Spontis Wochenschau #10/2014

Spontis WochenschauDie Welt steht Kopf! Jedenfalls meine kleine schwarze Welt. Ich treffe doch immer mehr auf „Grufties“, die dem Sommer hinterhertrauern! Ich finde das ganz schön skandalös, habe ich doch den Herbst und vor allem den Winter für die gruftigsten Jahreszeiten gehalten. Vergänglichkeit, Tod, Kälte, Melancholie, Dunkelheit sind zum einen typisch gruftige Begriffe und zum anderen die perfekte Umschreibung für die Monate Oktober bis März. Wenn die Blätter so von den Bäumen fallen und in einem letzten Aufbäumen die ganzen Farbenpracht präsentieren bevor sie äußerlich kahl und tot erscheinen, das ist irgendwie schön. Die empfundene und tatsächlich anwesende Kälte erlaubt endlich wieder mehr wallende, weite und vielschichtige Kleider und kommt damit meiner Leidenschaft für schöne Verpackungen näher als der hautbetonte Sommer. Ach was bin ich froh, dass es endlich wieder soweit ist! Wären da nicht die schwarzen Nörgler, die dem Sommer hinterhertrauern. Wärme, braune Haut, der Geruch von Schweiß, endloses Tageslicht, schlaflose Nächte. Seid ihr verrückt?  Bin ich denn der Einzige, der sich auf Schnee, Kälte und kahle Bäume freut? Glücklicherweise nicht, denn Shan Dark hält ebenso wie Buntschwarz die Fahne in den Wind. Und kommt mir jetzt nicht mit euren Ausreden! Ich höre hin, wenn ihr jammert. Über die Kälte, das viele Laub, die viel zu dicken Klamotten, über zu wenig warme Pullover, die kalten Füße in Pikes, steigende Heizkosten und glatte Straßen. Den Winter mag ich noch viel lieber als den Herbst, vor allem liebe ich den Schnee, auch wenn er weiß ist. 

