Video: Londons Goth-Fashion-Ikone Parma Ham macht sich für das Magazin „Vogue“ fertig

Das Modemagazin Vogue hat in seiner Artikelserie „Extreme Schönheit“ Parma Ham dabei beobachtet, wie er sich zurechtmacht und zugehört, wie er von sich und seinem Styling berichtet. Parma Ham ist Stilikone einer Goth-Fashion-Bewegung, die bereits seit einigen Jahren den klassischen Goth-Style auf ein neues Level erhebt und die über Instagram tausende Bewunderer um sich schart. Designer und Modelabels bedienen sich seit einigen Jahren wieder verstärkt am Style dieser jungen Gothics und erzeugen dabei ein knisterndes Spannungsfeld zwischen Subkultur und Kunst.

Selbstinszenierung auf die Spitze getrieben

Instagram ist eine Möglichkeit, sich selbst und seinem Style eine Bühne zu bauen. Je extremer, je extravaganter und tabubrechender ein Gothic-Look ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, beachtet, geteilt oder geliked zu werden. Parma Ham hat diesen Trend früh für sich erkannt und geht in seinem Londoner Umfeld immer auffälligere Wege, sich auszudrücken. Dass seine Outfits weniger als Kleidung durchgehen, sondern vielmehr als Kunstform, lockt auch Designer und Modemagazine in die schwarze Subkultur.

Es bleibt allerdings im Auge des Betrachters, Kunst in Form von Outfits oder Stylings auch als solche anzuerkennen. Denn trotz aller Bewunderung und Selbstinszenierung scheint es völlig an zusammenhängenden Inhalten, musikalischer Identifikation oder einer rebellischen Attitüde zu fehlen. Die Frage ist allerdings, ob das überhaupt eine Rolle spielt.

Betrachtet man Parma Ham allerdings als Stilikone, so wirkt er wie ein modischer Querschnitt aus 40 Jahren Gothic-Szene, der sich an allen – möglichst extremen – Einflüssen der Szene bedient, die in den letzten Jahrzehnten zu einem Teil dieser wurden. Angefangen vom „Big Hair“-Look der 80er über die Lack- und Leder Trends der 90er bis hin zum „Genderfluid“-Style der letzten Dekade vereint er alle Einflüsse in seinen Outfits, die er dann ohne erkennbare Grenzen überspitzt.

Leider überschreitet Selbstinszenierung auch schnell die Grenzen zur Lächerlichkeit, wie ich finde, denn als ich die 4 Leute da so aufgebrezelt im Ruderboot gesehen habe, brach die coole, hippe und freakige Fassade zusammen wie ein Kartenhaus. Für mich jedenfalls.

Bis dahin ist so ein Video allerdings schön anzusehen, gerade während einer Zeit, bei der sich kaum Gelegenheit bot, sich selbst in Schale zu schmeißen. Auch wenn ich natürlich weit entfernt bin von Haarpracht, Hautzustand und Figur der Stilikone. Denn seien wir ehrlich, Selbstinszenierung ohne Zuschauer ist doch langweilig, oder?

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@guest_59616)
Vor 4 Monate

Solche eitlen Selbstdarsteller kann ich nicht leiden, die sich nur über ihr Äußeres und ihre Likes in den sozialen Medien definieren. Sie tragen dazu bei, dass Gothic von vielen nur (noch) als Karneval empfunden wird.

Und nein, ich habe mir nicht das ganze langatmige Interview angesehen, weil mein Englisch nicht gut genug ist, außerdem hasse ich es, Untertitel zu lesen und dabei nicht mitzubekommen, was im Video gezeigt wird. Und ich kann es nicht oft genug betonen, diese wahnsinnig kurzen Einblendungen von Bildern, bei denen man nicht einmal den Hauch einer Chance hat, sich das Gezeigte mal richtig anzusehen, nerven ungemein. Es sollte doch mal möglich sein, ein Bild mindestens ein paar Sekunden lang betrachten zu können. Stattdessen bekommt man ewig lang einen nahezu ungeschminkten Parma Ham gezeigt, was deutlich uninteressanter ist als die Aufnahmen der fertigen Stylings. Ich tue mir solche „Dokus“ nicht mehr an. Dieses Schnellschuss-Bilderzeig-Verfahren verbreitet nur Hektik.

