11 Februar

Kommentar: Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren?

Verfasst von Diskussion: 138 Kommentare

Screenshot Fetisch-MenschEs ist schon etwas Besonderes, wenn sich Szene-Künstler erheben, um über die Szene zu schreiben. Der Blick von den Bühnen der Republik ermöglich häufig ein umfassenderes Bild über eine Subkultur, der man häufig selber entspringt. Tim Hofmann, Gitarrist und Keyboarder der Gruppe fetisch:MENSCH tritt aus dem vermeintlichen Schatten den Oswald Henke gelegentlich zur werfen vermag und hinterfragt die sprichwörtliche Hand, die ihn füttert. Sein Blick von der Bühne zeigt ihm eine kritiklose Masse, die ihre Tiefe verloren hat und nun hilflos auf der Oberfläche paddelt. Hier kommt keiner zu kurz, die verbale Klatsche gegen die musikalische Gothic-Landschaft und deren einschlägigen Magazine sitzt. In seinem Artikel: Wann hat Gothic sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn? schreibt er: „Vielleicht hat es nicht so wehgetan, weil es so langsam und schleichend passiert ist. Und genau deswegen tut es wohl auch besonders weh: Gothic, so wie wir es einst lieben gelernt haben, ist nicht mehr. Nur noch ein Schatten, eine Erinnerung.

Seit Jahren predigen die Veteranen das Ende der Szene, in nahezu jeder Dekade liegt die Szene im Sterben. Wir sind es gewohnt. Wir sind gewohnt zu hören, dass Gothic tot ist, dass es seine Tiefe verloren hat, seinen Gehalt. Die Anzahl derer, die resignieren, wächst stetig. Zu laut ist die Masse der Oberflächlichkeit, zu leise die eigene Stimme. Und dennoch fühlen wir uns noch irgendwie zu einer Szene hingezogen, die öfter gestorben ist als eine Katze.

Doch Tim Hofmann weiß zu differenzieren und schreibt weiter: „Wann hat er eigentlich aufgehört? Als der Graf ins Fernsehen ging? Als Mono Inc. beschlossen, ihre Karikatur von dunkler Musik zu veröffentlichen? Als zu viele WGT-Besucher das optische Ausstellen einer inneren Anders-Gefühlslage mit dem karnevaleskem Spaß am Verkleiden zu verwechseln begannen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es an all diesen Einzelpunkten nicht liegt. In jeder Szene gibt es Menschen, deren Herz tief verwurzelt drinhängt und solche, die nur an einigen Details gefallen finden. Alles hat eine Oberfläche. Das ist kein Problem  so lange es darunter auch die Tiefe gibt.“ Schon wieder jemand, der resigniert? Jemand, der die Hoffnung aufgibt? Es tut gut, dass jemand die Sache auf den Punkt bringt, ausspricht, was gesagt werden sollte und das Gewicht seiner Stimme dazu nutzt, die Reichweite zu erhöhen.

Tim Hofmann - Bei fetisch:MENSCH für Programmierung, Keyboards und Gitarre zuständig - Hier ein Bild aus seinem Twitter-Profil

Tim Hofmann – Bei fetisch:MENSCH für Programmierung, Keyboards und Gitarre zuständig – Hier ein Bild aus seinem Twitter-Profil

Die Szene, lieber Tim Hofmann, ist nicht tot. Wie gerne würde ich nur nicken und denken: „So ist es!“ Doch nach den Zeilen der Zustimmung folgen auch Zeilen des Prickelns, einem Gefühl das Dir sagt: „Nein! Schau doch mal hin!“ Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen den Ihrer Meinung nach schlimmsten Fehler, die Kritiklosigkeit, auszubügeln. Jedenfalls ein bisschen. Die Szene stirbt immer erst dann, wenn sie in einem Selbst stirbt, wenn man den Kampf aufgibt und sich von der Oberfläche so weit entfernt, dass ein gelegentliches Auftauchen unmöglich erscheint. Nach 6 Jahren bloggen bin ich mir mittlerweile sicher: Die Szene muss nicht sterben, die Geburtenrate ist gesunken, aber vorhanden.

Der Ton war uns Überzeugungs-Gothics immer etwas ganze Besonderes. Wir haben unter der Oberfläche der Gesellschaft nach den Nischen gesucht, nach der Individualität. Haben zugehört. Zugelassen. Selbst Schmerz und Hass. Haben hinter alle Dinge geblickt. Aber irgendwann haben wir dabei Toleranz mit Kritiklosigkeit verwechselt. Meinungsfreiheit war uns ein so hohes Gut, dass Irgendwann der Inhalt einer Meinung egal war. Der Inhalt. Das hat dazu geführt, das irgendwann jeder alles machen konnte – wir haben es geschluckt. Und irgendwann haben wir mangels besserer Angebote Dinge geschluckt, die wir so eigentlich nicht haben wollten. Irgendwann war ASP eine der besten Bands der Szene. Wir haben nie gelernt, wie wichtig und befruchtend konstruktive Kritik und Streit sind. Auseinandersetzung. Das Ergebnis ist, dass es keine guten neuen Szene-Bands gibt. Man betrachte nur die Programmfolgen der Festivals in den letzten Jahren.“

