Amphi 2013 - Am Strand
Weißer Sand und schwarze Leute.

Amphi 2013 – Ein wahrlich heißes Festival!

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Amphi 2013 - Am Strand
Weißer Sand und schwarze Leute.

Womit fange ich an? Mit den völlig überteuerten Getränkepreisen und den kulinarischen Katastrophen zu Apothekenpreisen? Mit der Hitze, die uns an den beiden Festivaltagen Haut und Hirn zerlegt hat? Oder doch mit etwas Positivem – etwa ganz hervorragenden Bands und lieben Freunden? Vielleicht vorab: Das Amphi war toll! Ich höre schon die Spontis murmeln: „Ist sie krank? Ist sie ertaubt und/oder erblindet oder wird sie im Alter gar sanft?“ Keine Sorge, mir geht es gut und das Meckern gewöhnt man einer alten Ziege auch nicht vollständig ab. Aber ich habe Silvias Tipp befolgt und den unschönen Kladderadatsch auf dem Festivalgelände ausgeblendet, um mich aufs Positive zu konzentrieren. Und siehe da: Es hat funktioniert… meistens jedenfalls. Hier also der Amphi-Festival-Bericht 2013 mit Scheuklappen und selektiver Wahrnehmung.

Das Beste am Amphi ist der Veranstaltungsort, den wir locker in 45 Autominuten erreichen. Hotelzimmer oder andere Übernachtungsexperimente sind also nicht nötig. Man muss keine Koffer packen und kann am Samstag ausschlafen, bevor man sich auf die Socken zum Tanzbrunnen macht. Apropos Socken. Dem Grufti sagt man ja nach, dass er sich gerne in schöne schwarze Klamotten hüllt und mit künstlerisch gestalteten Designs auf Haut und Haar durch die Gegend schreitet (bis auf die Damen mit Korsett, Petticoat und Schlappen, die rustikales Watscheln bevorzugen – und an alle politisch Korrekten: Ich habe NICHT geschrieben, dass diese Damen meist bedenkliches Über-Übergewicht haben und deshalb besser keine figurbetonten Klamotten anziehen sollten – SOWAS würde ich NIE schreiben, nein, nicht einmal denken würde ich das! And now to something completly different…).

Die Klamotten: Was zieht man an, wenn der Wettermann mit wüstenähnlichen Temperaturen droht? Wer keinen Geschmack hat und davon ausgeht, dass auch alle anderen keinen haben, der klebt sich einfach die Nippel ab, zieht die Hotpants über die wallende Cellulite, beschmiert sich ein wenig mit Kunstblut (gibt es, wie ich aus sehr ferner Ferne feststellen durfte, kostenlos aus Schläuchen bei Agonoize-Konzerten) und fertig ist der verruchte, furchtlose und ziemlich provozierende Underground-Grufti – vorausgesetzt, er kombiniert das Outfit mit dem “Ich bin viel trver als ihr alle“-Blick. Ganz wichtig, denn ohne diesen Blick handelt es sich um ein Karnevalskostüm zum Thema Zombie/SM, wobei die SM-Karnevalskostümvariante ein Hundehalsband und einen daran befestigten Menschen braucht. Dieser Mensch darf allerhöchstens den Sexappeal eines alten Käsebrots haben. Äh…wo war ich stehengeblieben? Klamotten! Genau: war nicht ganz einfach, was zu finden, das nicht zu warm war – und selbst das war zu warm.

Der Samstag

Phillip Boa
Phillip Boa – Ein paar Minuten brauchte er zum Anfreunden, doch dann war er für seine Verhältnisse gut gelaunt.

Wir kamen so gegen 14 Uhr am Tanzbrunnen an und hatten an diesem Tag auch nicht allzu viel vor. Bei facebook hab ich gelesen, dass viele den Amphi-Samstag vom Programm her besser fanden als den Sonntag. Bei uns war das umgekehrt. Wir liefen also erst einmal ziellos umher und suchten nach uns bekannten Leuten. Es geschah das, was immer passiert, wenn wir Mönchengladbach verlassen und ein Festivalgelände betreten: Wir treffen auf Mönchengladbacher, die wir sonst wenig bis nie sehen: Heike und Lothar. Gemeinsam stellten wir fest, dass es eine ganz einfache Methode gibt, sich finanziell zu ruinieren: Man muss nur auf dem Amphi Getränke kaufen. 4,50 Euro für ein kleines Wasser. Ab diesem Moment war der Schlauch mit dem kostenlosen Leitungswasser unser Lieblingsfleck auf dem Gelände. Ich kaufte mir noch schnell eine Tasche für 10 Euro, die es zwei Stände weiter für 5 Euro gab und einen kleinen Schirm für Kinder, der mir die Sonne vom Leib halten sollte und der nach wenigen Stunden auseinander fiel. Ebenso wie der Fächer, den ich mir wenig später kaufte. Qualitätsware, so weit das Auge blickte!