Robert, ich stimme dir zu, derarzt aufgebrezelte, übertrieben cool dreinblickende Gestalten in einem Boot bei hellem Sonnenschein wirken einfach nur lächerlich.
Fassade scheint eben (für einige) alles zu sein…

Letzte Bearbeitung Vor 4 Monate von Tanzfledermaus
Chris
Chris (@guest_59617)
Vor 4 Monate

Habe da auch eher den Bezug zur Szene vermisst. Es scheint ihm wirklich nur um den Look zu gehen. Schade eigentlich. Musste dann bei der Bootszene auch ziemlich lachen. :D

Orphi
Orphi (@orphi)
Editor
Vor 4 Monate

Eins ist ja wohl mal amtlich: Er kann sich unfassbar gut schminken! Und ich finde, er sieht ohne den ganzen PVC-Kram und den übertriebenen Iro einfach großartig aus. Ich finde auch, dass man merkt, wie sehr er sich von den alten Szenekünstlern inspirieren lässt – und das sicher nicht nur optisch, sondern gerade auch gefühlsmäßig. Muss man da denn wirklich noch explizit erwähnen, dass man auch die Musik mag? Die Geschichte, wie er sich etwas verloren in seiner Stadt vorkam und nach London zog und dort seine „Familie“ gefunden hat, finde ich auch sehr gruftig, auch wenn ich im Slimelight alles andere als meinen „Tribe“ gesehen habe, aber ist ja egal jetzt. :-)

Kurzum: Ich finde das Ganze nicht so oberflächlich, wie es hier dargestellt wird. Die Schminkerei und der ganze Fokus aufs Aussehen ist auch nicht so mein Ding. allerdings sehe ich auch nicht so toll aus, kann es mir figürlich nicht leisten und habe absolut kein Talent dazu. Sonst würde ich vielleicht anders denken? Okay… dieser Fetischkram macht mir die beschaulich gruftige Erzählstimmung etwas kaputt.

Bis zu dem Punkt, wo er aus dem Zimmer geht, geh ich mit. Danach muss ich leider aussteigen, weil der Rest jenseits meiner Identifikationsblase liegt. ;-) AAAABER, ich finde schon, dass er Tiefe hat. Nicht jeder ist Musikjournalist und seziert bei solchen Interviews nur Töne. Und mal ehrlich: „Sehen und gesehen werden“ ist und war immer ein großes Ding in der Szene. Jeder, der das leugnet, muss sich bis zu nächsten Party jeden Tag zuhause schminken und stylen – für nix. ;-)

Ach ja…und ob man sich nun – wie in den 80ern – hingebungsvoll um einen Grabstein wickelt und sich dabei fotografiert, oder sich heute in einen Wald oder in ein Ruderboot setzt, weil man es romantisch findet, ist auch kein Unterschied – nur die Fotoapparate bzw. Kameras sind heute besser. Jeder, wie er es fühlt und schön findet!

Letzte Bearbeitung Vor 4 Monate von Orphi
Adrian Stahl
Adrian Stahl (@guest_59619)
Vor 4 Monate

Ich bin da eigentlich ganz Orphis Meinung – so einfach nur völlig oberflächlich wirkt das Ganze jetzt nicht, ich denke man merkt an dem Interview schon daß er sich Gedanken macht und vor allem auch eine gewisse Ahnung von Musik und Ursprüngen der Szene hat, und ich kann auch nachvollziehen daß gerade das Extrem-Auftakeln eine Art sein kann, sich auszudrücken und Kreativität nach aussen zu lassen.

Man sollte vielleicht auch bedenken daß die Zeiten anders geworden sind, wenn ich grob nachrechne wie alt Parma Ham sein muss, dann ist der mit Internet und sozialen Medien groß geworden und hat siche reinen anderen Bezug zur „Selbstdarstellung“ – heute ist es für die jüngeren Leute, egal welcher Couleur, eine normale Sache, Fotos ins Netz zu stellen, sein „Outfit of the Day“ zu präsentieren. Auf Youtube Videos zu machen und was es noch alles gibt inzwischen.
Die unter uns die nen Tacken älter sind – ja, wir sind nicht mit der Technik und allem aufgewachsen, ich traue mich aber wetten, hätte es in den 80ern schon schlaue Teleföner und Instagram gegeben – die damaligen Grufties hätten sicher rege Gebrauch davon gemacht. Sicher nicht alle, aber sicher viele von denen die sich speziell auffällig rausgeputzt haben.

Und ich denke auch, die Art wie solche Berichte aufgemacht sind, können auch nicht das gesamte Bild zeigen, die Problematik hatten wir ja schon öfter bei „Grufties in Fernsehbeiträgen“ – die Gewichtung ist oft ähnlich – man zeigt den Rausputzprozess, wie lange sowas dauert, frägt danach wie viel die Klamotten kosten, und dergleichen, wenn man dann mal jemanden persönlich kennt der sowas mitgemacht hat, sieht man auch wie viele Facetten der Person so ein Beitrag ausgelassen hat – das geht bei einer Stunde schon nicht vollständig, bei 12 Minuten noch weniger.

Natürlich ist auch so eine Art Generationenkonflikt vorhanden, die jüngeren kommen zwangsläufig in eine andere Szene als die die seit den 80ern dabeiwaren, oder auch diejenigen wie ich, aus der 90er Generation. Da gibts auch immer Punkte wo man sagt – das kennt man von „seiner Szene“ so aber jetzt nicht wieder.

