Szene-Musik endlich wieder vulgär: Diene meinem Penis!

Die ungeschönte Wahrheit, die aus meinem Mund ejakuliert.“ Goth, wie lange habe ich darauf gewartet, endlich wieder einen Grund zu finden, um hemmungslos mit anrüchigen Worten um mich zu schmeißen. Gerade in der Gothic-Szene scheint das  ja ein neuer Trend zu sein. Der Sonic Seducer beglückt den Leser mit dem Gothic-Fetisch Kalender, auf mindestens einer Party am Wochenende wird jemand in entsprechendem Outfit an der Hundeleine durch den Club geführt und aus den Lautsprecher der Tanztempel dröhnt entsprechender Moll-Techno für die angedüsterten Hundeleinen-Raver. Ja, das sind jetzt keine brandaktuellen Neuigkeiten, dass Szene-Musik (und ich bringe jetzt absichtlich den plattgelatschten Gothic-Begriff nicht mit ins Spiel) sich mit immer neuen Provokationen und Geschmacklosigkeiten ins Gespräch bringen will. Blöd, denn in gewisser Weise mache ich dieses Spiel ja mit, in dem ich Band und dem Titel eine Plattform biete. Nachdem es der Song jedoch in die DAC Charts im Dezember geschafft hat und auch in der aktuellen Ausgabe des NEGAtief Magazins ein Interview mit der Band zu finden ist, kann ich nicht anders.

Das Magazin, das von Bruno Kramm (Das Ich) herausgegeben und kostenlos verteilt wird, ist auch eine Art Werbeplattform für das Danse Macabre Label, das ebenfalls von Kramm betrieben wird und bei dem die Band „Unterschicht“ offenbar unter Vertrag steht. Es erfreute natürlich die Band und das Label, dass der Song „Diene meinem Penis“ vom aktuellen Album „Monster Akt III – Hassorgamus“ es im Dezember 2015 in die Deutschen Alternativen Charts schaffte. Danse Macabre schreibt dazu: „Innerhalb von einer Woche haben Unterschicht mit ihrem schmutzigen Tanzflächenfeger “Diene meinem Penis” die Clubs im Sturm genommen. Der Titel scheint den Nerv einer chronisch untervögelten Szene zu treffen und gibt gleich die richtigen Instructions dazu. So kann es weitergehen!

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich einen künstlerischen Anspruch hinter dem Titel vermutet. Vielleicht ein Hauch von Gesellschaftskritik? Vielleicht ein Pamphlet gegen den allgegenwärtigen Sexismus? Provokation mit Botschaft? Mir reichts. Gegen das Bauchgefühl höre ich mir den Song an. Meine offenen Fragen bleiben jedoch unbeantwortet. Ich finde die Musik ziemlich langweilig und einfältig, eine Unterscheidung oder Alleinstellungsmerkmal zu anderen 08/15 Electro-Tracks kann ich nicht finden. Darüber hinaus reicht es offenbar auch nicht für mehr Text, außer dem „Diene meinen Penis“ bleiben Fragezeichen zurück. Wer hört denn sowas? Auch ein zweiter Song, den Youtube mir freundlicheweise anbietet, macht es nicht besser: Gewissen aus Schwanz an.

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Das Video bleibt ebenso ohne Aussage: ein Typ, der eine Zigarre raucht und eine szenige Hupfdohle, die sich dann schlussendlich vor ihm herumräkelt. Dazwischen ein bisschen Gasmaske, Lack und Leder, eine Barfrau und ein anderer Typ, der die Theke wischt. Aha. Hassorgasmus.

Doch die Rettung scheint nur einen Klick entfernt. Das NEGAtief-Magazin mit dem Interview der Band verspricht Linderung. Woher denn der Hass komme, wird da gefragt:  „Hass durch Alltag. Es gibt jeden Tag so viele Sachen über die man sich aufregt die einen gegen den Strich gehen oder die einen einfach bewegen. Medien, Mitmenschen (oder ähnliche Wesen). Den Alltagshass einfach mal raus kotzen…

Alltagshass: Es dient niemand meinem Penis

Ja, es ist frustrierend wenn niemand seinem Penis dient. Immerhin scheint er sein Gewissen besiegt zu haben und hat den Schalter für seinen eigenen Schwanz gefunden. „Gewissen aus Schwanz an“ hieß es ja noch auf dem ersten Album der Trilogie. Jetzt steht er da und niemand scheint ihm zu dienen. Offensichtlich nimmt er dann die Sache wohl selbst in die Hand und nennt das Album dann treffenderweise „Hassorgasmus“, einen Begriff, den er im Interview wie folgt definiert:

Der Höhepunkt des Hasses, die Entladung des emotionalen Ballastes. Die ungeschönte Wahrheit, die aus meinem Mund ejakuliert. Es ist das Ende und der Anfang, denn der Hass ist allgegenwärtig direkt nach dem Höhepunkt natürlich abgeflaut und kaum spürbar. Aber trotzdem lauernd um sich wieder zu erheben und mit seiner ganzen zerstörerischen Kraft zuzuschlagen und alles zu vernichten was ihm im Wege steht.“ Also echt, ich hätte ja kein Interview mit dem Kerl geführt. Nachher wäre mir seine Wahrheit noch ins Gesicht gespritzt!

Unter dem Strich bleibt Frustration. In der schwarzen Szene findet sich offenbar ein gieriges und „chronisch untervögeltes“ Publikum, dass solche Musik konsumiert. Die Band „Unterschicht“ steht auch nur für eine ganze Reihe von Bands, die offenbar den Markt „Hellelectro“, wie man diese Musikrichtung nennt, bedient. Warum wundere ich mich also über Hundehalsbänder auf Gothic-Partys, Gasmasken und Pferdeköpfe und Musik, die ich auf der Mayday in Dortmund vor ziemlich genau 20 Jahren gehört habe?

Eigentlich wundere ich mich gar nicht. Wir sind wieder da angelangt, wo wir in den 80ern schon mal gewesen sind. Menschen, die sich von der Schwere des Alltags in hemmungsloser Feierkultur befreien, die ihren Frust in tanzbarer Musik und hohlen Phrasen ersäufen. Damals provozierte man mit der totalen Buntheit. Einen alberner Farbenrausch aus Plastik. Die Gruftis waren der traurige Gegenpol. Die wollte anders sein als der Rest der Masse und erlaubten sich, zu trauriger und melancholischer Musik über die Tanzflächen zu schlurfen. Sie schockierten mit schwarzen Klamotten, weißen Gesichtern und verrückten Frisuren.

Heute schockiert die Szene sich selbst. Mit den immer neuen Unmöglichkeiten, die uns unter dem Label „Gothic“ untergeschoben werden. Denn die Geister von damals haben uns eingeholt: Belanglose und hohle Musik die nicht darauf angelegt ist, anders zu sein, sondern einen breiten Massengeschmack zu treffen. Was wir aus unserer musikalischen Freizeit verbannten, ist wieder zurückgekommen und hat sich dank unbedingter Toleranz wieder eingeschlichen. Hintenrum. Szene-Zeitschriften, Musiker und Labels haben den Trend längst aufgegriffen und sorgen dank sexueller, vulgärer und provokanter Vermarktung wieder für regen Zulauf aus den Ecken der Gesellschaft, die uns eigentlich fremd sein sollten.

Frustrierender Weise kann man ihnen das noch nicht einmal vorwerfen. Noch nicht einem dem politisch sehr aktiven Labelchef Bruno Kramm, denn seine Band „Das Ich“ allein sorgt wahrscheinlich nicht (mehr) für einen gedeckten Tisch. Also bedient man den Markt mit dem, was er verlangt. Liebe Unterschichtler, vielleicht verwendet ihr Euren „Alltagshass“ auch einmal dazu, euch inspirieren zu lassen. Zu Texten die auch von merkwürdigen Mitmenschen erzählen und nicht mit leeren Phrasen die darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu erregen. Denn das ist die einzige Erregung die stattfindet.

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((tim))
((tim)) (@guest_51348)
Vor 6 Jahre

@ Robert: Danke für die Zeilen. mit „einfältig“ ist leider schon alles zu dieser und ähnlichen Bands treffend gesagt.

