Opernplatztreffen, Horror Highschool und schwarze Zusammenkunft

Opernplatztreffen Frankfurt 2010
Mit Schatzi und Freunden auf dem Opernplatz

Ein ultraschwarzes Wochenende liegt hinter mir. So fühlt es sich jedenfalls an, nachdem ich doch einige Zeit nicht wirklich mit dem werten Podex hochgekommen war. Gerüchten zufolge sollte es das letzte Sommerwochenende dieses Jahr sein und passenderweise fand gerade da in unserer Gegend viel statt, sodass es sich mehr als nur anbot, da noch einmal richtig ins Getümmel zu springen. Es folgt also ein kleines Review – ein reichlich subjektives natürlich.

Also hieß es für mich Pikes polieren und endlich mal wieder die in den letzten Wochen so schändlich vernachlässigte volle Kriegsbemalung auflegen, während Schatzi sich Locken drehen lässt und den Lidschatten farblich auf das Korsett abstimmt. Ergebnis: Volle Zufriedenheit – wir finden uns hübsch und denken, das dürfen wir auch mal. So.

Und dann ab nach Frankfurt – Opernplatztreffen. Angefangen hat das offenbar als Forentreffen von Schwarzes Rhein/Main, aber es ist wohl generell zu einem einmal im Jahr stattfindenden Szenetreffen der Region geworden. Interessant ist es zwar, vor der Oper einen Auflauf von Schwarzkitteln vorzufinden und auch auf dem Weg dahin schon überall Schwarzvolk herumlaufen zu sehen, aber so richtig weiß ich noch immer nicht, was ich davon halten soll.
Im Endeffekt habe ich wohl das gemacht, was dort jeder gemacht hat: Mit Freunden und Bekannten herumstehen und quatschen. Also Grüppchenbildung par excellence, denn neue Leute kennengelernt hat man irgendwie nicht und so blieb es bei anerkennendem Lächeln zu Leuten die man toll findet (bei mir der Herr im hochwertigen barocken Brokat-Ensemble) und entnervtes Augen-Verdrehen bei Leuten die man weniger toll findet (bei mir die Neon-Fraktion und Militär-Affen mit vollem Camouflage im Gesicht). Danach soll es offiziell ins Final Destination gehen, aber ich weiß, dass es mir da zu stickig ist und nicht gerade meine Musik läuft („Es läuft nicht nur Elektro, auch so Mittelalter-Kram“ … ja… danke…), was mir im Nachhinein auch wieder bestätigt wird.

Horror Highschool
Horror Highschool – Ein anderer Abend

Wir schwingen uns daher ins Auto und fahren rüber nach Mainz zur Horror Highschool.

Eine Veranstaltung, von der ich schon viel gehört hatte und die mir oft ans Herz gelegt wurde. Und nachdem ich mich irgendwie dann ja doch schon wieder über mir unwillkommene Auswüchse der Szene geärgert habe (obwohl ich eigentlich mal ganz entspannt sein wollte) bietet sich mir ein völlig anderes Bild: Wir kommen an das großräumige Kultur-Café auf dem Mainzer Uni-Campus aus dem schon die Sisters of Mercy zu hören sind und am Eingang werden wir direkt von Organisator und DJ Tino begrüßt – die Atmosphäre scheint sehr locker und familiär. Drinnen erwarten uns dann gemütliche Tische und Sitzecken, Kerzenschein, eine ausreichend große Tanzfläche und annehmbare Getränkepreise.

Der über die Menschen schweifende Blick offenbart eine erfrischend heterogene Masse von vielen entspannten Schlicht-schwarz-Trägern, durchbrochen von vereinzelten Pikes, Irokesen, Christian-Death-Aufnähern, Pluderhosen, sowie natürlich Netz, Spitze und Rüschen; an Bandshirts erblicke ich nur Joy Division, The Cure und Bauhaus. Ich habe das bestimmte Gefühl: Hier bin ich richtig, und in der Tat bleibt das auch den Rest des Abends so.

Ein so gutes Musikprogramm ist mir noch nicht begegnet, nicht einmal auf der sonst von mir favorisierten Dead Kennys Party. Wave und Post-Punk dominieren eindeutig, garniert mit etwas Gothrock, Dark Ambient, Synthpop, Punk und Industrial (dem richtigen). Meinen Musikwunsch „Insight“ von Joy Division hat Tino zwar leider nicht da, aber er spielt statt dessen „Digital“ und ich bin glücklich. Zu „Kaltes klares Wasser“ von Malaria! habe ich auch noch nie getanzt, sehr schön, und spätestens bei „Bela Lugosi’s dead“ weiß ich: Ich komme wieder! Meine Freundin hat noch ihren Spaß an den Sex Pistols und mit Nichts‚ „Tango 2000“ tanzen wir langsam dem Ende entgegen. 

Schwarze Zusammenkunft 2010Am Sonntag stand dann noch die (vermutlich in diesem Jahr letzte) Schwarze Zusammenkunft an, und so durchwachsen bzw. zwiegespalten mein Samstag bereits war, so ging es hier auch weiter.

Leider kamen weniger Leute als erhofft, aber auch so hatten wir unseren Spaß. Die Nudelsalate und Kuchen waren super-lecker und das immer am Rande ablaufende Spiel Black Stories, in dem bizarre Todesfälle aufgeklärt werden müssen, war sehr unterhaltsam. Das unstete Wetter mit zwischendurch einsetzendem und dann wieder aussetzendem und schließlich wiederkommendem und anhaltendem Regen war entnervend und ebenso ging es mir persönlich mit genau der Art von neuem Gesicht, das ich mir nie erhofft hatte (Nein, es interessiert niemanden, wie man zu Musikstil XYZ zu tanzen hat. Nein, es ist nicht lustig wenn du auf dem Grabstein rumkletterst, den andere als schöne Kulisse für ihre Photos genommen. Nein, wir wollen nicht auf dem dreckigen Bahnhofsboden mit dir rumgammeln…).
Aber naja, die Saison ist wie gesagt beendet und im nächsten Jahr wird das ganze Konzept vielleicht ohnehin ein wenig anders ausfallen – mal schauen.

Alles in allem jedenfalls ein Wochenende, das mir extrem vor Augen geführt hat, was sich alles so in unserer schönen Szene herumtreibt: Vieles, das ich persönlich ums Verrecken nicht brauche, aber bei allen Unkenrufen doch auch noch genug von genau meinem Schlag Mensch mit genau meiner Musik. Man muss nur etwas suchen.

Bildquellen:
Gutemine
Gothsick

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Olli
Olli (@guest_55348)
Vor 5 Jahre

Die Horror Highschool hat eine neue Heimat im Internet: http://www.horrorhighschool.de/
(ohne den Bindestrich)

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