O Tannenbaum – Schwarze Musik an Weihnachten?

Nachdem ich bereits 2008 über ein den Mythos eines schwarzen Weihnachtsfestes gebloggt habe, möchte ich diese Idee passend zum bevorstehenden Fest noch einmal aufgreifen und eine Idee, die Sabrina mit ihrer Alternative zu „Last Christmas“ anregte, weiterverfolgen. Musik ist für mich ein essentieller Bestandteil des Lebens und so darf natürlich auch ein Weihnachten ein fein säuberlich zusammen gestellter Sampler fehlen, der das gemeinsame Essen und das anschließend besinnliche Beisammensein musikalisch untermalt. Wirft natürlich die Frage für den interessierten Otto-Normal-Verbraucher auf, mit welcher Musik so ein Gruftie sein Fest beschallt. Gibt es überhaupt schwarze Weihnachtsmusik?

Nein, auch wenn Sampler wie beispielsweise „Black Snow Vol. 2 – the completely different Xmas compilation“ (Link) vermuten lassen ein ideales Geschenk für den Gothic von heute entdeckt zu haben. Musik zu Weihnachten ist ein subjektiver Akt, der sich immer durch das Gehör des Individuums bestimmt und gelegentlich untypischen Riten unterworfen ist. So ist der Klassiker „Last Christmas“ beispielsweise für manche ein Song, der das weihnachtliche Gefühl erst auslöst und der andere vollständig aus dem Konzept reißt und mitunter sogar in eine vorweihnachtliche Depression stürzen lässt.

Um die Frage, ob ein echter Gruftie überhaupt dieses christliche Fest für sich vereinnahmen darf gleich vorweg zu greifen: „I don’t care what people say…“ (Xmas Tip1) Ob irgendwelche Traditionen, religiösen Ansichten oder Feste gefeiert werden ist mir und sollte möglichst allen egal sein. Verfolgt man die einschlägige Literatur so erfährt man, das der in der Regel unreligöse aber gut informierte Gruftie sich seine eine „Religionsbricolage“ (nach Helsper und Richard) zusammenbaut, in der zahlreichen Einflüsse aus den unterschiedlichsten Richtungen breit machen. Kurioser Weise wissen die meisten Grufties mehr über Religionen als die religiösen selbst und zeigen sich bei passender Gelegenheit als äußerst Bibelfest, aber das ist nur ein Eindruck und „I don’t want to start, any blasphemous rumours…“ (Xmas Tip2).

Zurück zur Musik. Was hört man denn nun so an Weihnachten? Für mich darf es ja gerne ein bisschen ruhiger (Xmas Tip3) und auch gerne etwas elektronisch (Xmas Tip4) oder auch mal wieder was von Depeche Mode (Xmas Tip5) sein, aber prinzipiell geht eigentlich alles in Ordnung was einen nicht unbedingt in die Knochen fährt und überflüssiger Weise emotional aufwühlt. Schließlich soll man das Essen ja noch genießen und bei der Bescherung nicht in Wehmut verfallen, deshalb sollte es in der zweiten Hälfte vielleicht atmosphärisch dichter und dennoch leicht beschwingt werden, soll ja auch keine „Einfache Beute“ (Xmas Tip6)  sein.  Aber bitte: Gothic-Weihnachtsmusik ist ein Mythos und auch die CD „Frohes Fest“ von Unheilig ist weder Gothic noch eine tolle Idee für ein spontanes Weihnachtsgeschenk  nur weil irgendjemand mal gesagt hat deren Musik sei per se die Definition dieses Genre.

Übrigens, der Gothic-Geek kann natürlich auch einen der zahlreichen Internetsender in seiner Lautsprecher streamen. Ich empfehle beispielsweise Radio Shadowplay oder auch das Creative Commons und Freemusic orientierte Darkerradio, das sogar extra für Weihnachten eine Overdose Weihnachtssendung startet.

Wie sieht es bei euch aus, welches Lied darf für DICH nicht zu Weihnachten fehlen?

