Mera Luna 2009 – Tag 2, Samstag der Erste

Samstag 08.09.2009, 09:00 – Was für eine Nacht zwischen menschlichen Tragödien und ausgelassenem feiern, immer wieder bin ich aufgewacht, aber sei es drum, schließlich ist das ja auch ein Festival und kein Kindergeburtstag. Gegen 02:00 liegt wohl irgendwo zwischen den Zelten ein Engländer auf dem Boden, denn seine Freundin unterhält sich lautstark mit den Sanitäter vom Rettungsdienst. „Wo bringen sie ihn hin?“ – „Was ist mit ihm?“ – „Wo werde ich ihn finden?„. Sie weint, sie ist verzweifelt, das muss Liebe sein. Gegen 3:20 werde ich wieder wach, direkt neben unserem Zelt liegt wohl ein Deutscher Besucher. Seine Freundin und ein Bekannter haben ihn wohl hier gefunden, nachdem sie ihn gesucht hatten. „Er ist ganz kalt“ diagnostiziert der Bekannte, „Ist er tot?“ fragt seine deutlich alkoholisierte Freundin teilnahmslos, „Nein, er atmet noch.“ entgegnet der Bekannte. „Na komm, lass ihn uns wecken, ich will ins Bett…Deutsche lieben eben anders.

Mera Luna 2009 Samstag MorgenDer morgendliche Kaffee vom Gaskocher ist mir wirklich gelungen, obwohl ich meinen geliebten Messlöffel nicht dabei habe ohne den normalerweise gar nichts läuft. Unsere Zeltnachbarn, die wir bei dieser Gelegenheit kennen lernen, wirken auf den ersten Blick sehr ungleich. Edith (19) aus Wien und ihr Begleiter Lars (39) aus Neumünster klingt erstmal komisch, über die genauen Zusammenhänge muss ich mir wohl erst noch klar werden. Zeit sich anzuziehen und das Festival zu entern, den auf No more, den Eröffnungsact bin ich sehr gespannt.

11:25

Bei dem Eröffnungsact No more aus Kiel handelt es sich um die Original, die einst mit Suicide Commando eine der Szene Hymnen schufen. Nach 22 Jahren sind sie nun wieder zusammen und mach Musik und das gar nicht mal schlecht. Das zu dieser frühen Morgenstunde anwesende Publikum (meist älteren Baujahres) ist begeistert tanzt auch gleich zum krönenenden Abschluss der kurzen Performance auf die eben angesprochene Hymne. Nachtrag: Alle weiteren Informationen finden sich auch auf der MySpace Seite der Band.

Mera Luna 2009 No More

12:00

Habe ich noch nie gehört, kenne ich nicht. So die vielfältige Meinung über die Band Whispers in the Shadow die um 11:40 die Bühne entert. Der Gitarrenlastige Goth Rock mit seinen düster schweren Synthieteppichen klingt schön wavig. Der Gesang passt, das Stück Damned Nation finde ich sehr eingehend und gelungen. Auch die anderen gespielten Stücke präsentieren die Bandbreite der Band sehr gut, von Psychedelisch Nebligen Basseinlagen bis zu furiosen Drumsoli ist alles dabei, gefällt mir echt gut. Nachtrag: Wer mal was höre möchte, empfehle ich den Channel bei Youtube, da gibt es einige Liveaufnahmen vom WGT.

15:10

Metal, Mittelalter und Melodie? Die Apokalyptischen Reiter mischen die Genre auf gekonnte Art und Weise, harter schneller Metal wechselt sich auch gelegentlich mit ruhigen und Melodie-Orientierten Passagen ab. Die Bühnen Show ist eindrucksvoll und entspricht so ganz meinem Verständnis einer anständigen etwas anrüchigen aber sehr gelungenen Live-Performance. Die Sonne brennte gnadenlos vom Himmel, gefühlte 35 Grad brennen mit auf den Pelz, glücklicherweise verschafft ein leichter und kühler Wind vorübergehend Linderung. Da ich Oomph! nicht mag, gehen wir mal auf die Shopping-Meile und streuen ein wenige Kohle in die leeren Kassen der Händler, vielleicht bekomme ich ja meine Hose die schon eine Weile ins Auge gefasst habe.