Danse Macabre bringt seit Jahren eine unterirdische Platte nach der anderen heraus, ohne jedes Qualitätskriterium. Das ist kein Label, sondern ein Dienstleister für schlechte Allerweiltsbands, die gegen Geld eine VÖ und eine gewisse (fast komplett wirkungslose) Promo bekommen. Bands, die ein Szenelabel, das diesen Namen auch verdient, eigentlich im Dienste der Hörer und der Musiker nochmal mit hilfreichen Hinweisen in den Proberaum schicken sollte …

Ronny Rabe
Ronny Rabe (@guest_51349)
Vor 6 Jahre

Was ist nur mit dem einst so tollen Label los ! Die damaligen Veröffentlichungen waren super … zu einem Das Ich “ Die Propheten“ Relatives Menschein , Roman Rain usw. Aber jetzt ? Dumpfe Bum Bum Musik? mit niveaulosen Texten.
Bin wirklich sehr von Bruno enttäuscht – Er ist so politisch aktiv und dann sowas ?
Veröffentlichungen um jeden Preis?
Ein Paar Perlen sind dennoch bei Dance Macabre – die Hoffnung stirbt zu letzt.
Und Hellelectro – sicher gibt es einen Markt dafür , aber nicht für anspruchsvolle Schwarzträger.

Elmer Fudd
Elmer Fudd (@guest_51352)
Vor 6 Jahre

Meiner Meinung nach ist dies nur ein weiterer Baustein in der Pornographisierung unserer Gesellschaft im Allgemeinen und der Szene im Besonderen. Gib den Leuten etwas, dass sie „schockiert“ (aber nicht zu sehr), das aber auch leicht und ohne großes Nachdenken zu konsumieren ist, damit sie ruhig bleiben und nicht anfangen, nach etwas mehr Tiefgang und mehr Sinn zu suchen und sich gar noch Gedanken über die Gesellschaft und ihre Probleme zu machen. Denn Gewalt funktioniert aufgrund der aktuellen politischen Lage und der damit einhergehenden medialen Präsenz und Gewöhnung daran einfach nicht mehr so gut.
Jede zweite Szene-Veranstaltung wird mittlerweile mit Fetischmodels oder gleich mit nackten Titten (ich benutze das Wort hier bewusst negativ) beworben. In jedem zweiten Film und jeder zweiten Serie besteht die Hälfte der Szenen ohne jede dramaturgische Notwendigkeit aus nackten und wahlweise kopulierenden Menschen (Frauen sind dabei übrigen simmer noch deutlich überrepräsentiert, was komplette Nacktheit angeht). Da kann doch auch ansonsten völlig belanglose Musik nur noch durch „krasse“ Texte irgendwie Aufmerksamkeit erregen. Es ist schade, dass es offenbar in der Szene mittlerweile als notwenig etrachtet wird, mehr Wert auf Verkaufszahlen als auf den Inhalt zu legen.
Ich bin nicht gegen Nacktheit, ich stehe auf Brüste, ich bin nicht prüde (denke ich) und meiner Meinung nach sollte Sex nicht tabuisiert werden. Aber derzeit wird es selbst mir zu viel. Unter Anderem weil mir oft ohne jeden sinnvollen Kontext die entsprechenden visuellen und akustischen Botschaften quasi in den Hals gestopft werden. Nacktheit und Sex im sinnvollen Kontext sind ok, (halb-)nackte Menschen auf Szene-Veranstaltungen sind mir egal (soll jeder tun, was ihn glücklicht macht), aber derzeit sind Exhibitionismus und quasi-pornographische Inhalte so überrepräsentiert und gleichzeitig so sinnentleert, dass selbst ich mir manchmal wünsche, wir hätten wieder eine Zensur (was für einen im Osten aufgewachsenen Menschen ziemlich bedenklich ist). Was denken sich Szenekünstler dabei? Es taugt doch auch einfach nicht mehr zur Abgrenzung, denn der Mainstream ist doch in dem ganzen Zirkus schon viel weiter. Es ist einfach nur noch geschmacklos. Und so etwas für Verkaufszahlen noch zu fördern, zeigt doch, wie sehr die alten Ideale vergessen und verloren sind.

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51353)
Vor 6 Jahre

Elmer, du beantwortest dir die Frage doch selber:

„Was denken sich Szenekünstler dabei? Es taugt doch auch einfach nicht mehr zur Abgrenzung, denn der Mainstream ist doch in dem ganzen Zirkus schon viel weiter“.
->
„. Es ist schade, dass es offenbar in der Szene mittlerweile als notwenig etrachtet wird, mehr Wert auf Verkaufszahlen als auf den Inhalt zu legen.“

Sex sells. Immer. Die Musik ist massentauglicher Kirmestechno der einfach schwarz angepinselt wurde. Letztlich ist das einzige, was diese Musik von „üblichem“ Billigtechno unterscheidet der Szene-Anstrich, der auch nur deshalb draufgepinselt wird, damit die Musik Szenekredibilität bekommt. Auf den Konsumenten zugeschnittenes Produkt.

Elmer Fudd
Elmer Fudd (@guest_51354)
Vor 6 Jahre

@+VLFBERH+T
Meine Frage zielte mehr darauf ab, das Selbstverständnis der „Szenekünstler“ zu hinterfragen, die offenbar die Kunst hintenan stellen und sich damit begnügen, nur noch „Szenehandwerker“ zu sein. Natürlich habe ich mir die Frage teilweise selbst beantwortet, aber ich hatte gehofft, dass das nicht die ganze Antwort ist….

Dirk Schleeweis
Dirk Schleeweis (@guest_51355)
Vor 6 Jahre

Ich verstehe nicht, wie ihr Euch jetzt so darüber aufregen könnt. Diese Art von Texten und Musik wird von allen Bands des Genres Electro Industrial atagtäglich produziert. Warum hat sich dann noch niemand über Suicide Commando oder X-RX oder Centhron aufgeregt. Übersexualisierte, gewalttätige Titel sind Teil der heutigen schwarzen Szene. Deswegen jetzt eines der kleineren Szenelabels, die auch gute Bands wie Das Ich und Beauty of Gemina, Faith and the Muse haben jetzt blöd anzumachen statt sich über die Kommerzriesen wie Out Of Line bis Noitekk aufzuregen. Da wird fast ausschliesslich so etwas produziert. Und habt ihr den Künstler überhaupt gefragt, wie er den Text meint? KAnn ja durch aus bei dem Bandnamen ein kritisches und die heutige Übersexualisierung und Gewaltbereitschaft thematisierendes Musikstück sein. Vielleicht auch eine kritische Auseinandersetzung mit der SM Szene, die nun mal auch zur scharzen Szene Bezüge hat. Also erst mal mehr nachhaken statt stumpf kritisieren-

Harlekin
Harlekin (@guest_51356)
Vor 6 Jahre

Oh…..man.

Ich mein, mit Pferdemasken, Halsbändern udn Gasmasken kann ich ja selber was anfangen und finds auch nicht sonderlich schlimm oder arg dem „Gothic“-Geiste widersprechend.
Wenn es jedoch die Ausmaße einer …..“Mundejakulation“ annimmt, widert das durchaus an….
Das Lied empfinde ich einfach nur als peinlich und die Entschuldigung dafür, bzw. der Versuch dem ganzen was tiefgründiges zu verpassen, noch peinlicher.
Das hat auch nichts mehr mit einem Fetischkalender oder einer Leine zu tun.

Ich mein, man kann das ganze ja ignorieren, tue ich auch, zerstört es ja nicht mein Lebensgefühl und schließlich suche ich mir immer noch aus, wen ich zum Freund mache und wen nicht. Nervig ist es dennoch, wenn man von der Schwarzen Szene ein Heimatgefühl erwartet.

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51357)
Vor 6 Jahre

Und habt ihr den Künstler überhaupt gefragt, wie er den Text meint?

Jaja, wird total die komplexe kritische Würdigung der Übersexualisierung sein. Beeeeeeeeeeeestimmt.

Vielleicht auch eine kritische Auseinandersetzung mit der SM Szene, die nun mal auch zur scharzen Szene Bezüge hat

Also, weil irgendwelche Leute ihre Sexualität brauchen, um sich darzustellen, das ganze dann zur „Szene“ hochstilisiert wird… Muss man sich jetzt damit auseinandersetzen?

Wat?

ElisaDay
ElisaDay(@asrianerin)
Vor 6 Jahre

@DirkSchleeweis

Derartige Kapellen werden nicht jetzt erst kritisiert.
Diese ist hier gelandet, weil sie das eh schon unterirdische Niveau nochmal im aufrechten Gang durchschritten hat

Aristides Steele
Aristides Steele (@guest_51359)
Vor 6 Jahre

Schön auf den Punkt gebracht, wenngleich der „Trend“ garnicht so neu ist. Nervig nur daß derarte Machwerke immer mal wieder ihren Weg in die sogenannte „Szene“ finden.

Ich frage mich auch schon seit langem, wieso man meint, mit solchem Sprachgebrauch, besonders provokativ, originell und erschütternd zu sein? Das findet vielleicht der pubertäre Jugendliche, dem seine Umwelt gerade so richtig gut auf den Sack geht, noch kurzzeitig mal interessant (bewusst verallgemeinernd gesagt, allen dürfte es auch nicht so gehen … ) – das wars dann auch schon.

