12 August

Mera Luna 2009 - Tag 3, Sonntag der letzte

Kategorie: Schwarze Szene — Jahrgang: 20096 Kommentare

Banner-MeraLuna-2009Sonntag, 09.08.2009, 10:00

Die letzte Nacht war eindeutig besser. Menschliche Tragödien oder gar ausgelassenes Feiern sind an mir vorbei gegangen. Ein Tag in der Sonne, vor der Bühne und unterwegs ist sehr anstrengend. Wir haben uns um keine Ahnung wieviel Uhr ins Zelt gelegt und sind Knall auf Fall eingeschlafen, obwohl wir eigentlich noch was anderes machen wollten. Das schlüpfen in den Schlafsack habe ich wohl nicht so richtig hinbekommen, denn irgendwie lag dieser als Decke auf mir und ich nicht in ihm. Wie dem auch sei. Der obligatorische Kaffee vom Gaskocher blubbert schon und auch unsere Zeltnachbarn Edith & Lars kriechen so langsam aus der Koje.

Mera Luna 2009 Edith aus WienDer Mor­gen­talk offen­bart end­lich einige Zusam­men­hänge, so erfahre ich das Edith begeis­terte Fan Fic­tion Schrei­be­rin ist und gerne Geschichte dort wei­ter­schreibt, wo sie ursprüng­lich ein­mal ende­ten. Lars hat sogar einen eige­nen Blog und ist auch so sehr mul­ti­me­dial ver­an­lagt. Ob die gefühlte, gemein­same Wel­len­länge am bib­li­schen Alter liegt? Ich konnte immer schon gut mit älte­ren Männern.

12:45

Mera Luna 2009 ZeromancerWave-Rock könnte man wohl sagen, denn seit 1999 mischen die sympathischen Norweger von Zeromancer ihre eigenen Sounds. Das Bandlogo erinnert mich unfreiwillig an eine deutsche Automarke, vielleicht das erste Auto der Schlagzeugers? Die klanglichen Nähe zum Industrial klingt frisch, wenn auch nicht immer gelungen. Die Melodien sind dafür sehr eingängig und markant. Das Cover des Depeche Mode Frühwerks Photographic (YouTube) ist dafür sehr gelungen und verhilft der Band zum einem Anerkennunsschub durch das Publikum, das sich sichtlich begeistert zeigt und Zeromancer gebührend feiert. Die überraschten Musiker zeigen sich dankbar und sind sichtlich angetan von der Publikumsreaktion und das um diese ungruftige Zeit.

13:00

Mera Luna 2009 Himmel am SonntagObwohl es warm und son­nig erscheint, taucht der struk­tur­lose und die­sige Him­mel das Fes­ti­val­ge­lände in eine bizarre Stim­mung. Wenn der Him­mel einen Kater hätte, so würde er wohl aus­se­hen. Wenn das so bleibt, ist das wohl das ideale Fes­ti­val­wet­ter, nicht zu heiß und nicht zu kalt und inner­halb der Kauf­meile fängt man nicht gleich an zu schwit­zen wenn man was anpro­biert. Mir ist auf­ge­fal­len, das ich kaum bei der Han­gar Bühne gewe­sen bin, liegt sicher­lich an der musi­ka­li­schen Aus­wahl obwohl ich einige Per­len wie Welle:Erdball doch gerne Live gese­hen hätte, aber man kann eben nicht alles haben und muss sich eben ent­schei­den. Dafür habe ich mir eine neue Hose, einen Rock und eine Tasche gekauft — KONSUM! Inter­es­sant, das es trotz des fast iden­ti­schen Ange­bo­tes man­cher Läden zu Preis­un­ter­schie­den kommt, das hätte ich jetzt so nicht erwartet.