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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orphi
orphi (@orphi)
Editor
Vor 10 Jahre

Na, da gibt es doch nur eins :-)

Within Temptation – Gothic Christmas

rudolph, he will change his name
‚cause rudolplh just sounds pretty lame
now we’ll call him ragnagord,
the evil reindeer overlord
his nose it shall be red no more
it will be blackened to the core
his eyes will glow an evil glow
to guide the chariot through the snow
we want to wish you a gothic christmas
we want to wish you a gothic christmas
we want to wish you a gothic christmas
we want to wish you a gothic christmas

http://www.youtube.com/watch?v=7SSXcWhCL0w

Danke für die löbliche Erwähnung – auch in der Wochenschau ;-)

von Karnstein
von Karnstein (@karnstein)
Vor 10 Jahre

Hehe, man könnte meinen, du schreibst über mich… so als unreligiöser aber (hoffentlich) gut informierter Grufti mit einer „Patchworkreligion“ oder wie auch immer man das nennen mag ^^
Dass mich Weihnachten allerdings komplett kalt ließe kann man nun auch wieder nicht sagen, im Gegenteil – genau genommen bin ich der Grinch. Ganz echt jetzt.

Ich hasse Dinge, die man macht, weil man sie halt einfach so macht – besonders wenn unterm Strich nichts weiter herauskommt als Konsumterror und Einkaufsstress. Das macht man halt so – man muss doch Geschenke schenken und bekommen…
Nein – ich will keine Geschenke. Nein. Kein Phrase. Keine Bescheidenheitsfloskel. Ich will’s nicht. Weihnachten ist abgeschafft. Aber man beschenkt mich dennoch fleißig weiter – und da ich ein netter Mensch bin will ich natürlich nicht mit leeren Händen da stehen… Und schon ist man wieder mitten drin…
Ich mag die Adventszeit. Kerzenschein im Dunkeln, heißer Glühwein oder Gewürzapfelsaft und all sowas – aber das kann ich im Januar ebenso.

Musikalisch merke ich, dass ich momentan wieder deutlich mehr als in den letzten Monaten an wirklich ruhiger Musik interessiert bin. Klassik, Simon & Garfunkel, Nick Cave, The Cure…
Macht wohl die allgemeine Stimmung der dunklen Jahreszeit.
Mit Links würde ich allerdings den Rahmen sprengen, da entweder gänzlich unschwarz (Tschaikowski) oder ohnehin jedem bekannt (The Cure – Lullaby) :-)

Der Text von Within Temptation ist ja aber niedlich ^^

shan_dark
shan_dark (@guest_11292)
Vor 10 Jahre

Musikalisch geht es mir wie Dir, Robert: „prin­zi­pi­ell geht eigent­lich alles in Ord­nung was einen nicht unbe­dingt in die Kno­chen fährt und über­flüs­si­ger Weise emo­tio­nal auf­wühlt.“

Um die Weihnachts- und Winterzeit höre ich die ruhigen, atmosphärischen Sachen. Bevorzugt Dead Can Dance (mein Vater meinte dazu mal „Wass’n das für Kirchenmusik?“ ;o)) und Rosa Crux, aber auch gern Arcana, In The Nursery, The 3rd and the Mortal, Ordo Equilibrium Solis, Camerata Mediolanense, Love is colder than death usw.

Ich kann auch mit normaler Weihnachtsmusik leben, wenn sie irgendwo läuft und ja, auch mit „Last Christmas“. Wer den Song über hat, hört einfach zu viel Normalo-Radio, wo es die letzten Jahre totgenudelt wurde…

Schatten
Schatten (@guest_11293)
Vor 10 Jahre

Klasse Lieder dabei Robert :D

Also was ich auch ganz gut finde ist:
WIZO – Santa Clause is coming to town (http://www.youtube.com/watch?v=8VGorviiIq8)
Riff Raff – Last Christmas (http://www.youtube.com/watch?v=8czIhxCRO_Y)
Manowar (!) – Silent Night ) oder auf deutsch )
Twisted Sister – Heavy Metal Christmas (http://www.youtube.com/watch?v=grwP8QvI1jY)
Und als einzige nicht Cover-Version:
ASP – Stille der Nacht ) ein eher ungewöhnliches Weihnachtslied ;)

Das von Manowar hat mich besonders überrascht als ich ich das das erste Mal gehört hab :D