Wir verloren die Gladbacher irgendwo zwischen Schuhen und T-Shirts und trafen erst Grabesmond und Christian, dann Silvia und Angela, die uns wiederum den Weg zu Sita, Tobi und Anton wiesen. Komisch, man sieht die Leute Monate nicht und trotzdem hat man den Eindruck, nie voneinander entfernt gewesen zu sein. Ob das an facebook liegt? Wir hielten uns überwiegend im Schatten des Baums am Strand auf, bis um 19 Uhr endlich Phillip Boa & THE VODOOCLUB auftraten. Trotz der 16 000 Besucher landeten wir vor der Bühne wieder genau neben Silvia und Angela, wie bei unzähligen Konzerten zuvor. Alles andere wäre auch doof gewesen. Die Band kam etwas schleppend in Gang, aber ab dem vierten Song wurde es richtig gut. Ich sah mich ein wenig um und bemerkte viele Leute, die mit grauem Haar und strahlenden Augen ihre Lieblingsband aus Jugendzeiten feierten. Alle sangen mit, die Stimmung war super. Und ich dachte so bei mir: Früher war die Musik irgendwie besser. Heute beschränkt sie sich zu oft auf Marschrhythmen und Gegrunze oder auf wenig abwechslungsreiche Elektro-Beats. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache.

Christian von Aster
Christian von Aster weist auf die kostenlosen Aufkleber hin, die Sekunden später vergriffen waren

Vielleicht noch eine Bemerkung zu Herrn Boa: Der war ja soooo nett! Früher hat er das Publikum konsequent ignoriert, heute bedankt er sich, hat sichtlich Freude an der guten Stimmung vor der Bühne und wünschte sogar noch viel Spaß mit VNV Nation und den anderen Bands auf dem Festival. Bei VNV Nation, die nachfolgend spielten, mussten wir allerdings die Veranstaltung wegen akuter Überfüllung verlassen. Man hätte denken können, dass Ronan Harris vom Cyber über die Wochenend-Karnevalisten bis zu Gothics, Batcavern und Gruftis alle Mitglieder der Schwarzen Szene vor der Bühne vereint. Kleine Bemerkung am Rande: Ich sah ein VNV-Nation-Shirt mit der Aufschrift: “I’m in a mood for total war”. Auch wenn das in anderem Zusammenhang eine Textzeile aus einem Song ist, finde ich: Muss nicht sein, oder? Mir ist entfallen, was wir genau bis zum späten Abend gemacht haben. Ich weiß nur, dass wir Alien Sex Fiend nicht mehr geschafft haben, weil ich einer Toilette, die den ganzen Tag über stark frequentiert worden war, nichts abgewinnen konnte. Oder anders: Ich wollte zuhause auf den Pott!  wink

Der Sonntag

In der Vergangenheit haben wir gefühlte 200 Lesungen mit Christian von Aster verpasst. Diesmal wollten wir pünktlich am richtigen Ort sein, ausgeschlafen, aufmerksam und voller Vorfreude. Und siehe da, es klappte. Wir kamen, gemeinsam mit Isa, die wir dort trafen, in den Genuss einer Geschichte um die Schwestern der begrenzten Barmherzigkeit in Köln. Toll geschrieben, souverän vorgetragen. Wir haben gelacht, gestaunt und im Kopf die Wortfeuerwerke entwirrt. Danke, Herr von Aster – für diese Präsentation moderner, lustiger Schreibkunst. Wir kommen wieder!