So ist es. Mensch Tim, großartig geschrieben! Doch das Prickeln bleibt, gibt es keinen guten Szene-Bands mehr, oder ersticken wir in der ständigen und überflutenden Verfügbarkeit von Musik? Seit Punk kann jeder Musik machen, seit dem Internet kann jeder darauf aufmerksam machen. Die paar Menschen, die sich ernsthaft mit der Musik auseinandersetzen und sagen könnten was gut oder schlecht ist, kommen kaum noch hinterher sich durch die Flut der Belanglosigkeit zu kämpfen um die Perlen zu entdecken. Was wäre fetisch:MENSCH ohne den Namen „Henke“? Du schreibst es selbst: „Es gibt immer noch hervorragende dunkle Musik. Musik, die unter die Oberfläche schaut und das Dunkel ertastet. Die Schnitte im Herz, die Wunden in der Seele. Kunst, wegen der wir uns einst in der Schwarzen Szene heimisch gefühlt haben.

Dass du diese Musik eher außerhalb gewohnter Pfade findest, liegt vielleicht auch daran, dass „Gothic“ ein Modelabel ist, auf das hunderte von „Musikern“ aufspringen um für tausende, die dem Mode-Diktat folgen, das nötige Futter zu produzieren. Randbereiche sind sicher noch nicht so stark infiltriert, hier hat eine Suche mehr Erfolg. Neofolk, der Prügelknabe der Szene, ist so ein Beispiel. Kommerziell noch zu uninteressant und voller Leidenschaft dümpeln hier einige Perlen in den Hoffnung auf den Durchbruch. Vielleicht liegt auch hier ein Problem: Der Wunsch von seiner Musik leben zu können, ist stark. Musiker machen am liebsten Musik. Doch Musik, die schneidet und Wunden reißt ist 2014 nicht mehr erfolgreich. Sie bleibt Leidenschaft.  So kommen viele Künstler an einen Punkt an dem sie sich fragen, wohin sie möchten. Musiker, so wie du, kennen das sicherlich. Es fehlt also nicht nur eine Szene mit Tiefe, sondern auch Künstler mit Tiefe. Was nun zuerst da war und wer von wem abgeguckt hat, bleibt diskutabel. Die Musik hat ihre Vorbild-Funktion verloren, das Publikum die Bereitschaft zuzuhören. Aber das hast ja bereits geschrieben.

Auf der anderen Seite steht dagegen ein übermächtige, starre Masse, die aus dem einstigen Blick ins Dunkel der Tiefe eine neue Oberfläche gemacht hat. Symbole, deren Chic jeder kennt und deren Bedeutung niemand mehr fühlt. Eine Masse, die aus den Erkenntnissen und mutigen Perspektiven von einst die Phrasen von jetzt gemacht hat. Sie ritualisiert abspult und in Online-Shops einkauft. So wie Mutti jedes Jahr die Weihnachtskugeln an die Tanne hängt – und am Ende beides für originäre Bestandteile eines christlichen Festes hält. Am deutlichsten wird das vielleicht, wenn man auf die toten Magazine blickt: Eine Szene, die so viel auf ihren Geist und ihre Gedanken hält, erträgt komplett geist- und journalismusfreie Szenehefte, in denen jeder Artikel an bezahlte Anzeigen gekoppelt ist? Ja. Und nein. Aber: Diese Situation ist entstanden, weil sie aus uns allen heraus so entstehen konnte.

Und da haben wir alle Schuldigen versammelt: Die Szene-Hefte, die Musiker, die Szene – ich ergänze noch die Veranstalter, die immer szenefreiere Bands zu Headlinern machen und die Discotheken die gelangweilt immer das gleiche Programm abspulen. Aber Tim, sei doch mal ehrlich. „Szene-Hefte“ kann man nicht im Supermarkt kaufen. Konnte man noch nie. Das ist wie früher, als eine breite Masse modegeiler Kids die BRAVO für ein Blatt mit Ahnung hielten. Die den Stil der „Grufties“ kopierten und die Musik hörten, von denen man erzählte. Szene-Journalismus und Szene-Geist findet man nicht mehr zwischen Fetisch-Bildern mit halbnackten Models.

Und nein, viele von uns ergeben sich nicht in das Schicksal, von dem du schreibst. Wir machen etwas. Es gibt unzählige Blogs und Magazine im Internet, es gibt leidenschaftliche Autoren die Nischen-Magazine herausbringen, die Bücher und Foto-Bände veröffentlichen, Künstler die fotografieren und erschaffen, die Ausstellungen organisieren um das geistige Auge zu bereichern. Die meisten machen das nicht, um Geld damit zu verdienen, sondern weil sie ihrer Passion nachgehen. Denn wenn du anfängst Geld mit dem verdienen zu wollen, was du tust, musst du Dich den Wünschen deiner Kundschaft beugen. Und so funktioniert Subkultur nicht. So hat sie noch nie funktioniert. Die Wunschvorstellung, mit Leidenschaft Geld zu verdienen, bleibt nur einigen wenigen vorbehalten.

