23 Januar

Kunst am Schuh: Schnürsenkel einfädeln

Autor: Diskussion: 20 Kommentare
Martens mit roten Schnuersenkeln

Naunasse@flickr.com | CC – by sa

Manchmal wünschte ich eine Frau zu sein, natürlich nur wenn’s um Schuhe geht. Seid ihr schon mal als Mann in einem ordinären Schuhladen gewesen? Richtig, die Auswahl ist erschreckend lächerlich bis bedauernswert eintönig. Selbstverständlich muss ich einräumen, das Frauen im Durchschnitt auch wesentlich mehr Schuhe besitzen als der Mann. Das mag daran liegen das Schuhe immer passen und nicht den selben Größenschwankungen unterliegt wie die restliche Figurbetonte Garderobe, die mit leichten Gewichts- oder auch Stimmungsschwankungen an Attraktivität verliert, meint jedenfalls die Frau.

Der Gothic-Mann macht es sich leicht, in der Regel trägt er die üblichen Stiefel, die sich zwar von der dekorativen Seite her unterscheiden mögen, stilistisch aber nach dem gleichen Muster funktionieren.  Hier ist der klassische Doc Martens häufig bei den älteren schwarzen Anhänger (auch Ghouls genannt) zu finden, während die jüngeren eher Boots von Newrock (siehe Bild) an die Füße schnallen, aber hier will ich mich nicht festlegen.

Auch der Ranger von Knightsbridge, Boots & Braces, Bondage, Underground oder Shellys erfreut sich dauerhafter Beliebtheit, hier jedoch bei einem deutlich gemischteren Publikum zu beobachten und unterscheidet sich eigentlich nur durch die Anzahl der Löcher, die die Höhe des Stiefels bestimmen. 8-Loch, 10-Loch und 12-Loch sind die häufigsten Typen 14-Loch oder 20-Loch Varianten werden auch gerne von Frauen getragen.

Ich finde das persönlich etwas langweilig, deshalb habe ich versucht die Schuhe etwas zu individualisieren und das geht schon seit je her über die Schnürsenkel, insofern man nicht Stiefel mit Schnallen verwendet. Hier unterscheidet man zwischen der Art diese einzufädeln und der Wahl der Farbe, die gerade bei den Stiefel eine besondere Rolle zu spielen scheinen. Doch zunächst widmen wir uns der Schnürung, das Thema der Schnürsenkelfarben behandeln wir morgen ausführlicher.

Der Schuh von Ötzi

Bild 1: Zeichnung von Ötzi’s Schuhen

Schnürsenkel haben keine genaue Entstehungsgeschichte, schon dieser Ötzi, den man in einer natürlichen Tiefkühltruhe fand,  trug Schnürsenkel in seinen Lederlatschen und der ist bekanntlich über 5.000 Jahre alt. Die anatomische Form des Fußes bedingt aber auch generell die Verwendung einer Möglichkeit das Fußkleid zu schliessen. Seit dem Mittelalter etwa sind Schuhe mit metallischen Ösen überliefert, durch die man eine Kordel zog um den Schuh dauerhaft schließen und wieder öffnen zu können ohne das Material ständig zu beschädigen.

Die Soldaten einer Armee war immer schon ein Hauptabnehmer von stabilen Schuhwerk und vielleicht auch die ersten Abnehmer von Stiefel, die nicht nur den Fuß, sondern auch die Knöchel und Waden schützten. Armeestiefel, oder auch Kampfstiefel genannt erfreuen sich auch nach wie großer Beliebtheit in der Gothic Szene und werden traditionell mit Schnürsenkeln verschlossen.

