Rückblick: Mera Luna 2009 – Tag 3, Sonntag der letzte

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Die letzte Nacht war eindeutig besser. Menschliche Tragödien oder gar ausgelassenes Feiern sind an mir vorbei gegangen. Ein Tag in der Sonne, vor der Bühne und unterwegs ist sehr anstrengend. Wir haben uns um keine Ahnung wieviel Uhr ins Zelt gelegt und sind Knall auf Fall eingeschlafen, obwohl wir eigentlich noch was anderes machen wollten. Das schlüpfen in den Schlafsack habe ich wohl nicht so richtig hinbekommen, denn irgendwie lag dieser als Decke auf mir und ich nicht in ihm. Wie dem auch sei. Der obligatorische Kaffee vom Gaskocher blubbert schon und auch unsere Zeltnachbarn Edith & Lars kriechen so langsam aus der Koje.

Der Morgentalk offenbart endlich einige Zusammenhänge, so erfahre ich das Edith begeisterte Fan Fiction Schreiberin ist und gerne Geschichte dort weiterschreibt, wo sie ursprünglich einmal endeten. Lars hat sogar einen eigenen Blog und ist auch so sehr multimedial veranlagt. Ob die gefühlte, gemeinsame Wellenlänge am biblischen Alter liegt? Ich konnte immer schon gut mit älteren Männern.

12:45

Mera Luna 2009 ZeromancerWave-Rock könnte man wohl sagen, denn seit 1999 mischen die sympathischen Norweger von Zeromancer ihre eigenen Sounds. Das Bandlogo erinnert mich unfreiwillig an eine deutsche Automarke, vielleicht das erste Auto der Schlagzeugers? Die klanglichen Nähe zum Industrial klingt frisch, wenn auch nicht immer gelungen. Die Melodien sind dafür sehr eingängig und markant. Das Cover des Depeche Mode Frühwerks Photographic (YouTube) ist dafür sehr gelungen und verhilft der Band zum einem Anerkennunsschub durch das Publikum, das sich sichtlich begeistert zeigt und Zeromancer gebührend feiert. Die überraschten Musiker zeigen sich dankbar und sind sichtlich angetan von der Publikumsreaktion und das um diese ungruftige Zeit.

13:00

Mera Luna 2009 Himmel am SonntagObwohl es warm und sonnig erscheint, taucht der strukturlose und diesige Himmel das Festivalgelände in eine bizarre Stimmung. Wenn der Himmel einen Kater hätte, so würde er wohl aussehen. Wenn das so bleibt, ist das wohl das ideale Festivalwetter, nicht zu heiß und nicht zu kalt und innerhalb der Kaufmeile fängt man nicht gleich an zu schwitzen wenn man was anprobiert. Mir ist aufgefallen, das ich kaum bei der Hangar Bühne gewesen bin, liegt sicherlich an der musikalischen Auswahl obwohl ich einige Perlen wie Welle:Erdball doch gerne Live gesehen hätte, aber man kann eben nicht alles haben und muss sich eben entscheiden. Dafür habe ich mir eine neue Hose, einen Rock und eine Tasche gekauft – KONSUM! Interessant, das es trotz des fast identischen Angebotes mancher Läden zu Preisunterschieden kommt, das hätte ich jetzt so nicht erwartet.

13:50

Mera Luna 2009 SchelmishWir sind noch ein wenig verschlafen, die Nacht war kurz.“, so Sänger Rimsbold von Tiefentann. Das liegt wohl daran, daß Schelmish am Abend vorher noch in Mönchengladbach ein Konzert gegeben haben und die Anfahrt dann doch etwa 3:30 in Anspruch nimmt. Als Kontrast zum Mittelalterfest am Abend vorher treten Schelmish jetzt aber in Rockbesetzung auf und spielen eher Metal lastigen und mit Mittelalterelementen vesetzten Sound. Dem Publikum gefällt es, mir leider nicht so. Es wirkt auch mich wie ein bisschen zuwenig vom einen zu Lasten des anderen, ein schmaler Grat eben. Doch der deutliche Schritt Richtung Rock gefällt mir nicht, ein wenig mehr Mittelalter dürfte es ruhig sein, ein bisschen enttäuscht bin ich jetzt schon.

16:15

Mera Luna 2009 CrüxshadowsDie Geister streiten sich noch um die Einordnung der Crüxshadows in ein Genre, Future Pop, Elektro, Wave  oder was? Wie auch immer, mit ihrem was auch immer begeistern sie auch mich noch immer. Der charismatische Frontmann Rogue, der für seine Publikumsnähe bekannt ist, legt auch gleich los und stimmt ein Best of an, denn bis auf die neue Single Immortal (YouTube) lassen die Amerikaner nichts mehr von sich hören. Mit ihren Klassikern Deception oder auch Birthday gewinnen sie die meisten Besucher für sich. Mit Winterborn setzen sie sich den I-Punkt oder das Ausrufezeichen, wie auch immer. Lediglich das Stück Marylin my Bitterness wird von vielen, auch von mir, vermisst, den Sänger bekommen die meisten auch kaum zu sehen, denn die meiste Zeit verbringt er in den Kulissen der Bühne oder im Publikum und mutiert damit zum Albtraum jedes Technikers.

