Kommentar: Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren?

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Screenshot Fetisch-MenschEs ist schon etwas Besonderes, wenn sich Szene-Künstler erheben, um über die Szene zu schreiben. Der Blick von den Bühnen der Republik ermöglich häufig ein umfassenderes Bild über eine Subkultur, der man häufig selber entspringt. Tim Hofmann, Gitarrist und Keyboarder der Gruppe fetisch:MENSCH tritt aus dem vermeintlichen Schatten den Oswald Henke gelegentlich zur werfen vermag und hinterfragt die sprichwörtliche Hand, die ihn füttert. Sein Blick von der Bühne zeigt ihm eine kritiklose Masse, die ihre Tiefe verloren hat und nun hilflos auf der Oberfläche paddelt. Hier kommt keiner zu kurz, die verbale Klatsche gegen die musikalische Gothic-Landschaft und deren einschlägigen Magazine sitzt. In seinem Artikel: Wann hat Gothic sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn? schreibt er: „Vielleicht hat es nicht so wehgetan, weil es so langsam und schleichend passiert ist. Und genau deswegen tut es wohl auch besonders weh: Gothic, so wie wir es einst lieben gelernt haben, ist nicht mehr. Nur noch ein Schatten, eine Erinnerung.

Seit Jahren predigen die Veteranen das Ende der Szene, in nahezu jeder Dekade liegt die Szene im Sterben. Wir sind es gewohnt. Wir sind gewohnt zu hören, dass Gothic tot ist, dass es seine Tiefe verloren hat, seinen Gehalt. Die Anzahl derer, die resignieren, wächst stetig. Zu laut ist die Masse der Oberflächlichkeit, zu leise die eigene Stimme. Und dennoch fühlen wir uns noch irgendwie zu einer Szene hingezogen, die öfter gestorben ist als eine Katze.

Doch Tim Hofmann weiß zu differenzieren und schreibt weiter: „Wann hat er eigentlich aufgehört? Als der Graf ins Fernsehen ging? Als Mono Inc. beschlossen, ihre Karikatur von dunkler Musik zu veröffentlichen? Als zu viele WGT-Besucher das optische Ausstellen einer inneren Anders-Gefühlslage mit dem karnevaleskem Spaß am Verkleiden zu verwechseln begannen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es an all diesen Einzelpunkten nicht liegt. In jeder Szene gibt es Menschen, deren Herz tief verwurzelt drinhängt und solche, die nur an einigen Details gefallen finden. Alles hat eine Oberfläche. Das ist kein Problem  so lange es darunter auch die Tiefe gibt.“ Schon wieder jemand, der resigniert? Jemand, der die Hoffnung aufgibt? Es tut gut, dass jemand die Sache auf den Punkt bringt, ausspricht, was gesagt werden sollte und das Gewicht seiner Stimme dazu nutzt, die Reichweite zu erhöhen.

Tim Hofmann - Bei fetisch:MENSCH für Programmierung, Keyboards und Gitarre zuständig - Hier ein Bild aus seinem Twitter-Profil
Tim Hofmann – Bei fetisch:MENSCH für Programmierung, Keyboards und Gitarre zuständig – Hier ein Bild aus seinem Twitter-Profil

Die Szene, lieber Tim Hofmann, ist nicht tot. Wie gerne würde ich nur nicken und denken: „So ist es!“ Doch nach den Zeilen der Zustimmung folgen auch Zeilen des Prickelns, einem Gefühl das Dir sagt: „Nein! Schau doch mal hin!“ Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen den Ihrer Meinung nach schlimmsten Fehler, die Kritiklosigkeit, auszubügeln. Jedenfalls ein bisschen. Die Szene stirbt immer erst dann, wenn sie in einem Selbst stirbt, wenn man den Kampf aufgibt und sich von der Oberfläche so weit entfernt, dass ein gelegentliches Auftauchen unmöglich erscheint. Nach 6 Jahren bloggen bin ich mir mittlerweile sicher: Die Szene muss nicht sterben, die Geburtenrate ist gesunken, aber vorhanden.

Der Ton war uns Überzeugungs-Gothics immer etwas ganze Besonderes. Wir haben unter der Oberfläche der Gesellschaft nach den Nischen gesucht, nach der Individualität. Haben zugehört. Zugelassen. Selbst Schmerz und Hass. Haben hinter alle Dinge geblickt. Aber irgendwann haben wir dabei Toleranz mit Kritiklosigkeit verwechselt. Meinungsfreiheit war uns ein so hohes Gut, dass Irgendwann der Inhalt einer Meinung egal war. Der Inhalt. Das hat dazu geführt, das irgendwann jeder alles machen konnte – wir haben es geschluckt. Und irgendwann haben wir mangels besserer Angebote Dinge geschluckt, die wir so eigentlich nicht haben wollten. Irgendwann war ASP eine der besten Bands der Szene. Wir haben nie gelernt, wie wichtig und befruchtend konstruktive Kritik und Streit sind. Auseinandersetzung. Das Ergebnis ist, dass es keine guten neuen Szene-Bands gibt. Man betrachte nur die Programmfolgen der Festivals in den letzten Jahren.“

So ist es. Mensch Tim, großartig geschrieben! Doch das Prickeln bleibt, gibt es keinen guten Szene-Bands mehr, oder ersticken wir in der ständigen und überflutenden Verfügbarkeit von Musik? Seit Punk kann jeder Musik machen, seit dem Internet kann jeder darauf aufmerksam machen. Die paar Menschen, die sich ernsthaft mit der Musik auseinandersetzen und sagen könnten was gut oder schlecht ist, kommen kaum noch hinterher sich durch die Flut der Belanglosigkeit zu kämpfen um die Perlen zu entdecken. Was wäre fetisch:MENSCH ohne den Namen „Henke“? Du schreibst es selbst: „Es gibt immer noch hervorragende dunkle Musik. Musik, die unter die Oberfläche schaut und das Dunkel ertastet. Die Schnitte im Herz, die Wunden in der Seele. Kunst, wegen der wir uns einst in der Schwarzen Szene heimisch gefühlt haben.

Dass du diese Musik eher außerhalb gewohnter Pfade findest, liegt vielleicht auch daran, dass „Gothic“ ein Modelabel ist, auf das hunderte von „Musikern“ aufspringen um für tausende, die dem Mode-Diktat folgen, das nötige Futter zu produzieren. Randbereiche sind sicher noch nicht so stark infiltriert, hier hat eine Suche mehr Erfolg. Neofolk, der Prügelknabe der Szene, ist so ein Beispiel. Kommerziell noch zu uninteressant und voller Leidenschaft dümpeln hier einige Perlen in den Hoffnung auf den Durchbruch. Vielleicht liegt auch hier ein Problem: Der Wunsch von seiner Musik leben zu können, ist stark. Musiker machen am liebsten Musik. Doch Musik, die schneidet und Wunden reißt ist 2014 nicht mehr erfolgreich. Sie bleibt Leidenschaft.  So kommen viele Künstler an einen Punkt an dem sie sich fragen, wohin sie möchten. Musiker, so wie du, kennen das sicherlich. Es fehlt also nicht nur eine Szene mit Tiefe, sondern auch Künstler mit Tiefe. Was nun zuerst da war und wer von wem abgeguckt hat, bleibt diskutabel. Die Musik hat ihre Vorbild-Funktion verloren, das Publikum die Bereitschaft zuzuhören. Aber das hast ja bereits geschrieben.

Auf der anderen Seite steht dagegen ein übermächtige, starre Masse, die aus dem einstigen Blick ins Dunkel der Tiefe eine neue Oberfläche gemacht hat. Symbole, deren Chic jeder kennt und deren Bedeutung niemand mehr fühlt. Eine Masse, die aus den Erkenntnissen und mutigen Perspektiven von einst die Phrasen von jetzt gemacht hat. Sie ritualisiert abspult und in Online-Shops einkauft. So wie Mutti jedes Jahr die Weihnachtskugeln an die Tanne hängt – und am Ende beides für originäre Bestandteile eines christlichen Festes hält. Am deutlichsten wird das vielleicht, wenn man auf die toten Magazine blickt: Eine Szene, die so viel auf ihren Geist und ihre Gedanken hält, erträgt komplett geist- und journalismusfreie Szenehefte, in denen jeder Artikel an bezahlte Anzeigen gekoppelt ist? Ja. Und nein. Aber: Diese Situation ist entstanden, weil sie aus uns allen heraus so entstehen konnte.

Und da haben wir alle Schuldigen versammelt: Die Szene-Hefte, die Musiker, die Szene – ich ergänze noch die Veranstalter, die immer szenefreiere Bands zu Headlinern machen und die Discotheken die gelangweilt immer das gleiche Programm abspulen. Aber Tim, sei doch mal ehrlich. „Szene-Hefte“ kann man nicht im Supermarkt kaufen. Konnte man noch nie. Das ist wie früher, als eine breite Masse modegeiler Kids die BRAVO für ein Blatt mit Ahnung hielten. Die den Stil der „Grufties“ kopierten und die Musik hörten, von denen man erzählte. Szene-Journalismus und Szene-Geist findet man nicht mehr zwischen Fetisch-Bildern mit halbnackten Models.

Und nein, viele von uns ergeben sich nicht in das Schicksal, von dem du schreibst. Wir machen etwas. Es gibt unzählige Blogs und Magazine im Internet, es gibt leidenschaftliche Autoren die Nischen-Magazine herausbringen, die Bücher und Foto-Bände veröffentlichen, Künstler die fotografieren und erschaffen, die Ausstellungen organisieren um das geistige Auge zu bereichern. Die meisten machen das nicht, um Geld damit zu verdienen, sondern weil sie ihrer Passion nachgehen. Denn wenn du anfängst Geld mit dem verdienen zu wollen, was du tust, musst du Dich den Wünschen deiner Kundschaft beugen. Und so funktioniert Subkultur nicht. So hat sie noch nie funktioniert. Die Wunschvorstellung, mit Leidenschaft Geld zu verdienen, bleibt nur einigen wenigen vorbehalten.

So wahr Deine Worte auch klingen: Sie sind ein Schlag in das Gesicht derer, die ihre Leidenschaft eben diese Szene widmen, die Du für tot erklärst.

Wir sind zu gut darin uns in Aussichtslosigkeit zu wälzen. Wie wäre es mit einem Artikel „Gothic lebt! Wo das Herz der Szene wirklich schlägt.“ oder „Gefunden! Wie ich den Sinn der Szene erkannte.“ Hoffnungsvolle Artikel die eine Richtung zeigen, einen Anhaltspunkt bieten. Die Gedankenanstöße liefern und Möglichkeiten bieten. Tim Hofmann, verstehe mich nicht falsch, Dein Artikel ist wunderbar, wenn auch einseitig.  Er endet: „Es ist traurig.“ – Was können wir tun, wo gehen wir hin, was sollten wir lesen? Und ja, du hast mich auch überrascht, denn du predigst nicht nur, sondern stehst auch dazu. In 93 Kommentaren bleibst du am Ball und lebst die geforderte Diskussion.

