Video: Diary of Dreams – Düstere Klänge, fröhliche Typen

Es soll Menschen in der schwarzen Szene geben, die gelegentlich lachen oder auch fröhlich sind. Wenn man ehrlich ist und “Gothic” zu ende denkt, ist das sogar eine mögliche und logische Konsequenz. Dazu später mehr. In der Lokalzeit Bergisches Land wird Adrian Hates und seine Band Diary of Dreams vorgestellt, im Untertitel heißt es dazu: “Düstere Klänge, fröhliche Typen”. Noch zu Schulzeiten ahnte Adrian, der zu dieser Zeit Gitarrist in zwei Schülerbands war, dass er eine eigene Band brauchte, um seine eigenen Vorstellungen von Musik zu realisieren. Zusammen mit Alistar Kane gründete er 1989 seine eigene Band, die er nach dem von ihm geschriebenen Gitarrenstück “Tagebuch der Träume” benannte. Zusammen mit wechselnden Musiker, von denen Gaun:A am längsten dabei ist, veröffentlichten Diary of Dreams rund 20 Alben. Unverwechselbar ist der Gesang des sympathischen Frontmanns, der für die Lokalzeit erklärt, was es mit dem Düsteren auf sich hat:

Das Dunkle ist ein Teil von mir. Der ist mit mir geboren und den kann ich leider nicht abschütteln, manchmal wünscht man sich das. Ist witzigerweise auch ein Thema, was auf dem aktuellen Album ganz stark vertreten ist, weil ich das Auseinandersetzen mit der dunkle Seite als sehr wichtig empfinde – klingt jetzt ein bisschen nach Star Wars, ist es aber nicht wirklich (lacht) – sondern mehr so dass ich denke, dass jeder Mensch seine zwei Seiten hat, die mehr oder weniger ausgeprägt sind. Bei mir ist das der düstere Moment in meinem Leben, den ich in der Musik auslebe, damit ich im Alltag ausgeglichen und normal bin und mich zivilisiert mit meinen Mitmenschen unterhalten kann.

Vielleicht ist die Überschrift gar nicht so abwegig wie sie zunächst erscheint. Die Beschäftigung mit der “dunklen” Seite der eigenen Existenz, das Zulassen von Schmerz, Trauer, Traurigkeit und Melancholie ist vielleicht der beste Katalysator für ein erfülltes und glückliches Leben. Ich übersetze die “Abwendung von der Spaßgesellschaft” in meine ganz eigene Lebensphilosophie. Die Unterdrückung der dunklen Seite, das Ersticken jeder Melancholie in einem Meer aus Spaßbereitschaft ist doch auf Dauer nur eine Fassade. Ständiges unterdrücken führt zu einer Art Suchtverhalten, wie brauchen immer mehr Einflüsse um nicht von unsere Gedanken eingeholt zu werden. Irgendwann platzt dann die Blase und der Mensch droht zu verbittern. Für mich gehört gelebte Traurigkeit zum Szeneleben dazu, ich muss mich nicht verstecken, wenn ich nicht gut drauf bin, darf traurig, melancholisch und depressiv sein. Adrian Hates verpackt seine “Dunkle Seite” in seinen Texten, jeder Auftritt ist womöglich ein Ausdruck, eine Befreiung. Ist da nicht die logische Konsequenz ein “fröhlicher Typ” zu sein?

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Okay, ihr dürft zu Recht verwirrt sein. Mein Schreibstil ist ganz weit weg von jedem roten Faden und logischen Satzbau. Doch irgendwie weiß ich, dass ihr mich versteht. Hoffentlich. Auch wenn ich die Musik von Diary of Dreams nicht vollumfänglich mag, ist mir Herr Hates schwer sympathisch.

Roberthttps://www.spontis.de/author/robert-forst/
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Kommentare

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Dodo
Dodo (@guest_49702)
6 Jahre her

Hallo ihr Lieben,

ein tatsächlich sehr sympathischer Mensch. Wirkt unendlich ausgeglichen & ich stehe hinter seinem Standpunkt.

Es ist übrigens sehr schön, neben den derzeit modeüberlaufenden Straßen Leipzigs, hier soetwas zu lesen. ^.^
Wie ist euer WGT bisher?
Haben uns wider unserer Vorstellungen doch keine Karten geholt & genießen bloß etwas Met im Dorf.

Habt eine schöne Zeit, liebe Grüße.

Izzie Adams
Izzie Adams (@guest_49704)
6 Jahre her

Ohne jetzt meinen obligatorischen Fanmodus anzuwerfen – ein ganz toller, wenn auch etwas kurzer Bericht der mir sehr gefällt und für mein Empfinden eine viel zu selten beleuchtete Seite der Subkultur an sich anspricht.
Bei mir ist es ja die Malerei, in der ich mich ausdrücke und einen Ausgleich schaffe und ich bin mir sicher dass auf die ein oder andere Weise sehr viele es ganz ähnlich halten.

Übrigens erklärt sich mir jetzt auch, liebe Orphi, was der WDR beim Konzert in Bochum wollte ;-)

Izzie Adams
Izzie Adams (@guest_49755)
6 Jahre her

@Robert oh ich wäre über mich selbst empört gewesen, wenn ich dazu nichts zu sagen hätte! ;D
Aber nein, ich meinte nicht das Akkustik Set letzten Herbst, sondern das Konzert der kürzlich beendeten Tour. Das fand in der Zeche in Bochum statt und dort war ich – und der WDR auch :)

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