23 Januar
Kunst am Schuh: Schnürsenkel einfädeln
Manchmal wünschte ich eine Frau zu sein, natürlich nur wenn’s um Schuhe geht. Seid ihr schon mal als Mann in einem ordinären Schuhladen gewesen? Richtig, die Auswahl ist erschreckend lächerlich bis bedauernswert eintönig. Selbstverständlich muss ich einräumen, das Frauen im Durchschnitt auch wesentlich mehr Schuhe besitzen als der Mann. Das mag daran liegen das Schuhe immer passen und nicht den selben Größenschwankungen unterliegt wie die restliche Figurbetonte Garderobe, die mit leichten Gewichts– oder auch Stimmungsschwankungen an Attraktivität verliert, meint jedenfalls die Frau.
Der Gothic-Mann macht es sich leicht, in der Regel trägt er die üblichen Stiefel, die sich zwar von der dekorativen Seite her unterscheiden mögen, stilistisch aber nach dem gleichen Muster funktionieren. Hier ist der klassische Doc Martens häufig bei den älteren schwarzen Anhänger (auch Ghouls genannt) zu finden, während die jüngeren eher Boots von Newrock (siehe Bild) an die Füße schnallen, aber hier will ich mich nicht festlegen.
Auch der Ranger von Knightsbridge, Boots & Braces, Bondage, Underground oder Shellys erfreut sich dauerhafter Beliebtheit, hier jedoch bei einem deutlich gemischteren Publikum zu beobachten und unterscheidet sich eigentlich nur durch die Anzahl der Löcher, die die Höhe des Stiefels bestimmen. 8-Loch, 10-Loch und 12-Loch sind die häufigsten Typen 14-Loch oder 20-Loch Varianten werden auch gerne von Frauen getragen.
Ich finde das persönlich etwas langweilig, deshalb habe ich versucht die Schuhe etwas zu individualisieren und das geht schon seit je her über die Schnürsenkel, insofern man nicht Stiefel mit Schnallen verwendet. Hier unterscheidet man zwischen der Art diese einzufädeln und der Wahl der Farbe, die gerade bei den Stiefel eine besondere Rolle zu spielen scheinen. Doch zunächst widmen wir uns der Schnürung, das Thema der Schnürsenkelfarben behandeln wir morgen ausführlicher.
Schnürsenkel haben keine genaue Entstehungsgeschichte, schon dieser Ötzi, den man in einer natürlichen Tiefkühltruhe fand, trug Schnürsenkel in seinen Lederlatschen und der ist bekanntlich über 5.000 Jahre alt. Die anatomische Form des Fußes bedingt aber auch generell die Verwendung einer Möglichkeit das Fußkleid zu schliessen. Seit dem Mittelalter etwa sind Schuhe mit metallischen Ösen überliefert, durch die man eine Kordel zog um den Schuh dauerhaft schließen und wieder öffnen zu können ohne das Material ständig zu beschädigen.
Die Soldaten einer Armee war immer schon ein Hauptabnehmer von stabilen Schuhwerk und vielleicht auch die ersten Abnehmer von Stiefel, die nicht nur den Fuß, sondern auch die Knöchel und Waden schützten. Armeestiefel, oder auch Kampfstiefel genannt erfreuen sich auch nach wie großer Beliebtheit in der Gothic Szene und werden traditionell mit Schnürsenkeln verschlossen.
Es gibt unzählige Möglichkeiten seine Schnürsenkel einzufädeln. Die Kreuzschnürung ist die bekannteste Methode seine Senkel einzufädeln und wird den meisten schon von Kindertagen an beigebracht. Es ist eine leichte Methode den Schuh gut verschlossen zu halten. Doch bei weitem nicht die einzige Möglichkeit auf Ian Fieggen’s Schnürsenkel Seite gibt es unzählige Methoden seine Schuhe oder auch Stiefel kunstvoll zu verschließen.
Der Schnürsenkel selbst spielt eine wichtige Rolle, für die klassischen Ranger oder Martens empfehle ich die dickeren und qualitativ hochwertigen Senkel wie man sie beispielsweise von Underground angeboten werden. Die Schnürsenkellänge ist dabei abhängig schon der Anzahl der Löcher und der Art der Schnürung. Für die klassische Schnürung benötigt man bei 8-Loch oder 10-Loch Stiefel 160cm, 12-Loch und 14-Loch benötigen 210cm und die 20-Loch Stiefel 240cm lange Schnürsenkel. Für die neuerdings erhältlichen 30-Loch Stiefel benötigt man gar 325cm lange Schnürsenkel. Ich persönlich bevorzuge für meine 10 und 12 Loch Stiefel jedoch schon die 240cm Länge, da ich die Senkel gerne einige Male um den Schaft wickle und dann ineinander verdrehe weil ich keine Schleifen mag. Aber das ist Geschmackssache.