Andersrum gesagt ist aber auch die negative Aufmerksamkeit erwünscht, und wenn man solche Machwerke entsprechend kritisiert, kommts auch nicht selten vor, daß man sich noch damit schmückt, ganz im Sinne des erwünschten – wir sind ja so provokativ, guck mal, die reden über uns! Die finden uns scheiße, also sind wir ganz offensichtlich voll gut provokativ und so! Und wer die Texte sinnentleert findet, hats kurzerhand einfach nicht kapiert … man kann sich ja alles so zurechtdrehen daß es wieder ins Selbstbild reinpasst, und wenn alles nichts hilft, kommt der ganz tolle Tol(l)eranz-Hammer von irgend einer Seite her.

Aber mal zum Thema – Übersexualisierung – ich sehe das genauso wie meine Mit-Kommentatoren, auch wenn ich als asexueller Mensch da wohl nochmal eine andere Sichtweise drauf habe – wieso muss man alles immer mit freigelegter Epidermis und – im speziellen Fall der Szene – mit Fetischkrempel dekorieren? Wenns schon eindeutig sexuell verlanlagte Leute zunehmend stört, dann sagt das doch genug aus.
Nicht daß mich selbst nackte Haut jetzt gleich stört, in den meisten Fällen ist mir sowas einfach nur kackegal, weils mich eben nicht wirklich interessiert, aber so geballt wie Dinge heutzutage mit Sex beworben werden (müssen) – da fragt man sich schon, wer die eigentlich verklemmten Leute sind – ich tippe ja irgendwie doch auf die Fraktion, die so verbissen und inflationär mit solchen Signalen um sich schießen müssen.

Tandrin
Tandrin (@guest_51360)
Vor 6 Jahre

Ich fand den Song irgendwie lustig. Deswegen habe ich dann einem Remix auch zugestimmt und hatte meinen Spaß daran. Natürlich ist die … Lyrik nicht gerade tauglich für Fans von Lakaien etc. Aber darum geht es auch nicht. Die Zuordnung gothic finde ich fast fehl am platz. Es ist düstere aber tanzbare Musik mit, meiner Meinung, stumpf provozierenden Elementen. Und das ist wirklich nicht negativ gemeint. Nein. Das ist nunmal Hirn aus auf die tanze cyberdancekram. Und es ist gut so. Sowas hör ich mir nicht daheim an. Sondern laut im club. Wo ich mir vllt Grad mal keine Gedanken machen will. Wenn ich das will höre ich mir lacrimosa, Lakaien oder sonst wen an. Wer eine ganze Art und Weise Musik zu machen kritisiert, verachtet das es immer menschen gibt, welche sowas auch gut finden. Ich hab schon schlimmere kunstformen erleben müssen. Und heute abend werd ich mich wieder daran machen, für mechanical moth einen tiefen und komplexen Text zu schreiben. Auch wenn man mit sowas eben nicht mehr in die Charts kommt. Aber das ist egal. Es geht um kunst. Erschaffen. Depressionen verbauen. Aber auch mal Spaß haben. Und auch unterschicht erschafft etwas. Das ist kunst. Immer. Und sie haben mit Hirn aus erfolg. Das spiegelt die Gesellschaft wieder. Das verlinkte Review ist selbstherrlich. Keine neutrale beschreibung. Der Schreiber hätte gerne einfach ne andere platte angehört, glaube ich. Aber passt schon. Das Review hat mehr Text als unterschicht. Ist aber eigentlich auf dem selben Niveau. Irgendwie. Andererseits sollte ein Review keine Kunstformen sein sondern objektiv. Ansonsten ist es eine meinung. Und damit völlig ok. Achja. Herrlich provozierend das alles. Fast schon punk. ☺ Nehmt mich und meine Rechtschreibung nicht so ernst. Meine aussage ist nicht qualitativ zu werten. Eher ein gefühl einen musiker vereidigen zu müssen. Ich sitz im Cafe und hacke auf mein handy.

Es lebe die künstlerische Freiheit!

Momentaner Lieblingssong:
Editors – Papillon

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51361)
Vor 6 Jahre

Wer eine ganze Art und Weise Musik zu machen kritisiert, verachtet das es immer menschen gibt, welche sowas auch gut finden

Das ist kunst. Immer.

Nein, ist es nicht. Ein ubiquitärer Kunstbegriff sorgt dafür, dass nichts mehr Kunst ist. (Wenn alles Kunst ist, ist nichts mehr Kunst; Dialektik, you know?)

Das verlinkte Review ist selbstherrlich. Keine neutrale beschreibung. Der Schreiber hätte gerne einfach ne andere platte angehört, glaube ich. Aber passt schon. Das Review hat mehr Text als unterschicht. Ist aber eigentlich auf dem selben Niveau. Irgendwie.

Ein Review soll keine „neutrale Beschreibung“ sein und selbstherrlich ist daran gar nichts. Und nein, es ist nicht auf selbem Niveau, das ist einfach nur Phrasendrescherei deinerseits. „Mir gefällt das nicht, darum ist das doof. Irgend wie, glaube ich, dies das tralala“.

Andererseits sollte ein Review keine Kunstformen sein sondern objektiv. Ansonsten ist es eine meinung

Nein, ein Review ist eine Besprechung/Rezension. Die Subjektivität steckt doch schon im „view„.

Momentaner Lieblingssong:
Dissecting Table – Why?
Und was hat das überhaupt mit der ganzen Sache zu tun?

Harlekin
Harlekin (@guest_51362)
Vor 6 Jahre

Alles und nichts ist Kunst, da Kunst völlig subjektiv.
Jedoch kann man Kunst aus persönlicher Sicht scheiße finden ;)

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51363)
Vor 6 Jahre

Wenn etwas alles und nichts ist, hat der Begriff keinerlei Trennschärfe und ist somit vollkommen unnütz.

Orphi
Orphi(@orphi)
Editor
Vor 6 Jahre

Liebe(r) Tandrin, bitte schau einmal auf der „Wer ist Spontis“-Seite nach. Dort steht ausdrücklich: „Dies ist und bleibt ein privater Blog und damit gnadenlos subjektiv.“. Damit dürfte sich also der wenig neutrale und auch wenig journalistische Artikel erklären. Was Kunst ist und was nicht, entscheidet selbstverständlich immer der Einzelne. Ich kann mich in diesem Fall nur Robert anschließen. Das ist musikalisch, textlich und bildlich nichts, was ich als Kunst empfinden könnte. Und es ist nichts, was ich in einem schwarzen Club oder auf einem schwarzen Konzert hören will. Platter Dumpfsinn mit unzunzunz. Darüber hinaus dient der Artikel sicher nicht dazu, eine bestimmte Band zu dissen, sondern eine musikalische Entwicklung anhand eines Beispiels in Frage zu stellen.

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 6 Jahre

Bei derartigen Songtexten empfinde ich eigentlich nur eines: Fremdscham.
Gothic selbst hat nichts mit Pornografie, Fetischkram oder hohler Bum-Bum-Mucke zu tun. Kein Wunder, dass immer mehr ältere Szenegänger sich entsetzt abwenden oder kaum noch Lust haben, angeblich szenige Veranstaltungen zu besuchen. Und die jüngere Generation bekommt leider genau den falschen Eindruck von der Szene vermittelt.
Auch wenn ich mit Bruno Kramms musikalischen Projekten nie etwas anfangen konnte, hatte ich ihn, nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements, als eher tiefgründig und vernünftig eingeschätzt. Dass er nun einen derartigen Bockmist in sein Boot, äh, Label geholt hat, verwundert doch etwas.

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51366)
Vor 6 Jahre

Gothic selbst hat nichts mit Pornografie, Fetischkram oder hohler Bum-Bum-Mucke zu tun

Dieses².

Auch wenn ich mit Bruno Kramms musikalischen Projekten nie etwas anfangen konnte, hatte ich ihn, nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements, als eher tiefgründig und vernünftig eingeschätzt. Dass er nun einen derartigen Bockmist in sein Boot, äh, Label geholt hat, verwundert doch etwas.

