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Gothic Friday Juli: Ein Leben in einer Stadt ist für mich nicht mehr denkbar. (GM)

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Bonn, Kennedyallee - TorGM hat eine ganze Reihe von Orten, die für Sie eine ganz besondere Bedeutung haben und die Ihr auf die eine ganz persönliche Art Ruhe spenden oder auch Sehnsucht schüren. Für das Juli-Thema des Gothic Friday gewährt Sie uns Einblicke aus Ihrer Welt und zeigt 7 Orte, die ihre ganz eigene Atmosphäre für Sie entwickeln.

Dieses Thema dürfte mein Lieblingsthema sein. Zum einen, weil ich in meinen Erinnerungen schwelgen konnte und zum anderen, weil ich all die Sehnsuchtsorte und Ruhepole der anderen Schreiber und Schreiberinnen kennenlerne. Meine Rückzugsorte sind eng mit der Natur verbunden. Ein Leben in einer Stadt, ich komme ursprünglich aus Berlin, ist für mich nicht mehr denkbar.

I

Als erstes werde ich ein Klischee bedienen… Ich liebe Friedhöfe. Friedhöfe sind definitiv die Orte, an denen ich am ehesten zur Ruhe komme. Doch sind es nicht die Engel und Statuen, die Ruhe in mich einkehren lassen, obwohl ich sie natürlich bewundere und allzu gerne fotografiere, sondern die verwitterten, mit Efeu überwucherten Grabmale und Kreuze, die kaum mehr einen Namen erkennen lassen. Die Jahreszeit spielt dabei keine Rolle, denn wenn sie von großen alten Bäumen und Büschen umgeben sind, ist das Klima immer ein feuchtes, kaltes und hält den modrigen Duft von sich auflösendem Laub in der Luft. Ich kann auf einem großen Friedhof schon mal einen ganzen Tag verbringen. Gefühlt ist es wie ein kleiner Urlaub, aus dem ich zurückkehre, wenn ich den Friedhof verlasse.

London - Highgate Cemetery
London – Highgate Cemetery
Köln - Melaten Friedhof
Köln – Melaten Friedhof

Bei Ruinen ist es ähnlich, ob von einer Kirche oder einer Burg, sobald sie von Efeu überwuchert und von Farnen umgeben sind, verfalle ich in romantische Stimmung. Knorrige alte Bäume bestärken dies noch.

II

Ein Sehnsuchtsland ist für mich England generell, im speziellen jedoch Yorkshire. Die weite fast baumlose Heidelandschaft hat mich in ihren Bann gezogen. Sie wirkt rauh, doch mit ihren grauen Steinhäusern und -mauern, die wie Inseln idyllisch im Grün liegen, auch auf bizarre Weise einladend. Zahllose Schafe sind über das Land verteilt. Und wenn über allem ein dunkler, wolkenverhangener, grauer Himmel liegt, bin ich glücklich.

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England selbst überrascht mich immer wieder mit seinen Gärten und Parks, in denen ich zu gerne wandle um meiner Seele Nahrung zuzuführen.

III

Die Lüneburger Heide weckt immer wieder Sehnsucht in mir. Das trockene Gras und die vielen Kiefern, deren Äpfel mit Harz behaftet auf sandigen Wegen liegen, verströmen einen ganz eigenen Duft. Krüppelige Büsche, Heidekraut, Espen mit ihrem silbrigem Laub und Birken machen sie zu etwas ganz besonderem. Alles wirkt verletzlich und strotzt doch vor Kraft auf kargem Boden. In den baumreichen Gegenden finden sich oft alte Gutshöfe mit riesigen Rhododendren, die im Mai eine einzigartige Blütenpracht offenbaren.

Müden an der Örtze
Müden an der Örtze

IV

Ein weiterer Sehnsuchtsort ist für mich das Siebengebirge. Täglich sehe ich es auf dem Arbeitsweg und vom Bürofenster aus. Mal liegt es in der Sonne, mal bedecken es Wolkenschatten, oder Nebelschwaden verhüllen es. Oft war ich dort schon zum Drachenfels wandern, stieg auf die Löwenburg oder ging durch das Nachtigallental. Die Sage besagt, dass Siegfried auf dem Drachenfels den Drachen getötet haben soll. So mystisch, wie die Sage den Anschein macht, ist es im Siebengebirge auch. Ich liebe die geheimnisvolle Atmosphäre.

Drachenfels
Drachenfels

V

Im Internet finden sich einige Seiten der Ruhe. Es sind Seiten mit Gedichten, mit kurz angerissenen Erlebnissen, oder seitenlange Metadiskussionen.

VI

Auch in Menschen kann ich Ruhe finden. Es muss manchmal nur ein kleiner Satz sein, der mich zu träumen einlädt, ein gezeichnetes Bild, das eine Geschichte erzählt.