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Robert, Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Robert wurde 1974 in Mönchengladbach geboren und beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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Ian von Nierenstein
Das ist doch das ewig gleiche Thema, über das die „Szene“ seit Anbeginn der Zeitrechnung diskutiert. Das liegt einfach daran, dass viele ihre subjektive Vorstellung von Gothic auf die „starre Masse“ namens „Szene“ projizieren und daher pikiert sind, wenn andere „Szenegänger“ eine andere Auffassung haben. Stichwort Cyber. Mir sind die mittlerweile sowas von egal geworden. Sollen sie machen, wenn’s ihnen Spaß macht. Solange man nicht selbst Hand anlegt, Musik schreibt, spielt oder aufnimmt, Sachen entwirft und gestaltet, die für einen selbst „grotesk“ und „gothic“ sind, dann ist die ganze Sache nicht tot, sondern verstaubt einfach als Eisklotz. Für mich steht… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Nach dem Lesen dieser Zeilen bin ich mir bei der zeitlichen Verortung des Verfassers nahezu sicher. Anders kann ich mir diese späte Erkenntnis nach knapp 15 bis 20 Jahren Niedergang des Wave-/Goth-Konstrukts in seiner „reinsten“ Form nicht erklären. Die Bands, die er auflistet und denen er nachtrauert, waren zu einem Großteil in der zweiten Hälfte der 90er populär. Sorry, werter Tim, aber für den durchschnittlichen Altgruftie war Deine Generation schon nicht mehr Goth genug. *g* Das liegt einfach daran, dass viele ihre subjektive Vorstellung von Gothic auf die “starre Masse” namens “Szene” projizieren und daher pikiert sind, wenn andere “Szenegänger”… Mehr lesen »
Axel
Warum sollte man das eigentlich noch kommentieren? Ganz Ehrlich: dieser Stil ist ganz und garnicht tot. Im Gegenteil. Man muss nur die Augen aufmachen, sich auf die Suche begeben und hinhören. Es gibt da draußen zig gute Bands. Gerade in den USA ist die Wave-Musik sehr, sehr lebendig. Just jetzt liege ich in den letzten Zügen der „Stairways“-Compilation, die nächsten Monat gemastert und designt wird, und im April veröffentlicht. Eine klassische Wave-Geschichte mit tanzbaren Songs, mal mit analogen Synthies, mal mit Stromgitarren. Zwischendurch ein wenig Shoegaze und Punkelemente und einmal kräftig durchmischen – fertig wird ne Compilation, die sich komplett… Mehr lesen »
Micha
Micha

Wer das Gefühl bekommt, Gothic sei tot, ist in erster Linie des Gothics überdrüssig und gelangweilt. Verliert das Interesse. Solange man selbst dieses nicht verliert, wird Gothic auch nicht sterben. Denn jeder ist sich selbst der szenste.

Was Ian sagt.

Death Disco
Death Disco

@ Axel: Das schiebe ich auf das wandelnde (Fehl-)Verständnis von Goth. Bei den meisten End-90er- und „Millennium“-Schwarzen steht Wave-basierte Musik nicht im Mittelpunkt wie bei uns. Sie würden diese Musik nicht einmal als Gothic-Musik wahrnehmen.

Axel
@Death Disco: Glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es muss denen nur mal wieder jemanden zeigen. DJs wie die Sheatle beispielsweise, zu der hinterher immer die Leute kommen und sagen „Wow, sowas habe ich schon lange/noch nie [je nach Alter] gehört“. Oder eben besagte Labels. Gerade Zorch Factory machen nen verdammt genialen Job. Man braucht nur auf die Page und sich die Musik runterladen. Und auch wenn ich selbst meine Projekte in solchen Diskussionen lieber außen weg nehmen würde. Aber auch die erreichen durchaus ja einige und da gab es auch schon einige, die gesagt haben: „Mensch, ohne „Snowflakes“ wäre ich… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Ich bin erst seit 2009 „schwarz“ und mag Wave trotzdem.

kara ben nemsi
kara ben nemsi

der gute herr hoffmann scheint gar nicht zu wissen was die echte szene war oder ist.
der echte schwarze kern ist doch noch sehr vital und aktiv, alles was er so bespricht wurde doch gerade von diesem kern nie wahrgenommen.

@axel
das du deine projekte in diskussionen hier lieber wegnimmst ist mir gar nicht aufgefallen

das liedchen klingt nett, ist mir aber zu glatt und zu popig

na ob du das bestimmen darfst wer gothic ist oder nicht? ;)

du hattest ja nun in dem anderen thread schwere beschuldigungen an einen zwickauer club gerichtet. ich würde mich freuen wenn du das mal klarstellst.

Spontis Wochenschau #01/2014

Ian von Nierenstein

Punk war auch schon immer tot, Gothic war schon immer tot… je toter der Fisch desto mehr zappelt er.

Death Disco
Death Disco
@Death Disco: Glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es muss denen nur mal wieder jemanden zeigen. Daran glaube ich nicht wirklich. Die meisten dieser Leute haben ganz andere Vorlieben/Hörgewohnheiten, die – wie schon mehrmals angesprochen – im Metal oder in tekkno-artiger Musik zu suchen sind. Wave spielte bei denen nie eine Rolle. Und das hängt nun mal mit der Vermarktung zusammen. Wenn ich keine Wave-Musik anbiete, kann ich auch keine Wave-Szene erhalten. Das Publikum, das dann angelockt wird, ist nun mal ein ganz anderes (und wieviele der End-90er Marilyn-Manson-, Rammstein- und HIM-Jünger hatten wohl einen Bezug dazu? Das sind dieselben, die… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Ich kann Death Disco da völlig zustimmen. Wieviele Freunde habe ich, auf die das mit der musikalischen Definition zustimmt. Aber sie können ja wirklich nichts dafür. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ich ihnen irgendwann mal etwas gezeigt habe und das hat ihnen auch ziemlich gefallen. Man muss Hörgewohnheiten langsam und schleichend ändern. Früher habe ich auch Metallica und solche Sachen gehört, bis ich mich umorientiert habe. Metal kann ich heute überhauptnicht mehr hören.

Axel

Metallica haben doch mit dem Load-Album aufgehört Metal zu sein. ;-)

NorthernNephilim
NorthernNephilim

Das ich ich im letzten Jahr viele (für mich) unbekannnte Bands oder Stilrichtungen entdeckt habe ist doch gar nicht mal so schlecht für eine Tote Szene.
Da schreibt der Sänger eine Glosse üebr ne Machinery in der seine eigene Band schon selber drinsteckt. 100% auf einer der 10 monatlichen Szene Bravo Heft CD´s vertreten bzw im Copy und Paste Lineups der großen „Szene“ Festivals…

Ian von Nierenstein

Und wozu muss immer neues nachkommen, wenn das alte Zeug eh besser ist? Lieber hör ich Bauhaus auf Dauerschleife und hüpf durch die Bude. Man kann mich halt einfach zufrieden stellen :D

Metal ist Metal, das sollten wir hier nicht ausphilosophieren, in diesem Artikel geht’s um Gothic.

Orphi Eulenforst
Ich glaube ebenfalls – wie Kara Ben Nemsi erwähnte – dass die meisten „Steine des Anstoßes“ vom Kern der Szene niemals als Teil der Szene verstanden wurden. Die Subkultur ist doch mit vielen aktiven Grufties, die Magazine wie das Pfingstgeflüster oder Events wie das Young & Cold Festival erschaffen, die Ausstellungen wie das Schattenkabinett organisieren oder Webseiten wie Spontis und den schwarzen Planeten pflegen, ausgesprochen lebendig. Schwarze Autoren gehen gemeinsam auf Lesereise -an dueser Stelle sei auf Klaus Märkert verwiesen, der ganz hervorragende Geschichten und Bücher schreibt, in denen man sogar dem alten „Zwischenfall“ begegnet. Leute wie Karnstein machen nicht… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

Läuft bei mir alles unter Revival. Viele der heute noch aktiven „Altgoten“ waren nicht permanent dabei, sondern legten, wie etwa Frau B, langjährige Pausen ein. Die Gründe dafür wurden ja schon öfters erläutert.

Einen wirklichen Kern erkenne ich heute nicht mehr. Was damals im Mittelpunkt stand, ist heute nur noch ein Nebenstrom.

Soul262
Soul262
Ich stimme den obigen Kommentaren im Wesentlichen gerne zu, fühle mich jedoch auch nah an der Kritik von Tim. Es gibt für mich in der Szene so was wie eine Subkultur in der Subkultur, die Tim von Fetisch Mensch offenbar nicht betrachtet oder gar nicht kennt. Einige Beispiele wurden oben von euch dafür ja genannt. Ob es sich dabei um den Kern oder nicht viel mehr nur eine Randgruppierung handelt, könnte man jedoch diskutieren. Ist aber letztlich egal. Ihr fühlt euch als Sponti-Leser, was vermutlich kein Zufall ist, genau diesem speziellen Teil der Szene zugehörig und widersprecht den Abgesängen von… Mehr lesen »
Orphi Eulenforst

Aber irgendwie bestimmt ja nun jeder seinen „Mittelpunkt der Szene“ selber. Was ich sagen wollte: Auch heute kann man sich seine Szene bzw seinen schwarzen Bekannten- und Freundeskreis so „basteln“, wie man es gerne hätte und man kann seine Vorstellung von „true“ heute noch selbst dann finden, wenn man nur die Vergangenheit mit ihrer Musik und ihren Outfits mag und Kreativität und Tiefe der schwarzen Loveparade-Schaulaufen-Szene vorzieht. Was um diesen bevorzugten Kern herum passiert, muss einen ja nicht zwangsläufig interessieren.

Axel
Heute höre jetzt ich lieber Lebanon Hanover, Keluar, Tempers, muss mir aber selber aktiv diese Perlen heraus suchen. Und das war im Endeffekt nie anders gewesen, heute ist es durch das Internet nur einfacher geworden auf Suche zu gehen. Man kann weltweit auf Suche gehen. Das hat, wie schon oft debattiert, Vor- und Nachteile. Nachteil ist sicherlich, dass jeder seine Musik online stellt und es schwierig ist zwischen all den Mist die Perlen zu finden. Aber auch das war im Endeffekt nie wirklich anders. Schon in den späten 90ern musste man gute Bands wie beispielsweise Angizia aus Österreich aktiv suchen,… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

Ach, hört doch auf. Was macht Gothic denn aus, wenn nicht ein Basisgenre? Alles andere war und ist individuelle Interpretation, eben das, was Ian oben ansprach. Es gab niemals ein gemeinschaftliches Ideal. Und wenn, dann keines, das der traditionellen Gothic-/Wave-Szene zuzuordnen ist. Gothic ist doch keine Religionsgemeinschaft, ein Dichter- oder Denkerclub. Es war eine lose Szene, die sich primär über die Musik zusammenfand. Alles andere hätte nie zur Entstehung einer Jugendszene geführt.

Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi
ich sah in gothic immer mehr als reinen musikkonsum. gothic war und ist für mich schon immer auch ein lebensentwurf mit allem was dazu gehört das was ich in gothic sah, ist vielleicht doch besser mit gruftietum zu beschreiben, obwohl ich in gothic den passenderen begriff sehe. leider beanspruchen diesen titel zu viele strömungen. ende der 80ziger bezeichneten wir uns als grufties, das gaben wir in den 90zigern auf, um uns halt auch einen breitgefächerteren kulturellen anspruch zu geben. zu friedhof, styling und musik kamen literatur, occultismus und philosophie. dafür reichte gruftiesein nicht mehr. jetzt bin ich und viele meine… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Für mich war die Musik das wichtigere Element, eben so, wie es auch im Punk oder im Metal der Fall war. In der Musik konnte man sich verlieren. Die Grundstimmung in den unterschiedlichen Bereichen, dieses emotionale Planschbecken, stand für mich im Vordergrund. Selbst wenn die Texte total beknackt waren. Natürlich gab es da auch ein Interesse am Altertümlichen, an ersten Hochkulturen wie den Sumerern und Ägyptern, an Runen und Mythologie aller Art, an Symbolen, an alten Sprachen wie Griechisch und Altenglisch, oder mehr laienhaft an philosophischen Themen. Damit stand man auf weiter Flur aber auch ziemlich alleine da. Das ist… Mehr lesen »
Axel
Ich stimme da Death Disco weitgehend zu. Am Anfang und am Ende steht die Musik. Hier kann man sicherlich die Grenzen individuell erweitern auf Folk, auf Shoegaze, Post-Rock, usw. Solange es nachvollziehbar aus dem Wave entstanden ist – oder eine ähnliche Intention verfolgt, sollte man schon offen für neues sein. Es sollte nur nie etwas komplett von außen hineingetragen und umettiketiert werden. Aber auf Musik kommt es im Endeffekt an. Nicht umsonst definieren sich viele nunmal genau darüber. Und an Musik messe ich auch wie lebendig eine Szene ist oder nicht. Alles andere – egal ob Kleidung, Literatur, Philosphie, etc.,… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Ich gehe davon aus, dass zumindest ein Großteil der Künstler eine ungeheuer große Ahnung von Kunstgeschichte hatte oder generell gebildet war.
Der Name Bauhaus kommt ja nicht von ungefähr. Generell ist vieles der „Punk“-Kunst keine neue Erfindung der späten 70er oder 80er sondern bedient sich aus dem Bauhaus-Stil (Gropius, Paul Klee etc. lassen grüßen) sowie dem Dadaismus, was auch in diesem Zeitraum, nämlich den 20er-Jahren, lag. Und auch vom Kleidungsstil und der Art sich zu schminken ist die Post-Punk-Zeit beeinflusst. Das kann man von heutigen Gothic-Abziehbildchen Marke XtraX keineswegs erwarten.

Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi
musik ist wichtig den sie transportiert die inhalte…TEXTE!!!! woher kommen die ernstzunehmenden texte im gothic? literatur, occultismus, mythen, religionen und philosophie sowas lässt sich nicht trennen. diese inhalte für sich zu erschliessen, kennenzulernen zu hinterfragen war und ist mein verständnis der gruftkultur. reines melodien hören ist doch das was wir den cybern vorwerfen. inhaltslosigkeit. ferngesteuertes abzappeln. nochmal axel: du bist kein gruftie, der grossteil deiner musikvorschläge hat auch nichts damit zu tun.. klezmer folk, shoegaze, postrock hat nichts mit uns zu tun. retrogame nerd passt auf jedenfall zu dir.. du bist eine virtuelle persönlichkeit, du lebst scheinbar nur in deinen… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein
Ich glaube, die „Inhaltslosigkeit“ liegt an der Hörerschaft. Wenn sich die Künstler diesen anbiedern müssen wie gewisse Subway To Sally (auch wenn das nicht schwarze sonder Mittelalterrammsteinmusik ist, aber das ist doch ein gutes Beispiel, weil viele sowas hören und sich gleichzeitig „schwarz“ bezeichnen), die ein Album „Schwarz in Schwarz“ nennen und ihren Hörern in den Arsch kriechen um beachtet zu werden. Bands wie Xmal Deutschland fanden ihre Hörer, die „Grufties“, eigentlich doof und sind einfach auf die Bühne, haben ihr Ding gemacht und sind gegangen. Früher sind die Fans ihren Bands nachgerannt, heute ist das scheinbar andersrum. The Cure… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Als hätte jeder Goth mit Stift und Zettel dagesessen und Texte übersetzt. Nun wird’s aber unrealistisch. Und dann sang auch nicht jede Band über Okkultismus, Gothic Novels und Co. Viele Texte waren gesellschafts- und religionskritisch, im elektronischen Bereich, wenn wir Gothic/Wave mal als Ganzes betrachten, gab es oft Themen wie Tierversuche, im Industrial Mord und Totschlag. Man sollte sich nicht zu sehr auf die Texte fixieren. Musik MUSS nicht von Grund auf textliche Inhalte liefern. Gesang kann auch problemlos als Instrument dienen. Ich muss mein Veto einlegen, Gothic besteht mittlerweile nicht nur aus Musik. Musik, da gebe ich euch recht,… Mehr lesen »
kara ben nemsi
kara ben nemsi

ich denke robert hats da am besten ausgedrückt.

ich spreche halt von mir und meinem umfeld. ich kenns nicht anders. und genau das definiere ich als gruftietum. reine musikfans haben ihre berechtigung, aber sind für mich keine grufties. bands ohne ausage haben mich meist nicht interessiert und natürlich war die themenvielfalt weiter gesteckt..das waren jetzt nur beispiele.

Axel
Wenn es nur um Musik geht, die so breit gefächert ist wie Axel behauptet, welchen Sinn macht dann noch schwarze Klamotten? Einen untergeordneten Sinn. ;-) Du sagst, Gothic ist ein Weltbild. Ich stimme da wiederum Death zu: Du ziehst Dir aus verschiedenen Texten dein Weltbild. Das kann man aber doch nicht auf alle übertragen und projizieren. Denn Du hast eine bestimme Sozialisation, eine bestimme Lebensumgebung und Lebenswirklichkeit. Aber es reicht schon wenn Du Dich mit jemanden aus einem anderen Land unterhältst. Nehmen wir beispielsweise die USA, die ja nun eine sehr lebendige Wave-Musikszene haben. Die haben zum großen Teil eine… Mehr lesen »
kara ben nemsi
kara ben nemsi
politsoße, kommerz, alltag und heute das sind alles themen vor denen wir geflüchtet sind. ja es gibt strömungen.. von mir aus nennen wir es schwarze szene.. der begriff gothic ist aber europäisch..benennt nicht von ungefähr eine europäische epoche oder von mir aus ein literaturgenre. wie robert schon sagte..wieso die schwarzen klamotten. wieso die religiösen oder antireligiösen symbole, die blassen gesichter die ans mittelalter erinnernden gewänder. der ganze style ist zutiefst im abendland verortet. der ursprung ist england, aber auf dem kontinent wurde der trend erst kultiviert, neubefruchtet zu neuen höhen getrieben. die ursprüngliche gruftikultur in deutschland war sehr homogen, die… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein
„Gothic“ bedeutet auf deutsch „Grotesk“ – zum Beispiel in der Typographie. Groteskschriften sind serifenlose, neuartige Fonts wie später „Helvetica“, die in ihrer Entstehungsphase sehr schockierend auf die klassizistisch und historistischen Schriftarten gewirkt haben müssen. Die Leute kannten im 19. Jahrhundert ja nichts anderes als gebrochene Schriften oder kulturell abhängige Schreibschriften. Und den Eindruck, den diese neue radikale Form der Typografie auf die einfachen Menschen haben musste, haben wohl in den 70ern auch die Punks und später die Waver auf die Menschen gemacht. Ungewohnt, skurrill, grotesk. Edgar Allan Poe war sicher einer der ersten Goths. Nur hätte er wohl so reagiert… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man
„…Der ganze Inhaltsüberschwang an Tod und Vergänglichkeit, die in vielen Texten eine Rolle spiele, führen zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung..“ Es ist ja wirklich eine gute Sache das Bewusstsein für Tod und Vergänglichkeit zu schärfen..andererseits machen das wohl so einige Menschen in dieser Welt..eher unfreiwillig..nämlich real..wenn beispielsweise Angehörige versterben oder man selber von einer Krankheit betroffen ist. Dazu brauch man dann weder besonders aussagekräftige Songtexte noch schwarze Kleidung, die verdeutlichen soll wie man eigentlich tickt..in diesem Zusammenhang kann dann diese Herangehensweise nämlich sehr oberflächlich sein. Es gibt über den gruftigen Tellerrand hinaus auch so einige Bands, die sich auch mal mit… Mehr lesen »
Axel

Es gibt über den gruftigen Tellerrand hinaus auch so einige Bands, die sich auch mal mit solchen Themen beschäftigen.

Oh ja, Mylene Farmer – eine ganz wunderbare Künstlerin! :-)

The Drowning Man
The Drowning Man
es gibt strömungen.. von mir aus nennen wir es schwarze szene.. der begriff gothic ist aber europäisch..benennt nicht von ungefähr eine europäische epoche oder von mir aus ein literaturgenre. Der Begriff Gothic hat in diesem Zusammenhang aber mitnichten etwas mit einer europäischen Epoche oder auch einem Literaturgenre zu tun..sondern ist wohl eher ein von den Medien hochgezüchteter Begriff. Unklar ist seine Herkunft..oftmals wird behauptet er stamme von Ian Astbury (The Cult) über das Publikum der Sex Gang Children:“Hordes Of Goths..it could be London“. Und anno dazumal waren wohl nicht alle sogenannten Goths wirklich tiefsinnig..oftmals war es wahrscheinlich manchmal auch nur… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Wie The Drowning Man schreibt: Es gibt unterschiedlichste Themen, wie z.B. The Cure sie behandeln. Gothic ist die dunkle Seite von New Wave, Dark Wave eben. Musikalisch gesehen eben mit Gitarren. Und im Grunde ist das ganze Wave-Ding keine Lebenseinstellung, sondern eine Bezeichnung fürs Leben an sich. Es ist ein Auf und Ab. Wie Wellen – und letztlich das Leben – sich nun mal verhalten. Wir interpretieren viel zu viel da rein.

Ian von Nierenstein

Ja. Gothic ist ein Medienwort. Genauso wie Gruftie. Es heißt Dark Wave. Punkt. „Goth-Rock“ ist auch nur Wave. Und Wave ist solange nicht tot, wie hier drüber philosophieren.