So wahr Deine Worte auch klingen: Sie sind ein Schlag in das Gesicht derer, die ihre Leidenschaft eben diese Szene widmen, die Du für tot erklärst.

Wir sind zu gut darin uns in Aussichtslosigkeit zu wälzen. Wie wäre es mit einem Artikel „Gothic lebt! Wo das Herz der Szene wirklich schlägt.“ oder „Gefunden! Wie ich den Sinn der Szene erkannte.“ Hoffnungsvolle Artikel die eine Richtung zeigen, einen Anhaltspunkt bieten. Die Gedankenanstöße liefern und Möglichkeiten bieten. Tim Hofmann, verstehe mich nicht falsch, Dein Artikel ist wunderbar, wenn auch einseitig.  Er endet: „Es ist traurig.“ – Was können wir tun, wo gehen wir hin, was sollten wir lesen? Und ja, du hast mich auch überrascht, denn du predigst nicht nur, sondern stehst auch dazu. In 93 Kommentaren bleibst du am Ball und lebst die geforderte Diskussion.

138 Kommentare

  1. Aber etwas, dass sich nicht irgendwie entwickelt, stagniert und ist dann irgendwann tot. Dann lieber Neuerungen, die zumindest Lebendigkeit signalisieren — sie müssen einem nicht in allen Nuancen gefallen, aber man muss ja nicht alles Lemminghaft mitmachen.

    So sehe ich das auch. Und es ist ja nicht so, dass es im 21. Jahrhundert keine neuen Subkulturen mehr gibt. Bis vor ein paar Jahren gab es die sog. „Hipster“ auch noch nicht und schwupps (Achtung, stereotype Beschreibung) lauern sie mit ihrem Flanellhemd, Skinny Jeans, Jutebeutel, Club Mate und iPhone hinter jeder Ecke. Sie sind also ein Beispiel dafür, dass sich so etwas trotz oder in diesem Fall vielleicht gerade durch das Internet noch entwickeln kann, da sie sich die „neuen“ Medien auch zunutze machen.
    Wie gesagt, mir geht es gar nicht darum, dass etwas Neues entsteht, an dem ich teilhaben kann oder das ich toll finde. Aber Lebendigkeit einer Szene messe ich auch an ihrer Aktualität und ihrem Zeitgeist.
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    @ Robert: Ich gebe dir Recht, das Internet hat sicher einen Einfluss auf das ganze Szene- und Subkulturkonstrukt. Aber genau dieselbe Funktion, die Konzerte oder Partys erfüllen, erfüllt doch auch dein Blog, auch wenn er natürlich eine weitere Reichweite hat. Wie du schon sagst, es ist ein Anlaufpunkt und Sammelbecken um Gleichgesinnte zu treffen. Das Internet verstreut und individualisiert nicht alles, sondern wir wenden uns dann anscheinend doch wieder an unsere „Szenen“. Warum sonst gibt es Dating Seiten wie das Schwarze Glück oder abgefuckt-liebt-dich?
    Auf Spontis tauschen sich Menschen aus, die sich für ähnliche Dinge interessieren. Einige von ihnen sind vielleicht Teil der Szene, andere interessieren sich nur für sie. Warum finde ich auf deinem Blog nichts zum Thema Tiefseetauchen? Weil es nicht zum Thema dieser Seite passt. Natürlich kannst du auch Tiefseetauchen gehen, aber wenn es nicht in irgendeinem Zusammenhang mit der Szene von Relevanz wäre, würdest du auch nicht darüber schreiben, oder? ;)
    In gewisser Weise sagst du also doch, was dazugehört und was nicht, weil du über „Facetten der schwarzen Szene“ berichtest. Du ziehst also Grenzen bei deiner Themenauswahl und das ist doch auch gut so. Subjektive Grenzen, ja, aber dennoch orientierst du dich an gängigen Szenemustern und man erkennt, dass dies ein „schwarzer Blog“ ist. Ohne diese Grenzen brauchen wir doch keine Szene, ohne Grenzen kann sich eine Szene gar nicht definieren.
    Jugendliche, die auf diese Seite stoßen und Teil der Szene sein möchten, werden sich vermutlich an dieser Seite orientieren, werden bspw. die Musik aufgreifen, die du hier vorstellst, weil sie den Eindruck haben, dass diese Musik zur Szene gehört. Das ist die gleiche Vorbildfunktion, die die „coolen Kids“ früher auf dem Schulhof erfüllt haben.

