Umbra et Imago 1997

1997: Mozart meint, weil Gothics krass aussehen, haben sie auch krassen Sex

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Mozart, Sänger der 1991 gegründeten Band “Umbra et Imago“, öffnet 1997 für die Fernsehsendung “Peep!” ein Stückchen seine Schlafzimmertür. Dahinter geht es offenbar ein bisschen härter zu, für ihn liegen Gothic und BDSM sowieso ganz dicht beisammen, denn “eine Untergrundbewegung wie die Gothic-Szene ist ja von ihrem Verhalten und Output her sehr krass […] da muss auch eine spezielle Sexualität da sein.

Für Mozart, also den aus Karlsruhe der eigentlich Peter Munz heißt, ist Sigmund Freud ein Held, denn bei dem dreht sich auch alles um Sex. Umbra et Imago haben sich in der Folge dazu berufen gefühlt, Sigmunds Lustprinzip um die Musik zu bereichern. Auf ihrer Internetseite erläutern sie dem Neugierigen den Zusammenhang: “Sex und Musik, so sagt Mozart, seien die beiden einzigen Erfahrungen, die den Menschen den Kosmos spüren lassen – und mit Kosmos meint Mozart eigentlich Gott. Gott, das allumfassende Kunstwerk des Universums.

Zurück zur Sendung, die damals bei RTL2 gelaufen ist. So ganz möchte der Mozart die Schlafzimmertür nicht aufmachen, offenbar befürchtet er, die Beobachter würden schreiend davonlaufen, anstatt ihm auf der Bühne Lustgeschwängert zu huldigen. Das ist mir aber auch einer, dieser Mozart!

So sah sich die Band damals tatsächlich mit dem Problem konfrontiert, das man ihre Konzerte und Shows erst ab 18 Jahren zugänglich machen wollte. Für ihn eine Form von Doppelmoral, wie er auch in einem Interview mit dem Terrorverlag 2004 einräumt: “Wenn die Medien zwischen zwei Dingen, nämlich Sex und Gewalt, zensieren müssten und sie hätten die Wahl, würden sie den Sex zensieren! Was für ein Schwachsinn, aber das ist die Realität!

1997: Peep! – Fetischbands und Gothicszene

Tatsache ist, Mitte der 90er boomt der SM-Style in der Szene. Lack und Leder sind auf dem Vormarsch und diktieren den Dresscode. Auch Accessoires und Verhaltensweisen werden schamlos kopiert, so finden sich Ende der 90er zahlreiche Frauen und Männer mit Halsband und Hundeleine in der Szene, werden durch Discotheken geschleift und auf Festivals entführt, um dort möglichst devot zu erscheinen. Heute finden sich Pferde, Latexsklaven, Gasmasken-Gruftis und Fetisch-Lolitas auf nahezu jedem Event der Szene, “Szenemagazine” gleichen Pornoheftchen mit Fetisch-Kalender-Beilage und scheinen damit auszudrücken: Gothic = Fetisch = BDSM

Zahlreiche Bands bedienen seit den 90ern das Klischee, dass sich Gothics, die sich mit Kleidung aus dem Fetisch-Bereich schmücken, auch sexuell in dieser Richtung austoben würden. Alle voran Umbra et Imago oder auch Die Form, die ursprünglich aus Frankreich stammen.

Für mich ist es fraglich, wie viel vom Klischee wirklich hinter den Schlafzimmertüren der Gruftis zu finden ist. Dass “krasses Aussehen” auch eine “krasse Sexualität” spiegeln, ist wohl so ein gesellschaftliches Ding. Der Mensch ist es eben gewohnt, sein Gegenüber nach dem Äußeren zu beurteilen und ihn in eine seiner Schubladen zu stecken. Ist ja auch viel einfacher. Leider bedienen Menschen wie Mozart genau dieses Klischee und setzen ihre persönlichen Neigungen mit denen einer ganzen Szene gleich.

Ganz unschuldig ist die Szene natürlich auch nicht an diesem Umstand. Sie nach außen hin “krass” zu präsentieren und sein Umfeld mit Tabubrüchen und Extremen zu verschrecken, ist den Gruftis schließlich in die Wiege gelegt.

 

Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.