Das Einfädeln der Schnürsenkel ist eine Kunst für sich und ist von funktional bis stundenlang ein weites Feld. Auf oben genannter Schnürsenkelseite von Ian Fieggen findet ihr unzählige bebilderte Methoden seine Schnürsenkel in den Stiefel zu versenken, ich bevorzuge die von ihm benannte Methode Double Helix, die nicht nur besonders aussieht sondern sich auch noch leicht öffnen und schliessen lässt, was bei Stiefel ja zuweilen etwas schwierig werden kann. Spontanes „Klamotten-vom-Leib-reißen” ist in der Gothic-Szene sowieso verpönt. Dafür können wir ganz andere Sache, ehrlich!
Die Double Helix (Anleitung) auf Bild 4 bringt die schrägen oben liegenden Verbindungen besonders zur Geltung und lässt sich leicht schliesse und öffnen.
Die besonders ausgefallene Pentagramm Schnürung (Anleitung) ist nur besonders schön, aber schwierig zu verschließen erfordert ein wenig mehr Geschick als die anderen Methoden. Übrigens hat das Pentagramm nicht viel mit Satanismus zu tun, wie ihr in einem älteren Artikel nachlesen könnt.
Die beliebte gerade Schnürung (Anleitung) ist bei Stiefel besonders beliebt und wird in vielen Varianten angewendet. Die hier gezeigte ist ein Beispiel für die beidseitige Verwendung des Schnürsenkels, es gibt auch die Möglichkeit, den Schnürsenkel von einem Ende ausgehend durch den Schuh zu führen, so dass er mit einem Ende abschließt und gewickelt werden muss.
Die farbige Kennzeichnung auf den Bildern dient nur dem besseren Verständnis, die Graue Linie zeigt den Anfang, die gelbe die rechte Hälfte des Schnürsenkel und die blaue die linke Hälfte. Morgen befasse ich mich mit den Farben der Schnürsenkel, denen man eine besondere Bedeutung nachsagt und auch Ausdruck für die politische Gesinnung sein sollen. Lassen wir uns überraschen.






hat bereits 23 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. Januar 2010 um 23:33:
Jetzt weiß ich, was ich in den Semesterferien mache: Pentagramm schnüren XD
hat bereits 74 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Januar 2010 um 09:35:
Die gerade Schnürung sieht natürlich edel aus. Aber ich schaffte es bei der nie, die nötige Kraft zum schnüren zu bekommen. Entweder brach oder klemmte ich mir fast die Finger ab, oder der Stiefelschaft saß nicht passgenau; meist allerdings beides in Kombination.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Januar 2010 um 18:11:
@Moonica: Ergebnisse sind auf Bildern festzuhalten :)
@Guldhan: Hat du es schon mal mit der klassischen britischen Stegschnürung (hier zu sehen) versucht? Die lässt sich meiner Erfahrung nach etwas leicht zurren.
hat bereits 74 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Januar 2010 um 19:20:
Ja, diese Methode kannte ich schon. Aber dennoch besten Dank, da das eine recht interessante Seite ist. Meine traditionelle Schnürmethode ist übrigens jene Lacing Technique 1.
Jedenfalls werde ich die beiden Methoden für die gerade Schnürung noch einmal testen, denn mir fiel ein, dass ich damals zu faul war die Stiefel regelmäßig einzufetten. Und so etwas trägt bekanntlich nicht zu dessen Geschmeidigkeit bei.
hat bereits 23 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. Januar 2010 um 12:25:
Selbstverfreilich werde ich das knipsen
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. Januar 2010 um 19:34:
@Guldhan: Ein Schuhputzer :) Das lob ich mir, heutzutage werden viel zu wenig Schuhe gefettet.
@Moonica: Ich bleibe gespannt.
hat bereits 74 Kommentare abgegeben und schrieb am 28. Januar 2010 um 20:12:
Vielleicht muss man das der heutigen Jugend einfach nur mal sagen. Nachdem ich damals merkte, was das für Unterschiede nach sich zog, käme ich gar nicht mehr auf den Gedanken, die Stiefel so verwahrlosen zu lassen. Sehen zwar noch immer gebraucht und ramponiert aus, aber nicht mehr steif und zerschlissen.
Um einmal dreiste Schleichwerbung zu platzieren: Ich schwöre sein 10 Jahres auf dieses Lederbalsam. Macht eine seidene Haut, einen schlanken Fuß und verströmt einen Hauch von Bundeswehr. Zumindest wenn die restlichen Klamotten über Nacht neben den Stiefeln liegen. :D
Gestern änderte ich übrigens meine Schnürung in die von dir empfohlene Methode und entgegen meiner Erinnerung ist diese eine ganz feine Sache. Ich wäre fast dazu geneigt diese Schnürung durch weiße Schnürsenkel hervorzuheben, aber da der geneigte Bürger schon meint, mich bei meinem Auftreten als »volksdeutsch« abzustempeln, habe ich wenig Lust auf ein Mehr an lästiger Provokation. Schade eigentlich, aber das Thema hatten wir ja.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. Januar 2010 um 15:48:
Schleichwerbung sieht anders aus, das ist eine Produktempfehlung, danke dafür. Bisher schwöre ich auf die Bundeswehrschuhcreme in der original Bundeswehrtube die aber langsam zuneige geht. Wird Zeit sich nach etwas alternativem umzusehen. Vielleicht teste ich dieses Lederbalsam ja mal an. „Ein Hauch von Bundeswehr”… herrlich :)