  • Anne Clark: Das Gift der Hoffnungslosigkeit | M&R
    In der kommenden Ausgabe der Zeitschrift Melodie und Rhythmus geht es um „Leiden und Schmerz in der Popmusik“. Mit von der Partie ist auch die Grand Dame der gesprochenen Hoffnungslosigkeit, Anne Clark. Auf die Frage, ob die Tätigkeit in einer Psychiatrie, in der sie vor ihrer musikalischen Laufbahn tätig war, Spuren hinterlassen hat antwortet sie : „Das war eine der wichtigsten Erfahrungen meiner Jugend. Die Schule war für mich nicht unproblematisch, aber ich bin auf ewig dankbar dafür, dass wir damals diese Praktika machen mussten, die mich in die Psychiatrie geführt haben, wo ich auch später wieder gearbeitet habe. Ich wurde Zeugin, wie die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft lediglich als Ärgernis betrachtet und weggeschlossen wurden, weil sie verstört waren. Ich spreche jetzt in der Vergangenheitsform, aber das Problem ist mit der Schließung der großen Anstalten nicht verschwunden. In unserer unbarmherzig auf Wettbewerb und materialistische Werte ausgerichteten Gesellschaft ist der Bedarf an Rückzugsmöglichkeiten und Schonräumen eher noch gestiegen. Wir müssen sie allerdings selbst schaffen. Kein System und kein Politiker werden sie je bereitstellen.
  • Aufklärungsarbeit mal anders…auf die knallharte Tour | Neues aus dem Senftopf
    Feli aus des Teufels Küche klärt auf, was es mit dem Goth-Sein so auf sich hat: „Werter Leser, werte Leserinnen, liebe Normalos, liebe Normalinnen, an alle Nicht-Goths, Zeugen Jehovas und Exorzisten, um es eilig und nervenschonend unspannend vorweg zu nehmen, ja, wir gehen ständig auf Friedhöfe, buddeln dort Leichen aus, beten Satan an und sind die ganze Zeit total traurig. Das Lachen haben wir nämlich nach dem Herauswachsen aus den Kinderschuhen (oder bereits vorher?) verlernt und falls doch noch rudimentär etwas von diesem abartigen Gefühlszug übrig geblieben sein sollte, dann gehen wir hierfür in den Keller, um uns dort ausgiebig und selbstgeißelnd dafür zu schämen. Fleisch wird generell im rohen Zustand verzehrt…selbst von den Veganern unter uns. Aus Prinzip! Als bekennende Saucenfetischisten brauchen wir hierzu immer reichlich blutigen Fleischsaft. Vor dem Schlafengehen (kurz vor dem Morgengrauen) wird noch artig der wehrlose Teddy geknebelt und dem Gott der Unterwelt (um Bobs Willen nicht mit dem Teufel verwechseln!) gestiftet, bevor wir uns selig in grausame Alpträume begeben dürfen. Erst bei Eintritt der Dunkelheit öffnet sich der als Schlafstätte dienende hochwertige Sarg aus poliertem Kupfer wieder.
  • Viva Xmal Deutschland! A History and Interview with Anja Huwe | Post-Punk
    Für mich die musikalische Verkörperung von „Gothic“ – Die Band X-mal Deutschland, die in den 80er auszog um deutschen Gothic nach England zu bringen. „Xmal Deutschland were a band that never came close to receiving the credit that they were due. They were a band that would who came to life in 1981, immediately pidgeonholed as part of the “Neue Deutsche Welle” (New German Wave) movement along with the likes of Einsturzende Neubauten, DAF, Joachim Witt and many, many others. Once signing to 4AD brought them to underground prominence, Xmal Deutschland then suffered from endless comparisons to Siouxsie and the Banshees, once again erroneously classified. However, in actuality, Xmal Deutschland was an amazing post-punk band with a strong singer and a unique sound all their own. ArtistAnja Huwe, singer of the band, gives us some insight into the origins of Xmal Deutschland, their time with 4AD and their imminent departure and demise, and glimpses into her life after recording and her new stint as an artist.
  • Bizarre Tradition: Real Life Walking Dead | Viralnova
    In Toraja, einem Dorf in Indonesien, gibt es absonderliche Bestattungsriten. Die Bewohner glauben, dass sich die Seele der Verstorbenen in unmittelbarer Nähe der toten Körper verbleiben und behandeln die Leichname wie lebende Verwandte. Die Leichen werden einbalsamiert und beerdigt um dann zum traditionelle Fest Ma’Nene, dass im August stattfindet, exhumiert, gewaschen und eingekleidet zu werden. In einer Prozession werden die so zurecht drapierten Leichen durch das Dorf geführt. „They say the dead live on in our hearts and minds – but in one Indonesian province, the deceased continue to walk the earth in a rather more literal, zombie-like fashion.
    Families in Toraja in South Sulawesi dig up the bodies of their dead relatives before washing, grooming and dressing them in fancy new clothes. Even dead children are exhumed – two of these photos show the skeleton of a baby wrapped in a print dress with a doll laid next to it. Damaged coffins are fixed or replaced, and the mummies are then walked around the province by following a path of straight lines. The ritual is called Ma’nene, or The Ceremony of Cleaning Corpses. According to the ancient Torajan belief system, the spirit of a dead person must return to his village of origin. So if a person died on a journey, the family would go to the place of death and accompany the deceased back home by walking them back to the village. In the past, people were frightened to journey far, in case they died while they were away and were unable to return to their village.
  • Gothic Manchester Festival 2014 | The Blogging Goth
    Bestimmt habt ihr auch das „Gothic Mancherster Festival 2014“ verpasst, dass Ende Oktober stattfand.Glücklicherweise hat „The Blogging Goth“ einige Besuche unternommen und bringt uns das wissenschaftlich ausgelegte Spektakel näher: „Supported by Manchester Metropolitan University’s Humanities in Public project, the festival was broader, with more events held over multiple sites – and well attended by members of the public as well as learned academics, and blagging journalists like The Blogging Goth! Travelling from Newcastle, we weren’t able to attend the opening session of the festival, held at the International Anthony Burgess Foundation – but the very capable staff of Humanity Hallows, the student press blog, were in situ. We’ll be linking frequently to the excellent write-ups they provide as the weekend proceeds. It is encouraging to note the event was packed and sold-out – the popularity of the Festival reflects much of what is discussed throughout Gothic Manchester. The English became fascinated with the terrifying and terrific centuries ago, and that passion remains, bringing people out in their scores to discuss the origins and ongoing nature of Gothic culture.“
  • Jugendwort 2014: „Läuft bei Dir“ | Testspiel
    Als alternder Goth sollte man am Puls der Zeit bleiben, um den Anschluss an die Jugend nicht zu verpassen. „Fappieren“ heißt bei Jugendlichen die männliche Selbstbefriedigung und „Läuft bei Dir“ ist eine andere Redewendung für „Du hast es drauf!“ und ist Synonym für „cool“ und „krass“. Sagt jedenfalls die Langenscheidt-Jury, die sich trotz eines besseren Online-Voting bei der Schöpfung „Fappieren“ für „Läuft bei Dir“ entschieden hat. Amtlich wird es erst am 25. November, durchgesickert ist das Ganze jetzt schon. Übrigens: Wenn ihr mal ein anderes Wort für „Klugscheisser“ sucht, nehmt doch einfach den Begriff „Senfautomat“, meinen persönlichen Gewinner.
  • Warum uns traurige Musik guttut | Spiegel Online
    Von wegen Selbstmordgefährdet und Todessehnsüchtig! Hört mehr Joy Divsion, The Cure und die andere traurigen Bands! Man fand heraus, dass traurige Musik guttut und auch bei der Behandlung von psychisch Kranken eingesetzt werden kann: „Traurige Musik ruft eine große Bandbreite komplexer Gefühle hervor, die in Teilen auch positiv sein können“, erklären Koelsch und Taruffi. Bei der Wirkung der Musik auf jeden Einzelnen gehe es vor allem um Mitgefühl. Es habe sich gezeigt, dass Menschen mit hohem Einfühlungsvermögen und geringer emotionaler Stabilität besonders von trauriger Musik profitieren. Laut Umfrage helfen die zarten Klänge ihnen in besonders großem Maße, negative Gefühle zu regulieren, einzuordnen und Trost zu finden.
  • Teen-Gothic-Comic-Oper | Dangerousminds
    Ich vergesse jeglichen Gedanken an einem thematische Einordnung. Eine amerikanisches Video vom Gothic-Werden, als Oper, in Deutsch !?! Performance Künstler Joseph Keckler erzählt uns eine Geschichte. „Nothing could be further from the truth! Take this comic operetta and short film from New York performance artist Joseph Keckler; a working stiff longs for his days as a teen goth and suddenly finds himself descended into the blackness of his youth (and all the poorer for it—it’s not a look for the broke).