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BlueLotus
Gast
BlueLotus

Mozart ist ein Urgestein der Szene! Wer mehr wissen möchte, führe sich dieses tolle Interview zu Gemüte: https://www.youtube.com/watch?v=Bf5XYVThO40&t=515s
Und wer wissen möchte, was Konzertfeeling in den frühen 90ern bedeutete: https://www.youtube.com/watch?v=EDZsvsoehds&list=LLtDKvLOWPh5Dm1SQsh3qayw&index=54&t=1675s
Danke dafür und ja, ich würde mich gern wieder zurückbeamen :sad:

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

Es ist ja schön für Mozart und seine Leute, dass sie das so für sich ausleben, aber er sollte sich doch ein bisschen zurück halten mit Pauschalisierungen über die Szene, dass es angeblich dazugehören würde, sich auch sexuell extrem auszuleben, nur weil man einen nicht ganz alltäglichen Style mag und hat.

Diese “krasse” Sexualisierung der Schwarzen Szene durch Unterwanderung der BSDM-Szene hat mich schon seit Anfang der 90er zunehmend genervt. Und das nicht, weil ich prüde wäre, sondern weil es für mich schlicht und einfach nicht zusammenpasst. Für mich bedeutet Goth sein nicht, zu provozieren oder das Extreme zu leben (in welchem Lebensbereich auch immer), sondern das eher in-sich-gekehrt-Sein, der Rückzug in angenehme Bereiche, ob ästhetischer, romantischer, melancholischer oder auch kreativer Weise. Ästhetik und Gefühl bedeuten mir sehr viel, da passt eine auf Schmerz, Erniedrigung und andere Extreme ausgerichtete Sexualität nicht wirklich.

Ich denke auch nicht, dass es typisch für Gothics ist, sich in dieser Sparte der Sexualität zu tummeln. Die Szene dürfte auch hier einen Querschnitt der Bevölkerung spiegeln und ich kann mir auch schwer vorstellen, dass es so vielen ein Bedürfnis sein soll, ihre sexuellen Vorlieben plakativ nach außen zu tragen. Es gab zwar schon immer Leute in der Szene, die gerne provozierten, sei es durch Style oder Betragen, aber die breite Masse der Gruftis wünscht sich eher, in Ruhe gelassen zu werden und vermeidet es daher, anzuecken oder bewusst zu schocken.

Mich nervt diese pornoeske visuelle Außendarstellung der Szene durch Magazine auch extrem, vermutlich ist dies einfach dem Fakt geschuldet, dass man so deutlich mehr Auflagen erzielen kann: “Sex sells”. Früher wurden Gruftis als Satanisten abgestempelt, heute sind wir angeblich alle sexuelle Exoten. Beide Klischees sind in der Pauschalisierung falsch und dämlich, aber leider lässt sich mit Klischees immer mehr Aufmerksamkeit erzielen als mit der Ausräumung von Vorurteilen.

Sylvia_Plath
Gast
Sylvia_Plath

Mozarts Aussage, “Grufties bemerken, wenn sie jemand auf der Bühne vera****t und nur für 300 Mark eine Show abziehe”, ist auch amüsant, wenn man diese Aussage mal auf die heutige Zeit überträgt. Vor allem, was den Mainstream der “Gothic”-Szene betrifft. ;)

BlueLotus
Gast
BlueLotus

Auch ich gehöre nicht zur BDSM-Fraktion, trotzdem spiegeln Umbra Et Imago eine Facette der Szene wieder. Und nicht den Kontext vergessen, diese paar Sätze sprach er vor 22 Jahren.

Yorick
Gast
Yorick

Ich würde Abstand davon nehmen, einen NDH-Rocker, der meint, er hätte mit seinen Kumpels Gothic auf Ibiza erfunden, als Autorität für irgendetwas heranzuziehen.

Zum Thema generell: Auf rein INHALTLICHER Ebene ist ein gewisser Zusammenhang keineswegs völlig abwegig. Zumindest wenn man Gothic weiter denkt als auf die heutige Subkultur bezogen. In der Literatur der schwarzen Romantik spielen diverse sexuelle Perversionen nämlich durchaus eine Rolle.

Die Gothic-SUBKULTUR hat aus rein szenestruktureller Sicht mit BDSM hingegen nichts zu schaffen (was natürlich keineswegs heißt, dass es nicht auch Leute gibt, die beides machen). Zumal es ohnehin ein Unsinn ist, BDSM als Subkultur zu kategorisieren.