Naja, eigentlich is‘ das genau das, was ich von ’nem Piraten erwartet habe. ;)

Irgendwer
Irgendwer (@guest_51367)
Vor 6 Jahre

Nach geraumer Zeit mal wieder hier, immernoch dieselbe Leier, ich versteh es nicht..
Ja, Musik wie ‚Unterschicht‘ ist Teil der Szene, ja, unsinnige Aufzüge sind Teil der Szene, ja, alles ist wie immer. Weiss man, hat man sich unzählige Male drüber aufgeregt, ändert sich auch nicht. Was wäre eine Lösung? Für welches Problem? Spontan würde ich sagen: nicht beachten, sich um das kümmern, was man mag, darüber berichten, Alternativen anbieten. Das Internet ist riesig, unüberschaubares Angebot an (teilweise kostenloser) Musik. Explosion der Vinyl Verkäufe, drölfundneunzigtausend Klein- und Kleinstlabel, worüber schreibt man? Danse Macabre, weil mans halt kennt. Was neues machen? Selber Filter sein? Ach mei, das Internet ist Neuland, da kenn ich mich nicht aus. Habe nie was von Bandcamp, Sound- und Mixcloud, Discogs etc. gehört, ich benutze Spotify.. Ich gehe auch immer wieder dahin, wo ich mich auskenne, gibt ja auch keinen Underground mehr.. WZF Es gibt soviel schönes, warum Zeit darauf verschwenden sich mit Kot zu befassen? Der da, der ist hohler als ich, ich bin soviel tiefgründiger. Ach, ich vergass, das war ja auch schon immer elementarer Gegenstand der Subkultur, besser sein, elitärer sein, was fürn Haufen Kacke..
Aber nun, genug gemeckert, auch mal was produktives dalassen:

http://freetexthost.com/cgi-sys/suspendedpage.cgi (damits kein Spam wird)

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51368)
Vor 6 Jahre

@Irgendwer:
Der ganze Blog ist voller positiver Themen, insofern verstehe ich den Kritikpunkt nicht.

Spotify als Antipode zum „Underground“ bezeichnen ist halt auch Quark, sowohl Author & Punisher (der so Underground ist, dass es n Arte-Bericht über ihn gibt…) von Beläten, als auch (bspw.) Spiritual Front die auf Mannequin veröffentlicht haben gibt’s dort.

Und ja: Subkultur bedeutet auch immer „elitärer/besser“ sein (bzw. sich bewusst abgrenzen).

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 6 Jahre

Gothic hat nichts mit Pornografie, Fetischkram und hohler Bum-Bum-Mucke zu tun… das bitte nicht zu laut sagen, sonst verwirrt / verschreckt / verstört man noch das Milieu der Alphaprolls, die sich in jedem heißen Gothicschnittchen genau das erträumen; und zwar in feucht und Farbe.

Aber mal Ernst beiseite, Gotenklänge haben damit nichts zu tun, das kann selbst ich unterschreiben. Doch seit wann strebt das geneigte Gothictum die Alleinherrschaft an? Denn wenn ich es beim Überfliegen der hiesigen Worte richtig verstanden habe, dann wurde jenes Krawallwerk selbst vom Herstellen als alles andere katalogisiert, nur eben nicht als »goth«. Oder ist das nun das neue Selbstverständnis der schwarzen Szenemeute, dass alles wieder goth ist. Der Horrorbilly, der EBMler, der Metallgrenzgänger, der Neofolker, der Batcaver, der New Romantic, der Punk… ohne goth ist alle doof? Oder was? Nur so als Zwischengedanke.

Ich persönlich finde die hier dargebotene aufopfernde Entrüstung zum Teil berechtig, aber auch irgendwie niedlich.

Warum berechtigt?
Weil ich mir diesen Titel nicht anhörte. Jedenfalls nicht zusammenhängend. Ich tat, was ich bei solchen Stücken immer tue, nämlich mit dem Cursor innerhalb der Zeitleiste per Zufallsprinzip ein paar Punkte anvisieren und dort für 1-2 Sekunden reinhören. Und wenn ich dann merke, dass sich die Stellen der insgesamt 10-12 Startpunkte in übelster Art gleich anhören, dann erdreiste ich mich dazu, das Stück pauschal scheiße zu finden. Weil wegen begründeten Verdachts auf degradierten Tekkertrash in Tateinheit mit Billigbass. So einfach geht die Meinungsbildung.
Natürlich kann man das grottig finden. Doch das ist die Masse. Und auch ein Bruno Kramm ist keine Lichtgestalt, sondern schlicht und ergreifend Dienstleister. Davon mal abgesehen, dass es keinen Zusammenhang zwischen eigener Band, vermarkteten Bands und politischem Engagement geben braucht. Gepresst wird was gefällt, was der Masse lieb ist, was gekauft wird und was in den Clubs gut ankommt. Das kann man ja im euphemistischen Sinne durchaus als »suboptimal« erachten, tue ich ja auch, aber irgendeinen Grund wird es schon haben. Diese Kultur kann nur Reaktion auf irgendeine Aktion sein. Ergo… die Akteure haben es irgendwie, irgendwann und irgendwo ins Rollen gebracht; und wenn dieses nur passiv der Fall gewesen war.

Aber warum finde ich es niedlich. Geradezu amüsant.
Weil hier eine Mentalität transportiert wird, die sich wohl auch beim Ausspruch: »Titten raus, es wird Sommer!« entrüstet umschauen würde, welcher ungehobelte Knilch es wagte, mit diesem Vulgärismus zu belästigen. Ich hatte es oder werde es oder werde es an andere Stellen schon einmal angedeutet haben, dass mich solche Debatten zum Thema »Was darf Erotik/Sex sales/Ponografie und was nicht« einschläfern.
Es ist ja richtig, dass man darüber streiten darf. Darf ja eh über alles gestitten werden und früher tat ich es auch. Zog brav und fromm die Trennlinie aller Ästhetik, welche Erotik von Pornografie teilte. Aber warum und wozu?
Barbusige Mädels werden kritisiert. Nehmen wir mal die Flaniermeilen des WGTs. Klar sind solche auch Futter notgeiler Fotografen, natürlich auch notgeiler Hellelectro-Hodenkobolde. Doch Fakt ist, sie werden pauschal nur ungerne gesehen; warum auch immer. Lieber das, als die Biertitten oder bleichen Hühnerbrüste, die mir von meinem Geschlecht so offenherzig begegnen müssen. Jedenfalls wird kritisiert und gelästert und entrüstet und ein paar hundert Meter weiter der WGT-Kinderhort beklatscht. Vielleicht bin ich jetzt unsensibel, womöglich hinkt das Beispiel. Aber ein Kind sagt mir nichts anderes als ein blanker Körper. Letzteres zeigt das Wesen des Menschen als Geschlecht, erstes das daraus resultierte Produkt. Doch beides sagt, dass der Mensch nichts weiter ist, als der Träger der Artenerhaltung. Punkt.
Steht ein Mädel halbnackt im Club vor mir und säuselt was von dreckigem Sex. Vom Schwitzen, Stöhnen, Keuchen und dem Einsauen der Lacken, dann soll ich das in aller gesellschaftlicher Keuschheit als niveaulos definieren. Streckt mir aber jemande ungefragt ihr Balg entgegen, dann darf in Verzückung zerfließen? Vor allem wenn das bewiesener Maßen im dreckigen Sex gezeugt wurde; beim Schwitzen, Stöhnen, Keuchen und dem Einsauen der Lacken. Wo bitte ist da die Waage der Moral.

Ich würde es gut finden, wenn sich des Themas mal wieder im clubtauglichen Maße angenommen werden würde. Sind doch die einzigen, die mir dazu einfallen -nein, nicht Umbra et Imago- Die Form. Ich hätte nichts dagegen. Weil der Mensch nun einmal sexualisiert ist. Wer das nicht glaubt, der erinnere sich nur an diverse Peinlichkeiten aus seiner Pubertät. Die asexuellen unter uns jetzt natürlich ausgeschlossen. Aber alles andere ist auf Arterhaltung ausgelegt. Dementsprechend unglaubwürdig erscheint es mir, wenn man die Mechanismen ein und desselben fundamentalen Triebes in irgendwelche Qualitäten unterteilen möchte, nur um sich einzureden, dass man so etwas wie einen freien Willen besitzt. Man in kultivierter Erhabenheit nur künstlerisch anspruchsvolle Erotik konsumiert, um innerhalb erlauchter Gemeinschaft beim Rotweinschwenken darüber zu philosophien, anstatt der plumpen Rammelei zu frönen, weil es der Mensch nun einmal geil findet. Zynisch gesagt, erachte ich ersteres eher als Langeweile, Biederkeit und anerzogene Prüderie.

