26 Mai

Urlaubsziel Leipzig: Besuchen sie unser Kuriositätenkabinett zu Pfingsten!

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 28 Kommentare

Viktorianisches PicknickDas ältere Ehepaar steht fasziniert am Rand der weitläufigen Wiese und staunt. Überall sitzen Leute herum, die wie Adelige aus dem 19. Jahrhundert aussehen, andere haben merkwürdige Maschinen auf dem Rücken geschnallt und an ihren Armen sind metallische Teile befestigt. Sie trinken Wein, essen Weintrauben und rauchen Zigaretten mit Spitze. „Mach mal schnell ein Foto!“ zischt Hildegard ihren Ehemann an. Hermann nestelt an der Kamerahülle, die um seinen Hals hängt, herum, entfernt hastig den Schutzdeckel und schiebt seine Brille auf die Stirn. Gerade als er die Dame im Reifrock, die sich in ihrem Korsett kaum bewegen kann, beim Kuchen essen knipsen will, läuft ein Pferd durchs Bild. Es ist kein echtes Pferd, sondern ein Mensch der komplett in Gummi gehüllt ist, einen Pferdekopf aus Kunststoff trägt und an einem Halsband eine ebenfalls in Gummi gehüllte Frau hinter sich herzieht, die auf der Wiese sichtbare Schwierigkeiten damit hat, ihre Absätze nicht zum vertikutieren des Rasens zu verwenden. Zack! Hermann bewundert seinen Fang auf dem kleinen Monitor. Stolz zeigt er das Bild von dem Pferdepärchen seiner Frau: „Guck mal, ist schön geworden, oder?

Das Pferd, die vermeintliche Reiterin, die Dame im Reifrock und die Leute mit den Maschinen auf dem Rücken sind Teil von Leipzigs Kuriositätenkabinett, das jährlich zu Pfingsten im Clara-Zetkin-Park stattfindet und von dem die beiden aus dem Leipziger Amtsblatt erfahren haben. Sie sind wahrlich nicht die einzigen Schaulustigen, die sich an diesem Freitag dort versammelt haben. Die Wiese ist umringt von Menschen, es müssen hunderte sein. Die meisten haben eine Kamera dabei, ihre Familie im Schlepptau und schlecken selbstzufrieden ein Eis. Das viktorianische Picknick ist mittlerweile fester Bestandteil von Reiseführern und Leipzig-Guides und eines der „Höhepunkte“ des Festivals, wie das Amtsblatt verspricht. Den ganzen Artikel lesen… »


27 Februar

Clubsterben: Vom Tod der Clubs und der Suche nach ihren Mördern

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ClubsterbenEs vergeht kein Monat ohne Hiobsbotschaft. Irgendwo meldet ein Club Insolvenz an, eine engagierte Party-Reihe wird nicht mehr fortgesetzt und reihenweise Discothekenbetreiber und Konzertveranstalter schmeißen die Flinte ins Korn. Kein Publikum mehr vor der Bühne, keine Leute auf den Tanzflächen und die Vorräte in den Kühlschränken der Theken stehen kurz vor dem Verfallsdatum. Schwarze Tanztempel schließen ihre Pforten, werden nicht wieder aufgebaut oder wechseln ihre musikalische Ausrichtung, um zahlungswilliges und ausgehwilliges Publikum anzulocken. 2015 war erst vom Sterben der Großraumdiscotheken die Rede, jetzt ist der Begriff „Clubsterben“ auch bei mittleren und kleiner Läden angelangt. Allerorts wird über die möglichen Gründe spekuliert. Betreiber, DJs und Besucher schieben sich gegenseitig die Schuld in die Pikes, ein gemeinsames Feindbild scheint es nicht zu geben. Außer die Anderen, die sind ja eigentlich immer schuld. Spontis begibt sich auf Spurensuche nach den Mördern der Clubs, sammelt Fakten, spricht mit Zeugen und fragt sich: Warum war früher alles besser und ist heute wirklich alles zum scheitern verurteilt? Den ganzen Artikel lesen… »


30 Januar

Black Friday im Louvre: Was, wenn Provokation plötzlich funktioniert?