Turnschuhe mit Schnürsenkel in Kreuzschnürung

Bild 2: klassische Kreuzschnürung

Es gibt unzählige Möglichkeiten seine Schnürsenkel einzufädeln. Die Kreuzschnürung ist die bekannteste Methode seine Senkel einzufädeln und wird den meisten schon von Kindertagen an beigebracht. Es ist eine leichte Methode den Schuh gut verschlossen zu halten. Doch bei weitem nicht die einzige Möglichkeit auf Ian Fieggen’s Schnürsenkel Seite gibt es unzählige Methoden seine Schuhe oder auch Stiefel kunstvoll zu verschließen.

Doc Martens mit Wickelschnürung

Bild 3: Meine Martens mit Wickelverschluss

Der Schnürsenkel selbst spielt eine wichtige Rolle, für die klassischen Ranger oder Martens empfehle ich die dickeren und qualitativ hochwertigen Senkel wie man sie beispielsweise von Underground angeboten werden. Die Schnürsenkellänge ist dabei abhängig schon der Anzahl der Löcher und der Art der Schnürung. Für die klassische Schnürung benötigt man bei 8-Loch oder 10-Loch Stiefel 160cm, 12-Loch und 14-Loch benötigen 210cm und die 20-Loch Stiefel 240cm lange Schnürsenkel. Für die neuerdings erhältlichen 30-Loch Stiefel benötigt man gar 325cm lange Schnürsenkel. Ich persönlich bevorzuge für meine 10 und 12 Loch Stiefel jedoch schon die 240cm Länge, da ich die Senkel gerne einige Male um den Schaft wickle und dann ineinander verdrehe weil ich keine Schleifen mag. Aber das ist Geschmackssache.

Das Einfädeln der Schnürsenkel ist eine Kunst für sich und ist von funktional bis stundenlang ein weites Feld. Auf oben genannter Schnürsenkelseite von Ian Fieggen findet ihr unzählige bebilderte Methoden seine Schnürsenkel in den Stiefel zu versenken, ich bevorzuge die von ihm benannte Methode Double Helix, die nicht nur besonders aussieht sondern sich auch noch leicht öffnen und schliessen lässt, was bei Stiefel ja zuweilen etwas schwierig werden kann. Spontanes “Klamotten-vom-Leib-reißen” ist in der Gothic-Szene sowieso verpönt. Dafür können wir ganz andere Sache, ehrlich!

Bild 4: Double Helix

Bild 5: Pentagramm Schnürung

Abbildung der gerade Schnürung

Bild 6: Gerade Schnürung

Die Double Helix (Anleitung) auf Bild 4 bringt die schrägen oben liegenden Verbindungen besonders zur Geltung und lässt sich leicht schliesse und öffnen.

Die besonders ausgefallene Pentagramm Schnürung (Anleitung) ist nur besonders schön, aber schwierig zu verschließen erfordert ein wenig mehr Geschick als die anderen Methoden. Übrigens hat das Pentagramm nicht viel mit Satanismus zu tun, wie ihr in einem älteren Artikel nachlesen könnt.

Die beliebte gerade Schnürung (Anleitung) ist bei Stiefel besonders beliebt und wird in vielen Varianten angewendet. Die hier gezeigte ist ein Beispiel für die beidseitige Verwendung des Schnürsenkels, es gibt auch die Möglichkeit, den Schnürsenkel von einem Ende ausgehend durch den Schuh zu führen, so dass er mit einem Ende abschließt und gewickelt werden muss.

Die farbige Kennzeichnung auf den Bildern dient nur dem besseren Verständnis, die Graue Linie zeigt den Anfang, die gelbe die rechte Hälfte des Schnürsenkel und die blaue die linke Hälfte. Morgen befasse ich mich mit den Farben der Schnürsenkel, denen man eine besondere Bedeutung nachsagt und auch Ausdruck für die politische Gesinnung sein sollen. Lassen wir uns überraschen.