17:15

Spielfreudig und gut gelaunt entern die Künstler vom Birthday Massacre die Bühne und unterhalten das Publikum mit ihrer Mischung aus Synthieklängen und hartem Rock. Diese gesunde Mischung bescherte den Recken um Frontfrau Chibi schon einige Erfolge. Das rockige Stück Red Star wird vom Publikum begeistert angenommen. Anders als bei den Apokalyptischen Reitern wissen die Engländer aber nicht so rcht mit dem Mera-Luna Publikum umzugehen. Extatisches klatschen, mitsingen oder springen will hier nicht aufkommen mangels Motivation durch die Künstler selbst? Dafür entdecke ich direkt vor mir eine Tätowierung. Wow, nichts besonderes denn hier ist nahezu jeder Besucher tätowiert, aber diese finde ich besonders schön. Ein Lob habe ich der jungen Dame selbstverständlich auch ausgesprochen.

19:30

Mera Luna 2009 TätowierungWir haben uns gerade einen kleinen Happen gegönnt und uns über die hohen Essenspreise auf dem Festivalgelänge selbst ausgelassen, auch die Getränkepreise sind nicht von schlechten Eltern. 2,80 € für einen Becher Apfelschorle und 6€ für eine Portion der chinesischen Pfanne laden geradezu ein, außerhalb essen zu gehen. So stehen die von Becks verkauften Dosen (0,5l für 1€), die vor dem Eingang verkauft werden, in einem starken Kontrast. Aber gut, wir haben genug dabei um eine kleine Fussballmannschaft versorgen zu können und planen schon jetzt für das Abendbrot nach dem eigentlichen Konzertteil ganz romantisch und beleuchtet vom blauen Schein des Gaskochers. Jetzt gucken wir aber erstmal Peter Heppner & Band. Der gewohnt gefühlvolle Peter Heppner lässt wie immer seine Musik für sich sprechen. Keine Show, keine Feuereffekte, keine Tänzer und das ist auch gut so. Seine Mischung aus neuen Hits und alten Wolfsheim Klassikern begeistert nicht nur mich, sondern auch das Publikum vor der Bühne. Seine Band variiert die alten Klassiker zu neuen Arrangements und gibt ihnen damit einen neuen Geschmack.  Mein persönlicher Höhepunkt ist und bleibt das Stück Sparrows & Nightinggales am Ende seines Auftrittes.

21:00

Die Herren von Apocalyptica sind mir ein Begriff, Live hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen. Jetzt habe ich erstmal ihre Show auf mich einwirken lassen, die wirklich sehr beachtlich fand. Neben einige Covern von Metallica Stücken spielte Apocalyptica auch eigene Stücke und konnten mich begeistern, jedenfalls Live und zum abrocken. Denn so ganz ohne Gesang ist es schon schwer genug etwas zu transportieren was über die Musik hinaus geht. Trotzdem habe die Finnen das ganze sehr kraftvoll, eindrucksvoll und fesselnd zugleich gemeistert. Die gesangliche Unterstützung durch einen mir unbekannten Sänger war gut, aber steht im Schatten der vielen Kooperationen mit bekanteren Künstlern.

23:15

Im offiziellen Programmheft des Festivals Mera Luna 2009 Apokalypticaheißt es: „Nach der Trennung von Sängerin Tarja Turunen im Jahr 2005 prohezeite so mancher Kritiker das Ende von Nightwish.“ Ich finde, sie haben Recht behalten, denn das neue Ensemble kann die Erwartungen nicht erfüllen. Als Headliner für den Samstag lieferte die Technik zwar eine beeindruckende Bühnenperformance, aber die Songs und der Gesang bleibt weit hinter dem Original zurück, schade. Nightwish ist im Verhältnis von Ankündigung und Darbietung meine größte Enttäuschung für diesen Sonnigen Samstag.

Wir verlassen das Festivalgelände frühzeitig und widmen uns unserem Gaskocher und dem verdienten Abendbrot. Bei Linsensuppe und Fladenbrot in diffusen Schein der Scheinwerfer und dem Wummern der Musikanlage des Festivals kommt eine ganz interessante und neue Stimmung auf. Mittendrin statt nur dabei. Dunkelheit und Nahrungsaufnahme birgt aber auch ganz andere Gefahren. Durch die fehlende Visualisation durch aufsteigenden Dampf habe ich die Temperatur der Suppe deutlich unterschätzt und mir sowas von die Fresse verbrannt, dass ich gleich den gesamten Vor-Ort-Vorrat an Eistee konsumiert habe. Der Nachtsparziergang zum Auto, um die Vorräte wieder aufzufüllen war dafür wieder romantisch.

Mein Mera Luna Tagebuch:

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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