The Drowning Man
The Drowning Man

@The Drowning Man: Ich denke jedoch, dass wir in einer Welt der Verdrängung leben. Der Tod wird weggeschoben, weggefeiert. Man beobachte nur einmal einen typisch deutschen “Beerdigungskaffee”. Ich fand es immer schrecklich, weil sich jeder mit sich selbst beschäftigte und nicht mit dem Verstorbenen. Songtexte und düstere Musik können durchaus hilfreich sein, sich diesen Gedanken hinzugeben, sie zu erleben und so eine Auseinandersetzung zu fordern. Musik ist ein Katalysator für Gefühle und Emotionen, warum sollten wir ihn nicht nutzen?

Da gebe ich dir vollkommen Recht..nur brauch ich dafür nicht explizit gruftige Kleidung

Ian von Nierenstein
Die Frage ist ja auch, was „gruftige“ Kleidung überhaupt ist? Ich persönlich trage schwarz, aber eben auch bevor ich die „dazugehörige“ Musik gehört habe. Und andere hören die Musik und tragen beispielsweise bunte Sachen. Das muss jeder für sich entscheiden. Und im Grunde kommt man dann wieder auf das Thema Dresscodes in Clubs zu denken, das sich dann irgendwie immer mehr ins Lächerliche zieht. Wozu ein Dresscode? Nur, weil zufällig einige „Schwarzkittel“ schwarz tragen und wenige nicht? Über dieses Thema wird man sich noch in hundert Jahren streiten, genauso über die Frage, ob „Gothic“ tot sei… Und ich werde, glaube… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man

Und ich werde, glaube ich, verrückt :D

Hahaha..das kenn ich

Death Disco
Death Disco
Man sollte vielleicht nicht vergessen, dass die frühesten Gruftis das Aussehen ihren Vorbildern zu verdanken haben. Ich kann sicher nicht für alle sprechen, aber ich bezweifle auf breiter Ebene, dass diesbezüglich mehr dahinter steckte als Ästhetik und Ausdruck der Zugehörigkeit. Ein bisschen Shocking und Provokation vielleicht noch. Kreuze waren cool. Trug jeder Waver am Hals oder am Ohr. Halsketten, Ohrringe, Armreife… gab’s in der gesamten New-Wave-Mode, ob bunt oder schwarz. Ankh-Kreuze bei Siouxsie und Specimen. Weiße Gesichter, mit denen nun auch nicht jeder herumrannte, fanden sich bei den New Romantics bis hin zu Bands wie Alien Sex Fiend, Sex Gang… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man
Und es ist, wie gesagt, auch nicht so — wenn man sich mal US-Wave-Bands anschaut — dass dort Tod, Okkultismus und solche Dinge heutzutage ne übergeordnet große Rolle spielten Bei Bands wie Christian Death, Shadow Project, 45 Grave, Radio Werewolf (bei denen sogar sehr extrem..haha) oder vielleicht auch Mephisto Walz aber doch schon. Und Christian Death war ja damals auch ne Kultband die auch einige europäische Bands beeinflusste..bspw die deutsche Band Madre Del Vizio. In meiner „aktiven“ Zeit (also optisch)Anfang der 90er hatten halt Bands wie Christian Death, Death In June, Current 93 (Neofolk war damals Teil der Gothic-Szene weil… Mehr lesen »
Axel
Gothic (als Subkultur) ist zutiefst europäisch, man hat das Thema international interpretiert und für sich vereinnahmt. Das klingt ja schon fast wie ne „feindliche Vereinnahmung“. ;-) Und das finde ich dann doch unfair, sollte es tatsächlich so gemeint sein. Klar, die ganzen Bands kamen anfang der 80er aus England. Aber daraus zu schließen, dass das alles zutiefst europäisch sei? Das ist mir dann doch zu kurz gedacht. Denn sobald etwas in andere Länder schwappt, ist es nunmal auch Teil dieser Länder und deren Kultur. Mit Deiner Argumentation dürften sich übrigens auch nur Engländer als Goths bezeichnen. In Deutschland wurde das… Mehr lesen »
Katrin
Katrin
Ich denke, man darf bei all den theoretischen, kultur-historischen Ausführungen, die letztlich zu nichts führen, nicht vergessen, den Fokus auf kleine, persönliche Erlebniswelten zu richten, da diese nach meinem Empfinden letztlich ein viel klareres Bild einer vergangenen Zeit liefern. Es ist richtig, dass damals die Musik das zentrale Thema war, welches die schwarzen Menschen im Kern verband. Mochte jemand The Cure oder die Sisters und sah dabei noch den eigenen Idolen ähnlich, konnte dieser gleich dreimal so bekloppt sein, wie der Rest der bunten Welt, man sah soweit es ging drüber weg und verzieh um einiges mehr. Solang jemand die… Mehr lesen »
Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi

@katrin.. besser kann man es nicht beschreiben. ja genauso war es auch bei mir. danke das du es so formuliert hast.

Death Disco
Death Disco
Also ich weiß nicht. Es gab doch schon in den 80s Waver, die mehr Gotenrock mochten, die mehr Synthie mochten, und auch schon „Industrial“-Leute, die auf Psychic TV und sowas standen. Neofolk mag Anfang der 90er ein recht junges Genre gewesen sein, aber die Bands? So habe ich zwar diverse „Industrial“/Wave-Platten von Current 93 oder Di6 im Schrank (Lashtal, Nada! und solche Sachen). Als das zu „Apocalyptic Folk“ mutierte, ging aber viel von der alten Energie verloren, wie ich meine. Di6 fand ich von den Vorzeigebands immer noch am besten. Aleister Crowley,Tarot,Baudelaire,Poe..allerdings war es wohl eher ne oberflächliche Beschäftigung um… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Hier das Foto. Erinnert mich auch ein wenig an das damalige Briefeschreiben. Man verbrachte wirklich Stunden damit, mit Tinte und Schnörkelschrift halbe Kunstwerke zu erschaffen. Noch ein Pseudonym druntergekleckert und ab in die Post damit. *g* Dieses Fremdfühlen in einer schwarzen Masse von Menschen, die es nicht interessiert, wenn man von schwarzer Melancholie, Leben oder Tod schreibt, singt oder redet, geschweige denn, dass sie es auch nur im Ansatz nachvollziehen könnten. Das war schon immer so, soweit ich mich erinnern kann. Dieser melancholische, nachdenkliche Teil, das Interesse am Vergangenen oder diese eigenartigen Deja-Vu-Erlebnisse, die man in bestimmter Umgebung erfahren konnte.… Mehr lesen »
Mone vom Rabenhorst
Katrin, Du bringst es mit diesem wundervollen, persönlichen Beitrag auf den Punkt, vor allem mit der Einleitung! Ich bin leider nicht so gut im „Gefühle-Beschreiben“, daher einfach nur mal ein Danke !!! an Dich. :-) (Ich hab auch noch einige gemalte Bilder … ;-) , mit Songtexten kann ich leider nicht dienen. ) Auch Death Disco und Kara Ben Nemsi, bei vielen Eurer Beiträgen erwische ich mich auch oft beim stillen „Nicken“. :-) Der Mensch ist ein Individuum und jeder hat seinen eigenen Grund, wieso und weshalb er das schwarze Outfit – mehr oder weniger extrem – gewählt hatte, da… Mehr lesen »
Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi
@Death Disco kurze Anmerkung zu Crowley: er war mit nichten ein Satanist. er lehrte den Weg zur Selbsvergöttlichung, zur Macht und griff dabei auch auf die antiken Hochkulturen zurück. Ohne altes Ägypten, Sumerer, Hebräer kein Thelema. Die meisten reden über Crowley ohne sich je mit ihm beschäftigt zu haben. Unser Zugang waren die Fields, Current93 usw.. die berühmte „Tausend Augen des Meisters“ Biographie kreiste in Chemnitzer Gruftiekreisen in Dauerschleife. Meine Gruftiehochzeiten waren von 1990-95, das ist auch die Zeitspanne von der ich hier rede. In dieser Zeit war die Beschäftigung mit dem „Occulten“ selbstverständlich. Das war nicht nur in Chemnitz… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Mone vom Rabenhorst, dein „Roman“ hat mich sehr berührt! Darf ich ihn in meinem Blog als Gast-Artikel verwursteln? :)

Katrin: Die Zeichnungen sind wundervoll!

Mone vom Rabenhorst
Ian, verwechselst Du mich grad mit Katrin? Falls ganz sicher nicht, schick mir mal bitte nen Link zu Deinem Blog. Und Death Disco…. diese Briefe… mein Gatte und ich haben „unsere“ von damals aufbewahrt, habe sie jetzt beim Renovieren wieder in der Hand gehabt. Herrlich. Mit Christian Death-Schrift, mit der der Postbote sicher immer beim Adressen-Entziffern einen Heidenspaß hatte…. und auch immer schön mit schwarzem Trauerrand außen am Umschlag ;-). Kara Ben Nemsi: „es gab angeblich nie Grabschändungen, keine Satanisten, Selbsmörder, Drogensüchige … das hat alles die Bild erfunden. Man muss es nicht gut finden aber sowas gab es auch.“… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Die meisten reden über Crowley ohne sich je mit ihm beschäftigt zu haben. Zumindest nicht intensiver. Ich war immer geschichtlich interessiert. Auch mythologisch in einem sachbezogenen Rahmen. Jegliche Form von gelebter Religion oder Glaubensgemeinschaft ging an mir vorbei. Church of Satan und Co. Das rief in mir keinerlei Interesse hervor. Mir war bewusst, dass sich auch Musiker damit auseinandersetzten. Aber ich war nie jemand, der die Interessen der Musiker nun 1:1 kopieren musste. Sie konnten als Anregung dienen, kein Zweifel. es gab angeblich nie Grabschändungen, keine Satanisten, Selbsmörder, Drogensüchige … das hat alles die Bild erfunden. Man muss es nicht… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

https://mondbote.wordpress.com/ Das ist mein Blog, aber mein Name ist schon drauf verklinkt.

Death Disco
Death Disco
Am Rande bemerkt wage ich zu bezweifeln, dass bsp. die (auch) in den Staaten in Gruftiekreisen sehr beliebten Dead Can Dance einen amerikanischen Goth an Arbeitslosigkeit und soziale Probleme denken lassen. Na ja… wenn man das Video zu Host of Seraphim vor Augen hat („Baraka“), fällt das dann auch nicht mehr sonderlich schwer. DCD sind übrigens ein gutes Beispiel für textlose Musik. Lautmalerisches Geträller gab es auch bei den Cocteau Twins. Stimme als Instrument. Und es störte nie das Gesamtbild. Auch ein tolles, neueres Beispiel von Hybryds Eigentlich krass, dass man das in “Gruftie-Kreisen” inzwischen klarstellen muss. Krasser fänd ich’s,… Mehr lesen »
Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi

es scheint wirkliche regionale unterschiede gegeben zu haben, dass war ja auch musikalisch bemerkbar.