(Bild 1: Donja Malhotra/wikipedia.de | Bild 2,4,5,6: Ian Fieggen Shoelace)

20 Kommentare

  1. Jetzt weiß ich, was ich in den Semesterferien mache: Pentagramm schnüren XD

  2. Die gerade Schnürung sieht natürlich edel aus. Aber ich schaffte es bei der nie, die nötige Kraft zum schnüren zu bekommen. Entweder brach oder klemmte ich mir fast die Finger ab, oder der Stiefelschaft saß nicht passgenau; meist allerdings beides in Kombination.

  3. @Moonica: Ergebnisse sind auf Bildern festzuhalten :)

    @Guldhan: Hat du es schon mal mit der klassischen britischen Stegschnürung (hier zu sehen) versucht? Die lässt sich meiner Erfahrung nach etwas leicht zurren.

  4. Ja, diese Methode kannte ich schon. Aber dennoch besten Dank, da das eine recht interessante Seite ist. Meine traditionelle Schnürmethode ist übrigens jene Lacing Technique 1.
    Jedenfalls werde ich die beiden Methoden für die gerade Schnürung noch einmal testen, denn mir fiel ein, dass ich damals zu faul war die Stiefel regelmäßig einzufetten. Und so etwas trägt bekanntlich nicht zu dessen Geschmeidigkeit bei.

  5. Selbstverfreilich werde ich das knipsen

  6. @Guldhan: Ein Schuhputzer :) Das lob ich mir, heutzutage werden viel zu wenig Schuhe gefettet.

    @Moonica: Ich bleibe gespannt.

  7. Vielleicht muss man das der heutigen Jugend einfach nur mal sagen. Nachdem ich damals merkte, was das für Unterschiede nach sich zog, käme ich gar nicht mehr auf den Gedanken, die Stiefel so verwahrlosen zu lassen. Sehen zwar noch immer gebraucht und ramponiert aus, aber nicht mehr steif und zerschlissen.
    Um einmal dreiste Schleichwerbung zu platzieren: Ich schwöre sein 10 Jahres auf dieses Lederbalsam. Macht eine seidene Haut, einen schlanken Fuß und verströmt einen Hauch von Bundeswehr. Zumindest wenn die restlichen Klamotten über Nacht neben den Stiefeln liegen. :D
    Gestern änderte ich übrigens meine Schnürung in die von dir empfohlene Methode und entgegen meiner Erinnerung ist diese eine ganz feine Sache. Ich wäre fast dazu geneigt diese Schnürung durch weiße Schnürsenkel hervorzuheben, aber da der geneigte Bürger schon meint, mich bei meinem Auftreten als »volksdeutsch« abzustempeln, habe ich wenig Lust auf ein Mehr an lästiger Provokation. Schade eigentlich, aber das Thema hatten wir ja.

  8. Schleichwerbung sieht anders aus, das ist eine Produktempfehlung, danke dafür. Bisher schwöre ich auf die Bundeswehrschuhcreme in der original Bundeswehrtube die aber langsam zuneige geht. Wird Zeit sich nach etwas alternativem umzusehen. Vielleicht teste ich dieses Lederbalsam ja mal an. “Ein Hauch von Bundeswehr“… herrlich :)

  9. Was habt Ihr da für einen Krieg mit Euren Scheiss-Schnürsenkeln? Ich hab 30loch Boots und habe diese innerhalb von ca. 3 min. bis oben eng geschnürt.
    Beim Ausziehen bis zur Hälfte der Höhe, Schleifen nach unten ziehen. (Je nach Fuß unterschiedlich). Bevor man aussteigt, kurz nochmal die Schnürung im gelösten Bereich leicht dehnen und schon ist man raus. Der Einstieg ist umso leichter, beim anziehen.
    Anziehen: Die Schleifen wieder zusammenziehen und bis zur freien Schnur, diese bis obenhin einziehen, dann die andere). OK! Nach 10 Bier schaffe ich das auch nicht mehr….
    Aber ansonsten ist das optimal. Und die, die überhaupt kein Bock haben, können nach dem straffen der Senkel, im unteren Bereich die klassische Rundschnürung um den Stiefel nehmen.
    Sonst noch was???