  2. Vielleicht muss man endlich mal unterscheiden lernen zwischen den Menschen, welche Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre mit ihrer Musik die sogenannte Szene erschaffen haben (ohne dies im Sinn zu haben) – und denjenigen, welche die Musik für sich und ihre Szene vereinnahmt haben bzw, dies immernoch tun.

    Eine Szene geboren aus Ignoranz („Inhalte der Musik und/oder Beweggründe der Musiker sind mehr oder weniger egal“ und Exhibitionismus (Provokation, Abgrenzung).

    Eine nicht überlebensfähige Missgeburt, wie man aus dem ewigen Gebashe Richtung Jugend, die Szene würde sein Herz verlieren – AKA Generationenwechsel – ableiten kann.

    Diese Missgeburt „Szene“ ist zudem auch noch zum Inzest verdammt. Stichwort „Abgrenzung“.

    Meiner Meinung nach ist das aber das Schicksal aller Szenen. Somit sind die Diskussionen in der schwarzen Szene eigentlich nichts besonderes.

    Die Frage „Wann hat Gothic sein Herz verloren“ beantworte ich so: Ihr wurde schon mit ihrem Entstehen die Möglichkeit genommen, mehr zu sein als ein Sammelbecken von Provokateuren und Exhibitionisten.

    Natürlich verirren sich auch andere Menschen in diese Szene, die sich ernsthaft mit den Künstlern und ihrer Musik auseinandersetzen. Aber das sind dann eher diejenigen, die nicht ständig „ihre“ Szene verteidigen müssen und auf Gedeih und Verderb auf sie angewiesen sind.

    Wann werden Freiheit und Zuflucht zum Gefängnis? Vielleicht dann, wenn man sich abgrenzen muss?

  3. Nun denn scheint die Szene an sich also tot zu sein. Aber „Gothic“ als Kunst oder Musik nicht. Hab doch heute erst eine Platte laufen lassen. Die ist zwar sicher von 198irgends, aber offensichtlich tut sie’s noch :) Also tot hört sich für mich anders an :)
    Poe liegt aufgeschlagen vor mir und ist dunkler Mainstream seit 1849. Also ist doch alles beim Alten :)

    Isis: Ich muss widersprechen. Die Hipster gab es schon damals und bereits in den 70ern. Da waren das die „Hippies“, in den 80ern die „Popper“, in den 90ern „Ökos“ und in den 00ern die „Emos“, die nichts, aber auch gar nichts mit der Musikrichtung zu tun haben. „Hipster“ ist nichts anderes für Mainstream-Menschen, die es total in finden, „out“ und „indie“ zu wirken. Dabei sind sie genauso Mainstream wie ein Agonoize-Hörer schwarz ist :P

  4. Jemanden, der ernsthaft die Grausamen Töchter hochlobt, kann ich leider nicht ernst nehmen :(

  5. Danke, Robert, für den tollen Artikel. :o)

  6. Ich muss immer wieder schmunzeln wenn ich diese Frage lese.

    Ich bevorzuge hier immer gerne eine gewissen Trennschärfe zwischen
    dem Ende der Szene, dem Ende der Musik und dem Ende der verschiedenen Phasen

    Historisch gesehen gab es den Sound ja schon gute 5-6 Jahre bevor die Medien aus der Umschreibung eines düsteren Untertons eine Szene machten.die NME ( New Music Express ) war mit ihrem Artikel um frühere Gothic Punk Bands mit der Überschrift Positive Punk wohl nicht ganz unschuldig daran.Da wars dann aber auch schon Ende 82 – Anfang 83.Bella Lugosis Bauhaus und die Virgin Prunes, um mal 2 Beispiele zu nenne haben den Sound um die düsteren schweren und tiefen Bässe, und die dazu in Kontrast gestellten hellen Gitarren schon lange gespielt.Von den Vorreitern der Deathrock Szene mal ganz zu schweigen, da gings nämlich ebenso Ende der 70er los. Und das war lediglich die amerikanische Version dessen was Retropersketiv gerne als Batcave, Positive-Punk oder Gothic-Punk bezeichnet wird.Als aber 1985 so ziemlich alle Gruppen ( The Southern Death Cult, Sex Gang Children um mal ein paar zu nennen.) In dere Richtungen gingen und sich aufgelöst haben war die m.E nach Ursprüngliche Gothic Musik erloschen – Nachzügler wie die Bonanzas, ein Spitzname der gerne für die Sisters und die Fields benutzt wurde, traten in Licht und brachten einen Punk-unbeeinflussten Stil des Gothic an die Welt.Mit den USA touren von den eben erwähnten Sisters und dem Umzug von Christian Death nach Europa vermischte sich das alles – Wenn man das dritte Album von Christian Death hört ( Ashes 1985 ) hört man ganz klar heraus das diese die Punk Anteile zurück nahmen und vortan eine Version des Gothic Rock, der auch als American Gothic bekannt ist, gespielt haben.Über die Alternative-Metal Geschichte ab 1988 Post-Rozz muss man ja nicht weiter eingehen.Diese ganzen Rock-beeinflusste Gothic Musik oder auch Gothic Rock genannt ist somit schon die 2e Welle und wir schreiben gerade mal das Jahr 1985. The Cults Dreamtime und die ersten Vö’s der Sisters waren die ersten Rock Alben die der Szene entsprangen.Die Band um die Sisters und The Cult dudelten bis c.a Ende der 90er herum.Danach war die Szene so ziemlich, zumindest musikalisch am Ende.Vereinzelt gab es noch Bands die vereinzelt, aber ohne kommerziellen Erfolg ihren Sound spielten.Ende ? Niemals Bereits 2000 kam es durch Bands wie Scarlet’s Remains, Cinema Strange etc zu einem deutlich Gothic-Punk orientierten Revival.Leider kam auch um 2000 ein großer Einfluss der Rave-Bewegung mit in die Szene.Ein Beispiel dafür ist Skinny Puppy.Haben sie früher noch experimentellen Post-Industrial gespielt und ihre Karriere mit einem Industrial-Rock Album 96′ vorzeitig beendet, tauchten sie ja 2004 mit The Greater Wring of the Right Album wieder auf. Der Sound war aber ein ganz anderer.Mittlerweile ist es ledeglich eine düstere Form der Electronica und der IDM – mehr nicht.Andere Interpreten folgten diesem Einfluss, Clan of Xymox ebenfalls.