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Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Vor 7 Jahre

Wenn die Blätter so von den Bäumen fallen und in einem letzten Aufbäumen die ganzen Farbenpracht präsentieren bevor sie äußerlich kahl und tot erscheinen, das ist irgendwie schön.

Das hast du jetzt aber schön gesagt :)
Mir ist das auch unverständlich, dass man dem Sommer so sehr hinterher trauert, 36 Grad im Schatten können mir ja wirklich gestohlen bleiben. Tatsächlich empfinde ich den Herbst, als Inbegriff der Vergänglichkeit, als „gruftigste“ Jahreszeit und freue mich jedes Jahr wieder auf die damit einhergehende nachdenkliche Stimmung.
Aber um den Jammerreigen zu eröffnen: die überheizten öffentlichen Gebäude kotzen mich an^^

Zum Jugendwort 2014: Bei solchen Gelegenheiten merke ich immer, dass ich „zu alt für den Scheiß“ bin…

Ina Wölfin
Ina Wölfin (@guest_50166)
Vor 7 Jahre

Ich habe bis zu diesem Herbst den Sommer stets vorgezogen. Doch dieses Jahr warum auch immer bin ich froh das es endlich Herbst ist und es grau und kühl ist. Sonne tut mir von Jahr zu Jahr weniger gut…werd ich zum Vampir? Nee also ich finde es wirklich wunderbar zur Zeit.
Jugenliche haben immer ihre Bezeichnungen und manches ist neu und anderes bleibt, ich muß mir sowas nicht annehmen, ich erfinde einfach meine eigenen Wortschöpfungen und als alte Gruftlingswölfin finde ich das völlig in Ordnung. So genug Senf verteilt, ich geh jetzt mal in Keller…ihr wißt schon um ne Runde zu lachen und mich dann schämen dafür und so ;)