VII

Meine ‘Ruhestätte’ ist jedoch mein Zuhause ohne Fernseher und Radio. Die Entspannung beginnt bereits mit dem Weg von der Arbeit nach Hause. Ich überquere eine Rheinbrücke und befinde mich mitten im Wald. Dort lasse ich meist die Fenster runter um den frischen Sauerstoff aufzunehmen und das Vogelgezwitscher zu hören. Weiter geht es über Dörfer mit wunderschönen Fachwerkhäusern, geschwungene Landstraßen, vorbei an Feldern und schönen Aussichtspunkten auf das Siebengebirge. Das Haus ist ein altes Fachwerkhaus, was man von außen jedoch nicht erkennt, mit entsprechend kleinen Räumen und tiefen Decken. Zweckmäßig eingerichtet mit einer kleinen Bibliothek und einer Musikecke. Doch der kleine Garten ist wohl der eigentliche Ruhepol in meinem Leben. Ein Teil davon ist mein Hortensiengarten. Dort werden alle Hortensien eingepflanzt, die Gäste mitbringen. Inzwischen ist es ein schönes und romantisches Idyll geworden und obwohl ich Hortensien nicht sehr mag, ist dort mein Lieblingsplatz unter einem großes Pfeiffenstrauch und einem alten Efeu. Hinter dem Garten fließt direkt ein Fluss vorüber. Sein Rauschen hat etwas beruhigendes und der Blick auf das fließende Wasser lässt die Wirklichkeit verschwimmen und in Träume versinken.

Mein Garten
Mein Garten

Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, fällt es manchmal schwer zur Arbeit zu fahren.

Aussicht
Aussicht am frühen Morgen

Es gibt mit Sicherheit noch einige Sehnsuchtsorte aufzuzählen, zu denen auch Kirchen, Klöster und Kapellen, Gärten, Parks und Wälder gehören. Viele Fotos bezeugen Orte, an denen ich war, die besondere Erinnerungen in mir wecken und die ich wiedersehen möchte… doch belasse ich es hierbei…

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Julius
Gast
Julius
Schön, dass jemand ohne TV und Radio aber dafür so naturverbunden lebt. Die aufgezählten Orte habe ich selbst noch nie besucht aber von den Bildern her kann ich gut nachvollziehen weshalb sie dir gefallen. Und so idyllisch wohnen möchte ich auch mal…das letzte Foto, die Aussicht am Morgen, da würde es mir ebenfalls schwer fallen mich zu lösen.

Nur eines verstehe ich nicht, nämlich wie man Hortensien nicht mögen kann. grin

ColdAsLife
Gast
ColdAsLife
Dein Garten am Fluss und der märchenhafte morgendliche Ausblick sehen fast zu schön aus, um wahr zu sein – beneidenswert. Außerdem gefällt mir dein ruhiger, leiser und geordneter Schreibstil.
Gabrielle
Gast
Gabrielle
Julius, mit den Hortensien hege ich eine innige Hassliebe. Als Busch sind sie total langweilig. Doch wenn man sie genauer anschaut und die Blüten der Büsche miteinander vergleicht, so sind sie doch ganz unterschiedlich und wirken sogar teilweise schön. Wenn ich mir die Blüten wieder zu intensiv angeschaut habe, findet auch schonmal ein Stiel mit Blüten den Weg in mein Wohnzimmer.

ColdAsLife, manchmal kann ich es selbst kaum glauben, wenn ich schlaftrunken aus dem Bett steige und meinen ersten Blick hinaus schweifen lasse.
Dass dir mein Schreibstil gefällt, sehe ich als Kompliment.

Mourant
Gast
Mourant
Schöne Fotos…
Ich komme zufällig gerade von meiner ersten Wanderung zur Löwenburg. smile
Wirklich unfassbar toll da oben… Gefällt mir sehr viel mehr als der Drachenfels, weil die Ruine nicht in eine touristische Beton-Terrasse eingebettet ist, sondern in absoluter Stille und Einsamkeit über dem Tal und sogar noch höher als der Drachenfels thront…

Friedhöfe, England (gleichwie Schottland) sind ebenfalls Orte, die mich anziehen, am besten ist die Kombination daraus: Britische Friedhöfe! wink
Auch wenn es in Deutschland durchaus schöne alte Friedhöfe, wie den von dir erwähnten Melaten gibt, so scheint sich das Muster strenger Bürokratie auch auf vielen deutschen Friedhöfen widerzuspiegeln. Ich habe das Gefühl, in Großbritannien herrscht da eine andere Mentalität. Die Friedhöfe dort sind meist etwas “wilder”, freier.

Ich beneide dich sehr um dein Haus und deinen Garten. Für jemanden wie mich, der seit rund 15 Jahren an diversen Hauptstraßen wohnt, ist Stille ein Privileg und eins der wichtigsten Ziele für mein Leben. Umso wichtiger sind dann Ausflüge wie der heutige… Im Wald stehen oder von einer Ruine aus ins Tal blicken und nichts als Stille (oder wunderschönes Bachplätschern) hören… Naja, ich hoffe, eines Tages wird es mir auch möglich sein, Hortensien (auch wenn sie ebenfalls nicht zu meinen Lieblingspflanzen gehören) in einen eigenen, kleinen Garten wegzupflanzen. ;D

Gruß aus Bonn!

