Olli Wisdom, Sänger der Band „Specimen“ und Gründer des legendären Batcave gestorben

Am 23. August berichtete Trancentral TV, das Olli Wisdom, ehemaliger Sänger der Band „Specimen“ und Mitbegründer des legendären Batcave-Club, im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Er gehörte zu den Urväter unserer Subkultur und hat die Szene nicht nur musikalisch beeinflusst, sondern mit seinem Club in Soho auch den stilistischen Rahmen für die spätere Gothic-Szene gesteckt. Zuletzt war Olli Wisdom unter dem Künstlernamen „Space Tribe“ in der Psytrance-Szene als DJ und Musiker unterwegs und gründete auch das gleichnamige Klamotten-Label.

Zusammen mit Jon Klein und Kevin Mills gründete Wisdom 1981 die Band Specimen in Bristol, bevor man sich 1982 entschloss, in London einen eigenen Club für ihre Art der Musik zu gründen. In den oberen Stockwerken der geschichtsträchtigen Dean Streat 69 in London eröffneten sie „The Batcave“ und werden gleich zur Hausband, die dort regelmäßig auftritt.

Im vierten Stock des Gebäudes, in dem sich 1925 der Gargoyle-Club gründete, befand sich ein Eingang in Sargform, der in das Batcave führte. Hier tauchte man in die Welt aus Leder, Spitze und Gruselfilm-Requisiten ein, die „gleichzeitig Kino, Kabarett, Theater, Discothek und Live-Club zu sein schien.“ Filmklassikern der „Gothic Ficiton“ und B-Movies aus dem Hause Hammer bildeten den Hintergrund einer gruftigen Nacht, während die Urbands des Gothic-Rock auf der Bühne performten. Schnell gesellen sich auch extravagante Gäste einer Szene dazu, die damals noch keinen Namen hat und so wird das Batcave zum Treffpunkt, an dem sich das Who-is-Who der Gothic-Szene versammelt: Siouxsie Sioux, Robert Smith, Marc Almond, Nick Cave, Vince Clarke oder auch Boy George.

Ursprünglich reagierte die englische Musikpresse sehr gut auf unsere Pläne, hatte im Vorfeld bereits über uns berichtet, und als wir aufmachten, war der Laden voll. An unserem ersten Abend war die Schlange vor der Tür ca. zweihundert Meter lang und diese Schlange gehörte von nun an als fester Bestandteil zur Szene. Olli Wisdom im Buch von Dave Thompson „Schattenwelt – Helden und Legenden des Gothic Rock“ – Seite 180

Es dauerte nicht lange, da wurde das Batcave auch Geburtsstätte für die ersten Bands aus der Szene. Alien Sex Fiend hatten am 1. Dezember 1982 ihren ersten Auftritt im Batcave, 1986 begeisterten sie bereits im Vorprogramm von Alice Cooper das ganze Land. Mit dem Jahreswechsel 1983 zog das Batcave bereits in größere Räumlichkeiten und wechselte danach noch drei weitere Male. Mit dem Erfolg eigener Compilations begann man im Juni 1983 auf Tournee zu gehen. Specimen und Alien Sex Fiend luden die gesamte Club-Einrichtung in Transporter und veranstalteten in vielen weiteren Städten Batcave-Partys.

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Olli Wisdom hat, wenn man so möchte, den Geist der Szene über das ganze Land verteilt. 1983 drückte Gothic den Stempel in das subkulturelle Gedächtnis späterer Generationen. Eine „wilde Verherrlichung von Fantasie und Magie, von Schönheit und Eleganz„, von der „nur wenige, die mit der Szene in dieser Zeit in Kontakt kamen, unberührt blieben„, wie Dave Thompson in seinem Buch „Schattenwelt – Helden und Legenden des Gothic Rock“ schrieb.

In den nachfolgenden Jahren verkommt das Batcave allerdings zur Touristenattraktion. Irgendwann bleiben die Besucher aus, 1985 schrumpft das Batcave wieder in seine ursprünglichen Räumlichkeiten der Dean Street, bevor es in der Mitte des Jahres endgültig seinen Sarg schließt. Die Band „Specimen“ um Olli Wisdom trennt sich kurze Zeit danach.

(vielen Dank an Mick Mercer für alle Bilder in diesem Artikel)

Wisdom geht 1988 auf Reisen nach Thailand und Indien und entdeckt den Ort Goa für sich, wo er tief in psychedelische Musik eintaucht. Er beginnt als DJ aufzulegen und gründet zusammen mit seinem Bruder Miki das Klamotten-Label „Space Tribe“, das mit seinen quietschbunten Designs den Style der Zeit auf den Kopf trifft. 1995 zieht er nach Australien, beginnt selber Musik zu machen und ein Plattenlabel zu gründen.

Obwohl er sich nicht wieder für die schwarze Seite des Lebens entschieden hat, ist er seinen Prinzipien treu geblieben. Er blieb kreativ und produktiv und brachte nicht nur Gothic auf den Weg, sondern begleitete auch Psytrance mit seiner Energie. Ein Nachruf aus dieser Szene macht deutlich, dass er auch dort Spuren hinterlassen hat.

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Auf der Suche nach den Wurzeln einer Szene ist Olli Wisdom möglicherweise in Vergessenheit geraten, sein Fußabdruck, den er 1982 hinterließ, ist jedoch die wichtigste Spur, die die Gothic-Szene in den Geschichtsbüchern hinterlassen dürfte.

Die Umstände seines frühen Todes sind nicht bekannt. Er hinterlässt eine 25-jährige Tochter, seine Familie und viele Freunde aus den unterschiedlichsten Umfeldern. RIP Olli Wisdom.

Olli Wisdom

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Graphiel
Graphiel (@guest_60380)
Vor 1 Monat

Ich glaube der Einfluss von Specimen bzw. Olli Wisdom werden trotz ihrer eher kurzen Bestandzeit im Bereich der Gothic-Szene arg unterschätzt. Selbst unter heutigen Gruftis, die sich wieder näher an den ursprünglichen Wurzeln orientieren wollen, ist das Batcave-logo doch immer noch ein gern genommenes Symbol. Zumindest sehe ich es bis heute noch regelmäßig in Form von Patches, Buttons oder sonstigen Bildchen auf den verschiedenen Kleidungsstücken und sonstigen Utensilien. Oder nehmen wir mal den (laut Wikieintrag) von Keyborder Jonny Slut erfundenen Deathhawk-Iro. Auch dieser hat die Zeit überdauert, selbst wenn man ihn heutzutage natürlich erheblich seltener zu sehen bekommt.

Musikalisch habe ich Specimen als Generation 2000er natürlich erst viel zu spät für mich entdeckt, aber trotzdem liebe ich einfach die alten Songs wie „Hex“ „Returning from a Journey“ oder eben auch „Kiss Kiss Bang Bang“. Daher kann ich Specimen für mich durchaus auch aus heutiger Sicht noch in Ehren halten.

Danke einfach mal ein großes Dankeschön für diesen wirklich schönen Nachruf.

R.I.P.
Olli Wisdom

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