Formel Goth: Halloween mit einer Prise Gewalt und einem Hauch Ochsenknecht

Neulich musste ich zu meiner Entzückung feststellen, dass entlang der Autobahnen das Streamen von Musik möglich geworden ist. Vielleicht will man so über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es links und rechts neben den Verkehrsadern unseres Landes wahrlich große Lücken gibt. Die drei ??? begleiteten meine Fahrt mit ihren beiden jüngsten Folgen „Der weiße Leopard“ und „Der Jadekönig“. Ich hatte ja zuerst Angst, ich würde am Steuer einschlafen, aber ein anderer, interessanter Effekt stellte sich ein. Ich war entspannter und die hanebüchene Verkehrssituation auf meiner Route machten mir nicht mehr so viel aus. Solltet ihr mal probieren, wenn ihr länger unterwegs seid. Ihr könnt allerdings auch frische Musik genießen, wenn ihr möchtet:

Faun – Halloween

Faun widmen sich in ihrer neusten Veröffentlichung aus dem im April 2022 erscheinenden Album „Pagan“ dem kommenden „Feiertag“ Halloween. Vermutlich möchte man damit einem breiteren Anspruch gerecht werden, als es etwa der auf Deutsch gesungene Feiertag „Walpurgisnacht“ (2015) gewesen ist. Die auf Englisch gesungene Hommage an Halloween öffnet eine poppig-mittelalterliche Tür in die Welt der Mythologie, die möglicherweise dem aktuellen Trend in der Mittelaltermusik, mit massentauglicheren Sounds und international verständlichem Text mehr Menschen zu begeistern, entgegen kommt. Insgesamt hat Faun einen interessanten Werdegang hingelegt und so ziemlich alles ausprobiert, was sich mit ihrer Musik vereinbaren ließ. Das kann man gut oder schlecht finden. Respekt haben sie sich auf jeden Fall verdient.

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Traitrs – Ghost And The Storm

Auch die Traitrs wollen im November ihr neues Album „Horses At The Abattoir“ (Pferde im Schlachthof) vorstellen und koppeln, wie es sich gehört, eine Single aus. „Ghost And The Storm“ nennt sich der Song, der laut Shawn Tucker genau das sein soll, „Ein vergessener Geist aus unserer Vergangenheit. Als wir den Song schrieben, war er seiner Zeit voraus und wir wussten nicht, was wir damit anfangen sollten und so blieb er mehrere Jahre ohne Namen. […] Das Lied handelt davon, falsche Überzeugungen zu haben, blinden und leeren Glauben zu haben, dein ganzes Leben zu glauben, dass du, wenn du stirbst, woanders hingehen wirst, aber die Realität ist, dass du einfach ins Nichts zurückkehrst, nirgendwo.“

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Gewalt – Es funktioniert

Am 05. November 2021 erscheint das Debütalbum der Berliner Band „Gewalt“ mit dem vielversprechenden Namen „Paradies“, der jedoch nur bedingt Gültigkeit haben dürfte. Die Single-Auskopplung „Es funktioniert“ erinnert an die Werke von Fehlfarben aus den frühen 80er, ist tanzbar und aggressiv und handelt, wie viele Stücke der Gruppe, von „Selbstzerstörung, Rausch, gesellschaftlichem und individuellem Untergang.“ So jedenfalls schreibt es der Musikexpress. Das Video unterstreicht den dystopischen Tenor des Songs und dürfte wohl am ehesten als Deutungsgrundlage dienen, denn während eine sportliche Frau Hanteln stemmt, raucht ein Ochsenknecht-Sprößling Zigarette und starrt ins Leere. Am Ende wirds dann noch etwas blutig – nur ein Hinweis für die zarten Gemüter. Der Song klingt allerdings spannend, auch wenn das textliche und visuelle Drum-Herum für meinen Geschmack etwas zu dick aufträgt. Aber das bleibt Interpretationssache :)

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Tears For Fears – The Tipping Point

Hoppla, wer kriecht denn da aus der Gruft? Nach über 17 Jahren Funkstille kündigen Tears For Fears ein neues Album mit dem Namen „The Tipping Point“ an. Als ersten Vorgeschmack gibt es gleich in Video präsentiert, wo mir gleich ein zweites mal ein „Hoppla“ entrinnt. Curt Smith und Roland Orzabal, die beide gerade die 60 überschritten haben, wirken genauso alt, wie ich sie mir vorgestellt habe. Der Song dümpelt allerdings so dahin und dürfte wohl eher als gefälliger Pop-Song einzuordnen sein. Aber was hatte ich auch erwartet? Weder die stimmliche Markanz noch die von Synth-Wellen transportierte Energie sind für mich vorhanden und verleiten mich zum hemmungslosen Vorspulen. Sorry.