Guldhan
Guldhan (@guldhan)
Vor 10 Jahre

Unheilig sein Frohes Fest. Da meine Mutter von Gregorians Christmas Chants and Visions begeistert war und auch nicht abgeneigt gegenüber dem Stimmchen des Herrn Grafen ist, dachte ich mir, dass es doch eine tolle Sache wäre, dieses Album zu schenken. Glaubte ich doch darauf interessante Interpretationen dieser mir eigentlich zu …ähm „traditionellen“ Lieder zu finden. Im Grunde bin ich kein gläubiger Mensch, aber beim Glauben ist es auch geblieben. Zum Glück hörte ich vorher hinein und entschloss mich nach den ersten Stücken reflexartig dazu, doch lieber bei den konventionellen Unheilig-Alben zu bleiben. Ich weiß nicht was sich dabei gedacht wurde, aus welcher Laune heraus diese Scheibe entstand und welche Zielgruppe damit wirklich ernsthaft beglückt werden sollte. Und im Grunde will ich es auch nicht wissen.

Weihnachtsmusik. Meine Spielliste richtete sich nach Emotion und momentan notwendiger Konzentration, aber nicht nach der Jahreszeit. Von daher hatte ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Momentan jedenfalls bin ich wieder im Arafna-Wahn. Theoretisch könnte man das doch auch als Weihnachtsmusik durchgehen lassen, oder sehe ich das falsch…?

Marcus
Marcus (@guest_11302)
Vor 10 Jahre

Der eine oder andere Titel aus „Nightmare before christmas“ bietet doch die perfekte Untermalung für ein schwarz-besinnliches Weihnachtsfest ;-) So beispielsweise die deutsche Version von „What´s This“ (http://www.youtube.com/watch?v=tTW1-0_nrRE), der „Oogie Boogie´s Song“ ) oder die KOЯNsche Version von „Kidnap The Sandy Claws“ ).

Rosa Chalybeia
Rosa Chalybeia (@rosa-chalybeia)
Vor 10 Jahre

Ansichtsmässig kann ich mich Karnstein nur voll und ganz anschließen, ich bin auch eher ein Grinch :D und empfinde Weihnachten als „jetzt ham wir uns alle aber mal lieb“ auf Knopfdruck. Mir wird ganz anders wenn sich um Weihnachten rum Spendenaktionen und Aufrufe zu Hilfsaktionen stapeln und mit treudoofem Dackelblick beworben werden. Weihnachten finde ich dafür keinen besonderen Anlass, denn wo Hilfe gebraucht wird, wird sie das ganze Jahr über genauso gebraucht, genauso gibt es das ganze Jahr über genug Grund dafür daß sich Mensch mal anständig und friedlich benimmt. Abgesehen davon ist Weihnachten doch eh mehr der bereits von Karnstein angesprochene Konsumstress, nach den Feiertagen gibts dann wieder haufenweise Klingelton-Werbung damit die Kinderchens die neue Handys bekommen haben auch gleich mal im Spieltrieb Geld für sinnfreie Downloads nervtötender Klingeltöne und anderem Kram verbraten können *schauder*

Freilich ist das mein persönliches Empfinden, ich bin von Weihnachten eher genervt und bin immens glücklich daß in meiner Familie nicht viel Brimborium drumrum gemacht wird.

Ich bin wenn dann auch eher empfänglich für die Stimmung die die Natur in dieser Zeit mit sich bringt, ganz ohne elektrische Blinkegirlanden in den Fenstern und nervtötenden Kinderchören die Weihnachtslieder krähen. Und ich merke ich bin sogar noch lieber ganz alleine um diese Jahreszeit, am liebsten irgendwo auf nem Berg wo keine Sau hinkommt *g*
Entsprechend ist DAS Weihnachtslied schlechthin für mich das bereits von Schatten genannte „Stille der Nacht“ von ASP, das hat genau die richtige Stimmung die ich durchaus angenehm finde. Ansonsten mag ich von ASP aber eigentlich nur sehr vereinzelte Musikstücke, das ist eindeutig mein absoluter Favorit.

Ausserdem fiel mir auf daß ich das Album „Silmand“ von sToa extrem oft auf Dauerschleife hatte die letzten Tage – hier mal ein paar Hörproben:

http://www.youtube.com/watch?v=47KQCB2wYfs

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Manchmal brauchts aber auch ein bissl Abstand und Gegenwind in Form von was Brachialerem Industriellen – Haus Arafna darfs dann auch mal sein ;)

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