Wir trafen Nec Romant, Alice Insanity und  (endlich mal!) Sally Finklestein mit Thomas. Auch wenn ich das mit meinem sozialen Totaldachschaden auf Anhieb nicht so richtig zeigen kann: Hat mich sehr gefreut smile Allerdings war wieder zu wenig Zeit. Nachdem wir mit Tobi und Patrick auf der Suche nach Abdeckungen für seitliche Autoscheiben durch die Gegend gezogen waren, stand “Santa hates you” auf dem Programm. Tobi, den ich überreden konnte, mitzukommen, war nach einem Lied wieder verschwunden und auch wir suchten nach dem zweiten Song das Weite. War uns zu monoton und auf der Bühne passierte auch nicht viel. Wir flüchteten vor der wahnsinnigen Hitze ins Theater. Hier war es leer und wir konnten dank einer Klima-Anlage auskühlen, bis Rosa Crvx auftraten. Wir ergatterten einen Platz in der zweiten Reihe. Ich war sehr gespannt, denn die Band war mir ja von Rosa Aristides Chalybeia und Christian angepriesen worden.

Santa Hates You - Amphi 2013
Santa Hates You – Die Schöne und das Biest?
Rosa Crvx
Rosa Crvx – Faszinierender Bühnenaufbau und Präsentation

Ich will es diplomatisch ausdrücken: Ich fand den Bühnenaufbau super, ich fand das computergesteuerte Schlagzeug und die Riesen-Glocken faszinierend. Ich fand es toll, dass Kerzen für Stimmung sorgten und auch die fahnenschwingenden Mädels und die ersten paar Songs fand ich gut. Dann überkam mich langsam Müdigkeit und auch um mich herum fielen den Zuhörern hier und da die Augen zu. Mir war langweilig. Das ist irgendwie nicht meine Musik. Wie gesagt: Die Band war super und hat auch absolut nix falsch gemacht. Nur mein persönlicher Geschmack befand sich an einem anderen Ort.

Wir ergatterten zwei Liegen und machten es uns am Strand im Schatten gemütlich. Dabei fiel uns auf, dass die Gruftis sich alle im Schatten zusammengefunden hatten, während auf der anderen Seite des Strands, in der Sonne, die braungebrannten Bunten im Bikini lagen. Einige Zeit später – bei der vergeblichen Suche nach gruftigen Sandalen – begegneten wir wieder Silvia und Angela, die sich in die hinterste Ecke verkrochen hatten und mit verzweifeltem Blick den Satz des Tages brachten, der dem Wetter geschuldet war: “Seid Ihr auch froh, wenn Ihr morgen nicht mehr hier hin müsst?smile Mir persönlich macht die Hitze ja nicht sooo viel aus, aber die beiden hatten natürlich Recht. Es war unglaublich heiß. Wahnsinn, dass trotzdem einige in voller Montur, stark geschminkt mit mehreren Schichten Kleidung zu sehen waren.

Unser nächster Programmpunkt war Anne Clark, die auch mein persönliches Highlight auf dem diesjährigen Amphi war. Großartige Musiker, tolle Songs und eine Frau, die mit der Stimme, die ich noch von früher aus meiner Jugend kenne, Geschichten erzählt. Keine besondere Bühnenshow, dafür aber eine tolle Klang-Atmosphäre – obwohl ja nun alle drei Bühnen auf dem Amphi nicht gerade durch eine gute Akustik glänzen konnten. Anschließend ging es direkt zu den Fields of the Nephilim. Super! Aber leider das gleiche Phänomen wie bei Rosa Crvx – nach einiger Zeit wurde mir langweilig. Wir liefen noch ein paar Runden und hörten uns somit von Weitem das restliche Konzert an. Leider trafen wir keine Bekannten mehr. Wir hätten uns gerne noch verabschiedet.

Anne Clark - Amphi 2013
Anne Clark – Die große Dame elektronischer Musik
Fields of the Nephilim - Amphi 2013
Fields of the Nephilim – Kultverdächtiger Auftritt vor hingebungsvollem Publikum

Fazit: Wir haben viele nette Menschen getroffen, ganz nebenbei auch welche kennengelernt, wie beispielsweise Pi Rat G vom Todesrodeln, der uns beim Verzehr einer schier ungenießbaren Portion Pommes ansprach (nachdem wir schon das ungenießbare Fladenbrot mit Gemüse und ungenießbares Obst aus dem Plastikbecher weggeschmissen hatten). Es waren tolle Bands auf dem Amphi zu sehen und alles in allem hat sich der Besuch gelohnt. Wir waren ein bisschen traurig, als wir auf dem Heimweg waren. Immer, wenn man sich gerade eingewöhnt hat, ist es schon wieder vorbei.

Ach ja…und… ICH KANN KEINE KORSETTS UND KORSAGEN MEHR SEHEN!

Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Sabrina wurde 1971 in Duisburg geboren und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.

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TobyPubes
Gast
TobyPubes

Also, wie man den Korsetts überdrüssig werden kann ist mir nicht klar. Eine, für mich als Nicht-Trager, großartige Bekleidung, die den meisten Frauen steht. Manchen Männern auch. “Ohne Homo”, um einen 17-jährigen zu zitieren mit dem ich am Wochenende zu tun hatte wink
Ein netter Bericht, wenn ich mal genug Geld habe, gucke ich mir das Amphi an(mein Portemonnaie leidet noch unter dem WGT-Besuch).

EliC
Gast
EliC

Toller Bericht :-). Könnte von mir sein ;-), denn fast genauso haben wir es auch empfunden und erlebt. Nur mit dem Unterschied, dass wir eine Anreise von 500 km hatten und das demnächst wohl leider überdacht werden muss… Denn so langsam steht das für uns in keinem Verhältniss mehr… sad

Redakteur

Danke für’s mitnehmen … ein sehr schöner Bericht, eine Frage stellt sich mir allerdings: Warum kannst Du keine Korsetts/Koragen mehr sehen?

Asti
Gast

Respekt zum durchgestandenen Schwitzen!
Mich würden keine 10 Pferde auf so eine Massenveranstaltung kriegen, erst recht nicht, wenn es so heiß ist.

Ist zwar genial wenn man viele Bands zusammen sehen kann, aber wenn der Rahmen nicht passt (4,50€ für ein Wasser!!) dann nimmt mir persönlich sowas immer den Spaß.

NorthernNephilim
Gast
NorthernNephilim

Da FOTN endlich wieder Edemoniada im Set hatten und auch wieder der einzigst wahre Bassist am Start ist war ich auch ein wenig traurig. Ansonsten dem Festival selbst weine ich nichts nach. Das dämliche mit dem Getränkechips und was die da drüben unter “Bier” verstehen wink

Robert
Webmaster

Korsetts scheinen meinem Eindruck nach die neue “Uniform” der Szene zu sein. Sie werden ohne Rücksicht auf Verluste getragen, ob es nun passt (in doppelter Hinsicht) oder nicht. Wie damals in den 90ern, als die Szene den Rangerstiefel in jeder Facette entdeckte. Ein Korsett ist eine schöne Sache, wenn es entsprechend getragen, kombiniert oder in Szene gesetzt wird.

@Asti: Ja, der Rahmen war grenzwertig. Mir ist es zwar gelungen die meisten Spinner, die mich im Vorjahr noch aufregten, auszublenden. Aber die brennende Sonne, das miserable Essen und die viel zu teuren Getränke ließen sich nicht ignorieren. Glücklicherweise waren mehr Wasserhähne mit kostenlosem Wasser am Start als letztes Jahr, so dass wir gefühlte 5l Kölner Trinkwasser zu uns genommen haben.

@EliC: Wir haben gründlich abgewogen, ob wir hinfahren sollten oder nicht. Die Nähe war ein Grund für einen Besuch (50km) und bei 500km hätten wir auch verzichtet. Kommt ja dann noch Hotel/Unterkunft hinzu.

Black_E
Gast
Black_E

Die Getränkepreise kamen bei den Temperaturen schon einer Körperverletzung gleich. Habe meine Aversion Leitungswasser gegenüber für dieses WE ignoriert. Essen war OK – ich erwarte ja kein Sternemenue wink
Ansonsten wieder Altbekannte getroffen und nette Leute kennengelernt. Bandauswahl war gut, nur schade, dass am Sonntag alle Bands die ich sehen wollte teilweise parallel – wenn auch leicht zeitlich versetzt – spielten. So musste ich zwischen Mainstage und Staatenhaus hin und her hetzen. Aber das ist mein persönliches “Dilemma”. Krönender Abschluss war Peter Heppner im Staatenhaus smile

Grabesmond
Gast
Grabesmond

Also ich fühle mich in Korsetts sehr wohl grin vielen Dank noch einmal an Chris, der mich am Sonntag eingeschnürt hat…aber das ist wohl Geschmackssache, ob man Korsetts nun schön findet oder nicht. Prinzipiell schlecht finde ich die unglaublich billigen Corsagen, die man bei ebay hinter geworfen bekommt, besonders wenn einige Damen meinen, die bis zum Anschlag zu schnüren, oder unter einem Korsett nix drunter tragen, und die Haut der Trägerin dann gar wunderschön zusammengedrückt wird…
Bei den Fields muss ich dir leider widersprechen wink ich fand den Auftritt wesentlich besser als in Hamburg letzten Oktober, und ich konnte zum ersten Mal Towering live erleben- grandios!
Was die Getränkepreise betrifft; ich habe noch nie auf einem Festival so wenig Geld für Getränke ausgegeben! Und das Essen…oh man, gedankt sei meinem Bekannten, der jeden Abend lecker gekocht hat, als Ausgleich für das, was einem beim Tanzbrunnen angeboten wurde.

