Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

Bundeszentrale für politische Bildung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewordener Schokoriegel – zumindestens rein Geistig.  Die BPB hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen über Politik, Kultur und Geschichte aufzubereiten und in zahlreichen Publikationsreihen zur Verfügung zu stellen. Unter der Reihe Zeitbilder, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugendkultur erschienen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem ersten Band der Reihe, der Entstehungsgeschichte der Jugendkulturen in Deutschland, die nahezu jeden Leser interessieren dürften, denn jeder ist schließlich mal jung gewesen. Es geht aber nicht um die Jugend schlechthin, sondern um die Minderheiten, deren Einfluss auf die große Mehrzahl der Gleichaltrigen, die sich mit keiner Jugendkultur im ganzen identifizieren kann, nicht unterschätzt werden sollte.

Jugendkulturen in Deutschland: 1950-1989

Der erste Band beschäftigt sich eingehend mit den ersten Jugendkulturen, die nach dem Weltkrieg in Deutschland ein breite Masse neuer Heranwachsender in ihren Bann zog und die als Strömungen aus Europa und Amerika Verbreitung fanden. Nicht zuletzt war Deutschland ja unter starkem Einfluss des Alliierten, die als unfreiwilliger Katalysator für die Entstehung der Szenen gelten. Zunächst geht Farin mit dem Kapitel Bravo Amerika auf die 50er Jahre ein, in denen der Rock’n’Roll in Deutschland Einzug erhielt und die Halbstarken erstmals Bedeutung finden. Die Swinging Sixties in denen der Beat regiert, waren ebenso wie die 50er eine hauptsächlich Spaßorientierte Jugendbewegung, die durch den wirtschaftlichen Aufschwung immer mehr Zulauf fanden. Erst als Mitte der 60er das Wirtschaftswunder erste Risse bekam und Unzufriedenheit vorherrschte, änderte sich das Verhalten der Jugend. Der Aufstand der Bildungseliten: die APO beschreibt die aufflammenden Studentenproteste zur Rebellion gegen das System und für die Reformation des Staates, die vielen als 68er Bewegung bekannt sein dürfte. Die Siebziger: Aufbruch und Ernüchterung befasst sich mit dem Wandel innerhalb der Gesellschaft und des Staates, der die Jugend immer mehr als Sicherheitsrisiko betrachtet. Erst mit dem Punk Ende der 70er bricht es wieder aus der Jugend heraus und Protest und Provokation bestimmen wieder den jugendlichen Teil der Gesellschaft, das es einmal eine der wichtigsten musikalischen Entwicklungen handeln würde, konnte niemand ahnen. Als Quelle vieler neuer Jugendkulturen geht Farin dann auf die Skinheads ein, die als letzte Erben der Arbeiterklasse als Szene bei uns Einzug erhalten, von Verbindungen zum Rechtsradikalismus hat zu dieser Zeit noch niemand gesprochen. Die ebenfalls aus England stammende Hooligan Szene, wird von Farin als kontroverse und rein männlich und Gewalt Orientierte Bewegung gesehen wird. In seinem Abschlusskapitel Die Achtziger: Eine Generation steigt aus widmet er sich der Hausbesetzerszene und den Autonomen, in der sich wieder gezielter Protest gegen die Willkür des Staates breitmacht. Auch die neue Jugend, die sich wieder mit ihrer Zukunft auseinandersetzt nimmt Farin hier unter die Lupe.

Wer wissen will, wie die Gesellschaft von morgen aussieht, sollte sich die Jugendlichen von heute genauer ansehen. (Klaus Farin, Einband des Buches)

Den zweiten Band und ein abschließendes Fazit habe ich in einem zweiten Artikel niedergeschrieben, darin geht es um die abschließende Zusammenfassung der Inhalte und meiner Meinung zu den Werken.

Robert Forst
Wizard of Goth – sanft, diplomatisch, optimistisch! Der perfekte Moderator. Außerdem großer “Depeche Mode”-Fan und überzeugter Pikes-Träger. Beschäftigt sich eigentlich mit allen Facetten der schwarzen Szene, mögen sie auch noch so absurd erscheinen. Er interessiert sich für allen Formen von Jugend- und Subkultur. Heiße Eisen sind seine Leidenschaft und als Ideen-Finder hat er immer neue Sachen im Kopf.
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Beflin
Beflin (@guest_16393)
Vor 10 Jahre

lol was das fürn kak

Guldhan
Guldhan(@guldhan)
Vor 10 Jahre

»rofl« Das ist etwas, was für die Vorlieben Deines Vokabulars und Deiner Interpunktion wohl auch zu hoch sein wird.

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