Mone vom Rabenhorst

Grad nicht. Muß ja erst ein Geeignetes suchen….. *freu*.

Du „verlinkst“ meinen Kommentar aber (auch) hier zu Spontis, oder?
Weil er ist ja sonst ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen…

Acricola Heimgang
Acricola Heimgang
Also Buddhisten sind mir eher wenige begegnet, Death Disco… Natürlich war und ist die „Gothic-Kultur“ mit ihren thematischen Bezugnahmen und Gegenständen ganz maßgeblich abendländisch geprägt, das heißt vom lateinischen Christentum (ohne das sich letztlich auch viele okkultistische und satanistische Strömungen nicht denken lassen), von der Aufklärung und damit verbundenen Religions- und Ideologiekritik, von der (schwarzen) Romantik (einschließlich Faszination für Okkultismus und Heidentum), von der Idee des Individualismus, die in den zwanziger Jahren einen ersten Höhepunkt erreichte. Wir mussten von den Engländern da gar nichts „vereinnahmen“ oder „uminterpretieren“, Axel, weil wir dieselben Wurzeln haben! Das gilt, nebenbei bemerkt, auch für die… Mehr lesen »
Katrin
Katrin

Mit soviel Resonanz hatte ich gar nicht gerechnet… *huch

Aber es freut mich, dass ich die ein oder andere Erinnerung wecken konnte. Und ja, das mit den pompösen Briefen habe ich auch betrieben. :-)

Acricola Heimgang
Acricola Heimgang

Kara Ben Nemsi:
„kurze Anmerkung zu Crowley: er war mit nichten ein Satanist. er lehrte den Weg zur Selbsvergöttlichung, zur Macht und griff dabei auch auf die antiken Hochkulturen zurück. Ohne altes Ägypten, Sumerer, Hebräer kein Thelema.“

Kurze Anmerkung von mir: Eigentlich krass, dass man das in „Gruftie-Kreisen“ inzwischen klarstellen muss.

Acricola Heimgang
Acricola Heimgang

„DCD sind übrigens ein gutes Beispiel für textlose Musik.“

…textlos nur bezogen auf Lisa Gerrard und niemals kontextlos.

Ian von Nierenstein

Angesichts der Anzahl der Kommentare hier auf Spontis (siehe diesen Artikel hier) kann man sagen: Die Szene ist nicht tot, sondern hat sich einfach wo anders hin verlagert. Was ich damit sagen will: Hier ist ’ne Menge los :)

Acricola Heimgang
Acricola Heimgang

„Krasser fänd ich’s, wenn Robert hier mal IPs miteinander vergleicht und sie mehreren Nicks zuordnen kann. ;-)“

???

Acricola Heimgang
Acricola Heimgang

Da bin ich ja froh, dass ich ich bin. Ich war durch Death Parties Statement ganz verunsichert und befürchtete, ich sei irgendwie noch jemand anderes und vielleicht schizophren…

Wombel
Wombel
Ecki Stieg hatte schon Mitte der 80er den Tod der Szene bescheinigt und Bauhaus`Burning From The Inside – Album als den „finalen Sargnagel“ bezeichnet. Was dann mit dem Eintritt in die Neunziger als sog. neue deutsche Todeskunst seinen Anfang nahm, war für ihn nicht mehr als das künstliche am Leben erhalten von etwas, das sich überlebt hatte. Ich will damit sagen, daß es immer im Auge des Betrachters liegt, ob er noch Teil von Etwas sein kann, oder ob die Sache für ihn gelaufen ist. Ehrlicherweise muß ich jedoch zugeben, daß die Szene viel von ihrem Biss verloren hat. Toleranz… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Oha, ich musste feststellen, dass durch mehrmaliges Umziehen quer durch Deutschland über die Jahre so einige Erinnerungsstücke verloren gingen. Nix mit gut sortierten Kisten auf dem Dachboden. ;-) Ecki Stieg hatte schon Mitte der 80er den Tod der Szene bescheinigt und Bauhaus`Burning From The Inside — Album als den “finalen Sargnagel” bezeichnet. Also das hatte er bestimmt nicht Mitte der 80er getan. Der Satz ist in dieser Form falsch formuliert. Die NDT, die zu Beginn der 90er populär wurde, konnte er zu dieser Zeit noch gar nicht beurteilen, es sei denn, er hätte neben seiner Tätigkeit als Moderator und Schreiberling… Mehr lesen »
Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi
den privaten Bereich sollte man meiner Meinung nach nicht ausklammern. Anfang der 90ziger hatten wir hier bei uns auch mal eine fast Veranstaltungsfreie Zeit. die Ostszene war durch die Glatzen kollabiert, es gab einfach nichts mehr. In die Discos wo noch minimal Indie lief traute man sich nicht mehr, weil es lebensgefährlich war. Das war die Hochzeit der Keller, Ruinen und Friedhofstreffen hier und halt auch in den wenigen Wohnungen. Die meisten wohnten ja noch zu Hause. Wichtig waren auch die besetzten Häuser. In Zwickau und Chemnitz gab es da richtige Gruftiezimmer.. Sperrgebiet für unsere Punks. :) Das war für… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

Szene entsteht (vorrangig) in Clubs. Der Akt des Zusammenfindens – das ist Szene. Drogenszene, Comic-Szene, Schwulenszene… Szene entsteht durch „soziale Interaktion“, basierend auf Themen und Vorlieben. Und hier ist das eindeutig die Musik gewesen.

Szene sind die Menschen, die sich ihr zugehörig fühlen

Wem fühlen sie sich zugehörig? Die Szene entsteht doch erst durch diese Menschen. Wandeln sich die Inhalte, der thematische Kern, um den sich alles dreht, geht die Szene eben flöten.

Wombel
Wombel
Wie Eckie Stieg das von mir ins Spiel gebrachte Zitat letztlich gemeint hat, wird er vielleicht nur er selbst wissen, für mich liest es sich jedoch ganz ähnlich dem, was Tim Hofmann da vorgebracht hat. Die Entwicklung der Szene in den kommenden Jahren wird zeigen, ob T. Hofmann recht behält, oder ob es wieder einen Aufschwung geben wird. Ich denke, immer wenn ein kommerzieller Kollaps droht, wird sich abseits ein Grüppchen finden, das im Sinne des ursprünglichen Gedankens weitermachen wird. Vielleicht wird es wieder, wie in der Vergangenheit, regional recht isolierte Grüppchen geben, auch wenn das in Zeiten des Internet… Mehr lesen »
RaBe
RaBe
Hallo, ihr habt es geschafft, ich muss nun mal auch meinen Senf dazu geben. Also ich finde es echt zum an die Decke gehen, dauernd vom Tod der Szene zu lesen, oder woher oder aus was sich welche Dinge hier begründen… Sicher trauere ich auch den alten Zeiten nach, aber das ist noch lange kein Grund mich und die Szene kaputt zu reden. Ich ziehe mein Ding weiter durch, solange es mir möglich ist. Gleichgesinnte gibt es noch genug, und zum Glück bin ich auch bereit mit der Zeit zu gehen, vor allem Musiktechnisch. Die Guten alten Sachen höre ich… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

auch die guten Neuen Sachen.

Für die muss ich wohl schwerhörig sein. ;-) Die Revival-Aktivitäten der letzten Jahre einmal ausgenommen, ist die musikalische Landschaft der Schwarzen Szene seit den vergangenen 20 Jahren das reinste Fiasko. Die Müllhalde der Popmusik, sozusagen.

RaBe
RaBe

Na zum Glück sind Geschmäcker verschieden….. wie schon gesagt “ Lendenschurz usw….“ Daher ist und bleibt das eine Endlos Diskussion, mit wünschen und Hoffnungen, die wohl zum Teil unerfüllt bleiben werden…..

Death Disco
Death Disco
In der Diskussion geht es aber nicht nur um Geschmack. Hier geht es um klar erkennbare kulturelle Merkmale und um ihr Verschwinden. Jugendszenen wurden bereits in den 90ern mit Stammeskulturen verglichen, was auch meiner Vorstellung entspricht. Zur Veranschaulichung eignet sich das nämlich hervorragend. Veranstaltungen, Veranstaltungsorte und eine eigene musikalische Basis dienen der Festigung ihrer Reiche. Alte Kulturen werden jedoch nach einer Hochzeit oft verdrängt, verwässert, assimiliert, bis auf Minderheiten, die noch vereinzelt ihre Bräuche pflegen, wie koptische Christen im islamisierten Ägypten. Ein eigenes Reich besitzen sie nicht mehr. Sie sind lediglich Teil einer übergeordneten Menge, der sie sich nicht einmal… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Für mich steht momentan nicht der Fakt im Raum, dass wir das Jahr 2014 schreiben und irgendwelche Revivals feiern, sondern die Frage, ob Jugendszenen generell nur in der subjektiven Wahrnehmung „untergehen“. Und das verneine ich ganz klar. Menschen wandern zu und wandern ab. Neues entsteht auf alten „Trümmern“. Das ist durch einschneidende Faktoren gekennzeichnet. Das Internet steckte Mitte der 90er gerade einmal in den Kinderschuhen. Von einem Kommunikationswerkzeug für die breite Bevölkerung konnte zu dieser Zeit gar keine Rede sein. Ich finde die schwarze musikalische Landschaft mehr als lebendig. Im Prinzip habe ich das seit den späten 80ern so gehandhabt.… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man

Nach der Vorgehensweise könnte ich auch Darkthrone hören, weil’s irgendwie geil und düster klingt. In einer Gothic-/Wave-Szene landet man damit aber sicher nicht.

Ich mag Mayhem, Emperor und Darkthrone…waren anno 95 die Fortführung von Christian Death, Shadow Project usw…in meiner Wahrnehmung..während man in schwarzen Dissen damals nur kitschigen Metal geboten bekam

Ian von Nierenstein
Man kann hören was man will. Dadurch wird man nicht mehr oder weniger zum Goth/Wave oder zum Metaller. Ich finde es bescheiden, dass man sich als Individuum eine Bezeichnung aufzwängt, als gehörte man zu einem Volksstamm oder einer religiösen Bewegung. Jemand der auf Gothic steht, ist erstmal ein Mensch, der einfach bloß auf Gothic steht und sich dementsprechend kleidet, weil ihm danach ist. Ich kann in kompletter Montur durch die Gegend rennen, deswegen bin ich noch lange kein „Goth“. Jemand, der Volksmusik hört, ist schließlich auch kein Volksmusiker, denn er MACHT die Musik nicht. Ein x-beliebiges Kiddie, das chartorientierten Hip-Hop… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man

Seh ich genauso…ich höre die Musik die mich bewegt..egal welcher Sparte (gut..ein Großteil ist schon Darkwave/Postpunk). Ich bin halt ein Individuum (mit relativ normaler Kleidung). Manche Leute halten sich halt für Individuen und rennen schwarz angepasst durch die Weltgeschichte (weil sie sich immer noch mit einem fiktiven Gedankenbild identifizieren)…hahaha. Wobei ich meinen möchte..eigentlich ist jeder Mensch ungeachtet seiner Kleidung, Hautfarbe oder Geschmack ein vollkommenes Individuum.