BlueLotus
Gast
BlueLotus

@ Yorick: Soweit ich es sehe hat hier niemand BDSM als Subkultur bezeichnet, doch jetzt wo Du es sagst: Es mag die einen oder anderen Menschen geben, die dieses Thema durchaus so lebensbeherrschend ausleben, daß der Begriff laut Wikipedia doch schon seine Anwendung finden könnte, zahlenmäßig vielleicht eher als Subkultürchen, doch tendiere ich zu der Meinung, daß es ungleich mehr BDSMler gibt, als Gothics. Doch zurück zum Thema: Wer so salopp urteilt, sollte nicht über Halbwissen verfügen: Umbra Et Imago haben 2 Dark Wave Alben veröffentlicht.

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Mozart war damals schon eher albern (also in der Aussendarstellung) ….so ne alberne Show auf dem Zillo und so. “Infantile Spiele” hatte mein damaliger Kollege einfach mal so aus dem lameng gekauft… “ich liebe deine Möse” ok..heisse Geschichte..aber heute bestimmt nicht mehr. Damals hatte auch die Aufbrechung gewisser Tabus ja auch einen gewissen Sinn..im Kontext zur damaligen Gesellschaft (Invincible Spirit- Can Sex Be Sin)…aber trotzdem waren Umbra Et Imago musikalisch auch nie so meins (2 Songs fand ich ganz gut).

wichtlhexe
Gast
wichtlhexe

Lack und Leder gab es schon früher. Vivienne Westwood hatte schon früher bei ihren Kollektionen mit dem BDSM-Look gespielt. Das zieht sich also schon seit Mitte/Ende der 1970er so durch die Szenen (Punk/Gothic). Es ist somit letztendlich auch ein

@Tanzfledermaus: Bin da ganz bei dir. Diese übertriebene Sexualisierung in/durch/mit der Szene ist entsetzlich. Das hat auch nichts mit Prüderie zu tun, sondern das ich nicht von jedem seine Genitalien, sekundären Geschlechtsteile und sexuelle Vorlieben um die Ohren und Augen geknallt haben möchte. Hallo Privatsphäre! Fängt mit diesen extremen BDSM-Looks an, geht über die superknappen Minikleider in Szene-Shops weiter, bis hin zu den immer-super-sexy-dauermegagestylten-Instagram-Gothic-Models.

Man kann sich ab und an zum “Sexobjekt” machen, das tut manchmal der Seele oder dem Ego gut. Wenn man aber seine ganze Aufmerksamkeit und Anerkennung nur noch über so ein Verhalten bezieht, weil man keine anderen Möglichkeiten hat/kennt, dann ist das durchaus ein Problem.

BlueLotus
Gast
BlueLotus

Ich finde es interessant, daß es soviele Ähnlichkeiten in der Entwicklungsgeschichte der Bands Umbra Et Imago und Lacrimosa gibt: Beide von Anfang an dabei, beide starten mit Dark Wave und entwickeln sich hin zu NDH, beide haben eine sehr große Fanbase am südamerikanischen Kontinent. Ich persönlich finde NDH ja furchtbar, aber bei beiden Bands sind die ersten 2 Alben ein Muß für Nostalgiker & Dark Wave -Fans. Der Tilo war ja in den frühen 90ern der “Paradegrufti”, den alle Goth-Mädels heiß fanden :wink: Und eines muß auch mal gesagt werden: So negativ, wie das heute gesehen wird, fand damals das zunehmende Aufkommen von Lack & Co. in der Szene niemand, im Gegenteil, jeder wollte plötzlich ne hautenge, schwarze Lackhose haben.

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

@ Blue Lotus: Umbra et Imago und Lacrimosa von den (Szene-)Anfängen an dabei? Da muss ich aber mehr als hülsteln. Die sind doch erst gegen Anfang der 90er aufgetaucht, in der “zweiten Generation”, da existierte die Szene schon längst einige Jährchen ;-)

BlueLotus
Gast
BlueLotus

@Tanzfledermaus: Ja, sorry, da hast natürlich recht, meinte die 90er Goths, hätt ich präzisieren sollen!

Eldin
Gast
Eldin

Ich weiß nicht, was es bringt, sich über einen Kommentar aufzuregen, der vor (!) 22 Jahren geäußert wurde. Mir ist nicht bekannt, dass die sogenannte Gothic-Szene sich jemals gegen solche und ähnliche Pauschaläußerungen und die heimliche Unterwanderung durch die BDSM-, Fetisch-, Metal-, Schlager- und Technoszene mit aller Deutlichkeit gewehrt hat. Alles wurde stillschweigend und demutsvoll hingenommen. Mit dem Ergebnis, dass der ursprüngliche “Gothic” nicht mehr existiert und in der derzeitigen Öffentlichkeit nur noch als Witzfigur wahrgenommen wird.

