auf der Suche nach frischer Gänsehaut bin. Die letzten Versuche sind alle gescheitert.

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In eigener Sache: Das Spontis-Magazin wir fleißig gefüllt, gestaltet und vorbereitet, der Sampler wird gemacht und auch das Button steht kurz vor seiner Fertigstellung. Ein paar spannenden Artikel, die ich hier online veröffentlichen möchte, stehen da ein bisschen im Regen und brauchen noch ein paar Tage bis zur Fertigstellung.

Verpasst nicht die Gelegenheit, Euch ein Exemplar zu sichern!

 

Musikalischer Briefkasten #17 – In Vino Veritas? Aber nur im Dunkeln!

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Die Dunkelheit bricht herein. Es wird Nacht. Langsam entrücken die eigenen Gedanken dem Alltag und schaffen Platz für Sinnliches, für den Rest des vollen Rotweins, der sich langsam auf den Geschmacksknospen breit macht. The Moon Lay Hidden Beneath A Cloud, schießt es mir in den Kopf, während ich – vorbei an den wehenden Platanen durch das schräge, geöffnete Dachfenster – auf das helle, aufsteigende Rund im Himmel starre. Wie passend, dass sich mein Blick nach Osten richtet. Nun denn. Es wird Zeit, das Sammelsurium an Nachrichten, das sich in den vergangenen Monaten im musikalischen Briefkasten ansammelte, zu ordnen.

¡-PAHL-! – I

Mit ihrem Erstlingswerk legen PAHL aus Leipzig dem geneigten Ohr gesellschaftskritische Alternativmusik mit englisch/deutschsprachigen Texten nahe. Manchmal etwas poppig klingend, gerät das ruhige, differenziert-elektronisch untermalte Klangbild immer wieder in die dunklen Ströme der Musik.

Und genau dann kommt meiner Meinung nach am besten rüber, was das Projekt inhaltlich möchte: Ein wenig die Gehirnwindungen kitzeln. Daher seien euch Big Data, Mankind, On Conspiracies empfohlen.

Das Bild im Titel des Artikel stammt übrigens von der Band und zeigt sie vor der Leipziger Skyline aus dem MDR-Wolkenkratzer. Für alle, die es dann noch visueller mögen, habe ich folgendes Video ausgesucht.

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IV horsemen – Parade Nocturne (Aufnahme + Wiedergabe)

Beginnen wir mit den IV Horsemen. Dies ist das Soloprojekt von Timothée Gainet, welcher uns vor einiger Zeit schonmal mit seinem Hauptprojekt Poison Point vor die Linse trat. Hier nun widmet er sich in seinem frischen Machwerk Parade Nocturne mit Unterstützung von A+W ebenfalls treibenden Beats & verfremdetem Gesang. Diesmal allerdings eingängiger und mit Fokus auf nahöstlichem Klang melodischer im Vergleich zum damalig kurz-rezensierten Machwerk.

Die vier reinhörbaren Stücke lassen nur einen kleinen Einblick zu, jedoch meine ich insgesamt eine deutlich stärkere Konsistenz im Vergleich zur damaligen Mini-Rezension von Poison Point feststellen zu können. Klar, der Fokus der Veröffentlichung liegt auf Tanzbarkeit, hier jetzt allerdings ausgeschmückter und abgestimmter. Die Mid-Tempo-Passagen passen perfekt ins Klangbild und sorgen auch dahingehend für Abwechslung in den Gehörgängen.

Als Tipp kann ich euch direkt den Titeltrack nahelegen als zweite Wahl dann:

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Tangerinecat – Glass

Da man sich naturgemäß beim Beitragsscheiben auf der Plattform Bandcamp bewegt, wandern die Augen manchmal auch in die Vorschläge, welche zu der gerade laufenden Veröffentlichung passen (sollen). Und auch wenn man sich beim Durchhören nicht ablenken lassen möchte, wird man doch immer mal wieder schwach. In solch einem Moment landete der Mauszeiger auf wundersame Weist bei Tangerinecat und ihrem diesjährig veröffentlichten Album Glass.