Gruftfrosch
Gast
Gruftfrosch
Wunderbarer Text und aussagekräftige stimmungsvolle Fotos – danke dafür.

Auch ich bin etwas neidisch auf dich und dein Häusel. Mir ham’s die kleinen “Hutzlhütten” ‘(Fachwerkhäuser) angetan. Gerade durch die niedrigen Decken und die kleinen Fenster, hat das für mich irgendwie was unheimlich Gemütliches.

“Mal liegt es in der Sonne, mal bedecken es Wolkenschatten, oder Nebelschwaden verhüllen es.”

Der Drachenfels in seiner rauen Erscheinung erinnert mich an meine Gegend. Erst am Wochenende fuhr ich wieder einmal durch die Sächs. Schweiz und nach einem Gewitterguss stiegen überall die Dampfschwaden aus den Tälern und wurden vom Westwind sanft gegen die Höhen getragen. Keine Sekunde blieb der Anblick gleich. Immer wieder schön.

Das Wohnen direkt am Fluss kann sehr idyllisch sein. Als jemand, der zweimal das zweifelhafte Vergnügen hatte ein Jahrhunderthochwasser mitzuerleben, sehe ich das natürlich auch unter einem anderen Aspekt. Hattet du schon “ungebetenen Besuch”?

Noch eine kleine scherzhafte Frage zum Schluss: Was sind das für merkwürdige Gäste, die dir immer wieder Hortensien mitbringen, obwohl du sie nicht magst. ;-P

Ronny Rabe
Gast
Ronny Rabe
Schöne Fotos und Bericht . Danke dafür !

Mit dem Blick aus dem Fenster das kenne / kannte ich auch einmal. jetzt leider nicht mehr – obwohl, Elefanten vorm Fenster zu haben , hat ja auch etwas wink

verrückte Wölfin
Gast
verrückte Wölfin
Oh ist das schön ich werde direkt neidisch dort würde ich mich auch sehr wohl fühlen grin
John Clare
Gast
John Clare
du wolltest es ja wink

Blaue Hortensie

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

(R.M.Rilke)

Gabrielle
Gast
Gabrielle
Mourant, eine Wanderung zur Löwenburg… Warst du morgens dort? Am Morgen hat man einen wundervollen Blick in den Sonnenaufgang.
Der Gruß aus Bonn macht neugierig. Ich dachte, ich wäre hier allein?! (Bis auf drei andere mir bekannte Personen.)

Gruftfrosch, immer wieder bezaubernd, auch wenn Wolkenfetzen an den Bergen hängen bleiben und nicht weiterkommen.
Wenn der Keller vom Grundwasser vollläuft, wird er leergepumpt. Beim letzten Hochwasser fehlten noch 50 cm, bis das Wasser über den Hochwasserschutz hätte laufen können. Aber bis dahin gibt es noch genug Ausweichfläche für das Wasser, sprich, erstmal haben andere ein Problem.
Vermutlich sind das die Pflanzen, die man mitbringt, wenn es nach was aussehen soll. Es passiert schonmal, dass ich solch ein Mitbringsel eingepackt lasse und zur nächsten Einladung mitbringe.

Ronny, kannst du die Elefanten auch riechen?

Verrückte Wölfin, früher war es bei mir “so möchte ich auch gerne wohnen”. Heute kommen die Wochenendausflügler vorbei mit dem gleichen Blick, wie ich ihn wohl damals gehabt haben muss.

John, hab Dank dafür. Es passt einfach so gut.

Mourant
Gast
Mourant

Mourant, eine Wanderung zur Löwenburg… Warst du morgens dort? Am Morgen hat man einen wundervollen Blick in den Sonnenaufgang.

Das kann ich mir vorstellen… Ich fürchte nur, ich bin leider kein Frühaufsteher. ;D Den Tipp behalte ich trotzdem mal im Hinterkopf… Wir sind mittags los und waren am frühen Abend zurück. Aber es war auch so absolut perfekt. Was für ein Glück wir mit dem Wetter hatten… Jetzt herrscht ja schon wieder das Revival des Jahres ohne Sommer 1816. Genau 200 Jahre später, kann das ein Zufall sein? wink Mary Shelley grüßt aus dem Grab und warnt uns zum Jubiläum des Entstehungsjahres von Frankenstein, dass wir mit der Natur nach wie vor nicht Gott spielen sollen, oh ja.^^

Der Gruß aus Bonn macht neugierig. Ich dachte, ich wäre hier allein?! (Bis auf drei andere mir bekannte Personen.)

Nahaaain, sie sind überall! Wenn man es am wenigsten erwartet, kommen sie aus dem Dunkel geschlichen! wink
Kann ich aber nachvollziehen, dass man das denken könnte. Es ist ja nicht so, dass die Szene hier gerade ihr großes Comeback feiern würde. Warst du noch nie bei der “Earth Inferno”-Party? Die war immer ganz nett, wird jetzt aber auch eingestampft.