Tanzfledermaus
Gast
Tanzfledermaus

@Eldin
Mit dem Hinweis auf das Alter des Kommentars hast Du natürlich recht, allerdings geistert sowas ja heutzutage immer noch im Internet herum und nicht jeder, der sich sowas anschaut, hinterfragt die Gültigkeit einer solchen Aussage. Und da auch heute immer noch in “Szene”-Magazinen und auf vielen Veranstaltungen/Konzertbühnen die Aussage “Sex sells” deutlich präsent ist, ist das Thema nach wie vor aktuell.

Die Schwarze Szene hat nicht immer alles stillschweigend hingenommen, was sie unterwandern wollte. Ich erinnere mich da an Kampagnen wie “Gruftis gegen rechts” und “Haltet die Szene sauber” gegen Cyber-“Gothics”

Nossi
Gast
Nossi

ich bin mir nicht sicher, ob der Peter Mozart wirklich die gesamte Gothicszene geschädigt hat. In amerikanischen Gothicgruppen geht es nur noch um das posten von halbnackten meddälchicks, die band umbra et imago kennt aber niemand. Ich gebe zu, in meinen Teenie-tagen, fand ich den Mozart klasse, hatte aber kaum Hintergrundinfos. Damals hatte ich auch nicht den Eindruck, die Gothicszene sei meddälverseucht. Umbra und Lacrimosa waren die einzigen mir bekannten Bands, die meddäl Elemente verwendeten… da fällt mir ein, LAIBACH hatten auch mal so ne “ämerican industrial meddäl” Phase. Mir gefielen die neueren UMBRA CDs damals nicht so gut. Die ersten Sachen- natürlich auch die Demokasette, fand ich hingegen ziemlich obskur im positiven Sinn. Auch die ersten Lacrimosa waren doch eigentlich klasse. Beide Bands verfolgten einen eigenen Ansatz. Bedauerlich- das beide Bands sich dem meddältrend anschlossen. Das funktionierte bei beiden Bands überhaupt nicht. In den folgenden Jahren, entwickelte ich eine immense Abneigung gegen populäre meddälmusik, beobachtete UMBRA dennoch, denn, sind ja fasst Nachbarn. Ich hatte immer die Hoffnung, das die Band irgendwann -back to the dark roots- geht. Mit den BDSM Bezügen habe ich überhaupt keine Probleme, fand dieses BDSM -Image sogar gut, weil die europäische Gothicszene damals so einen Hauch von Prüderie verbreitete. Mein Ansatz von Gothic sind bekanntlich keine barocken Herrschaften, die sich in ihren edlen Gewändern nicht mal auf einer Holzbank ausruhen können, sondern wilde obskure Leidenschaft. Von daher, war mir das wilde und provokative Umbra Image lieber, als dunkle Barbies, die ihren Schwarztee aus Porzelan nippen. :D

Yorick
Gast
Yorick

@Robert:
Ich denke unsere Prioritäten sind da einfach unterschiedlich gesetzt. Für mich ist der inhaltliche bzw. ‘literarische’, wie du es nennst, Teil eben die Hauptsache. Die Szene als Szene ist hingegen nicht mehr meine Angelegenheit und sei jenen überlassen, die sich für sie zuständig wähnen.

shizzo
Gast
shizzo

Zu dem eher distanziert- zugeknöpften Habitus der Waver hat diese SM- Welle damals gar nicht gepasst.
Aber sie hat sie, wie viele andere Einflüsse später auch, wahrscheinlich am Leben erhalten.

Ich erinnere mich noch gut an eines der allerersten Umbra- Konzerte, zu welchem Mozart nur eine durchsichtige Strumpfhose trug. Prüde, wie ich war, konnte ich das überhaupt nicht ab und bin wohl mitten im Konzert gegangen. Aber auch, weil das alles so gar nichts mehr mit seiner ersten Band, The Electric Avantgarde, zu tun hatte.