    Die Subkultur die sich hier in Deutschland soweit ich das Beurteilen kann als elitärste zeigt, ist die im Dark Wave Umfeld verortete NDT-Szene.Diese Urgruftis die es so überwiegend in der Zwischenfall-Ära gab, sehen sich durch ihr totenähnliches Auftretten als Ursprung und Äestetisches Vorzeigebild der europäischen Gothic-Szene.Leider ist dabei zu erwähnen das diese wenn überhaupt in der zweiten Welle des gesamten Spektrums “Gothic“ zu finden sind.Der Punkbezug wird dabei nicht mehr berücksichtigt.

    Oft bin ich auf internationalen-Grufti-Bloggs unterwegs und sehen dann Grufti-Stereotypen-Grafiken mit „Offshoots“ die ich etwas fragwürdig finde – Fairy Goths, Cababet Goth um mal zwei zu nennen.Ich frage mich nur wie Leute auf sowas kommen.

    Um mal zum Ende zu kommen – Ich finde nicht das die Szene tot ist.Es ist nur so, dass viele Leute keine Ahnung haben warum sie selbst so aussehen und was noch viel trauriger ist:Sie haben den Bezug zur Musik verloren – heute gibts ASP, Moni Inc und VNV Nation das reicht den HARDLINE GOFFFS in den üblichen Lokalitäten durchaus um ihre trueness unter Beweis zu stellen. Es gibt neben Wiki, viele kompetente literarische Werke die man sich zu Gemüt führen kann um einen mehr als ausreichenden Überblick über Gothic und Deathrock zu haben.Dafür interessiet sich niemand. Hauptsache die Bondage-Hose vom Bulletstore sitzt.Zusätzlich kommt noch eine totale Falschvermarktung von der Musikindustrie und Szene-Medien wie der Seducer.Berichte über 30 Seconds to Mars brauch ich nun wirklich nicht.Ebenso werden Bands für die Vermarktung ins Boot geholt die nun wirklich gar keine musikalischen Bezüge zum Gothic aufweisen.Das ist dann auch kein Platz mehr für Diskussionen – Es gibt klare Definitionen wann etwas Gothic Rock oder Gothic-Punk/Positive-Punk ist.Und nur weil ein Ville Vallo Jägermeister trinkt und ne schwarze Mütze trägt gehört Dark-Rock nicht zum Gothic.Und genau deswegen haben Symphonic-Metal Bands wie Nightwish und Dark-Rock Bands wie Mono-Inc oder HIM nichts auf schwarzen Festivals zu suchen – Apoptygma Berzerk mit ihrem MAjor Tom gedudel ebenfalls.Ich musste letztens echt meinen Laptop aus dem Fenster werfen als ich einen Beitrag im Mera Luna Forum gelesen habe, indem es um den Bauhaus Gig 08 oder 07 ging. Die Worte des, ich nenne ihn einfach mal „Vogel“ mit:Was haben diedenn hier zu suchen, habe noch nie sowas langweiliges gehört“ waren schlicht unnötig und wohl eines der größten Proteste gegen das schwarze Bildungssystem
    Ich habe fertig.