Ian von Nierenstein
Und darum, weil ich The Cure höre, die sich einer wahnsinnige Bandbreiten an Themen widmen, kann ich nicht sagen: „Ich bin Goth“, denn sie haben vielleicht drei Alben veröffentlicht (Seventeen Seconds zähle ich mal als Gothic-Album dazu), die man explizit als Gothic bezeichnen könnte, „Pornography“ als düsterstes Album ihrer gesamten Bandgeschichte an erster Stelle. Ihr musikalischer Stil ist New Wave, meinetwegen Dark Wave. Und das ist für mich persönlich auch die treffendste Bezeichnung. Gothic ist für mich eine Ausdrucksform, aber keine Genre- oder Personenbezeichnung. Aber ich glaube, dass wir uns im Kreis drehen und man bestimmt schon vor zwanzig Jahren… Mehr lesen »
The Drowning Man
The Drowning Man

im Grunde geht es doch darum freigeistig, kreativ und lebendig zu sein…sind aber Definitionen („Die Schwarze Szene“) nicht einfach das Gegenteil davon weil man sich nur limitiert? War nicht das Tolle an den 80ern das es Leute gab die einfach Musik aus sich heraus gemacht haben ohne zu (teils unbewusst) zu denken „Ich mach jetzt Musikrichtung XY“?
Ich erlebe die Welt mittlerweile überwiegend als vollkommen unkreativ, uninspiriert, vermarktet und oftmals vollkommen belanglos..

Ian von Nierenstein

Ja. Das ergeht mir ähnlich. Ich finde, man sollte diese Szene als Grundgerüst, als Skelett, betrachten, auf dem man aufbauen, seine eigene Kreativität walten lassen kann. Eine Art Richtlinie, aber fernab von Dogmen – und doch ist sie ein einziges Dogma.

Death Disco
Death Disco
Das verstehe ich nicht. Ich dachte, das sei Teil der Diskussion? Die Berichte über das Dahinsterben einer Szene werden von einigen ausschließlich der subjektiven Wahrnehmung zugeordnet, so als würde es soetwas wie einen Szeneniedergang nicht geben. Da eine Szene aber Merkmale besitzt, kann man sehr wohl Veränderungen, Hoch- und Niedergangsphasen festmachen. Das Beispiel Internet führte ich nur an, weil du mir mit Ägypten gekommen bist. Ich hatte Dich weder direkt angesprochen noch hatte ich ausschließlich Ägypten erwähnt. Spielt ja auch keine Rolle. Das lässt sich zigfach mit anderen Beispielen vergleichen. Aber wie ich bereits schrieb: Szenen gab es lange vor… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein
Wenn ich hauptsächlich Metal höre, kann ich wohl kaum ein Grufti sein. Das stimmt, aber „Metaller“ wäre ich deswegen auch nicht, sondern nur Musikliebhaber, solange ich nur zu Hause vor mich hin dödel und nicht unter Menschen gehe. Henke hörte sehr wohl Wave-Musik, u.a. zählten The Fair Sex zu seinen Favs, soweit ich mich erinnere. Das mag sein, jedoch macht er keinen Wave. Zumindest ist Goethes Erben für mich kein Wave. Der Graf hört auch Sisters of Mercy, macht aber trotzdem Schlager. Ich mag auch The Fair Sex, bin aber deswegen noch lange kein Wave, denn ich habe die Zeit… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

Gut, bei Goethes Erben magst Du sogar recht haben. Aber deshalb darauf zu schließen, dass die NDT von Poppern erfunden wurde, ist schon ziemlich… fantasievoll.

Yorick
Yorick
Jugendszenen wurden bereits in den 90ern mit Stammeskulturen verglichen, was auch meiner Vorstellung entspricht. Deine Vorstellung ist falsch. Sorry DD, aber so einen Satz kann nur jemand von sich geben, der nicht den Hauch einer Ahnung hat, was eine Stammesgesellschaft überhaupt ist und was sie ausmacht. Du hast anscheinend zu viele Soziologiebücher gelesen, dieser Neotribalismusquatsch geistert nämlich schon seit den 60ern durch die Soziologie. Eine Stammesgesellschaft ist eine, deren Mitglieder wirklich zusammenleben. Das bedeutet, sie wohnen bzw. siedeln zusammen, sie arbeiten und wirtschaften gemeinsam, sie schlagen sich miteinander durch den Alltag usw. Eine Szene hingegen ist eine Freizeitveranstaltung, die sich… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco

Eine Szene hingegen ist eine Freizeitveranstaltung, die sich mittels uniformer Merkmale einen Anstrich von Zusammengehörigkeit zu geben versucht.

Wenn es nur das wäre, gäbe es nicht diesen Hang zur Abgrenzung, in den 80ern noch radikaler ausgeprägt als heute. Damals hatten sich diverse Grüppchen sogar gegenseitig auf’s Maul gehauen. Es wurde ein- und ausgegrenzt nach stammeskulturellen Mustern. Die Cliquenbildungen führten dann nochmals zur internen Abrenzung. Bei Jugendkulturen wie den Skinheads ist diese radikale Form der Abgrenzung vermutlich sogar bis heute erhalten geblieben. Da gibt es Regeln, Symbole, Kleidungsformen, etwas, das man als Stammesattribute bezeichnen könnte.

Axel
@Ian: Also ich finde es ja schon abenteuerlich zu behaupten, nur wer Musik macht, bildet überhaupt eine Szene! Natürlich bilden auch Hörer diese Szene. Denn die Rechnung ist ganz einfach: ohne Hörer keine Musik! Zumindest nicht in dem Stil. Es gibt natürlich auch Musiker, der daheim privat vor sich hin musizieren, gelegentlich mal was ins Netz stellen und das war’s. Aber das macht erst Recht keine Szene aus! Eine Szene entsteht durch Geben und Nehmen. Der Musiker gibt den Hörer Musik und somit etwas, in was er eintauchen kann. Der Hörer gibt dem Musiker Anerkennung und im besten Fall Geld… Mehr lesen »
Yorick
Yorick
Wenn es nur das wäre, gäbe es nicht diesen Hang zur Abgrenzung, in den 80ern noch radikaler ausgeprägt als heute. Damals hatten sich diverse Grüppchen sogar gegenseitig auf`s Maul gehauen. Das steht nicht im Widerspruch zu meinen Aussagen. Selbstverständlich gibt es Szenen und Subszenen und meinetwegen Sub-Sub-Sub-Sub-Subszenen. An den grundlegenden Szenemechanismen ändert das nicht das geringste. Und diese sind eben nicht, und zwar wirklich in keinster Weise, als tribalistisch zu qualifizieren. Wenn du mir das nicht glaubst, empfehle ich dir folgenden Text: http://www.rabenclan.de/index.php/Magazin/HansSchuhmacher/Szene01 Bitte nicht vom reißerischen Titel „Rassismus und Szene“ abschrecken lassen, ab Abschnitt 2 wird es interessant^^ Dieser… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Auch wenn mich der Text nicht wirklich zufriedenstellt (der Link funktioniert übrigens nicht), liegst Du im Detail sicher richtig (wobei „kollektiv“ von mir stets im Sinne von „gemeinschaftlich“ verwendet wird. Wären Szenen rein individuell angelegt, würden sie doch gar nicht als solche existieren). Dennoch bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, welchen Nutzen diese Unterscheidung für die Veranschaulichung haben soll. Hier geht es um Erkennungsmerkmale, äußerliche und musikalische, Identifikationsmerkmale, anhand der man die Szene charakterisieren und von anderen „Urban Tribes“ unterscheiden kann. Ebenso um die zeitliche Zuordnung anhand dieser Merkmale, um Entstehung, Blütezeit und Niedergang, Mechanismen, die sich sehr… Mehr lesen »
Saturin
Saturin
(Eines kurz vorweg: Selbstverständlich hat Ekki Stieg stets auch klassischen Gothic-Rock gespielt! Natürlich war nie eine „Grenzwellen“-Sendung ohne Skinny Puppy oder Click Click zu haben und ganze Sendungen waren auch mal Carlos Peron gewidmet, aber wen hätte das gestört?) (jetzt folgt leider ein Roman) Zum Thema Herz & Seele der Szene: Ich finde nach wie vor, dass beides noch vorhanden ist; es ist aber auch so, dass sich die Szene stark verändert hat und sich derzeit in einer Lage befindet, die mir nur semi gefällt. Grundsätzlich führe ich das zurück auf „das Internet“ und die damit in den vergangenen 10-12… Mehr lesen »
Yorick
Yorick

@DD

Ups, mir ist auch gerade aufgefallen, dass der Link nicht funktioniert, Mea Culpa>.< Naja, dann halt einfach die Adresse eintippen.

Ich behaupte ja nicht, dass ich dem Artikel 100%ig zustimme, aber ich finde es schon wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich bei sog. "Urben Tribes" eben nicht um Stämme im eigentlichen Sinne handelt. Das führt nämlich sonst zu gewaltigen Missverständnissen, aus denen bereits viel Unsinn hervorgegangen ist.

kleine Eule
kleine Eule
Nun möchte ich aber auch noch einmal etwas dazu sagen. Und ich kan mich nur wiederholen: So lange es diese wunderbare Musik gibt, Joy Division, die Sisters, die Fields, the Cure, ASF und all die anderen wundervollen Künstler, und so lange es Menschen gibt, die von dieser Musik und der Lebensart in ihrem Herzen und der tiefsten Stelle ihrer Seele berührt werden – so lange mache ich mir keine Sorgen um ein „Szenesterben“. Die Szene verändert sich. Und vielleicht stirbt irgend wann einmal das was die oberflächliche Mainstreamschicht dastellt, dann verschwinden diverse aktuelle Bands die ich jetzt nicht näher betiteln… Mehr lesen »
Axel

@Saturin: Wunderbares Statement. Genauso ist es. Vielleicht eine Ergänzung: Man sollte sich noch mehr untereinander auf das Schöne aufmerksam machen. Nicht leise und in quasi elitären Zirkeln, sondern laut in Blogs, auf sozialen Netzwerken usw. Dann wird es vielleicht auch nicht so schwierig das gute Zeugs aus der Masse herauszufiltern. Leider habe ich hier aber such das Gefühl, dass viele Menschen lieber alte statt neue Bands erleben wollen. Was ich sehr schade finde…

Saturin
Saturin

@Axel: Da liegt vielleicht das Missverständnis – es geht nicht darum, das gute Zeugs aus der Masse herauszufiltern, sondern es überhaupt irgendwo zu finden und wahrnehmen zu dürfen.
BTW: Ich liebe alte Bands (und werde mir Joy Division als die z. B. allerbeste ;) natürlich nicht nehmen lassen), aber ich hab offene Ohren für alle neuen. Aber ohne eine gewisse Grundierung von Gewesenem (und Aufgebautem) macht es natürlich nur halb so viel Spaß…..