Die einzigen Gegenargumente, bzw. die einzigen Kriterien, die Relevanz für das Bewerten und damit kritisieren irgendwelcher sexueller Themalogie besitzen, sind Anstand, Ehrlichkeit und Respekt. Werden diese untergraben, dann gibt es kein Beschönigen. Oder das Verpacken in scheiß Musik, wie in diesem Fall. Doch ansonsten ist die Sexualisierung ein ebensolcher Wesenszug wie das Wärmen. Und es regt sich ja auch keiner auf, wenn Goten dicke Mäntel tragen. Selbst in überhitzten Clubs…

tobikult
tobikult(@tobikult)
Vor 6 Jahre

Ich habe dazu eine Video-Antwort :-P
https://www.youtube.com/watch?v=YmQAKUlvpoY

Von der Szene für die Szene…

Melle Noire
Melle Noire (@guest_51371)
Vor 6 Jahre

Hi!

Ich hab mir das Lied jetzt nicht angehört (bin unterwegs *gg*), finde den Text aber schon recht fragwürdig und albern. Muss ich mir nicht unbedingt antun (ich denke auch kaum, dass man da viel Neues geboten kriegt). Ähnliche Stücke aus der „Hellectroecke“ finde ich ja durchaus noch ganz witzig, ich höre auch nach wie vor unter anderem Elektro und Cyberkram („Pong“ von Eisenfunk geht zB immer :D), durchaus auch dreckigen. Aber der zitierte Liedtext oben??? Öhm… WTF? :D LOL?

„Hellectro“ – wer hat dieses Wort eigentlich erfunden? Vor der ganzen Cyberwelle trug ich auch schon in Clubs Schwarzbunt und hörte Suicide Commando, Feindflug und Co. Und auch damals gab es schon „seichtere Stücke“ im Elektrobereich. Kein Grund für mich, das Genre generell zu verteufeln.

Und viele Sachen im elektronischen Bereich sehe ich ganz klar als Partymucke, bei der ich auf der Tanzfläche so richtig abgehe (die ich aber auch daheim höre und dazu durchs Zimmer dance). Dazu zählt nicht nur der Cyberkram sondern auch Future Pop (zB VNV Nation, Project Pichfork), EBM (Nitzer Ebb, Spetsnaz, LeatherStrip, Front 242), Sachen von Skinny Puppy oder FLA, „Industrie-Elektro“ (sowas wie Combichrist), Industrial, Minimal, Darkwave… Ich tanze so ziemlich auf alles BTW, auch auf ruhigere Sachen und auf Nichtelektro. Ich erwarte da nicht unbedingt Tiefgründigkeit.

Tiefgründiges höre ich mir wann andernmal wieder an, wenn ich dazu in der Laune bin. Und ich muss als Gruftie nicht ständig vor Tiefgründigkeit triefen. Ich mag nunmal so ziemlich ALLES im schwarzen Bereich. Ist halt so. ;)

Dunkle Grüße! :)
Melle

Nenia
Nenia (@guest_51372)
Vor 6 Jahre

Dieses Machwerk wirkt auf mich so krampfhaft darauf ausgerichtet möglichst viel Sex zu enthalten, dass es mir wahnsinnig schwer fällt, das Ganze überhaupt ernst zu nehmen.

Die ganze Aufmachung, vom Song(text) über das Video finde ich einfach nur gähnend langweilig. Sowas hat man schon so oft gehört und gesehen, sich kurz ungläubig an den Kopf gepackt und die Künstler weiterhin ignoriert.

Dass hier irgendein tieferer, gesellschaftskritischer Sinn hineininterpretiert werden kann, bezweifle ich bei aller Liebe doch sehr. Ich gehe eher davon aus, dass es „Unterschicht“ nur um eines ging: Öffentlichkeit. Und das haben sie geschafft, denn schließlich kennen wir diese Band nun alle und reden über sie ;)

Fazit: Gefällt mir nicht und sollte dieser Song je in einem meiner favorisierten Tanzschuppen gespielt werden, werde ich die knapp 5 Minuten dazu nutzen, um frische Luft zu schnappen.

Shan Dark
Shan Dark (@guest_51373)
Vor 6 Jahre

Gute Unterhaltung hier, sowohl der Artikel als auch die Kommentare als auch das Corpus Delicti – ich habe gelacht! :)

Tanzfledermaus
Tanzfledermaus(@caroele74)
Vor 6 Jahre

Jetzt habe ich mir das Video tatsächlich mal angetan und muss sagen, der Song ist ja noch innovationsloser, als ich befürchtet habe. Das klingt ja wirklich wie der x-beliebigste Klon eines einzelnen Technosongs. Gääääääähn. Und sowas landet in den DAC???
Wenn bei derartigen Songs der mangelnde Tiefsinn angeprangert wird, heißt es doch nicht, dass alles in der Szene nur so vor Tiefgang triefen muss. Aber etwas derart Oberflächliches, Hirnloses und allein auf mediale Aufmerksamkeit Zielendes als Kunst zu sehen, das ist schon ein Kunststück für sich ;-)

„Dieses Machwerk wirkt auf mich so krampfhaft darauf ausgerichtet möglichst viel Sex zu enthalten, dass es mir wahnsinnig schwer fällt, das Ganze überhaupt ernst zu nehmen.“
=> genauso ist es!

Svartur Nott
Svartur Nott (@guest_51375)
Vor 6 Jahre

Hab mich gerade durchgeklickt. Wie Vorredner es bereits sagten, neu ist die Thematik nicht. Ebenfalls nicht, dass mehr als genug musikalisch anspruchslose/degenerierte SchwarzElektro-Jünger ihren Spaß dabei haben werden…
Nunja, sollen sie – aber bitte nicht mit mir in meinem Club des Vertrauens.

Ich für meinen Teil werde dieses Stück Elektronischer Musik gepflegt ignorieren, Elektro und seine Spielarten haben besseres zu bieten als soetwas. Zum Bleistift eben Die Form ^^.

Und da wir jetzt alle uns schön über diesen Fauxpas ausgelassen haben, könnte man doch in einem der nächsten Beiträge ein Gegenbeispiel für anspruchsvolle Schwarze Musik vorstellen?

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51377)
Vor 6 Jahre

Und da wir jetzt alle uns schön über diesen Fauxpas ausgelassen haben, könnte man doch in einem der nächsten Beiträge ein Gegenbeispiel für anspruchsvolle Schwarze Musik vorstellen?

Macht Robert ja schon andauernd…

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 6 Jahre

Ich muss aber fragen, wie auch den Dampfer mit der “Arterhaltung” kommst?

Wie jetzt? Wie ich auf den Dämpfer mit der Arterhaltung komme?

Irmin
Irmin (@guest_51380)
Vor 6 Jahre

Da ich mir üblicherweise zu jedem WGT zumindest ein Lied jedes dort auftretenden Künstlers anhöre, bin ich auch schon auf Unterschicht gestoßen. In dem Fall sogar beim gemeinsamen Durchhören der WGT-Künstler mit Freunden. Wir waren uns sicher, dass der Name doch bestimmt großartig subversiv und die Musik durchaus intelligent ist. Und dass vielleicht sogar das ganze „Hellectro“-Genre auf den Arm genommen wird.

Tja.

„Hellectro“ ist nun nicht gerade mein Lieblingsgenre, aber Unterschicht zeigt auch wieder, dass jede Pauschalisierung deren Debilität nicht wirklich gerecht werden kann. Das ist noch mal eine ganz andere Kategorie als Suicide Commando & Co. Selbst dem erwähnten „Pong“ von Eisenfunk kann ich etwas abgewinnen, hätte ich jetzt vor dem Anhören nicht unbedingt gedacht… ;)

Das Schöne ist ja, dass man sowas gepflegt ignorieren kann. Ich wusste vor deren Auftritt vor zwei(?) Jahren beim WGT überhaupt nicht, wie Umbra et Imago eigentlich klingen. Nur, dass es sie gibt und sie irgendwelche „Szenemusik“ machen. Nicht, dass ich die jetzt mit Unterschicht in eine Ecke stellen möchte (wobei deren Frontmann in einem Interview auch gezeigt hat, dass er sicherlich nicht in dieser Realität lebt…). Aber ich habe sie halt ignoriert, weil ich wusste, dass die sowieso nichts produzieren, was mir gefallen könnte. Klar, ein wenig schade ist es schon, dass man das nicht nur mit dem Großteil gewöhnlicher Pop- sondern auch mit „Szenemusik“ machen muss. Ich komme aber damit ganz gut klar, denke ich. Was nicht heißt, dass man nicht darüber reden oder das anprangern sollte.

Oder um diese verworrenen Gedankengänge abzukürzen: Es wäre wünschenswert, wenn der Anteil „hörbarer“ Musik in der Mainstream-Szene (ohoh, böses Wort) höher wäre. Der Untergang der Szene ist es aber sicher nicht. Man sucht sich halt neue Nischen oder schaut ins zweite Kellergeschoss. Ob man das erste Kellergeschoss irgendwie entrümpeln kann? Gute Frage. Man kann die schwarze Masse ja nicht dazu zwingen, doch lieber gute Musik zu hören.