  7. AMEN to that!

    Allen, die wirklich mal was über die Ursprünge der Szene in Erfahrung bringen wollen seinen Werke wie z.B. „England`s hidden reverse“ von David Keenan, oder „Rip it up and start again“ von Simon Reynolds ans Herz gelegt. Letzteres gibt`s auch auf Deutsch ;-)

    LG Jörg

  8. Wer die 90er kennt, weiß eigentlich, dass Bands wie die Sisters oder Fields seit anno ’92 schon keine wesentliche Rolle mehr für die Szene spielten. Zu der Zeit gab es international mehrere Nachwuchsbands, die bis Mitte der 90er noch eine gewisse Popularität genossen (Nighbreed Recordings, Alice in…, wer die Plattenfirmen noch kennt) ehe Elektro und harte Gitarre das letzte Goth-Grüppchen von der Playlist verdrängt hatten. Das war so ca. ’94-’96. An ein Goth-Revival hatte zu der Zeit kein Mensch gedacht.
    Dazu muss man auch sagen, dass Gothic-Auswüchse wie „Ethereal“ in Deutschland nie so recht Fuß fassten, um nicht zu sagen: gänzlich ignoriert wurden. Sowas kommt eben auch noch dazu. Manche Entwicklungen erleben nur regional Hochphasen (selbst heutzutage scheint es in Deutschland dafür keine Hörerschaft zu geben?).

    Inwieweit die NDT derzeit noch eine Rolle spielt, kann ich nicht sagen. Meiner Meinung nach ist das seit geschätzten zwei Dekaden abgehakt. Mir ist keine aktuelle Band bekannt (kommt mir jetzt keiner mit Mantus und Illuminate… das hat mit der NDT der frühen 90er nicht sonderlich viel zu tun). Auch erkenne ich den Zusammenhang zwischen der NDT und den Urgrufties im Zwischenfall nicht!? Klärt mich auf…

  9. Dachte, die NDT wäre eher so ein süddeutsches Ding á la Goethes Erbsen, Das Ich oder Umbra

  10. Hallo Kevin,

    ein Wahnsinnskommentar, nicht nur was die Länge betrifft, sondern auch inhaltlich gut. Allerdings kann ich Dir nicht in allen Punkten zustimmen.

    „Bonanza“ – also eine Wiederholung, das waren zumindest die Sisters ja wohl absolut nicht. Die Fields haben zugegeben von ihnen inspiriert worden zu sein, aber die Sisters sind einzigartig und wegweisend gewesen für viele Bands die danach kamen – eben auch für die Fields. Obgleich ich eigentlich der Meinung bin dass man die beiden nicht vergleichen kann, ich persönlich würde widersprechen und den Fields einen ganz eigenen besonderen Stil zusprechen (Ja, ok, ich bin parteiisch und finde es eine FRECHHEIT meine Schätze als BONANZA zu bezeichnen ;) ).

    Jetzt aber zum eigentlichen Punkt. Die heutige Szene auf eine Stufe zu stellen mit der Szene wie sie damals war, halte ich so nicht für ok. Die heutige Szene ist sehr kommerziallisiert und hat sich weit von ihren Ursprüngen entfernt. Wie man das findet, bleibt jedem natürlich selbst überlassen, ich persönlich finde es zwar praktisch viele Sachen einfach kaufen zu können, aber nicht unbedingt richtig. Zweischneidig also. Alles, wo man in den Anfängen gegen stand, ist in der heutigen Szene vertreten. Allerdings ist sie seit damals ja exponentiell gewachsen und hat viele Unterbereiche entwickelt, was man ja auch berücksichtigen muss. In sofern würde ich es eher so ausdrücken: Die Szene ist nicht mehr das, was sie damals war, aber glücklicherweise sind „Restbestände“ vorhanden, man muss nur an den „richtigen Stellen“ suchen :D

    Zu der Musik kann ich – ganz subjektiv – mal sagen dass es sicherlich einige vielversprechende Musiker gibt, diese aber nicht massenkompatibel sind und nicht gewürdigt werden. Die, die gewürdigt werden können sich an der Musik von damals zumeist bei weitem nicht messen. Aber das nur als subjektive Sicht auf die Dinge…… ;)

    Wünsche Euch allen ein wundervolles Wochenende!

    Carpe noctem,

    Andra Noctuam :)

  11. Reynolds exzellentes Buch „Rip it up and Start again“ ist in der Tat bedingungslos empfehlenswert! (Dumm ist nur, dass er mit dem Titel „Orange Juice“ und den Pop des schottischen Postcard-Labels zitiert und so vielleicht irreführende Assoziationen weckt – tatsächlich erfährt man dennoch extrem viel vor allem auch über den Beginn des Post-Punk, der mir in der Diskussion zu kurz kommt.)

    Zur NDT: Sicherlich ein damals eher süddeutsches Phänomen – nichts desto trotz hatte (für mich!)das Erscheinungsbild eben dieser Grufties meine Vorstellung von „Goth“ entscheident geprägt. Diese Inkarnation scheint mittlerweile im „schwarzen Alltag“ komplett ausgestorben. Wenn man sich mal in Rüschenhemd und Samtfrack zwängt, kommt man sich selbst in der schwarzen Disse schon wieder als Außenseiter vor, weil dort halt Standart regiert – und VNV-Nation ;)

    Zu den Sisters: Mit ihrem Debut waren sie zweifellos definierend (also gewiss keine „Bonanzas“, den Ausdruck kannte ich noch nicht), aber spätestens das finale dritte Album hatte mit Gothic bereits nichts mehr zu tun.