The Drowning Man
Gast
The Drowning Man

Es gab ja neben Umbra Et Imago Anfang der 90er auch bspw. Die Form…und “Bite Of God” war ja auch ein ziemlicher Disco-Song seinerzeit…nur zum Thema BDSM. Die Form..Phillipe Fichot…und das ist ne Band die 1977 gegründet wurde und sehr viel Anerkennung innerhalb der frühen Szene geniesst. Passt schon irgendwie…wenn auch nicht absolut…natürlich nicht! Aber in meiner Wahrnehmung hat sich das deshalb so entwickelt..weil sich die “Szene” damals in eine reine Disco-Kultur etabliert hat..und da lief so was ja auch (Ich mag Die Form). Jedenfalls nicht mehr das gemeinsame Abhängen. Hat vielleicht auch etwas damit zu tun. Wer will sich schon mit Latex in den Stadtpark oder vielleicht Friedhof setzen?

Nossi
Gast
Nossi

Nachtrag
…angenommen, man würde dies in einer netten Runde bei Espresso, Tee und Gebäck diskutieren, angenommen-
so würde ich folgendes zu bedenken geben:

Umbras Mozart- der NDH Rocker - irrelevant für Grufties?

Dazu die Bemerkung, es hat sich bestimmt herumgesprochen, wie ich über NDH denke (nix gutes^^).
Doch bedenke man, der Bandgründer entstammt der alten Waveszene.
Auch Sopor Aeternus machen
streng genommenkeine Gothicmusi...
Interessant wird es dadurch, das es eben Waver/Grufties sind, die hier musikalische Experimente wagen.

Unabhängig davon, das ich nichts als Schmähreden für NDH übrig habe, würde ich Musikprojekte die keine typische Gothenmusi fabrizieren, aber von Grufties gegründet wurden,
dennoch als "gehört im Laden doch irgendwie ins Gothicregal" bezeichnen.

Streng genommen, müssten wir dann Herr Sprisslers "meddäl n fashionGothicMagazin" ebenso in Frage stellen, als auch Goethes Erben, Wolfsheim, Deine Lakeien, Lacrimosa etc.
Warum man mir in Gothicforen mit etwas wie "rammmstein" auf den Zeiger geht, werde ich ohnehin nie verstehen und hinterfragen. Solange man nerviges sackpfeiffenggedudel und ordinären tekkno pop als szenerelevant feiert, können wir uns tatsächlich darüber erdreisten, warum Umbras Mozart mit "meddäl" und plakativen BDSM experimentiert / provoziert?

Wo beginnt Gothenmusi wo hört sie auf. Ist es noch Gothenmusi wenn die Inhaber des Musikprojektes zwar der Gothenszene entstammen aber musikalisch einen anderen Weg einschlagen wöllten? oder- ist es Gothenmusi wenn die Inhaber zwar nach bauhaus klingen wollen aber kurzhaarige bärtige Hippster sind, die weiße Turnschuhe und Nikehemden tragen? hmmmm das ist schon schwierig, gell.

Es wurde in einem Kommentar eingeworfen, Umbra hätten die Szene geschädigt. Dies führt mich zu der Frage, wer den Weg dafür bereitet hat, das Gothic seit über einem Jahrzehnt zu einem reinen Kunstprodukt verkommen ist und "Kunstprodukt" ist hier als negativ als "unecht, gekünstelt, aufgesetzt, unglaubwürdig" zu verstehen.
Mozart aus München? Oder doch eher gewisse biedere gekünstelte "angebliche Fachzeitschriften" und gehypte Bands, die vor langer Zeit ununterbrochen auf viva2 liefen?
Der 08/15 Gothicboy (oder Girl) der damaligen Zeit hörte keinen GothicRock oder Darkwavemusik.
Man hörte meddäl, tekkno-pop, sackpfeiffengedudel, pseudointellektuelle Klaviermusik und bestellte sich ganz coole outfits bei XtrX oder wie die hießen.
Umbra et Imago waren damals verpönt. Zurecht, ja, aber im selben wurde irgendein musikalischer Sondermüll von unglaubwürdigen Barbies und neureichen Studenten abgefeiert, die zudem nicht einmal einen Gothic oder Wave Hintergrund hatten.

Solange man auf einem Gothic und Wave Festival mit subway to sally und chart-bläck meddäl und sonstigem 08/15 Gedudel belästigt wird, sollte man es sich überlegen, ob man eine Band wie Umbra vorschnell verurteilt.
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....der Gedanke, das eine angeblich "düstere Szene" etwas wie : BEISPIEL : subway to sally oder ein "meddäl n fashion Heft" namens
Gothicstillschweigend akzeptiert, aber über Peters Umbra nörgelt, ist schon irgendwie erheiternd.