Axel
Das Finden war ja immer ein wenig aufwendig. ;-) Aber auf die bekannten Medien wird man sich da nicht verlassen können. Wenn man da nicht bereit ist sich für viel Geld dort einzukaufen findet man dort ganz einfach nicht statt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Mit dem Internet hat man doch ein gutes Werkzeug. Und anstatt dass sich die Leute ständig über den „Tod der Szene“ ergießen, könnten sie ja mithelfen eine Art „neue alte Bewegung“ zu initiieren. Sei es mit Blogs, mit kreativen Podcasts (ein deutsches Pendant zum GothTune Podcast – http://gothtune.blogspot.de/ – wäre doch ganz nett!), kreativen Webradios (Idee:… Mehr lesen »
Kara Ben Nemsi
Kara Ben Nemsi

ja der virtuelle axel kann eine virtuelle szene kreieren.
alles am pc, weil da kann jeder mitmachen..das ist natürlich bequem, besonders um veranstaltungen oder gruppen die es in der realen szenewelt gibt mieszumachen ohne selbst erst dahin zu müssen.

der sozialkritische, ein stückweit immer mahnende und vor selbstlob triefende goth-nerd.. herrliche zukunft.

axel wann kommt nun mal deine klarstellung oder entschuldigung zu deiner selbsterfundenen geschichte hier: https://www.spontis.de/vernetzt/wochenschau-01-2014/#comments

ich kann dich als mitdiskutanten nicht ernst nehmen wenn du hier geschichten erfindest. da bin ich ein stückweit elitär :)

Irmin
Irmin
Um mal einen anderen Aspekt aus Roberts Ursprungsbeitrag aufzugreifen: die Künstler. Die sind ja auch irgendwie wichtig… Vielleicht liegt auch hier ein Problem: Der Wunsch von seiner Musik leben zu können, ist stark. Musiker machen am liebsten Musik. Doch Musik, die schneidet und Wunden reißt ist 2014 nicht mehr erfolgreich. Sie bleibt Leidenschaft. So kommen viele Künstler an einen Punkt an dem sie sich fragen, wohin sie möchten. Musiker, so wie du, kennen das sicherlich. Es fehlt also nicht nur eine Szene mit Tiefe, sondern auch Künstler mit Tiefe. Die Grundvoraussetzung, sich entscheiden zu müssen, ist natürlich, sich in der… Mehr lesen »
Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti

Den entscheidenden Punkt hat meiner Meinung nach noch keiner meiner Vorredner genannt.

Ich denke: Jeder, der sich zur schwarzen Szene bekennt, ist – alles nur nicht schwarz!

Warum?

War das nicht am Anfang der schwarzen Bewegung Ende der 70er/Anfang der 80er in England der Grund, aus alten Schemata auszubrechen? Eben keiner Kategorie anzugehören?

Und was macht der Deutsche? Schafft sich mit „Szene“, „Gothic“ etc. Kategorien.

Zum Vergleich: Wer aus einem Gefängnis ausbricht, hockt sich nach gelungener Flucht doch nicht ins nächste.

Oder etwa doch?

Death Disco
Death Disco

War das nicht am Anfang der schwarzen Bewegung Ende der 70er/Anfang der 80er in England der Grund, aus alten Schemata auszubrechen? Eben keiner Kategorie anzugehören?

Sowas hake ich als retrospektiv hineininterpretierten Wunschtraum ab. Mag sein, dass sich zu der Zeit diverse Leute keiner der bestehenden Szenen zurechneten. Andere wiederum sahen sich sehr wohl noch im Punk verhaftet oder als Teil der New Wave. In Sachen Uniformierung und Abgrenzung unterschied sich der gemeine Gote nicht sonderlich von anderen Jugendkulturen. Warum auch?

Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti

Mag sein, dass sich zu der Zeit diverse Leute keiner der bestehenden Szenen zurechneten.

Genau. Das waren und sind die eigentlich schwarzen.

Denen

Uniformierung und Abgrenzung

am A…. vorbei gehen.

Oder wovon singt die alte Garde sonst!

Death Disco
Death Disco

Genau. Das waren und sind die eigentlich schwarzen.

Nein, das waren jene, die sich mangels Bezeichnung zwischen den Stühlen bewegten. Nicht mehr, nicht weniger. Ist nun wieder Märchenstunde angesagt?

Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti

Es gilt natürlich nur deine Wahrnehmung. Alle anderen sind Idioten.

Death Disco
Death Disco

Mit Verlaub, aber die Behauptung, die wahrhaftig Schwarzen seien jene, die sich weder Namen geben noch einer Kategorie zuweisen, hat nichts mit Wahrnehmung zu tun, sondern gehört einzig in Deine Fantasiewelt. Das ist komplett ahistorisch.

Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti

Du solltest vielleicht mal weniger den Szene-Historiker raushängen lassen, sondern dich mit den Inhalten der Musik beschäftigen.

Und zwar nicht mit dem, was du glaubst verstanden zu haben, sondern das was die Musik tatsächlich erzählt.

Keine der oft gepriesenen „alten“ Bands hat je was von Uniformierung und Abgrenzung gepredigt. Keine einzige.

Alles nur eine Erfindung der breiten Masse an Grufti-Mitläufern, die die Musik niemals verstanden haben.

Death Disco
Death Disco

Inhalten Ach herje… wieder einer dieser Spät-’90er Typen, die ewig auf Inhalte pochen und glauben, das „Schwarzsein“ für sich gepachtet zu haben. Als sei das Gruftitum der neue Islam. Ihr geht mir vielleicht auf die Klöten…

Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti

Du kannst und willst nichts verstehen. Du tust mir leid.

Death Disco
Death Disco
Nein, Du verstehst nicht. Ich möchte mal sehen, in welcher Szene den sich zugehörig fühlenden Personen permanent abverlangt wird, sich mit Inhalten zu beschäftigen. Sowas geschieht aus freiem Willen. Wie wäre es denn, wenn wir’s bei einem Minimum an Gemeinsamkeiten, sprich Primärmerkmalen, belassen? Die Menge der Sekundärmerkmale ist individuell bestimmt. Und das hatte ich nun schon mehrmals gesagt. Keine der oft gepriesenen “alten” Bands hat je was von Uniformierung und Abgrenzung gepredigt. Keine einzige. Alles nur eine Erfindung der breiten Masse an Grufti-Mitläufern, die die Musik niemals verstanden haben. Du hast einfach überhaupt nicht begriffen, wie Jugendkulturen entstehen und funktionieren,… Mehr lesen »
Isis
Isis
Ich glaube man muss ohnehin zwischen den einzelnen Subkulturen und Subszenen und der Schwarzen Szene unterscheiden. Letzteres ist inzwischen ein so schwammiger Begriff für ein Konglomerat aus Überbleibseln mehrerer (Sub-) Szenen und Subkulturen auf der einen Seite und andererseits werden durch stetige Öffnung neue Sachen hinzugezählt, so dass ich es für unwahrscheinlich halte, dass sie in den nächsten Jahren so schnell verschwinden wird, weil es in absehbarer Zeit wohl stets noch Menschen geben wird, die man in irgendeiner Weise dieser Szene zuordnen kann bzw. die sich dieser Szene zugehörig fühlen und dies zum Ausdruck bringen. Und wo man hier die… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Die Frage, die für mich aber im Raum stehen bleibt, ist, ob es bei aller scheinbaren Lebendigkeit der „Szene“ momentan überhaupt neue(!) Subkulturen in der Szene gibt – mal abgesehen von den gefürchteten Cybern. Das ist ’ne interessante Frage. Durch die Undefinierbarkeit der aktuellen Szene und die Nutzung der Bezeichnung „Gothic“ als Kaugummi-Etikett entfällt das meiner Meinung nach nahezu vollständig. Das heißt, es gibt unter den Grüppchen, die irgendwie wave-verbunden waren, zwar eine Einteilung (New Romantic, Goth, EBMer, Neofolker etc.). Bei dem losen Konstrukt, das eher abseits davon existiert, spielt das aber offensichtlich keine Rolle. Man könnte anhand der Vorlieben… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Die Frage, die für mich aber im Raum stehen bleibt, ist, ob es bei aller scheinbaren Lebendigkeit der „Szene“ momentan überhaupt neue(!) Subkulturen in der Szene gibt – mal abgesehen von den gefürchteten Cybern.

Muss es überhaupt was Neues geben? :)

Saturin
Saturin

Für meinen Geschmack müsste es auch nix Neues geben ;)

Aber etwas, dass sich nicht irgendwie entwickelt, stagniert und ist dann irgendwann tot. Dann lieber Neuerungen, die zumindest Lebendigkeit signalisieren – sie müssen einem nicht in allen Nuancen gefallen, aber man muss ja nicht alles Lemminghaft mitmachen.

Ian von Nierenstein

Z.B. die neue Still Patient?-EP. Für viele ist sie sicher zu metallisch. Ich persönlich finde sie nicht schlecht. Sie kracht und donnert. Ab und an brauche ich das mal, obwohl ich eher Cure-Freund bin :)

Death Disco
Death Disco

Diversen Punkten widerspreche ich nicht einmal. Nur diese Erwartungshaltung, dass man all diese Merkmale gleichzeitig besitzen muss, um als „schwarz“ zu gelten, ist einfach idiotisch. Für viele war Gothic/Wave doch mehr eine Gefühlswelt, in der sie sich ausleben konnten. Und Musik war dabei nun mal (unbestreitbar) ein elementarer Faktor, ein Primärmerkmal, während das Interesse an Kunst, Philosophie oder Literatur Sekundärmerkmale sind, die nicht unbedingt von allen geteilt werden (müssen). Das Interesse daran ist rein individuell. Wenn das zur Leitlinie für alle erhoben wird, wird es ausgesprochen dogmatisch.