Asti
Gast

Ich bin mittlerweile vom Korsett-tragen abgekommen, weil meine mir nicht mehr so gut passen. Grad ist legerer, weiter, luftiger, flatteriger dran.
Ich bin ja nun nicht die schlankste, und ich denke schon, man kann ein Korsett super zum betonen nutzen, nur, wenn es zu “quallig-quetschig” aussieht, ne, das muß nicht sein.

Ich mag kein Leitungswasser… okay, wenn es nichts gibt, trinke ich das auch, aber es steht nicht grad auf Platz 1.

Aristides Steele
Redakteur

Naja, das Problem am Korsett ist, in den letzten Jahren hat die Zahl der Billiganbieter arg überhand genommen.
Vor 10 Jahren in etwa war der Billig-Kram noch um die 100 Öcken teuer und in wenigen Standard-Designs zu haben, inzwischen gibts eine große Auswahl an Teilen die sogar ab dem Preisbereich von 20-30 losgehen.
Problem dabei ist meistens die runtergeschraubte Materialqualität (die war bei den 100-Geld-Teilen aber auch schon mies) und die grauenvolle Passform. Ob man da noch von Korsett reden darf, ist natürlich fraglich.

Viele Mädels die zu solchen Veranstaltungen Korsett tragen, haben schlichtweg keine Ahnung von sowas. Korsetts sind ein wenig eine Wissenschaft für sich die auch beinhaltet daß man seinen Körper kennt, und in einschlägigen Shops werden die billigen Teile auch meist nur nach Taillenweite oder sogar Konfektionsgrößen verkauft – dabei ist noch sehr relevant wie man obenrum bestückt ist, und wie sich das verteilt – mehr vornerum oder mehr im Kreuz, und ebenso die Hüftweite. In Standard-Maße passen nur die wenigsten hinein.
Ein Korsett passt dann wenn die Schnürlücke exakt parallel ist, je nach Modell und Maße kann die komplett geschlossen bis zu 10 cm offen bleiben. Wenn die Lücke A-förmig ist oder gar eiert dann stimmt was nicht. Die meisten Mädels haben mehr an den Hüften, und dann kommt das “A” zustande. Sieht man exorbitant oft.

Korsett-Tragen ist zwar nicht ganz so gesundheitsschädlich wie manchmal verbreitet wird, wenn man es nur ab und an tut, aber – ein Korsett das einfach nicht passt kann scheuern und blaue Flecke hinterlassen und, insbesondere wenn man so doof ist nicht mal ein Bandeau drunter zu tragen (wenn man schulterfrei rumlaufen mag). Ausserdem schadet man dem Kleidungsstück auch wenn man es auf den körpereigenen Schweiß ungeschützt los lässt.

Ein gut angepasstes Korsett kann für jede Körperform gemacht werden. Nur greift da auch die Ignoranz der Konsumenten, wie wenig die Billig-Anbieter da mit Informationen zur richtigen Größenfindung rausrücken, ist auch zum Kopfschütteln, mag aber auch Marketing-bedingt sein, die Auszeichnung mit vertrauten Konfektionsgrößen schreckt die Konsumenten nicht so sehr ab sich mit dem auseinanderzusetzen, in das man seinen Körper steckt.

Wobei der Unterschied ist sichtbar, ein gutes Korsett sitzt wie ein Handschuh und ist auch mit guter Taillenreduktion angenehm zu tragen. Der Oberstoff liegt glatt und es ist eine sehr stabile, massive Schließe eingebaut. Plastik hat in Korsetts nichts zu suchen.
Man mag denken daß ja nicht viel Stoff in sowas steckt, aber allein die Schnitterstellung ist im Gegensatz zu “normaler” Kleidung nochmal was ganz anderes.

