Das Kriminalhaus in der Eifel

Es gibt Ereignisse, die treiben selbst hartgesottene Großstadt-Gruftis an verregneten Wochenenden aus der Höhle hinaus. Über Wälder und Felder durch Gegenden, in denen man weder tot noch lebendig begraben sein möchte – direkt hinein in die Vulkaneifel, die zugegebenermaßen einen ziemlich coolen Namen hat. Dann ein Ortsschild: Hillesheim. Der eingefleischte Grufti denkt sofort ans Mera Luna und sinniert: Ich streiche das „L“ und wünsche mir ein „D“! Doch dann geschah das Unerwartete. Das Kriminalhaus!?

Dieser Spur mussten wir nachgehen. Was wir herausfanden, war gemütlich, liebevoll gemacht und unbedingt empfehlenswert. Das Kriminalhaus in Hillesheim besteht aus dem Café Sherlock und dem Deutschen Krimiarchiv. Im Keller des Hauses befindet sich wohl noch eine Buchhandlung, die wir aber nicht besucht haben. Wir statteten zunächst dem Sherlock einen Besuch ab.

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Café auf „Krimi“ zu münzen. Man könnte zum Beispiel den Raum historisch korrekt im Stile des späten 19. Jahrhunderts gestalten und hochglanzpolierte Schreibmaschinen neben sündhaft teuren anderen Überbleibseln aus dieser Zeit drapieren, dann Sherlock Holmes und Watson als Wachsfiguren reinsetzen und überall Schilder anbringen: Anfassen verboten!

Oder man sammelt  – wild durcheinander – alle Plakate und Bilder, die irgendwas mit alten und neuen Krimis zu tun haben, und Utensilien vom antiken Telefon übers Grammophon  bis zu Apotheker-Gefäßen, in denen sich durchaus einmal Arsen befunden haben kann. Dann hängt und stellt man alles einfach dorthin, wo Platz ist, so dass ein gemütliches, unkompliziertes Ambiente entsteht. Das Café Sherlock gehört zum letzteren Schlag.

Alte, durchgesessene Sofas und wacklige Stühle, Tische, die unter der Glasoberfläche Indizien und Utensilien aus der Kriminalliteratur enthalten, ein Raucherzimmer und eine liebevoll gestaltete Speisekarte. In dieser fanden wir auch nähere Hinweise zu den Tischen im Café. Ich hoffe, dass man auf dem Foto (rechts) alles lesen kann.

Wir gingen bei einem Sherlock-Kaffee dem Rätsel nach, ob das Bild im Regal neben uns Alfred Hitchcock oder doch eher Winston Churchill zeigte. Die Kellnerin wusste es auch nicht, nahm das Bild kurzerhand aus dem Rahmen, fand ein lustiges anderes Bild auf der Rückseite von Churchill-Hitchcock, aber leider keinen Namen. Dann verdrehte ich noch kurz Edgar Allan Poe – beziehungsweise der Wackeldackel-Version des Schriftstellers – den Kopf und dann machten wir uns auf – eine Etage höher – ins Krimiarchiv.

Ein Blick genügte und es war um mich geschehen. 26 000 Krimis in zwei Räumen – eingereiht in dunkle Regale bis unter die Decke. In der Mitte jeweils eine  Sitzgruppe, antike Steh- und Leselampen und eine urgemütliche Atmosphäre. Ebenfalls vorhanden: Eine Sammlung seltener Detektiv-Gesellschaftsspiele. Nicht etwa unter Glas, sondern zum Anfassen und Benutzen. Das heißt, wer möchte, kann sich dort hinsetzen, Krimis lesen oder spielen und Spaß haben – wenn man denn Zeit hat. Wir waren ja nur auf der Durchreise.

Wer länger als drei Stunden in der Vulkaneifel bleiben möchte, kann sich übrigens auch im Krimi-Hotel in Hillesheim einquartieren oder auf dem Eifelkrimi-Wanderweg die geheimnisvolle Gegend erkunden.

Fazit: Erlebnisse kommen oft unverhofft und warten sogar an verregneten Sommertagen in verschlafenen Gegenden.

Orphi
Orphi Eulenforst – impulsiv, pragmatisch, weniger optimistisch! Prädestiniert für den “Hexenfluch”. Außerdem großer “The Cure”-Fan und überzeugte Schriftstellerin. Orphi ist 1971 vom Himmel gefallen und beschäftigt sich vornehmlich mit den kulturellen Aspekten der Szene. Darüber hinaus macht sie sich als Muse und Gegenpol unbezahlbar.
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Kim
Kim (@guest_23625)
Vor 9 Jahre

Also das Kriminalhaus hört sich ja bereits vor dem Hineingehen total spannend an. Bei uns in der Gegend habe ich eine solch tolle Lokalität bisher noch nicht entdeckt, hier finden lediglich ab und zu Krimiabende statt, wo Autoren Krimis vorlesen. Da ich aber der absolute Krimi Liebhaber bin, werde ich mir sogar einen kleinen Ausflug mit meinem Mann in das Krimiarchiv überlegen.

shan_dark
shan_dark (@guest_23712)
Vor 9 Jahre

Tolle Entdeckung, danke für den Tipp. Man sieht richtig, dass es mit Liebe gemacht ist… Wenn ich mal in der Nähe bin, trinke ich da einen Tatort-Kaffee.

ASRianerin
ASRianerin (@guest_23732)
Vor 9 Jahre

Wow, was es nicht alles gibt.
Ich bin ja eigentlich kein Krimi-Fan, aber das sieht echt gemütlich und sehenswert aus.
Wäre eventuell ein Geburtstagsgeschenk für Muddi, oder so.

Sipo
Sipo (@guest_23810)
Vor 9 Jahre

Das klingt auch für nicht Krimi-Fans super interessant und verdammt gemütlich, leider ein wenig weit weg für mich.
Ich werde den Tipp aber mal an eine Bekannte (absolute Krimileserin) weitergeben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass sie extra deswegen ganz aus Bremen dahin fährt.

Lilie Marie Sharpe
Lilie Marie Sharpe (@guest_50151)
Vor 7 Jahre

Klingt ja ziemlich cool. Da muss ich unbedingt mal hin:D

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