Waterboys - The Whole of the Moon

Gothic Friday März – Gewesenes und Gebliebenes (GM)

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Waterboys - The Whole of the MoonMit etwas Verspätung – nostra culpa – ist nun endlich auch GMs Beitrag zum Gothic Friday im März online. In ihm berichtet Sie uns von ihrer ersten LP, einem folgenreichen Besuch des Ballhaus Tiergarten und welche Bedeutung Musik für Sie einnimmt.

Es ist Freitag, draußen nieselt es, alles liegt grau in grau. Ein guter Zeitpunkt, meinen Beitrag fertig zu bringen, diesmal ohne Musik, die mich nur wieder in andere Welten versetzen würde. Vier abgespeicherte Dokumente gilt es jetzt zusammen zu bringen. Notizen, gestrichene Texte, all das, was sich in den letzten Wochen ergab, als ich über das Thema nachdachte, es verwarf und wieder darüber nachdachte. Es sei mir verziehen, nicht tiefer in die Materie einzudringen und zu beschreiben, was mir einzelne Bands oder Songs bedeuteten und bedeuten, das würde einen zu emotionalen Abstieg für mich bedeuten. Außerdem erscheint mir eine chronologische Abfolge meiner musikalischen Entwicklung unmöglich.

Im Februar Thema erwähnte ich bereits, dass ich 1980 auf Visage aufmerksam wurde. Steve Strange war so anders, hob sich so sehr von dem ab, was ich bisher kannte, dass sofort eine „Liebe“ entflammte. Meine erste LP Visage – Visage hörte ich wann immer ich konnte, nahm sie mit, wenn ich zu Freunden ging, was das Verhängnis für die LP oder besser für mich wurde, denn irgendwann war sie verschwunden.

Im Alter von 15 trug mir mein Musiklehrer auf, einen Aufsatz über Kate Bush zu schreiben, die ich so kennen lernte und seit dem immer noch höre. Sie ist neben Anna Verney die einzige weibliche Stimme, die sich bei mir Gehör zu verschaffen vermag.

Um mir die neuesten Songs nicht entgehen zu lassen hörte ich RIAS II (Rundfunk im amerikanischen Sektor), der war  für uns junge Leute gemacht und brachte die Songs, die ich auf Kassette mitgeschnitten habe. So kam ich auf diverse Bands wie Ultravox, Depeche Mode, Style Concil (vormals The Jam), The Waterboys, The Smiths, The Cure, Bauhaus, Thomson Twins, China Crisis… Schon damals hatte ich den Tick ein Lied tagelang hören zu können. Immer wieder wurde die Kassette zurückgespult und wiedergegeben. Manchmal tauschte ich mit Freunden Kassetten. Später, als es die Doppeltapedecks gab, konnten wir die Kassetten kopieren.

Ich schätze mit sechzehn begann meine Phase abends in das Ballhaus Tiergarten zu gehen, wo ich nach den Songs, die ich auf Kassette aufgenommen hatte, auch tanzen konnte. Ganz neu war es damals, dass an einer Seite des Tanzsaales zeitweise eine Leinwand herunter gelassen wurde, auf der die neuesten Musikvideos gezeigt wurden z. B. Depeche Mode, Heaven 17, Duran Duran, Paul Young und all so Zeugs, ich war jung und die Musik war wundervoll tanzbar….

Garbielle TapedeckIm Ballhaus lernte ich auch meinen späteren Freund kennen, bei dem wir oft Bauhaus und Joy Division hörten. Er besaß zwei Synthesizer und machte selbst Musik. Die erste schwarze Musik, die ich hörte. Schwarz im Sinne von melancholischer Dramatik und unendlicher Düsternis. Seine Demokassette höre ich noch immer, in Nostalgie schwelgend.

Konzerte konnte ich aus finanziellen Gründen nicht oft besuchen, ich meine auch, dass der Hype damals noch nicht so groß war, jede Lieblingsband live sehen zu müssen. Mein erstes erlebtes Konzert war 1984 von Depeche Mode in der Deutschlandhalle. Wir waren manchmal in Clubs, in denen unbekannte Bands auftraten. So auch bei Howard Jones der damals kaum bekannt war. Sein Konzert konnte ich fast in erster Reihe verfolgen, so leer war es. 1988 wiederum, bei einem Konzert von Pink Floyd, musste ich vorzeitig gehen, weil mich die Menschenmassen fast erdrückten. Seither neige ich dazu Konzerte von möglichst weit hinten zu verfolgen.