Ich könnte das noch viel weiter führen, aber all das sind eben Kriterien die reinspielen, wie ein Korsett sitzt, ergo ob es gut aussieht. Viele bestellen sich einfach was, ohne sich damit auseinander gesetzt zu haben, obwohl ein Korsett nicht nach standardisierten Konfektionsgrößen funktionieren kann, eben weil jeder Körper individuell ist.

Huh, soviel zur Korsett-Problematik grin – ich kann verstehen daß Euch beiden der Anblick auf den Keks geht, ich seh meistens sofort wenn da was nicht passt und finde das auch grauenvoll.

Zum Amphi – gut daß die Anwesenden Spaß hatten, war zwar schade daß es bei mir nicht hingehauen hat, aber vielleicht kann ichs mir nächstes Jahr dann ansehen.
Chris hat mir tolle Sachen mitgebracht <3 – zusammen mit seinen Eindrücken die er mir heute bei nem Guinness im lokalen Irish Pub erzählte. Rosa Crux hätte ich gerne wieder gesehen, aber ich denke da gibt es noch weitere Gelegenheiten.
Daß Euch beiden deren Musik nicht so zusagte, kann ich verstehen, da muss man den Draht zu haben. Ich mag das Gesamtkunstwerk sehr, das geht eben über die Musik hinaus, und gerade solche Künstler finde ich immens faszinierend. Oliviers schneidende Stimme, die genialen Installationen (von denen ja nur die musikalischen auf der Bühne waren, der Rest in den Projektionen zu sehen war, abgesehen vom Danse de la Terre) – sind und bleiben bei meinen Lieblingskünstlern ganz weit oben. Deren Stücke haben immer was von uralten okkulten Ritualen, und das spricht mich sehr an wink

TobyPubes
Gast
TobyPubes

Allgemein bieten Korsetts doch immer viel Gesprächsstoff: Sitzen sie gut, sind sie gut für das Auge, sitzen sie nicht, gut für die Unterhaltung. Das Lästern scheint ja ein elementarer Bestandteil solcher Veranstaltungen zu sein.

Asti
Gast

Wird nicht auf jeder Veranstaltung, gleich ob schwarz oder bunt, gelästert?

Ian von Nierenstein
Gast

Wird nicht auf jeder Veranstaltung, gleich ob schwarz oder bunt, gelästert?

Dem stimme ich zu. In dieser Hinsicht unterscheidet sich unsereins nicht von der anderen Seite.

Robert
Webmaster

Ich denke auch, dass grundsätzlich überall gelästert wird. Das gehört ein Stück Weit auch zur menschlichen Natur und ist sicher nicht so leicht “herauszubekommen”.

Bei den Korsetts sehe ich die ganze Sache ein wenig differenzierter als “Sitzen sie gut, sind sie gut für das Auge, sitzen sie nicht, gut für die Unterhaltung.” Sicher, dass ist der ästhetische Aspekt dieses Bekleidungsstückes. Ich für meinen Teil lehne jedoch die allgemeine “Uniformierung”, die mit supergünstigen Korsetts einhergeht bedenklich. Mir kommt es so vor, als wäre das ein Minimum-Accessoire um “dazuzugehören”. Ich bin mir aber bewusst, dass ich sicherlich keinen Trend aufhalten kann und eher dazu verdammt bin, zuzuschauen wie sich das Ganze irgendwann selbst überlebt und wieder nur von den eingefleischten Fans getragen wird.

Ich glaube es geht, bezogen auf das Thema Korsetts, in diesem Artikel unterschwellig um die Gleichschaltung der “Individuen”, um den Stereotyp “Goth” der Szene. Wirkliche Individualität – und sei es auch nur in geschickter Kombination “zusammengekaufter” Bekleidungsstücke, oder das zusammenstellen in kontroversen Ausdrucksformen (Punk meets Korsett) ist ein wenig verloren gegangen. Heute gehst du zu X-traX und kommst als fertiger “Supergoth” wieder raus. Nicht dass ich solche Shops verurteile, ich mag nur diese “ich-kauf-mir-was-zusammen” Mentalität nicht. Ich gehe selber dort shoppen, um mir Sachen zum “Zusammenbauen” meines Stils (sofern da einer ist) zu besorgen.

Ian von Nierenstein
Gast

So sehe ich das auch, Robert.