Und Robert, weil du meinst, dass du deine Subkultur schützen möchtest und stillschweigendes Ignorieren keine Option sei: Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite kann es ja auch ein „Darüber schreiben und dann wieder ignorieren“ sein. Macht man halt seine eigene Subsubkultur. Nicht unbedingt mit Blackjack und Nutten, aber vielleicht mit guter Musik. Letztendlich ist die Gotenszene doch auch eher wenig dadurch aufgefallen, dass man das Übel der Welt und der Mainstreamkultur wirklich aktiv bekämpft. Und nun geht man halt eine Stufe tiefer. Wobei ich aber, wie du vielleicht merkst, bloßes Ignorieren auch für zu wenig halte. Eine wirklich gute Lösung fällt mir aber auch nicht ein.

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51381)
Vor 6 Jahre

“Hellectro” ist nun nicht gerade mein Lieblingsgenre, aber Unterschicht zeigt auch wieder, dass jede Pauschalisierung deren Debilität nicht wirklich gerecht werden kann. Das ist noch mal eine ganz andere Kategorie als Suicide Commando & Co. Selbst dem erwähnten “Pong” von Eisenfunk kann ich etwas abgewinnen, hätte ich jetzt vor dem Anhören nicht unbedingt gedacht… ;)

Lachte beherzt, weil wahr. Xotox bspw. auf eine Ebene mit Unterschicht zu packen wäre fies.

Oder um diese verworrenen Gedankengänge abzukürzen: Es wäre wünschenswert, wenn der Anteil “hörbarer” Musik in der Mainstream-Szene (ohoh, böses Wort) höher wäre. Der Untergang der Szene ist es aber sicher nicht. Man sucht sich halt neue Nischen oder schaut ins zweite Kellergeschoss.

Schön gesagt.

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51382)
Vor 6 Jahre

Habe mir jetzt mal das Interview angetan.
„Der nonströse (sic!) Golem der Cyberelectroszene[…]“.
Irgendwie bezeichnend, der Golem war auch fremdgesteuert und nur mit den Worten eines anderen funktionsfähig.
Honi soit…

Melle Noire
Melle Noire (@guest_51383)
Vor 6 Jahre

So, ich bin jetzt zu Hause und hab mir das Video aus purer Neugier nun doch noch zum Teil angetan. NUNJA, aus meiner Sicht ist das gewöhnlicher Elektro, nix Innovatives, absolute Dutzendware, wie ich finde. Gefühlt habe ich sowas schon 1000x irgendwo anders und in besser gehört, im Großen und Ganzen finde ich das Stück außerdem recht langweilig. Den Text finde ich immernoch ziemlich albern, das Video zudem auch noch ziemlich schlecht gemacht. Mein persönliches Urteil: Epic Fail! Kann man aus meiner Sicht getrost vergessen, gefällt mir absolut NULL.

Zum Thema Fetisch : Hat mit der schwarzen Szene von Grund auf nichts zu tun, es gibt lediglich hier und da Überschneidungen beider Welten. Das Fetischgedöns in den Magazinen und in deb Clubs geht mir schon teilweise ganz schön auf den Geist. Weniger davon täte echt gut. Besonders ins Auge stachen mir bisher plötzlich diese ganzen Weiber in Latex. Das wurde irgendwie eine Zeit lang so richtig gehypt. Überall nur noch Latexbabes und alles auf sexyhexy getrimmt.

Dunkle Grüße! :)
Melle

Tandrin
Tandrin (@guest_51384)
Vor 6 Jahre

Es tut mir leid das ich den Text als Review bewertet habe. Somit sind natürlich einige meiner aussagen ziellos.

Fledermama
Fledermama (@guest_51385)
Vor 6 Jahre

Ich gebe auf. Dagegen ist sogar Agonoize ja noch gut. Bei Koprolalie lernt man wenigstens ein neues Fremdwort. Aber das ist einfach musikalisches Dschungelcamp Niveau.

Ich gebe es aber einfach auf, mich darüber aufzuregen. Aus zwei Gründen:

Ich nutze meine Energie und Zeit lieber anderweitig, denn solche Dinge mit Aufmerksamkeit zu beschenken.

Und ich denke mir halt immer, dass so etwas doch eigentlich nur höchstens spätpubertäre Jugendliche anziehen kann. Ja, ganz ehrlich, damals als ich zum ersten Mal „Fick mich!“ über die Tanzfläche schallen hörte, fand ich es spannend. So versaute Wörter, oh wie provokativ, hihihi. Spätestens bei „Femme fatale“ dann war es schon mehr ein „Ernsthaft? Mehr fällt nicht ein?“. Und seitdem habe ich mich in meinen musikalischen Präferenzen ganz deutlich weiterentwickelt.

Also ist meine Hoffnung, dass auch „Unterschicht“ dann halt so die „U-20“-Fraktion unterhält. Und dann manche davon die Szene wieder verlassen und die, die bleiben, entdecken, wie viel um Welten bessere Musik es gibt.

Was mich viel mehr aufregt als das plumpe Herausschreien möglichst vieler anzüglicher Ausdrücken in möglichst kurzer Zeit, ist die übermäßige Sexualisierung der Gesellschaft dort, wo sie nichts zu suchen hat.

Von mir aus dürfen alle Menschen oben ohne herumlaufen. Wer sich dabei wohl fühlt – whatever. Free the nipple und so. Und im Allgemeinen ist die weibliche Brust ja auch einfach schön anzusehen.

Wenn dann aber auf der anderen Seite einer Mutter, die ihr Kind stillt, vorgeworfen wird, sie sei latent pädophil, weil ja die weibliche Brust erogen ist und ein Kind daran saugen zu lassen, dass auch schon feste Nahrung zu sich nehmen könnte, habe bestimmt eine sexuelle Komponente, dann geht doch in der Gesellschaft etwas schief…

Und @ Guldhan, nur zur Vollständigkeit: Deine Argumentation hinkt insofern, als dass du sie nur auf Kinder beziehst. Aber auch Erwachsene wachsen nicht auf Bäumen. Jeder Mensch, in jedem Alter, ist der lebende Beweis dafür, dass jemand Sex hatte. Sexualität ist etwas vollkommen normales und natürliches. Und doch, oder gerade deswegen, gibt es irgendwo eine Grenze des guten Geschmacks. Noch mehr als Sex, beispielsweise, ist der Harndrang ja auch absolut natürlich und allgegenwärtig. Trotzdem möchte ich nicht von wildfremden Menschen angepinkelt werden… ;)

Mr. Niles
Mr. Niles (@guest_51388)
Vor 6 Jahre

Kurz und knapp:
Dieses Sujet haben schon tausend Künstler(innen) in tausend Variationen mit mehr oder weniger Erfolg in den letzten 40 Jahren beackert.
Es ist einfach ausgelutscht (sic!) und fügt sich somit ins Grundrauschen der Szene ein…
Als jemand, der u.a. auch mit Throbbing Gristle, Coil, PTV, Chris and Cosey, The Klinik, Die Form, u.v.a.m. groß geworden ist, habe ich da „gar keine“ Meinung mehr zu…
Zum Glück gibt`s auch in diesem Bereich einige Perlen, und ansonsten reichlich anderes Gutes…

;-)

Sing while you may!
Jörg

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 6 Jahre

Deine Argumentation hinkt insofern, als dass du sie nur auf Kinder beziehst. Aber auch Erwachsene wachsen nicht auf Bäumen. Jeder Mensch, in jedem Alter, ist der lebende Beweis dafür, dass jemand Sex hatte.

In der Tat. Und solange sich die Ethikkommissionen in Sachen Clone noch so komisch haben, wird das wohl auch so bleiben.
Was ich aber exakt meinte, ist die Verwirrung zumeist innerhalb ein und derselben Personen. Menschen, die einem voller Begeisterung ihren sabbernd zappelnden Genpool entgegenhalten, sich aber über die gerahmten Aktabbildungen an der Wand echauffieren.

