Schwarze Symbolik: Die Fledermaus

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Darstellung einer grossen VampirfledermausTiere haben in der Gothic-Szene eine lange Tradition, die meisten davon werden als Schmuck in Form von Ringen, Anhängern, Halsketten oder Ohrringen getragen und landen auch nicht selten als Form von Körperkunstwerken auf der Haut. Dabei handelt es sich ausnahmslos um solche, “die im Volksglauben aufgrund ihrer Aufenthaltsorte, ihrer Farbe, ihres Verhaltens oder ihrer nächtlichen Lebensweise mit Negativvorstellungen behaftet sind, also das Schlechte, das Böse, die Sünde oder den Tod versinnbildlichen.”1 Tiere, die schon seit je her mit Magie, Hexen, Okkultismus oder ganz pauschal dem Bösen in Verbindung gebracht werden sind besonders beliebt, Fledermäuse, Eulen, Schlangen oder auch Spinnen. Die Fledermaus ist mit Abstand das populärste innerhalb und außerhalb der Szene.

In den frühen 80ern öffnete ein legendärer Club in London seine Pforten, der Stil- und Sinnprägend für eine ganze Szene wirkte. Das Batcave verwendet dabei in mehrfacher Hinsicht die Fledermaus als Wappentier, zum einen als Logo, wie auch als Namensgeber – der wohl auch auf die Comicserie Batman zurückzuführen sein dürfte. Aus den Besuchern dieses Club’s wurden später die Batcaver, die dort bevorzugte Musik nannte man Batcave. Daraus resultierte im Laufe der 80er ein weitreichende Verwendung der Fledermaus-Symbolik. Als Symbol ziert es zahlreiche Mailorder-Versender und Modelabel der Szene (XtraX, Bat Attack) und zieht sich so wie ein roter Fader durch die Anfänge der Szene und ist auch heute noch ebenso präsent wie zu Zeiten des Batcave, der das Symbol als erstes mit der Szene in Verbindung brachte.

Im fernen Osten ist die Fledermaus beispielsweise ein beliebtes Glückszeichen. Weil sie ihn Höhlen leben, die als die Pforten zum Jenseits gesehen wurden, symbolisieren sie dort Unsterblichkeit und ewiges Leben. Erst in Europa und in Verbindung mit religiösen Ansichten wurde die Fledermaus stigmatisiert, sie zählt in der Bibel und auch im jüdischen Glauben als unreines Tier. “Der Vogel des Teufels, eine Verkörperung des Fürsten der Finsternis. Satan ist mit Fledermausflügeln dargestellt. Als ein Zwitter aus Vogel und Ratte steht es für Doppelzüngigkeit und Heuchelei da sie sich in Ruinen und an einsamen Orten aufhält, bedeutet sie Melancholie.2 Bei den Römern war es Brauch, eine tote Fledermaus in den Stall zu nageln um damit zu signalisieren, dass die bösen Mächte hier bereits besiegt wurden. “Wegen ihrer Art, mit dem Kopf nach unten zu schlafen, hieß es, Fledermäuse seien Verächter der natürlichen Ordnung.3

Im Laufe der Geschichte und der frühen Vampirromane und Schauergeschichten des 18. Jahrhunderts machte man aus der Fledermaus auch eine Gestaltform eine Vampirs, das der Gattung der Fledermäuse pauschal den Ruf eines Blutsaugers einbrachte. Dabei sind es lediglich die Vampirfledermäuse, die sich vom Blut anderer Tiere ernähren und wiederum nach dem aus Legenden und Geschichten bekannten Blutsauger in Menschenform, dem Vampir benannt wurden.

Die Fledermaus ist ein Nachttier, das vielen Menschen nicht mögen. Genauso wie die Gothics, die das Tageslicht ebenfalls scheuen, halten sie sich in alten Gemäuern auf und sind bevorzugt schwarz. Ob das Verhalten eingefleischter Szene-Mitglieder für eine ausgeprägte Fledermaus-Assoziation verantwortlich ist, wird leider nicht überliefert. Doch die Fledermaus symbolisiert für die Szene wichtige Eckpunkte ihrer Existenz: Dunkelheit, Melancholie, die Ästhetik alter Gemäuer und die Ablehnung innerhalb der Gesellschaft eine Fledermaus zum Haustier zu machen.

Als Symbol wirkt es darüber hinaus recht unverfänglich, da es weder politisch noch religiös nennenswert aufgeladen ist und dadurch eine gewisse Neutralität bewahrt. Wer weiß, vielleicht ändert sich das Weltbild dieses Tieres mit der nächsten Sekte, dem nächsten Amokläufer oder einer Diktatur die dieses Symbol für sich vereinnahmt.

(Bildquelle: Wikipedia (gemeinfrei), Wikipedia)
  1. Birgit Richard: Schwarze Netze. Die Gruftie- und Gothic Punk-Szene – Kursbuch Jugendkultur, Mannheim 1997, S.136 []
  2. J.C. Cooper: Das große Lexikon traditioneller Symbole, London 1978, S.82 []
  3. Thea: Magische Symbole – Alle esoterischen Symbole und Zeichen von A bis Z, 1999 Ludwig Verlag München, S. 21 []
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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shan_dark
Gast

Na, das wollen wir mal nicht hoffen, dass es zum Symbol eines Amokläufers oder einer Sekte wird. Als Diktatur ist es wohl höchstens für Dracula oder Rumänien geeignet ;o)…In Dtl. wird es bald eher zum Symbol eines unter Naturschutz stehenden Tieres werden…

Ich LIEBE Fledermäuse und finde es absolut toll, wenn man sie in der Dämmerung herumflattern und zischen hört. Auch diese Ultraschallwellen haben etwas ganz besonderes – hört man natürlich nur, wenn es ganz still ist (ich zuletzt in Rumänien).

Ich freu mich immer, wenn ich als “Fledermaus” betitelt werde. Ist für mich echt ein Kompliment.

p
Gast
p

Seit 2015 findet zum WGT alljährlich eine naturschutzfachliche Führung über den Südfriedhof in Leipzig statt. Mit dem Schwerpunkt Fledermäuse. Das ist hochinteressant.

https://www.nabu-leipzig.de/projekte/lebendige-friedh%C3%B6fe/wgt2016/