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Black Friday und Schwarzkittel in ParisWas für das Grufti-Ehepaar Freyja und Matthias als romantischer Urlaub in die Stadt der Liebe geplant war, endete in einem Drama. In den Louvre, eines der berühmtesten Museen der Welt, gewährte man ihnen keinen Einlass, weil es wegen ihres Aussehen angeblich Sicherheitsbedenken gäbe. Der eigentliche Grund war, davon sind die beiden fest überzeugt, allein ihr Aussehen und nicht die vorgeschobenen Sicherheitsbedenken. Als sie einen Tag später den historischen Pariser Friedhof Père-Lachaise besuchten, wurden sie erst von der Security verfolgt, dann hielt man sie gegen ihren Willen fest. Freyja wurde gezwungen, die für ihren Youtube-Kanal „Black Friday“ entstandenen Videoaufnahmen, die sie während ihres Rundgangs gemacht hatte, zu löschen. Während man angeblich auf die Polizei wartete, gab man dem Ehepaar zu verstehen, dass ihre Kleidung und Schmuck respektlos gewesen wären. Für die beiden Gothics, die ausleben was sie sind, ein herzzerreißender und negativer Höhepunkt der Reise in die Stadt der Liebe.

Haben die beiden einen Fehler gemacht, indem sie sich nicht anpassten? Sind die Wachleute schuld, die aufgrund von Äußerlichkeiten über die Menschen urteilen? Was tun, wenn die Provokation plötzlich funktioniert? Den ganzen Artikel lesen… »


14 November

Neofolk – Eine Wahrheitssuche zwischen Vereinnahmung und Deutungshoheit

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 20 Kommentare
Douglas P. (Death in June)

Douglas P. (Death in June)
(c) Thorium Heavy Industries

Neofolk ist in vielerlei Hinsicht ein Zankapfel. Für die einen ist es die letzte Form echter musikalischer Rebellion, für die anderen, wie beispielsweise das Rolling Stone Magazin, der „Der Sound der Neuen Rechten“ und eine Einladung an rechte Ideologien. Viele Künstler dieses Genre fühlen sich missverstanden und die Menschen vor der Bühne in eine Ecke gestellt, in der sie nicht stehen möchten. So sind es Musikjournalisten und Kritiker, Bands und Künstler die die Deutungshoheit für Neofolk an sich reißen, doch das wird nicht den Fans gerecht, die dieses polarisierende Genre schätzen und durchaus in der Lage sind, sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch Spontis hat sich bereits in der Vergangenheit mit den Symboliken und Vereinnahmungsversuchen dieses Genre befasst, konnte sich jedoch nie in die Hörer versetzen, die Neofolk leidenschaftlich verfolgen. Autor +VLFBERH+T möchte diese Lücke schließen und lädt ein, seiner Annäherung zu folgen und sich selbst ein Bild zu machen.

But, What Ends When the Symbols Shatter?

Eigentlich wollte ich eine Artikelreihe über Neofolk schreiben, meine ganz subjektive Meinung zu Szene, Szenerie und so weiter. Aber der unsägliche Rolling-Stone-Artikel (das muss man dem RS lassen: Die klaren Worte von Jännerwein, welche sich im Widerspruch zum Artikel befinden, haben sie veröffentlicht) hat mir da dann doch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein Artikel wäre zu einem (zwangsläufig) unzureichenden Versuch verkommen, Neofolk möglichst multiperspektivisch zu erklären, was letztlich daran scheitern muss, dass es es zwangsläufig immer weitere Fragen aufwerfen würde, denn: Den ganzen Artikel lesen… »


6 Oktober

Die Gothic-Szene, eine Welt der Traurigkeitsgenießer?

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traurigkeitsgeniesserMusikpsychologen wollen herausgefunden haben, warum einige Menschen melancholische Musik bevorzugen und die dabei empfundene Trauer für sie ein Genuss sein kann. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der eine zu Grunde liegende Studie britischer und finnischer Forscher zusammenfasste, brachte mich zum Grübeln. Nicht nur, weil ich die Idee dahinter sehr spannend finde und mich auch selbst mit der Vorstellung beschäftigen möchte, sondern auch, warum die Musikrichtungen der schwarzen Szene, oder auch die Szene selbst darin keine Rolle spielt. Es liegt doch auf der Hand, dass eine Szene, die sich immer schon mit der melancholischen Seiten der Musik identifiziert hat, eigentlich ein Paradebeispiel sein sollte. Oder nicht? Den ganzen Artikel lesen… »