13:50

Mera Luna 2009 Schelmish"Wir sind noch ein wenig ver­schla­fen, die Nacht war kurz.», so Sän­ger Rims­bold von Tief­en­tann. Das liegt wohl daran, daß Schel­mish am Abend vor­her noch in Mön­chen­glad­bach ein Kon­zert gege­ben haben und die Anfahrt dann doch etwa 3:30 in Anspruch nimmt. Als Kon­trast zum Mit­tel­alt­er­fest am Abend vor­her tre­ten Schel­mish jetzt aber in Rock­be­set­zung auf und spie­len eher Metal las­ti­gen und mit Mit­tel­al­ter­ele­men­ten vesetz­ten Sound. Dem Publi­kum gefällt es, mir lei­der nicht so. Es wirkt auch mich wie ein biss­chen zuwe­nig vom einen zu Las­ten des ande­ren, ein schma­ler Grat eben. Doch der deut­li­che Schritt Rich­tung Rock gefällt mir nicht, ein wenig mehr Mit­tel­al­ter dürfte es ruhig sein, ein biss­chen ent­täuscht bin ich jetzt schon.

16:15

Mera Luna 2009 CrüxshadowsDie Geister streiten sich noch um die Einordnung der Crüxshadows in ein Genre, Future Pop, Elektro, Wave  oder was? Wie auch immer, mit ihrem was auch immer begeistern sie auch mich noch immer. Der charismatische Frontmann Rogue, der für seine Publikumsnähe bekannt ist, legt auch gleich los und stimmt ein Best of an, denn bis auf die neue Single Immortal (YouTube) lassen die Amerikaner nichts mehr von sich hören. Mit ihren Klassikern Deception oder auch Birthday gewinnen sie die meisten Besucher für sich. Mit Winterborn setzen sie sich den I-Punkt oder das Ausrufezeichen, wie auch immer. Lediglich das Stück Marylin my Bitterness wird von vielen, auch von mir, vermisst, den Sänger bekommen die meisten auch kaum zu sehen, denn die meiste Zeit verbringt er in den Kulissen der Bühne oder im Publikum und mutiert damit zum Albtraum jedes Technikers.

18:00

Gehören die Schweden von Tiamat neben Paradise Lost zu den Begründern des Gothic Metal? Ich weiß nicht so recht, die Beschreibung aus dem Programmheft des Festival schmeckt mir nicht so sehr. Jedenfalls klingt ihre musikalische Darbietung solide, metallisch melodisch und einfach gelungen nach Norsk-Metal, so nenne ich das Genre jetzt einfach mal. Die Stimme des Sängers ist schön dunkel und schmeckt wie Altbier, manchmal erfrischend herb und manchmal überraschend bitter. Auf jeden Fall ein schöner und sehr gruftrockiger Auftritt, nur ist mir gerade nicht dannach.

20:20

Mera Luna 2009 Subway to SallyWas für ein Feu­er­werk! Die Recken und Mägde rund um Front­mann Eric Fish von der Band Sub­way to Sally habe eine ein­drucks­volle, sehr flam­mende Show gelie­fert. Die Fähig­keit geschickt mit dem Publi­kum umzu­ge­hen, es zu begeis­tern und in den Auf­tritt zu inte­grie­ren ist wohl einer der her­aus­ste­chens­ten Stär­ken der Band. Von ihrem zehn­ten Album Kreuz­feuer gibt es einige neue Lie­der zu hören, die immer wie­der von Klas­si­kern »unter­bro­chen« wer­den und damit eine aus­ge­feilte Set­list prä­sen­tie­ren. Das Lied Eis­blu­men (YouTube) wid­met der Sän­ger dem Mera Luna Publi­kum, die auch begeis­tert mit­sin­gen und damit auch die Band begeis­tern. Mir per­sön­lich fehlt zwar das Lied Kleid aus Rosen (YouTube) aber was soll’s. Das man Sub­way to Sally nicht ohne die Per­for­mance ihres Stü­ckes Julia und die Räu­ber (YouTube) gehen las­sen würde ist klar, so ersingt sich das Publi­kum diese Zugabe und über­nimmt das Sin­gen zum größ­ten Teil selbst. Selbst The Pro­digy las­sen sich am Büh­nen­rand bli­cken und ver­fol­gen die tolle Show.