  12. Bonanzas … Mir war der Begriff immer so geläufig, dass er sich auf Leute bezieht, die von ihrem Stil her so aussehen, als hätten sie nach einem Ritt durch die Prärie gerade ihr Pferd draußen angebunden.

    Und vielen Dank für den Buchtip!

  13. sehr schöner Kommentar Kevin Brosius

    Zu dem Bonanza Ding. Nun gut, wenn man aus den üblichen Quellen wie Mick Mercer und Co rezitiert waren THE Sisters of Mercy wirklich die ersten die in solcher Art und Weise auftraten (Hut, Poncho, dunkle Sonnenbrille, Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeebel etc..).

    FOTN haben es mehr oder weniger später ausnutzen könne als es bei dem Eldritch/Hussey Zwist zu keine Gigs mehr kam ein Großteil der Leute zu anderen Bands oder den Fields gingen und irgendwann in diesem Zeitraum kam dann auch der Begriff der Bonanzas auf, der durchaus vorhandenen Liebe des Carl McCoy zu bevorzugt italienischen Western, er das Intro vom Harmonica Man liefen lies.

    Leider kommt weder aus dem Lager Eldritch noch McCoy noch irgendwie was neues – den Raum haben wieder andere übernommen.

    (Ja ich weis auch die 2 oder 3 unreleasten Titel bei TSOM die aber wirklich auch schon ne Ewigkeit auf der Setlist sind. Zeit genug um die als EP rauszzubringen ist ja da^^)

  14. Es haben zu Beginn der Neunziger durchaus einige Bands starke Kritik dafür einstecken müssen, daß sie offenkundig stilistisch auf den Zug der Sisters/Fields aufgesprungen waren, von welchen die bekannteren möglicherweise die Merry Thoughts, Eyes Of The Nightmare Jungle und auch die frühen Love Like Blood gewesen sind. Phantasielosigkeit war der gängige Vorwurf an deren Adresse.

    Der Stil der NDT-Grufties zu Beginn der Neunziger lässt sich vor allem als ‚punk-fern‘ charakterisieren, dafür war bei ihnen der New Romantic – Einfluß deutlicher spürbar.
    Aufgrund der im Vergleich mit der heutigen Zeit damals viel weniger ausgeprägten Vernetzung der Szene, konnte man noch regional sehr unterschiedliche Szene-Biotope, mit verschiedenen Kleidungs- und Styling-Vorlieben und musikalischen Geschmäckern vorfinden. Diese so unterschiedlich ausgelebte Individualität machte einen großen Reiz für potentielle Szene-Neulinge aus, auch weil damit noch eine wirkliche Reibung mit der Gesellschaft vorprogrammiert war. So war vor allem im Osten der Republik eine starke Durchdringung von Wave- und Punk-Sezene zu beobachten, während man mit den Heavies (man sprach damals noch nicht von Metallern) eine nahezu millitante Feindschaft pflegte.
    Die Gothic-Szene (ich nenne sie der Einfachheit halber einfach mal so), ist nicht allein aus ihren englischen Wurzeln erklärbar, sondern auch immer aus ihren regionalen, volkstümlichen Eigenheiten und ich meine es ist kein Zufall, daß die NDT mit ihrer Vorliebe für das ‚feierlich-morbide‘ gerade im ‚barocken‘ Süddeutschland ihren Anfang nahm.

  15. Wombel: Das ist eine gute Erklärung, finde ich!
    Gerade die altertümliche, urige Architektur wie der Fachwerkbau, wie man ihn noch im Schwarzwald findet, oder die verfallenen (leider oft von Touristen überschwemmten) Burgen am Rhein, strahlen eine unwahrscheinliche Faszination aus. Es gibt einige Barockschlösser z.B. in Rastatt, Karlsruhe oder Bruchsal, die nach dem Vorbild von Versailles errichtet wurden, allerdings kommen sie alle dem historischen Vorbild nicht wirklich nahe, denn man muss dieses Riesenteil mal selbst gesehen haben. Hinzu kommen regionale Sagen wie die der Loreley oder die des eben schon angesprochenen Schwarzwalds – es gibt einen langen Sagenwanderweg dort, das sind alles Dinge, die einen wichtigen Einfluss auf regionale „dunkelromantische“ Ästhetik haben können.

  16. Man muss natürlich auch die Wurzeln der Bands berücksichtigen… und wenn ich da an frühe Das Ich oder Mental Inquisition denke (davon hab ich allerdings nur ein Demotape), dann standen da ganz klar die Neubauten Pate. Bei Endraum war es Joy Division.

    Deswegen zähle ich die NDT in ihrer Anfangsphase noch zur Wave-Musik, während ich den Schlagerkram der End-90er nicht mehr hinzurechne. Gerade Mantus… das ist einfach Juliane Werding auf Metal-Gitarre.