Als Einflüsse – so der Begleittext – werden unter anderem Gesaffelstein, Nick Cave, My Dyding Bride, karpatho-ukrainisches Liedgut und Filmmusik des sowjetischen Filmemachers Sergei Parajanov genannt. Eine vielschichtige Mischung, welche das in Wales ansässige Duo, Eugene Purpurovsky und Paul Chilton, in ihrem Werk aufgegriffen hat.

Denn abwechslungsreich ist das, was dem Hörer entgegenströmt, auf jeden Fall. Mal ambientig, mal taktgebend, eine elektronische Drehleier, der tiefe Sprechgesang Eugenes, massig Effekte und immer wieder Glas…

Zum Anfüttern sei euch hier nur Mass of the black cat nahegelegt…

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Velvet Velour – Pleiades/Blood Moon (Swiss Dark Nights)

Demnächst könnte vielleicht das Projekt Velvet Velour der russischen Künstlerin Valeria Valuyskaya bei euch in den Playlists oder gar auf der Tanzfläche erscheinen. Tanzbare, elektronische/minimale Syntie-Klänge ala Linea Aspera oder Kaelan Mikla werden hier dargeboten und konnten zumindest bei mir Wohlwollen erzeugen. Einen guten Fang haben SDN hiermit gemacht, hoffentlich gibt es aus der Ecke mehr.

Anspieltips im – noch überschaubaren – Gesamtwerk wären meinerseits Frozen Love, blood moon oder

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This Can Hurt – World Apart (Lacienda Records)

This Can Hurt wurden 2015 in Ghent als Studioprojekt gegründet und von diversen Alternativ-Rockbands der 80er & 90er beeinflusst (Nine Inch Nails, Sisters of Mercy, Deftones, u.a.). Mit einem Mix aus mal softerem, mal etwas härterem Rock unter teils poppigen Indie-Anleihen wäre die Gruppe bei MTV sicherlich perfekt aufgehoben gewesen. Und so klingt das 2019er-Album World Apart gar nicht mal schlecht. Anspieltips: The Fall Of Mark E. Smith oder auch Some Days.

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Sexblood – Teach Me To Cry (Swiss Dark Nights)

Manchmal könnte man meinen, Goth im klassischen Sinne verirrte sich nicht allzu häufig in den Briefkasten. Dieses Mal haben wir allerdings dank Abel, dem Haupt von Sexblood, doch glatt einen frischen Vertreter aus dem Elsass dabei, welcher der zweiten Welle des veehrten Genres ‚Gothic Rock‘ huldigt. Und zwar medial so herrlich, ja prätentiös rübergebracht, dass man die Dame und Herren einfach mit einem seligen Lächeln lieb haben muss.

Liebhaber von The Mission, Rosetta Stone, Angels Of Liberty & Co kommen hier musikalisch sicherlich auf ihre Kosten. Sei es bei black rain, sleeping angel, girls in uniform, oder…

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Nino Sable – Sedate & Seduce (Équinoxe Records)

Im selben Genre beheimatet, und doch etwas anders klingend, hätten wir dann noch Nino Sable aus Bochum. Herr Sable (Sänger von Aeon Sable) hat mit Sedate & Reduce 15 Jahre seines privaten Schaffens mithilfe vom Sweet Ermengarde-Kollegen, Lars Kappeler, aufgearbeitet.

Habe ich Aeon Sable als härtere Gothen-Formation im Gedächtnis, über welche ich in meiner Anfangszeit recht schnell stolperte (siehe Visions), geht es bei Nino Sable merklich ruhiger zu. Ja fast balladesk,- so bei Beautiful Death oder Allordieside siehe unten – oder mit folkigem Einschlag wie bei Script Of Devotion. bei Obey 2020 ertönen dann zwar harte Gitarre und verzerrter Gesang, dies erweist sich zum Glück mit Blick auf die letzten beiden Tracks nur als Episode eines ansonsten stimmigen Werkes.

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Zum Abschluss sei dem nimmermüden Hörer vielleicht noch ein Kleinod mitgegeben, welches ich euch nicht vorenthalten möchte:

Nyx Linnae mit ihrem an Siouxsie oder Switchblade Symphony erinnernden Projekt Cemetary Siren und den beiden Demostücken Nothing Left & Scorn me now.

Einfach, weil es irgendwie geschafft hat, mein Herz zu berühren, während der Mond hinter den Wolken verschwand…