11 August

Keine halben Sachen: In sieben Schritten zum Vollzeit-Grufti

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 20 Kommentare

Echte Grufti in RotHildesheim. Das M’era Luna steht unmittelbar bevor. Während in vielen Teilen der Republik die ersten Reisevorbereitungen getroffen werden, fragt man sich andernorts, wie man schnell mal am schwarzen Treiben teilnehmen kann, ohne sonderlich aufzufallen. Frau Schmidt von der Osnabrücker Zeitung macht es ihren Lesern leicht und erklärt in ihrem Artikel: „Ausprobieren: In sieben Schritten zum Teilzeit-Grufti.“ Mit anderen Worten: wie man vom skeptischen Betrachter zum Mitschwimmer wird.

Spontis möchte Frau Schmidts ernstzunehmende Hinweise aufgreifen und hilft euch durch einfache Erweiterung ihrer Tipps, zum Vollzeit-Grufti zu werden und tiefer in die düstere Szene einzutauchen, in der man sich endlich mal so anziehen kann, wie man sonst nie rumlaufen würde.

Oder, wie es Frau Schmidt fast richtig schreibt: „Wer dabei immer schon einmal mitmachen wollte, kann das gern tun, die Szene ist offen und freundlich. Um aber nicht als Stino, also als Stink-Normaler, unangenehm aufzufallen, gilt es, ein paar Punkte zu beachten. Hier das kleine Einmaleins für Neu- und Teilzeit-Gruftis.“ Stimmt. Nur offen und freundlich sind wir nicht. Das ist ein Mythos.

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29 Juni

Auftakt des 25. Wave-Volksfestes im Belantis

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 10 Kommentare

2016-05-12-214916Ein markerschütternder Schrei durchschneidet die Nacht. Gedehnt spiralisiert er sich in schrille Höhen um plötzlich zu verstummen. Schwarze Gestalten ziehen vorbei, melancholisch-romantische Musik klingt durch die kühle Nacht, in der kargen Beleutung verliert sich der Weg im Dunkel. Wie im Gruselfilm, ja, aber nicht so wie man sich das vorstellt, dieser Horror befand ich auf einem ganz neuen Level. Auftakt des Wave-Gotik-Treffens im Belantis-Freizeitpark. Nicht Nacht und schwarzgewandete Gestalten jagen mir einen Schauer über den Rücken, nein: bunt beleutete Fahrattraktivitäten und Rummelstimmung. Den ganzen Artikel lesen… »


19 Februar

Quietschbunter Freizeitspaß – Eröffnungsfeier zum 25. WGT

von undKategorie: BrennpunktDiskussion: 37 Kommentare

Quietschbunter Freizeitspass - WGT im BelantisKlackernd erklimmt der Wagen den mitternächtlichen Himmel über Leipzig. Den 6 düster gekleideten Insassen steht die blanke Angst in das kalkweiße Gesicht geschrieben. Umgedrehte Kreuze haben sie sich in das Gesicht gemalt, Pentagramme an den Schläfen zeugen vom Glauben an die Mystik und das Übersinnliche, wenngleich Kreuze, die als Schmuck getragen werden, einen letzten Funken gelebter Religion vermuten lassen. Der Wagen erreicht seinen Zenit. 32 Meter über Leipzig ist die Aussicht atemberaubend, doch die Insassen sind starr vor Todesangst. Ihre Hände klammern sich in die gepolsterten Griffe, die unzähligen Ringe an den Finger schneiden sich unnachgiebig ins Fleisch, jeder Muskel der androgynen Körper ist bis zum Bersten angespannt. Der Mond, der über dem Nachthimmel ein Funkeln in die Kontaktlinsen zaubert, heuchelt trügerische Stimmung und findet kaum Beachtung. Auch der Band Moonchild, die irgendwo am Fuße der der Achterbahn ihre Hymnen in die Nacht hinauszelebriert, schenkt man keinen seiner Sinne. Als das Klacken der Sicherungskette abrupt endet, weiß jeder, dass er nun HURACAN, dem südamerikanischen Herrscher über die Naturgewalten der Erde schutzlos ausgeliefert sein wird. Den ganzen Artikel lesen… »


2 Februar

Preis(und)Wert? Ein Pamphlet zum WGT Ticketpreis 2016

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 50 Kommentare

WGT Bändchen (Ronny Frank Rabe)Eigentlich wollte ich dazu nichts schreiben, denn eigentlich finde ich das furchtbar albern und eigentlich finde ich auch, dass Robert in seinem Beitrag zum Dark Munich Festival bereits alles gesagt hat. Eigentlich. Uneigentlich geht mir diese Mentalität so gegen den Strich, dass meine Finger von alleine über die Tasten fliegen.