Isis
Isis
Aber etwas, dass sich nicht irgendwie entwickelt, stagniert und ist dann irgendwann tot. Dann lieber Neuerungen, die zumindest Lebendigkeit signalisieren — sie müssen einem nicht in allen Nuancen gefallen, aber man muss ja nicht alles Lemminghaft mitmachen. So sehe ich das auch. Und es ist ja nicht so, dass es im 21. Jahrhundert keine neuen Subkulturen mehr gibt. Bis vor ein paar Jahren gab es die sog. „Hipster“ auch noch nicht und schwupps (Achtung, stereotype Beschreibung) lauern sie mit ihrem Flanellhemd, Skinny Jeans, Jutebeutel, Club Mate und iPhone hinter jeder Ecke. Sie sind also ein Beispiel dafür, dass sich so… Mehr lesen »
Sheik Yerbouti
Sheik Yerbouti
Vielleicht muss man endlich mal unterscheiden lernen zwischen den Menschen, welche Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre mit ihrer Musik die sogenannte Szene erschaffen haben (ohne dies im Sinn zu haben) – und denjenigen, welche die Musik für sich und ihre Szene vereinnahmt haben bzw, dies immernoch tun. Eine Szene geboren aus Ignoranz („Inhalte der Musik und/oder Beweggründe der Musiker sind mehr oder weniger egal“ und Exhibitionismus (Provokation, Abgrenzung). Eine nicht überlebensfähige Missgeburt, wie man aus dem ewigen Gebashe Richtung Jugend, die Szene würde sein Herz verlieren – AKA Generationenwechsel – ableiten kann. Diese Missgeburt „Szene“ ist zudem auch noch… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein
Nun denn scheint die Szene an sich also tot zu sein. Aber „Gothic“ als Kunst oder Musik nicht. Hab doch heute erst eine Platte laufen lassen. Die ist zwar sicher von 198irgends, aber offensichtlich tut sie’s noch :) Also tot hört sich für mich anders an :) Poe liegt aufgeschlagen vor mir und ist dunkler Mainstream seit 1849. Also ist doch alles beim Alten :) Isis: Ich muss widersprechen. Die Hipster gab es schon damals und bereits in den 70ern. Da waren das die „Hippies“, in den 80ern die „Popper“, in den 90ern „Ökos“ und in den 00ern die „Emos“,… Mehr lesen »
Miss Geométrico
Miss Geométrico

Jemanden, der ernsthaft die Grausamen Töchter hochlobt, kann ich leider nicht ernst nehmen :(

Frau Fledermaus
Frau Fledermaus

Danke, Robert, für den tollen Artikel. :o)

Kevin Brosius
Kevin Brosius
Ich muss immer wieder schmunzeln wenn ich diese Frage lese. Ich bevorzuge hier immer gerne eine gewissen Trennschärfe zwischen dem Ende der Szene, dem Ende der Musik und dem Ende der verschiedenen Phasen Historisch gesehen gab es den Sound ja schon gute 5-6 Jahre bevor die Medien aus der Umschreibung eines düsteren Untertons eine Szene machten.die NME ( New Music Express ) war mit ihrem Artikel um frühere Gothic Punk Bands mit der Überschrift Positive Punk wohl nicht ganz unschuldig daran.Da wars dann aber auch schon Ende 82 – Anfang 83.Bella Lugosis Bauhaus und die Virgin Prunes, um mal 2… Mehr lesen »
Mr. Niles
Mr. Niles

AMEN to that!

Allen, die wirklich mal was über die Ursprünge der Szene in Erfahrung bringen wollen seinen Werke wie z.B. „England`s hidden reverse“ von David Keenan, oder „Rip it up and start again“ von Simon Reynolds ans Herz gelegt. Letzteres gibt`s auch auf Deutsch ;-)

LG Jörg

Death Disco
Death Disco
Wer die 90er kennt, weiß eigentlich, dass Bands wie die Sisters oder Fields seit anno ’92 schon keine wesentliche Rolle mehr für die Szene spielten. Zu der Zeit gab es international mehrere Nachwuchsbands, die bis Mitte der 90er noch eine gewisse Popularität genossen (Nighbreed Recordings, Alice in…, wer die Plattenfirmen noch kennt) ehe Elektro und harte Gitarre das letzte Goth-Grüppchen von der Playlist verdrängt hatten. Das war so ca. ’94-’96. An ein Goth-Revival hatte zu der Zeit kein Mensch gedacht. Dazu muss man auch sagen, dass Gothic-Auswüchse wie „Ethereal“ in Deutschland nie so recht Fuß fassten, um nicht zu sagen:… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein

Dachte, die NDT wäre eher so ein süddeutsches Ding á la Goethes Erbsen, Das Ich oder Umbra

Andra Noctuam
Andra Noctuam
Hallo Kevin, ein Wahnsinnskommentar, nicht nur was die Länge betrifft, sondern auch inhaltlich gut. Allerdings kann ich Dir nicht in allen Punkten zustimmen. „Bonanza“ – also eine Wiederholung, das waren zumindest die Sisters ja wohl absolut nicht. Die Fields haben zugegeben von ihnen inspiriert worden zu sein, aber die Sisters sind einzigartig und wegweisend gewesen für viele Bands die danach kamen – eben auch für die Fields. Obgleich ich eigentlich der Meinung bin dass man die beiden nicht vergleichen kann, ich persönlich würde widersprechen und den Fields einen ganz eigenen besonderen Stil zusprechen (Ja, ok, ich bin parteiisch und finde… Mehr lesen »
Saturin
Saturin
Reynolds exzellentes Buch „Rip it up and Start again“ ist in der Tat bedingungslos empfehlenswert! (Dumm ist nur, dass er mit dem Titel „Orange Juice“ und den Pop des schottischen Postcard-Labels zitiert und so vielleicht irreführende Assoziationen weckt – tatsächlich erfährt man dennoch extrem viel vor allem auch über den Beginn des Post-Punk, der mir in der Diskussion zu kurz kommt.) Zur NDT: Sicherlich ein damals eher süddeutsches Phänomen – nichts desto trotz hatte (für mich!)das Erscheinungsbild eben dieser Grufties meine Vorstellung von „Goth“ entscheident geprägt. Diese Inkarnation scheint mittlerweile im „schwarzen Alltag“ komplett ausgestorben. Wenn man sich mal in… Mehr lesen »
fxsend
fxsend

Bonanzas … Mir war der Begriff immer so geläufig, dass er sich auf Leute bezieht, die von ihrem Stil her so aussehen, als hätten sie nach einem Ritt durch die Prärie gerade ihr Pferd draußen angebunden.

Und vielen Dank für den Buchtip!

NorthernNephilim
NorthernNephilim
sehr schöner Kommentar Kevin Brosius Zu dem Bonanza Ding. Nun gut, wenn man aus den üblichen Quellen wie Mick Mercer und Co rezitiert waren THE Sisters of Mercy wirklich die ersten die in solcher Art und Weise auftraten (Hut, Poncho, dunkle Sonnenbrille, Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeebel etc..). FOTN haben es mehr oder weniger später ausnutzen könne als es bei dem Eldritch/Hussey Zwist zu keine Gigs mehr kam ein Großteil der Leute zu anderen Bands oder den Fields gingen und irgendwann in diesem Zeitraum kam dann auch der Begriff der Bonanzas auf, der durchaus vorhandenen Liebe des Carl McCoy zu bevorzugt italienischen Western, er… Mehr lesen »
Wombel
Wombel
Es haben zu Beginn der Neunziger durchaus einige Bands starke Kritik dafür einstecken müssen, daß sie offenkundig stilistisch auf den Zug der Sisters/Fields aufgesprungen waren, von welchen die bekannteren möglicherweise die Merry Thoughts, Eyes Of The Nightmare Jungle und auch die frühen Love Like Blood gewesen sind. Phantasielosigkeit war der gängige Vorwurf an deren Adresse. Der Stil der NDT-Grufties zu Beginn der Neunziger lässt sich vor allem als ‚punk-fern‘ charakterisieren, dafür war bei ihnen der New Romantic – Einfluß deutlicher spürbar. Aufgrund der im Vergleich mit der heutigen Zeit damals viel weniger ausgeprägten Vernetzung der Szene, konnte man noch regional… Mehr lesen »
Ian von Nierenstein
Wombel: Das ist eine gute Erklärung, finde ich! Gerade die altertümliche, urige Architektur wie der Fachwerkbau, wie man ihn noch im Schwarzwald findet, oder die verfallenen (leider oft von Touristen überschwemmten) Burgen am Rhein, strahlen eine unwahrscheinliche Faszination aus. Es gibt einige Barockschlösser z.B. in Rastatt, Karlsruhe oder Bruchsal, die nach dem Vorbild von Versailles errichtet wurden, allerdings kommen sie alle dem historischen Vorbild nicht wirklich nahe, denn man muss dieses Riesenteil mal selbst gesehen haben. Hinzu kommen regionale Sagen wie die der Loreley oder die des eben schon angesprochenen Schwarzwalds – es gibt einen langen Sagenwanderweg dort, das sind… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Man muss natürlich auch die Wurzeln der Bands berücksichtigen… und wenn ich da an frühe Das Ich oder Mental Inquisition denke (davon hab ich allerdings nur ein Demotape), dann standen da ganz klar die Neubauten Pate. Bei Endraum war es Joy Division. Deswegen zähle ich die NDT in ihrer Anfangsphase noch zur Wave-Musik, während ich den Schlagerkram der End-90er nicht mehr hinzurechne. Gerade Mantus… das ist einfach Juliane Werding auf Metal-Gitarre. Was die Goth-Nachzügler um Love Like Blood, 13 Candles, Catherines Cathedral, Nosferatu, Sons bzw. Preachers of Neverland usw. anbelangt: Klar, es gab Kritik an der deutlichen Nähe zu den… Mehr lesen »
robertianjim
robertianjim
@Wombel: Es ist tatsächlich spannend, sich die regionalen Unterschiede mal anzuschauen. Und Samt/Rüschen/Puder bzw. dieser ganze NDT-Kram ist und war für mich immer eher ein bayerisches/baden-württembergisches/süddeutsches Ding. Ob das jetzt wirklich auf Barocke Schlösser und Fachwerk zurückzuführen ist, weiß ich nicht. Ich würde es eher an den (streitbaren) „Leuchttürmen“ von damals – Umbra Et Imago (Karlsruhe), Das Ich und Goethes Erben (Bayreuth) – festmachen, die dann eben auch modisch auf die Anhänger ausstrahlten. Die Bands kommen eben aus der Gegend, hatten Clubs/Partys und spielten dort viel live. so entsteht dann die treue, regionale Fanschar, die den Stil kopiert (und natürlich… Mehr lesen »
Death Disco
Death Disco
Über die Unterschiede zwischen Nord und Süd wurde schon anno ’92 diskutiert. Ich würde es nur bedingt daran festmachen. In Thüringen ist’s mindestens genauso metallisch wie in Schleswig-Holstein. Das ist IMO eine deutschlandweite Entwicklung der End-90er. Im Norden gab es zum Beispiel auch etliche Elektro-Bands zwischen Abscess (Kiel) und LPF 12 (Schülp) bis hin zu Nigra Nebula (Kiel). Goth gab’s da natürlich auch, z.B. die Band Also (heißt wirklich so) und The Trinity-Mania mit Timo Hoffmann vom Zillo-Magazin (kamen aus der Gegend von Henstedt-Ulzburg, drei Demo-Alben Anfang der 90er zwischen Goth und Electro-Wave) und natürlich The Caves (Schleswig) und Taste… Mehr lesen »