Bands, die mich seit „je her“ begleiten sind u. a. Tears for Fears, Simple Minds, Rammstein, In Extremo, Talk Talk, Dance or Die, The Mission, Gene Loves Jezebel, Projekt Pitchfork, Clan of Xymox… was nur einen kleinen Querschnitt darstellen kann…

Musik im Innern

Musik bedeutet mir sehr viel, doch kann ich auch tagelang ohne sie sein. Und, zeitweise ertrage ich sie nicht.

Gabrielle Buecher
Bücher sind für mich eng mit der Musik verknüpft.

Ich kann nicht sagen, dass mir Texte persönlich wirklich wichtig wären, dabei sind sie es für die Musik überaus. Total widersprüchlich, das ist mir klar. Trotzdem stimmt es, denn manchmal, wenn eine Tonfolge den Weg über meine Ohren in mein Inneres findet, ist der Text nebensächlich. (Wer versteht schon die Texte von She Past Away?) Es ist ein Fühlen der Musik, die Stimme, die etwas transportiert, was ich mir selbst während des Hörens erträumen kann. So geht es mir auch mit englischen oder deutschen Texten. Manchmal höre ich genau hin und ein anderes Mal lasse ich mich in der Komposition treiben, sodass es zu meinem Lied wird, einmalig in mir.

Doch Texte sind mir auch wichtig. Insbesondere die Texte von Oswald Henke, ASP oder In Extremo. Die Geschichten, die teils märchenhaft erzählt werden und in eine ganz andere Welt führen. Träume, die in gewisser Weise vorgeben sind, die jedoch mit jeder Gefühlslage neu interpretierbar werden. Ich liebe das Mystische, das Gesagte, das irgendwie nicht handfest belegbar ist und doch greifbar, die vertonte Lyrik. Perfekt wird das Ganze, wenn es zur gesungenen Lyrik Ausgaben in Form eines Buches gibt. Eine unschlagbare Symbiose zwischen Lyrik und Musik ist Mike Scott (The Waterboys) mit William Butler Yates eingegangen. Beide mochte ich bereits, bevor Scott die Lyrik von Yates vertonte.

Manchmal schafft es etwas grandioses mir eine Gänsehaut zu zaubern, das so gar nichts mit Gothic zu tun hat:

Barcelona (Live) – Freddie Mercury _ Montserrat Caball'e

Und nun

Im Februar Thema deutete ich bereits an, dass ich mit wiedergewonnener Freiheit vermehrt Festivals und Konzerte besuche. Ich liebe es, meine „Lieblingsbands“ live zu sehen. Dafür reise ich auch gerne quer durch die Republik. Ganz besonders mag ich es, wenn die Künstler nicht total abgehoben sind und sich nach ihren Konzerten ins Publikum begeben oder sich bei Festivals unter die Zuschauer mischen. Um die Bands zu unterstützen, kaufe ich ihre CDs und Merchandising-Produkte. Es kommt vor, dass ich mir auch mal ein Fanshirt selbst nähe und mit dem Bandlogo oder etwas bandnahem versehe.

Gabrielle CDs und LPsAbsolut gerne höre ich momentan aeon sable, Salvation Amp, Projekt Pitchfork und She Past Away. Goethes Erben/Henke liegen irgendwie immer im CD-Player und And Also The Trees ebenfalls.

Trotz meiner Vorliebe für harte Gitarren und Bässe neben fettem Schlagzeug kehre ich immer wieder zu schrägen Stimmen oder Klängen zurück. Beispiel: The Soft Moon – Far  und Sextile – Into the Unknown

Was meine Ohren gar nicht mögen, ist erwähnte Kombination Gitarre, Bass und Schlagzeug zusammen mit einer piepsigen oder weinerlichen Stimme. Wenn hart, dann bitte richtig. Da kann der Text noch so gut sein.