Melle Noire
Gast
Melle Noire

Hi! smile

Superlustig geschriebener und zuweilen ganz schön böse formulierter Artikel (ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen)… grin

Das mit der Festivalbewirtung klingt ziemlich übel, da esse ich doch lieber davor irgendwo anders etwas, mache mich dann zurecht und esse auf dem Festival bis abends nix (ist mit dem Make Up eh net ratsam). Und wenn der ganze Kram vorbei ist, kann man sich ja noch irgendwo an einem Stand Nudeln holen oder so. Auf Leitungswasser stehe ich nicht wirklich, das trinke ich nur im absoluten Notfall.

Zum Thema Korsetts: Ich kaufe meine von der Stange, sind ganz einfache Dinger mit Satin, Taillenkorsetts. Die kann ich prima mit allem möglichen kombinieren. Bei mir kommt das erwähnte A hinten am Rücken öfter zu Stande, da ich es doch ganz gern habe, wenn der Stoff oben unter der Brust möglichst eng anliegt. Bei mir sieht es sonst aus, als stecke ich in einem Eierbecher. wink Da ist mir das A im Rücken herzlich wurscht, da fallen ja dann auch eh meine langen Haare noch drüber und diverser Kram, den ich als Frisur auf dem Hinterkopf spazieren trage. LOL grin Hauptsache, die Chose sieht von vorn gut aus! Vollbrustkorsetts trage ich gar keine, das würde bei mir aussehen wie ein Schildkrötenpanzer. Eine ganz billige Korsage hatte ich vor vielen vielen Jahren mal aus dem Netz bestellt für etwa 25€… Das Ding hat net allzu lang gehalten und seither kommen mir nur noch Korsetts an den Leib. Wenn auch in Standardausführung, für die richtig edlen Teile fehlt mir schlichtweg das nötige Kleingeld. wink Wenn ich mir ein Standardkorsett im Gothicshop kaufe, dann kostet mich das ca 60 Euro. Von Zeit zu Zeit muß man ja mal ein altes Korsett auch ersetzen, sowas hält ja nicht bis in alle Ewigkeit. Wobei mein aktuelles schwarzes Taillenkorsett aus Satin bislang schon ganz schön lang durchgehalten hat, das schwarze trage ich mit Abstand am häufigsten. Ersetzt werden muß daher im Regelfall irgendwann auch nur dieses.

Fest steht für mich: Die meisten meiner Ausgehoutfits sehen am besten aus mit Korsett. Man kann auch 2 völlig unpassende Kleidungsstücke mit einem Korsett in der Mitte harmonisch miteinander vereinen, ich finde das wahnsinnig praktisch. smile Korsetts sind für mich unverzichtbar und sie geben der getragenen Garderobe eineb edlen Touch. smile

Dunkle Grüße! smile
Melle

Piet Noir
Gast
Piet Noir

Wenn euch das Amphi zu heiß und die Anzahl an komischen Leuten zu viel wird, solltet ihr mal planen zum NCN zu kommen. Ist die bisher schönste Location die ich kenne. Ist zwar immer viel komischer Kirmes-Techno Kram dabei aber auch jedes Jahr ein paar Bands, die man so sonst (fast) nie auf anderen Festivals sieht. Die Preise sind auch angenehmer und das Festival Ticket ansich ist auch relativ günstig. Überlegt es euch mal wink

Wir sehen uns dann auf dem Yound & Cold Festival

EliC
Gast
EliC

NCN – da bin ich sowieso dabei :-). Ist dann nur ca. eine halbe Stunde von mir entfernt – und einfach toll. Vor allem die Location, wie Piet Noir schon schrieb smile – und auch die Atmosphäre… Und die Preise sowieso…

Karnstein
Autor

Herrlich geschriebener Artikel – musste bis zum Ende lesen, obwohl ich nicht da war und auch nicht unbedingt da sein wollte smile
Und dass du einen meiner Buttons trugst ist mir auch nicht entgangen wink

Michael
Gast
Michael

Ich war da, habe nette Leute getroffen, denen ich schon mal geschrieben hatte, alle Bands gesehen, die ich sehen wollte, Alien Sex Fiend waren super !!, die Hacken von den Pikes abgetanzt beim Fieldkonzert, geschwitzt und viel Spass gehabt. Und braungebrannt zurückgekehrt. smile

Ja, die Getränkepreise sind ne Frechheit.

Ich bin aber auch nur wegen dem Line Up hingefahren. Ansonsten tu ich mir das Amphi oder Mera nich an.