Gestern hat das Wave Gotik Treffen den Kartenverkauf für die Veranstaltung zu Pfingsten 2016 eröffnet. Bei mir sorgt diese Ankündigung in der Regel für einen riesen Schwung Vorfreude, so auch dieses Jahr. Der Beginn des Kartenverkaufs bedeutet, dass die Anzahl der Tage bis zur fünften Jahreszeit der Gruftis zweistellig werden. Er bedeutet, dass mehr und mehr Bands und andere Veranstaltungen bekannt gegeben werden. Er bedeutet, dass der März und damit der Versand der Karten nicht mehr weit ist. Er bedeutet, dass man sich ernsthaft Gedanken machen sollte, ob man alles Beisammen hat oder manche Anschaffung besser längerfristig plant (um nicht wie mein Mitcamper Thomas am Donnerstag vor Pfingsten bei der Post zu stehen und seine Zeltherringe nicht in Empfang nehmen zu können und sich damit zur Zielscheibe des Spots zu machen). Kurz: für mich ist der Beginn des Kartenverkaufs für das Wave-Gotik-Treffen ein Meilenstein im Jahresablauf, wie für andere der Valentinstag oder Ostern. Den ganzen Artikel lesen… »


25 Februar

Darf ich das hören? Musik im Kreuzfeuer der Ideologien

von Kategorie: BrennpunktDiskussion: 25 Kommentare
Sick Man

Funker Vogt: Sick Man – Das Label „Out of Line“ hat die CD offenbar aus dem Programm genommen.

Ist es möglich, einen fragwürdigen ideologischen oder politischen Standpunkt eines Musikers zu ignorieren und die Lieder sorgenfrei zu genießen? Der jüngste Fall der Band Funker Vogt zeigt, wie schnell man als Band in einer Ecke landen kann, in die man eigentlich nicht wollte. Zu Recht?

Rein musikalisch habe ich der EBM-Formation „Funker Vogt“ bisher nicht viel Gehör geschenkt, doch als im Dezember 2014 bekannt wurde, dass der umstrittene Sänger Sacha Korn der bis dahin geheim gehaltene Frontmann „Sick Man“ der Band ist, drängte sich die Frage auf, ob dies eine rein musikalische Entscheidung gewesen ist.

In den Stunden nach Bekanntwerden der neuen Besetzung überschlugen sich die Statements und Kommentare in den sozialen Kanälen. Korn, der durch die Veröffentlichungen seiner Songs auf einer CD der NPD und das Covern der deutschen Nationalhyme mit allen Strophen in die Kritik geraten war, spaltete das Lager der Fans.  Auch das Label der Band „Out of Line“ zeigte sich überrascht und macht unmissverständlich klar, dass sie an einer Zusammenarbeit mit Korn nicht interessiert seien. Unter dem Druck der Öffentlichkeit ruderte die Band kurz vor dem Jahreswechsel zurück und trennte sich wieder von Korn.

Dieser aktuelle Fall von Musik zwischen vermeintlichen Ideologien wirft für mich die Frage auf, inwiefern man sich als Hörer einer „umstrittenen“ Band positionieren muss und ob es möglich ist, politischen und ideologischen Hintergründen von Musikern und Künstlern keine Bedeutung zuzumessen. Es geht nicht um die Frage, ob eine Band nun „links“ oder „rechts“ ist, sondern darum, ob man Musik und Band-Hintergrund trennen kann und darf. Muss man aufgrund seiner persönlichen politischen Überzeugung die Tanzfläche verlassen, wenn der DJ Musik von Death in June, Blutharsch oder Fire + Ice auflegt? Den ganzen Artikel lesen… »