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Ritual Wave – Ritual

Unbewusstes Wippen der Beine erzeugte dieser Song von Ritual Wave, dem Kanadisch-Amerikanischen Duo. Die Band steht stellvertretend für Musiker, die sich nicht in verrauchten Punk-Clubs über den Weg laufen, sondern die sich online in einem Musik-Kollektiv kennengelernt haben. Elektronische Musik macht es möglich. Für die beiden Musiker ist das die erste gemeinsame Veröffentlichung, die mir persönlich gut gefällt, auch wenn das Video ein wenig dünn daherkommt.

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Manu
Manu (@manu)
Vor 30 Tagen

Vielen Dank für die vielfältige Auswahl.

Ich bin ja nicht mehr der Mittelalter-Fan. Was jedoch Faun angeht, bin ich sehr begeistert, was die so auf die Beine stellen. Als Künstler das Vereinbare mit der eigenen Idee auszuloten und dabei eine gute Figur zu machen, ist die Kunst. Danke Faun.

Das Video von Gewalt finde ich im Gesamten auch etwas zu dick, auch das Musikalische kommt bei mir nicht an. Tut mir leid.

Tears for Fears habe ich bei jeder 80er Party mit „Shout“ gerne dabei, aber auch hier Zustimmung, Neues brauche ich davon nicht.

Bei Traitrs und Ritual Wave schaue ich gerne mal weiter was da noch so ist und kommt.

Graphiel
Graphiel (@guest_60530)
Vor 29 Tagen

Auch von mir mal ein Dankeschön für die Auswahl :)

Faun – … naja, wer es mag: Bitte schön. Damals, als ich noch viel Mittelaltermusik hörte, hätte mir der Song vielleicht sogar selbst gefallen können. Heute plätschert er für mich eher belanglos vor sich hin.

Traitrs – Die Band hat bei mir ohnehin einen Stein im Brett. Von daher will ich gar nicht lange um den heißen Brei reden: Traitrs ist mein persönlicher Sieger bei dieser Auswahl :D

Gewalt – Tut mir leid, aber damit werde ich noch weniger warm, als mit Faun. Mir gehen diese Wechsel (bei 2:20 und 2:55 – gehört das so? ) einfach nur unheimlich auf den Zeiger. Das hat mir den grundsätzlich tollen Aufbau zu Beginn des Songs komplett versaut.

Tears for Fears – Ähm… ach ne, lieber nicht. Viel zu poppig für meinen Geschmack. In dem Fall gebe ich mir dann doch lieber die drölfzigste Wiederholung von Shout.

Ritual Wave – Kannte ich bisher noch gar nicht, holt mich aber durchaus ab. Für mich die Silbermedaille in dieser Ausgabe.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus (@caroele74)
Antwort an  Graphiel
Vor 29 Tagen

Deine Bewertung und Beschreibung der Songs stimmt mit meinen eigenen Eindrücken 100%ig überein, das ist schon fast unheimlich. Auch mich kann man mit Mittelalterkram inzwischen mehr jagen als ködern. Traitrs sind klasse und Ritual Wave auch (leider gibt es von letzteren offensichtlich noch nicht mehr?). Tears for Fears sind langweilig-poppig und Gewalt sind dann insgesamt gar nicht meins.

Gruftwurm
Gruftwurm (@christian)
Vor 28 Tagen

Habt Dank für die interessanten Neuigkeiten!

Traitrs – Die Musik von Traitrs gehört seit einiger Zeit auch zu meinen Favoriten und ich bin auf das neue Werk gespannt. Bis jetzt wurde mein persönlicher Geschmack nicht enttäuscht.
Das gleiche würde ich fast auch über Ritual Wave sagen…

Tears for Fears – Als ich die beiden älteren Herren in dem Video sah, musste ich doch etwas schmunzeln. Es ist nicht böse gemeint, aber muss das tatsächlich noch sein..?! Also was den Song und das musikalische betrifft, hat es fast gar nichts mehr mit ihren früheren Werken zu tun.
Also – Nein Danke.

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