    Was die Goth-Nachzügler um Love Like Blood, 13 Candles, Catherines Cathedral, Nosferatu, Sons bzw. Preachers of Neverland usw. anbelangt: Klar, es gab Kritik an der deutlichen Nähe zu den Ikonen Sisters/Fields/Damned. Andererseits war’s bei den Früh-80er Goth-Bands doch nicht anders. Siouxsie & The Banshees -> Cocteau Twins… unverkennbar. Oder X-mal Deutschland. Da hörte man Siouxsie auch problemlos heraus. Joy Division -> Cold Wave… da bekommt man locker mehrere hundert Bands zwischen Island und Australien zusammen, die nach Joy Division klangen. Diese Grundelemente machen doch auch irgendwo einen Musikstil aus.

    Was häufig unterschlagen wird, ist dieser Rivalismus zwischen Goth und Elektro, der in den 90ern in sämtlichen Zeitschriften ausgetragen wurde. In einem Elektro-Magazin kam eine Goth-Band nur selten positiv davon. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Corpus Delicti nach Strich und Faden verrissen wurden. Dafür lobte man dann die 500ste Skinny-Puppy- oder Mentallo-Kopie. Also um den Goth stand es Mitte der 90s schon ziemlich mies.

    Deswegen werde ich nie verstehen, wie man Elektro aktuell als „Gothic-Stil“ betrachten kann. Es ist nicht so, dass wir nicht auch Cassandra Complex, Front 242 oder The Klinik hörten. Aber Gothic-Musik, wie es derzeit dargestellt wird, war das nie. Dass sich aktuelle „Goths“ dann über sowas wie Hocico oder Agonoize definieren und von traditioneller Gothic-Musik keine Ahnung haben, wirkt total befremdend.

  17. @Wombel:
    Es ist tatsächlich spannend, sich die regionalen Unterschiede mal anzuschauen. Und Samt/Rüschen/Puder bzw. dieser ganze NDT-Kram ist und war für mich immer eher ein bayerisches/baden-württembergisches/süddeutsches Ding. Ob das jetzt wirklich auf Barocke Schlösser und Fachwerk zurückzuführen ist, weiß ich nicht. Ich würde es eher an den (streitbaren) „Leuchttürmen“ von damals – Umbra Et Imago (Karlsruhe), Das Ich und Goethes Erben (Bayreuth) – festmachen, die dann eben auch modisch auf die Anhänger ausstrahlten. Die Bands kommen eben aus der Gegend, hatten Clubs/Partys und spielten dort viel live. so entsteht dann die treue, regionale Fanschar, die den Stil kopiert (und natürlich wieder abwandelt, wie das halt so ist bei musikzentrierten Jugendkulturen). Schließlich breitet sich das Ganze sukzessive (via Zillo und Co.) auf Deutschland aus, wo aber auch andere „Einflüsse“ wirken.
    Aus dem Ruhrpott, aus Hamburg und aus Berlin kamen da halt andere Sachen (Fair Sex, Project Pitchfork, Girls Under Glass etc.
    Im Übrigen kann man diese regionalen Unterschiede heute teilweise auch noch Erleben, wenn man die entsprechenden Veranstaltungen besucht.
    Der Osten kommt mir immer noch (sympathisch) „punkiger“ vor, während ich diese unsägliche Vermischung mit Metal in Hamburg (liegt es an Wacken? an den Wikingern? Ich habe keine Ahnung) bspw. total seltsam und unpassend finde.
    Aber natürlich hat sich das, gerade was die größeren Veranstaltungen betrifft deutschlandweit stark angeglichen und in den Nischen kommen wieder neue/andere Stile von außen zum Zug (Witch House Hipster, Neo-Goths, Horrorpunker, Retro-NDW-Anhänger und Co.)

  18. Über die Unterschiede zwischen Nord und Süd wurde schon anno ’92 diskutiert. Ich würde es nur bedingt daran festmachen. In Thüringen ist’s mindestens genauso metallisch wie in Schleswig-Holstein. Das ist IMO eine deutschlandweite Entwicklung der End-90er.

    Im Norden gab es zum Beispiel auch etliche Elektro-Bands zwischen Abscess (Kiel) und LPF 12 (Schülp) bis hin zu Nigra Nebula (Kiel). Goth gab’s da natürlich auch, z.B. die Band Also (heißt wirklich so) und The Trinity-Mania mit Timo Hoffmann vom Zillo-Magazin (kamen aus der Gegend von Henstedt-Ulzburg, drei Demo-Alben Anfang der 90er zwischen Goth und Electro-Wave) und natürlich The Caves (Schleswig) und Taste of Decay/Garden of Pleasures/Shadowplay (Richtung Flensburg). Selbstverständlich dürfen auch No More und die Nachfolgeprojekte nicht unter den Tisch fallen.

    Ich hatte da über die Jahre immer mal Listen angefertigt. Aber da kein Interesse an sowas bestand, sind sie irgendwo verschollen.

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