Noch mehr als Sex, beispielsweise, ist der Harndrang ja auch absolut natürlich und allgegenwärtig. Trotzdem möchte ich nicht von wildfremden Menschen angepinkelt werden… ;)

Wobei es durchaus Mentalitäten gibt, die darauf stehen. Und auch wenn es wohl nach einer gewissen Zeit innerhalb der Partnerschafft so sein könnte, dass man dabei nicht mal mehr die Tür schließt, so pinkelt doch jeder für sich alleine. Zumindest bei voller Gesundheit und einem noch nicht ganz so hohen Alter.
Sex allerdings funktioniert alleine nicht so wirklich. Zumindest im vollen Umfang. Da braucht man schon seinen Gegenpart; ob Frau, Mann, Schaf oder Tischbein. Ergo, man ist in diesem Kontext prinzipiell der oder dem nächsten zugetan. Jedenfalls innerhalb des Beuteschemas. Und die Hemmschwelle, sich denjenigen zu krallen, setzt -einmal vereinfacht gesagt- einzig und allein die Erziehung und die gesellschaftliche Prägung. Beim anpinkeln allerdings setzt es definitiv schon alleine die eigene Abneigung, egal wie sehr die- oder derjenige auf dem Zenit des Interesses steht. (Allerdings könnte man sich streiten, ob das nicht auch Prägung ist. Da mir jedoch spontan kein Tier einfällt, das dahingehend irgendwas praktiziert, wird es wohl wirklich entgegen der Natur sein)

Beim Sex würde man somit gerne, da dieses zu Handlungen im Team bestimmt ist. Beim Pinkel will man eher weniger, weil dies jeder selber kann. Egal ob ebenso natürlich oder nicht. Wobei das schon faszinierend ist, wenn man diese Überlegung einmal auf sämtliche grundlegendere Bedürfnisse überträgt. Wir wäre es beispielsweise mit dem Essen oder Schlafen. Die Antworten darauf sind gar nicht so eindeutig wie man es vermuten könnte.

Nighwolve
Nighwolve (@guest_51398)
Vor 6 Jahre

Ich kenne so viele Bands, die echt gute und auch innovative Musik machen. Die werden aber nirgends vorgestellt oder bekommen eine öffentlichkeitswirksame Plattform geboten, wie jetzt auch hier Unterschicht (man sieht doch, das Rezept hat funktioniert! Es wird drüber geredet!).

Sich auf gute Musik konzentrierende neue Bands werden auch von den grossen (und kleinen) Szene-Musikmagazinen totgeschwiegen, wenn sie nicht hunderte Euros (je Magazin) hinblättern, um sich einzukaufen.

Mit provokanten Texten und Lack/Leder/Titten-Bildern bekommt man die Aufmerksamkeit, die einfach nur gute Musik heute von keiner Seite mehr findet. Nur wer einen optischen Anreiz bietet, in dessen Musik wird überhaupt erst reingehört.

UnzUnzUnz muss natürlich sein, damit es überhaupt eine Chance hat, im Club oder im Szene-Webradio mal eingesetzt zu werden. Je ähnlicher man zu den angesagten Hits klingt, desto größer die Chance gespielt zu werden. Deshalb ist es ja nur noch ein immer gleicher klingender Einheitsbrei, den man überall vorgesetzt bekommt, von den kleinsten Provinzclubs bis zum Mega-Szene-Festival – immer nur der gleiche Sound der 3-4 noch etablierten Dark-Stilrichtungen (Mittelalter, Tanz-Electro/Hellectro, Dark-Poprock a la Eisbrecher/Asp, oder den hundertsten Rammstein-Klon wie Herren etc., vielleicht gibts mal noch ein bisschen EBM), und immer die gleichen Headliner.

Die wirklich gute Musik findet woanders statt, leider meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wann sieht man denn auf einem Festival mal eine andere Band aus dem Bereich Wave, Synth Pop oder Gothic Rock, oder auch Noise-Industrial, oder Heavenly Voices/Dark Ethno oder gar richtig experimentelle Musik? Ich meine ausser denjenigen Altstars, die seit mehr als 10 Jahren jedem bekannt sind. Neueinsteiger, die neben dem Mainstream der 3-4 Stile liegen, haben fast keine Chance.
Und ohne UnzUnzUnz geht eh gar nix …

Würden Depeche Mode oder Skinny Puppy oder And Also The Trees oder Dead Can Dance heute mit ihrer Musik als No Name ohne Zehntausende Euros Promotionbudget (zum Einkaufen von Presse-Präsenz und Festival-Gigs) anfangen, würden sie so gut wie nicht wahrgenommen werden.

Die Dark-Szene interessiert sich zu einem sehr großen Teil für Musik nur noch als Tanzflächen-Unterhaltung. Es ist keine Musik-Szene mehr, sondern eine Lifestyle-, Mode- und Party-Szene. Also genau das, wogegen sie in ihrer Gründungszeit mal völlig dagegen war.

Flederflausch
Flederflausch(@flederflausch)
Vor 6 Jahre

Na, Na, so krass würde ich das aber nicht sehen. Gerade auf kleinen Festivals und Veranstaltungen bekommen kleine Bands viel Aufmerksamkeit. Unter der Hubrik Perlentaucher stellt Robert auch immer wieder neues und unbekanntes vor (mir fielen dafür auch spontan einige Bands ein…). Ich habe festgestellt, dass man gerade über Facebook viel mitbekommt, wenn man Leute in seiner Freundesliste hat, die viel Musik hören und posten. Zu meinem Leidwesen muss ich aber immer wieder feststellen, dass das Model „Youtube-an-und-Vorschläge-durchhören“ nicht mehr so gut funktioniert, zumindest mit werden da immer wieder die gleichen Vorschläge angezeigt -.-

Zu der Band. Ohne Worte. Eigentlich wurde dazu alles gesagt. Eine Gesellschaftskritik kann ich da beim besten Willen leider nicht finden.
Ich muss aber auch sagen, dass ich die Sache mit der Pornografisierung immer zweischneidig finde. Ja, auf der einen Seite ist Sex überall. Auf der anderen Seite bringt das auch viel Freiheit mit (auch wenn es nicht unbedingt zu der Unbefangenheit führt, die man vermuten sollte). Man muss allerdings auch sehen, dass früher schn anderer Kontext als sehr anzüglich galt und heute andere Möglichkeiten der Verfügarkeit bestehen. Bevor das Mittelalter seine Moral- und sexualvorstellungen durchsetze gab es da teilweise explizitere Bilder und Verhaltensweisen und auch in scheinbar durch und durch keuschen Zeiten fanden die Menschen immer wieder Möglichkeiten entsprechenden Kontent zu veröffentlichen. Schillers wunderschönes Blümchen wird gerne als mit eindeutig sexuellen Kontext interpretiert. Zumal galten früher ganz andere Dinge als anzüglich als heute.
Und ja, auch unter den ersten Fotografien findet sich pornografisches Material, das bekam man nur eben nicht einfach so sondern erstand es unter der Hand und Anaïs Nin hat im 20. Jahrhundert sehr explizite Literatur geschrieben.
Es ist aber eben auch etwas anderes, wenn man ein Pornoheft zur Kasse tragen muss oder in einen Sexshop gehen, als wenn man die Möglichkeit hat es zu Hause, alleine und mehr oder weniger anonym aus dem Netz runter zu laden.

Aber ja, auch ich sehe hier den Punkt der Aufmersamksheischerei. Doch ich denke, das ist in vielen anderen Szenen auch so…

Im Endeffekt bringt einen, oder diese Art der Musik explizit, wieder zur Frage, das gehört eigentlich zur Szene und was nicht?

Tandrin: Ich kann im Club auch tiefgründige Musik hören ohne mir Gedanken machen zu müssen, wenn ich das nicht will…
Warum verachtet es gleich andere Menschen, wenn man etwas kritisiert?!

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51400)
Vor 6 Jahre

Wann sieht man denn auf einem Festival mal eine andere Band aus dem Bereich Wave, Synth Pop oder Gothic Rock, oder auch Noise-Industrial, oder Heavenly Voices/Dark Ethno oder gar richtig experimentelle Musik?

Äh, Schloss Tegal, Deutsch Nepal, Raison d’Etre letztes Jahr aufm NCN.
Vorletztes Jahr aufm NCN: The Devil & The Universe, Der Blaue Reiter, In Slaughter Natives.

Richtig Experimentell? Was wäre denn für dich „richtig experimentell“?

Tower Transmissions 2014:
THE NEW BLOCKADERS
KE/HIL
INSTITUTION D.O.L.
NIKOLAS SCHRECK and JOHN MURPHY
NORDVARGR
VILGOĆ

Tower Transmissions 2015:
BRIGHTER DEATH NOW
BASTARD NOISE
IN SLAUGHTER NATIVES
INADE
SARDH
GOATVARGR
BIZARRE UPROAR

+VLFBERH+T
+VLFBERH+T (@guest_51401)
Vor 6 Jahre

Würden Depeche Mode oder Skinny Puppy oder And Also The Trees oder Dead Can Dance heute mit ihrer Musik als No Name ohne Zehntausende Euros Promotionbudget (zum Einkaufen von Presse-Präsenz und Festival-Gigs) anfangen, würden sie so gut wie nicht wahrgenommen werden.“

Woher weißt du das?