22:30

Mera Luna 2009 ProdigyIch bin erschlagen. Obwohl ich mich als The Prodigy Fan der ersten Stunde geoutet habe, ist es mir bis jetzt verwehrt geblieben, die Engländer live zu sehen. So richtig gruftig ist die Musik ja nicht und trotzdem deshalb finde ich diesen Querverweis innerhalb des Mera Luna so gelungen. Der Auftritt verspätet sich zwar wegen technischer Schwierigkeiten geringfügig, dafür blasen sie das Publikum dann mit Musik und Licht in Grund und Boden. Die Mischung aus neuen Hits wie Omen und Take me to the Hospital und den alten Brüllern wie Voodoo People und Out of Space verhelfen dem Publikum zu extatischen Zuständen. Zunächst bin ich vewirrt vom Schlagzeuger und dem Gitarristen, die gehören wohl zum Live-Set dazu passen aber nicht wirklich in das Bild was ich von The Prodigy habe.

Mera Luna 2009 Prodigy Keith FlintDer Gitar­rist hat aber wohl arge Pro­bleme mit sei­nem Instru­ment und schleu­dert dies auch schon mal Back­stage, oder schmeisst einen Teil des Schlag­zeu­ges um. Musik ist eben emo­tio­nal, dafür fällt sein Feh­len aber gar nicht wei­ter ins Gewicht. Jedes zweite Wort ist übri­gens Fuck oder auch Fucking, gehört wohl zum Image, dafür kön­nen die bei­den Tanz und Sin­g­ha­sen Keith Flint und Maxim das Publi­kum immer wei­ter begeis­tern. Für den ein oder ande­ren ein Stil­bruch mit den Tra­di­tio­nen des Mera Luna. Für mich end­lich eine gelun­gene Erwei­te­rung des musi­ka­li­schen Spek­trums, die der elek­tro­ni­schen Musik zu etwas mehr Anspruch ver­hilft und sich ange­nehm von der Möch­te­gern Indus­trial und Power Noise Soße abhebt.

23:35

Schade, das soll es also schon gewe­sen sein. Wäh­rend die Mains­tage schon abge­baut wird, ver­sam­meln sich viele schwarze auf dem Roll­feld zu einem spon­ta­nen Hap­pe­ning indem sie auf mit­ge­brachte Gegen­stände klop­pen, die Secu­rity möchte die Ver­samm­lung zwar auf­lö­sen, schei­tert aber an der Menge der Men­schen. Ist das ein Ruf nach mehr? Ich finde es jeden­falls schade, das jetzt schon alles vor­bei sein soll, trolle mich noch ein wenig herum und sitze jetzt vor dem Zelt, kurz bevor ich in den Schlaf­sack krie­chen werde.

Mein Mera Luna Tagebuch:

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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6 Kommentare

  1. Das hört sich ja alles sehr schön und nach Spaß an. Schöne BErichte wenn man nicht selbst dabei war. Und du hast mich an was erin­nert wor­über ich noch blog­gen wollte. Merci

  2. Da bin ich ja mal gespannt, woran ich Dich erin­nert habe. Ich bei­spiels­weise erin­nere mich gerade daran, daß ich noch ein­kau­fen muss :)

  3. Hach Tiamat hätt ich ja gern mal gese­hen. Da hätt ich gern mit dir getauscht

  4. Ja, so Fes­ti­vals gehen irgend­wei immer zu schnell vor­bei. Schö­ner Bericht, da wiegt es nicht so schwer, dass man nicht auch da war. Tiamat bei Tages­licht, dass kann ja nicht gut gehen *g*

    LG

  5. Die­ser Tiamat scheint ja ein Blog­ge­rin­nen­schwarm zu sein, auch wenn es dafür offen­bar dun­kel sein muss :)

  6. Supi, ich hab’s ver­ges­sen woran du mich erin­nert hast. Mist aber auch =(

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