  10. @hapü: Krieg mit unseren Schnürsenkeln? Es geht nicht um die Dauer der Schnürung sondern viel eher um abwechslungsreiche Möglichkeiten seine Schnürsenkel einzufädeln. Dennoch: Vielen Dank für deine Tipps!

  11. Ist das echt ein Thema? Also ich schaue Menschen eher weniger auf die Schnürung der Schuhe…

  12. Ein sehr beliebtes sogar, wenn ich dir schnöde Zugriffszahlen auf diesen Artikel zu Grunde lege. Sicher, ein wenig banal -- und vielleicht deshalb so beliebt. Die Idee zu diesem Artikel entstand nämlich aus der Not heraus, nichts vergleichbares im deutschen Netz gefunden zu haben, sondern lediglich auf englischen Seiten.

  13. Irgendwie verstörend. Also ich oute mich als seit ich selber meine Schuhe zubinden kann, als immer-gleich-Schnürer. Double-Helix kommt dem wohl am nächsten, weil es bequem zu schnüren ist ;)

  14. http://www.fieggen.com/shoelace/lacing.htm ich denke mal die kann bei der viel falt der schnürungen helfen

  15. @dominik: Diese Seite ist bereits im Artikel verlinkt und die Bilder stammen auch ihr. Habe Ian Fieggen auch diesbezüglich schon sehr informativen Mail-Austausch gehabt. Trotzdem vielen Dank für deinen Tipp!

  16. Nicht nur das Einfädeln von Schnürsenkeln ist eine Kunst sondern auch die Wahl der richtigen Form, Länge und Farbe…

  17. Mit einer angebotenen Länge von 280cm könnte man mich durchaus ködern. Würde sich der Laden dazu noch als versteckter Dealer für die Philip Maloney-Hörspielboxen herausstellen, so wäre ich doch schlagartig Feuer und Flamme. Denn noch immer wird dieses Schweizer Kulturgut vehement vor der EU versteckt.

    Aber um diese nicht ganz deplatzierte Werbung einmal aufzugreifen, so hielt sich der Aufwand für die richtige Wahl von Form und Länge doch immer in Grenzen. Immerhin sind die Ösen so standardisiert wie die szenetypischen Ledertreter an sich. Die Länge begann meist erst bei 250cm interessant zu werden und die meisten Farben waren in dem Kontext eh zu vorbelastet…aber das hatten wir ja schon.

  18. Ja, eine durchaus passenden Werbung die Schnürsenkel Max da als Kommentar hinterlassen hat. Deshalb darf der Link auch stehen bleiben. “Immer­hin sind die Ösen so stan­dar­di­siert wie die sze­ne­ty­pi­schen Leder­tre­ter an sich.” Nieder mit dem Standard! Ein Hoch auf die Pikes die ohne Schnürsenkel auskommen und der raffinierten Schnürsenkelindustrie einen Strich durch die Rechnung machen. :-)

  19. Wie wäre es mit Docs mit Reißverschlüssen? Da muss man nur einmal… ach neee… schon gut :-)

  20. Es wird Zeit für einen Bad-Word Filter in diesem Blog. Docs und Reißverschlüsse in einem Kommentar werden durch “Falscher Hase” ersetzt.

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  1. [...] fieggen.com — Die Schnür­sen­kel­seite des Aus­tra­li­ers Ian Fieg­gen wurde ins­ge­samt 1050 mal auf­ge­ru­fen. Inbe­son­dere die Pen­ta­gramm­schnü­rung ist beson­ders beliebt. (Zum Arti­kel) [...]

  2. […] den Weg zu mir, dabei verlinkten die fleißigen Helfer der Plattform hauptsächlich auf die Schnürsenkelartikel und interessierten sich für Christiane F., die Protagonistin aus “Wir Kinder vom Bahnhof […]