Ronny Rabe
Ronny Rabe (@guest_51402)
Vor 6 Jahre

@Nighwolve “ Die Dark-Szene interessiert sich zu einem sehr großen Teil für Musik nur noch als Tanzflächen-Unterhaltung. Es ist keine Musik-Szene mehr, sondern eine Lifestyle-, Mode- und Party-Szene. Also genau das, wogegen sie in ihrer Gründungszeit mal völlig dagegen war.“
…. Dem wiederspreche ich! Musik ist und war ein grosser Bestandteil der Szene , es gibt gute und es gibt schlechte Musik – das stimmt , aber nur noch als Tanzflächenunterhaltung , Musik anzusehen , da geb ich Dir nicht Recht. Musik kann soviel bewirken wenn man sich darauf einlässt … und die die das nur sehen als Tanzenflächenunterhaltung , sind sowieso meist nur „Mitläufer“ oder WE Gruftis.

Svartur Nott
Svartur Nott (@guest_51406)
Vor 6 Jahre

@ Ronny Rabe:

Richtig, diejenigen, die das nur als Tanzflächenunterhaltung sehen, sind Mitläufer. Doch, Hand aufs Herz, ich habe leider bisher keine Veranstaltung gesehen, wo diese nicht die Masse der zahlenden Kundschaft gestellt haben. Was natürlich wiederum Einfluss auf alle kommerziellen Veranstaltungen hat und damit auf die Musikauswahl…. Ich gehe da vollkommen konform mit Nightwolve’s Aussage, dass die aktuelle Schwarze Szene keine (primär) Musik-orientierte Szene ist, sindern leider eine Lifestile, Mode- und eben Partyszene. Mann kann sich über jede Veranstaltung glücklich schätzen, wo der DJ seinem Job gerecht wird und eine Mischung aus tanzbarer, alter, neuer, atmosphärischer, melancholischer & düsterer Musik spielt.

@ +VLFBERH+T: Danke für die Musiktips ^^

Mr. Niles
Mr. Niles (@guest_51409)
Vor 6 Jahre

Wann sieht man denn auf einem Festival mal eine andere Band aus dem Bereich Wave, Synth Pop oder Gothic Rock, oder auch Noise-Industrial, oder Heavenly Voices/Dark Ethno oder gar richtig experimentelle Musik?

Mir fiele jetzt spontan das Maschinenfest in Oberhausen ein…

Robin
Robin (@guest_51414)
Vor 6 Jahre

Ich schließe mich Guldhan nur an und muss sagen das ein bißchen hoch und tief in der Musik, vor allem im Clubs, durchaus galant wirken können. Ich bin auch einer dieser Unterhalter(!) und ein bisschen Sex (=dumpf) ist ein gutes Antriebsmittel, aus eben genannten Gründen von Guldhan. Daher wird so eine Musik auch niemals aussterben. Egal in welcher Nische man sich gerade befindet.
Kann allerdings auch sehr gut den Trotz verstehen, gerade weil es sich ja immer wiederholt!

Irmin
Irmin (@guest_51421)
Vor 6 Jahre

In einem vorherigen Kommentar habe ich ja schon mal was zum Thema „neue Nischen / zweites Kellergeschoss“ geschrieben. Man kann damit nun zwei Dinge tun: darin stöbern und großartige, recht unbekannte Schätze finden oder es sein lassen, weil es einem zu aufwändig ist. Was aber ein bisschen mühsam ist, nicht nachzuschauen und lieber die Existenz des zweiten Kellergeschosses anzuzweifeln. Oder zu meinen, dass man da gar nicht nachschauen müssen sollte, weil man doch schon den Aufwand betrieben hat, überhaupt in den Keller zu gehen. Und früher war das ja auch der richtige Weg.

Wenn das jetzt alles ein bisschen grantig klingt, ja, richtig. Die Behauptung, es gäbe ja keine gute Szenemusik mehr und wenn, würde sie keiner kennen, macht mich auch grantig. Weil es einfach nicht stimmt. Und es ist nicht mal schwer, zu suchen. Dem Internet sei dank. Ein erster Ansatzpunkt wäre zum Beispiel eines dieser großen Festivals, die ja eh immer das gleiche bringen, wie das WGT. Klar, wenn man die Künstlerauswahl nach bekannten Namen durchstöbert, kann man wohl alle paar Jahre das gleiche wiederfinden. Aber dann ist vielleicht einfach der Ansatz falsch. Gerade, da die auftretenden Bands so schön häppchenweise präsentiert werden, kann man die neuen Bands eigentlich alle wunderbar zumindest anhören. Da sind genug „Unbekannte“ drunter, genug für jedes „schwarze“ Genre (oder großartige Musik aus nicht dediziert „schwarzen“ Genres, man stelle sich vor!), ja, selbst genug Experimentelles. Es ist alles da, und man muss nicht mehr tun, als einen Bandnamen bei YouTube einzugeben. Und trotzdem wird behauptet, das alles gäbe es nicht.

Mehr noch: Selbst, wenn es das gibt, geht ja keiner hin. Darum hab ich das „Unbekannte“ auch in Anführungszeichen gesetzt. Weil auch das nicht stimmt. Die schon erwähnten „The Devil & the Universe“ waren auch schon beim WGT. Es war voll. Ebenso beim Blauen Reiter. Selbst Arktau Eos, die mit Dark Ambient mit Drone-Einflüssen nun wirklich kein Mainstream-Genre bedienen, konnten viele Magengruben in der Kantine des Volkspalasts zum Schwingen bringen. Und da passen nun auch nicht so wenige rein. Gut, Death in Rome sollte ich wohl nicht erwähnen, denn die spielen ja nun tatsächlich absolute Mainstream-Musik ;) Und beim letzten Schub Künstlern hab ich V▲LH▲LL entdeckt, die von Witch House(!), Industrial und Neofolk beeinflusst wurden. Muss natürlich auch nicht jedem gefallen, aber es ist zumindest da.

Was jetzt ausgerechnet an Depeche Mode eine unbekannte No-Name-Band sein soll, die ja quasi aus dem Untergrund groß geworden sind, muss mir auch mal einer erklären. Die sind mit ihren ersten Songs in die Charts eingestiegen. Die richtigen, nicht irgendwelche „alternativen“.

Sorry für diese Tirade, ist auch ganz sicher nicht persönlich gemeint, Nightwolve, aber es nervt mich ganz einfach, wenn so getan wird, als gäbe es keine gute Szenemusik mehr. Da würde ich mir wirklich mehr, naja, Selbstbewusstsein vom Einzelnen wünschen, doch einfach zu ignorieren, was angebliche Szenegrößen so von sich geben und wen sie hochleben lassen. Und einfach damit zu leben, dass es eben weniger Leute gibt, die auch ins zweite Kellergeschoss hinabsteigen. Mit weniger Menschen ist’s eh gemütlicher.

Fledermama
Fledermama (@guest_51434)
Vor 6 Jahre

@ Irmin: Ich stimme deinem letzten Kommentar absolut zu!

Ich muss zugeben, ich selbst gehöre nicht zu denen, die aktiv selbst Musik suchen. Das macht bei uns mein Mann und ich freue mich dann immer, wenn er mir etwas neues zeigt.

Und es gibt sie eben doch, die neue und gute Musik für bzw aus der schwarzen Ecke.

Besonders freut mich, dass jemand jetzt Valhall entdeckt hat. Die liefen bei uns schon vor Monaten fast täglich und mein Liebster schrieb sie dann einfach mal an und schlug vor, dass sie auf dem WGT spielen sollten und ich habe ihnen dann erklärt, wie und wo sie sich bewerben müssen… XD

Markus
Markus (@guest_51552)
Vor 6 Jahre

Warum die ganze Aufregung und Diskussion? In den späten 80ern nannte man sowas schlicht Electronic Body Music und die bediente eine andere Klientel als WaverGruftisGothics.

Heute sollte man diese Art Musik vielleicht DBM = Digital Body Musik nennen, denn inzwischen kann sich jeder Autodidakt solche Tracks mittels Software wie Fruity Loops oder LMM am heimischen Computer selber basteln und die Damen ganz ungeniert zum Schwanzdienertum auffordern.

’ne klassische Darkwave-Tanzflächenpeitsche ala Temple of Love ist’s definitiv nicht und Kramm selbst kann froh sein, daß sein „Ich“ dank Zillo-Hype ab Ende der 80er/ Anfang der 90er zur „Neuen deutschen Todeskunst“ *würg* hochstilisiert wurde und sich verkaufen ließ. Spätestens ab da ging’s für mich mit der Szene bergab und mein Rückzug setzte ein.

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