Trotzdem – die Boot-Szenen sind wirklich etwas – naja. Das kann man getrost auslassen. Und mit Fetischkram kann auch nicht nichts anfangen, ich bin dann doch eher ne Kalkleiste die sich in zwei Ballen Stoff einwickelt, egal bei welchem Wetter …

Norma Normal
Norma Normal (@guest_59620)
Vor 4 Monate

So oberflächlich kam das jetzt gar nicht rüber, finde ich. Und man darf nicht vergessen das der Beitrag von der Vogue stammt. Also liegt der Fokus natürlich auf der Mode und dem Make Up. Trotzdem nutzt Parma Ham die Möglichkeit über das zu reden was ihm abgesehen vom Styling wichtig ist, was ihn in seiner Jugend zur Gothic Szene hingezogen hat. Da macht er einen reflektierten, unaffektierten Eindruck. Das in der Szene die binäre Weltsicht der Mehrheitsgesellschaft aufgebrochen werden kann und das er dort mit seiner Andersartigkeit ein Zuhause gefunden hat. Zumindest hab ich das so verstanden.
Aber wie viel Tiefgründigkeit wirklich dahinter steckt, kann ich aufgrund von so nem kurzen Beitrag nicht beurteilen.
Identifizieren kann ich mich mit diesem extremen Look und dem Schwerpunkt auf das Äußere zwar nicht, aber optisch spannend und inspirierend finde ich es alle mal. Mal abgesehen von dem vielen PVC.
Ich denke die Gefahr bei Parma Ham liegt darin sich irgendwann total im Styling zu verlieren und den Bezug zu den Ursprüngen zu verlieren. Dann ist er nur noch ein Abziehbild von dem was eigentlich mal dahinter gesteckt hat.
Aber: es gibt im Leben nicht nur entweder oder. Man kann sich für Mode interessieren und gleichzeitig intellektuell sein. Mode kann Kunst sein. (Ist oft aber nur Kommerz, genauso wie auch die Kunst selbst.)
Das wir sehr gestylten Menschen meist eine zwangsläufige Oberflächlichkeit unterstellen sagt auch viel darüber aus, das wir selbst viele Vorurteile und Stereotype mit uns herumtragen.

Letzte Bearbeitung Vor 4 Monate von Norma Normal
Wichtlhexe
Wichtlhexe (@johanna)
Vor 3 Monate

So. Endlich schaffe ich es ein Kommentar zu schreiben.

Parma Ham benutzt das entscheidende Wort am Anfang: High Fashion. So wie man es eben aus so Hochglanz-Magazinen, wie Vogue, kennt. Seine Kleidung und sein Style sind Haute Couture. Mehr Kunst als Alltag. Parma Ham ist für mich wie eine Kunstfigur. Eine Kunst, die er beherrscht und nicht von ungefähr kommt. Sieht toll aus.

Manchmal frage ich mich, ob sowas nicht dann am Ende, wie eine Karikatur der Szene ist? Die Szene mit dem Ruderboot hat das schöne Video wirklich zerstört. Und dann wäre da noch was: Wären alle Szenemitglieder gerne so (vom Äußeren) und spielt da der Neid mit, wenn man weder die Zeit/Geld/Talente/WasAuchImmer nicht besitzt, so ein Leben zu führen, sondern in schwarzer Hose mit schwarzem Shirt in die Arbeit zu dackeln?

Vielleicht muss ich mir das Video nochmal ansehen.

Araneus
Araneus (@guest_59676)
Vor 3 Monate

Auch mein erster Kommentar auf eurer schönen Seite. :)
Ich war auch auf Festivals etc. immer begeistert und fasziniert von allen, die sich bis ins Extrem gestylt haben und so scheinbar dem „Alltags-Dasein“ komplett abgeschworen haben. Daher war es ganz schön, dem Herrn Ham mal kurz zuzusehen.
Ich finde es schade, dass in Roberts Beschreibung so viel auf diese Boots-Sequenz eingegangen wird. Man darf nicht vergessen, dass dieser „Bericht“ von einer der Zeitschriften produziert wurde, die gesamtgesellschaftliche Normen setzt und propagiert und seit ewigen Jahren reproduziert. Mir erscheit dieses Bootsgefahre eher wie ein gezielter Versuch dieser „Normalos“, das Goth-Styling mit deren reduziertem Verständnis von „Romantik“ in Verbindung zu bringen und es dadurch möglicherweise bewusst ins Lächerliche zu drehen. Das ist durchaus etwas was bei fast allen Mainstream-Berichten über die Schwarze Szene passiert, oder?
Ich finde man sollte immer mit bedenken, wer solche Beiträge gestaltet und produziert….

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