Flederflausch
Flederflausch (@flederflausch)
Editor
Vor 7 Jahre

@Robert: Da hast du vollkommen Recht. Ich bin den technischen Errungenschaften der (Post-/Spät-)Moderne was das angeht sehr verbunden und Heizung, Bett und die warme Dusche sind in der kalten Jahreszeit sowieso meine besten Freunde und irgendwie notwendig, dass man die ganze Schönheit auch genießen kann. Als ich letztens am frühen Nachmittag heimgefahren bin, habe ich tatsächlich verflucht, dass ich keines dieser modernen Streichelhandys besitze, nachdem der Nebel schon den ganzen Tag dicht in der Stadt hing und dann vom sanften Licht der untergehenden Sonne in Brand versetzt wurde^^

Gruftfrosch
Gruftfrosch (@guest_50192)
Vor 7 Jahre

Oaah, Robert. Göthlich deine Worte zu Herbst und Winter, ganz meine Meinung.
Ich liebe es, wenn das Licht im Herbst weniger grell wird. Dazu die Wälder bunt. Das Laufen durch den Blätterregen, das Rascheln unter den Füßen.

Endlich wieder Mäntel anziehen, Handschuhe (ich liebe Handschuhe), kein Schwitzen mehr bei Nullaktivität. Entspanntes Schlafen ohne Aufwachen in der eigene Salzlake. Wunderbarst.

Das langsame Vergehen der Natur ist faszinierend und das alles in einer Würde, wie sie nur die Natur zustande bringt. Das Sterben ist der Herbst, der Winter der Tod, doch ohne ihn kein neues Leben.

…und dann das Warten auf den ersten Schnee. Ist es nicht unfassbar, wie die Welt sich wandelt, wenn es geschneit hat? Alles weiß und still* (weil der Schnee die Geräusche schluckt). Das Eintauchen mit den Schuhen in den Schnee. Das Knirschen bei jedem Schritt. Alles glitzert im Licht. Wie freue ich mich drauf.

Entschuldigung für mein Gesülze, aber in dieser Welt kommt man sich als Herbst-/Winterfan durchaus manchmal einsam vor ;).

P.S. Im Grunde das einzig Miese am Schnee. Kann der nicht schwarz sein? :-D

Irmin
Irmin (@guest_50198)
Vor 6 Jahre

Ich mag alle Jahreszeiten, auf ihre Weise. Ja, selbst den Sommer. Ich lege mich sogar – schlimm, ich weiß – gerne in die Sonne, zumindest in unseren Breiten sogar noch völlig ungeschützt. Denn ich habe nicht mal denn Anstand, dabei sofort rot zu werden ;) Mit einer Einschränkung: Temperaturen > 25-27°C gehören verboten, die braucht niemand. Davon abgesehen mag ich aber vor allem ausgeprägte Jahreszeiten, mit Gewittern im Sommer, Herbststürmen sowie Eiseskälte und Schneeverwehungen im Winter. Gut, insbesondere Letzteres gibt es in meiner momentanen Residenzstadt nicht, aber man kann ja jedes Jahr aufs Neue hoffen. Menschen, die Schnee und Kälte wegen Einschränkungen des Alltags oder Heizkosten nicht mögen, sind viel zu vernünftig und mir suspekt. Es gibt nichts Schöneres, als komplett eingeschneit zu sein – gerade das verschafft einen wundervollen Bruch im Alltag. Gruftfrosch erwähnte schon weitere angenehme Seiten des Herbstes und des Winters.

Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass mich am Spiegel-Online-Artikel schon der erste Satz stört: „‚Mach nicht so ein trauriges Gesicht‘, raten wir unserem Kollegen, oder ‚lächle mal wieder‘.“ Mal davon abgesehen, dass dieses „wir“ mich sicherlich nicht mit einschließt, finde ich solche „Ratschläge“ hochgradig unverschämt. Wie kommt jemand darauf, meine Mimik nur aufgrund des eigenen Egoismus‘, möglichst nicht in seiner heilen bunten Welt gestört zu werden, zu kritisieren und „Besserung“ einzufordern. Glücklicherweise würden mich meine Kollegen im Falle des Falles eher fragen, ob nicht ausgeprägt zur Schau gestellte Fröhlichkeit irgendeinen Grund hat, bevor sie mir tolle Ratschläge geben würden. Wäre anders auch furchtbar.

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