18:00

Gehören die Schweden von Tiamat neben Paradise Lost zu den Begründern des Gothic Metal? Ich weiß nicht so recht, die Beschreibung aus dem Programmheft des Festival schmeckt mir nicht so sehr. Jedenfalls klingt ihre musikalische Darbietung solide, metallisch melodisch und einfach gelungen nach Norsk-Metal, so nenne ich das Genre jetzt einfach mal. Die Stimme des Sängers ist schön dunkel und schmeckt wie Altbier, manchmal erfrischend herb und manchmal überraschend bitter. Auf jeden Fall ein schöner und sehr gruftrockiger Auftritt, nur ist mir gerade nicht dannach.

20:20

Mera Luna 2009 Subway to SallyWas für ein Feuerwerk! Die Recken und Mägde rund um Frontmann Eric Fish von der Band Subway to Sally habe eine eindrucksvolle, sehr flammende Show geliefert. Die Fähigkeit geschickt mit dem Publikum umzugehen, es zu begeistern und in den Auftritt zu integrieren ist wohl einer der herausstechensten Stärken der Band. Von ihrem zehnten Album Kreuzfeuer gibt es einige neue Lieder zu hören, die immer wieder von Klassikern “unterbrochen” werden und damit eine ausgefeilte Setlist präsentieren. Das Lied Eisblumen (YouTube) widmet der Sänger dem Mera Luna Publikum, die auch begeistert mitsingen und damit auch die Band begeistern. Mir persönlich fehlt zwar das Lied Kleid aus Rosen (YouTube) aber was soll’s. Das man Subway to Sally nicht ohne die Performance ihres Stückes Julia und die Räuber (YouTube) gehen lassen würde ist klar, so ersingt sich das Publikum diese Zugabe und übernimmt das Singen zum größten Teil selbst. Selbst The Prodigy lassen sich am Bühnenrand blicken und verfolgen die tolle Show.

22:30

Ich bin erschlagen. Obwohl ich mich als The Prodigy Fan der ersten Stunde geoutet habe, ist es mir bis jetzt verwehrt geblieben, die Engländer live zu sehen. So richtig gruftig ist die Musik ja nicht und trotzdem deshalb finde ich diesen Querverweis innerhalb des Mera Luna so gelungen. Der Auftritt verspätet sich zwar wegen technischer Schwierigkeiten geringfügig, dafür blasen sie das Publikum dann mit Musik und Licht in Grund und Boden. Die Mischung aus neuen Hits wie Omen und Take me to the Hospital und den alten Brüllern wie Voodoo People und Out of Space verhelfen dem Publikum zu extatischen Zuständen. Zunächst bin ich vewirrt vom Schlagzeuger und dem Gitarristen, die gehören wohl zum Live-Set dazu passen aber nicht wirklich in das Bild was ich von The Prodigy habe.

Mera Luna 2009 ProdigyDer Gitarrist hat aber wohl arge Probleme mit seinem Instrument und schleudert dies auch schon mal Backstage, oder schmeisst einen Teil des Schlagzeuges um. Musik ist eben emotional, dafür fällt sein Fehlen aber gar nicht weiter ins Gewicht. Jedes zweite Wort ist übrigens Fuck oder auch Fucking, gehört wohl zum Image, dafür können die beiden Tanz und Singhasen Keith Flint und Maxim das Publikum immer weiter begeistern. Für den ein oder anderen ein Stilbruch mit den Traditionen des Mera Luna. Für mich endlich eine gelungene Erweiterung des musikalischen Spektrums, die der elektronischen Musik zu etwas mehr Anspruch verhilft und sich angenehm von der Möchtegern Industrial und Power Noise Soße abhebt.

23:35

Schade, das soll es also schon gewesen sein. Während die Mainstage schon abgebaut wird, versammeln sich viele schwarze auf dem Rollfeld zu einem spontanen Happening indem sie auf mitgebrachte Gegenstände kloppen, die Security möchte die Versammlung zwar auflösen, scheitert aber an der Menge der Menschen. Ist das ein Ruf nach mehr? Ich finde es jedenfalls schade, das jetzt schon alles vorbei sein soll, trolle mich noch ein wenig herum und sitze jetzt vor dem Zelt, kurz bevor ich in den Schlafsack kriechen werde.

Mein Mera Luna Tagebuch:

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Moonica
Gast
Moonica

Das hört sich ja alles sehr schön und nach Spaß an. Schöne BErichte wenn man nicht selbst dabei war. Und du hast mich an was erinnert worüber ich noch bloggen wollte. Merci

Ricarda
Gast
Ricarda

Hach Tiamat hätt ich ja gern mal gesehen. Da hätt ich gern mit dir getauscht

Atanua
Gast

Ja, so Festivals gehen irgendwei immer zu schnell vorbei. Schöner Bericht, da wiegt es nicht so schwer, dass man nicht auch da war. Tiamat bei Tageslicht, dass kann ja nicht gut gehen *g*

LG

Moonica
Gast
Moonica

Supi, ich hab’s vergessen woran du mich erinnert hast. Mist aber auch =(