Musik erkunde fast ausschließlich im Internet. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Ganz besonders mag ich die wöchentliche Radiosendung „Dazed and Confused“  von Andrew Pettit.

Festivals sind ebenfalls gute Lieferanten für neue Bands und, wie ich kürzlich feststellte, kann auch ein Szenemarkt inspirierend sein. Dort stand ich unter einer Musikbox, während die neue CD von Pink Turns Blue zu hören war, die erst im April erscheint. Sobald die CD auf dem Markt ist, werde ich sie bestellen und auf dem WGT das Konzert der Band besuchen. So schließt sich ein Kreis. Clubbesuche sind im Gothic-Nirvana zwar möglich, doch bisher habe ich mich nicht überwinden können, allein hinzugehen.

Auflistung verschiedener Bands

Unterbewertet oder noch nicht bekannt…

Ewige Top 6

Aktuelle Top 5

Flop 5 spare ich mir, denn es sind eine ganze Menge Bands, die niemals den Weg in meinen CD-Player finden werden. Dafür gibt es ein Highlight, das ich nicht unerwähnt lassen möchte:

Agent Side Grinder feat. Henric de la Cour – Wolf Hour

Zu guter Letzt, schon immer gehört und irgendwann als Jugendliche gekauft, das unvergessene Album der legendären Band:

Pink Floyd – The Wall

Es regnet…

Wer meint, ich hätte sieben Stunden an dem Beitrag gearbeitet ohne einmal Musik dabei zu hören, irrt. Manchmal bin ich inkonsequent, was dem Ergebnis hier aber glücklicherweise keinen Abbruch tat.

Ruhiger, verplanter und vielseitig interessierter Zeitgenosse, nicht zuletzt mit einer Leidenschaft für tendenziell düstere Musik. Bei manch' Gelegenheit Gastautor auf Spontis und Teilzeit-Scheibendreher im Raum Zentral-BaWü.

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Satoria
Gast
Satoria

Danke für den Link zu “Dazed & Confused” – das konnte ich heute sogar im Büro hören, da ich alleine war. Wunderbar und schön gemischt.
Und als ich dann las, dass das eine Sendung aus Sydney ist, hey, Hammer! Da habe ich doch gewohnt – und kannte das gar nicht, aber wer weiß, vielleicht ist die Sendung neu. Da war ich auch etwas raus aus der dunklen Welt (Australien hat so schöne Sonne & Sterne & schwarz tragen ist schlicht leidvoll:) Die Szene dort ist auch nicht übermäßig groß – und wenn, dann in Melbourne, aber nicht in Beauty-Sydney.

Gabrielle
Gast
Gabrielle

Schön, dass ich euch mit “Dazed & Confused” eine Freude machen konnte. Ich mag den Moderator sehr, er hat Hintergrundwissen und eine sehr angenehme Moderatorenstimme. Das ist mir sehr wichtig, wenn Musik moderiert wird. “Normales” Radio höre ich gar nicht mehr. The KVB gefällt.

DOD war wohl in der Tat in letzter Zeit nicht erfolgreich. Gary Wagner und Falgalas machen gerade im Sideprojekt “Winterhart” Musik.

Heute fand ich etwas zum RIAS II. Muss man sich nicht unbedingt anhören, aber die Kommentare darunter sind interessant.

Gabrielle
Gast
Gabrielle

@ Svartur Nott, ich habe die LP. smile Die verlorene… letzens durch Zufall auf Facebook gesehen und gekauft. Ich höre sie gerade. <3

Svartur Nott
Gast
Svartur Nott

So ist sie nun letztlich doch wieder zu ihrer Besitzerin zurückgekehrt, wie wunderschön :). So ein Stück Erinnerung mit all dem, was daran hängt, wieder in den Händen zu halten… ich kann nur erahnen, wie du dich dabei fühlst. Es ist erstaunlich, was für Wendungen es manchmal im Leben gibt. Genieße auf jeden Fall die Zeit mit dem Schwarzen Gold, werte Gabrielle. Eine geruhsame Nacht wünsche ich dir.